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Full text of "Geschichte der österreichischen Industrie und ihrer Förderung unter Kaiser Franz I. Mit besonderer Berücksichtigung der Grossindustrie und unter Benützung archivalischer Quellen verfasst"

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Geschichte der 

Österreichischen Industrie 

und ihrer Förderung unter Kaiser Franz L 



Mit besonderer Berücksichtigung der Großindustrie 
und unter Benützung arclÜTalischer Quellen verfaßt 



von 



Dr. Johann Slokar. 




■ 



Wien 1914. 
Verlag von F. Tempsky. 



Alle Rechte, einschließlich des Übersetzungsrechtes, vorbehalten. 



fil3741 



Buchdruekerei G. FreyUg. Geiellsohtlt m. b. H. Wien. 



o 



Dieses Buch verdankt seine Entstehung einem Zufalle. Vor einigen Jahren 
machte ich mit Freunden einen Ausflug in das Bergland der Karpathen. In 
einem entlegenen Seitentale gelangten wir an eine alte Glasfabrik, die unsere 
Aufmerksamkeit erregte und eine Diskussion über ihre Begründung, ihr Alter, 
ihre Entwicklung und ihre Greschicke hervorrief. 

Von der Glasfabrik ausgehend, kamen wir auf die Begründung der öster- 
reichischen Industrie im allgemeinen zu sprechen. Wir waren uns klar, daß 
die wesenthchen Anfänge der Industrie Österreichs mit der Regierungszeit 
Kaiser Franz' I. zusammenfallen, daß aber über diese Anfänge sowie über 
die Entwicklung der Industrie in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts 
verhältnismäßig zu wenig bekannt sei und daß es ein verdiensthches Beginnen 
wäre, eine auf eingehenden Quellenstudien begründete, zusammenhängende 
Geschichte der österreichischen Industrie während der Regierungszeit Kaiser 
Franz' I. zu schreiben. 

Ich brachte diesem Gegenstande besonders großes Interesse entgegen, 
da auch meine Vorfahren in jener Zeit nach Österreich einwanderten und 1819 
in Brunn eine Tuchfabrik begründeten. 

Mit der Verfassung dieses Buches habe ich einen jungen Mann, Herrn 
Dr. Slokar, betraut, der meiner Ansicht nach seine Aufgabe mit großem Fleiß 
und viel Geschick gelöst hat. 

Aus diesen Darstellungen wird man dankbar das große Interesse entnehmen, 
das der Kaiser der Entwicklung der Industrie entgegenbrachte, und die Wür- 
digung und Förderung erkennen, die alle gewerbüchen und industriellen Be- 
strebungen bei den Hof- und Regierungsbehörden fanden. 

Wenn die Gegenwart — Unternehmer und Verwaltung — auf nun neuer, 
ganz geänderter gesetzlicher Unterlage manche Lehre und Anregung aus diesem 
Buche, das die Vergangenheit darstellt, empfinge, so wäre diese Arbeit nicht 
ohne Nutzen für das wirtschafthche Leben unseres Vaterlandes. 

Wien, im Mai 1914. 

Paul von Sehoeller. 



Vorwort. 



Als ich im Mai 1911 vom Herrenhausmitgliede Paul Ritter von 
Schoeller, Präsidenten der niederösterreichischen Handels- und 
Gewerbekammer, unter Zusicherung seiner materiellen Unterstützung auf- 
gefordert wurde, eine Geschichte der österreichischen Industrie und ihrer 
Förderung unter Kaiser Franz I. mit besonderer Berücksichtigung der Groß- 
industrie zu verfassen, war ich mir der Schwierigkeiten, die einem solchen Unter- 
nehmen entgegenstanden, wohl bewußt. Der große Umfang des Stoffes, der 
fast völlige Mangel an Vorarbeiten sowie die Zerstreutheit und Lückenhaftig- 
keit des Quellenmaterials machten umfassende, bis in die Einzelheiten 
reichende Vorerhebungen und Materialiensammlungen notwendig. Die Fülle 
des dadurch zustande gekommenen Stoffes barg wieder die Gefahr in sich, 
in der Masse von Details zu versinken und die Vollendung der Arbeit in abseh- 
barer Zeit in Frage zu stellen. 

Daher entschloß ich mich, viele Fragen, die das Forschungsgebiet in be- 
deutendem Maß ausgedehnt hätten, von vornherein aus dem Kreise meiner 
Betrachtungen auszuschalten und mich auf die Geschichte der produzie- 
renden Gewerbe mit besonderer Hervorhebung der Großindustrie 
zu beschränken. Nicht näher eingegangen bin ich auf die Organisation und Ent- 
wicklung des inneren und auswärtigen Handels, ebenso wie ich auch die Handels- 
pohtik, die gewerblichen Kredit Verhältnisse sowie die sozialpoMtischen Fragen 
im allgemeinen nicht in den Kreis meiner Ausführungen einbezogen habe. 

Die Fülle des Quellenmaterials Heß auch für das begrenzte Gebiet keine 
vollständige Ausbeute zu, so daß ich bei der Darstellung nur auf jene bedeutenden 
und charakteristischen Züge und Einrichtungen hinweisen zu müssen glaubte, 
welche ein deuthches Bild der Entwicklung der Industrie und der Industrie- 
pohtik jener Zeit vor Augen zu führen geeignet zu sein scheinen. 

Die Arbeit zerfäUt in zwei Bücher. Das erste behandelt die allgemeine 
(d. h. die auf alle Industriezweige in gleicher Weise Bezug habende) G^werbe- 
politik, wobei einzelne wichtigere Fragen und Teile hervorgehoben und einer 
eingehenderen Darstellung unterzogen wurden. Das zweite Buch umfaßt die 
besondere G^werbepolitik bezügUch der einzelnen Industriezweige samt einer 
kurzen Darstellung der Entwicklung der einzelnen Industriegi'uppen. 

Die Verhandlungen im ersten Buche sind auch dort, wo dies nicht durch 

Anführungszeichen gekennzeichnet ist, fast wörtUch wiedergegeben, so daß sie 

;ein getreues Bild der damahgen Beratungen und Erörterungen darstellen. 



VI 

Ich kann mir unmöglich schmeicheln, die Arbeit als eine abgeschlossene 
zu betrachten; sie schließt weiteres Forschen auf diesem Gebiete nicht nur 
nicht aus, sondern sollte es vielmehr nur noch anregen. Diese Zusammenstellung 
eröffnet dem Fachmann einen Einblick in die Fülle von Fragen auf den ein- 
zelnen Gebieten der Geschichte des Gewerbewesens und der Gewerbepolitik, 
die einer eingehenden, erschöpfenden monographischen Darstellung dringend 
bedürfen. Denn nur auf diesem Wege wird es einmal möghch sein, zu einer 
befriedigenden Geschichte der österreichischen Industrie zu gelangen. Darin 
lag ja die Hauptschwierigkeit dieser Arbeit, daß die meisten Fragen auf Grund 
archivalischer Originalquellen behandelt werden mußten, deren erschöpfende 
Erforschung die Arbeitskraft eines Menschen auf viele Jahre hinaus in Anspruch 
nehmen würde. 

Viele Kapitel des zweiten Buches sind einstweilen nur als ein erster Versuch 
anzusehen, der noch einer weitgehenden Vervollständigung und Vertiefung 
bedarf. Die Lückenhaftigkeit des Quellenmaterials ließ auch keine systema- 
tische Darstellung zu, welche sich an den Produktionsprozeß vom Rohstoffe 
bis zum Ganzfabrikat anschließen würde. 

Vorzügliche Dienste leisteten mir für die Kenntnis der Verhältnisse in den 
Zeiten vor Franz I. die umfassenden Arbeiten von H. v. Srbik und Karl Pf i- 
bram. Vielleicht gibt die vorliegende Arbeit die Anregung zur Entstehung 
weiterer die Geschichte eines Industriezweiges oder der industriellen 
Verhältnisse einzelner Teilgebiete unseres Vaterlandes behandelnden Dar- 
stellungen, wie sie bisher von D'Elvert, Hallwich, Grunzel, Migerka, 
Deutsch, Cronbach, Salz u.a. vorliegen. Dann erst wird die Zeit ge- 
kommen sein, um die Geschichte der österreichischen Industrie am Ende des 
18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf besserer Grundlage zu 
schreiben. 

Zu hohem Danke verpfUchtet bin ich für die mir zuteil gewordene Förde- 
rung und Unterstützung den Direktoren und Beamten der verschiedenen 
Archive und BibUotheken, und zwar: 

Vom k. u. k. gemeinsamen Finanzarchiv: Seiner Exzellenz Sektions- 
chef Dr. L. V. Thälloczy sowie den Herren Hofrat Kreyczi, Archivar Dr. 
Bodenstein, Archivar Dr. Ivanic und Vizearchivar Dr. Eckhart. 

Vom k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv dem Herrn Direktor 
Sektionschef Dr. von Kärolyi sowie den Herren Sektionsrat Professor 
Dr. Stokka, Vizearchivar Dr. Luntz und Dr. Groß. 

Vom Archiv des k. k. Ministeriums des Innern den Herren Staats- 
archivar Dr. Huf fnagl und Dr. Stritzko. 

Vom Archiv des k.k. Finanzministeriums den Herren Archivdirektor 
Dr. von Hofmann und Hofsekretär Dr. Witting. 



VII 

Vom k. k. Statthaltereiarchiv in Wien den Herren Dr. Mayer und 
Dr. Seidl. 

Vomk. k. Statthaltereiarchiv in Prag dem Herrn Direktor Köppl 
sowie Herrn Bergl. 

Von der k. k. Statthalterei in Brunn Herrn Dr. Meister. 

Vom Landesarchiv in Brunn Herrn Direktor Professor Dr. Bretholz. 

Von der Landesbibliothek in Brunn Herrn Direktor, kais. Rat 
Dr. Schräm. 

Von der k. k. Universitätsbibliothek in Wien Herrn Dr. Viktor 
Kraft. 

Vom Archiv der Stadt Wien den Herren Direktor Hango und 
Dr. Fajkmajer. 

Sehr verbunden bin ich endhch Seiner Exzellenz Feldmarschalleutnant 
Heinrich Ritter von Krauß-Elislago, Kommandanten der 22. Landwehr- 
Infanterie-Truppendivision in Graz, für die freundhche Übersendung des von 
dessen Großvater, dem gewesenen Hofrate bei der k. k. allgemeinen Hofkammer 
Anton Ritter von Krauß-Elislago, verfaßten und hinterlassenen Manuskripts: 
„Aktenmäßige Darstellung der Verhandlungen zum Behuf e der Zustandebrin- 
gung einer den Fortschritten der Zeit und den Verhältnissen der österreichi- 
schen Monarchie entsprechenden Handels- und G«werbegesetzgebung". 

Der Verlagsanstalt bin ich für die schöne Ausstattung des Werkes zu Dank 
verpflichtet. 

Der Fachmann, der auf diesem Gebiete selbst schon gearbeitet hat, weiß 
den mühevollen Weg zu würdigen, der dabei begangen werden muß. Nicht 
immer steht der Erfolg mit der aufgewendeten Arbeit in Ein- 
klang. Dennoch wäre es sehr zu wünschen, daß die unermeßhchen Schätze, 
die noch in den Archiven schlummern, in größerem Maßstabe als bisher durch- 
forscht und der wissenschaftUchen Verwertung zugeführt würden. Wenn die 
vorliegende Arbeit hinsichthch der auf die Geschichte der Industrie Bezug 
habenden archivahschen Quellen dies beschleunigen sollte, so wird sie damit 
ihren Hauptzweck erfüllt haben. 

Wien, im Dezember 1913. 

J. Slokar. 



IX 



Inhaltsübersicht. 



Erstes Buch: Geschichte der 

Seite 

Einleitung: Kurze Übersicht über 
die österr. Industriepolitik bis 
1792 1 

Die Industriepolitik unter Kaiser 
Franz I. 

I. Kap. Die allgemeine Industrie- 
politik von 1792 bis 1798 ... 13 

Behörden 13 

Die Zünfte 13 

Verschleißrechte der Fabrikanten . . 14 

Qualitätenordnungen 14 

Privilegien 14 

Vorschüsse 14 

Fabriksbefugnisse 14 

Furcht vor Revolutionen, Polizeigeist 15 
Beschränkung der Fabriken in Wien 16 
Kommerzial- und Polizeigewerbe. . 19 
Prohibition und Stempelung .... 19 
Begünstigung der Fabrikanten bezüg- 
lich der Militärlasten 20 

Auszeichnungen 21 

IL Kap. Die allgemeine Industrie- 
politik von 1798 bis 1816 ... 21 

Behörden 21 

Allgemeine Bewilligung der Beschäf- 
tigung von Gesellen außer Haus . 22 

Versuch der Fernhaltung der Fabri- 
ken aus Wien 25 

Gegensatz zwischen Hofkammer und 
Hofkanzlei bezüglich der Liberalität 40 

Erleichterung der Gründungen auf 
dem Lande 42 

Vortrag vom 19. Juli 1808 über die 
Frage, welche Fabriken von Wien 
ferngehalten werden könnten . . 46 

Aufhebung der Beschränkungen be- 
züglich Wiens und der Vorstädte 49 

Erklärung der Gewerbefreiheit zur 
gesetzlichen Grundlage der Kom- 
merzialleitung (1809) 49 



allgemeinen Industriepolitik. 

S^te 
Gänzliche Aufhebung der Beschrän- 
kungen auch für die Umgebung 

Wiens 50 

Liberale Politik außerhalb Wiens . 51 
Wirtschaftliche Depression seit 1811 54 
Aufhebung von Beschränkungen be- 
züglich der Zahl der Lehr jungen 

(1816) 55 

Bestimmungen über die Standorts- 
veränderung von Gewerben ... 56 
Erste Anläufe zu einer allgemeinen 
Reform der Gewerbeverfassung . 56 

Fabriken an der Grenze 63 

Kontinentalsperre 64 

Finanzpatent von 1811 64 

Erwerbsteuerpatent vom 31. Dezem- 
ber 1812 65 

Militärbegünstigimgen 65 

III. Kap. Die allgemeine Industrie- 
politik von 1816 bis 1830 ... 66 

Behörden 66 

Fortdauer der wirtschaftlichen De- 
pression 66 

Allgemeine Klagen 66 

Errichtung der Kommerzhofkommis- 

sion 69 

Abweisung von Gesuchen um Be- 
schränkungen auf dem Gebiete der 

Gewerbe Verleihungen 70 

Anfänge eines selbständigen Auf- 
tretens der Industrie 71 

Plan zur Errichtung von Handels- 
kammern 72 

Bestrebungen, die Gewerbestatistik 

zu verbessern 73 

Regelimg des Ankaufes von Realitäten 

durch Juden für den Fabriksbetrieb 73 
Verschleiß- und Niederlagsrechte . . 73 

Privilegienrecht 74 

Kommerzial- und Polizeigewerbe . . 74 
Bekämpfung des Schleichhandels 74 
Fabriken an der Grenze 77 



Seite 

Aktienrecht 79 

Militärlieferungen und Industrie . . 80 
Staatliche Anstalten zur Verbesse- 
rung einzelner Produktionszweige 83 

Nationalbank 83 

Handels- und Industriezeitung . . 84 

Ausstellungen 84 

Versuch, die Verleihungen von Ge- 
werben zu beschränken 1822 — 1827 85 
Einführung der österreichischen Ge- 
werbeverfassung im Salzburger und 

Innkreise (1825) 92 

Aufhebung der Zwischenzollinie 
zwischen den Erbländern und Tirol 

und Vorariberg (1825) 92 

Keine Erlöschung der Gewerbebefug- 
nisse bei Nichtbetrieb (seit 1827) . 92 
Gleichzeitiger Besitz von Unter- 
nehmungen im In- und Auslande . 93 

Qualitätenordnungen 94 

Militärbegünstigungen 95 

Verhandlungen und Vorarbeiten zu 
einer Reform der gesamten Gre- 

werbeverfassung 97 

Anfänge der modernen Großindustrie 101 

Arbeiterschutz 102 

Die Fabrikeninspektion und ihre Auf- 
hebung 103 

Kaiserhaus und Industrie 104 

IV. Kap. Die allgemeine Industrie- 
politik von 1830 bis 1835 mit 
einem Überblicke der weiteren 

Entwicklung bis 1848 105 

Entstehung gewerblicher Vereine . . 105 

Ausstellungen 106 

Provinzial-Handelskommissionen . . 106 
Angriffe gegen das liberale Gewerbe- 
verleihungssystem und ihre Abwehr 

1831—1835 107 

Handschreiben Kaiser Franz' I. vom 
4. Februar 1835. Anordnung der 
Ausarbeitung eines neuen Gewerbe- 
konzessionsgesetzes 116 

Teil reformen und Reform versuche . 117 
Aufhebung aller Militärbegünsti- 
gungen 117 

Kommerzial- und Polizeigewerbe . . 118 
Niederlagsrecht 118 



Seite 
Vergebung von Militärlieferungen . . 118 

Privilegienrecht 118 

Besitz von Gewerben im In- und Aus- 
lande 118 

Entwurf eines neuen Gewerbekonzes- 

• sionsgesetzes (1836) 119 

Ziu-ückziehung des Entwurfes (1841) 119 

Arbeiterschutz 120 

Kommerzrattitel 125 

Kaiserhaus und Industrie 125 

Gewerbestatistik 125 

V. Kap. Einteilung der Gewerbe . . 126 

Freie Gewerbe 126 

Arbeitsbefugnisse 127 

Fabriksbefugnisse 127 

Kommerzial- und Polizeigewerbe . . 132 

VI. Kap. Die Verschleiß- und Nieder- 
lagsrechte der Gewerbetreiben- 
den und Fabrikanten 142 

Bewilligung des Kleinverkaufes (1781) 144 
Bewilligung von öffentlichen Ge- 
wölben (1783) 146 

Niederlagsrechte der Fabriken . . . 147 

VII. Kap. Geschichte des gewerb- 
lichen Unterrichtswesens .... 157 

I. Gewerblicher Unterricht durch 
fremde und inländische ge- 
schickte „Fabrikanten" mit 
staatlicher Geldimterstützung 157 

II. Allgemeine staatliche Beleh- 
rungen und Anordnungen zur 
Verbesserung und Ausdehnung 

der Produktion 158 

III. Unterricht in Beschäftigun- 
gen, welche als Nebenerwerb 
den Wohlstand der unteren 
Klassen zu erhöhen und als 
wohlfeile Vorarbeiten den Fa- 
briken und Manufakturen zu 
dienen geeignet waren . . . 160 

IV. Manufakturzeichenschulen . . 161 
V. Realschulen 163 

VI. Polytechnische Lehranstalten 164 

o) Prag (1806) 164 

b) Wien (1815) 167 

c) Graz 171 

Ingenieurschule in Linz . . . 174 



XI 



Seite 

VII. Lehranstalten für Berg- und 

Hüttenkunde 174 

o) (Joachimstal-Prag) - Schem- 

nitz 174 

h) Vordernberg-(Leoben) ... 174 
VIII. Sonntagsschulen für Hand- 
werker 175 

IX. Andere Mittel zur Verbreitung 
gewerblicher Bildung . . . .176 

a) Vorträge 176 

h) Reisestipendien 176 

c) Technische Bibliotheken. . 176 

d) Technische Zeitschriften . 176 

e) Gewerbliche Ausstellungen 176 

VIII. Kap. Stellungnahme der Staats- 
verwaltung zum Maschinenwesen 177 

IX. Kap. Beratung der Behörden 
durch Industrielle. Verhand- 
lungen wegen Errichtung von 
Handelskammern 198 

L Projekt der Errichtung von Handels- 
kammern (1816—1818) 200 
Organisationsentwurf 204 
Provinzial-Handelskommissionen . . 208 
. Kap. Geschichte der industriellen 

Vereine bis 1848 210 

Kaufmännischer Verein 1806. . . .211 
Kaufmännischer Verein 1819. . . . 211 
Absicht der Verbindung eines Indu- 
strievereines mit dem polytechni- 
schen Institut 212 

Vorschlag von Heinrich Hopf 1816 . 212 
Repräsentanten der niederösterr. 
priv. Zitz- und Kattunfabrikanten 

seit 1817 214 

Ausschüsse der niederösterr. Baum- 

wollspinnfabrikanten 215 

Verein zur Ermunterung des Gewerbs- 
geistes in Böhmen 1829 (1833) . . 216 
Plan zur Gründung eines Vereines der 

Zuckerindustriellen (1836) . . . .217 
Reichenberger Gewerbeverein (1845) 218 
Innerösterreichischer Gewerbeverein 

(1837) 218 

Aufstellung allgemeiner Grundsätze 
über die Behandlung der Gewerbe- 
vereine (1838) .* 220 



Seite 
Nfederösterreichischer Gewerbeverein 

(1839) 221 

Verein zur Förderung der Manufaktur- 
zeichnung 223 

Ungarischer Gewerbeverein (1841) . 224 
Gewerbevereine in Siebenbürgen . . 224 
Vereinigung der niederösterr. Baum- 
wollspinnfabrikanten 224 

XI. Kap. Geschichte der gewerb- 
lichen Ausstellungen 1791—1847 225 

Musterkarten 226 

Ausstellung Prag 1791 226 

Industriekabinett in Wien (1807) . 228 

Projekt eines Provinzialindustrie- 
kabinetts in Laibach 229 

Projekt jährlicher Industrieausstel- 
lungen im polytechnischen Institut 230 

Industrialmuseum am Joanneum in 
Graz 230 

Sammlung von Stephan von Keeß . 230 

Technisches Kabinett des Kron- 
prinzen Ferdinand 231 

Ausstellung österr. Produkte in 
Leipzig 1816 232 

Ausstellung österr. Produkte in 
Leipzig 1828 232 

Die böhmischen Gewerbeausstellun- 
gen in der ersten Hälfte des 19. Jahr- 
hunderts 232 

Prag 1828 232 

Prag 1829 233 

Prag 1831 233 

Prag 18a3 234 

Prag 1836 235 

Reichenberg 1841 236 

Die mährischen Gewerbeaustellungen 
von 1833 und 1836 und die Ver- 
handlungen wegen Abhaltung perio- 
discher Gewerbeausstellungen in 

Mähren 236 

Brunn 1833 236 

Brunn 1836 237 

Gewerbeausstellungen in Nieder- 
österreich und die allgemeinen 
Gewerbsproduktenausstellungen in 

Wien 238 

Ausstellungen in der k. k. Por- 
zellanfabrik 239 



XII 



Seite 

Verhandlungen wegen Veranstal- 
tung von allgemeinen Industrie- 
ausstellungen in Wien .... 239 
Privatausstellungsbureau in Wien 239 
Gewerbeausstellung Wien 1835 . 242 

Ausstellung Wien 1839 243 

Ausstellung Wien 1845 244 

Die innerösterreichischen Gewerbe- 
ausstellungen 245 

Graz 1832 und 1833 245 

Klagenfurt 1838 246 

Graz 1841 246 



Seite 

Laibach 1844 . 247 

Linz 1847 248 

Steyr 1841 248 

Ungarische Industrieausstellungen . 249 

XII. Kap. Das Privilegienrecht . . 249 

XIII. Kap. Verhandlungen wegen 
Einführung eines gesetzlichen 
Schutzes von gewerblichen 
Mustern 255 

XIV. Kap. Behandlung der Juden 

in Gewerbeangelegenheiten ... 259 



XV. Kap. Die Baumwollindustrie . 
1. Die allgemeinen Verhältnisse und 



Seite 
267 



die Maßnahmen der Staatsverwal- 
tung 267 

Die Entwicklung der Baumwoll- 
industrie 279 

Niederösterreich 279 

Böhmen 288 

Mähren 307 

Vorarlberg 309 

Tirol 312 

Oberösterreich 312 

Innerösterreich 314 

Küstenland 315 

Galizien 315 

Produktion der Baumwollindustrie 316 
Einfuhr von Baumwolle . . . .317 
Ausfuhr von Baum wollwaren . . 317 



Zweites Buch: Geschichte der besonderen Industriepolitik und die Entwicklung 
der einzelnen Industriezweige. 

Seite 

Galizien 357 

Tirol und Vorarlberg 357 

Übersicht über die Produktion. . 357 

XVII. Kap. Die Leinenindustrie . . 358 

A. Die Maßnahmen der Staatsverwal- 
tung 358 

B. Die Entwicklung der Leinen- 
industrie 371 

Böhmen 371 

Mähren und Schlesien 377 

Niederösterreich 381 

Oberösterreich 382 

Innerösterreich 382 

Küstenland 383 

Galizien 383 

Produktion nach Ländern .... 383 

XVIII. Kap. Die Seidenindustrie . 383 

A. Die staatlichen Maßnahmen bis 
1790 383 

B. Die Entwicklung der Seidenindu- 
strie bis 1790 388 

Die Seidenindustrie von 1790 bis 1848 392 

a) Die Maßnahmen der Staatsver- 
waltung 392 

b) Die Entwicklung der Seiden- 
industrie von 1790 bis 1848. . 394 

Niederösterreich 394 

Tirol 401 

Görz 402 

Böhmen 403 



XVI. Kap. Die Schafwollindustrie . 
A. Die allgemeinen Verhältnisse und 



317 



die Maßnahmen der Staatsverwal- 
tung 317 

B. Die Entwicklung der Schafwoll- 
industrie 324 

Mähren und Schlesien 324 

Böhmen 339 

Niederösterreich 350 

Oberösterreich 353 

Kärnten 355 

Steiermark 356 

Krain 356 



XIII 



Seite 

Mähren 404 

Innerösterreich 404 

Ungarn 405 

Rohseidenproduktion 1841 . . 406 

Seidenwarenproduktion 1841 . 407 

Erfindungen und Privilegien . 407 

XIX. Kap. Die Lederindustrie ... 408 

A. Die Maßnahmen der Staatsverwal- 
tung 408 

B. Die Entwicklung der Leder- 
industrie 409 

Niederösterreich 409 

Mähren und Schlesien 413 

Böhmen 414 

Steiermark 417 

Krain 417 

Kärnten 417 

Küstenland 418 

Oberösterreich 418 

Tirol 418 

Galizien 419 

Ledererzeugung 1841 419 

Die Fabrikation lederner Hand- 
schuhe 420 

Maßnahmen der Staatsverwaltung 420 
Entwicklung der Handschuhfabri- 
kation 421 

XX. Kap. Die Papierindustrie ... 423 

A. Die Maßnahmen der Staatsverwal- 
tung 423 

B. Die EntAvicklung der Papier- 
industrie 426 

Böhmen 426 

Mähren und Schlesien 431 

Niederösterreich 432 

Oberösterreich 437 

St«iermark 437 

Krain und Kärnten 438 

Küstenland 439 

Tirol und Vorarlberg 439 

Galizien 440 

Verbreitung der Papiermaschinen . 440 
Übersicht über die Papierindustrie 
1841 440 

l1. Kap. Die Eisenindustrie . . .441 
A. Die Maßnahmen der Staatsverwal- 
tung 441 



Seite 

B. Kurzer Überblick über den tech- 
nischen Prozeß der Eisenerzeugung 
und Verarbeitung 446 

C. Die Entwicklung der Eisenindu- 
strie von 1780 bis gegen 1848 . . 448 

Böhmen 448 

Mähren und Schlesien 460 

Innerösterreich und die Erzherzog- 
tümer 467 

Tirol 496 

Galizien 496 

Tabellen über die Eisenproduktion 497 

XXII. Kap. Die Metallindustrie 
(ohne Eisen) 501 

A. Die Maßnahmen der Staatsverwal- 
tung 501 

B. Die Entwicklung der Metall- 
industrie 502 

XXIII. Kap. Die Glasindustrie . . 511 

A. Die Maßnahmen der Staatsver- 
waltung 511 

B. Die Entwicklung der Glasindustrie 522 

Böhmen 522 

Mähren und Schlesien 531 

Niederösterreich 533 

Oberösterreich und Salzburg . . 536 

Steiermark 536 

Krain 538 

Kärnten 539 

Tirol 539 

Galizien 539 

XXIV. Kap. Die Porzellan-, Stein- 
gut-, Tonwaren- und Graphit- 
industrie 540 

Niederösterreich 540 

Böhmen 544 

Mähren und Schlesien 553 

Innerösterreich 554 

Oberösterreich 555 

Galizien 555 

Tirol 555 

XXV. Kap. Die chemische Industrie 
(samt Seifen-, Kerzen-, Farb- 
und Parfümeriewarenerzeugung 
sowie öl- und Zündwarenfabri- 
kation) 555 



XIV 



Seite 

A. Die allgemeinen Verhältnisse und 
die Maßnahmen der Staatsverwal' 
tung 555 

B. Die Entwicklung der chemischen 

Industrie 559 

Böhmen 559 

Mähren und Schlesien 563 

Niederösterreich 563 

Oberösterreich 567 

Salzburg 567 

Innerösterreich 567 

Tirol 569 

Görz 569 

Parfümeriewaren 569 

Die Seifenfabrikation 570 

Die Kerzenfabrikation 571 

Siegellack und Schuhwichse .... 572 

Künstlicher Dünger 572 

Die Ölfabrikation 572 

Die Z und Warenfabrikation 573 

Die Leuchtgasindustrie 574 

XXVI. Kap. Die Zuckerindustrie . . 574 
I. Die Raffinierung von Kolonial- 
zucker 574 

II. Die Zuckerfabrikation aus inlän- 
dischen Stoffen 578 

A. Die Zuckerfabrikation aus Run- 
kelrüben bis 1816 578 

B. Die Zuekerfabrikation aus an- 
deren inländischen Produkten 585 

C. Die Zeit von 1816 bis 1829 . 591 

D. Die Rübenzuckerindustrie seit 
1829 592 



Seite 

XXVII. Kap. Die Maschinenindustrie 609 

Mähren 612 

Böhmen 614 

Niederösterreich 616 

Oberösterreich 620 

Innerösterreich 620 

Tirol und Vorarlberg 620 

Triest 621 

Bau von Dampfmaschinen . . . 621 

XXVIII. Kap. Die wichtigsten son- 
stigen Industriezweige 623 

A. Die Fabrikation physikalischer 
Instrumente und die ühren- 
erzeugung 623 

B. Die Fabrikation von Musik- 
instrumenten 626 

C. Die Roßhaarindustrie 627 

Z). Die Strohwarenerzeugung. . . . 628 

E. Die Kautschukindustrie .... 629 

F. Die Erzeugung von Wachslein- 
wand 630 

G. Die Möbel-, Tischler- und Drechs- 
lerwarenerzeugung 630 

U. Die Erzeugung von türkischen 

Kappen und Hüten 631 

/. Die Bierbrauerei 634 

XXIX. Kapitel. Schlußbetrach- 
tungen 637 

Anhang I. Verzeichnis der benützten 

Werke 647 

II. Alphabetisches Sach- und 
Namenregister 652 



Erkläriing der gebrauchten Abktli-zimgeü : 

A. = Archiv; H. K. A. = Hofkammerarchiv (gemeinsames Finanzarchiv); Min. In. = 
Ministerium des Innern; Fin. Min. = k. k. österr. Finanzministerium; St. A. = Statth. 
A. = Statthaltereiarchiv; Kom. = Kommerz; Kom. Kom. = Kommerzkommission; Kom. 
Kam. == Kommerzkammer; Kom. Praes, = Kommerz-Präsidium; P. P. = Präsidialakten; 
Staatsrat = Staatsratsakten aus dem k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv. 



% 



Erstes Buch, 



D D D 

Geschichte 

der allgemeinen Industriepolitik in Österreich 

unter Kaiser Franz L 



Einleitung. 

Kurze Übersicht über die österreichische Industriepolitik bis 1792. 

Der Same, denColbert in den Wind gestreut hatte, trieb nicht nur in Frank- 
reich Früchte. Seine Ideen fanden, dank der ihnen innewohnenden über- 
zeugenden Kraft, bald überall Eingang und riefen Bemühungen zu ihrer Ver- 
wirklichung hervor. Wenn aber einzelne idealistisch angehauchte patriotische 
Männer schon frühzeitig der Meinung waren, Österreich brauche nur seine 
Naturschätze nach diesen Ideen zu entwickeln und zu verwerten, um bald alle 
anderen Staaten an Reichtum und Macht zu übertreffen, so waren dies nur 
theoretische Konstruktionen, deren Verwirklichung gerade in der aus so 
heterogenen Elementen bestehenden Habsburgermonarchie noch schier 
unüberbrückbare Hindernisse entgegenstanden. 

Es konnte wenig helfen, wenn Karl VI. das Straßenwesen verbesserte 
und Triest und Fiume zu Freihäfen erklärte. Das Ziel des Merkantilismus, 
der „Aktivhandel", konnte nur durch allmähliche Vermehrung und Vervoll- 
kommnung der Produktion erreicht werden. 

Zu Anfang des 18. Jahrhunderts war der Außenhandel der Monarchie 
noch stark passiv, für den Export kamen überhaupt nur Tücher aus Böhmen 
und Mähren, Leinen aus Schlesien und den angrenzenden Gebieten, Glas aus 
Böhmen und Eisenwaren aus Inner- und Oberösterreich in Betracht. 

Das Haupthindernis einer gedeihlichen Weiterentwicklung des Gewerbes 
^stand in der Zunftverfassung, welche das damalige Gewerbewesen in den 
Städten — und auf dem Lande kam es überhaupt fast gar nicht in Betracht 
ganz und gar beherrschte und durch ihre starre Organisation weder eine 
juantitative noch eine qualitative Hebung der Produktion zuließ. 

Der Staatsverwaltung entging es denn auch nicht, wo der Hebel ange- 
setzt werden mußte. Daher wurden als Gegengewicht gegen die gebundene 
rbeitsverfassung seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts F a b r i k s- 
r i V i 1 e g i e n verliehen, wobei unter dem Schutze eines „Privativums" 
lie ausschließliche Erzeugung und der Verkauf der selbstproduzierten 
idustrieerzeugnisse innerhalb eines oder mehrerer der Erbländer bei gänzlicher 
reiheit von jedem Zunftzwange vor sich gehen konnte. Solche Unternehmungen 
irden gegen die inländische Konkurrenz durch ihr Privileg, gegen die 
lusländische durch Einfuhrbeschränkungen geschützt. Die Erteilung von 
Tabriksprivilegien bedeutete die erste Durchbrechung der Zunftverfassung, 
len ersten Schritt zur freien Entfaltung der Produktion, zur Entwicklung der 
idustrie auf kapitalistischer Grundlage. Die Fabriken waren allerdings noch 
leist kleine Unternehmungen; die größeren, hauptsächlich dem Gebiete der 
Textilindustrie angehörenden, beruhten auf der Organisation des Verlags- 
^stems und der Hausindustrie. Die Bezeichnung Fabrikant wurde damals 

Slokar, Geschichte der öBterr. Industrie. 1 



und bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts im weitesten Sinne des Wortes 
gebraucht. 

Die ebenfalls unter Karl VI. erfolgte Einführung der „Schutz- 
dekrete" (1725) war der zweite Schritt der Emanzipation der Staatsver- 
waltung in Gewerbefragen vom Diktat der zünftigen Meister^). 

Die Bemühungen der Staatsverwaltung zur Schaffung einer heimischen 
Industrie konnten damals noch keinen rechten Erfolg zeitigen, da sie auf 
halbem Wege zum Stillstand kamen. Wie hätte es gelingen können, auf Grund 
des Fabrikssystems durch Verleihung von Monopolsrechten den Unterneh- 
mungsgeist zu wecken und Kapitalskräfte zu Unternehmungen zu gewinnen, 
wenn man alle die Hemmnisse des Absatzes und des Verkehrs beibehielt. Nicht 
genug, daß es damals neben den Einfuhr- auch noch Ausfuhr- und Durchfuhr- 
zölle gab und der Zoll nicht dem Schutze industrieller Interessen, sondern 
fiskalischen Bedürfnissen diente, nicht genug damit, es bildete außerdem jedes 
Erbland sein eigenes Zollgebiet. An den Grenzen jedes einzelnen der die Mon- 
archie bildenden Erbländer mußten die durchgeführten Waren nochmals „ver- 
mautet" werden, wozu noch, wenn sie in den Städten, als den Zentren von 
Handel und Verkehr, verkauft werden wollten, die „Consumogebühr" hinzu- 
kam^). Diese wiederholten Zwangsabgaben verteuerten die Waren so sehr, 
daß sie jeden lebhaften Verkehr unterbinden mußten. Dies mag auch der 
Hauptgrund gewesen sein, warum viele, zu Anfang des 18. Jahrhunderts 
gegründete, große Unternehmungen ein baldiges Ende fanden, andere wieder 
erst viel später zur Blüte gelangen konnten. 

Jedenfalls bedeutete es einen Fortschritt, daß Karl VI. in der Zollpolitik 
wenigstens den streng fiskalischen Standpunkt der früheren Zeit etwas mil- 
derte, ebenso wie die von ihm geschaffenen eigenen Kommerzbehörden einen 
Beweis seiner besonderen Fürsorge für diesen Zweig der Volkswirtschaft liefern. 

Ein noch durch und durch agrarisches Land konnte nicht über Nacht in 
einen Industriestaat verwandelt werden und nur ein schrittweises Vorgehen 
konnte eine durch keine Rückschläge gestörte, gesunde Entwicklung verbürgen. 

Maria Theresia war es vorbehalten, das von Karl begonnene Werk mit 
mehr Glück und Erfolg fortzusetzen. 

Kein Mittel wurde unversucht gelassen, um die Produktion zu heben. 
Darunter spielten die ziemlich beträchtlichen staatlichen Vorschüsse die größte 
Rolle, welche zur Gründung von Unternehmungen verliehen wurden. Mit 
Prämien für ausländische, geschickte Arbeiter wurde nicht gespart, ausgezeich- 
nete Handwerker wurden nach Österreich berufen, um neue Industriezweige 
einzuführen oder bestehende zu verbessern, Spinn- und Webschulen errichtet, 
Werkzeuge (Spindeln, Webstühle) an das Landvolk verteilt und die Kultur der 
Rohprodukte gefördert. Die Verleihung von Fabriksprivilegien, allerdings 
immer mehr ohne die als schädlich angesehenen ausschließenden Rechte, wurde 
fortgesetzt und hatte zahlreiche Fabriksgründungen zur Folge. Wo alle diese 



1) Pfibram, Gesch. d. österr. Gewerbepolitik, I, 8—19. — ^) Srbik, Der staatliche 
Exporthandel, 145; Reschauer, Der Kampf der Handwerkerzünfte usw., S. 10. 



Unterstützungen nicht helfen wollten und Gefahr bestand, daß eine hervor- 
ragende Gründung eingehen könnte, griff die Staatsverwaltung selbst ein 
und übernahm die Unternehmung auf eigene Rechnung. So kamen mehrere 
bedeutende Fabriksunternehmungen, deren einige noch im 19. Jahrhundert 
eine große Rolle zu spielen berufen waren, in den Besitz des Staates. 

Zur Sicherstellung der guten Qualität der Waren wurden unter Maria 
Theresia, namentlich für die verschiedenen Zweige der Textilindustrie, Quali- 
tätenordnungen erlassen, welche den technischen Fabrikationsprozeß sowie 
die Maße der Ware genau regelten, wobei durch staatliche Beschaumeister 
die Einhaltung dieser Vorschriften überwacht und durch den QuaHtätenstempel 
bezeugt werden sollte. Dadurch sollte die Ware im Großhandel zu einer ver- 
tretbaren werden, denn in einem „großen Commercio kann man sich unmöglich 
Zeit nehmen, ein jedes Stück Ware besonders zu untersuchen"^). In der Sucht 
nach Regelung ging man sogar so weit, daß man vielfach selbst den Gesellen- 
lohn fixierte. 

Auch wurden viele Maßnahmen zur Erleichterung des inländischen Ab- 
satzes getroffen, den Fabrikanten jedoch der Detailhandel zugunsten der von 
den Produzenten streng geschiedenen Handelsleute nicht allgemein gestattet^). 

Der bestehenden Fesseln wurde die Produktion in vielen Erwerbszweigen 
entledigt, indem mehrere Gewerbe ganz freigegeben wurden, ebenso wie die 
Fabriken von einzelnen drückenden grundherrschaftlichen und staatlichen 
Abgaben befreit wurden. 

In der zweiten Hälfte der Regierung Maria Theresias wurde sowohl bei 
der Erteilung von Fabrikskonzessionen als auch bezüglich der positiven Unter- 
stützungen sparsamer vorgegangen, um zu verhindern, daß zu viele Fabriken 
einer Gattung entstehen und die Konkurrenz zu groß werde. Hingegen wurden 
kleinen Meistern auch weiterhin Unterstützungen , zur Anschaffung von 
Instrumenten und Werkstühlen zuteiP). 

Die Schädlichkeit der Zwischenzolünien im Innern der Monarchie war 
schon lange erkannt und die „Rectificirung der Mauten" schon seit dem An- 
fang des 18. Jahrhunderts erwogen worden. Aber erst die am 15. Juli 1775 
samt Zolltarif in Kraft getretene neue Zollordnung räumte mit einem großen 
Teil dieser ZoUinien auf. Von da an bildeten Böhmen, Mähren, Schlesien, 
die zwei Erzherzogtümer, Innerösterreich sowie Görz und Gradisca und das 
österreichische Litorale ein einheitliches Zollgebiet. Außerhalb desselben 
blieben nur noch Tirol, Triest und Fiume, Eger samt Bezirk und Pilsen^). 

Die von Karl VI. in Angriff genommenen Straßenbauten wurden fortge- 

I setzt, eine Menge von Kanälen und Kanalisierungsarbeiten in Aussicht genommen, 
intensiv an der Hebung des Seehandels gearbeitet und in den ausländischen 
Seehäfen, vor allem im Orient, Konsuln angestellt.^) 
^) Justi, Manufakturen und Fabriken, 2. Aufl., 1786, 1, 120. — *) Pfibram, a. a. 0., I, 
63 f . — ») Pfibram, a. a. 0., I, 217 ff. — ♦) Beer, Die Zollpolitik usw. unter Maria Theresia 
•in Mitt. d. Inst. f. ö. Geschichtsf., XIV., 237 ff. — ») Beer, Die österr. Handelspol. usw. in 
Archiv f. österr. Gesch., Bd. 86, S. 73. 

1* 



In den letzten Jahren Maria Theresias machten sich schon stark die frei- 
heitlichen Ideen geltend, welche später, unter ihrem Nachfolger, voll zur Geltung 
kommen sollten. Das Streben, das ganze Kommerzwesen bis in die kleinsten 
Details selbst zu leiten und zu regeln, wurde von der Staatsverwaltung teil- 
weise aufgegeben, was sich am deutlichsten in der Wiedervereinigung der 
Kommerzbehörden mit den politischen widerspiegelt^). Mit der Aufhebung 
der Kommerzkonzesse und Kommerzkommissionen in den Ländern ging das 
Verleihungsrecht der Kommerzialgewerbe an die LändersteUen über. Das 
nicht veröffentlichte Zirkular vom 30. März 1776 an die Länderstellen enthielt 
schon die Richtlinien, welche späterhin für das Gewerbewesen maßgebend 
wurden und lange blieben. Wenn auch so manches durch die Nichtveröffent- 
lichung desselben nicht sogleich zur Ausführung kam, so erfolgte doch später 
die Lösung vieler Fragen im Sinne der in diesem Zirkular ausgesprochenen 
freiheitlichen Ideen^). Der Vortrag von 1779, durch welchen die Hofkanzlei 
den Antrag stellte, den Kommerzialprofessionisten den Kleinverkauf ihrer 
Produkte zu gestatten, und ihn ausführlich begründete, zeigt trotz seines einst- 
weiligen Mißerfolges, welch ein ganz anderer, liberalerer Geist schon die obersten 
Behörden beseelte^). 

Was die Anfänge der Großindustrie anbelangt, die in den vielen Fabriken- 
gründungen unter Maria Theresia eigentlich zu suchen sind, so sind dieselben 
keineswegs erfreulich. Die meisten mit staatHchen Unterstützungen ins Leben 
gerufenen Fabriken gerieten aus Mangel an Absatz ins Stocken, die Waren 
waren noch schlecht und teuer, so daß der Kaufmann die fremden bevorzugen 
mußte. Selbst der Versuch, durch Errichtung von Handlungsgesellschaften 
den Absatz zu erleichtern, scheiterte. Ja, auch der Staat machte mit den ära- 
rischen Fabriken so schlechte Erfahrungen, daß man einige an Private ver- 
kaufte, während bei anderen selbst dies nicht gelang*). 

Die Großbetriebe hatten damals vor dem Aufkommen der Zeit und Arbeit 
sparenden Maschinen gegenüber den kleinen Unternehmungen keine besonderen 
Vorteile, so daß ihr Mißerfolg nicht wundernehmen kann. Zu einem dauernden 
Übergewicht der Großindustrie konnten nur die modernen Maschinen führen, 
die erst seit der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts in Österreich allmählich 
Eingang fanden. Nur dort konnten sich schon vorher Großunternehmungen 
entwickeln, wo viele Tausende von Arbeitern ohne wesentUche Vermehrung 
der Regiekosten auf Grund des Verlagssystems beschäftigt werden konnten, 
wie dies auf dem Gebiete der Textihndustrie der Fall war. Nur bei diesen 
Industriezweigen konnte daher vorerst das Übergewicht des Kapitaüsmus 
zur Geltung kommen. 

Größere Fortschritte machte die Industrie unter Kaiser Josef. Im Gegen- 
satz zum früheren reinen Merkantilismus wollte Josef nicht so sehr durch 
positive Unterstützungen fördernd wirken, als vielmehr die Industrie von 



^) Pfibram, a. a. 0., I, 266 ff. — =') Pfibram, a. a. 0., L, 319 ff.; Die Normalverordnung 
vom 30. März 1776, abgedruckt bei Reschauer, a. a. 0., 13 ff. ; vgl. auch. S. 111 f. — ^) Pfibram, 
a. a. 0., I, 332 ff.; vgl. auch S. 143 f. — *) Pfibram, a. a. 0., I, 199 ff. 



allen Hindernissen und Fesseln befreien und so ihre ungehemmte Entwicklung 
ermöglichen. Konsequenz auf diesem Gebiete kann Josef sicher nicht abge- 
sprochen werden, wobei allerdings auch der Fehler nicht übersehen werdeü 
darf, den er dadurch beging, daß er sich viel zu sehr von naturrechthchen und 
physiokratischen Ideen leiten ließ, ohne das historisch Gewordene genügend 
zu beachten. 

Durch schärfste Prohibition (Zollordnung vom 27. August 1784) sollte 
der Industrie der inländische Markt, der durch die im selben Jahre erfolgte 
Einbeziehung Gahziens und der Zollausschlüsse von Pilsen und Eger in das 
österreichische Zollgebiet beträchtlich erweitert wurde^), gesichert werden, 
während daneben durch allseitige, wenn auch nur indirekte, staatliche För- 
derung der Industrie dieselbe zur Befriedigung des gesamten inländischen 
Bedarfes instand gesetzt werden sollte. Durch Hinwegräumung von Hinder- 
nissen sollte die Entstehung einer genügend großen Zahl von Unternehmungen 
ermöghcht werden, um dadurch einerseits einer tatsächlichen Monopolstellung 
vorzubeugen, anderseits durch eine möglichst große Konkurrenz im Inlande 
ein Aneiferungsmittel zur fortwährenden Verbesserung der Technik und 
Erweiterung der Betriebe zu schaffen. Dabei darf aber nicht angenommen 
werden, daß die positive staatliche Unterstützung aufgehört hätte ; sie wurde 
jedoch nur dort angewendet, wo an ein Emporkommen ohne dieselbe nicht 
gehofft werden konnte. 

Von den Veränderungen in der Behördenorganisation muß erwähnt werden 
die Vereinigung der Hofkammer und Banko Deputation mit der Hofkanzlei 
(1782). Seit 1784 führte der bei der niederösterreichischen Regierung zu Lokal- 
erhebungen in Fabrikenangelegenheiten bestimmte Beamte den Titel Fabriken- 
inspektor. In Böhmen fungierte in derselben Eigenschaft ebenfalls ein Guber- 
nialbearater mit dem Titel eines Kommerzienrates. Die Verleihung der Kom- 
merzial- und Fabriksbefugnisse oblag in erster Instanz den Länderstellen, 
die der PoUzeigewerbe den Magistraten und Obrigkeiten. Nur in Mähren hatten 
die letzteren auch das Verleihungsrecht für Kommerzialbefugnisse und seit 
1784 wurde auch den Magistraten in Böhmen dasselbe Recht zuerkannt. 

Durch das Toleranzpatent vom 13. Oktober 1781 wurden auch die christ- 
lichen Akatholiken gegen Dispensation zu Ansässigkeit, Bürger- und Meister- 
recht zugelassen, was für die Entwicklung des Gewerbewesens durch Ein- 
wanderung zahlreicher kapitalskräftiger Protestanten von großer Bedeutung 
wurde^). Die Juden wurden auch zur Ergreifung nützlicher Gewerbe zugelassen 
und ihnen manche Zugeständnisse gegenüber den in politischer Hinsicht be- 
stehenden Beschränkungen zuteiF). 

Bei Verleihung von Kommerzialgewerben wurde liberal vorgegangen, ohne 
sich an eine bestimmte Zahl zu halten, und es sollte nur auf Fähigkeit, Sittlich- 
keit und Gewerbsamkeit, dann auf eine angemessene Zahl gut vollbrachter 
Gesellenjahre bei den Meisterrechtswerbern gesehen werden. 



^) A. Beer, Die österr. Handelspolitik im 19. Jahrb., S. 7. — *) Pfibram, a. a. 0., I, 
345—359. — ») Vgl. S. 259 ff. 



6 

Die schon von Maria Theresia angebahnte Befreiung der Textilindustrie 
vom Zunftzwange wurde durchgeführt, ebenso auf dem Gebiete der Metalle 
verarbeitenden Gewerbe einschneidende Reformen vorgenommen. Die Glocken- 
und Rotgießerei wurden vom Zunftzwange befreit, ebenso die Orgel- und 
Instrumentenfabrikation, während andere minder bedeutsame Zweige ganz 
freigegeben wurden. 

Dem Privilegienwesen war die Zeit Kaiser Josefs, wie allen Monopolen 
und Beschränkungen, nicht günstig gesinnt. Doch wurden ausschließende 
Rechte auf neue Erfindungen, die sonst keine Aussicht auf Verwertung gehabt 
hätten, wenn auch in geringer Zahl, erteilt. 

Zahlreiche Zwangsvorschriften aus früherer Zeit, welche teils der Sicherung 
einer guten Produktion, teils der Sicherstellung genügenden und billigen Roh- 
stoffes für einzelne Gewerbegattungen dienen sollten, sowie Lohnbestimmungen 
und ähnliche Vorschriften wurden aufgehoben oder wenigstens nicht angewendet^). 

Anderseits fehlte es aber nicht an Fällen, in welchen staatliche Beamte 
sich direkt in den Produktionsprozeß einmischten, so daß sich sogar der merk- 
würdige Fall ereignen konnte, daß der böhmische Kommerzienrat Schreyer 
ein Stück appretierte Leinwand, weil es nicht gut gebleicht war, aus dem Laden 
des Kaufmanns wieder zum Bleicher zurückschickte und diesen zwang, es auf 
eigene Kosten nochmals zu bleichen 2). 

Die Fabriksprivilegien, welche vorher nur als Ausnahmen galten, wurden 
zu einer ständigen Einrichtung der Gewerbeverfassung, für welche schon all- 
gemein gültige rechtliche Normen aufkamen'). Die Verschleißrechte der Fabri- 
kanten und Gewerbetreibenden wurden geregelt und erweitert^), die großen 
Beschränkungen im Eisenhandel, welche die Produktion selbst lähmten, größten- 
teils aufgehoben^). 

Vor der Einführung der Prohibition war Josef für staatliche Vorschüsse 
an Fabrikanten nicht eingenommen und noch im Jahre 1784 erledigte er ein 
diesbezügliches Gesuch dahin, er sei „derlei Kommerzialvorschüsse, die meistens 
privativa oder monopolia nach sich ziehen, zu leisten nicht gesinnt". Ein 
Fabrikant, dessen Unternehmen gut sei, werde ohnehin bei Privaten Kredit 
finden. Und selbst als die Hofkanzlei über diese Entschließung, welche den 
Charakter einer Normalvorschrift zu haben schien, Vorstellungen erhob, da 
die Vorschüsse das wirksamste Mittel seien, um die Industrie emporzubringen 
und nur an neue Unternehmungen zur Überwindung der anfänglichen Schwierig- 
keiten verliehen würden, entschied der Kaiser, es sollen künftighin keine un- 
verzinslichen Vorschüsse mehr erteilt werden, da sie nur eine einseitige 
Begünstigung einzelner Fabrikanten gegenüber denjenigen, welche Gelder 
auf Zinsen aufnehmen müssen, darstellen^). 

Seit der Einführung der schärfsten Prohibition machte sich aber die 
Erteilung von staatlichen Unterstützungen und Vorschüssen an einzelne Unter- 
nehmungen wieder notwendig, um den inländischen Bedarf ganz befriedigen 



1) Vgl. unten S. 387, 390 f., 445. — «) Vgl. S. 360. — ») Pfibram, a. a. 0., I> 
359_388. - «) Vgl. S. 144 ff. - ») Vgl. S. 445. - •) Staatsrat 1784, Nr. 777. 



zu können; 1785 wurden allgemeine Kichtlinien zu diesem Zwecke festgesetzt. 
Sämtlichen Länderchefs wurde ein Verzeichnis jener Waren zugesendet, deren 
Erzeugung im Inlande noch fehlte oder in noch nicht genügender Ausdehnung 
betrieben wurde und sie wurden, ermächtigt, einzelne Meister und Fabrikanten 
aus diesen Erwerbszweigen, welche sich in den Städten niederlassen wollten, 
mit Vorschüssen von 200 bis 500 fl. zu unterstützen, ja ihnen in besonders 
rücksichtswürdigen Fällen 200 bis 300 fl. zur Aufmunterung zu schenken. 
Dabei sollte besonders auf jene Manufakturzweige gesehen werden, welche 
bezüglich der Produktionsbedingungen und der Beschaffung des Eohstoffes 
der Natur des Landes am besten angepaßt seien. Man könne nicht in allen 
Ländern und Orten gleiche oder ähnliche Manufakturen ins Leben rufen und 
verbreiten. Daher sollte unterstützt werden in Böhmen die Textilindustrie, 
in Mähren die Tuch- und Leinenindustrie, in Niederösterreich das Kunst- und 
Luxusgewerbe, in Oberösterreich und Innerösterreich die Strick- und Wirk- 
warenerzeugung sowie die Eisenverarbeitung, in Görz die Seidenindustrie. 

Die staatlichen Geldunterstützungen an Fabriken erreichten bedeutende 
Beträge, wozu noch die teils unentgeltlich, teils um geringe Summen erfolgte 
Überlassung zahlreicher Gebäude aufgehobener Klöster an Fabrikanten 
hinzukam 1). 

In Ungarn wurden keine Fabriken vom Staate unterstützt, welche den 
erbländischen Konkurrenz machen könnten, weil die ungarischen Unter- 
nehmungen wegen der dortigen viel billigeren Lebensmittel im Vorteil waren 
und es den Grundherrschaften unbenommen war, auf eigene Kosten Fabriken 
zu errichten^). 

Zur Erleichterung der Reisen der Fabrikanten ins Ausland in Geschäfts- 
angelegenheiten, um „mit ihren Abnehmern, Korrespondenten, Gläubigern 
oder Schuldnern Verabredungen zu pflegen, auch neue Entdeckungen auf- 
zusuchen oder wohl gar fremde Künstler anzuwerben", wurden dieselben von 
den Taxen für die Erlaubnis, außer Landes zu reisen, befreit^). 

„So kann das Urteil über die josefinische Industriepolitik nicht anders 
als günstig lauten. Die Staatsverwaltung verstand, was der Industrie not tat: 
frei von jedem Fiskalismus, von jeder überflüssigen Bevormundungssucht, 
ließ sie der Entwicklung des Gewerbelebens ihren freien Lauf, und wenn sie 
da und dort auch Unternehmungen, die nicht lebensfähig waren, mit größeren 
Vorschüssen unterstützte und mit materiellen Opfern aufrecht zu erhalten 
suchte, wenn sie sich gelegentlich von abenteuernden Ausländern, die ihr Glück 
in den Erblanden versuchten, hintergehen ließ — es kann dieses Zuviel das 
allgemeine günstige Urteil nicht beeinträchtigen"^). 

In der Zunftpolitik setzte Kaiser Josef das von Maria Theresia begonnene 
Werk der Ersetzung des Zunftzwanges durch ein staatliches Konzessionssystem 
fort, ohne aber radikale Reformen einzuführen. Fähigen Gesellen sollte der 
Zutritt zum Meisterrechte nicht erschwert werden; die Beschränkung der Meister 



1) Pfibram, a. a. 0,, I, 388—411. — *) Staatsrat 178Ö, Nr. 2717, — ") Staatsrat 1789, 
Nr. 4240. — *) Pfibram, a. a. 0., 1, 411. 



8 

auf eine bestimmte Zahl wurde aufgehoben. Den Zunftprivilegien wurde die 
Bestätigung versagt^). Da die allgemeinen Reform versuche bezüglich der Zunft- 
verfassung fehlschlugen, so blieb sie auch weiterhin „ein Flickwerk, mit Wider- 
sprüchen und Lücken aller Art behaftet. Man beließ es auch weiterhin bei 
dem großen Einfluß der Innungen auf die Besetzung neuer Meisterstellen, 
ohne diesen Einfluß durch Gesetze näher zu regeln". Nur gegen die Handwerks- 
mißbräuche trat man durch Verbote aufa). 

Im allgemeinen muß gesagt werden, daß die Industriepolitik Josefs II. 
die Großindustrie auch nicht über ihre ersten Anfänge hinwegbrachte, da die 
Voraussetzungen dafür auch unter seiner Regierung noch nicht gegeben waren. 
Die Fabriken hatten damals noch nicht den Charakter moderner Großunter- 
nehmungen und selbst bei den zahlreiche Hände beschäftigenden Unterneh- 
mungen der Textilindustrie waren nur die Appretur und der Handel zentralisiert. 
Die Überlegenheit der Fabriken gegenüber den kleineren Unternehmern beruhte 
nur in der Kapitalskraft und in der nach kaufmännischen Grundsätzen 
geregelten Organisation, ohne irgend einen Vorsprung auf dem Gebiete der 
Produktionstechnik. Das moderne Maschinenwesen, welches diese Verhältnisse 
zugunsten der kapitalskräftigen Großunternehmungen ändern sollte, fand 
erst später Eingang. 

Um so mehr tritt die große Menschenliebe des Kaisers hervor, die ihn zu 
gesetzlichen Verfügungen zum Schutze der in Fabriken beschäftigten Kinder 
veranlaßte. Durch Handbillet vom 20. November 1786 gab er die Anregung 
zur Erlassung diesbezüglicher gesetzlicher Bestimmungen zum Schutze der 
Kinder gegen körperliche und moralische Gefährdung. Wenn diese ersten 
Fabriksgesetze Österreichs auch nicht lange in Wirksamkeit blieben und bald 
in Vergessenheit gerieten, so bleibt doch dem menschenfreundlichen Kaiser 
das Verdienst, sie zuerst angeregt und eingeführt zu haben^). 

In den letzten Jahren Josefs machte sich schon deutlich die Unzufriedenheit 
mit seiner liberalen Wirtschaftspolitik geltend, um so mehr als ungünstige 
äußere Verhältnisse, vor allem der unglückliche Verlauf des Türkenkrieges, 
eine wirtschaftliche Depression zur Folge hatten, welche um so empfindlicher 
war, als sie auf eine Periode des Aufschwunges unmittelbar folgte. Dies gab 
den von Beschränkungsgeist erfüllten zünftigen Kreisen einen willkommenen 
Anlaß zu Beschwerden und Rekriminationen. 

Der allgemeine Ansturm, der nach Josefs II. Tode gegen seine Reformen 
ausbrach, zwang Leopold IL, gegen seine Überzeugung manche Beschränkungen 
der Verkehrsfreiheit wieder einzuführen. Namentlich wirkte seit dieser Zeit, 
angesichts der großen Umwälzungen in Frankreich, die Furcht vor revolu- 
tionären Bewegungen lähmend auf die Wirtschaftspolitik und leitete eine Periode 
des Schwankens ein, welche weder die theresianisch-josefinische Richtung 
konsequent beizubehalten noch zu ihrer Aufhebung den Mut aufbrachte; es 



1) Pftbram, a. a. 0., 1, 412 ff. — ^) Pfibram, a. a. 0., I, 421 ff. — ") Vgl. Näheres bei 
Mises, Zur Gesch. d. österr. Fabriksgesetzg. in Zeitschr. f. Volksw., Sozialpol. u. Verwaltung, 
XIV, S. 210 ff. 



war dies eine Politik der Suche nach einer neuen Orientierung, da die freiheit- 
liehen Ideen durch den Ansturm von Unzufriedenheit im Innern nach dem Tode 
Josefs und die französische Revolution und ihre Ausartungen Schiffbruch 
gelitten zu haben schienen. So blieb die Staatsverwaltung einstweilen auf dem 
Standpunkte des Status quo, wobei nur jene Anordnungen eine Änderung 
erfuhren, die zu den meisten Klagen Anlaß gegeben hatten. Es war dies eine 
unausbleibliche Folge der vielfach überstürzten Neuerungen Josefs, für welche 
die Verhältnisse der Monarchie noch nicht genügend reif waren. Hatte sich 
doch Josef selbst gezwungen gesehen, noch kurz vor seinem Ende fast alle jene 
Maßnahmen, welche auf dem Gebiete der Lebensmittelpolitik für Wien nach 
seiner Meinung wohltätig hätten wirken sollen, wieder zurückzuziehen i). Auch 
ohne den eingetretenen Thronwechsel wäre die Ideenrichtung wahrscheinlich 
eine andere geworden. Die Schrecken der französischen Revolution und die 
allgemeine Unzufriedenheit im Innern hatten zur Folge gehabt, daß man von 
nun an gegenüber den Klagen von selten der Gewerbetreibenden sich nicht 
mehr so schroff ablehnend verhielt wie bis dahin, sondern sie soviel als möglich 
berücksichtigte. Da aber diese Klagen vor allem aus den Kreisen der zünftigen 
Gewerbetreibenden stammten — die Unzünftigen verfügten über keine Orga- 
nisation und konnten daher ihre Stimme nicht so leicht erheben — , so richteten 
sie sich immer gegen die Liberalität und forderten die Wiedereinführung von 
Beschränkungen. Und die Staatsverwaltung, die sich die Zufriedenstellung 
der Bevölkerung sehr angelegen sein ließ, da sie durch Überhandnehmen der 
Unzufriedenheit innere Unruhen befürchtete, wich vielfach von der bisherigen 
Entwicklung etwas ab und suchte den scheinbar allgemeinen Wünschen entgegen- 
zukommen. Auf dieser Grundlage war nur eine Politik der fortwährenden 
Schwankungen, ohne bestimmte Richtlinien, möglich. Erst allmählich konnte 
sich daraus eine Differenzierung dessen ergeben, was von der früheren Politik 
sich bewährt und als nützlich erprobt hatte, und die Scheidung von demjenigen, 
was nur als Ausfluß einer zu sehr von den theoretischen Anschauungen der 
Aufklärungsideen beherrschten Richtung sich um das tatsächlich Bestehende 
zu wenig gekümmert hatte und an den Schwierigkeiten der Durchsetzung 
scheitern mußte. Die Wirtschaftspolitik mußte von neuem allmählich aufzu- 
bauen beginnen, sich dabei aber immer auf die herrschenden Bedürfnisse stützen. 

Die bei weitem größere Zahl der Gewerbetreibenden war mit der Politik 
Josefs unzufrieden, das Volk murrte und so sahen sich selbst die obersten 
Behörden veranlaßt, Kaiser Leopold für die Wiedereinführung vielfacher 
Beschränkungen zu gewinnen. Dies geschah allerdings nur auf dem Gebiete 
der Kleingewerbe, vor allem der Lebensmittelgewerbe in Wien, um die 
Unzufriedenheit zu bannen^). Da an eine allgemeine Rückgängigmachung des 
schon Geschehenen ohne Beeinträchtigung der Industrie nicht gedacht werden 
konnte, „schien ein vorläufiger Stillstand in allen Maßnahmen der Gewerbe- 
politik, ein Status quo im Gewerbewesen selbst, das Beste zu sein"^). Bis zur 



1) Pfibram, a. a. 0., I, 481 ff. — ^) Pfibrara, a. a. 0., I, 485—508. — =>) Pfibram, a. a. 0., 
I, 508 f. 



10 

Fixierung der künftigen Gewerbepolitik und Gewerbe Verfassung sollte nichts 
geändert werden. Die Gewerbe sollten zugleich nicht ohne Not vermehrt werden, 
um einer Übersetzung vorzubeugen. 

Bezüglich der Zunftpolitik verblieb man bei den Maßnahmen Josefs „da 
alle Zünfte in gewisser Betrachtung auf ein Monopol und auf Beschränkung 
der Industrie, auf Neckereien von selten der Vorsteher hinauslaufen" und 
daher schädlich seien ^). Gesuche um Wiedereinführung von aufgehobenen 
Zünften wurden abgewiesen, die Bestätigung von Zunftprivilegien verweigert. 

Im Jahre 1791 wurde die Verleihung aller Kommerzialgewerbe mit Aus- 
nahme der Großhandlungen und förmlichen Fabriksbefugnisse, deren Ver- 
leihung den Länderstellen vorbehalten blieb, den Magistraten und Ortsobrig- 
keiten in erster Instanz überlassen, wobei der Rekurs an die Landes- und Hof- 
stelle offen blieb. Dies bedeutete beim reaktionären und zünftlerischen Geiste, 
der diese untersten Behörden erfüllte, jedenfalls eine Erschwerung der 
Erlangung von Befugnissen, wie dies deutlich aus einer Beschwerdeschrift der 
Stadt Wien von 1790 erhellt, die sich über die Vermehrung der Gewerbe fol- 
gendermaßen ausdrückte: „Um die aus dem Bevölkerungsgrundsatze fließende 
Vervielfältigung der Nahrungswege zu bewirken, wurden die Fabriken in der 
Hauptstadt zusammengedrängt, die sogenannten fabriksmäßigen Befugnisse 
fast bis in das Unendliche erteilt, die Gewerbe ohne Rücksicht auf das Bedürfnis 
des Publikums zu einer den Gewerbsinhabern und dem Publikum selbst lästigen, 
übermäßigen Anzahl festgesetzt, alle Zünfte und Professionen mit neuen Meistern 
überschwemmt und dadurch veranlaßt, daß nicht nur das Publikum nunmehr 
alle Bedürfnisse viel teuerer als vorhin zu bezahlen genötigt ist, sondern, daß 
auch die Gewerbsleute selbst einer mit den anderen zugrunde gehen müssen" 2). 

Die höheren Behörden teilten aber diesen Standpunkt nicht, sondern 
standen auf dem Boden der Normalverordnung von 1776, welche nur für Polizei- 
gewerbe Beschränkungen vorsah, während bei Kommerzialgew^erben freiere 
Grundsätze angewendet werden sollten. Die Hofkanzlei war gegen jede weitere 
Beschränkung ebenso wie die Länderstellen, vor allem die von Böhmen^). 

Wenn auch den Tendenzen der Magistrate und Ortsobrigkeiten, denen 
die Verleihung fast aller Gewerbe in erster Instanz anvertraut worden war, 
durch das Rekursrecht an die höherern Behörden ein Riegel vorgeschoben 
war, so wurde anderseits dem Mißbrauch des Rekursrechtes Tür und Tor 
geöffnet, indem dasselbe auch den Zünften und Gremien, ja sogar einzelnen 
am betreffenden Orte ansässigen Gewerbetreibenden zuerkannt wurde, so daß 
bis zur Erledigung aller Rekurse und somit bis zur definitiven Zuerkennung 
einer Befugnis oft Jahre vergehen mußten. Der Rekurs wurde zur Regel, 
so daß die Verleihung von Kommerzialge werben auf einem langen, eigentüm- 
lichen Wege der Devolution meistens von der Hof stelle erfolgen mußte ^). 

Alle diese Maßnahmen hätten eigentlich nur Provisorien sein sollen, denn 
bei den vielen Beschwerden, welche gegen die Wirtschaftspolitik Josefs 



1) Pfibram, a. a. 0., 1, 509 ff. — *) Pfibram, a. a. 0.,1, 516 f. — ") Pfibram, a. a. 0. 1, 517 ff. 
*) Pfibram, a. a. 0., I, 524 ff. 



11 

erhoben wurden, schien sie einer allgemeinen Revision sehr bedürftig zu sein. 
Zu diesem Zwecke setzte Kaiser Leopold II. schon zu Ende 1790 eine „kon- 
sultierende Finanzhofkommission" ein, welche sich in erster Linie mit den 
Prinzipien der josefinischen Zoll- und Prohibitivgesetze beschäftigen, ander- 
seits aber auch ein Gutachten erstatten sollte über die künftige Richtung der 
Gewerbepolitik, besonders in jenen Zweigen, von deren Seite die meisten 
Beschwerden eingelaufen waren, nämlich „was man für die Hinkunft bei Auf- 
nahme der Handwerker in denen Städten für Grundsätze annehmen und für 
dieselben festsetzen sollte". Da diese kurzlebige Kommission ihrer Aufgabe 
nicht nachkam, wurde die Bearbeitung jener Grundsätze der künftigen Gewerbe- 
politik der Hofkanzlei und Hofkammer zugewiesen. Hofrat von Sonnenfels 
arbeitete darauf zwei Entwürfe aus, eine „Ausarbeitung über die Grundsätze 
wegen Aufnahme der Handwerker und Gewerbsleute in den Städten" und ein 
Gutachten über „die Grenzlinien zwischen den Polizei- und Kommerzial- 
gewerben, dann die Grundsätze für die letzteren". 

Diese dienten bei der kommissionellen Verhandlung der beiden Hofstellen 
zur weiteren Grundlage. Die Richtung, welche diese Schriften einhielten, 
wird schon durch die Einleitungssätze gekennzeichnet: „Bey dem Gegenstande, 
worüber Seine Majestät Grundsätze zu bestimmen entschlossen sind, liegen 
Irrthum und Schwanken der Vorkehrungen hauptsächlich in dem Äußersten 
der sich entgegengesetzten Meinungen, deren eine durch Kleinfügigkeiten der 
Vorschriften und Anstalten, Zwang und bedrückende Beschränkungen, die 
andere durch unrichtig angewandte Begriffe von Freiheit, Ungebundenheit 
und Unordnung herbeiführet . . . Wie überall, wo die Meinungen voneinander 
in der größten Entfernung abstehen, also auch bei dieser Frage, wird den Nach- 
teilen nur auf einer Mittellinie ausgebeugt werden können". Als Mitglied der 
Hofkanzlei schenkte Sonnenfels vor allem den Polizeigewerben eine erhöhte 
Aufmerksamkeit, während die Kommerzialgewerbe sehr kurz abgetan, die 
Fabriksbefugnisse überhaupt nicht erwähnt wurden. Diese von Sonnenfels 
aufgestellten Grundsätze wurden von der Hofkanzlei angenommen, worauf 
der Kaiser die Vernehmung der Länderstellen anordnete. Bezüglich der Kom- 
merzialgewerbe stand allen Länderstellen fest, daß bei ihnen von einer künst- 
lichen Herstellung des Gleichgewichtes zwischen Angebot und Nachfrage keine 
Rede sein könne. 

Alle diese Verhandlungen und Erhebungen blieben aber für die weitere 
Entwicklung der Gewerbepolitik ohne Bedeutung, denn sie verliefen resultatlos ^). 

Aber auch auf die Fabriken und Manufakturen wurde nicht vergessen. 
Als die Seidenzeugfabrikanten ein Gesuch einreichten mit der Bitte um Wieder- 
einführung der Warenstempelung und um Abstellung des Schleichhandels, 
welcher ihre Fabriken mit dem Untergänge bedrohe, da richtete Kaiser Leopold 
unter dem 25. Jänner 1792 ein Handbillet an den Hofkammerpräsidenten 
Grafen Chotek, welches nach dem einleitenden Satze : „Da ich nun nicht allein 
vollkommen geneigt bin, soviel als möglich den Bitten dieser Fabrikanten 



1) Pftbram, a. a. 0., I, 535 ff. 



12 

Genüge zu leisten und beizustehen, sondern ich mir immer alles dasjenige beson- 
ders zu Herzen genommen habe, was zur Aufnahme und zum Vorteil der inländi- 
schen Manufaktur gereichen kann", den Auftrag enthielt, eine Hofkommission 
zusammenzusetzen, zu welcher der Hofkammerpräsident die Mitglieder vor- 
zuschlagen habe, welche mit Zuziehung der Fabrikanten über folgende 
Gegenstände zu beraten und ein Gutachten vorzulegen haben sollte: 1. Über 
alle Maßnahmen, „welche zur besseren Aufnahme, Erweiterung, 
Unterstützung der inländischen Fabriken und Manufakturen 
und Hintanhaltung der Konterbande nützlich sein könnten". 2. Ob die Waren- 
stempelung wieder einzuführen sei und unter welchen Modalitäten, damit sie 
der Industrie nicht schädlich werde und den Schleichhandel nicht begünstige. 

3. „Wie den Schwärzungen besonders auf den Grenzen Einhalt getan werden 
könnte, ohne dadurch den Handel im Innern des Landes durch unnötigen und 
unbilHgen Zwang zu hemmen, und durch was für Mittel." Endlich sollten 

4. Vorschläge erstattet werden, wie man durch eine öffentliche Erklärung den 
verbreiteten Gerüchten, daß das Einfuhrverbot fremder Waren aufgehoben 
werden solle, entgegentreten sollte, damit die Fabriken durch diese unbegrün- 
deten Gerüchte keinen Schaden erleiden. 

Die Hofkommission, die infolgedessen zusammentrat, beschloß zur Hintan- 
haltung des Schleichhandels die Wiedereinführung der Stempelung. Betreffs 
der Maßnahmen zur Hebung der Fabriken glaubte sie jedoch, daß es zunächst 
notwendig wäre, von allen deutscherbländischen und ungarischen Provinzen 
ein verläßliches Kommerzial- und Manufakturschema unter Festsetzung eines 
sechsmonatigen Termins abzufordern, und trug daher an, ein diesbezügliches 
Zirkular an alle Länderstellen und die Statthalterei in Ofen zu erlassen. 

Erst nach Einlangen dieser Aufschlüsse wollte die Hofkommission Vor- 
schläge zur Hebung der inländischen Industrie machen. 

Diese Anträge erhielten auch die kaiserliche Genehmigung. Von selten 
der Länderstellen scheinen aber überhaupt keine Berichte eingelangt zu sein, 
so daß die ganze Angelegenheit im Sande verlieft). 

Wenn diese Verhandlungen auch zu keinem positiven Erfolge führten, so kann 
dennoch nicht geleugnet werden, daß sie den Willen der Staatsverwaltung, der 
Industrie die verdiente Förderung zukommen zu lassen, deutlich dokumentieren. 

So war das Vermächtnis, das Leopold IL (gestorben am I.März 1792) 
seinem Nachfolger hinterließ, auf dem Gebiete der Gewerbepolitik kein gerade 
erfreuliches. Nirgends klare gesetzliche Bestimmungen, ja nicht einmal all- 
gemein anerkannte und gehandhabte Richtlinien, während die sogar zwischen 
den untersten und oberen Behörden bestehenden Gegensätze das Ganze noch 
mehr verwickelten. 



1) Staatsrat 1792, Nr. 2526, 2770. Pfibram, der (S. 536) nur die Abforderung der Fabriken- 
verzeichnisse von den Länderstellen erwähnt, scheinen diese Akten entgangen zu sein. Viel- 
leicht ist auf diese Aufforderung an die Länderstellen eine erhaltene ausführliche Manufaktur- 
und Kommerztabelle für Böhmen f. d. Jahr 1797 zurückzuführen. (Befindlich H. K. A. Kom. 
Praes. 1822, Nr. 495.) 



Die Industriepolitik unter Kaiser Franz I. 

I. Kapitel. 
Die allgemeine Industriepolitik von 1792 bis 1798. 

Kaiser Leopold hatte die Aufgabe gehabt, die aufgeregten Gemüter im 
Innern zu besänftigen, das abgefallene Belgien wieder zu gewinnen und 
den Türkenkrieg zu beendigen, während die Ereignisse, die sieh in Frank- 
reich abspielten, und die Unruhen in Polen weitere Befürchtungen erwecken 
mußten. 

Wenn auch nicht die inneren, so sollten die äußeren Verhältnisse unter 
Franz I viel gefährlichere Verwicklungen mit sich bringen. Nach dem Aus- 
bruche des Krieges mit Frankreich (1792) begann der erste Koalitionskrieg 
(1793—1797), an welchem fast ganz Europa beteiligt war. Bald waren die 
österreichischen Niederlande von den Feinden erobert, worauf die wechselnden 
Erfolge des Krieges erst durch den siegreichen Zug Bonapartes durch Ober- 
italien und Innerösterreich bis Leoben 1797 ein Ende fanden. 

Die Schrecken dieser Kriegsperiode mußten auch auf die Gewerbepolitik 
einen Einfluß ausüben. 

Die von Leopold verfügte Trennung der Hofkammer von der Hofkanzlei Behörden. 
wurde 1792 wieder rückgängig gemacht und die Agenden beider Hof stellen 
dem Directorium in cameralibus et publico-politicis übertragen. 

An der Gewerbepolitik selbst wurde zunächst nichts geändert, dafür 
machten sich aber aus Furcht vor revolutionären Bewegungen im Innern 
polizeiliche Einflüsse immer mehr geltend. Durch den Umstand, daß an die 
Stelle der nach dem Tode Josefs eingetretenen Systemlosigkeit keine neuen 
systematischen Grundsätze traten, wurde die Gewerbepolitik in den einzelnen 
Provinzen verschieden gehandhabt, viele Verordnungen gerieten durch Nicht- 
anwendung in Vergessenheit, an allgemeinen Richtlinien fehlte es gänzlich. 

Die Verfügungen der Hofstellen trugen zur Entwirrung gar nichts bei, 
da sie anstatt fester, präziser Normen, nur allgemeine, vage Weisungen ent- 
hielten, mit dem Hinweis auf die Berücksichtigung des Nahrungsstandes der 
Bevölkerung und des Lokalbedarfes. Ja selbst Einschränkungen der Zahl der 
Gewerbe kamen vor. 

Die Privilegien der Zünfte wurden zwar auch jetzt nicht wieder bestätigt. Die zunite. 
wohingegen jedoch die Erhaltung dieser Körperschaften aus polizeilichen Rück- 
sichten als notwendig erachtet wurde, da sie Zucht und Ordnung unter den 
Meistern und Gesellen verbürgten. 

Die Vorstellungen der Zünfte gegen die Übersetzung und Vermehrung 
der Gewerbe wollten nicht aufhören, ebenso wie die Gesuche um Erneuerung 
aufgehobener, um Einführung neuer Zünfte oder um Erweiterung von Zunft- 



14 

Privilegien. Die meisten dieser Gesuche wurden abschlägig beschieden, doch 
wurden hie und da auch kleinere Beschränkungen wieder eingeführt. 
Verschleiß- Der vou Josef den Fabrikanten bewilligte Ausschnitt erhielt eine Erweite- 
rechte der rung, indem ihnen auch gestattet wurde, jene Waren in ihren Gewölben zu ver- 
Fabrikanten. j^g^^jgjj^ die sic auf ihre Rechnung in anderen Provinzen der Monarchie her- 
stellen ließen. Als eine besondere Begünstigung der Großunternehmungen 
kann der 1797 von der Hof stelle gebilligte Grundsatz angesehen werden, wonach 
der Ausschnitt in eigenen Gewölben nur jenen Unternehmern gestattet werden 
sollte, die sich durch einen ausgezeichneten Betrieb und gute Waren besonders 
hervortaten, somit gewissermaßen als Belohnung für den ausgedehnten Betrieb 
und die Vorzüglich keit der Fabrikate. Allerdings bedeutete dies anderseits 
ein gewisses Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der Handelsleute. 
Qualitäten- Im Jahre 1794 beschäftigte man sich mit der Frage der Wiedereinführung 
Ordnungen, (jg]- Qualitäten- und Beschauordnung für Seidenzeuge und Samt, eventuell für 
die gesamte Textilindustrie und in Oberösterreich wurde für Leinwand und 
Wollenzeuge tatsächlich wiederum eine Qualitätenordnung erlassen und die 
Aufsicht über deren Einhaltung den zünftigen Viertelsmeistern übertragen. 
Im übrigen kam es aber nicht dazu^). 

Im Jahre 1796 wurde eine Verordnung gegen den unechten Druck und das 
unechte Färben in der Baumwollindustrie erlassen, „da es zu den Pflichten des 
Staates gehöre, für die echte Herstellung einer allgemein gebrauchten Ware, 
wovon die Einfuhr aus der Fremde verboten ist, zu sorgen "2), 
Privilegien. lu der Erteiluug ausschließender Privilegien wurde unter Franz liberaler 
vorgegangen, ohne daß sich jedoch in dieser Periode feste Grundsätze dafür 
entwickelt hätten. Es war dies noch immer ein Gnadenakt des Kaisers, auf 
welchen kein rechtlicher Anspruch erhoben werden konnte^). 
Vorschüsse. Auf dem Gebiete der Förderung der Industrie fehlte es auch an einheit- 
lichen Gesichtspunkten. Die Gewährung von Ärarialvorschüssen hörte, ange- 
sichts der schlechten finanziellen Lage des Staates und der Mißerfolge der 
Geldunterstützungen in früheren Zeiten, fast ganz auf und solche Gesuche 
wurden als „ganz ungewöhnlich" bezeichnet und abgewiesen. 
Fabriks- Die Kompetenz der Behörden war geteilt, je nachdem es sich um förmliche 

befugnisse. oder einfache Fabriksbefugnisse handelte, indem die Verleihung der ersteren der 
Landesstelle zustand, die der einfachen den Magistraten und Ortsobrigkeiten. 
Und dennoch war die Grenze zwischen diesen zwei Befugnisarten nirgends 
genau fixiert, und als dies geschah, war dies nur bezüglich Niederösterreichs 
und Böhmens der Fall, während bei den übrigen Ländern die frühere Unklarheit 
noch lange herrschend blieb^). Während anderseits allmählich die den förm- 
lichen Fabriken zustehenden Rechte und Begünstigungen normiert wurden, 
welche neben der vollen Freiheit von jedem Zunftzwange große Erleichterungen 
und Auszeichnungen zum Inhalte hatten^), fehlt es auch weiterhin nicht an 
merkwürdigen Anordnungen der Hofstelle, welche einer Bevorzugung der 



1) Vgl. aUes Nähere Pfibram, a. a. 0., I, 562 ff. — *) Vgl. unten S. 127 ff. — ^) Vgl. 
unten S. 251 ff. — *) Pfibram, a. a. 0., I, 573, 581 f. — ■*) Vgl. unten S. 268 u. 275 ff. 



15 

Kleingewerbe gleichkamen i). Ja es wurde sogar durch Hofdekret vom 12. Juli 
1793 verfügt, daß die Regierung vor Verleihung von Großhandlungs- und 
förmlichen Fabriksbefugnissen jederzeit, nach Einvernehmung der unteren 
Behörden, die Anzeige an die Hofstelle zu machen habe^). Diese Anordnung, 
die eine Einschränkung des Verleihungsrechtes der Landesstelle bedeutete, 
scheint allerdings nicht beachtet worden zu sein. 

Besonders aus einem Grunde herrschte gegen die Großbetriebe eine gewisse Furcht vor 
Abneigung, nämlich aus Furcht vor revolutionären Bewegungen. Dieses Miß- ^ö^°^"*">- 
trauen mußte natürlich um so größer sem gegen Arbeiter, die von den franzö- geist. 
sischen TJmsturzideen schon beeinflußt sein konnten. 

Der Direktorialkanzler Graf Rottenhan hatte im September 1793, also zu 
einer Zeit, wo die österreichischen Truppen ins französische Gebiet eingerückt 
waren, den Antrag gemacht, einen Sachverständigen in die Gebiete des nörd- 
lichen Frankreich zu schicken, um über die dortigen Fabriken Erhebungen zu 
pflegen, in die Manipulation Einsicht zu nehmen und eventuell einige Fach- 
leute nach Österreich zu locken, was für die inländische Industrie von großem 
Nutzen sein könnte. Dies besonders auf dem Gebiete der Zeugfabriken, Zwirn- 
und Garnbleichen und der BaumwoUmaschinenspinnerei. Der liberale Staats- 
rat Eger meinte dazu mit Recht : „Auf einer Seite will man die Franzosen alle 
aus den Erbstaaten abschaffen, auf der anderen dieselben herbeilocken." Auch 
wäre eine solche Maßnahme mit Auslagen verbunden, während der Staat 
viel dringendere Ausgaben nicht bedecken könne. So lautete denn auch die 
allerhöchste Entschließung: „Bei dermaligen Umständen, wo die Herbeilockung 
einiger französischer Künstler doch immer bedenklich, auch mit Auslagen ver- 
bunden wäre, läßt sich dieser Antrag nicht wohl benützen "3). 

Ein noch viel mehr charakteristischer Fall, der den großen Einfluß der 
polizeilichen Bedenken im damaligen Österreich illustriert, ereignete sich 1796. 
Da suchte ein Triester Handlungshaus um Aufnahme des Marseiller Mützen - 
fabrikanten Rau in den österreichischen Staatsverband an und bemerkte zugleich, 
dieser sei schon von Kaiser Josef zur Übersiedlung nach Triest unter vorteil- 
haften Bedingungen aufgemuntert worden. Das Handlungshaus erbot sich, 
durch denselben in Triest die Fabrikation von roten Mützen, welche früher im 
Werte von mehreren Millionen aus Marseille in die Levante versendet worden 
waren, einzuführen. 

Der Triester Gouverneur findet die Sache vorteilhaft; ebenso die Hof- 

ßtelle; doch glaubt diese, sich zunächst mit einer Anfrage an den Polizeiminister 

i wenden zu müssen, denn „es machen die dermaligen Zeitumstände die wach- 

tgamste Aufmerksamkeit von selten der Polizei notwendig, damit die so schäd- 

' liehen französischen Gesinnungen und Sitten auf keine Art etwa auch in den 

k. k. Erblanden eingeführt werden. Und da es bei diesem Antrage noch beinahe 

das Ansehen gewinnt, das es hiebei nicht nur auf die Erlaubnis zur Nieder- 

1) Pfibram, a. a. 0., I, 583, Anm. 5. — «) H. K. A. Korn. N. Ö. Fasz. 63/1, Nr. 41 ex 
jul. u. Nr. 25 ex aug. 1793. — ») Staatsrat 1793, Nr. 3652. 



16 

lassung des Marseiller Fabrikanten Eau, sondern auch darauf ankommen würde, 
daß derselbe, weil man in Triest die nämliche Zahl Mützen für die Levante, 
die er bisher in Marseille verfertigt hatte, jährlich zustande bringen will, manche 
und vielleicht mehrere seiner jetzigen zu dieser Arbeit geschickten Individuen 
mit sich nach Triest zu bringen wünscht", so glaubt die Hofstelle die Äußerung 
des Polizeiministers sich einholen zu müssen, „ob nicht nur gegen die Bewilligung 
der Niederlassung des Fabrikanten Rau in Triest keine erhebliche Bedenk- 
lichkeit obwalte, sondern was auch für Vorsichten auf dem Fall, als dem Rau 
das Verlangen, einige geschickte bei seiner Mützenfabrikation bisher gebrauchte 
Leute nach Triest zu bringen, bewilligt werden sollte, einzutreten hätten und 
endlich, weil diese roten, für die Levante bestimmten und daselbst schon lange 
üblichen Mützen doch mit den französischen sogenannten Freiheitsmützen 
einige Ähnlichkeit, wenigstens der Farbe nach, zu haben scheinen, ob es nötig 
sein dürfte, die erforderlichen Vorsichten zu treffen, damit alle derlei Mützen 
nach der Levante versendet und nichts davon in den k. k. Erblanden verkauft 
werde". 

Diese Ausführungen sind zu deutlich, als daß sie eines weiteren Kommentars 
bedürfen würden. Und so geschah es denn, daß auf Wunsch der obersten 
Polizeihofstelle die Einwanderung nur unter schweren Bedingungen gestattet 
wurde. Das Handlungshaus, welches sich um die Einwanderung des Rau ein- 
gesetzt hatte, sollte für ihn und dessen Gehilfen Bürgschaft leisten; den Ein- 
wandernden sollte ein solcher Aufenthaltsort angewiesen werden, daß man sie 
leicht beobachten könne; damit keine Mützen im Inlande bleiben, sollte der 
Erzeuger verhalten werden, sich vierteljährlich über die Zahl der erzeugten Kappen 
und durch die Originalresponsalien über ihre Ablieferung nach der Levante 
auszuweisen. Insbesondere sollten aber diese Franzosen beobachtet werden, 
„ob sie sich ernstlich mit der Fabrikatm* beschäftigen oder ob vielleicht ein 
oder anderer derselben nur unter diesem Vorwande sich eingeschlichen habe, 
um durch Reden und Handlungen seine heimlichen, schädlichen Absichten 
unbemerkt zu erreichen, in welchem zweiten Falle derselbe nach Beschaffenheit 
der Umstände behandelt und die bedenklich Befundenen wieder außer Landes 
gebracht werden müßten "i). 
Beschrän- Dicsc Furcht vor Ruhestörungen hatte auch besondere Vorkehrungen für 

kung der "Wien zur Folge, wo sich naturgemäß das Arbeiterproletariat am meisten ver- 
wien. breitet hatte. Nach der französischen Revolution begann man im Anwachsen 
des städtischen Proletariats eine Gefahr für die bestehende Ordnung zu sehen, 
„Diese Gattung nahrungsloser und größtenteils ungesitteter Menschen" sei 
es, meinte der Polizeiminister Graf Pergen 1794, „welche jedem Staate die 
größte Gefahr, besonders bey jetzigen Zeiten androhe, da durch dieselbe die 
Jacobiner den Umsturz der französischen Regierung und das allgemeine Unglück 
Europens bewirkt haben und durch eben diese Staatsumwälzer ähnliche Com- 
ploten in einigen anderen Staaten durch Dahinsendung vieler Geldsummen 



^) H. K. A. Kom. Litorale, Fasz. 95, Nr. 20 ex majo, 11 ex junio, 32 ex aug. u. 11 
ex Nov. 1796. 



17 

schon wirklich bis fast zum Ausbruche angesponnen worden, und es kaum zu 
bezweifeln sei, sie dürften was Ähnliches auch hierlands, wo nicht schon ver- 
sucht haben, dennoch es noch zu tun die Absicht haben". Daher trug Graf 
Pergen, neben strenger Überwachung der Fremden und Einschränkung der 
Bautätigkeit in Wien, auch auf ein Verbot an, in der Hauptstadt neue Fabriken 
zu errichten, endlich auf Ehebeschränkungen für Handwerksgesellen und jene 
Personen, die keinen genügenden Erwerb nachweisen konnten. 

Das Direktorium, bei welchem zur Verhandlung über diese Anträge eine 
eigene Kommission eingesetzt worden war, konnte den Ansichten des Grafen 
Pergen nicht widersprechen und glaubte als Ursache der zunehmenden Arbeiter- 
bevölkerung in erster Linie die in der Hauptstadt angelegten und zu sehr be- 
günstigten Fabriken hinstellen zu können, welche ihi-e Arbeiter vom Lande 
hereinholen oder anderen nützlichen Gewerben entziehen. Anderseits könne 
als eine der Ursachen angesehen werden der „Umstand, daß man die bürger- 
lichen Nahrungswege so sehr für jeden erleichtert, frei erklärt und fast jedem 
Handwerksgesellen gestattet hat, sein Handwerk oder Gewerbe auf freie Hand 
zu treiben und sogar mit seinen Erzeugnissen zu hausieren". Diese Ansammlung 
der proletarischen Volksmassen sei gefährlich, weil diese, da sie nichts zu ver- 
lieren haben, wohl aber nur etwas gewinnen könnten, zu allem bereit seien. 
Die Fabriken seien zwar für den Staat sehr nützlich, sie hätten aber auch Nach- 
teile, einerseits durch Verminderung der Landbevölkerung und anderseits 
durch die Sittenlosigkeit, die das enge Zusammenleben derselben in den Städten 
zur Folge habe. 

Infolgedessen trug die Kommission auf zahlreiche Beschränkungen an, 
während der oberste Kanzler selbst, welcher dieses Protokoll vom 23. November 
1794 dem Kaiser vorlegte, der Meinung war, es sollten die angestrebten Ver- 
hältnisse nicht durch Zwang, sondern durch gegenteilige Begünstigungen 
erreicht werden, somit die Abhaltung der Fabriken von der Hauptstadt durch 
ihre besondere Begünstigung auf dem Lande. 

Im Staatsrat waren die Anhänger des liberalen Systems, so namentlich 
Eger und Zinzendorf, über die Zwangsvorschläge geradezu entsetzt. Eger, der 
gegen jede Beschränkung der Fabriken in Wien und gegen die Ehebeschrän- 
kungen scharf auftrat, meinte, dem ganzen Vortrage müßte als Motto der Satz 
vorangestellt werden: „multum agendo nihil agere, multum dicendo nihil 
dicere". Er setzte ausführlich auseinander, wie die Fabriken in der Residenz- 
stadt notwendig seien, weil daselbst der größte Geldumlauf und der größte 
Bedarf sei und sich daselbst die reichsten Leute befinden. Die Verlegung der 
Fabriken auf das flache Land sei unmöglich, weil dort die Vorbedingungen 
nicht vorhanden seien. „Die Errichtung neuer Fabriken zu erschweren wäre 
die gewünschteste Anstalt für die dermaligen Fabriksinhaber, um ihnen das 
Monopol der Erzeugung mit allen seinen Vorteilen in die Hand zu spielen. Es 
ist doch gar zu sonderbar, daß in einem Staate, wo auf fast einstimmiges mini- 
sterielles Einraten das Einfuhrverbot fremder Waren zum System geworden, 
man der Erweiterung und Vervielfältigung der Manufakturen durch allerlei 
Wege Hindernisse legen will." Zinzendorf meinte, „das ganze Projekt, die 

Slokar, Geschichte der österr. Industrie. 2 



18 

Lamenten und die meist unpassenden Heilungsmittel gehören unter das trop 
gouverner". Man dürfe „vague Lamentationen" nicht für Wahrheit nehmen. 
Im allgemeinen schloß er sich sonst den Ausführungen Egers an. 

Diese scharf ablehnende Sprache gegen die angetragenen Beschränkungen 
hatte auch den Erfolg, daß die allerhöchste Entschließung wenigstens jeden 
kategorischen Befehl unterließ, um die für notwendig erachteten Verhältnisse 
herzustellen. Bezüglich der Zahl der Gewerbe bestimmte sie, es sei dies eine 
Angelegenheit, welche in den Wirkungskreis der Magistrate und Ortsobrigkeiten 
gehöre, weil diesen die lokalen Verhältnisse und der Nahrungsstand am besten 
bekannt seien und ihnen am Wohlstand ihrer Bürger am meisten gelegen sein 
müsse. Daher seien die Magistrate und Obrigkeiten anzuweisen, sich nach diesen 
Grundsätzen zu richten und die Zahl der Meisterschaften nie ohne Not und noch 
weniger „aus Parteilichkeit" zum Nachteile der bestehenden zu vermehren. 
Hingegen sei die Errichtung von Fabriken auf dem Lande zu begünstigen, 
den Gesellen in der Hauptstadt das Heiraten zu erschweren und die Erlaubnis 
nur auf das Land und die Landstädte zu beschränken i). 

Während in dieser Entschließung von einer Verhinderung der Anlegung 
neuer Fabriken in der Hauptstadt nicht gesprochen wird, heißt es sonderbarer- 
weise im diesbezüglichen Dekret des Direktoriums an die niederösterreichische 
Regierung vom 9. Jänner 1795 in schärferer Form, es solle „streng darauf 
gehalten werden, daß die Anlegung neuer Fabriken in der Haupt- 
stadt auf alle Art verhindert, hingegen die Errichtung derselben auf 
dem Lande begünstigt werde "2). 

Diese Beschränkungen für Fabriken in Wien verdienen um so mehr eine 
vorsichtige Beurteilung, als sie, ihrer Absicht nach, nicht als ein industrie- 
feindlicher Akt betrachtet werden dürfen. Schon unter Maria Theresia war 
man der Anschauung, daß die Entstehung von großen Fabriken in Wien nicht 
zu begünstigen sei, weil daselbst die Lebensmittelpreise höher und auch die 
sonstigen Auslagen größer seien, was eine Preissteigerung der Produkte zur 
Folge haben müsse. Deshalb trug man sich mit dem Plane, „die Fabriken von 
Wien in tunlicher Art nach und nach in die Landstädte zu versetzen "3). Die 
ökonomische Literatur jener Zeit vertrat diesen Standpunkt theoretisch*). 
Lange wurde an dem Grundsatze festgehalten, daß für Fabriken der Standort 
auf dem Lande günstiger sei als in der Hauptstadt. Ein Hofdekret vom 
9. Februar 1797 drückte sich diesbezüglich sehr deutlich aus, größere Städte 
könnten am wenigsten der Ort sein, um daselbst Fabriken zu errichten, „wo 
sie mehrere Vorteile, die sie auf dem Land eine wohlfeile Ware zu erzeugen 



1) Staatsrat 1794, Nr. 4072, Pnbram, a. a. 0., I, 586 ff. — ") Abschrift bei Staatsrat 
1803, Nr. 603. — *) Pfibram, a. a. 0., I., 170. — *) Vgl. Justi, Manufakturen und Fabriken, 
2. Aufl., 1786, I, 81 f.: „In der Residenzstadt muß man die Manufakturen nicht anlegen. In 
der Hauptstadt des Landes ist es ungleich teuerer als in allen anderen Gegenden sowohl in 
Ansehung der Hausmiete als der Lebensmittel. Die Arbeiter müssen also teuerer bezahlt werden 
und dies verteuert die Waren ... es ist eine sehr notwendige Maxime eines weisen Regenten, 
daß er die Nahrung und die Zirkulation des Geldes allenthalben in seinen Staaten gleich zu 
verbreiten sucht." 



19 

instand setzen, verlieren würden" i). Auch fehlte es nicht an Versuchen, diesem 
Grundsatze bei Errichtung neuer Fabriken Geltung zu verschaffen. So mußte 
1797 dem Brünner Matthias Mundy, weil auf die Klagen der Brünner Tuch- 
macher hin das Kreisamt, das Gubernium und die Hofstelle der Meinung waren, 
er solle die Fabrik nicht in Brunn, sondern auf dem Land errichten, erst vom 
Kaiser die Bewilligung zur Errichtung derselben in der Landeshauptstadt 
erteilt werden 2), 

Wenn auch der Geist, der die Gewerbepolitik dieser Zeit beherrschte, 
nicht sympathisch wirken mag, so kann nach dem Gesagten doch nicht geleugnet 
werden, daß auch jene Maßnahmen, welche für die Fortentwicklung der Industrie 
nicht gerade günstig sein konnten, nicht industriefeindlichen Tendenzen ent- 
sprangen, sondern nur der gewissen Ratlosigkeit der damaligen Staatsverwaltung 
und vor allem polizeilichen Rücksichten und Einflüssen zuzuschreiben sind. 

Selbst auf dem Gebiete der Gewerbegesetzgebung zeigt sich damals vielfach Kommer- 
eine gänzliche Unorientiertheit. Zahlreiche gewerberechtliche Fragen hatten ^p^^^^^^^ 
sich ausgebildet, ohne jemals eine klare rechtliche Fixierung erfahren zu haben^). gewerbe. 
Die Unterscheidung zwischen Kommerzial- und Polizeigewerben war schon 
lange in Übung, ohne daß eine feste, begründete Begrenzung festgestellt worden 
oder wenigstens den Behörden bekannt gewesen wäre. Seit 1791 beschäftigte 
man sich mit dieser Abgrenzung und da die darüber befragten Länderstellen 
Zwangsmaßregeln auch für die Kommerzialgewerbe in Antrag gebracht 
hatten, so sah sich die Hof stelle 1799 veranlaßt, dieselben zu belehren, daß 
diese Gewerbe nach ganz anderen und freieren, wenn auch nicht völlig 
unbeschränkten Grundsätzen geleitet werden müssen als die Polizeigewerbe. 
Diese Frage fand erst 1809 ihren Abschluß*). 

Auf dem Gebiete der auswärtigen Handelspolitik blieb es bei dem von Prohibition 
Josef IL inaugurierten Prohibitionssystem. Die Kommerzialstempelung der ""^^i^^^"^' 
inländischen Waren, zur Unterscheidung derselben von den ausländischen, 
war von Leopold 1791 aufgehoben worden, da die staatlichen Regiekosten und 
die Belästigungen der Fabrikanten größer waren als der Nutzen. Aber auf 
dringende Bitten der Fabrikanten wurde sie im November 1792 wieder ein- 
geführt^). Doch sie hatte wieder einen den Erwartungen entgegengesetzten 
Erfolg, denn der Stempel, der durch bestechliche Beamte auch auf ausländische 
Waren angebracht wurde, schützte sogar dieselben vor der Beschlagnahme, 
auch wenn sie als ausländisch erkannt worden waren. So mußte die Stempelung, 
statt den Schleichhandel zu hindern, denselben nur noch begünstigen. Daher 
sah sich die Hofkammer veranlaßt, 1800 an die Bankalgefällenadministrationen 
die Normalverordnung zu erlassen, daß auch echt gestempelte Waren, wenn 



^) Barth, AUgem. österr. Gewerbs- und Handelsgesetzkunde, I, 284. Ebendaselbst der 
Hofbescheid vom 6. Febr. 1800, daß in Ansehung der Fabriken mehr auf deren Etablierung 
und Verbreitung auf dem Land als auf deren mit anderweitigen Nachteilen so verbundene 
Anhäufung bei der Hauptstadt das Augenmerk zu richten sei. — ^) Staatsrat 1797, Nr. 3920. — 
') Vgl. oben S. 14 bezüglich der Grenzlinie zwischen förmlichen und einfachen Fabriks- 
befugnissen. — *) Vgl. unten S. 132 ff. — ') Kopetz, Allgem. österr. Gewerbsgesetzkunde, II, 223. 



20 

sie von Sachverständigen als ausländisch erkannt werden, da sie durch den 
Stempel nicht aufhören, ausländischen Ursprungs zu sein, als fremde Waren 
nach den gesetzlichen Bestunmungen zu behandeln seien i), 
Begünsti- ßgj (jgp langen Militärdienstzeit des 18, und der ersten Hälfte des 19. Jahr- 

Fabrfkanten h^^derts band dicscr Dienst den dazu Berufenen für eine ganze Reihe von 
bezüglich Jahren und entzog ihn seiner gewöhnlichen Beschäftigung. Dies mußte nament- 

der Militär- jj^j^ ^j^ Industrie in den Anfängen ihrer Entwicklung empfindlich treffen, da 
die größeren Fabriken sich meist ihre Werkführer und Arbeiter selbst mit 
Mühe und Kosten ausbilden mußten. Die Heranziehung der Leiter oder der 
wenigen gelernten Arbeiter einer Fabrik zum Militärdienste hätte in jenen 
Zeiten, in welchen ein Ersatz nicht leicht ausfindig gemacht werden konnte, 
geradezu die Betriebseinstellung zur Folge haben können. Ebenso hätten die 
Militäreinquartierungen bei ihrer Anwendung auch in bezug auf die Fabriks- 
gebäude den Betrieb oft lahmgelegt. Kein Wunder daher, daß die Staats- 
verwaltung in der Zeit, in welcher sie sich bemühte, eine heimische Industrie 
zu schaffen, bestrebt war, diese Härten soviel als möglich zu mildern. 

Schon unter Maria Theresia wurde den Fabriken in ihren Privilegien 
meistens auch die Befreiung von der Militärstellung für die Inhaber und ihre 
Hilfsarbeiter, mit alleiniger Ausnahme der Handlanger und Taglöhner zu- 
gestanden und diese Befreiung bald auch auf mehrere Kommerzialgewerbe 
ausgedehnt^). 

Das Werbbezirkssystem von 1781 ließ die nämlichen Rücksichten für die 
bei Gewerben und Fabriken unumgänglich notwendigen Arbeiter eintreten^). 
Ebenso bestimmten die Hofdekrete vom 27. Mai, 26. Juli und 22. August 1791, 
daß nicht nur die Werkführer, sondern auch die Arbeiter von Fabriken, sowohl 
Gesellen als auch Lehr jungen, welche schon ein Jahr in jener Fabrik beschäftigt 
seien, von der Rekrutierung freizulassen seien*). Bei diesem Zustande verblieb 
es bis 1804. Weitere Befreiungen erfolgten jedoch nicht leicht und vieKach 
wurden solche Gesuche abgewiesen, namentlich in Fällen, wo die zum 
Militärdienste herangezogenen Arbeiter unschwer zu ersetzen waren. So 
wurde der Prager Handelsmann Johann Georg Berger 1794 mit seinem 
Gesuche um Befreiung der Bleichergesellen von der Rekrutierung abge- 
wiesen mit dem Bedeuten, nur solche Leute bei der Bleicherei zu verwenden, 



^) A. d. k. k. Min. In. G. 6., 1800, Sept. 23. Das böhmische Gubemium meinte diesbezüglich 
in einem Berichte vom 3. April 1792: „Man ist hierorts ganz wohl überzeugt, daß die bestandene 
Stempelung nicht so zweckmäßig war, als solche hätte sein sollen, da einerseits selbe zuviel 
kostete, anderseits aber (welches zwar nicht erwiesen, jedoch sicher zu vermuten ist) schon 
darum selbst zur Schwärzungsbeförderung viel beigetragen hat, weil die wenigsten der 
angestellten Stempler einige Warenkenntnisse hatten und dieselben durch lange Zeit keine 
Besoldung erhalten haben, folglich um leben und ihren Dienst besorgen zu können, von anderen 
Leuten sich bezahlen lassen mußten" (Statth. A. Prag. 1786—1795, Kern. Fasz. 7, subn. 19). — 
*) Kopetz, Allgemeine österreichische Gewerbsgesetzkunde, II, 24;Wildner, Das österr. Fabriken- 
recht, 214; Pfibram, a. a. 0.,I, 72,76. — ") Kopetz, a. a. 0., II, 25. — *) H. K. A. Kom. N.-Ö. 
Fasz. 63/1, Nr. 34 ex jun., 32 u. 60 ex jul., 72 ex aug. 1791. Pol. Ges. Samml. 1791, 
Jul. 26. 



21 

die zum Soldatenstande nicht tauglich, zu Bleicharbeiten aber ganz gut zu 
brauchen seien i). 

Beweise von Industriefreundlichkeit des Kaisers und der Behörden in jener Auszeich- 
Zeit sind auch sonst nicht selten. Im Jahre 1793 wurde Franz Xav. Lang, 'i""^®"- 
Inhaber der Ebreichsdorfer Zitz- und Kottonfabrik in den Ritterstand erhoben^). 
Dem Seidenzeugfabrikanten in Wien Jonas wurde eine goldene Medaille ver- 
liehen „als Merkmal der allerhöchsten Zufriedenheit über seine ersprießliche 
Verwendung im Fabriksfache und zur Aneiferung anderer zu ähnlichen, dem 
Staate nützlichen Unternehmungen"^). 1795 verlieh der Kaiser den Pilsner 
Tuchfabrikanten Gebrüder Tuschner wegen der von ihnen abgelegten Beweise 
unermüdlichen Fleißes in der Erzeugung feiner wollener Tücher, namentlich 
aber weil sie Maschinen und geschickte Weber auf eigene Kosten aus dem Aus- 
lande beriefen, Lehrlinge unterrichten ließen und durch ausgedehnten Handel 
die Industrie wesentlich förderten, zwei goldene Denkmünzen, wobei ihnen 
noch weitere Belohnungen in Aussicht gestellt wurden für den Fall, daß sie in 
ihrem Bestreben um die Emporbringung der Industrie verharren sollten*). 
Ebenso bewilligte der Kaiser 1798 dem Anton Parz in Marburg eine Belohnung 
von 50 fl., weil er eine Säge- und Stampfmaschine erfunden hatte^). 

Ungefähr mit dem Jahre 1798 beginnt eine neue Periode, die namentlich 
durch die Einführung von neuen, den Betriebsprozeß wesentlich beeinflussenden 
Maschinen dem Kapital einen immer größeren Einfluß zu sichern berufen war. 
Während das ganze Fabrikswesen des 18. Jahrhunderts noch einen handwerks- 
mäßigen Charakter hatte, wurde es jetzt bald anders; die kaufmännisch ge- 
leiteten, Maschinen verwendenden und auf kapitalistischer Grundlage beru- 
henden Fabriken traten zu den kleinen Unternehmern in einen immer größeren 
Gegensatz, die zünftigen Meister verloren teilweise ihre Selbständigkeit, indem 
sie vielfach bei ihren Mitmeistern oder in Fabriken als Werkfiihrer Arbeit 
nahmen, wenn sie es nicht zuwege brachten, selbst den Weg zum Großbetriebe 
zu finden und Fabrikanten zu werden. 

Zu seiner Entfaltung brauchte der Kapitalismus keines besonderen staat- 
lichen Schutzes, sondern nur genügende Freiheit, somit Befreiung von den 
Fesseln, die dem Gewerbewesen noch anhafteten. Dies sollte auch der Gewerbe- 
politik der nächsten Jahre das charakteristische Gepräge geben als einer Periode 
des Kampfes der eine neue Zeit repräsentierenden Wirtschaftskräfte gegen die 
überkommenen Hemmnisse der industriellen Entwicklung. 

IL Kapitel. 
Die allgemeine Industriepolitik von 1798 bis 1816. 

In der Behördenorganisation traten zwischen 1798 und 1816 keine wesent- Behörden, 
liehen Änderungen ein. Die 1797 erfolgte Trennung der Hofkammer von der 
Hofkanzlei wurde 1801 wieder aufgehoben. Schon 1802 erfolgte jedoch die 



1) Statth. A. Prag. Kom. 1796—1805, Fasz. 12, subn. 41, 1794, März 20. — ^) Staatsrat 
1793, Nr. 3536. — «) Staatsrat 1793, Nr. 2999. — *) Statth. A. Prag, Kom. Fasz. 8, subn. 35, 
1795, Febr. 12, Sept. 5. — ") H. K. A. Kom. I.-Ö., Fasz. 92, Nr. 2 ex dec. 1798. 



abermalige und diesmal dauernde Trennung der vereinigten Hofstelle in die 
Hofkammer, Ministerialbankohofdeputation, Finanz- und Kommerzhofstelle 
einerseits, die vereinigte böhmisch-österreichische Hofkanzlei anderseits. 

In Wien wurde 1807 als eine Mittelbehörde zwischen Magistrat und Landes- 
regierung die Stadthauptmannschaft errichtet, der das Verleihungsrecht der 
Schutz- und einfachen Fabriksbefugnisse zustand^). 

Das Jahr 1798 bildet eigentlich den Anfang der franziszeischen Industrie- 
politik, denn bis dahin hatte sie sich unter dem Einflüsse der französischen 
Revolution einerseits, der dem Tode Josefs IL folgenden Reaktion gegen dessen 
radikale Ziele anderseits auf einer Bahn der Unsicherheit und Systemlosigkeit 
bewegt und so förmlich auf der Suche nach einer neuen Orientierung befunden. 

Jetzt wehte bald ein anderer Geist und die Kommerzbehörden waren, 
von naturrechtlichen Ideen beeinflußt, bemüht, Hindernisse der gewerblichen 
Entwicklung möglichst zu mildern, wenn nicht ganz aufzuheben und jede 
nicht unbedingt notwendige Einflußnahme zu vermeiden. Dies zeigte sich 
schon sehr bald. 
Allgemeine Eine für die Entwicklung und Ausdehnung der Gewerbe wichtige Frage 
Bewilligung ijgg^^j^j darin, ob den Unternehmern gestattet werden solle, Gesellen außer 

der Beschäf- o 5 

tigung von Haus Stühle zur Verfügung zu stellen und sie für sich zu beschäftigen. Die 
Gesellen fabriksmäßig Befugten hatten dieses Recht von jeher. In einzelnen Gewerbe- 

^"asofr^ zweigen hatten auch die Meister dieses Recht schon erlangt. Aber allgemein 
für alle Gewerbe bestand es noch nicht. 

Da eine solche Gepflogenheit dem Zunftsystem und Zunftgeiste gar nicht 
entsprach, war es klar, daß sich die Innungen gegen die Zulassung einer solchen 
Erleichterung mit Händen und Füßen sträuben würden. 

Im Jahre 1792 hatte die Innung der Wiener bürgerlichen Strumpfwirker- 
meister den Beschluß gefaßt, daß künftighin kein Meister einen Arbeitsstuhl 
einem Gesellen außer Haus, in die Wohnung desselben, geben, sondern jeder 
Meister alle Stühle in seiner Werkstätte betreiben, folglich, wenn einer einen 
Stuhl bei einem Gesellen hätte, denselben zurücknehmen solle. Viele fühlten 
sich jedoch durch diesen Beschluß beschwert und einige Meister baten 1795 
die Regierung um Aufhebung dieses Verbotes. Sie wurden aber von derselben, 
nach Einvernehmung und dem einstimmigen Einraten des Stadtmagistrats 
und der Fabrikeninspektion abgewiesen, weil der größere Teil der Meisterschaft 
diese Anordnung nützlich befunden und bei der Kommission der Meinung 
Ausdruck gegeben habe, daß die Außerhausgebung von Arbeitsstühlen zu 
Mißbräuchen und Störereien führe, da eine Kontrolle, ob ein Geselle auf eigene 
oder eines anderen Meisters Rechnung arbeite, nicht leicht möglich sei. Aller- 
dings wurde der Magistrat zugleich von der Regierung darauf aufmerksam 
gemacht, er hätte, da solche Innungsbeschlüsse durch mehrere Verordnungen 
verboten worden seien, auch diesen Beschluß nicht bestätigen sollen. 



^) Rudolf Payer von Thurn: Die k. k. Hof stellen, ihre Chefs u. deren Stellvertreter 1749 
bis 1848. Wien, 1902, Schulbücherverlag (Tabelle). Kopetz, a. a. 0., II, 436 ff., 448; Barth, 
a. a. 0., IV, 31 ff. 



23 

Durch diesen Erfolg ermutigt, bat die Meisterschaft 1796, es solle auch 
den fabriksmäßig Befugten verboten werden, Stühle außer Haus zu geben; 
sie wurde aber natürlicherweise abgewiesen, mit der Begründung, daß sich das 
Verbot der Arbeit der Gesellen außer der Werkstätte des Meisters nur auf die 
zunftmäßigen Unternehmungen beziehe, „bei fabriksmäßig Befugten aber 
einen solchen Zwang einzuführen nicht rätlich sei, weil dergleichen Fabrikanten 
ihre Gesellen zu Hause oft nicht unterbringen können"; auch sei das Über- 
handnehmen der Störerei dadurch nicht zu befürchten, da ja die Vorsicht beob- 
achtet werde, daß der Stuhl dem Fabrikanten eigentümlich gehören und dieser 
dem Gesellen ein Zeugnis ausstellen müsse, daß er für ihn arbeite. 

Bald darauf ergriffen die 1795 mit ihrem Gesuch um Bewilligung der 
Haltung von Stühlen außer Hause abgewiesenen Strumpfwirkermeister gegen 
diese Abweisung den Rekurs, wurden aber durch Hofdekret vom 3. November 
1796 neuerdings abgewiesen, bei welcher Gelegenheit sonderbarerweise zugleich 
verordnet wurde, daß auch einem fabriksmäßig Befugten, dem das Halten 
von Stühlen außer Haus von der Regierung bewilligt worden war, dies verboten 
werde. Dieser Fabrikant überreichte aber demgegenüber 1797 eine Vorstellung 
bei Hof und setzte es durch, daß ihm, der eine Fabriksbefugnis besaß und daher 
an den Innungsbeschluß der Meisterschaft nicht gebunden sein konnte , das Halten 
von Stühlen außer Haus gestattet wurde. 

Aber auch nicht fabriksmäßig befugte Meister fühlten sich durch dieses 
Verbot in der Erweiterungsmöglichkeit ihrer Betriebe natürlicherweise ein- 
geengt und erstrebten durch ein Hofgesuch die Aufhebung des Innungs- 
beschlusses von 1792. Der Stadtraagistrat trug zwar wieder auf Abweisung 
an, blieb jedoch diesmal mit dieser Ansicht allein. Die Zeiten und die Ansichten 
über die Beschränkungen der Industrie hatten sich schon geklärt, die Wünsche 
des Zunftgeistes konnten kein Verständnis mehr finden. 

Der Fabrikeninspektor ging in seinem diesbezüglichen Berichte vom 11 . März 
1801 von der Ansicht, die er 1795 vertreten hatte, ab und riet nunmehr an, 
das Halten von Stühlen außer Haus allgemein zu gestatten, jedoch unter 
folgenden Vorsichten: 1. daß der Meister einem Gesellen nur einen Stuhl in 
seine "Wohnung gebe, 2. daß dieser Stuhl immer im Eigentum des Meisters 
verbleibe, 3. daß der Meister zugleich dem Gesellen ein schriftliches Zeugnis 
darüber ausstelle, daß er für ihn arbeite. Das bestehende Verbot sei ganz auf- 
zuheben, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Der Innungsbeschluß von 1792 ist 
überhaupt nur dadurch zustande gekommen, daß der verstorbene Vorsteher 
Fieber die listige Vorspieglung gebraucht hatte, daß auch die Schutzverwandten 
fabriksmäßig und Landesbefugten ebenso wie die Strickermeister zur Zurück- 
nahme ihrer Stühle nach Hause verhalten werden würden. 2. „Weil dieser 
Zwang der Erweiterung der Beschäftigung und Fabrikation 
höchst hinderlich sei." 3. Weil die Haltung vieler Stühle im Hause des 
Meisters sehr große Wohnungen erfordern würde, wodurch, wegen der hohen 
Zinse, die Produkte stark verteuert würden. Die meisten Hauseigentümer 
nehmen viele Stühle wegen ihrer Schwere und des Getöses nicht gerne in ihr 



24 

Haus, während verheiratete Gesellen in ihren Wohnungen einen Stuhl leicht 
unterbringen können. Auch sei bei mehreren anderen Innungen, wie den Seiden- 
zeugmachern, Baum-, Schafwoll- und Leinenwebern und Posamentierern dieser 
Zwang schon abgeschafft worden. 

Die Zunft machte zwar bei der kommissionellen Beratung allerlei Ein- 
wendungen, wie daß zu Hause die Aufsicht über die Zucht unmöglich sei, das 
Material nicht kontrolliert werden könne, Störerei zu befürchten sei, der Unter- 
richt der Lehrlinge leiden werde, wenn die Meister sehr viel außer Haus zu tun 
haben und ähnliches, hatten aber mit diesen Einwürfen nur noch den Erfolg, 
daß ausdrücklich bemerkt wurde, „der ganze Innungsbeschluß selbst scheine 
nicht soviel aus einer guten Absicht und Liebe zur Ordnung, sondern vielmehr 
aus einem Handwerksneide der Meisterschaft gegen die Fabrikanten und Stricker- 
meister entstanden zu sein". 

So trug denn auch die Regierung in ihrem Bericht an die Hofstelle an, 
es solle das Außerhausgeben von Stühlen unter den von der Fabrikeninspektion 
formulierten Vorsichten gestattet werden. „Dies sei auch und in dem gegen- 
wärtigen Zeitpunkte um so notwendiger, als nicht nur die Wohnungszinse 
außerordentlich gestiegen seien, sondern auch insbesondere einleuchtend sei, 
daß es, bei der vergrößerten Anzahl der Fabrikanten aller Art und der so sehr 
zugenommenen Volksmenge, den Meistern und Fabrikanten, die nicht selbst 
eigene Häuser und Fabriksgebäude besitzen, beinahe ganz unmöglich werden 
müsse, hier in Wien so große Wohnungen zu finden, daß sie zur Aufstellung 
aller ihrer Werkstühle hinreichten." Durch Aufhebung dieses Zwanges können 
kleinere Betriebe leicht erweitert werden. 

Der Antrag und dessen Begründung fand bei der Hofstelle vollen Anklang 
und durch Hofdekret vom 8. Oktober 1801 wurde der Regierung bekannt- 
gegeben, der Antrag sei den echten Kommerzialgrundsätzen um 
so mehr angemessen, ,,als jeder nicht höchst nötige Zwang und 
jede Beschränkung die Fortschritte des Erwerbfleißes nur hemmt 
und die zweckmäßigste Unterstützung und Beförderung des- 
selben in der Beseitigung der annoch vorhandenen Hindernisse 
besteht, worunter jede Vermehrung der Kosten, jeder Zeitverlust 
und jede Erschwerung des so wohlfeilen und vorteilhaften Haus- 
erwerbes vorzüglich gerechnet werden muß". Daher sei die Ver- 
legung der Gesellen mit Arbeit außer Haus allen Meistern und befugten Fabri- 
kanten ohne Anstand bei allen Kommerzialgewerben und Beschäfti- 
gungen unter den von der Regierung angetragenen Vorsichten nicht nur zu 
gestatten, sondern durchaus zu begünstigen^). 

Nichts könnte den Umschwung der Anschauungen über die Gewerbe- 
beschränkungen seit 1798 so deutlich kennzeichnen wie die Wechselfälle, denen 
diese Frage bis zu ihrer definitiven Erledigung ausgesetzt war. Ein anderer 
Geist wehte bei den Kommerzbehörden. 



1) H. K. A. Korn. N.-ö., Fasz. 63/1. Nr. 7 ex oct. 1801. 



25 

Inzwischen bereitete sich von anderer Seite ein merkwürdiger Ansturm Versuch der 
gegen die Fabriken in Wien vor, den abzuwehren die Kommerzhof stelle sich ^^'■"^^^*""^ 
alle Mühe geben mußte. ^^g wien!"^ 

Um die Jahrhundertwende herrschte in der Residenzstadt ein ungeheurer 
Wohnungsmangel und infolgedessen auch eine dementsprechende Wohnungs- 
teuerung. Der Hausbesitzer und Kapitalisten bemächtigte sich ein wahrer 
Wuchergeist, und 1801 wurden die Zinse selbst für die Wohnungen, welche nur 
von der ärmsten Volksklasse benützt wurden, um 20 bis 100 und mehr Prozent 
gesteigert. Dabei war die Wohnungsnot so groß, daß nach einem Polizeibericht 
eine arme Familie in der Totenkammer einer Vorstadt, eine andere während 
des strengsten Winters in einem Gartenhaus, ein Fiaker mit Weib und Kind 
wochenlang auf offener Straße in seinem Wagen übernachten mußte. Infolge- 
dessen entstand in der Bevölkerung eine furchtbare Erregung und der Polizei- 
direktor selbst mußte berichten: „allmählich äußert sich die Stimme des 
Volkes gegen den Monarchen und die Staatsverwaltung". 

Als nun in diesem Jahre ein Webergeselle, Georg Pillasch, um eine fabriks- Bericht der 
mäßige Befugnis ansuchte, da beschloß die niederösterreichische Regierung niederöster- 
mit Stimmenmehrheit, bei der Hofstelle anzutragen, daß zur Verhütung einer Rg^g^^Mg 
noch größeren Teuerung der Lebensmittel und der Wohnungszinse in Zukunft vom 29. sep- 
in einem Umkreise von vier Meilen von Wien weder eine förmliche noch eine *^®™^®'^ ^^^^• 
einfache Fabriksbefugnis in der Weberei oder in der Lederbereitung verliehen 
werden solle; die Bittwerber für solche Befugnisse sollten angewiesen werden, 
sich auf dem flachen Lande dazu einen tauglichen Niederlassungsort ausfindig 
zu machen. Die Minderheit der Stimmen der Regierung sah jedoch diesen Antrag 
und dessen Durchführung als der inländischen Industrie äußerst nachteilig an. 
Deshalb wurde die Regierung von der Hofstelle angewiesen, darüber zunächst 
auch die Fabrikeninspektion zu befragen und sodann einen neuen, ausführ- 
lichen Bericht zu erstatten. 

Die Fabrikeninspektion gab ihr Gutachten dahin ab, es sei nicht daran zu 
denken, die Webereien und Lederfabriken aus Wien zu entfernen, denn auf 
dem flachen Lande sei es beinahe unmöglich, fähige Webergesellen zu finden, 
oder sie müßten erst mit viel Mühe und Kosten zu den feineren Arbeiten aus- 
gebildet werden. Auch eine genügende Anzahl von Lehrlingen sei auf dem flachen 
Lande nicht aufzubringen. Nur in einer großen Stadt befinden sich alle Hilfs- 
mittel zur Verfertigung der feineren Webereiwerkzeuge, ebenso wie die Färber, 
Appreteure, Drucker u. dgl. Nur in Wien haben die Fabrikanten Gelegenheit, 
die benötigten englischen Gespinste nach Wahl und Bedarf bei den Handels- 
leuten zu kaufen. Die Fabriken seien an der Zinsteuerung nicht schuld, da sie 
keiner großen Gebäude oder Werkstätten bedürfen, vielmehr die Stühle unter 
die in Verlag arbeitenden Gesellen verteilt seien, während in den Fabriks- 
gebäuden nur die Vorräte an Gespinst und fertiger Ware sowie die Appretur- 
maschinen aufbewahrt werden. Die Lederfabrikanten können ihren Bedarf 
an Fellen auch nur in Wien ohne bedeutende Frachtkosten decken. 

Bei der Landesstelle gingen die Meinungen stark auseinander. Einige 
Räte (Freiherr v. Managetta, v. Resper, Graf Hoyos und Graf Palm) waren 



I 



26 

der Meinung, alles was den Namen einer Fabrik führe, hätte mit 
dem Absterben der gegenwärtigen Besitzer einzugehen und in 
Wien sollten nur die eigentlichen Meister und höchstens die 
Schutzverwandten, die auf die eigene Hand beschränkt sind, 
geduldet werden. 

Der Referent der Landesslelle, Freiherr von Kielmannsegge, ein 
Mann von großem Wissen und mit weitem Blicke, hielt jedoch die gewaltsame 
Fernhaltung der Fabriken von der Hauptstadt für 1. unnotwendig, 2. unaus- 
führbar, 3. äußerst verderblich. 

Sie sei nicht notwendig, denn die eigentliche Absicht, dadurch die Preise 
der Lebensmittel und der Wohnungen billiger zu gestalten, könne nicht erreicht 
werden. Die Lebensmittel in Wien seien überhaupt die niedrigsten unter allen 
Hauptstädten Europas. Die eigentliche Ursache der Teuerung sei vor allem der 
langjährige Krieg, die Verluste, welche die Armee so oft durch Wegnahme 
beträchtlicher Magazine durch die Feinde erlitt, die wieder schnell ersetzt 
werden mußten, die feindlichen Truppen im Lande, die viel zerstörten und 
verwüsteten; nicht zuletzt die Lieferanten, die das Aufkaufen im Lande in eine 
Art System brachten und zum Besten der Armeen, aber zum Nachteile der 
Städter begünstigt wurden, die Menge von Papiergeld und schlechten Münz- 
sorten, alle diese Umstände hätten zur Teuerung beigetragen. 

In Niederösterreich werde überhaupt nicht soviel Getreide erzeugt, als 
es zur Ernährung aller seiner Bewohner bedürfe, ebenso wie Vieh eingeführt 
werden müsse. Es würde demnach gleichbleiben, ob die Verzehrung in Wien 
oder in einem Gebiete von vier Meilen außerhalb der Stadt geschehe. 

Die Fabriken seien auch am Wohnungsmangel nicht schuld, denn die Be- 
völkerung habe sich seit 1786 nicht vermehrt und damals seien keine Klagen 
darüber gehört worden. Nur stelle man gegenwärtig an die Wohnungen höhere 
Anforderungen, der Kaufmann, der Gewerbsmann und der Beamte begnüge 
sich nicht mehr mit einer Wohnung wie früher. Wesentlich hätten zum 
Wohnungsmangel das Militär, die vielen anwesenden fremden Hofhaltungen 
sowie die Ansiedlung vieler Fremden überhaupt beigetragen. 

Das einzige Mittel, der gegenwärtigen Wohnungsteuerung zu steuern, bestehe 
in der Aufhebung des Bauverbotes; man solle Wien nicht mehr als eine Festung 
ansehen. Daneben dürfte zur Erreichung dieses Zieles auch beitragen die 
Abschaffung der Juden, die Verminderung der Griechen, die 
Verlegung mehrerer Militär-, besonders Artilleriezweige sowie 
auch größerer Institute, die mit der Hauptstadt in keinem wesentlichen 
Zusammenhange stehen. 

Nicht nur unnötig, sondern auch undurchfülirbar sei die Entfernung der 
Fabriken von Wien. Außer der k. k. Porzellanfabrik bestehe daselbst überhaupt 
keine große Fabrik im wirklichen Sinne des Wortes. Die anderen Fabriken 
seien nicht in großen Gebäuden untergebracht, sondern die Werkstühle in 
kleineren Wohnungen unter die Arbeiter verteilt; die Kaufleute borgen den 
Fabrikanten das rohe Material; wenn ein Stück fertig sei, werde es abgeliefert 
und bezahlt und nur durch diese günstigen Verhältnisse sei die Erzeugung 



27 

und der Absatz an Waren so bedeutend. Auf dem Lande würden alle diese 
für die Fabrikation günstigen Verhältnisse verloren gehen. 

Für die Fabriken wäre die Entfernung aus der Stadt auch äußerst ver- 
derblich, denn es hieße dies überhaupt die Fabriken gänzlich unterdrücken. 
Zwischen Fabriken und Gewerben sei da kein Unterschied möglich. Daher 
würde man Gefahr laufen, wollte man die beabsichtigte Fernhaltung von Wien 
durchführen, alles dasjenige zu vernichten, was die Weisheit der Kegenten 
seit Jahrhunderten mit soviel Mühe zustande gebracht habe, und dies in einem 
Zeitpunkte zugrunde zu richten, wo es die ungünstigsten Verhältnisse am 
dringendsten fordern, die inländische Betriebsamkeit auf alle nur mögliche 
Art zu ermuntern und zu unterstützen. An zahlreichen Waren würde man 
bald vollkommen Mangel leiden, da sie von den gewöhnlichen Meisterschaften 
nicht verfertigt werden; die Fabriksarbeiter würden sich auf dem Lande nicht 
ansiedeln, sondern größtenteils auswandern. 

Den überzeugendsten Beweis von der Schädlichkeit der beabsichtigten 
Maßnahme liefere die Erfahrung, daß die meisten Gewerbe auf dem Lande 
weder in der Geschicklichkeit Fortschritte aufweisen noch großen Nutzen 
abwerfen, sondern der Gewerbetreibende stets unter die ärmste Klasse der 
Ortsbewohner gehöre. Auch seien die Gemeinden und Herrschaften gegen die 
Ansiedlung neuer Gewerbetreibenden und es müßte daher vor allem eine all- 
gemeine Gewerbefreiheit auf dem flachen Lande und in den Provinzialstädten 
eingeführt werden. Aber auch an diesen Orten herrsche überall ein fühlbarer 
Mangel an Wohnungen, so daß man sie selbst für das Militär kaum auftreiben 
könne. Auch wäre auf dem Lande die polizeiliche Aufsicht kaum durchführbar. 
Daraus erhelle die Unmöglichkeit der Durchführung der beabsichtigten Maß- 
nahmen. Sollte aber doch einmal, meinte der Referent weiter, die 
Staatsverwaltung das Zuströmen zur Residenzstadt durch 
Zwangsmittel verhindern wollen, so könnten dabei, nach den 
vorausgeschickten Ausführungen, die Fabrikanten wohl an aller- 
letzter Stelle an die Reihe kommen. Zunächst müßten die Reichen 
den Platz räumen, die sich hier nur unterhalten und ein üppiges Leben füliren, 
wenn man nicht berücksichtigen würde, welchen großen Vorteil die Haupt- 
stadt durch ihren Aufenthalt genieße. Es könnten auch die Gutsbesitzer ge- 
zwungen werden, wenigstens einen Teil des Jahies auf ihren Landsitzen zu- 
zubringen und ihren eigenen Untertanen den Umlauf des Geldes zu gönnen, 
das sie von ihnen beziehen. 

In jedem Falle könnte das Verbot, eine Fabrik in der Hauptstadt zu er- 
richten, doch nur diejenigen treffen, welche eine förmliche Landesbefugnis 
beanspruchen, denn alle fabriksmäßigen Befugnisse aus der Stadt fernzuhalten 
sei überhaupt unmöglich, wenn man nicht den ganzen Gewerbefleiß unter- 
drücken wolle. Nur eine Konzession glaubte der Referent machen zu können: 
jene Fabriken, welche durch Rauch, Getöse, ekelhafte und ungesunde Aus- 
dünstungen den Umwohnern Unbequemlichkeiten verursachen, wie chemische 
Fabriken, Salpetersiedereien, Scheidewasserbrennereien, Berlinerblaufabriken 
und jene, welche mit Quecksilber in Feuer arbeiten, sollten aus der Hauptstadt 



28 

entfernt oder auf abgelegene Plätze, gewiesen werden, ebenso wie dies auch 

bei mehreren bürgerlichen Gewerben eintreten könnte, wie Fleischern, Gerbern, 

Seifen- und Leimsiedern, Kupferschmieden u. dgl. 

Bericht der Dicse eingehenden und überzeugenden Ausführungen des Referenten der 

relchkchen Landcsstclle fanden bei den Räten nur geringen Anklang und blieben in der 

Regierung Minderheit. Nur der Regierungsrat Graf Harrach und der Vizepräsident Graf 

vom23.Marz . . ., , . 

1802. Kuefstem stimmten ihm bei. 

So beschloß die niederösterreichische Regierung, bei ihrem früheren Be- 
schluß, auf Entfernung der Fabriken aus Wien und Umgebung zu beharren. 
Der diesbezügliche Bericht ging unter dem 23. März 1802 an die Hofstelle^). 

Ganz unabhängig davon suchte die damals ins Leben gerufene Kommission 
in Wohlfeilheitsangelegenheiten gegen die Wohnungsteuerung radikale Mittel 
ausfindig zu machen und anzuwenden und trug durch Vortrag vom 10. Februar 
1802 an, einstweilen provisorisch, bis wohl überdachte und alles umfassende 
Vorschläge für bleibende Maßnahmen ausgearbeitet sein würden, ein Mora- 
torium zu erlassen, wonach sämtliche inner den Linien Wiens befindlichen 
Hauseigentümer ohne Ausnahme bis auf weiteren allerhöchsten Befehl bei 
Strafe des zweifachen Zinsbetrages keinen höheren Zins, als den sie zu Michaeli 
1801 bezogen hatten, abzufordern, und die Zinsparteien bei gleichmäßiger 
Strafe zu bezahlen berechtigt sein sollten, wobei dem Anzeiger einer solchen 
Übertretung nebst Verschweigung seines Namens ein Drittel des erlegten Straf- 
geldes zugesichert werden, die übrigen zwei Drittel aber dem Armeninstitut 
anheimfallen sollten. 

Dieser merkwürdige Vorschlag kam im Staatsrate zur Beratung, wobei 
die ganze Frage der Wohnungsteuerung und des Wohnungsmangels gründlich 
erörtert und zahlreiche Mittel zur Abhilfe vorgeschlagen wurden. 

Erzherzog Karl meinte jedoch, alle vorgeschlagenen Maßregeln würden 
ebenso wie das Provisorium kaum etwas nützen, und schlug selbst andere Ab- 
hilfsmittel vor, darunter: „keine neuen Fabriken mehr innerhalb der 
Linie aufzunehmen und selbst auf Entfernung der schon vor- 
handenen bei jeder Gelegenheit, wo es sich tun läßt, Bedacht 
zu nehmen". Dadurch würde die Volksmenge in Wien vermindert und viele 
Wohnungen gewonnen werden. „Es ist überhaupt sehr widersinnig, 
Fabriken, wenn die Gattung ihrer Arbeiten es nicht durchaus 
nötig macht, in einer Hauptstadt zu etablieren, wo Miete, Arbeits- 
lohn, Holz und alle möglichen Bedürfnisse weit teurer sind, als 
anderswo." 

Neben anderen Beschlüssen zur Linderung der Wohnungsnot, wie die Be- 
schaffung von Naturalwohnungen für die Beamten, Beschränkung der After- 
vermietungen, Entfernung von öffentlichen Instituten aus Wien u. dgl. drang 
denn auch die Anschauung durch, daß die Entfernung der Fabriken die Wohnungs- 
not wesentlich beheben werde, wobei man der Meinung war, daß die Fabriken 



1) Original H. K. A. Korn. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 37 ex jua. 1804. 



29 

auf dem Lande ein noch leichteres Fortkommen finden könnten als in der 
teuren Stadt. 

So erging unter dem 22. Februar 1802 an den Präsidenten der vereinigten Kabinett- 
Hofstelle, Grafen Lazansky, ein allerhöchstes Kabinettschreiben mit «<'^''«i^6° 
der Weisung, die Errichtung von neuen Fabriken in Wien und 22. Februar 
den Vorstädten gänzlich einzustellen; in Zukunft daher ohne 1802. 
allerhöchste besondere Genehmigung daselbst weder eine neue 
Fabrik zu errichten noch eine Befugnis hiezu zu erteilen oder 
auf andere zu übertragen, vielmehr nach Maßgabe, als irgend 
eine Fabrik oder Fabriksbefugnis aufhört, dieselbe ohne weiters 
eingehen zu lassen^). 

Die vereinigte Hofstelle, die sich der Tragweite dieses kaiserlichen Befehles Vortrag 
wohl bewußt war, erstattete darüber schon acht Tage später, unter dem 3. März g "^^^^ 
einen vom Referenten, Grafen Herberstein-Moltke, verfaßten, allerunter- 1802. 
tänigsten Vortrag, durch welchen sie sich bemühte, die Unmöglichkeit und 
äußerste Schädlichkeit der Durchführung- dieser Anordnung auseinander- 
zusetzen. „Es wäre äußerst pflichtwidrig von dieser treugehorsamsten Hof- 
stelle, welcher die Ausdehnung dieses allerhöchsten Auftrages und seine Folgen 
wohl bekannt sind, wenn sie nicht ohne irgend eine Zurückhaltung und mit 
der dem allgemeinen Besten schuldigen Freimütigkeit Euerer Majestät gegen 
diesen so unbeschränkten Befehl die nachdrücklichste Vorstellung in Ehrfurcht 
darbrächte, deren Gründlichkeit sie nur durch Anführung vieler Details der 
so mannigfachen Verhältnisse erweisen kann." 

Die Angelegenheit teile sich in drei Fragen: 1. Ist es ausführbar, würde es 
nicht vielmehr äußerst schädlich sein, die Erteilung neuer Fabriksbefugnisse 
in Wien ganz einzustellen ? 2. Ist es ausführbar, würde es nicht vielmehr äußerst 
schädlich sein und selbst eine offenbare Kränkung des Eigentums ausmachen, 
wenn man die Übertragung der Fabriksbefugnisse hindern und ihre Auflassung 
gesetzlich bewirken wollte? 3. Würde dadurch der Stadt Wien eine wahre 
Hilfe, dem Gesamtstaate aber nicht ein unberechenbarer Schade zugefügt 
werden ? 

Es sei zwar jedermann der Grundsatz nur allzu bekannt, 
daß es wünschenswert wäre, die Fabriken und größeren Unter- 
nehmungen nicht in wenigen Städten zusammen zu sehen, sondern 
in den Provinzen und auf dem flachen Lande verteilt zu finden. 
Wenn man aber das Detail der Verhältnisse und insbesondere die Lage und 
Beschaffenheit der Provinzen der Monarchie näher betrachte, so sei bald die 
volle Unmöglichkeit der baldigen Erreichung dieses Wunsches klar. Zwar 
könne der obige Grundsatz nicht widerlegt werden, doch könne bewiesen werden, 
daß zur Erreichung desselben keineswegs ein Zwang eintreten müsse, da aus 
der einzigen Ursache, daß eine Unternehmung anderswo nüzlicher wäre, nicht 
die Folgerung gezogen werden dürfe, sie dorthin mit Gewalt zu versetzen, denn 



1) Staatsrat 1802, Nr. 780; 1069; H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 63/1, Nr. 35 ex apr., Nr. 37 
ex jun. 1804. 



30 

es sollen in einem Staate, in welchem der Unternehmungsgeist noch schüchtern 
sei und erst aufzukeimen beginne, dem Unternehmer keine Abschreckungs- 
gründe und Hindernisse in den Weg gelegt werden. Die Wahl des Ortes müsse 
seiner eigenen Spekulation überlassen bleiben; sobald der Taglohn und das 
sonstige Fortkommen in den Städten zu hoch sein werde, werde ihn sein eigener 
Rechnungsgeist aus der Stadt verweisen. Wenn die Unternehmungen sich so 
stark in die Städte und besonders nach Wien drängen, so folge daraus, daß 
sie hier ihr Fortkommen besser und leichter finden als anderswo. 

Zur Zeit Kaiser Josefs sei es viel leichter gewesen, Fabriken auf dem 
Land ins Leben zu rufen. Es sei damals getrachtet worden, die Provinzstädte 
und Märkte zu heben, durch die Menge der aufgehobenen Klöster sei es möglich 
gewesen, viele derartige Gebäude unentgeltlich oder um einen sehr niedrigen 
Preis einwandernden Unternehmern zu überlassen; auch seien die Fabrikanten 
damals mit Vorschüssen und Begünstigungen beteilt worden, welche der Staats- 
verwaltung das Recht gaben, Bedingungen zu stellen, unter anderem auch die, 
die Unternehmung nicht in Wien zu errichten. 

Gegenwärtig aber, wo ein zehnjähriger, außerordentlich blutiger Krieg 
alle Provinzen entvölkert habe, wo der Lohn so hoch stehe, wo den Fabrikanten 
keine Begünstigungen zuteil werden, die Reichen sich selten zur Unterstützung 
bereit finden, wo die Besitzer der größeren Herrschaften die Fabriken in ihrem 
Gebiete so oft noch als einen Feind betrachten, der den Ackerbautaglohn ver- 
teuere, wo selbst die Magistrate der Städte ebenso darüber zu denken viele 
Beweise geliefert haben und „aller Belehrung ungeachtet auch manche 
Länderstellen solche Grundsätze äußern^), jetzt, wo auf dem Lande 
gar keine leerstehenden Gebäude, noch weniger Mietwohnungen zu finden seien, 
jetzt habe in der Tat die öffentliche Verwaltung aufgehört, 
eine Gewalt über die Unternehmungen auszuüben, sie habe 
beinahe kein Recht, ihnen strenge, beschwerende Bedingungen 
aufzubürden, und sie sei (man müsse hier offene Sprache führen) wahrhaft 
in dem Falle, den Unternelmiern für ihr Fleißigseinwollen danken zu müssen, 
weit mehr als die Unternehmer in dem Falle seien, der öffentlichen Verwaltung 
für das erhaltene Befugnis zu danken, welches eine einsichtige und billige 
Staatsverwaltung überhaupt, noch weniger aber bei den bestehenden Verbots- 
gesetzen zu versagen sich wohl nie entschließen werde, weil das Erwerbs- 
recht nicht verletzt werden dürfe". Die^Staatsverwaltung würde sich 
selbst schaden, würde sie Maßregeln ergreifen, welche von Unternehmungen 
abschrecken oder dieselben gar unmöglich machen. 

In Wien allein fließe der ganze Urstoff in großer Menge zusammen, sei 
wegen der Konkurrenz bei größter Auswahl dennoch am billigsten und wegen 
der persönlichen Bekanntschaften auf Kredit zu haben; in Wien seien allein 



^) Gemeint ist hier der erste Bericht der niederösterreichischen Regierung an die Hofstelle 
mit dem Antrag auf Entfernung der Fabriken aus Wien, der unter dem 29. Sept. 1801 erstattet 
wurde (siehe oben S. 25). Der zweite mit den oben erwähnten Ausführungen des Referenten 
Freiherm von Kielmannsegge erfolgte erst später, unter dem 23. März 1802. 



31 

geschickte Hilfsarbeiter für Maschinen, Werkzeuge und Zeichnungen auf- 
zutreiben, nur hier eine genügende Zahl von Gesellen zu haben, nur hier stehen 
Farbstoffe, Färbereien u. dgl. nach Auswahl und jederzeit zu Gebote, nur in 
Wien sei der Absatz sehr leicht, weil hier viele Handelsleute auf Verlag erzeugen 
lassen und den Absatz selbst weiter besorgen. Die Fabriken in Wien ersparen 
die Kosten für das Hin- und Herverfrachten des Urstoffes und der Waren, 
der anfangende Unternehmer finde hier ganze Vorstädte, die bloß für Fabriken 
gebaut seien. Auf dem flachen Lande wäre er gezwungen, sich ein eigenes Ge- 
bäude zu bauen, so daß sein kleines Kapital kaum dazu hinreishen würde. Nur 
in der Großstadt könne in der Not Kredit und Unterstützung erhalten werden. 
Hier sei auch der Taglohn, besonders für Weiber und Kinder, niedriger als auf 
dem flachen Lande, hier erleichtern auch die großen Märkte und der große 
Verkehr auf den hier sich kreuzenden Straßen den Absatz, so daß der Fabrikant 
sich eine gewisse Unabhängigkeit vom Handelsmann bewahren könne. Für 
feine und künstlerische Arbeiten seien nur in Wien Künstler, Gelehrte, Chemiker, 
Technologen und Mechaniker, welche dem Fabrikanten mit Rat und Tat bei- 
stehen. Durch die Fabriken finde das in allen großen Städten 
notwendigerweise befindliche Gesindel Beschäftigung, so daß 
dieselben die besten, zweckmäßigsten und nützlichsten Ver- 
sorgungsanstalten ausmachen. 

Der Umstand, daß so viele Fabriken in Wien entstanden seien, beweise 
schon die Richtigkeit aller hier angeführten Tatsachen. Die Entfernung dieser 
Unternehmungen aus der Stadt hieße nichts anderes, als zwei Drittel davon 
ganz zu „vertilgen", so wie zwei Drittel bei Bestand dieser Einschränkungen 
nicht entstanden wären. 

In anderen Ländern sei nirgends ein solcher Zwang zu sehen und gerade 
die industriereichsten Staaten seien mit großen Städten besät, haben ver- 
mögende Einwohner und seien von Straßen und Kanälen durchzogen. Öster- 
reich hingegen „zeichnet sich durch den Mangel aller dieser Vervollkomm- 
nungen aus". 

Wie sehr es in der Natur der Sache selbst liege, daß die zahlreichsten 
Fabriksbetriebe in den Großstädten zu finden seien, werde noch deutlicher, 
wenn man jene zahllosen kleinen und mittelgroßen Fabriken und Unter- 
nehmungen und ihre Verhältnisse untersuche, welche gerade den größten Teil 
der Betriebsamkeit der Residenz ausmachen. Golddrahtzieher, Fein- und Kunst- 
drechsler, Silberarbeiter, Feinzeugschmiede, Kunstschlosser und Kunstschreiner, 
Maschinisten, Verfertiger feiner Werkzeuge und unzählige ähnliche Beschäfti- 
gungszweige können nur in einer großen Stadt einen Erwerb finden, wo ein 
zahlreicher Bedarf ihrer besseren Erzeugnisse bestehe, wo höherer Luxus vor- 
handen sei. So wäre es kaum möglich, eine genaue Grenzlinie zu 
bestimmen zwischen jenen Gewerbezweigen, die auf das flache 
Land zu verweisen, und jenen, die in Wien zu dulden wären. 

Diese Ausführungen beweisen, so fährt der Vortrag fort, „daß der ämt- 
liche Einfluß, daß das Verordnen, daß jeder Zwang in Erwerbs- 
sachen die gefährlichste aller Klippen sei, daß in diesem Fache 



32 

ein Meer von Detailen bestehe, die die öffentliche Verwaltung 
ämtlich zu übersehen und durch Gesetze zu leiten nicht vermag, 
daß hier der natürliche, von selbst entstehende Gang allein 
alles entscheide und selbst das wahre Geleise hervorbringe, 
daß hier noch weniger als in irgend einem anderen Zweige ein 
gäher Sprung auch bei aller angewandten Gewalt möglich sei, 
daß also zur Entfernung der Fabriken aus der Hauptstadt kein 
anderer Weg übrig bleibe, als hierin in den Provinzen und den 
dort verteilten kleineren Städten jene Vorteile entstehen zu 
machen, welche dem besseren Kunstfleiße unentbehrlich sind, 
in der Überzeugung, daß sodann der abgezielte Endzweck gar 
bald von selbst werde erreicht sein. In diesem Zweige wirken 
daher wahrhaft und mit Nutzen nur indirekte Wege, sie wirken 
langsam, aber mit desto größerem Vorteil und gewiß ist es, 
daß in diesem Zweig eine einzige Zeile von Verordnung sehr 
leicht mehr schaden kann, als ein halbes Jahrhundert zu ersetzen 
vermag". 

„Damit aber Euere Majestät hieraus nicht auf das Urteil verfallen mögen, 
als habe diese treugehorsamste Hofstelle auf diesen wichtigen Endzweck, die 
Provinzen und ihre Städte zu beleben und die Fabriken allgemach dahin zu 
locken, nicht vorgedacht, so muß man hier noch bemerken, daß man in dieser 
Absicht allen Länderstellen wiederholt und nachdrücklich aufgetragen habe, 
jeder Fabrik ohne Anstand zu gestatten, die ihr nötigen Hilfsarbeiter sich bei- 
zulegen, die von großen Städten entfernten Unternehmungen auf alle Art zu 
begünstigen und zu bewilligen und in den größten Hauptstädten sich nur dahin 
zu beschränken, keinen schädlichen Zwang eintreten zu lassen. Wenn Euere 
Majestät dies nicht genug wirkend finden sollten, so wird man bei Gelegenheit 
der Beratung über alle Gewerbe einen eigenen Vorschlag hinzufügen, um 
eigene freye Erwerbsstädte, sogenannte Fabriksstädte zu kreiren, 
welche nach ihrer Lage dem Erwerbszweige angemessen sein müssen, und der- 
gestalt hofft man Euere Majestät überzeugt zu haben, daß gegenwärtig eine 
Zwangsmaßregel von den unberechenbarsten und allerschädlichsten Folgen 
wäre." 

Gegen die für jede neue Befugnisverleihung angeordnete besondere aller- 
höchste Genehmigung wird im Vortrage vorgebracht, daß beim Unternehmer 
jede verlorene Woche den Verlust eines kleinen Kapitals ausmache und es selbst 
dem Ansehen Seiner Majestät nicht angemessen sein könne, Gewerbebefugnisse, 
die jede Ortsobrigkeit verleihen dürfe, nur von dem höchsten Thron zu be- 
stätigen und mit Zeitverlust einholen zu dürfen. 

Die Durchführung der anbefohlenen Maßregel der Entfernung der Fabriken 
wäre auch eine Kränkung des Eigentumsrechtes und die Unternehmer müßten 
um ihre Kinder besorgt sein, wenn sie ein mühevoll begonnenes Werk auflassen 
sollten, woraus sie kaum die Hälfte des wahren Wertes bezogen haben. Erst 
vor kurzem habe sich eine Kommission mit der Frage beschäftigt, die für den 
Schleichhandel so gefährlichen Fabriken an der Grenze wegzubringen, sei aber 



33 

davon abgekommen, da die Versetzung sehr große Nachteile mit sich bringen 
würde, die größer wären als das Übel, das man bekämpfen wolle. Die Be- 
fugnisse seien zwar persönlich, aber Billigkeit und Nutzen des 
Staates erfordern zugleich, sie stets zu erneuern, denn sonst 
wäre der Kredit erschüttert, weil jedes Unternehmen als ein 
ephemeres Wesen betrachtet werden müßte. 

Durch die Entfernung der Fabriken würde endlich auch die Residenzstadt 
elbst einen unberechenbaren Schaden erleiden, denn sie würde aufhören, die 
Pflanzschule des guten Geschmackes zu sein. 

Mit der nochmaligen Beschwörung um Vermeidung jeden Zwanges und mit 
der Bemerkung, daß einerseits indirekte Begünstigung der Fabriken auf dem 
Land, anderseits die Zunahme der Lebensmittel- und Wohnungsteuerung in 
Wien selbst dazu beitragen werde, die Fabriken von der Residenz wegzubringen, 
schloß dieser denkwürdige Vortrag vom 3. März 1802. 

Dadurch befand sich die Hofstelle in offener Opposition gegen einen auf 
Beschluß des Staatsrates hin ergangenen ausdrücklichen kaiserlichen Befehl. 
Dieser Befehl wurde nicht durchgeführt, denn die Durchführung wurde in diesem 
Vortrag als schädlich, ja unmöglich bezeichnet und dadurch mindestens bis 
zur Erledigung dieses Vortrages aufgeschoben. 

Am Tage vorher, dem 2. März, war aber schon ein zweites kaiserliches Hand- 
Handbillet, datiert vom 28. Februar, an den Präsidenten der vereinigten Hof- schreiben 

' . . . vom 

stelle, Grafen Lazansky, eingelangt mit der Anordnung, der niederösterreichi- 23, Februar 
sehen Regierung und dem Wiener Magistrat aufzutragen, auch mit der 1802. 
Verleihung der Meisterrechte und Gewerbebefugnisse so spar- 
sam als möglich vorzugehen und dieselben nur bei besonders 
rücksichtswürdigen Umständen zu erteilen, damit auch von dieser 
Seite zur notwendigen Verminderung der übermäßigen Bevölkerung nach 
Möglichkeit beigetragen werde. Durch dieses Handschreiben wurde die Ver- 
fügung, die betreffs der Fabriken am 22. Februar getroffen worden war, auch 
auf die Meisterrechte und Gewerbebefugnisse ausgedehnt. Die Gründe, die 
gegen die Entfernung der Fabriken und überhaupt für die Unmöglichkeit der 
Durchführung dieser Maßnahme angeführt werden konnten, mußten aber 
naturgemäß auch für alle übrigen Kommerzialgewerbe gelten, wenn sie auch 
ohne Fabriksbefugnis ausgeübt wurden. 

Daher sah sich die vereinigte Hofstelle veranlaßt, auch bezüglich dieses 
Handschreibens Vorstellungen zu erheben, was durch einen ebenfalls vom Grafen 
Herberstein-Moltke verfaßten Vortrag unter dem 10. März 1802 erfolgte. Es Vortrag 
wurde in demselben ausführlich auseinandergesetzt, daß bezüglich der Polizei- 
gewerbe, welche nur den Lokalbedarf zu befriedigen bestimmt seien, ohnehin "7802 
vielfältige Anordnungen bestehen, dieselben nicht ohne Not, sondern nur nach 
Maßgabe des Bedarfes zu vermehren. Bei den Kommerzialgewerben hingegen 
können Beschränkungen ebensowenig Anwendung finden wie bei den Fabriken, 
denn es finden sich hier auch Meister, die 50 und mehr Werkstühle beschäftigen, 
so daß bei ihnen dieselben Verhältnisse herrschen, wie sie bezüglich der Fabriken 
durch den Vortrag vom 3. März auseinandergesetzt worden seien. Deshalb 

i Slokar, Geschichte der österr. Industrie. 3 



vom 
10. März 



34 

wurde im allgemeinen auf die diesbezüglichen Ausführungen des Vortrages vom 
3. März verwiesen. Höchstens könnten die Länderstellen darauf aufmerksam 
gemacht werden, auf dem flachen Land und in den Provinzstädten die Kommer- 
zialgewerbe keinen engen Grenzen zu unterziehen und die Verleihung von 
Befugnissen daselbst nicht zu erschweren, während in Wien neue Verleihungen 
erschwert werden könnten. 
Bericht der 13 Tage uach Erstattung dieses Vortrages wurde unter dem 23. März der 
niederöster- ^j^gj^ erwähutc Bericht der niederösterreichischen Regierung an die Hofstelle 

rcidiiscIiGii 

Regierung erstattet, durch welchen angezeigt wurde, daß die Stimmenmehrheit derLandes- 
vom stelle trotz des so überaus glänzenden Plaidoyers des Referenten Freiherrn 
^^802^" von Kielmannsegge den Beschluß gefaßt hatte, die Entfernung der Fabriken 
aus Wien anzutragen. Dieser Beschluß stand mit den Verhandlungen, welche 
zu den kaiserlichen Handschreiben vom 22. und 28. Februar geführt hatten, 
in keinem Zusammenhange, war vielmehr, wie oben ausgeführt, zum ersten- 
mal schon im September 1801 gefaßt und sodann, auf die Weisung der Hof- 
stelle hin, nach nochmaliger gründlicher Verhandlung 1802 wiederholt worden. 
Vortrag Da inzwischeu die erwähnten kaiserlichen Handschreiben erflossen waren, 

'°f^ . deren Absicht sich mit dem Beschlüsse der Regierung eigentlich deckte, so 
1802. konnte die Hofstelle über den Antrag der Regierung nicht mehr selbst ent- 
scheiden, sondern sie war gezwungen, einen neuen diesbezüglichen Vortrag zu 
erstatten, was auch unter dem 19. Mai 1802 erfolgte. 

Die treffenden Bemerkungen, die der Referent der Landesstelle zur Begrün- 
dung seines Standpunktes anführte, daß die Entfernung der Fabriken aus 
Wien nicht notwendig, nicht ausführbar und äußerst verderblich sei, bedurften 
keiner weiteren Erläuterungen, so daß sie ohneweiters vom Referenten der 
Hofstelle übernommen werden konnten, welcher sich außerdem auf seine dies- 
bezüglichen Ausführungen in den Vorträgen vom 3. und 10. März berufen 
konnte. Nach nochmaliger Hervorhebung der wichtigsten Bedenken gegen 
jede Zwangsmaßregel schloß die Hofstelle mit der dringenden Bitte, „keiner 
allzu schnellen, schädlichen und gewaltsamen Maßregel Platz 
zu geben". 

Die Erledigung dieser Vorträge ließ lange auf sich warten, so daß die Hof- 
stelle auch nicht zur Durchführung der Anordnungen vom 22. und 28. Februar 
schritt. 

Die drei Vorträge kamen im Staatsrate gemeinsam zur Verhandlung, 
wobei der Referent (Baldacci) selbst bemerkte, daß mehrere der angeführten 
Gründe ihm von hohem Gewichte zu sein scheinen. Namentlich habe Freiherr 
von Kielmannsegge die Sache vortrefflich aufgefaßt. Der Referent des Staats- 
rates war auch überzeugt, daß mehrere Industriezweige außerhalb Wiens nicht 
bestehen können. Bei diesen „wäre die Verweigerung des Befugnisses 
in einem Umkreise der Stadt eine offenbare Unterdrückung der 
Industrie, die man zu begünstigen doch so äußerst erhebliche 
Ursache hat". Reelle Begünstigungen gestatte die Lage der Finanzen nicht; 
deshalb sei die zweite Art der Begünstigungen : die Hinwegräumung der Hinder- 
nisse nicht zu versagen. „Nichts ist mit der Industrie unverträglicher als 



35 

Zwang und Beschränkung." Dadurch, daß die niederösterreichische Regierung 
von der Hofstelle angewiesen worden sei, in den Berichten über Gesuche um 
Befugniserteilungen nach Einvernehmung derBittsteller jederzeit anzuzeigen, aus 
welchen Ursachen sie glauben, nicht imstande zu sein, ihre Unternehmung außer- 
halb Wiens mit Nutzen zu betreiben, sei der Weg zur Erreichung der allerhöchsten 
Absicht, insoweit dies ohne Benachteiligung der Industrie geschehen könne, 
schon gebahnt. In diesem Sinne erging auch am 21. April 1804 die allerhöchste Allerhöchste 
Entschließung auf den Vortrag vom 19. Mai 1802 (zugleich als Erledigung auch ^ntschUe- 
der Vorträge vom 3. und 10. März 1802), es sei, um die im allerhöchsten 2i!Aprn 
Handschreiben vom 22. Februar 1802 angedeutete Absicht nach i804. 
Möglichkeit zu erreichen, zugleich aber den Nachteilen aus- 
zuweichen, die von der Hofstelle ausführlich geschildert worden 
sind, außer den den Länderstellen und besonders der nieder- 
österreichischen Regierung bereits erteilten Weisungen die 
letztere noch zu beauftragen, „in reife Überlegung zu ziehen, welche 
Fabriken und Gewerbe ohne Beirrung ihres Unternehmens und ohne Be- 
sorgnis, daß solches entweder gar nicht entstehe oder bald nach seiner Entstehung 
wieder in Verfall gerate, von der Hauptstadt entfernt gehalten", somit die unter 
dem 22. Februar 1802 ergangenen Anordnungen bei denselben unbedingt zur 
Geltung gebracht werden könnten, ferner welche Fabriken wegen des 
Rauches, Getöses oder Gestankes entweder aus der Stadt und 
den Vorstädten ganz zu entfernen oder wenigstens auf entlegene 
Plätze zu verweisen wären. Diese Vorschläge habe dann die 
Kommerzhofstelle im Einvernehmen mit der Hofkanzlei samt 
Gutachten zur neuerlichen allerhöchsten Schlußfassung vor- 
zulegen. 

Damit war die Angelegenheit aber noch gar nicht so glimpflich erledigt, 
wie der Inhalt dieser Entschließung es vermuten ließe. Denn parallel waren 
inzwischen die Verhandlungen, die 1802 von der Kommission in Wohlfeilheits- 
sachen mit Vorschlägen zur Behebung des Wohnungsmangels und der Zins- 
teuerung begonnen worden waren und den Anstoß zum Handschreiben vom 
22. Februar gegeben hatten, fortgesetzt worden. 

Auf die Anzeige der Polizeihofstelle hin, daß zur Michaelisauszugszeit 1802 
mehr als 250 Familien aus Mangel an Wohnungen in Wien ohne Obdach sein 
würden, forderte der Kaiser unter dem 26. Juli von der Polizeihofstelle einen 
Vorschlag ab, wie die übermäßig angewachsene Einwohnerzahl Wiens ver- 
mindert und namentlich ob und wie den vielen Heiraten der Handwerksgesellen, 
Bedienten und anderer Menschen, die sich über ein dauerndes hinreichendes 
Einkommen nicht ausweisen können, Schranken gesetzt werden könnten. 
Unter dem 20. September erstattete die Polizeihofstelle ihre Vorschläge. Der 
Kaiser hielt jedoch die Angelegenheit für zu wichtig, um hierüber bloß auf 
einseitiges Einraten dieser Hof stelle eine Entschließung zu fassen, und teilte 
daher diesen Antrag mit Handbillet vom 2. Dezember 1802 dem obersten Kanzler 
Grafen von Ugarte mit dem Auftrage mit, hierüber eine aus Individuen der 
politischen und Polizeihofstelle, der niederösterreichischen Regierung, der Ober- 



36 

polizeidirektion und aus zwei Räten der obersten Justizstelle bestehende Kon- 
zertationskommission abhalten zu lassen und sodann das Resultat der Beratung 
samt dem Entwürfe der vorgeschlagenen Verfügungen vorzulegen. 

Diese Kommission wurde am 25, Jänner 1803 abgehalten, wobei von der 
Hofkanzlei der oberste Kanzler Graf v. Ugarte, der Hofkanzler Freiherr von 
der Mark, die Hofräte Freiherr von Haan (als Referent), Graf von Kuefstein 
und Graf von Althann, von der obersten Justizstelle die Hofräte von Aiehen 
und von Pitreich, von selten der Polizeihofstelle und Polizeioberdirektion die 
Hofräte von Schilling und von Ley, endlich von der niederösterreichischen 
Regierung der Vizepräsident Graf von Mittrowsky, der Regierungsrat Freiherr 
von Sala und die Regierungsräte Freiherr von Managetta und Graf Hoyos 
beteiligt waren. 

Die Vorschläge der Polizeihofstelle gingen dahin a) den hiesigen Aufenthalt 
für In- und Ausländer zu erschweren, i) die Verehelichung der niederen Volks- 
klassen zu beschränken und c) die Vergrößerung der nahe an den Linien liegenden 
Ortschaften durch neue Bauführungen auf noch nicht bebauten Gründen zu 
verbieten. Die Polizeihofstelle war der Ansicht, die Anhäufung einer zu großen 
Masse Volkes besonders der niederen Gattung an einem und dem nämlichen 
Ort unterliege immer wichtigen Bedenken. 

Die Bevölkerung Wiens betrug 1791: 209.231, 1796: 235.098, 1800: 232.637 
Einwohner. Es konnte somit von einem großen Anwachsen derselben keine 
Rede sein. Dennoch ging man bei der Beratung über diesen Punkt einfach 
hinweg und glaubte folgende Maßnahmen zur Verhinderung der Anhäufung von 
Menschen in der Hauptstadt vorschlagen zu können: 1. Abschaffung der Müßi- 
gen, Nahrungslosen oder mit schädlichem Erwerbe sich abgebenden. 2. „Hätte 
es von der Errichtung noch mehrerer Fabriken in und um die 
Stadt, deren außerordentlich zahlreiches Personal, welches den 
größten und bei manchen Gelegenheiten den unbändigsten Teil 
der hiesigen Volkspopulation ausmacht, von nun an ganz ab- 
zukommen und wären dieselben vielmehr auf das flache Land, 
und zwar wenigstens eine Meile von der Stadt hinweg, von den Linien 
an zu rechnen, zu verweisen, auch allda nach Umständen zu 
begünstigen." 3. „Wären auch die Gewerbe, deren Zahl beinahe 
schon in jeder Kategorie übersetzt ist, nicht weiters zu ver- 
mehren, sondern vielmehr dem Magistrat die Verminderung 
derselben, dort wo sie tunlich ist, nachdrücklich aufzutragen 
und von demselben sowohl als von der Landesstelle auf das 
jüngst ergangene Verbot der sogenannten Schutzverleihungen 
genau zu halten." 4. Beschränkung der Eheschließungen bei den niederen 
Klassen. 5. Beschränkung der Zahl der Höcker, Ablöser und Trödler. 6. Bau- 
verbot für eine Meile um die Stadt, von den Linien an. 

Mit dem Antrage des Referenten, Frelherrn von Haan, die Errichtung weiterer 
Fabriken in Wien zu verbieten, waren alle Stimmen der Kommission einverstanden, 
indem zur Begründung hinzugefügt wurde, es sei sowohl für die Landes- 
stelle als auch für die Polizeibehörden sehr beschwerlich, die 



37 

Übersicht und Leitung der in den Fabriken befindlichen, so 
zahlreichen, außer den Arbeitsstunden in allen Ecken der Vor- 
städte zerstreuten und mit ganz eigenen Grundsätzen ausge- 
rüsteten Volksklassen zu führen. Um aber diese Absicht sicher 
zu erreichen und nicht durch eine zu nahe Ansiedlung vereiteln 
zu lassen, sollte das Verbot auf zwei Meilen, von den Linien an, 
ausgedehnt werden. 

Die einstimmige Annahme dieser Anträge kann bei der Zusammensetzung 
der Kommission nicht wundernehmen, da in derselben die Hofkanzlei, die 
Polizeihofstelle und die oberste Justizstelle vertreten waren sowie von der 
niederösterreichischen Regierung gerade die zwei Regierungsräte entsendet 
worden waren, welche bei den von der nieder österreichischen Regierung 1801 
und 1802 ausgegangenen Anträgen auf Beschränkung der Fabriken in Wien 
für dieselben am wärmsten eingetreten waren, ja am liebsten alle Fabriken 
aufgehoben und verboten hätten. Anderseits muß die Zusammensetzung 
der Kommission auch dafür verantwortlich gemacht werden, daß die ur- 
sprüngliche Frage der Verminderung der Bevölkerung wegen der Lebens- 
mittel- und namentlich Wohnungsteuerung un Laufe der Beratung zur 
Frage der polizeilichen Überwachung der Fabriksarbeiter verdreht wurde, 
wodurch die Zustimmung für fabrikenfeindliche Anträge viel leichter zu er- 
reichen war. 

Merkwürdigerweise wurde hier über so wichtige Kommerzialangelegen- 
heiten leichten Herzens verhandelt und es wurden darüber Beschlüsse gefaßt, 
ohne die Kommerzhofstelle als die berufene Vertreterin der industriellen Inter- 
essen den Beratungen zuzuziehen oder sie wenigstens um ihre Meinung zu 
befragen. Deshalb erscheint es fast selbstverständlich, daß auch mit dem An- 
trag auf Verminderung der Gewerbe alle Stimmführer einverstanden waren. 
„Nur wurde die Bemerkung gemacht, da die Gewerbeverleihungen teils der 
politischen, teils der Finanzhofstelle zustehen und dadurch manchmal 
geschehe, daß ein Bittwerber, wenn er bei einer dieser Behörden abgewiesen 
werde, seine Bitte bei der anderen anbringe und die Gewährung derselben 
erhalte, daß es also höchst notwendig sei, eine bestimmte Absonderung 
derjenigen Gewerbe herzustellen, welche unter die eine oder die andere 
dieser Behörden gehören." Diese Stelle richtet sich direkt gegen die Hof- 
kammer, welche nach den von ihr für die ihr unterstehenden Kommerzial- 
gewerbe folgerichtig gehandhabten Grundsätzen bei Verleihungen immer 
sehr liberal vorging. 

Diese Anträge, welche Seiner Majestät zur Genehmigung vorgelegt wurden, 
kamen im Staatsrate zur nochmaligen Beratung. In das Votum des Staats- 
ratsreferenten (Freiherrn von Fechtig) kam unter anderem auch der Vorschlag, 
„daß es in Zukunft von der Errichtung noch mehrerer Fabriken 
in und um die Stadt von nun an ganz abzukommen habe, die- 
selben vielmehr auf das flache Land, und zwar wenigstens zweiMeilen 
von der Stadt hinweg, von den Linien an zu rechnen, verwiesen 
und dort nach Umständen begünstigt werden sollten". Es habe 



38 

dies zwar schon das Direktorialdekret vom Jahre 1795 1) verboten, welches 
Verbot aber nicht gehandhabt worden zu sein scheine. „Ohne in die Frage 
einzugehen," fuhr der Staatsratsreferent fort, „ob eine große Stadt 
überhaupt wohl ein schicklicher Ort, wenigstens für die meisten 
Fabriken, selbst ihres eigenen Vorteils wegen sei, bin ich mit 
diesem Vorschlage schon aus dem Grund einverstanden, weil durch 
die Ausführung desselben für die Zukunft die Vermehrung einer, 
wie die Kommission selbst bemerkt, ohnehin schon zu beträcht- 
lichen und nach Umständen auch bedenklichen Volksklasse in 
den Gegenden der Hauptstadt verhindert werden kann. Es wäre 
daher von nun an nicht nur die Anlegung einer jeden neuen Fabrik in dem 
angetragenen Bezirk ohne besondere allerhöchste Erlaubnis zu verbieten, 
sondern den hiesigen Behörden zur Pflicht zu machen, ihr vorzügliches Augen- 
merk darauf zu richten, daß bei sich ergebenden Veränderungen mit den In- 
habern oder wenn sonst sich eine Gelegenheit hiezu anbietet, auch die bereits 
hier und in einem Umkreise von zwei Meilen bestehenden Fa- 
briken, insoweit es immer tunlich ist, außer diesen Umkreis 
übersetzt werden." Bezüglich der Gewerbe solle für die Zukunft bestimmt 
werden a) daß inner den Linien von nun an gar kein neues Gewerbe von was 
immer für einer Art ohne Bewilligung der Hofstellen errichtet, h) durchaus 
keine Schutzverleihung mehr erteilt und c) darauf gesehen werden sollte, auch 
die schon bestehenden Gewerbe, von denen die meisten ohnehin schon zu über- 
setzt seien, nach und nach wieder zu vermindern. 

Diese Verhandlungen fanden im Staatsrat im Jahre 1803 statt. Merk- 
würdigerweise scheint aber der Referent von den Vorträgen, 
welche die vereinigte Hofstelle am 3. und 10. März sowie am 
19. Mai 1802 bezüglich der Unmöglichkeit und Schädlichkeit der 
Entfernung der Fabriken aus Wien erstattet hatte, keine Ahnung 
gehabt zu haben. Baldacci, der bei der Beratung über die letzteren Vor- 
träge Referent gewesen war, erinnerte sich zwar daran und bemerkte in seinem 
Votum, daß auf Grund dieser besonderen Verhandlungen und bei der all- 
seitig anerkannten Untunlichkeit einer allgemeinen Verfügung 
angetragen worden sei, von den Behörden ein Gutachten abzufordern, welche 
Fabriken und Gewerbe ohne Nachteil auf das Land verlegt und welche wegen 
des Rauches, Getöses und Gestankes aus der Stadt und den Vorstädten zu 
entfernen wären. Geradezu staunenerregend ist demgegenüber seine weitere 
Bemerkung: ,, Einstweilen habe ich zwar gegen das Verbot, neue 
Fabriken zu errichten, nichts einzuwenden. Allein da unter den 
Fabriken mehrere sind, die nicht leicht anderwärts als in der 
Hauptstadt fortkommen können und überhaupt bei diesem 
Gegenstande nähere Bestimmungen unvermeidlich sind, so dürfte 
meines Erachtens vor der Hand zwar das Verbot als ein Pro- 
visorium, jedoch nicht auf eine oder zwei, sondern wenigstens auf vier Meilen, 



1) Vgl. oben S. 16 ff. 



» 



39 

weil durch solch eine geringe Entfernung die ganze Absicht 
vereitelt werden kann, mit dem Beisatze festgesetzt werden, 
daß, wo Gründe zu einer Ausnahme vorhanden sind, dies an- 
gezeigt, im allgemeinen aber die weitere allerhöchste Entschlie- 
ßung abgewartet werden solle". Er war also einerseits von der „all- 
seitig anerkannten Untunlichkeit" dieser Beschränkungen überzeugt, hatte 
aber anderseits einstweilen dagegen nichts einzuwenden, sondern schlug 
sogar eine Verschärfung vor. So weit war schon die ganze Sache auf das polizei- 
liche Gebiet hinübergeglitten, daß Staatsrat von Lorenz das Verbot sogar bis 
auf sechs Meilen festgesetzt wissen wollte, „weil in kritischen Fällen 
dem Fabriksgesinde der Weg von zwei oder auch vier Meilen 
nach Wien nie zu weit sein würde". Geradezu wohltuend wirkt es, 
daß Grohmann als einziger die Bemerkung einflocht, es hätten bei der Be- 
ratung über die Fabriken und Gewerbe auch einige Mitglieder der Kommerz- 
hofstelle zugezogen werden sollen. Zinzendorf stimmte auch für die Vorschläge 
des Referenten, unterließ es aber nicht, eine seiner häufigen, dem Sinne nach 
immer einander ähnlichen Bemerkungen hinzuzufügen, daß nach seiner An- 
sicht gar vieles in diesem „komplizierten Geschäfte" unter das „trop gouverner" 
gehöre und zur ,, Verfertigung sehr entbehrlicher Schreibereien" Gelegenheit 
geben werde. 

Unter dem 26. April 1804 erfloß darauf die allerhöchste Entschließung, EntscWie- 
welche, neben Eheschließungs- und Aufenthaltsbeschränkungen, bezüglich der "^"^"^/T 

. . . 1 • 1 • 1 T-» • 1 • 26. April 

Fabriken bestimmte, es sei der niederösterreichischen Regierung die 1804. 
Anlegung jeder neuen Fabrik inner den Linien und in einem 
Umkreise von vier Meilen von den Linien an bis zur Feststellung 
der über Vortrag der vereinigten Hofstelle vom 19. Mai 1802 ab- 
geforderten Vorschläge ohne allerhöchste Erlaubnis zu ver- 
bieten und derselben zur Pflicht zu machen, ihr vorzügliches Augenmerk 
darauf zu richten, daß, wenn sich eine Gelegenheit ergebe, auch bereits in 
diesem Umkreise bestehende Fabriken, insoweit es immer tunlich sei, außer 
diesen Umkreis übersetzt werden. Von dieser Anordnung sei auch die Finanz- 
hofstelle zur genauesten Befolgung zu verständigen. 

Auch die vom Staatsratsreferenten angetragenen Beschränkungen der 
Gewerbe wurden genehmigt. 

Damit künftig zwischen beiden Hofstellen keine Kollisionen mehr ent- 
stehen, habe sich die Hofkanzlei entweder mit der Finanzhof stelle über die 
Gewerbe, deren Verleihung einer jeden von ihnen zustehen soll, zu verständigen 
oder es haben beide Behörden in zweifelhaften Fällen sich vorläufig ins Ein- 
vernehmen zu setzen^). 

So hatten zwei parallele Aktionen ein verschiedenes Resultat erreicht. 
Die Abwehraktion der vereinigten Hofstelle gegen die beschränkenden Ver- 
fügungen vom 22. und 28. Februar 1802 hatte die allerhöchste Entschließung 



1) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 63/1. Nr. 35 ex apr., 37 ex jun. 1804; Staatsrat 1802, Nr. 780, 
1069, 1113, 2178; 1803, Nr. 602; A. d. Min. In., V, G. 5, Karton 2934. 



40 

vom 21. April 1804 zur Folge gehabt, wonach in reife Überlegung hätte ge- 
zogen werden sollen, welche Fabriken und Gewerbe ohne Beirrung ihres 
Unternehmens und welche wegen des Rauches, Getöses oder Ge- 
stankes von der Stadt ferngehalten werden sollen. Die Durchführung dieses 
Befehls hätte leicht ohne irgendwelche Schädigung der Industrie geschehen 
können. Nur fünf Tage später erfloß die allerhöchste Entschließung über die 
Anträge, welche ohne Befragung der Kommerzhofstelle formuliert und in dem- 
selben Staatsrate wie die Abwehrvorträge der obersten Kommerzbehörde 
durchberaten worden waren. Was die erste Entschließung aufgehoben und 
gemildert hatte, verschärfte die zweite wieder, indem sie die im Februar 1802 
erflossenen beschränkenden Verfügungen präziser formulierte und erneuerte. 
Gegensatz Die Hofkammcr hatte die Befehle vom Februar 1802 nicht sehr genau 

zwischen genommen; zunächst hatte sie deren Durchführung durch die in ihren Vor- 
und Hof- trägen dagegen vorgebrachten Einwendungen für aufgeschoben gehalten und 
kanziei be- die allcrhöchste Entschließung vom 21. April 1804 war auch ziemlich in ihrem 
ilbwaiittT ^^^^^ ausgefallen. Aber auch nach der kategorisch gehaltenen Entschließung 
vom 26. April war sie bestrebt, so schonend als möglich vorzugehen. Mehrmals 
hatte sie während dieser Zeit auch Gelegenheit, ihren Standpunkt gegenüber 
der Hofkanzlei zu vertreten. So hatte letztere durch Dekret vom 26. Oktober 
1802 der niederösterreichischen Regierung aufgetragen, mit der Verleihung 
von Schutzdekreten innezuhalten. Die Landesstelle sah sich infolge dieses 
allgemeinen Verbotes veranlaßt, bei der Hofkammer anzufragen, ob dieses 
Verbot auch auf die Kommerzialgewerbe anzuwenden sei. Auf Intervention 
der Hofkammer erklärte nun die Hofkanzlei, die erwähnte Verordnung habe 
nur für die Polizeigewerbe gegolten, worauf die Hofkammer die Regierung 
dementsprechend belehrte^). 

Bald darauf ereignete sich ein viel krasserer Fall. Die Hofkammer hatte 
unter dem 13. Dezember 1802 der Regierung aufgetragen, den Übergang von 
Seidenzeugfabrikanten zur Meisterschaft (wozu das Bürgerrecht erforderlich 
war), wenn einzelne derselben dies begehren sollten, nicht zu erschweren. Infolge- 
dessen verlieh die Regierung 1804 dem Seidenzeugfabrikanten Josef Auer das 
Bürgerrecht, um ihm den Übergang zur Meisterschaft zu ermöglichen. Diese 
Verfügung wurde aber durch die Hofkanzlei aufgehoben, denn „wenn man 
diesen Weg einschlägt, so würden, da es derlei Fabriksbefugnisse viele gibt, 
mehrere hundert neue Bürger und Meister entstehen, da zahlreiche derlei Be- 
fugte den nämlichen Schritt machen würden, welchen man es sodann nicht 
mehr abschlagen könnte, woraus nur Unordnung und Überhäufung der Gewerbe 
entstehen und die höchste Absicht, die Fabriken nach Tunlichkeit aufs Land 
zu übersetzen, ganz vereitelt würde, weil, wenn die hiezu Befugten einmal 
Bürger von Wien sind, man sie nicht von hier wohl mehr entfernen kann". 
Unter dem 31. August 1804 teilte die Hofkanzlei dies der Hofkammer mit. 
Diese war durch diese Einmischung in ihren Wirkungskreis um so weniger 
angenehm berührt, als sie dadurch ihr Bestreben, die Einschränkungen der 



») H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 63/1, Nr. 37 ex jan. 1803. 



41 

Gewerbe in Wien möglichst zu mildern, gehemmt und durchkreuzt sah. Deshalb 
unterließ sie es auch nicht, in ihrer Antwort an die Hofkanzlei zu bemerken, 
die Verleihung der Fabriksbefugnisse und Kommerzialgewerbe sei immer unter 
der Oberaufsicht der Hofkammer gewesen. Von echten Kommerzialgrund- 
sätzen geleitet, habe sie der Regierung den Auftrag gegeben, den Übertritt der 
Fabrikanten zur Meisterschaft und ebenso jenen der Bürger und Meister in die 
Klasse der Fabrikanten nicht zu erschweren, weil dies das sicherste Mittel sei, 
die Gehässigkeiten zwischen diesen beiden Klassen zu mildern, den Anständen, 
welche sich beim Aufdingen der Lehrlinge, wenn sie bei Fabrikanten gelernt 
haben, ergeben, wenigstens einigermaßen zu begegnen, manchen Unordnungen 
zu steuern und die Freiheit des Erwerbes möglichst zu begünstigen. 
Sie würde noch immer diesen Grundsatz aufrecht erhalten, wenn nicht seither 
die allerhöchste Entschließung herabgelangt wäre, die Fabriken und Gewerbe 
in Wien nach Möglichkeit zu vermindern. Infolge dieses Befehles, welcher sonst 
ohne Wirkung bleiben würde, werde es allerdings notwendig sein, nur in jenem 
Fall einem Fabrikanten den Übertritt zum Bürger- und Meisterrechte zu ge- 
statten, wenn ein Bürgerrecht wirklich erledigt sei. In diesem Sinne wurde 
auch die Regierung beschieden^). 

Aber auch weiterhin pflegte die Hofkanzlei öfters auch bezüglich der 
Kommerzialgewerbe Dekrete an die Unterbehörden zu erlassen und so gewisser- 
maßen eine Art Oberaufsicht über die ihr koordinierte KommerzhofsteUe zu 
führen. Die letztere sah sich schließlich gezwungen, in einer Note vom 16. Juni 
1807 die Worte einzuflechten : „ . . . kann man einer löblichen Hof- 
kanzlei den Wunsch nicht bergen, daß dieselbe in Hinsicht der 
Kommerzialbefugnisse mit dieser Hofstelle, in deren Wirkungs- 
kreis dieselben gehören, überhaupt ins Einvernehmen zu setzen 
belieben möge"^). 

Formell hielt sich die Hofkammer streng an die kaiserlichen Befehle und 
erließ auch Weisungen in diesem Sinn an die niederösterreichische Regierung^). 
Anderseits gab sie aber selbst zu, daß sie, bei aller Beachtung der kaiserlichen 
Befehle, doch die Zwangsmaßregeln soviel als möglich zu mäßigen getrachtet 
habe^). 

Auch in anderer Beziehung wurden die liberalen Grundsätze der Hofkammer 
durchkreuzt, um ja eine Verminderung der Gewerbe in Wien zu erreichen; 
ja dies ging so weit, daß man auch Bestimmungen, die nicht für Wien allein 
Geltung hatten, schärfer interpretierte. 

So hatte die Hofkammer gegenüber der Praxis der niederösterreichischen 
Regierung, daß, wenn ein Fabrikant das Fabriksgebäude, die Werkzeuge und 
Vorräte verkaufte, ihm auch die Befugnis entzogen wurde, der Regierung unter 
dem 30. Juli 1804 mitgeteilt, der Verkauf des Gebäudes, der Werkzeuge und 
Vorräte beweise nicht immer den Entschluß, die Fabrikation ganz aufzulassen, 



^) H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 63/1, Nr. 36 ex sept. 1804. — «) H. K. A. Kom. N.-ö., 
Fasz. 63, Nr. 43 ex jun. 1807. — 3) H. K..A. Kom. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 12 ex mart., 48 ex 
aug. 1803, 47 ex jul. 1804. — «) H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 63/1, Nr. 30 ex majo 1804. 



42 

so daß hieraus keine allgemeine Regel gefolgert werden könne. Schon unter 
dem 24. September desselben Jahres mußte sie aber infolge allerhöchster 
Weisung der Regierung die Mitteilung zukommen lassen, daß nicht bloß bei 
Konkurs, sondern überhaupt in allen Fällen, in welchen Fabrikanten die Ge- 
bäude und Einrichtungen verkaufen oder die Fabrikation gänzlich aufgeben, 
denselben die Fabriksbefugnis zu entziehen sei, und wenn sie später um dieselbe 
wieder ansuchen, sie ihnen nur insoweit verliehen werden dürfe, als die Erteüung 
den dermaligen Umständen und den bestehenden Vorschriften ganz angemessen 
befunden werden sollte^). 
Erleichte- Die Begründung von Fabriken auf dem flachen Lande wurde aber gemäß 

rung der ^jgjj (Jamaligen Absichten der Staatsverwaltung auf iede Weise erleichtert und 

Gründungen , .. . , . . x^ i ., i i • i i i -i 

auf dem beguustigt, cbeuso Wie jene l^abrikanten, welche sich herbeilassen wollten, 
Lande, ihren Betrieb aus Wien zu entfernen. So wurde ein Drechsler, dessen Gesuch 
um Verleihung der Landesfabriksbefugnis oder des Bürger- und Meisterrechtes 
von der Regierung abschlägig beschieden worden war, auch mit dem Rekurs 
unter dem 18. April 1803 abgewiesen, „es wäre denn, daß der Rekurrent 
das angesuchte Befugnis auf dem Lande auszuüben sich ent- 
schließen wollte und sich auch wirklich dahin entfernte"^). Auch 
wurde bei der Übersetzung der Unternehmung auf das Land die Landesfabriks- 
befugnis leichter verliehen, denn „wenn man den Fabriksunternehmun- 
gen, welche dem Wunsche der öffentlichen Verwaltung gemäß 
auf dem Lande sich begründen, die zu ihrer Beförderung dien- 
lichen und beinahe notwendigen Begünstigungen und Vorrechte 
zu bewilligen Anstand nehmen wollte, so würde die so wichtige 
Absicht, die zahlreichen Fabriken dieser Hauptstadt auf das 
flache Land zu entfernen, nie erreicht werden"^). 

Allmählich begann jedoch auch in bezug auf Wien eine mildere Auffassung 
der beschränkenden Bestimmungen durchzudringen. Die nieder österreichische 
Regierung fragte 1805 bei der Hofkammer an, ob auch künftighin zur Ver- 
leihung neuer Kommerzialgewerbe in Wien und in einem Umkreise von vier 
Meilen die Genehmigung der Hof stelle eingeholt werden müsse, nachdem nach 
einer ihr zur Darnachachtung bekannt gegebenen allerhöchsten Entschließung 
neue Polizeigewerbe von den Obrigkeiten mit Zustimmung der Regierung 
erteilt werden könnten. Bei Aufrechterhaltung dieses Zustandes wäre die Ver- 
leihung der Kommerzialgewerbe engeren Grenzen unterzogen als die der 
Polizeigewerbe, während doch sonst die Kommerzialgewerbe immer nach 
liberaleren Grundsätzen behandelt worden seien. 

Durch Vortrag vom 26. März 1805 trug die Hofstelle an, nur die Verleihung 
von förmlichen Fabriksbefugnissen und solchen Gewerben, welche eine größere 
Anzahl von Menschen und ausgedehnte Wohnungen erfordern, für Wien und 
vier Meilen im Umkreise der Hofstelle oder Seiner Majestät vorzubehalten, 



1) H. K. A. Korn. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 44 ex jul., 23 ex sept. 1804; Staatsrat 1804, 
Nr. 3132. — «) H. K. A. Korn. N.-Ö., Fasz. 72, Nr. 24 ex apr. 1803. — ») H. K. A. Korn. N.-Ö- 
Fasz. 72, Nr. 21 ex oct. 1802. 



43 

die Verleihung aller übrigen niederen Befugnisse und Gewerbe aber der Landes- 
stelle zu überlassen. Diese Anträge erhielten die kaiserliche Genehmigung mit 
der näheren Bestimmung, daß sich die Hofstelle die Verleihung von Landes- 
fabriksbefugnissen und jener Gewerbe, die eine größere Anzahl von Menschen 
oder ausgedehntere Wohnungen erfordern, in Fällen, in welchen die Fabrik 
oder das Gewerbe nicht schon zuvor in Betrieb stand, selbst vorzubehalten 
und nur dann, wenn eine wesentliche Meinungsverschiedenheit zwischen ihr 
und der Regierung obwalten würde, den Gegenstand der kaiserlichen Schluß- 
fassung vorzulegen hätte^). 

Unter allen Wiener Fabrikationszweigen war die Zahl der Seidenzeug- 
fabrikanten bei weitem die größte. Die niederösterreichische Regierung führte 
nun in einem Berichte vom September 1805 nochmals die Gründe an, weshalb 
die Übersetzung dieser Fabrikanten auf das Land unmöglich sei. Die Hof- 
kammer beruhigte sie durch die Bemerkung, daß schon durch die Entschließung 
vom 2L April 1804 angeordnet worden sei, daß jene Unternehmungen, deren 
Mißlingen oder zu starke Erschwerung zu befürchten wäre, in Wien zu ge- 
statten seien. Danach habe sich die Regierung als allerhöchst vorgezeichneter 
Richtschnur in Zukunft genau zu benehmen^). Dabei ignorierte die Hofkammer 
offenbar absichtlich die schärfere Fassung der Entschließung vom 26. April 1804. 

In der Tat erfolgten um diese Zeit mehrere Verleihungen dieser Art. 
Durch die Sitzungsprotokolle der Hofkammer gelangte dies zur Kenntnis des 
Kaisers, worauf die Hofkammer die Akten über die Verleihung der Befugnis 
zur Erzeugung von Seidenzeugen an Josef Fallzorger vorlegen mußte. Die 
allerhöchste Entschließung darauf lautete: „Da Fallzorger die Seidenzeug- 
macherei nicht einmal ordentlich erlernt hat, da es an Anwerbern dieser Art 
hierorts ohnehin nicht mangelt, da sie in den letzteren Zeiten in Verfall geraten 
sind, da ich schon so oft bestimmt erklärt habe, daß ich die Manufakturen in 
Wien überhaupt und insbesondere, wenn sie von größerem Umfange sind, 
ohne entschiedene Notwendigkeit nicht nur nicht vermehrt, sondern vielmehr 
nach Tunlichkeit vermindert wissen will, so hätte die Kommerzhofstelle die 
Übertragung der vorlängst erloschenen persönlichen Befugnis des Vaters Fall- 
zorger auf den Sohn schlechterdings nicht erlauben, sondern letzteren darauf 
beschränken sollen, als Werkmeister des Fabrikanten Fachine auf vorschrifts- 
mäßige Art fortzuarbeiten und will ich über diese mir zum Mißfallen 
gereichende Befugniserteilung als über eine geschehene Sache nur in 
der zuversichtlichen Voraussicht hinausgehen, daß sich die Kommerzhofstelle 
von nun an eine genauere Befolgung meiner Anordnungen ernstlich 
zur schuldigen Obliegenheit machen werde." 

Um dieselbe Zeit hatte Christian Brenner, der eine Befugnis zur Seiden- 
warenerzeugung für das flache Land hatte, ersucht, ihm die Befugnis für Wien 
zu verleihen, da er auf dem Lande weder eine angemessene Wohnung noch 
taugliche Gesellen aufbringen könne, beim Ankauf des Rohstoffes und dem 



1) H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 63/1, Nr. 17 ex jul. 1805. — ^) H. K. A. Kom. N.-Ö. 
Fasz. 71, Nr. 20 ex apr. 1806. 



44 

.1! 

Absätze der Waren Schwierigkeiten begegne und auch kerne Art von Hilfs- 
arbeitern auftreiben könne. Die Fabrikeninspektion unterstützte dieses An- 
suchen und bemerkte, die Gründe, welche früher zur Verminderung der Gewerbe 
zu raten schienen, bestünden nicht mehr. Ebenso trug auch die Regierung auf 
Bewilligung an. Die Hofstelle hätte dies ohneweiters getan, wäre nicht in- 
zwischen die obige kaiserliche Entscheidung über den Fall Fallzorger herab- 
gelangt. So sah sie sich veranlaßt, unter dem 20. Oktober 1806 einen neuer- 
lichen Vortrag zu erstatten. Wieder führte sie umständlich alle Gründe an, 
weshalb die Entfernung der Fabriken aus Wien und ihr Fortkommen auf dem 
Lande nicht möglich sei. Die Fabriken, welche die Wohnungen und die Lebens- 
mittel in Wien nicht verteuern, seien sogar hier notwendig, denn ohne sie würde 
„wahres Elend unter der armen Klasse der Stadtbewohner ent- 
stehen, dann erst würde die Volksmenge wirklich fürchterlich 
zu werden anfangen". Damit versuchte die Hofkammer ihrerseits polizei- 
liche Bedenken zugunsten der Fabriken in Wien anzuführen, um dadurch 
ihren Zweck leichter zu erreichen. Seine Majestät habe, so fuhr sie fort, im April 
1804 befohlen, in reife Überlegung zu ziehen, welche Fabriken ohne Beirrung 
ihres Unternehmens auf das flache Land versetzt werden könnten. Die Seiden- 
industrie sei von allen Industriezweigen am wenigsten dazu geeignet, könne 
somit ohne Besorgnis, daß solche Unternehmungen überhaupt nicht entstehen 
oder bald nach der Entstehung wieder in Verfall geraten, nicht von der Haupt- 
stadt entfernt werden. In diesem Sinne sei die Hofkammer vorgegangen, somit 
genau nach dem kaiserlichen Befehle. Sie habe eben nur solche Fabriken und 
Gewerbe in Wien noch ferner entstehen lassen, bei welchen die Besorgnis vorlag, 
daß sie sonst gar nicht entstehen oder bald nach ihrer Entstehung wieder zu- 
grunde gehen würden. „Übrigens würde es in keinem Fall etwas nützen, 
einzelne Fabrikanten und Befugte von Wien fernzuhalten, da die übrigen dann 
nur um so viel mehr erzeugen und gewinnen und nur die Entfernten das Opfer 
der ergriffenen Maßregel sein würden. Keiner derjenigen, die zur Erzeugung 
der Seidenwaren befugt seien, er heiße nun Fabrikant, Meister oder Gewerbs- 
mann, könne auf eine bestünmte Anzahl von Stühlen beschränkt werden. 
Die Beschäftigung der Verbannten würde also den hier Blei- 
benden zuwachsen, diese würden ihre Werke vergrößern und 
mehrere Gesellen halten. Die Bevölkerung würde nicht vermindert werden , 
aber die Konkurrenz der Erzeuger, die bessere Teilung des Gewinns, würde 
abnehmen." „Es ist der natürliche Gang der Industrie, insofern 
sie mit Erzeugung von Luxuswaren sich beschäftigt, daß sie in 
großen Städten zuerst entsteht, dort zuerst festen Fuß faßt und von 
dort aus erst in ihrem natürlichen Fortschritt auf das flache Land, in die kleineren 
Städte sich verbreitet." „Alle Arten von Zwang, alle Gattungen von 
Fesseln sind Todfeinde der Industrie. Nur dort, wo eine liberale 
Staatsverwaltung dem Unternehmungsgeiste einen freien Spielraum läßt, nur 
dort erhebt er mit Macht sein Haupt zum kühnen Fluge. Nur dort sieht man 
Kunstfleiß und Industrie auf mannigfaltige Art, in mannigfaltigen Abwechslungen 
blühen. Das Beispiel aller Zeiten, aller Staaten, die durch Handel und 



45 

Gewerbe reich und mächtig wurden, bestätigt diesen Satz." „Aus ebendiesem 
Grunde kann man in Absicht auf alle Kommerzialunternehmungen nur für die 
ausgedehntere Konkurrenz stimmen. Gerade das Streben und Ringen von 
vielen nach größerer Vollkommenheit bei den nämlichen Erzeugnissen, gerade 
dieser rege Wetteifer von vielen, die nach dem nämlichen Ziele trachten, ist der 
mächtigste Hebel für die Industrie, die wirksamste Schwungfeder aller Handels- 
unternehmungen. Die zweckmäßigste Kommerzialleitung ist die- 
jenige, welche sich immer mehr leidend als wirkend benimmt 
und ihre Tätigkeit mehr in Hinwegräumung der Hindernisse 
als in bestimmten Anordnungen und Einrichtungen äußert." 

Auf diese Begründung der Notwendigkeit einer liberalen Behandlung der 
Kommerzialgewerbe gestützt, trug die Hof stelle an, den Gründern von 
Kommerzialunternehmungen sowohl in bezug auf den Ort, wo sie ihre 
Unternehmung errichten wollen, als auf die Zweige der Industrie, denen 
sie ihre Tätigkeit zu widmen gesinnt sind, soviel als möglich 
freie Wahl zu lassen. Nach einem so langwierigen Kriege sei eine Unter- 
stützung der Industrie unbedingt notwendig. Wenn auch in Österreich die 
Produkte des Ackerbaus und der Viehzucht immer die reichsten Quellen des 
Nationalreichtums bleiben würden, so sei es ebenso gewiß, daß Handel und 
Industrie auch auf die Landwirtschaft günstig zurückwirken. 

Zwar erreichte die Hofkammer durch diesen Vortrag nicht den gewünschten 
Erfolg, nämlich die Rückgängigmachung der Befehle auf möglichste Beschrän- 
kung und Entfernung der Fabriken von Wien, und der Anfang der allerhöchsten 
Entschließung lautete ziemlich schroff zurückweisend: „Diese unaufgefordert 
erstattete Rechtfertigung dient zu keinem Gebrauch." Dennoch hatte diese 
Entschließung wenigstens eine Beschleunigung des endlichen, definitiven 
Lösung der Frage, ob und welche Fabriken von Wien fernzuhalten seien, zur 
Folge, indem sie die baldigste Erstattung des diesbezüglich abgeforderten Be- 
richtes anbefahl. Bis zur Erledigung dieser Frage habe man sich genau an die 
ergangenen Befehle betreffs Nichtvermehrung der Fabriken und Gewerbe zu 
halten. Christian Brenner wurde abgewiesen. Daraufhin wurde seitens der 
Hofkammer sofort von der Regierung der Bericht über die Frage, welche 
Fabriken ohne Schaden von Wien entfernt werden könnten, betrieben^). 

Eine Folge dieser Entschließung war allerdings auch, daß mehrere Befugnis- 
werber zur Erzeugung von Seidenwaren abgewiesen werden mußten^). 

Daß der Kaiser aber nicht die Absicht hatte, in Wien bestehende Unter- 
nehmungen zu ihrem Schaden oder mit Gewalt auf das flache Land zu ver- 
legen, zeigt folgende im Jänner 1808 erfolgte allerhöchste Erinnerung zum 
Protokoll der Hofkammer vom 15. Oktober 1807: „Obschon die hiesige Landes- 
regierung von meiner ausdrücklichen Anordnung, vermöge welcher die Fabriks- 
befugnisse hier in Wien und in einem Umkreise von vier Meilen nicht weiter ver- 
mehrt, sondern vielmehr nach Tunlichkeit vermindert werden sollen, eigenmächtig 



1) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 51 ex sept. 1807. — ^) H. K. A. Kom. N.-Ö., 
Fasz. 63/1, Nr. 31 u. 51 ex sept., 63 ex dec. 1807. 



46 

abzugehen sich nicht hätte erlauben sollen, so darf doch diese Ordnungs- 
widrigkeit nicht der Anlaß werden, schuldlose Parteien zu be- 
nachteiligen und schon bestehende Fabriksunternehmungen 
ohneweiters von hier auf das platte Land zu verweisen, wo- 
durch meinen diesfälligen Entschließungen eine nirgends be- 
stimmt darin enthaltene Ausdehnung gegeben wird. Es ist daher 
mein Wille, daß diejenigen Fabrikanten, denen die Regierung eine Befugnis 
für die Hauptstadt erteilt hat, welche sie bereits ausüben, . . . auch forthin, 
insofern ihnen sonst nichts Widriges zur Last fällt, im ungestörten Besitz ihrer 
Befugnis bleiben sollen"*). 
Vortrag Schou untcr dem 20. Oktober 1807 wurde von der niederösterreichischen 

_^T,. Regierung an die Hofkammer über die Frage Bericht erstattet, welche Fabriken 

19, Juh o o o ' 

1808 über ohnc Schaden von der Hauptstadt und Umgebung ferngehalten und welche wegen 
die Frage, Gcstauk, Gctösc oder Rauch verlegt werden sollen. Das Gutachten der Regierung 
briken von Verbreitete sich a) über den Nutzen der Anlegung von Fabriks- und Manufaktur- 
wien fern- städtcn, h) Über die wohltätigen Folgen, die sich von der Einführung der Gewerbe- 
gehaiten freihcit uud Aufhebung der Zünfte erwarten ließen, c) über alle Maßnahmen, 
könnten, wclchc noch erforderlich wären, um Handel und Industrie zu verbreiten und auf 
jene hohe Stufe der Vollkommenheit zu bringen, welche geeignet wäre, die 
erschöpften Staatskräfte wieder zu beleben und den „Nationalreichtum" zu heben. 
Auf Grund dieses Berichtes wurde vom Hofkammerreferenten Anton von 
Krauß am 10. November 1807 der erste Entwurf eines Vortrages verfaßt. 
Bezüglich der Fabriksstädte sollte in jeder Provinz eine ihrer geographischen 
Lage und übrigen Verhältnissen zufolge zum Handel besonders geeignete Stadt 
ausersehen und durch alle nur erdenklichen Freiheiten und Begünstigungen 
ausgezeichnet werden. Unter den Begünstigungen müßte auf alle Fälle die 
Gewerbefreiheit und die Enthebung von der Zunftverfassung in erster Linie in 
Betracht kommen. „Daß das gotische Gebäude der Zunftverfassung, 
welches sich noch aus den finsteren Zeiten des Mittelalters her- 
schreibt, wo der Handelsstand unter dem Joche der Knecht- 
schaft seufzte, nicht mehr für unsere Lage und Verhältnisse 
passe, ist eine ziemlich allgemein anerkannte Wahrheit, so wie 
die Geschichte beweist, daß der Handel stets nur der Freiheit sein Gedeihen 
verdanke. Im Schöße der Handelsfreiheit blühte das Kommerz als eine Folge 
der Kreuzzüge zuerst in den italienischen Städten empor, nach ihnen erhoben 
sich mächtig die Hansa und die deutschen Reichsstädte, Englands National- 
reichtum ward durch sie begründet und ist noch jetzt der Grundstein derselben, 
nachdem ein Steuart, ein Adam Smith und andere aufgeklärte Männer, 
deren Namen so oft selbst in den Reden der Parlamentsglieder ehrenvoll er- 
wähnt werden, das System der Handelsfreiheit in die vollste Evidenz 
gesetzt haben." Selbst in Rußland habe sich durch größere Freiheit der Handels- 
stand stark gehoben. In Österreich seien gerade jene Erwerbszweige, welche 
von Kaiser Josef für unzünftig und frei erklärt wurden, in der schönsten Blüte. 



1) H. K. A. Korn. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 38 ex jan. 1808. 



47 

„Gewiß sind auch alle Behörden Euerer Majestät von dieser Wahrheit über- 
zeugt, daß die Zünfte, so wie alle Konfraternitäten, einen Staat 
im Staate bilden, welche den Ansichten der Staatsverwaltung 
entgegenarbeiten, ihr eigenes Korporationsinteresse auf Kosten des all- 
gemeinen zu befördern suchen und zum Teil Ursache der so ungeheuren Teue- 
rung sind, da es ihnen leicht wird, sich zu verabreden und gegen das Publikum 
zu verschwören, was sonst nicht der Fall wäre." So denke die Hofkammer und 
die beiden wichtigsten Länderstellen der Monarchie, jene von Niederösterreich 
und Böhmen. 

Außerdem müßten auch die von der niederösterreichischen Regierung 
vorgeschlagenen sonstigen Maßnahmen zur Vervollkommnung des Handels 
und der Industrie durchgeführt werden. 

Erst wenn diese Grundsätze durchgeführt w^ären, könnte man an die Ver- 
minderung der Gewerbe in Wien denken. Wenn der Kaiser, ungeachtet aller 
Vorstellungen der Hofkammer, „durch überwiegende Gründe, welche jedoch 
treugehorsamsten Orts gänzlich unbekannt sind", sich besthnmt finden sollte, 
die bisherigen Anordnungen aufrecht zu erhalten, so könnten die Fabriken und 
Gewerbe in der Hauptstadt, wenn sie schon nicht vermehrt werden sollten, 
doch auf keinen Fall vermindert werden. Hingegen könnten von der Haupt- 
stadt nach dem Einraten der Regierung Leichenhöfe, Abdeckereien, Leim- 
und Beinsiedereien, Berlinerblau-, Scheidewasser-, Pottasche- und Salmiak- 
fabriken, dann Ziegel- und Geschtrrbrennereien aus Gesundheitsrücksichten 
entfernt werden. Im übrigen sollten aber endlich alle jene Maß- 
nahmen, wodurch man der Teuerung in der Hauptstadt steuern 
wollte, ein für allemal und mit Entschlossenheit aufgehoben 
werden, weil sich sonst trotz aller Verbote auch weiterhin ein Heer von Un- 
befugten hereinschleichen und so die Verminderung der Gewerbe vereiteln 
würde. 

Graf Herberstein -Moltke meinte, die drei Punkte aus dem Berichte 
der Regierung über Fabriksstädte, Gewerbefreiheit und sonstige Begünsti- 
gungen soUten aus dem Vortragsentwurf ausgeschieden werden, da sie viel 
zu wichtige Fragen berühren, welche nicht ohne gründliche und erschöpfende 
Begutachtung der allerhöchsten Schlußfassung vorgelegt werden sollen. Es 
sollte vielmehr nur die Frage erörtert werden, welche Fabriken aus Wien entfernt 
werden können. Auch Freiherr von Eder war der Ansicht, es handle sich 
hier nur um die Frage, ob es solche Fabriken und Gewerbe gebe, die unbedingt 
entfernt werden müßten. Der kaiserliche Befehl sage eigentlich, daß nur jene 
Fabriken verlegt werden sollen, die mit dem nämlichen Vorteil auf dem Lande 
betrieben werden können. Wenn bei einer Fabrik erhoben würde, daß diese 
ohne Nachteil auch auf dem Lande fortkommen könne, so sei dies noch kein 
Grund, Seiner Majestät vorzuschlagen, Fabriken solcher Art auf das Land 
zu versetzen, weil mehrere Fabriken dieser Art in Wien nach Erfordernis ihrer 
Unternehmung eingerichtete Häuser haben können, und diese somit ohne 
Nachteil nicht versetzt werden könnten. Man müßte also die Verhältnisse 
im einzelnen untersuchen. Es solle daher beantragt werden, daß die Ver- 



48 

mehrung der Fabriken für die Zukunft zu vermeiden sei, bestehende Unter- 
nehmungen aber nur dann entfernt werden sollen, wenn dies ohne Nachteil 
für sie geschehen könne. Graf Dörpfeld war der Anschauung, es sei alles, 
nur nicht in gleichem Maße, schädlich, ob man nun die Industrieunternehmungen 
überhaupt von der Hauptstadt mit Gewalt verdränge oder die erledigten Be- 
fugnisse in Wien nicht mehr verleihe oder aber die Vermehrung der Gewerbe 
nicht gestatte. Im ersteren Falle würde die Industrie am Schlag- 
flusse, in den beiden letzteren an der Auszehrung sterben. Die 
Zahl der ohne Nachteil entfernbaren Gewerbe sei so gering, daß sie für die Ver- 
minderung der Bevölkerung überhaupt nicht in Betracht kommen könne. 
Nur Graf von Pelzeln vertrat den Standpunkt, es dürfte nur wenige Fa- 
briken geben, die nur in Großstädten gedeihen können. In Böhmen, Mähren 
und Oberösterreich seien fast alle auf dem flachen Lande. Dies sei auch für 
die Sittlichkeit vorteilhafter. Die Landstädte, die in Verfall seien, würden 
sich dadurch wieder heben. 

Zuletzt meinte der Referent auf die Frage, welche Fabriken entfernt werden 
sollten, könne man nur antworten: „keine" außer den im Vortrage erwähnten 
wegen Gestank, Getöse oder Rauch; hingegen glaubte er auf die Frage, welche 
Gewerbe durch indirekte Mittel ferngehalten oder verlegt werden könnten, 
bestimmt antworten zu können: „alle". 

Auf Grund dieser Beratung wurde vom Referenten ein zweiter und Final- 
entwurf zum Vortrage verfaßt. Nur jene Fabriken sollen entfernt werden, 
welche durch Getöse, Rauch und Gestank die Einwohner belästigen. Neue 
oder erledigte Befugnisse dieser Art sollen nicht mehr verliehen werden. Einige 
Beschäftigungen, die Lärm verursachen (Schlosser, Schmiede, Klempner u. dgl.), 
die aber für den Lokalbedarf unentbehrlich seien, können aus der Stadt nicht 
entfernt werden. Ferner sollte man bei Verleihung von neuen oder erledigten 
Fabriks- oder Gewerbebefugnissen darauf sehen, ob starker Holzverbrauch 
oder andere volkswirtschaftliche Rücksichten ihrer Erteilung im Wege stehen, 
in welchem Falle diese für die Hauptstadt und vier Meilen im Umkreise nicht 
bewilligt werden sollten. Darunter wären namentlich die Tuch- und Wollen- 
zeugfabriken zu verstehen, welche sich aber schon durch ihr eigenes Interesse 
von der Hauptstadt fernhalten. Von der Entfernung sollen ganz ausgeschlossen 
bleiben jene Industriezweige, welche einer besonderen Vorbildung in technischen 
und wissenschaftlichen Fächern oder gemeinnütziger Anstalten der Haupt- 
stadt bedürfen, ferner jene, welche einer öffentlichen Aufsicht von selten der 
Staatsverwaltung unterliegen (Gold- und Silberarbeiter u. dgl.) oder die fast 
ausschließlich für den Luxus und die Mode der Hauptstadt arbeiten. Aus diesen 
Gründen müßte besonders auf die Seidenzeugmacherei Rücksicht genommen 
werden. 

Nachdem sich die Hofkanzlei mit diesen Ausführungen einverstanden 
erklärt hatte, wurde der Vortrag unter dem 19. Juli 1808 erstattet^). 



1) H. K. A. Kom. N. - Ö., Fasz. 63/1, Nr. 34 ex jan. 1808, Nr. 24 ex 
mart. 1809. 



49 

Im Jänner 1809 erfolgte folgende allerhöchste Entschließung: „Nachdem Aufhebung 
sieh die Lage der Umstände in den letzten Jahren so sehr verändert hat, daß ^^^ ^^' 

•• schräiikiiii* 

nunmehr eine Änderung des bisher notwendig befundenen Systems tunlich gen be- 
geworden, so gestatte ich, daß es von den im Jahre 1802 eingeführten Be- ^^giich 
schränkungen sowohl in Rücksicht der Polizei- als Kommerzialge werbe, jedoch ^^ervo"^ 
nur in Ansehung der Hauptstadt mit Inbegriff der Vorstädte, städte 
nicht aber des Umkreises derselben, wieder abkomme und will, daß f^^^^^- 
nur jene Gewerbe davon hintangehalten und entfernt werden, die daselbst 
gefährlich sind; auch geht mein bestimmter Wille dahin, daß Fabriksbefugnisse 
oder Gewerbe nur an solche Personen verliehen werden, die mit hinreichendem 
Vermögen versehen sind, und sie gehörig und ohne auf schädliche und im- 
moralische Mittel zu verfallen, zu besitzen und fortzuführen imstande sind, 
auch daß jene Gattungen von Gewerben, welche für sich allein mit rechtlichen 
Mitteln und ohne Nachteil des Publikums nicht leicht bestehen können, mit 
anderen ähnlichen, wo es tunlich ist, vereinigt werden"^). 

So hatte der nicht aus Feindseligkeit gegen die Industrie, sondern ur- 
sprünglich nur in der Absicht, dadurch der Lebensmittelteuerung und dem 
Wohnungsmangel zu steuern, später immer mehr aus polizeilichen Rücksichten 
begonnene Kampf um die Freiheit der Entwicklung der Industrie in der 
Residenzstadt mit einem Siege der von der Hofkammer verteidigten liberalen Erklärung 
Prinzipien geendet. Dieser Ausgang hatte nicht nur für Wien, sondern auch*^"^®^*"^^®' 
für die ganze Monarchie eine weitgehende Bedeutung, denn von nun an trug zur gesetz- 
die Hofkammer kein Bedenken mehr, die „gesetzmäßig vorgeschriebene licten 
Industrialfreiheit zur unabweichlichen Grundlage der Kommer- ^™°^^^s^ 

. " der Kom- 

zialleitung" der ganzen Monarchie zu erklären und die Länderstellen zu merziai- 
deren Handhabung anzuhalten^), leitung 

Zwar war der Erfolg noch kein vollständiger, da für den Umkreis der ^^^°^'' 
Residenz außerhalb der Vorstädte die Beschränkungen noch aufrecht blieben; 
doch war die Aufhebung auch dieser unverständlichen und durch nichts zu 
rechtfertigenden Verfügung nach Beseitigung der Hauptbeschränkungen nur 
mehr eine Frage von kurzer Zeit. Denn die Hofkammer ruhte nicht eher. 

Als sich ein Fall ergab, in welchem wegen der bestehenden Verbotsgesetze 
für die Umgebung ein Ansuchen hätte abgewiesen werden sollen, befragte die 
Hofkammer zunächst die Hofkanzlei um ihre Meinung, worauf diese die Gründe 
angab, weshalb die Verbotsgesetze für die Umgebung aufrecht erhalten worden 
waren. Es waren dies „Rücksichten der Polizei und der Rural- 
ökonomie". Weil nämlich die Ortsbehörden die Polizei nur als „ein sehr 
unbedeutendes Nebengeschäft" betreiben, so würden da die Arbeiter ohne 
Zucht und Aufsicht gelassen werden, was Unsicherheit und Unsittlichkeit zur 
Folge haben würde, wodurch auch das Landvolk angesteckt werden könnte. 
Die Hofkanzlei selbst teilte diese Ansicht nicht, indem sie der Meinung war, 
daß die Interessen des Unternehmers ihn selbst dazu treiben, auf die Befolgung 



1) H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 63/1, Nr. 33 ex jan., 24 ex mart. 1809, Staatsrat 1808, 
Nr. 3017. — 2) Vgl. unten S. 135. 

ßlokar, Geechichte der österr. Industrie. 4 



50 

aller Forderungen der Sittlichkeit bedacht zu sein. „Was die Hilfsarbeiter 
betrifft, so mögen jene der untersten Klassen immerhin sehr 
roh sein, aber ganz unrichtig ist das allgemeine und ungünstige 
Urteil', mit dem über sie gesprochen wird. Kein Meister, kein 
Fabriksinhaber nimmt Leute zum Müßiggang auf. Er beschäftigt 
sie viel und anhaltend. Der fleißige, arbeitsame Mann aber, so an- 
stößig sein Benehmen auch sonst scheinen mag, ist nie weder 
dem Staatsverbande noch den Sitten gefährlich, . . . Nie werden 
endlich die Gewerbe und Fabriken so nahe grenzen, daß Ver- 
abredungen unter den Hilfsarbeitern zu gefährlichen Maßregeln 
eintreten können, zu denen sie unter besonderen Umständen 
etwa geneigt sein dürften." 

Bezüglich der landwirtschaftlichen Interessen war man bei Belassung der 
Beschränkungen für die Umgebung Wiens der Meinung, daß durch eine Ver- 
mehrung der Gewerbe um Wien der Landwirtschaft Arbeiter entzogen und 
nach und nach der Grund und Boden statt für den Ackerbau für Fabriken 
benützt würde. Die Hofkanzlei bemerkte demgegenüber, daß die wenigsten 
Gewerbe Grund und Boden zu ihrem Betriebe bedürfen. Auch stünden dem 
Ankauf und der willkürlichen Verwendung des Ackerlandes genügende Gesetze 
entgegen, um von dieser Seite jeder Besorgnis überhoben sein zu können. Ander- 
seits sei zu bedenken, daß die Industrie den Ackerbau fördere und umgekehrt, 
wenn beide nur ihrer natürlichen, zwangslosen Entwicklung überlassen werden. 
Aus diesen Gründen war die Hofkanzlei für die Aufhebung der noch aufrecht 
gebliebenen beschränkenden Verbotsgesetze. 
Vortrag Die Hofkammcr erstattete unter dem 31. Juli 1810 einen diesbezüglichen 

vom Vortrag, in welchem alle Gründe, die für eine unbedingte Industriefreiheit 
sprechen, wiederum ausführlich auseinandergesetzt wurden. 
Gänzliche Durch allerhöchste Entschließung vom 25. Februar 1811 wurde denn auch 

Aufhebung (jiescs Ictztc Vcrbot aufgehoben mit der einzigen, leicht begreiflichen Ein- 
schränkun- schräukung, daß auch in Hinkunft in diesem Umkreise von zwei Meilen die 
gen auch Errichtung von Fabriken und Gewerben, mit welchen ein großer Holz verbrauch 
für die verbunden sei, nicht gestattet werden solle^). 

Umgebung ' o ^ / ^ 

Wiens. Damit war das 1802 begonnene Ringen zwischen den liberalen Kommer- 

zialgrundsätzen einerseits und den durch die Teuerung und polizeiliche Ein- 
flüsse hervorgerufenen, die Beschränkung der Gewerbe in Wien fordernden 
Strömungen anderseits nach neunjähriger Dauer zugunsten der freiheit- 
lichen Ideen entschieden. Längst waren schon die Lehren von Adam Smith 
auch in Österreich eingedrungen und hatten Anhänger genug gefunden, ebenso 
wie seine Grundsätze von den Professoren der Universitäten vertreten und 
vorgetragen wurden^). Der wirtschaftliche Liberalismus begann auch in Öster- 
reich seinen Einzug zu halten. 

Beschränkungen bezüglich jener Gewerbe, die viel Holz 



1) H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 63/1, Nr. 7 ex martio, 14 ex apr. 1811; Staatsrat 1810, 
Nr. 2250. — ^) Vgl. auch Beidtel, Gesch. d. österr. Staatsverwaltung, II, 39 f. 



51 

verbrauchen, waren gar nichts Neues mehr. Schon das Patent vom 5. April 
1754 bestimmte, daß Glas- und andere holzverzehrende Fabriken bloß in 
Gegenden angelegt werden sollen, wo Holz im Überflusse zur Verfügung steht. 
Das Waldpatent vom 1. Juli 1813 enthält ähnliche Bestimmungen (§ 10). In 
Wien war namentlich der Mangel an Bauholz, der sich fühlbar machte, weshalb 
mehrmals verordnet werden mußte, keine Befugnisse zur Errichtung oder Er- 
weiterung bereits bestehender, brennstoffverzehrender Gewerbe zu erteilen, 
es sei denn, sie würden mit Steinkohlen oder Torf betrieben (Hofdekrete vom 
6. Februar 1810, 15. März 1810, 26. März 1815i). 

Die Beschränkungen für Wien von 1802 bis 1811 waren nur eine auf die Liberale 
Hauptstadt beschränkte, allerdings etwas merkwürdige und für den Zeitgeist ^°"*^'^., 
charakteristische Episode. Außerhalb Wiens wurde auch während dieser Zeit wiens. 
mit der damals größtmöglichen Liberalität vorgegangen und die Unterbehörden 
öfters in diesem Sinne angewiesen. 1807 wurde gelegentlich der Erledigung 
eines Rekurses dem steirischen Gubernium bedeutet, es habe sich zur genauen 
Richtschnur für die Zukunft zu nehmen, daß „die Kommerzialgewerbe sich 
nicht so wie die Polizeigewerbe auf den bloßen Lokalbedarf beschränken lassen, 
da die Erweiterung des Provinzialverkehrs, die Aufmunterung des Kunst- 
fleißes, die Beförderung der Konkurrenz und die dadurch zu bezweckende 
bessere Bedienung des Publikums unter jene Hauptrücksichten gehören, welche 
nie außer Acht gelassen werden sollen"^). 

Noch deutlicher spricht sich ein Dekret vom 28. März 1809 an die Regierung 
in Salzburg aus: „Der kleinliche Unterschied von Provinz zu Provinz ist für 
die Würde eines großen Staates zu geringfügig und hindert den innigen Verein, 
den die Staatsverwaltung bezielet, den gegenseitigen Absatz und Vorteil zu 
sehr, um denselben Platz greifen zu lassen. Liberalität in Erteilung der 
Befugnisse, Handhabung der Industrialfreiheit, Aufhebung der 
lästigen Hindernisse und Beschränkungen, welche dem Fort- 
schreiten des Nationalwohlstandes so sehr im Wege stehen und 
überhaupt Beseitigung aller ängstlichen Nebenrücksichten 
haben Handel und Kunstfleiß in den österreichischen Staaten 
mächtig emporgehoben und dürfen auch von der Regierung in Salzburg 
nicht außer Acht gelassen werden, um die väterlichen Absichten Seiner Majestät 
so schnell als möglich zu befördern"^). 

Endlich wurde den Länderstellen durch Zirkular vom 2. Mai 1809, durch 
welches ihnen die neue Grenzlinie zwischen den Polizei- und Kommerzialgewerben 
bekanntgegeben wurde, zugleich eingeschärft, daß die gesetzmäßig vor- 
geschriebene Industrialfreiheit, deren Handhabung schon durch so 
viele nachdrücklich wiederholte Verordnungen den Länderstellen ans Herz 
gelegt worden sei, zur unabweichlichen Basis der Kommerzialleitung 



1) Barth, a. a. 0., I, 286 ff. — *) H. K. A. Korn. I.-Ö., Fasz. 92, Nr. 8 ex febr. 1807. — 
') H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 63 ex mart. 1809. Ähnlich die Dekrete an die 
niederösterreichische Regierung vom 25. März 1809 (Nr. 57 ex mart.) und an die oberösterrei- 
chische Regierung vom 26. April (Nr. 41 ex apr. 1809). 

4* 



52 

anzunehmen sei und sowohl die Länderstellen als auch die unteren Behörden 
sich nur nach ihren Grundsätzen zu richten haben^). 

Die Schwierigkeiten, gegen welche die oberste Kommerzbehörde die Grund- 
sätze der Gewerbefreüieit allmählich durchzusetzen hatte, waren nicht gering. 
Selbst bei den ihr unterstehenden Behörden fand sie nicht immer Verständnis 
und Unterstützung. 

So sah sich die Hofkammer 1810, da sie aus den GestionsprotokoUen und 
den häufigen Rekursen ersehen hatte, „daß in Böhmen, ungeachtet der 
wiederholt anbefohlenen Liberalität in Kommerzialangelegen- 
heiten, noch immer den Beschränkungsgrundsätzen gefolgt wurde", dem 
böhmischen Gubernium die die Hofbammer leitenden Grundsätze zur unab- 
weichlichen Richtschnur für die Zukunft, zur Leitung der "ünterbehörden 
und zur eigenen Belehrung bekanntzugeben. Dieses Dekret ist so charakte- 
ristisch für den damals im Schöße der Kommerzhofstelle herrschenden Geist 
und die von ihr ausgehende Industriepolitik, daß es notwendig erscheint, die 
wichtigsten Stellen aus diesem förmlich wie ein Glaubensbekenntnis des wirt- 
schaftlichen Liberalismus klingenden Dokument wörtlich wiederzugeben: 
„Solange nicht eine ausgiebige Aktivbilanz gewonnen, der unverhältnismäßige 
Ausfluß des baren Geldes gehemmt und die Masse der Nationalkräfte in eine 
solche freie Tätigkeit versetzt wird, daß alle Zweige des Erwerbsfleißes har- 
monisch und mit Energie zu dem großen Ganzen zusammenwirken, läßt sich 
für das Allgemeine wenig hoffen. Nur der große Überfluß der inneren Produktion 
gegen die eigene Verzehrung kann die Preise herunterstimmen, die Konkurrenz 
mit dem Ausland und die Ausfuhr dahin begründen. In einem Lande, wo 
Jeder Staatsbürger, wenn er anders nicht gegen die Gesetze handelt, frei wirken 
und erwerben kann, wo das erwerbende Verdienst aufrecht erhalten, geschützt 
und aufgemuntert wird und so mit einem Worte die Staatsverwaltung nach 
großen, umfassenden und humanen Grundsätzen, entfernt von kleinlichen, die 
Besorgnis wichtiger Geschäfte verhindernden Einmischungen in das unüber- 
sehbare Detail des einzelnen Erwerbes zu Werke geht, nimmt der allgemeine 
Wohlstand und die Bevölkerung mittelbar sowohl als unmittelbar durch das 
Zuströmen von nützlichen Fremden offenbar zu. Erhöhter Nationalwohlstand 
und vermehrte Bevölkerung aber, durch eine vernünftige Aufklärung geleitet, 
würden das große Problem auflösen helfen, womit man gegenwärtig beschäftigt 
ist^). Dagegen hat bewährte Erfahrung bewiesen, zu welchem Ziele Beschrän- 
kungen des Erwerbsfleißes und Beschützung des Zunftgeistes führen. Gemein- 
schädliches Monopol, Verfolgung, Unterdrückung und Entgang der talent- 
vollsten Gewerbsleute, Abschreckung des fremden Talents, Lücken in der 
Gesamtmasse des Erwerbsfleißes, Mangel an hinlänglicher Arbeit im Inlande, 
Teuerung und Verfall des allgemeinen Wohlstandes, Abnahme der Bevölkerung, 
hohe Preise, Nichtbefriedigung des Publikums und sicher nie zu erreichender 
Aktivhandel sind in dem Gefolge eines ängstlichen Geistes der öffentlichen 



*) Vgl. S. 135. — *) Gemeint ist das Ziel: „Die Wunden verheerender Kriege zu heilen, 
den Nationalwohlstand wieder herzustellen, die zerrütteten Staatsfinanzen zu verbessern". 



53 

Verwaltung, der aus Übermaß von Sorgfalt für einzelne Zweige den immer 
mehr einwurzelnden Krebsschaden des Hauptstammes übersieht." 

„Übersetzung der Gewerbe, Mangel an Brennstoffen, Verteuerung der 
Wohnungen u. dgl. m. sind die Egyde, unter welche sich der Zunftgeist flüchtet 
und das Urteil der Behörden zu führen sucht". ,, Allein wenn vollkommene 
Erwerbsfreiheit gehandhabt wird, stellt sich das Gleichgewicht 
zwischen den Gewerben von selbst her. Gewerbe, bei denen sich kein 
angemessener Vorteil mehr anbietet, vermindern sich von selbst, wogegen 
sich jene Gewerbe vermehren, bei denen unbefriedigte Nachfragen zunehmen 
und welche folglich lohnenderen Verdienst versprechen. Jene Gegenden und 
Orte, wo Mangel oder Teuerung des Brennstoffes und der Wohnungen auf eine 
unerschwingliche Art überhandnimmt, werden gegen holzreiche oder wenig 
bevölkerte vertauscht . ' ' 

,,Im Fache der Industrie besonders hängt der individuelle Vorteil des 
Erwerbes von so vielen kleinen Umständen ab, welche die Staatsverwaltung 
selbst mit einem Heere von Beamten nicht zu ergründen vermag, welche aber 
der Einzelne, der diese Verhältnisse in seiner Sphäre am besten beurteilen kann, 
genau verspüret und gegen die Nachfragen des Publikums, welches diesfalls 
der kompetente Richter ist, abzumessen weiß. Und nicht allein die Unmög- 
lichkeit, daß die Staatsverwaltung bei den hundertfachen Erwerbszweigen jede 
der unendlichen Varietäten verspüre, sondern auch der schwerfällige Gang der 
Dikasterialverhandlungen schadet durch allzu ängstliche Einmengung bei 
einem Fache, wo es sich oft einzig und allein um Benutzung des Augenblicks 
handelt. Eine Übersetzung der Gewerbe ist bei den gegenwärtigen Umständen, 
wo es nach langen menschenraubenden Kriegen fast in allen Fächern an arbei- 
tenden Händen fehlt, kaum denkbar. Diejenigen also, welche arbeiten können 
und wollen, sind, anstatt abzuschrecken, vielmehr dazu aufzumuntern, und 
es wäre in der Tat hart, wenn man einem Familienvater, der sein Fach vor- 
züglich gut erlernt hat . . . verbieten wollte, sich und seine Familie auf eine 
ehrliche Art durch seine Händearbeit auf eigene Rechnung sein Brot zu ver- 
dienen. Eine solche Strenge wäre des Beispiels wegen auch aus politischen 
Rücksichten nicht ratsam, weil ein solches Benehmen der Staatsverwaltung 
keineswegs geeignet wäre, zu den ehelichen Verbindungen in der bürgerlichen 
Gesellschaft zu ermuntern." 

„Die Industrialunternehmungen, so wie sie einen größeren Umfang gewinnen, 
größere Maschinen, Wasserwerke, einen größeren Überfluß an Brennmaterial 
u. dgl. bedürfen, werden sich von selbst den Mauern der Hauptstadt entziehen 
und durch ihre Ansiedlungen auf dem flachen Land auch dem ackerbauenden 
Stande den doppelten Vorteil gewähren, daß sie teils die müßigen Hände, die 
Weiber, Kinder und Greise mit Arbeit verlegen, teils Eigentümer von Realitäten 
werden, auf welche sie den Überfluß ihrer Kapitalien wenden, welchem Um- 
stände das in diesem Fache zum Beispiel dienende England, wo größtenteils 
X Kaufleute und reiche Fabrikanten und Gewerbsleute den Ackerbau und die 
B Viehzucht befördern helfen, seinen Wohlstand verdankt. Ebensowenig als der 
B Landmann verhindert werden darf, dem Ackerbau obzuliegen, sondern viel- 



54 

mehr zur besseren Kultur aufgemuntert wird, ebensowenig darf der 
Gewerbsmann verhindert werden, sich dem Kunstfleiße zu ergeben und die 
Geschicklichkeit seiner Hände zur Verbesserung seines Schicksals zu benützen. 
Nur dann, wenn Ackerbau und Kunstfleiß, die zwei eng verbundenen Stützen 
des Nationalwohlstandes, nach vernünftigen Grundsätzen der Staatsökonomie 
geleitet, sich wechselseitig unter die Arme greifen und beide die Vorteile der 
Erwerbsfreiheit und einer vernünftigen Aufklärung genießen, wird man mit 
Beruhigung in die Zukunft blicken können." ,,Man hat es notwendig 
gefunden, dem Gubernium diese weitläufige Belehrung zu machen, 
weil man von den Unterbehörden nicht soviel eine blinde Be- 
folgung der hierortigen Anordnungen als die Überzeugung von 
jenen Grundsätzen erwartet, welche einen integrierenden Teil 
des neuen Kommerzsystems ausmachen, welche nach dem ausdrück- 
lichen Willen Seiner Majestät nach ihrem ganzen Umfang aus- 
geübt werden und zur Aufmunterung des Nationalgeistes mit 
aller Publizität verkündet werden sollen"^). 

So hatte der Kampf der Hofstelle um Verhinderung der Beschränkungen 
für Wien schließlich den Erfolg, daß sie nach der Aufhebung dieser Verbots- 
gesetze die Liberalität als einzigen Grundsatz aufstellte, der die Behörden, im 
Rahmen der bestehenden Gewerbegesetze, zu leiten habe. 

Die Beschränkungen für Wien in den Jahren von 1802 bis 1811 hatten keine 
für die industrielle Entwicklung der Hauptstadt ungünstigen Folgen gehabt, 
Wirtschaft- da einerseits in rücksichtswürdigen Fällen Ausnahmen gemacht wurden^), 
liehe De- anderseits aber gerade in jener Zeit infolge der andauernden Kriege sich der 
^"^^1811. ^' Arbeitermangel immer mehr fühlbar machte. Die Erleichterung, welche durch 
die die englische Konkurrenz abhaltende Kontinentalsperre der inländischen 
Industrie zuteil wurde, wurde zum großen Teile durch die starke Entziehung 
von Arbeitern durch den Krieg und durch die auf die Staatsbürger schwer 
drückenden Kriegslasten aufgewogen. Endlich kam noch das Finanzpatent 
vom 20. Februar 1811 hinzu mit allen Folgen, welche diese Krise für das Wirt- 
schaftsleben haben mußte. 

Amtliche Erhebungen ergaben, auch wenn sie als noch so unzuverlässig 
angesehen werden, doch die zweifellose Tatsache, daß die Zahl der in gewerb- 
lichen und industriellen Unternehmungen beschäftigten Arbeiter in dieser 
Zeit stark gesunken war. Die niederösterreichische Fabrikeninspektion hatte 
berechnet, daß die Zahl der in Fabriken und Kommerzialgewerben in Nieder- 
österreich beschäftigten Arbeiter zu Ende 1810 sich auf 63.218, zwei Jahre 
später auf nur 42.247 Köpfe belaufen hatte, so daß die Verminderung ein Drittel 
betrug. Zwei Ursachen führte die niederösterreichische Regierung dafür an, 
eine innere und eine äußere. Als innere die Finanzoperationen von 1811, welche 
große Umwälzungen in den Geldverhältnissen herbeiführten, während gerade 
durch das Übermaß der Bankozettel eine übermäßig angeregte und erweiterte 



1) Statth. A. Prag 1806—1815, Kom. Fasz. 14, subn. 48. Hofdekret vom 3. Juli 1810. 
2) Vgl. z. B. unten S. 502. 



55 

industrielle Produktion verursacht worden war, welcher seit dem Finanzpatent 
eine plötzliche Stockung folgte. Als äußere Ursache mußten angenommen 
werden der Verlust mehrerer für den Absatz wichtiger Provinzen, der Krieg 
Frankreichs und der Pforte mit Rußland und die drückende, auf Abschließung 
abzielende Handelspolitik fremder Staaten. In Böhmen wurde in derselben 
Zeit bei den Kommerzialgewerben eine Verminderung der Arbeiterzahl um 
69.144 Köpfe festgestellt und dafür dieselben Ursachen angeführt wie von der 
niederösterreichischen Regierung. Ebenso wurde auch in Mähren und Schlesien 
sowie in Innerösterreich eine starke Verminderung der in der Industrie be- 
schäftigten Arbeiter nachgewiesen. Vielfach wurde zur Abhilfe auch auf Herab- 
setzung der Steuern und Zölle angetragen. Die Hofkammer meinte aber (1813), 
die ganze Frage der Ursachen und der Abhilfsmittel sei durch die inzwischen 
ganz veränderten inneren und äußeren Verhältnisse nicht mehr praktisch, 
da sich allmählich normale Verhältnisse wieder von selbst einstellen würden, 
weshalb auch keine Vorkehrungen notwendig seien^). 

An der Befreiung der Industrie von lästigen, aus früheren Zeiten stammenden Aufhebung 
Fesseln arbeitete die Kommerzhofstelle bei ieder sich bietenden Gelegenheit ^"'^ ^*" 

" ° schränkun- 

Weiter. gen be- 

Da bei einigen Gewerben, so namentlich bei den Sensen-, Sicheln- und zügiieh der 
Strohmessererzeugern noch Bestimmungen bestanden, nach welchen die Auf- ^ ^f^' "^^ 

° . , o ' , Lehrjungen 

dingung von Lehrjungen auf eine bestimmte Zahl, ja selbst nur auf einen einzigen (isie). 
für jeden Meister beschränkt war, so wurde, „da eine solche Beschrän- 
kung, sie mag sich auf altes Herkommen oder Statuten gründen 
oder selbst durch frühere Verfügungen eine Bestätigung erhalten 
haben, mit den dermaligen von Seiner Majestät Allerhöchst 
sanktionierten liberaleren Kommerzialgrundsätzen und mit den 
im Geiste derselben ergangenen neuen Verordnungen im offen- 
baren Widerspruche steht und ebenso wie der Vorzug, welcher noch hie 
und da den Meistersöhnen bei der Aufdingung und Freisprechung vor anderen 
Lehrjungen gegeben wird, als ein Hindernis der Ausbildung vorzüg- 
licher Arbeiter und eine Hemmung des Fortschreitens der In- 
dustrie nicht mehr zulässig ist", an alle Länderstellen unter dem 29. Mai 
1816 ein Dekret erlassen, durch welches für alle Kommerzialgewerbe für die 
Zukunft festgesetzt wurde a) daß es jedem, der auf was immer für einem zu den 
Kommerzialbeschäftigungen gehörigen Zweige der Industrie das Meisterrecht 
besitzt, ganz frei und unbenommen sei. Lehrjungen in unbeschränkter 
Zahl aufzudingen und freizusprechen; h) jenen Lehrjungen, deren besondere 
Geschicklichkeit erwiesen sei, ein Teil der sonst erforderlichen Lehrzeit nach- 
gesehen, den Meistersöhnen aber in keiner Hinsicht vor anderen Lehrjungen 
ein Vorzug gegeben werden dürfe. Dabei verstehe es sich von selbst, daß die- 
jenigen, die kein förmliches Meisterrecht, sondern nur eine bloße Befugnis 



1) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 31 ex sept. 1812; Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 16 
ex febr. 1814; Statth. A. Prag, 1806—1815, Kom. Fasz. 1, subn. 124 (Sept. 1811); Staatsrat 
1812, Nr. 3230. 



56 

besitzen, die aber das Recht zur Aufnahme von Lehrjungen haben, ebenfalls 

Lehrjungen in beliebiger Anzahl aufnehmen können^). 
Besthn- Auch in bezug auf die Übersetzung eines Gewerbes von einem Ort an 

mungen gingn anderen herrschten bis dahin vielfach unklare Verhältnisse und beschrän- 

über die 

Standorts- kcnde Bestimmungen, obwohl schon die nicht veröffentlichte Normalverordnung 
Veränderung vom 30. März 1776 die volle Freizügigkeit der Fabrikanten und Manufakturisten 
GeJerten ^ßzüglich dcs Bctriebsortes vorgesehen hatte^). Infolgedessen erstattete die 
Hofkammer einen Vortrag, dessen Anträge der Kaiser nach Einvernehmung 
der Hofkanzlei genehmigte. Darauf erging unter dem 7. Dezember 1815 an alle 
Länderstellen die Weisung, daß a) jedem Gewerbsmanne die Wahl seines Stand- 
ortes in jenem Bezirk, für welchen er die Befugnis erhalten habe, freizustellen 
und daher, solange er in jenem Orte bleibe (in Wien in der inneren Stadt oder 
in jener Vorstadt, für welche ihm ursprünglich die Befugnis verliehen worden 
sei), er in der Wahl seines Standortes nicht zu beschränken, jedoch zu ver- 
pflichten sei, jede Veränderung der Ortsobrigkeit anzuzeigen; h) hingegen 
dürfe die Übersetzung eines Gewerbes von einem Ortsbezirk in einen anderen 
nicht mehr der Willkür des Gewerbsmannes überlassen bleiben, da dies nicht 
nur die Zunftverfassung verwirren, sondern auch eine Umgehung des den Orts- 
obrigkeiten in erster Listanz zustehenden Gewerbeverleihungsrechtes be- 
deuten würde^). 
Erste An- jn dicscr Pcriodc kam es schon zu Anläufen zu einer allgemeinen Gewerbe- 

einer^ an- ^eform, wclchc zunächst von der niederösterreichischen Regierung ausgingen, 
gemeinen Unter dem 7. August 1808 war dieselbe von der Hofkammer beauftragt 

Reform der worden, ciu Gutachten darüber zu erstatten, ob die Gestattung der Haltung 

Gewerbe- ■> o o 

Verfassung, ^ou Lchrjungcu sciteus der Befugten für die Industrie im allgemeinen ersprieß- 
lich sei oder nicht. Die Regierung griff die Sache jedoch von einem sehr weit- 
gehenden Standpunkt auf und übertrug der Stadthauptmannschaft die Er- 
örterung und Beantwortung folgender Fragen: a) Worin bestehen die Rechte 
der Meisterschaften und worauf werden sie begründet? i) Welche weiteren 
Befugnisse und Privilegien bestehen außer diesen Rechten? c) Wie sind sie 
entstanden, welche Verordnungen liegen ihnen zugrunde? d) Ist die bisherige 
VervieKältigung der Begünstigungsarten rätlich oder nicht, ihr fernerer Be- 
stand schädlich oder unschädlich? e) Auf welche bestimmten Gattungen von 
Befugnissen soll man sich beschränken, „insofern es sich um die Auf- 
stellung eines Systems handelt", und welche Grundsätze sind diesfalls 
die richtigsten? 

Die Hofkammer, der die Regierung diese Fragestellung an die Stadthaupt- 
mannschaft mitteilte und nach Eintreffen der Antwort einen diesbezüglichen 
Bericht in Aussicht stellte, nahm diese Mitteilung mit Befriedigung zur Kenntnis, 
meinte jedoch unter dem 25. März 1809, es werde der Aufmerksamkeit der 
Regierung nicht entgehen, wie wichtig diese Ausarbeitung besonders in dem 



^) H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 67 ex majo 1816. — 2) Reschauer, Gesch. d. 
Kampfes der Handwerkerzünfte usw. 14. — ') H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 5 ex 
junio 1816. Staatsrat 1815, Nr. 7486. 



57 

Augenblicke sei, wo der Mangel an arbeitenden Händen überhandnehme, wo 
es daher vor allem darauf ankomme, solche Einrichtungen zu treffen, daß die 
im Lande vorhandenen Arbeiter auf eine solche Weise beschäftigt werden, 
daß sie die größtmögliche Arbeit vollbringen, und wo „eine wohlberechnete 
Industrialfreiheit und ein vernünftiges Gewerbssystem zur 
Steuerung so mancher sich eingeschlichener Zunftmißbräuche 
zum wahren Bedürfnis geworden sei"^). 

Das Haupthindernis gegen eine durchgreifende Reform der Gewerbe- 
verfassung auf liberaler Grundlage bildeten zweifellos die Zünfte. Kein Wunder, 
daß die Kommerzhof stelle, so oft sie auf dieselben zu sprechen kam, niemals 
um energische Ausdrücke verlegen war, um nur ihre Schädlichkeit für die 
Entwicklung der Industrie in so grellem Licht als möglich schildern zu können. 
Immer und immer wieder werden die Unterbehörden davor gewarnt, „den 
gefährlichen Einstreuungen des Monopols und des Zunftgeistes" Gehör zu 
schenken. 

Bei Gelegenheit einiger Beschwerden gegen die Freiheit der Leinenweberei 
forderte die Hofkammer im Jahre 1810 von der niederösterreichischen Regierung 
einen diesbezüglichen Bericht ab, mit dem Beisatze, daß sie bei diesem Anlaß 
auch jene Bemerkungen zur Sprache bringen könne, die sich ihr 
etwa über das Zunftwesen im allgemeinen aufdrängen. 

Die Regierung benützte diesen Wink, um in ihrem Berichte vom 14. Juli Bericht der 
1810 ausführlich auf die Nachteile einer eingeschränkten Gewerbeverfassung '^'^'^f'''^^'*'^' 

•• rGlCDlSCIlGIl 

hinzuweisen und zugleich Vorschläge zur Verbesserung der bisher in Osterreich Regierung 
bestehenden vorzulegen. vom 

Der Hofkammer mußte dieser Bericht zwar behagen; doch konnte sie sich^^' ^"^'^^^^ 
angesichts der Wichtigkeit des Gegenstandes nicht entschließen, einen ent- 
scheidenden Schritt zu tun, ohne vorher auch die übrigen Länderstellen zu 
befragen, einerseits über die Ausführbarkeit der Anträge der niederösterreichi- 
schen Regierung, anderseits, im Bejahungsfalle, über die Art, wie sie ohne 
empfindliche Störung des Ganges der Industrie in Ausführung zu bringen 
wären. Dies geschah am 22. Dezember 1812. 

Der Bericht der niederösterreichischen Regierung war für die Zünfte 
keineswegs günstig. Der Referent der Stadthauptmannschaft meinte, die 
Zunftverfassung sei besonders deshalb verderblich, weil die Meister jeder Innung 
sich der Erteilung neuer Befugnisse durch allerlei Ränke zu widersetzen trachten 
und so gerade die geschicktesten Arbeiter zur freien Ausübung ihrer erlernten 
Profession nicht gelangen können. Deshalb hätte die bisher vorgeschriebene 
Zuziehung der Innungsvorsteher zu den Verhandlungen über Gewerbever- 
leihungen ganz aufzuhören, da sie auch sonst unnötig sei. Die Meisterstücke 
sollten auch abkommen, weil bei der Beurteilung derselben große Parteilichkeit 
herrsche. Endlich wären Rekurse der Innungen gegen Gewerbe Verleihungen 
inicht mehr zu dulden. 

Der Referent der niederösterreichischen Regierung war der Ansicht, das 



i) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz.63/1, Nr. 57 ex mart. 1809. 



58 

Schädliche der Zünfte bestehe vorzüglich in ihrer Unverträg- 
lichkeit mit der Liberalität. Da letzt.ere aber die Grundlage 
einer guten Gewerbeverfassung sei, so müsse man vor allem 
untersuchen, welche Grenzen eine vernünftige Gewerbefreiheit 
haben müsse. 

Es ergebe sich somit die Frage : Inwieweit hat die Staatsverwaltung in die 
gewerbliche Privatbetriebsamkeit einzuwirken und sie gewissen Beschränkungen 
zu unterziehen? Diese Fragen zu beantworten sei um so zeitgemäßer, als es 
notwendig sei, die so oft schon höchstenorts wiederholten, aber 
nur allgemeinen Empfehlungen und Anweisungen zur Liberalität, 
um ihnen einen kräftigeren Erfolg als bisher zu verschaffen, auf streng ent- 
wickelte feste Grundsätze zurückzuführen und in genau be- 
stimmten Gesetzen und Vorschriften auszudrücken. 

Es müsse vor allem versucht werden, die Gewerbefreiheit mit den not- 
wendigen Beschränkungen in Einklang zu bringen. Die erste Einteilung der 
Gewerbe sei jene in freie und eigentliche Gewerbe. Freie Gewerbe 
seien jene Beschäftigungen, welche keine Vorkenntnisse erfordern und als 
Nebenbeschäftigung betrieben werden, bei welchen also jede Einmengung des 
Staates unnötig und schädlich sei, weil sie eine zwecklose Störung der Privat- 
freiheit und eine unwirtschaftliche Erweiterung der Wirksamkeit der Behörden 
wäre. Eigentliche Gewerbe hingegen seien jene Arbeiten, welche außer 
dem Gebiete der Haus- oder Landwirtschaft liegen, einer wesentlichen Ver- 
vollkommnung fähig und zum selbständigen Erwerbe geeignet sind, weshalb 
sie höhere Interessen des Staates berühren und einer Aufsicht seitens des Staates 
zu unterziehen seien. Nur bei den eigentlichen Gewerben seien gewisse Be- 
schränkungen seitens der Staatsverwaltung notwendig. Was den Gegenstand 
des Gewerbebetriebes anbelangt sowie die Art der Manipulation, die Beschaffen- 
heit des Produktes und den Preis, so bedürfen diese Seiten keiner gesetzlichen 
Bestimmung und sind ganz frei zu lassen, „indem die Staatsverwaltung 
zu wenig Einsicht in die so verschiedenen, mit jedem Augen- 
blicke veränderlichen, partikulären Verhältnisse der Gewerbs- 
leute sowohl als des von ihnen abnehmenden Publikums kennt, 
um allgemein gültige Vorschriften zu erlassen, weil schon über- 
haupt das Beste in Ansehung der Gegenstände der Gewerbe ein 
zu relativer Begriff ist und sich nicht leicht etwas als allgemein, unter 
allen Umständen, ohne Ausnahme, für das Beste bestimmen läßt, jede gesetz- 
liche Bestimmung hierüber leicht in einzelnen Fällen schädlich werden kann 
und um so unnötiger ist, als der eigene Vorteil jeden Gewerbsmann von selbst 
bestimmen wird, die bessere Methode, wenn sie nur gehörig bekannt geworden, 
zu ergreifen und es auch durch bessere Waren seinen Mitkonkurrenten zuvor- 
zutun". Deshalb seien auch Preistaxenfixierungen und Qualitätenordnungen 
zu vermeiden. 

Manche Beschränkungen des Gewerbebetriebs seien auch aus Rücksichten 
der öffentlichen Sicherheit notwendig, so daß die Gewerbefreiheit in mancher 
Beziehung schon durch allgemeine Anordnungen eingeschränkt werden müsse. 



59 

(So bezüglich des Verkaufs von Schießpulver, der Verzinnung von Geschirr, 
der Bereitung und des Verkaufs von Arzneien u. dgl.) 

In der Wahl des Standortes dürfe nie die geringste Ein- 
schränkung der Gewerbefreiheit stattfinden. „Wie das Gewerbe an 
einem Orte bestehen kann mit Rücksicht auf die dort bestehenden Gewerbe 
und anderes, sind Fragen, welche die Staatsverwaltung schlechterdings nie 
auch nur mit einiger Richtigkeit und Verläßlichkeit zu beantworten imstande 
ist". ,,Sie läuft daher bei jeder beschränkenden Bestimmung Gefahr, der 
Gewerbsindustrie und dem Vorteile des Publikums zu nahe zu treten." Der 
Unternehmer werde, durch sein eigenes Interesse geleitet, den Standort viel 
besser wählen können und so werde sich schon von selbst die Zahl und Stellung 
der Gewerbe in das richtige Gleichgewicht bringen. Die möglichen geringen 
Nachteile dieser Freiheit würden durch die Vorteile entschieden aufgewogen, 
indem bei voller Freizügigkeit die Gewerbe am zahlreichsten verbreitet und 
die wohltätigen Wirkungen der vermehrten Konkurrenz in höchstem Maße 
eintreten würden, was einen verstärkten Wetteifer, eine Verbesserung der Pro- 
dukte und Erniedrigung der Preise zur Folge haben müßte. Beschränkungen 
in der Wahl des Standortes seien nur aus Polizeirücksichten bei 
gewissen Gattungen von Gewerben zulässig. (So z. B. Pulvermühlen, 
Schenken u. dgl.) 

Auch betreffs der Personen, welche ein Gewerbe betreiben wollen, seien 
gewisse Beschränkungen notwendig. In bezug auf die Unternehmer ist „in 
rechtlicher Beziehung eines der heiligsten natürlichen Rechte des 
Menschen jenes, mit einer selbst gewählten Arbeit sich selb- 
ständig zu ernähren, welches die Staatsverwaltung schützen muß, weshalb 
schon nach öffentlichem Rechte die Gewerbsfreiheit Regel und jede 
Einschränkung derselben Ausnahme ist, welche nur im Kollisions- 
falle mit strengen Privatrechten und dem allgemeinen Nutzen stattfinden 
darf." 

Wo Beschränkungen unumgänglich nötig seien, da müssen sie für jeden 
gleich sein. Es müsse daher jedem, der die gesetzlichen persön- 
lichen Erfordernisse besitzt, die persönliche Gewerbebefugnis 
ohneweiters zuerkannt werden. Aus diesem Grunde dürfe die 
Zahl und Vermehrung der Gewerbe nicht beschränkt werden 
und müsse der bisherige Grundsatz der Gewerbeverleihung, das erledigte 
Gewerbe dem würdigsten unter mehreren geeigneten Bewerbern zu erteilen, 
dahin erweitert werden, daß ohne Rücksicht auf eine Erledigung jedem, der 
die gesetzlichen Eigenschaften besitzt, auf sein Ansuchen eine Befugnis zu 
verleihen sei. Nur bei jenen Gewerben dürfe eine Ausnahme eintreten, deren 
Zahl aus Polizeirücksichten beschränkt sei. Die verkäuflichen und radi- 
zierten Gewerbe, die den modernen Grundsätzen nicht mehr entsprechen, 
sollten bald eingelöst und ganz abgestellt werden. 

Sonstige persönliche Bedingungen, die zu fordern seien, beziehen sich auf 
die Großjährigkeit, die nötige Vorbildung und den Besitz von genügendem 
Vermögen für den Gewerbebetrieb. Betreffs der Vorbildung wäre zu fordern 



60 

die Kenntnis des Lesens, Schreibens, Rechnens und der Religionslehre. Darüber 
hätte sich der Befugniswerber mit Zeugnissen auszuweisen oder einer Prüfung 
zu unterziehen. Außerdem hätte er sich in Ansehung der Erlernung des Ge- 
werbes mit Zeugnissen einer öffentlichen Lehranstalt oder über die praktische 
Aneignung der Kenntnisse als Hilfsarbeiter oder aber durch Ablegung eines 
Probestückes auszuweisen. Doch gebe es zu wenige theoretische Lehranstalten, 
und wenn es deren auch viele gäbe, so könnten sie niemals allgemein zugänglich 
sein. Die Beurteilung von Probestücken stoße anderseits auf viele Schwierig- 
keiten und Unzukömmlichkeiten. Es wäre daher vielleicht am besten, die 
Geschicklichkeit an der Zahl der als Hilfsarbeiter in der Profession zugebrachten 
Jahre zu beurteilen. Die Zahl dieser Jahre müßte bei jedem Gewerbe besonders 
festgesetzt werden und niemals unter zwei und auch nicht über zehn Jahre 
dauern. Außerdem könnten bei mehreren Gewerbearten auch Prüfungszeugnisse 
über theoretische Kenntnisse, eventuell, wenn nötig, auch „mit Vorsicht ein- 
geleitete" praktische Probearbeiten zur Bedingung festgesetzt werden. 

Die Festsetzung eines bestimmten Vermögens sei notwendig, um voreilige 
Unternehmungen zu verhindern, welche zu großem Selbstvertrauen und Täu- 
schungen entspringen, namentlich in der Zeit des Überganges zur vollständigen 
Gewerbefreiheit. Der notwendige „Fund" müsse für jede Gewerbegattung 
nach ihrer Natur und ihrem Standorte näher bestimmt werden. 

Die uneheliche oder ausländische Geburt, die Nationalität und auch die 
Religion, insoferne letztere nur eine der tolerierten ist, dürfe kein Hindernis 
zum selbständigen Gewerbebetriebe sein. Bei gewissen Gewerben müsse aber 
wohl die Geschicklichkeit und Moralität berücksichtigt werden, weil sonst 
gefährliche Folgen für die öffentliche Sicherheit eintreten könnten. (Z. B. bei 
Wundärzten, Apothekern, Bau- und Zimmermeistern, Wirten u. dgl.) 

Die persönlichen Verhältnisse der Hilfsarbeiter bei Gewerben 
sollten ebenfalls nicht ganz dem natürlichen freien Gange des 
bloßen Privatübereinkommens zwischen ihnen und den Unter- 
nehmern überlassen werden, sondern müßten einer näheren 
Aufsicht und Leitung der Staatsverwaltung unterzogen werden. 
Man müsse dabei zwischen dem Lehrvertrag und dem Arbeitsvertrage unter- 
scheiden. Der Lehrvertrag müsse auf längere Zeit geschlossen werden, damit 
die Lehre vollständig und der Lehrherr entschädigt werde für die Lehre und 
für das anfängliche Mißverhältnis der Arbeit, Der Arbeitsvertrag hingegen 
könne unbestimmt auf längere oder kürzere Zeit eingegangen und der Lohn 
dabei nach der bloßen Zeit oder nach der Menge der geleisteten Arbeit bedungen 
werden. Die Arbeitsverträge seien eine Art von Dienstverträgen und 
wären somit der Gesindeordnung zu unterwerfen. Es müßte aber 
die Gesindeordnung für die Anwendung auf diese Verträge modifiziert werden, 
da sie über die Dienstverträge hinausgehen. Diese analog mit der allgemeinen 
Gesindeordnung zu entwerfende ,, Gewerbsgesinde- oder Gewerbs- 
gehülfenordnung" müßte dann noch für einzelne Gewerbearten nach ihrer 
eigenen Natur einige besondere Modifikationen erhalten. 

Eine große Last für die Industrie sei ferner die Wehrpflicht, besonders 



61 

bei Gewerben, welche eine ordentliche Schulung der Arbeiter erfordern oder 
wenn der Unternehmer zum Militär rücken muß und so die ganze Unternehmung 
ins Stocken gerät. Es dürften daher die unentbehrlichsten selbständigen Unter- 
nehmer und die unentbehrlichen Hilfsarbeiter von der Militärstellung ausge- 
nommen bleiben. Da aber bei der Liberalität der Gewerbeverleihungen dabei 
Mißbrauche sehr leicht eintreten könnten, so sollte die Militärbefreiung ent- 
weder bloß auf die bedeutendsten selbständigen Gewerbeunternehmungen 
beschränkt werden oder aber bei Verleihung der Gewerbe darauf geschaut 
werden, daß der Befugniswerber zur Militärpflicht untauglich sei oder aber 
dieselbe erfüllt habe. 

Was die Zünfte betrifft, so meinte die Regierung, sie seien, im allge- 
meinen betrachtet, als gesellschaftliche Vereinigungen gleichartiger Gewerbe- 
unternehmer zur Förderung ihrer gemeinschaftlichen Erwerbsangelegenheiten 
eine noch gar nicht verwerfliche, sondern zweifellos sehr nützliche Einrichtung. 
Sie können in vielen Beziehungen nützlich werden, indem durch ihre Vermitt- 
lung Maßnahmen der Staatsverwaltung viel schneller und verläßlicher durch- 
geführt werden können. 

Sie können auch fiü- mehreres Vorsorge treffen, wofür der einzelne nicht 
fähig sei, so die Errichtung größerer Maschinen, die gemeinschaftlich benützt 
werden, Errichtung von Fonds für Witwen, Waisen und Kranke u. dgl. ,,Die 
Zünfte sind daher unstreitig in allen diesen Beziehungen, indem sie der 
Staatsverwaltung die Einsicht in die Gewerbsverhältnisse, die Aufsicht über 
die Beobachtung der Gesetze und die Vollstreckung der wichtigsten Anord- 
nungen so wesentlich erleichtern und manche willkommene, freiwillige Privat- 
anstalt entstehen machen und aufrecht halten, eine sehr nützliche 
Polizeianstalt." Deshalb seien sie nicht ganz abzuschaffen, sondern es 
sollte sogar nach der Meinung der Regierung die Errichtung neuer Zünfte bei 
Gewerben, die bis dahin nur isoliert bestanden, auf ihr Verlangen nicht versagt 
werden. „Das eigentlich Schädliche der Zünfte besteht nur in dem auf Ge- 
schlossenheit hinarbeitenden, aller Liberalität widerstrebenden Monopolgeiste 
derselben und dem Einflüsse, den dieser Geist auf das Verfahren der Behörden 
gewinnt." Die Tendenz der Zünfte äußere sich nach zwei Richtungen hin: 
1. durch direkte Mittel, indem sie sich Privilegien und Ansprüche auf eine 
besondere Begünstigung von selten des Staates anmaßen und in mündlichen 
und schriftlichen Vorstellungen bei den Behörden gegen Gewerbeverleihungen 
eifern; 2. durch indirekte Mittel, indem sie die Neuverleihungen dadurch zu ver- 
eiteln suchen, daß sie den Personen, die sich darum bewerben, tausend Schwierig- 
keiten und Hindernisse in der Ausweisung der erforderlichen Eigenschaften 
zur Erlangung der Befugnis in den Weg legen. Vielfach würden die Be- 
hörden zum Eingehen auf ihre Wünsche dadurch bewogen, daß 
sie mehrere alte Gesetze und Verordnungen befolgen, die noch 
von Zunftgeist erfüllt sind und die Vermehrung der Gewerbe 
verbieten, während in neueren Verordnungen nur allgemeine 
Empfehlungen der Liberalität, aber keine bestimmten Anord- 
nungen über das Verfahren enthalten seien. „So wird denn 



62 

beinahe über jede Gewerbeverleihung ein Prozeß durch vier 
Instanzen geführt, wo dieselben Deduktionen der Zünfte und 
der mit ihnen einverstandenen Behörden über die Widerrecht- 
lichkeit und Schädlichkeit der Gewerbevermehrung und die- 
selben Widerlegungen aus liberalen Grundsätzen von selten der 
erleuchteten Behörden unzählige Male wiederholt und die Akten 
der Registraturen zu ungeheuren Convoluten aufgehäuft werden, 
während die durch diese Verhandlungen von neuen Gewerbs- 
unternehmungen zurückgehaltenen Hände eine für den Staat 
weit gemeinnützigere Arbeit geliefert hätten." Daher könne man 
sich auch für die Beibehaltung des Zunftwesens in seiner bisherigen Gestalt 
nicht erklären. 

Es wäre also 1. der Hauptgrundsatz der Liberalität zum Gesetze 
zu erheben und allen Behörden zur strengen Richtschnur ihres Benehmens 
vorzuschreiben, daß bei Erteilung neuer Gewerbebefugnisse auf die Zahl der 
Gewerbe oder vorhandenen Erledigungen keine Rücksicht zu nehmen, sondern 
einzig nur zu erwägen sei, ob der Bittsteller die zum Gewerbebetriebe erforder- 
lichen Eigenschaften habe. Die Zünfte sollen über die Zulässigkeit von Ver- 
leihungen weder befragt werden, noch ihnen gegen dieselben das Rekursrecht 
zustehen. 

2. Ebenso müßten die persönlichen Erfordernisse zur Er- 
langung einer Gewerbebefugnis genau bestimmt und allen Behör- 
den zur Darnachachtung vorgeschrieben werden. Die Zünfte hätten 
dabei nur über die Eigenschaften der Bittwerber und auch darüber nur in- 
soweit es die Behörde notwendig findet, sie zu vernehmen, nähere Aufklä- 
rungen zu erteilen. So könnte man die Zünfte zur Äußerung über die Echtheit 
der Zeugnisse, Kundschaften und Lehrbriefe u. dgl. auffordern. 

Außerdem wäre 1. ein Schema zu entwerfen, welche Gewerbearten als 
freie Beschäftigungen zu gelten haben und welche als Gewerbe. 2. Eine all- 
gemeine Polizeiordnung für Hilfsarbeiter bei den Gewerben zu erlassen, welche 
sowohl für zünftige als auch für unzünftige Beschäftigungen zu gelten und nur 
in einigen Nebenbestimmungen, je nach der Natur einzelner Gewerbe, besondere 
Modifikationen aufzuweisen hätte. 3. Die Militärexemptionen für die in gewerb- 
lichen Unternehmungen Beschäftigten sollten neu bestimmt werden. 4. Sollte 
ein neues Gewerbesteuersystem ausgearbeitet werden, was auch schon im Zuge 
sei. 5. Sollte eine Hauptnorm über die Organisierung der Zünfte erlassen werden. 

Die Mehrheit der Stimmen der niederösterreichischen Regierung war mit 
den Anträgen des Referenten einverstanden, mit der Einschränkung, daß sich 
dieselben einstweilen nur auf Kommerzialgewerbe zu erstrecken hätten, weil 
die bisherigen Verordnungen, welche Liberalität anordneten, sich nur auf die 
Kommerzial- und nicht auf die Polizeigewerbe bezogen hätten und weil bei den 
letzteren eine unbeschränkte Gewerbevermelirung gefährlich werden könnte. 
Auf diese könnten diese Anordnungen erst dann ausgedehnt werden, wenn sie 
sich bei den Kommerzialgewerben bewährt hätten. 

Diese Ausführungen der niederösterreichischen Regierung bildeten die 



63 

Gnindlage der Beratung für die übrigen Länderstellen, welche, wie oben erwähnt , 
unter dem 22. Dezember 1812 diesen Bericht zugestellt erhielten, mit der Auf- 
forderung, sich darüber ausführlich zu äußern. Bis Juni 1816 hatten sich die 
übrigen Länderstellen mit Ausnahme der innerösterreichischen auch schon 
geäußert^). 

Mit dem Inslebentreten der durch Kabinettschreiben vom 11. Juli 1816 
zur Regulierung der Kommerzangelegenheiten berufenen Kommerzhofkom- 
mission, zu deren Aufgabe auch die Reorganisierung der gesamten Gewerbe - 
Verfassung gehörte, fand dieser interessante Anlauf zu einer allgemeinen Gewerbe - 
reform vorläufig seinen Abschluß. 

Wegen des gegenüber dem Auslande bestehenden absoluten Prohibitiv- Fabriken 
Systems blieb der Schleichhandel der einzige Weg zur Hereinbringung fremder, ^^ ^^^ 
außer Handel gesetzter Waren. Die mangelhafte Absperrung der Grenzen 
begünstigte ihn und vollends war es während der Kriegszeiten nicht möglich 
gewesen, Grenzwachmannschaften in ausreichender Zahl zu verwenden^). 
Die Errichtung von Fabriken oder Niederlagen an der Grenze konnte zum 
Schleichhandel mißbraucht werden und zu diesem Zweck auch nur zum Schein 
erfolgen. Infolgedessen sah sich die Staatsverwaltung gezwungen, die Errich- 
tung von Fabriken und gewerblichen Unternehmungen an der Grenze Be- 
schränkungen zu unterziehen, damit das im Interesse der Industrie gehandhabte 
Prohibitivsystem nicht illusorisch gemacht werde. Durch Hofdekret vom 
8. Oktober 1801 wurde angeordnet, daß in der Entfernung einer Meile von der 
Grenze neue Unternehmungen in solchen Artikeln, welche dem Schleichhandel 
unterliegen und in welchen dem Auslande die Konkurrenz noch nicht abge- 
wonnen sei, nicht gestattet werden sollen^). Auch wurde erwogen, ob es nicht 
angezeigt wäre, die innerhalb dieses Gebietes schon befindlichen Unternehmungen 
zu entfernen. Zu diesem Zwecke wurde eine eigene Kommission aufgestellt, 
welche aber bei näherer Erwägung bald einsah, daß die Versetzung Nachteile 
mit sich bringen würde, welche größer wären als das Übel, dem man abhelfen 
wollte*). 

Die Periode von 1798 bis 1816 war in der österreichischen Industriepolitik 
trotz der schweren Zeiten keine sterile. Abgesehen von den nicht aus Feind- 
schaft gegenüber der Industrie angeordneten vorübergehenden Beschränkungen 
der Gewerbe in Wien, machte in dieser Periode die allmähliche Ausbildung und 
Durchsetzung der Prinzipien der Gewerbefreiheit doch einige Schritte nach 
vorwärts. 



1) H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 63/1, Nr. 73 ex dec. 1812; Kom. Kam. Fasz. 29, Nr. 61 ex 
junio 1816. Der Bericht der niederösterreichischen Regierung liegt in vollständiger Abschrift 
vor, die der anderen Länderstellen sind unauffindbar. Vgl. auch H. K. A. Kom. Kommission, 
Fasz. 33, Nr. 68 ex oct. 1817. — «) Vgl. Staatsrat 1795, Nr. 1148: „Es wird der Schleich- 
handel in einer so ausgebreiteten Monarchie nie ganz vermieden werden, besonders in einem 
Zeitpunkte, wo der Kordon sehr geschwächt ist und die Neueinrichtung desselben während 
des Kiieges nicht wohl statthaben könnte." — ') Statth. A. Prag, 1816—1825, Kom. Fasz. 1, 
subn. 1, 1820, Febr. 9; Barth, a. a. 0., II, 455. — *) H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 63/1, Nr. 35 
ox apr. 1804 (Vortrag vom 3. März 1802). 



64 

Diese Periode umfaßte von äußeren Ereignissen die Zeiträume des zweiten 
(1798 — 1801) und des dritten Koalitionskrieges (1805), welch letzterer für Öster- 
reich, neben den gewaltigen wirtschaftlichen Schäden infolge der feindlichen 
Invasion, durch den Preßburger Frieden den Verlust von Vorderösterreich, 
Tirol und des Venezianischen bedeutete; weiters den Krieg von 1809 (Aspern, 
Wagram), welcher die Heimsuchung eines großen Teiles der Monarchie durch 
feindliche Truppen und im Frieden von Wien die Abtretung von Tirol, Salzburg, 
eines Teiles von Galizien und des ganzen Küstengebietes zur Folge hatte. Das 
Jahr 1812 brachte die erzwungene Beteiligung Österreichs am Zuge der großen 
Armee gegen Rußland, das Jahr 1813 die blutigen Kämpfe im Norden, welche 
den industriereichen Gebieten Nordböhmens ungeheuren Schaden zufügten 
und in der befreienden Schlacht bei Leipzig ihr Ende fanden. 1814 folgte der 
Marsch der Verbündeten bis Paris, darauf der glänzende Wiener Kongreß 
(September 1814 bis Juni 1815), endlich nach abermaligen Kämpfen der zweite 
Pariser Frieden vom 20. November 1815. 

Von für Österreich bedeutungsvollen wirtschaftlichen Ereignissen fallen in 
diese Periode die Kontinentalsperre (1806 — 1814) und die Finanzkrise von 1811. 
Kontinental- Die Kontinentalsperre hatte auf die verschiedenen Zweige der Industrie 
sperre, gjj^g verschiedene Wirkung. Jene Industriezweige, für welche die englische 
Industrie bis dahin nicht nur bei ihrem Export ein unüberwindliches Hindernis 
war, sondern denen sie durch den Schleichhandel selbst im Inlande starken 
Schaden zufügte, atmeten in dieser Zeit erleichtert auf und nahmen einen schönen 
Aufschwung. So namentlich die Baum- und die Schafwollindustrie^). Auf 
andere Industriezweige, wie die Glas- und Leinenindustrie, die auch auf den 
Export angewiesen waren, hatte die Kontinentalsperre zusammen mit den fort- 
währenden Kriegen einen ungünstigen Einfluß 2). Anderseits hatte aber die 
Absperrung des Festlandes und die dadurch bedingte Unmöglichkeit der Einfuhr 
von Kolonialprodukten die Entstehung eines, allerdings nach ihrer Aufhebung 
wieder eingegangenen, neuen Industriezweiges in Österreich zur Folge gehabt: 
der Zuckererzeugung aus inländischen Stoffen*). 
Finanz- Die günstigen Wirkungen der Abhaltung der englischen und französischen 

patent von Konkurrenz wurden aber größtenteils durch die Schäden des Finanzkrachs von 
1811 paralysiert*), dessen Folgen sich noch mehrere Jahre darnach geltend 
machten. Der schwankende Geldkurs, der seinerseits zur Agiotage und ge- 
steigerter Spekulation Anlaß gab, die schweren Lasten, die das Volk persönlich 
und finanziell zu tragen hatte, die feindlichen Einfälle, die durch die Kriegs- 
operationen und öfteren Abtretungen von Gebietsteilen verursachten viel- 
fachen Stockungen im Absatz untergruben den Kredit und schädigten dadurch 
auch die Produktion und den Handel in hohem Maße. Als weitere Folge der 
Finanzkrise stellte sich eine enorme Teuerung der Lebensmittel, der Miete und 
der Löhne ein. In einigen Industriezweigen, welche von der Stockung ergriffen 
worden waren, waren zahlreiche Arbeiterentlassungen an der Tagesordnung, 

Vgl. unt n S. 269, 281, 290 ff., 319, S28. — ') Vgl. unten S. 368, 372, 377, 521, 524. 
— ä) Vgl. unten S. 578 ff. — *) Vgl. darüber: P. Stiassny, Der österreichische Staatsbankerott 
von 1811. 



65 

in anderen herrschte drückender ArbeitermangeP). Zu all dem kam noch nach 
dem Frieden das Wiedereintreten der mit der vollen Wucht der aufgespeicherten 
Vorräte sich geltend machenden englischen Konkurrenz^). 

Die Einführung der neuen Erwerbsteuer durch Patent vom 31. Dezember Erwerb- 
1812 bedeutete auch eine schwere Belastung der damals so bedrängten Industrie^), steuerpatent 

Trotz der unaufhörlichen Kriege lieferte das Konskriptionssystem von 1804 suBez. 
auch den Beweis, daß die Gesetzgebung bemüht war, der Industrie jene Begünsti- isis. 
gungen zuzuwenden, welche mit den gerade in jenen kriegerischen Zeiten hoch- j^jut^r- 
gespannten Anforderungen der Vaterlandsverteidigung in Einklang gebracht begünsti- 
werden konnten. Nach dem Konskriptionspatent vom 25. Oktober 1804 sungen. 
waren Großhändler sowie jene, welche in Städten und Märkten mit einem 
„regulierten" Magistrat ein bürgerliches Gewerbe und das Bürger- und Meisterrecht 
besaßen, von der Militärstellung befreit. Selbst die Professionisten auf dem Lande 
sollten zu dieser Kategorie gezählt werden, wenn ihr Handwerk die Haupt-, der 
Landbau bloß eine Nebenbeschäftigung ausmachte. Schutz- und fabriksmäßig 
Befugte waren dagegen von der Militärstellung nicht frei, wenn sie sich nicht 
loskauften. Bei Privatfabriken und Manufakturen gehörten nur die Direktoren, 
„Kontrolleurs" und Buchhalter und bei den Fabriken überhaupt nur die- 
jenigen, deren Kenntnisse schwer zu ersetzen sind, als ,,Koloristen, Sekre- 
tisten" u. dgl. in die Rubrik der zeitlich Befreiten. Ebenso die ersten Werk- 
führer und vorzüglichsten Arbeiter beim Bergbau, bei Salz-, Salpeter-, Pulver-, 
Hammer- und Eisenwerken. Wegen dieser nur beschränkten, zeitlichen Be- 
freiungen bestimmte § 40, daß alle Gattungen von Industrieunternehmungen 
sich soviel als möglich mit solchen arbeitsfähigen Menschen versehen sollen, 
die zum Militärdienst untauglich seien*). 

In diese Periode der Kriege und Krisen fällt die Einführung vieler wichtiger 
Maschinen, somit der erste Anfang einer modernen Großindustrie in Öster- 
reich. So die der Spinnmaschinen, des Schnellschützen und mehrerer Ver- 
besserungen in der Textildruckerei^). Gerade der Einführung von technischen 
Verbesserungen standen die mißlichen Kreditverhältnisse am meisten im Wege, 
so daß nur die kapitalskräftigen Unternehmer diesen Weg beschreiten konnten 
und sich so die Verallgemeinerung der technischen Fortschritte ungemein ver- 
zögern mußte. 

Die Staatsvenvaltung suchte dabei nach Möglichkeit zu helfen, begünstigte 
die Einführung und Verbreitung von Maschinen®), förderte die Fabrikanten und 
Gewerbetreibenden durch liberale Auslegung der ihre Verschleiß- und Nieder- 
lagsrechte regelnden Gesetze') und durch möglichste Müderung von noch be- 
stehenden Beschränkungen, regelte, um zu neuen Erfindungen anzueifern, 
das Privilegienwesen®) und suchte durch Belehrungen, Unterstützungen und 
Auszeichnungen den Gewerbeflciß zu heben und durch Verbreitung technischer 

1) Vgl. unten S. 271 ff., 281, 292, 319, 328 ff. — ") Vgl. unten S. 271 ff., 319. — ") Vgl. S. 129; 
Näheres über die Besteuerung der Gewerbe bei Kopetz, a. a. 0., II, 181 ff. — *) Kopetz, 
a. a. 0., II, 25; Barth, a. a. 0., II, 387; Pol. Ges. Samml.; H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz.63/1, 
Nr. 43 ex mart. 1805. — <*) Vgl. unten S. 178 ff. — «) Vgl. unten S. 177 ff. — ') Vgl. unten 
S. 142 ff. — «) Vgl. unten S. 252 f. 

Slokar, Geschichte der österr. Industrie. 5 



. 66 

Bildung befruchtend zu wirken^). Zur Erweiterung des Absatzes sollte auch 
das 1807 vom Kaiser errichtete Fabriksproduktenmusterkabinett das Seinige 
beitragen^). Hervorragenden und verdienstvollen Industriellen wurde der 
Adelsstand verliehen, „da es im Interesse der Staatsverwaltung selbst liegt, 
solche Verdienste nicht unbelohnt zu übergehen"^). 

Trotz aller dieser Maßnahmen überwogen die Wirkungen der politischen 
und wirtschaftlichen Krisen, so daß der Übergang von dieser Periode zur näch- 
sten, welcher es vorbehalten blieb, die blutenden Wunden zu heilen, für die 
Monarchie eine Zeit allgemeiner wirtschaftlicher Depression war, welche erst 
nach langer Zeit und nur allmählich wieder behoben werden konnte. 

III. Kapitel. 
Die allgemeine Industriepolitik von 1816 bis 1830. 

Behörden. In der Behördenorganisation traten in dieser Periode keine wesentlichen 
Änderungen ein. Bemerkenswert ist nur, daß die Kommerzhofkommission 
während ihres kurzen Bestandes (1816 — 1824) für fast alle Gewerbeangelegen- 
heiten die oberste Instanz darstellte, so daß die Hofkammer in kommerziellen 
Angelegenheiten während dieser Zeit fast ganz ausgeschaltet blieb. Die Trennung 
der obersten Leitung in Gewerbeangelegenheiten zwischen der Kommerz- und 
der politischen Hofstelle, je nachdem es sich um Kommerzial- oder Polizei- 
gewerbe handelte, blieb auch während dieser Periode aufrecht. Im Jahre 1819 
wurde die Wiener Stadthauptmannschaft, 1825 die Fabrikeninspektion in 
Wien und der Kommerzienrat in Prag aufgehoben*), 
Portdauer Die Nachwirkungen der schweren politischen und wirtschaftlichen Krisen 

der Wirt- ^jgj. früheren Periode machten sich noch stark geltend, die Produktion wurde 

SClläft Hell 611 

Depression, eingeschränkt, Arbeiterentlassungen waren an der Tagesordnung, die Not bei 
Unternehmern und Arbeitern war sehr groß. Man trachtete das Drückende 
der Lage möglichst zu mildern, was allerdings bei den zerrütteten Staatsfinanzen 
nicht leicht möglich war. Dennoch wurde manches getan, in Böhmen sogar 
eine staatliche Leineneinkaufsanstalt ins Leben gerufen, um dem Elend der 
dortigen Spinner und Weber abzuhelfen^). Unter den Wiener Seidenzeug- 
machern herrschte auch schwere Not und die Regierung erwog, wie ihnen 
Unterstützung zuteil werden sollte. Durch Geldunterstützungen konnte dem 
Übel auf die Dauer nicht abgeholfen werden, da die Ursachen viel tiefere waren, 
die nur durch großzügige gewerbepolitische Maßnahmen beseitigt werden 
konnten*). 

Allgemeine Sclbst großc, kapitalkräftige Fabriken begannen zu wanken und be- 
Kiagen. stürmten die Staatsverwaltung und den Kaiser mit Klagen über den Verfall 



1) Vgl. unten S. 157 ff. — ^) Vgl. unten S. 228 ff. — ») So vvwde der Adelsstand verliehen 1815 
dem Baumwollfabrikanten Fridolin Jenny, 1816 dem um die Industrie verdienten Großhändler 
Chr. H. Coith (H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 9, Nr. 37 ex jan. 1815, Nr. 39 ex mart. 1816). 
— *) Kopetz, a. a. 0., II, 448, Über die Fabrikeninspektion vgl. unten S. 103 f. — *) Vgl. 
unten S. 368 f. — *) Statth. A. Wien, 1817, A. 30 Nr. 8087. 



67 

ihrer Unternehmungen und Vorschlägen zur Abhilfe. So erhoben Vorstellungen 
die niederösterreichischen Spinnfabriksinhaber, die Baum- und Schafwoll- 
warenfabrikanten, die bürgerlichen Weber und Seidenzeugmacher, dann die 
Webermeister und Wollspinner an der böhmischen Grenze, endlich die böhmi- 
schen Landesfabriken. Unter den böhmischen Landesfabrikanten, welche 
ihre Klagen vorbrachten, befanden sich auch die leistungsfähigsten und kapital- 
kräftigsten Unternehmer, wie Leitenberger, Graf Kinsky, Fürst Auersperg, 
Anton Eichter u. a. m. In der von diesen und zahlreichen anderen Fabrikanten 
unterzeichneten Eingabe schildern sie, wie wohlhabende Leute verarmen, den 
Betrieb nicht fortsetzen und die Erwerbsteuer nicht entrichten können, wie 
geschickte und fleißige Arbeiter auswandern müssen und das Gewerbe dem 
Verfalle entgegengehe. Besonderes Interesse gewinnen diese Beschwerden 
dadurch, daß auch große Fabrikanten den Grundsatz der freien Konkurrenz 
als schädlich hinstellen. Es ist ein deutliches Zeugnis der schweren Not, in der 
sich die Industrie befand, daß sich große Fabrikanten, welche unabhängig von 
der Zunftverfassung, ja im Gegensatz zu den zünftigen Gewerben empor- 
gekommen waren, bewogen fanden, gegen die Gewerbefreiheit aufzutreten. 
„Wir wollen nicht die Vorteile einer dem jedesmaligen Zustande der Nation 
angemessenen Ausdehnung der Gewerbe bestreiten, aber wir müssen doch gegen 
die rücksichtslosen Verteidiger des Konkurrenzsystenis bemerken, wie eine 
unbedingte Konkurrenz weder mit einem der Hauptzwecke des Staates (die 
Sicherheit seiner Bürger zu schützen) vereinbar sei, noch insbesondere unserer 
Staatsverfassung entspreche." Durch stillschweigende Auflösung der bisher 
bestandenen Verbindung zwischen Unternehmern und Gehilfen sei ein die 
öffentliche Sittlichkeit förderndes Verhältnis zerstört worden. Es seien von 
den Behörden Meisterrechte und Gewerbebefugnisse ohne strengen Nachweis 
der Geschicklichkeit und des nötigen Betriebskapitals verliehen worden, ohne 
Rücksicht, ob die Möglichkeit eines Auskommens an bestimmten Orten vor- 
handen sei, ob nicht nachteilige Wirkungen folgen würden. So hätten vielfach 
leichtsinnige und sorglose Menschen ohne Kenntnisse, mit unzureichenden 
Unternehmungsfonds Fabriken übernommen, durch allmähliche, nicht so leicht 
merkbare Verschlechterungen der Waren die Konsumenten hintergangen und 
so das Gewerbe in Mißkredit gebracht und geschädigt. Dabei scheinen die 
Fabrikanten nicht gewußt zu haben, daß gerade die obersten Kommerzbehörden, 
in der Überzeugung, den Fabriken dadurch zu nützen, die eifrigsten Verfechter 
der Gewerbefreiheit waren und die Einhaltung dieser Grundsätze den Unter- 
behörden immer wieder einschärften. 

Die eigentliche Ursache des wirtschaftlichen Stillstandes war die bis 1811, 
begünstigt durch das viele Papiergeld, herrschende Hochkonjunktur mit starker 
Gründungstätigkeit und Produktion, auf welche dann einerseits die Finanz- 
krise von 1811, anderseits die Aufhebung der Kontinentalsperre mit desto 
schrecklicheren Wirkungen folgten. 

Zum Beweise, wie sehr das Gewerbe in Mißkredit gekommen sei, führen 
die böhmischen Fabrikanten an, man höre häufig, nicht vom Pöbel, sondern 
von gebildeten Menschen, ja sogar von Regierungsbeamten die Äußerung: 

5* 



68 

„Österreich sei ein ackerbauender Staat und bedürfe keiner Fabriken, sie 
würden ihm vielmehr lästig"^), und suchen mit dem Hinweis auf den Nutzen der 
Fabriken für die Steuerkraft und die Unabhängigkeit vom Auslande diese 
Behauptungen zu entkräften. 

Der Spekulationsgeist nahm immer mehr zu, die Gewerbesteuer wirkte 
drückend, der Schleichhandel wurde überaus schwunghaft betrieben, fremde 
Staaten, namentlich Rußland, sperrten sich ab, was einer Unterbindung wichtiger 
Exportmöglichkeiten gleichkam, wegen schlechter Ernten stiegen die Lebens- 
mittelpreise außerordentlich und im Gefolge davon auch die Arbeitslöhne. 
Durch alle diese Verhältnisse war auch die Konsumkraft der Bevölkerung so 
sehr geschwächt, daß nur für unbedingt notwendige Artikel noch einige Absatz- 
möglichkeit vorhanden war. 

Zur Abhilfe gegen diese Notlage schlugen die Fabrikanten vor, der Kaiser 
möge eine Kommission bestellen, zu welcher auch Deputierte der verschiedenen 
Baumwollfabriken zugezogen werden sollten, um ihre Ansichten und Wünsche 
ausführlich vortragen und darüber die nötigen Auskünfte geben zu können. 
Ihre Wünsche gingen dahin, die Regierung solle vor allem mit Verleihungen 
von Meisterrechten sowie Gewerbe- und Fabriksbefugnissen in einigen bereits 
übersetzten Zweigen der Baumwollindustrie auf mehrere Jahre innehalten 
und bei künftigen Verleihungen auf genügendes Unternehmungskapital und 
Redlichkeit beim Unternehmer, auf erprobte Kenntnisse und Erfahrung bei 
Direktoren von Unternehmungen schauen. Außerdem möge der Verkauf der 
Fabriken samt der Berechtigung erlaubt, somit die Befugnis zu einer nicht 
persönlichen gemacht werden. Zum Schutze der gewerblichen Muster sollen 
gesetzliche Normen erlassen werden^); der Landbau solle von allen Hinder- 
nissen befreit werden, damit die Vermehrung seiner Erzeugnisse mit der Zu- 
nahme der Bevölkerung gleichen Schritt halten könne. Übrigens sei die 
Teuerung der Lebensmittel nicht nur der schlechten Ernte, sondern auch dem 
Wucher zuzuschreiben. Bezüglich der auswärtigen Handelspolitik sollen die 
Rohstoffe und unentbehrlichen Hilfsstoffe mit einem geringeren Zolle belegt, 
die wiedererworbenen italienischen Provinzen in das prohibitive Zollgebiet 
einbezogen, für inländische Waren aber ganz geöffnet werden und zur Mit- 
wirkung bei der Bekämpfung des Schleichhandels sollen die Fabrikanten selbst 
herangezogen werden. 

Ebenso suchten auch die anderen Fabrikanten und Gewerbeklassen um 
Beschränkung der Befugnisverleihungen an^). 

Diese Zustände und ähnliche Erwägungen spiegeln sich auch in einer 
damals erschienenen Schrift wider, in welcher die Verhältnisse vielfach treffend 
geschildert werden und der Verfasser die Notwendigkeit und Nützlichkeit der 
Industrie gegen alle Anwürfe zu verteidigen und zu beweisen sucht*). Die 



^) Daß es solche Beamte gab, wenn auch glücklicherweise recht wenige, vgl. oben 
S. 25 f. — ^) Vgl. darüber unten S. 255. — ") H. K. A. Kern. Praes. 1818, Nr. 614, Staats- 
rat 1816, Nr. 9860. — *) Töpfer, Betrachtungen über die Frage: Sind die Fabriken nützlich? 
Wien 1817. 



69 

Kriegsjahre, das Kontinentalsystem und dessen spätere Aufhebung und die 
übrigen widrigen Umstände „brachten einen Zustand hervor, in welchem es 
dem geübtesten Kaikulanten unmöglich ward, eine nur wahrscheinliche Rech- 
rung zu machen"!). „Tausende von Familien betteln, Tausende sind um einen 
großen Teil ihres Fonds gekommen; überläßt man die Krankheit in diesem 
kritischen Moment der Natur, so ist die Verbreitung des Übels unvermeidlich 
und ohne Grenzen. Der Untergang so vieler Fabriken hat auch auf manche 
Geldbesitzer gewirkt, neben der Stockung des Warenabsatzes ist auch der 
Geldmangel eingetreten und die Furcht vor dem Verluste seiner Kapitalien 
schreckt den noch Wohlhabenden von jeder Unterstützung zurück. Bald, sehr 
bald, dürfte jede Hilfe zu spät werden. Der Einsturz morscher Gebäude geschieht 
nicht allmählich, wie ihr Bau. Vergeblich dürfte Österreich um den Verlust seiner 
Industrie in Kürze die Hände ringen"^). 

Die Zeiten hatten sich geändert. Alle diese Klagen fanden wohl die richtige 
Beurteilung, aber gegenwärtig waren die Behörden weit davon entfernt, sich, 
wie zur Zeit der Thronbesteigung Leopolds H., von solchen vielfach reaktio- 
nären Wünschen beeinflussen zu lassen. Die Staatsverwaltung wußte, daß 
durch einzelne Maßnahmen der darniederliegenden Industrie nicht geholfen 
werden konnte, sondern daß durchgreifende Reformen erforderlich waren. 
Die ersten Anläufe dazu waren schon getan und nun galt es, diese Anfänge Errichtung 
systematisch fort und zu einem gedeihlichen Ende zu führen. Dieser Erwägung ^" 
entsprang die durch Kabinettschreiben vom 11. Juli 1816 erfolgte Einsetzung hoikommis- 
der Kommerzhofkommission, zu deren Wirkungskreis durch Entschließung sion. 
vom 11. September 1816 alle Kommerzangelegenheiten zugewiesen wurden, 
damit sie sich besonders mit Vorschlägen zu Reformen und Verbesserungen 
auf dem Gebiete des Gewerbewesens, zur Regulierung desselben, befasse. Die 
gesamte Gewerbe- und Handelspolitik und oberste Verwaltung lagen so in den 
Jahren von 1816 bis 1824 in den Händen dieser im letztgenannten Jahre wieder 
aufgehobenen Kommission. Zu ihrem Wirkungskreise gehörten: Handels- 
verträge, Konsularwesen, Merkantil- und IndustrialtabeUen (gewerbliche 
Statistik), Zollwesen, Seeschiffahrtspolizei, Merkantil- und Wechselgerichts- 
angelegenheiten, Fondsbestimmungen und -ausweisungen, ProtokoUierungen 
der Firmen und Gesellschaftsverträge, Einziehung der Befugnisse in Konkurs- 
fäUen u. dgl. Weiters die Einführung neuer ausländischer Industriezweige 
sowie neuer ausgezeichneter Fabriksunternehmungen und technischer oder 
chemischer Erfindungen, Verleihung ausschließender Privilegien, Unterstützung 
einzelner Fabriken und Gewerbe; außerdem die Kommerzialwarenstempelung, 
die Fabrikeninspektion, das polytechnische Institut und die Akademie der 
bildenden Künste, letztere zwei soweit sie mit dem Gewerbewesen zusammen- 
hingen; sodann die gewöhnliche Fabriks- und Kommerzialgewerbeleitung und 
die Bewilligung zur Errichtung von Zuckerraffinerien. Außerdem war sie die 
oberste Instanz in allen Gewerbeangelegenheiten (abgesehen von den Polizei- 
gewerben) und an sie waren alle diesbezüglichen Berichte einzusenden. Der 



^) Töpfer, a. a. 0. 13. — ') Töpfer, a. a. 0. 31 ff. 



70 

Hofkammer verblieben nur die Zollmanipulationsgegenstände und die Ange- 
legenheiten, die sich auf die Exekutive des Zollwesens bezogen. 

Eine Regulierung des Gewerbewesens war schon deshalb notwendig, weil 
am Ende der Kriegsperiode große Gebiete teils neu, teils wiedergewonnen 
wurden, Gebiete, welche vielfach, wie namentlich das lombardisch-venezianische 
Königreich auf dem Gebiete des Gewerbewesens ganz andere Grundsätze auf- 
wiesen als die altösterreichischen Provinzen. Eine Vereinheitlichung war dringend 
geboten. Daher wurde die Kommerzhofkommission auch angewiesen, bei ihren 
Vorschlägen zu Verbesserungen auf dem Gebiete des Gewerbewesens auf die 
Verhältnisse und das Interesse der einzelnen Länder und der Gesamtmonarchie 
(somit auch Ungarns und Oberitaliens) Rücksicht zu nehmen. Die Kommission 
war zu diesem Zweck ermächtigt, im Erforderungsfalle Handelsleute und 
Fabrikanten von den bedeutenden Handels- und Fabriksplätzen der Monarchie 
zu vernehmen, um ihre Ansichten, Wünsche und Vorschläge über die zur Be- 
lebung des Handels und der Industrie erforderlichen Maßnahmen kennen zu 
lernen. Zum Präsidenten der Kommerzhofkommission wurde Ritter von Stahl 
ernannt^). 

Abweisung Zunächst hatte sich die Kommission mit den zahlreichen Vorstellungen 
von Ge- ^j^^j Klagen über den Verfall der Industrie zu beschäftigen und dem Kaiser die 
Beschrän- Ursachcu der Stockung aufzuklären. Auch mit den oben erwähnten Ausfüh- 
kungen auf rungcu der böhmischen BaumwoUwarenfabrikanten mußte sie sich abgeben. 
wieder ^^züglich der Forderung nach Bestellung einer eigenen Kommission, welcher 
Gewerbe- die Fabrikanten ihre Wünsche vorbringen könnten, war sie der Meinung, dies 
verieihun- gei nicht notwendig, da die Kommerzhofkommission schon zu diesem Zwecke 
^*"' aufgestellt worden sei. Gegenüber den Klagen gegen die allzu große Vermehrung 
der Gewerbe und der unbeschränkten Erteüung von Befugnissen wies sie darauf 
hin, daß Meisterrechte und Fabriksbefugnisse nur an solche Bewerber erteüt 
werden, welche die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten und den gehörigen 
Fonds ausweisen^). Der Verkauf der Gewerbe könne nicht zugestanden werden, 
weü dadurch einerseits die Aufhebung der schon bestehenden verkäuflichen 
Gewerbe vereitelt, anderseits reiche Fabrikanten sich durch Ankauf der übrigen 
Fabriken ein Monopol zu schaffen in der Lage wären. Die Einführung eines 
gesetzlichen Musterschutzes sei nicht wünschenswert und wie alle Alleinrechte 
überflüssig und schädlich^). Dem Wunsche, die oberitalienischen Provinzen in 
das österreichische Zollsystem einzubeziehen und die Prohibition auch auf die- 
selben auszudehnen, war durch allerhöchste Entschließungen vom 28. Juni 
und 2. August 1817 entsprochen und dadurch der österreichischen Industrie 
ein großes Absatzgebiet reserviert worden. Infolgedessen sah sich die Kommerz- 



^) Krauß-Elislago, Aktenmäßige Darstellung der Verhandlungen usw. (Manuskript im 
Archiv der Familie Krauß-Elislago). Statth. A. Prag, 1816—1825, Kom. Fasz. 1, subn. 1; 
Zirkular des böhm. Gubem. vom 26. Juli 1816; Kopetz, a. a. 0., II, 438; Barth, a. a. 0., IV 
72 — 85. Vgl. auch unten S. 199 f. — ") Dies ist nicht ganz richtig, eine Fondsausweisung war 
für Gewerbe im allgemeinen mit Ausnahme von Zuckerraffinerien nicht notwendig. Anders 
stand es mit den Handelsbefugnisseu (Kopetz, a. a. 0., I, 340 ff.). — ^) Vgl. unten S. 255. 



71 

hofkommission veranlaßt, den böhmischen Baumwollfabrikanten anzuraten, 
den Erfolg der von der Staatsverwaltung schon getroffenen und der noch im 
Zuge befindlichen Maßregeln vertrauensvoll abzuwarten^). 

Da in jener Zeit der wirtschaftlichen Depression die Ansicht allgemein 
verbreitet war, daß die zu starke Vermehrung der Gewerbe zur Verschlechterung 
ihres Zustandes wesentlich beigetragen habe, so bedurfte es einer besonderen 
Geschicklichkeit von selten der Kommerzhofkommission, um die zahlreichen 
Majestätsgesuche der Innungen um Einschränkung der Befugnisverleihungen 
abzuwehren. Ein solches Majestätsgesuch hatte auch das Wiener Mittel der 
bürgerlichen Weber eingereicht. Die darüber vernommene Fabrikeninspektion 
und die Stadthauptmannschaft sprachen sich gegen jede Beschränkung aus, 
ebenso wie die niederösterreichische Regierung, welche der Meinung war, man 
könne nicht denjenigen, welche die Mittel haben, in diesen schweren Zeiten zu 
produzieren, die Befugnis dazu versagen. „Selbst in dem Falle," meinte sie, 
„daß die vermehrten Gewerbsleute nicht alle bestehen könnten, wäre es für 
das Allgemeine und für die Zukunft vorteilhafter, wenn der träge und talentlose 
Fabrikant zugrunde gehe, als daß durch Rettung desselben die Akquisition 
derjenigen gehindert werde, welche Natur, Zufall oder selbst Bildung mit vor- 
züglichen Eigenschaften ausgestattet haben." Die Kommerzhofkommission 
wies in ihrem Gutachten darauf hin, daß in den letzten Jahren mehrere ähnliche 
auf Beschränkung der Gewerbeverleihungen gerichtete Gesuche nicht nur von 
der allgemeinen Hofkammer, sondern auch durch allerhöchste Entschließungen 
abgewiesen worden seien. Um so mehr habe dies bei der Weberei als einer freien 
Beschäftigung zu geschehen. Im Staatsrate war der Referent Ritter von Schüller 
mit dem Antrage der Kommission einverstanden, hingegen fühlte sich Staats- 
rat Freiherr von Stifft ,,aus Überzeugung verpflichtet", folgende Gegenbemer- 
kungen zu machen: „Die liberalen Grundsätze, selbst die richtig- 
sten, wenn sie unbedingt und allgemein nach dem Wortlaute in 
die Ausübung gebracht werden, führen immer zu Mißgriffen . . . 
Vom Monopol bis zur gänzlichen Freigebung stehen unzählige 
Abstufungen inne. In der Mitte liegt das, was zum Ziele führt 
und wonach die Staatsverwaltung greifen muß." Wenn durch starke 
Vermehrung der Gewerbe zu viel produziert werde, so müsse durch Verschlech- 
terung der Erzeugnisse hereingebracht werden, was durch Verminderung des 
Absatzes dem einzelnen entgeht, so daß die Gewerbe nicht vorwärts, sondern 
rückwärts schreiten. Deshalb solle von nun an ein bestimmtes Vermögen fest- 
gesetzt werden, über welches sich jeder Befugniswerber innerhalb der Linien 
Wiens ausweisen müßte, wenn er die Befugnis erhalten wolle. Die anderen 
Staatsräte schlössen sich jedoch der Ansicht des Referenten an, so daß die 
Anträge der Kommerzhofkommission die kaiserliche Genehmigung erhielten^). 

Diese Zeit gewinnt in anderer Hinsicht dadurch an Interesse, daß die Anf&nge 
Industriellen allmählich zur Einsicht zu kommen begannen, daß sie in erster *^°^^^®^^' 
Linie selbst berufen seien, die Industrie zu heben, dies um so mehr, als die Auftretens 



der 



1) H. K. A. Kom. Praes. 1818, Nr. 614. — =») Staatsrat 1816, Nr. 9860. Industrie. 



72 

Staatsverwaltung ohnehin bemüht war, noch bestehende Hindernisse der Ent- 
wicklung zu beseitigen oder zu mildern und sich wegen der schlechten Lage der 
staatlichen Finanzen auf eine positive Unterstützung nicht leicht einlassen 
konnte. 

So entstanden in dieser Zeit die ersten Organisationen von Fabrikanten 
und Handelsleuten zur Vertretung und Wahrung ihrer Interessen. Während 
der erste Anlauf dazu, nämlich der Vorschlag Heinrich Hopfs zur Errichtung 
eines Vereins „zur Beförderung der vaterländischen Gewerbsbetriebsamkeit", 
nicht zustande kam und auch der in Verbindung mit dem polytechnischen 
Institut geplante Verein dieser Art niemals ins Leben trat, vereinigten sich 
zuerst 1817 die niederösterreichischen privilegierten Zitz- und Kattunfabri- 
kanten zu einem formlosen Verein und wählten ihre Repräsentanten zur Ver- 
tretung ihrer Gesamtheit. Die Kommerzhofkommission nahm denn dies auch 
zur Kenntnis^). Aber auch sonst begannen sich die Fabrikanten immer mehr 
zu rühren, sie überhäuften den Kaiser und die Hofstellen mit Beschwerden 
und Bittschriften einerseits wie auch anderseits mit Dankschreiben für 
getroffene industriefreundliche und ihnen nützliche Verfügungen^). 

Plan zur Die Kommcrzhofkommission und insbesondere ihr Präsident, Ritter von 

Errichtung g^ahl, warcu überhaupt von der Notwendigkeit der Heranziehung der Indu- 
Handeis- strielleu selbst durchdrungen, um die Bedürfnisse der Industrie sowohl hin- 
kammern. sichtlich der Gesetzgebung als der Verwaltung kennen zu lernen, da sich die 
Behörden niemals so gründliche Kenntnisse über jedes Gebiet der wirtschaft- 
lichen Tätigkeit verschaffen können wie die Männer, die sich in ihrem Fach 
ihr ganzes Leben hindurch mit Vorteil betätigen. Zu diesem Zwecke sollten 
Vereine ausgezeichneter Männer aus dem Gebiete des Handels und der Industrie 
im weitesten Sinne vom Staate organisiert werden, um deren Kenntnisse und 
Ratschläge bei der Leitung des Kommerzialwesens zu verwerten. Die Kommerz- 
hofkommission war sogar der Ansicht, sie würde sonst ihrer Aufgabe, die ge- 
samten Verhältnisse des Handels und der Industrie neu zu regeln, nur schwer 
oder vielleicht überhaupt nie entsprechen können und faßte 1818 den Plan, 
beim Kaiser den Antrag zu stellen, es mögen in den Provinzialhauptstädten 
und anderen wichtigen Verkehrs- und Industriezentren Handelskammern er- 
richtet werden^). Es kam zwar nicht dazu, doch zeigt dieser Plan und die Be- 
gründung desselben den weiten Blick dieser Hofstelle ebenso wie das tiefe Ver- 
ständnis für die Bedürfnisse des wirtschaftlichen Lebens, welches Männer wie 
Stahl und der Referent von Krauß bekundeten und dadurch ihrer Zeit in Öster- 
reich weit vorauseilten. Vielleicht war es gerade dieser großzügige Reform- 
geist, welcher die leitenden Männer dieser Kommission beseelte, der es be- 
wirkte, daß die meisten ihrer weit ausgreifenden Pläne entweder wegen der noch 
nicht genügend ausgereiften allgemeinen Erkenntnis ihrer Notwendigkeit oder 



*) Vgl. unten S. 214. — *) So dankten 1817 zahlreiche Fabrikanten gemeinsam dem 
Kaiser für das auf die italienischen Provinzen ausgedehnte Verbot der Einfuhr fremder Waren. 
Ebenso für den Entschluß der Kaiserin, sich nur inländischer Stoffe zu bedienen. (H. K. A. 
Kom. Praes. 1818, Nr. 1017, 1244). Vgl. auch oben S.66f. — ») Vgl. unten S. 200 ff. 



73 

aber, wie die allgemeine Reform der Gewerbeverfassung, wegen der an die 
großen Kodifikationsarbeiten des 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts 
erinnernden, umfassenden, sich auf lange Jahre ausdehnenden Vorarbeiten 
erst in viel späterer Zeit zustande kamen, wo die Kommerzhofkommission 
schon längst der Vergangenheit angehörte. 

In innigem Zusammenhange mit dem Plane der Errichtung von Handels- Bestrebun- 
kammern standen auch die Bestrebungen der Kommission zur Verbesserung ^®°« ^^^ 

. Gewerbe- 

oder eigentlich Schaffung einer Handels- und Industriestatistik, da die bis dahin Statistik zu 

bestandenen Tabellen (bis 1812 Manufakturs- und Kommerzialtabellen auf verbessern. 
Grund behördlicher Erhebungen, seit 1812 in Verbindung mit der Einhebung 
der Erwerbsteuer), auch wenn sie wirklich regelmäßig entworfen und der Hof- 
stelle eingesendet worden wären, der Aufgabe einer solchen Statistik, eine 
genaue Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse zu vermitteln, niemals hätten 
entsprechen können. Anderseits war sich die Kommission darüber klar, daß 
man nur dann einschneidende Maßregeln auf dem Gebiete der Gewerbeverfassung 
und des Gewerbewesens überhaupt mit Beruhigung vornehmen könne, wenn 
man eine ganz genaue Kenntnis der gewerblichen Verhältnisse habe, wenn man 
über ausführliche und die tatsächlichen Verhältnisse genau widerspiegelnde 
Daten verfüge. Die Handelskammern sollten daher zur Verfassung einer genauen 
und verläßlichen Statistik herangezogen werden^). Da es zur Errichtung von 
Handelskammern nicht kam, blieb auch dieser Plan auf dem Papiere. 

Wenn es auch der Kommerzhofkommission nicht beschieden war, die zu 
ihrem Programm gehörende allgemeine Regulierung des Gewerbewesens durch- 
zuführen, und sie sich begnügen mußte, die Vorarbeiten dazu zu veranlassen^), 
so bemühte sie sich mit größerem Erfolge, wenigstens Teilgebiete der Gewerbe- 
verfassung einheitlich zu regeln, einzelne Bestimmungen zu verbessern oder neu 
festzusetzen. 

Ihren Bemühungen war es zu verdanken, daß 1817 genaue Bedingungen Regeiunir 
festgesetzt und vom Kaiser genehmigt wurden, unter denen den Juden der '^''^ ^"'^^"^^ 
Ankauf von Realitäten zum Fabriksbetrieb auf jedesmaliges Ansuchen gestattet täten durch 
werden sollte, so daß diese bis dahin nur von Fall zu Fall verschieden erfolgten Juden far 
Bewilligungen eine rechtlich genau fixierte Grundlage erhielten, welche für'^^J^^jJ'^^jj'^^' 
spätere Fälle maßgebend blieb^). 

Bezüglich der Verschleiß- und Niederlagsrechte der Gewerbetreibenden verschieiß- 
faßte die Kommerzhofkommission die bestehenden Bestimmungen einheitlich """^ Nieder- 
zusammen, um dadurch gegenüber den bis dahin in den einzelnen Ländern *^"**' 



^) Schiff, Die ältere Gewerbestatistik in Stat. Monatsschr., N. F. XII, 617 ff. ; Kopetz, 
a. a. 0., II, 8 f.; Barth, a. a. 0., II, 355. Über die Manufakturtabellen äußerte sich 1809 der 
Hofkammerreferent von Krauß, daß sie seit Jahren nur mehr von der oberösterreichischen 
und mährischen Regierung eingesendet wurden. Auch seien sie in ihrem dermaligen Zustande 
teils unnütz und überflüssig, teils einseitig und unrichtig. So mancher Irrtum werde darin 
tünmer wieder von neuem abgeschrieben (H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 59 ex jan. 1809). — 
[Vgl. auch Krauß-Elislago, Auto-Biographie, S. 213 f. — ^) Vgl. unten S. 97 ff. — ») Vgl. unten 
S. 262 ff. 



74 

herrschenden vielfach verworrenen Ansichten ein einheitliches Vorgehen herbei- 
zuführen^). 
Privilegien- Seit der Wiedervereinigung der lombardisch-venezianischen Länder mit 
recht. Österreich machte die Verschiedenheit, nach welcher das Privilegienwesen 
in diesen Ländern gegenüber den altösterreichischen behandelt wurde, eine 
Änderung des österreichischen Privilegiensystems notwendig, um ein gleich- 
förmiges Vorgehen auf diesem für die Industrie nicht unwesentlichen Gebiete 
zu ermöglichen, was durch das Privilegienpatent vom 8. Dezember 1820 erfolgte, 
welches gegenüber dem bis dahin bestandenen wesentliche Verbesserungen und 
Vervollkommnungen aufwies^). 
Kommer- Da die Kommerzhofkommission selbst einsah, daß sich die Vorarbeiten zur 

ziai- und ReguHcrung des gesamten Gewerbesystems sehr lange hinausziehen würden, 
gewerbe. suchtc sic Wenigstens noch weitere Teilgebiete, die ihr besonders wichtig er- 
schienen, einstweilen zu regeln. Zu den willkürlichsten Bestimmungen der 
ganzen damaligen Gewerbeverfassung gehörte zweifellos die Einteilung der 
Gewerbe in Polizei- und Kommerzialbeschäftigungen, durch welche die Ent- 
wicklung mancher zu der ersteren Gruppe gezählten Erwerbszweige durch die 
geforderte Berücksichtigung des Lokalbedarfes in ihrer Ausdehnung und Ver- 
mehrung gehemmt war. Es hätte schon nach dem Geschäftskreise der Kom- 
mission dieselbe im Einverständnisse mit der Hofkanzlei, welcher die Polizei- 
gewerbe unterstanden, „ein der Natur der Sache mehr entsprechendes System" 
aufstellen sollen, wobei die Polizeigewerbe der Zahl nach hätten sehr einge- 
schränkt werden sollen. Die Kommerzhofkommission machte auch verschiedene 
Versuche, diese Angelegenheit, welche die kaiserliche Genehmigung erhalten 
hatte, in Angriff zu nehmen und durchzuführen, welches Bestreben aber jedesmal 
an der Haltung der Hofkanzlei scheiterte, welche diese Frage zusammen mit der 
allgemeinen Gewerbeverfassung verhandelt wissen wollte^). 
Bekämpfung Als cinc der Hauptursachen der mißlichen Lage, in welcher sich die öster- 
*^* reichische Industrie im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts nach Auf- 
handeis. hebung des Kontinentalsystems befand, wurde allgemein von den Fabrikanten 
der überhandnehmende Schleichhandel mit englischen Waren angegeben. Was 
half die strengste Prohibition zum Schutze der inländischen Produktion, wenn 
der Grenzschutz so mangelhaft war, daß die Schwärzungen im größten Maß- 
stabe vor sich gehen konnten. Selbst die zur Abwehr berufenen Behörden 
mußten zugeben, daß die Schwärzungen sehr beträchtlich seien, aber mit den 
ihnen zu Gebote stehenden Mitteln nicht verhindert werden könnten. Was 
halfen alle Klagen, wenn selbst die zu Vorschlägen, wie man diesem Übel ab- 
helfen soUte, am ehesten berufenen Faktoren, die Zollgefällenadministration 
einerseits, die Fabrikanten anderseits vielfach entgegengesetzte Ansichten 
vertraten. So schlug die böhmische Zollgefällenadministration 1817 zu diesem 
Zwecke die Stempelung aller inländischen Kottonwaren vor, während die 
Fabrikanten der Ansicht waren, man solle die Kommerzialwarenstempelung 
überhaupt aufheben, dagegen aber jede nicht mit einem inländischen Fabriks- 



1) Vgl. unten S. 149. — ») Vgl. unten S. 253 f. — ") Vgl. unten S. 136 ff. 



75 

oder Meisterzeichen versehene Baumwollware als Konterbande behandeln. 
Während anderseits die Fabrikanten der Meinung waren, der beste Schutz 
sei eine gute Grenzsperre, weshalb sie auf Absperrung der Grenze durch Militär 
antrugen, wobei demselben ,,die Vorteile des Apprehendenten zuzuweisen 
wären", glaubte die Zollgefällenverwaltung, mit besseren Konfiskationsmaß- 
nahmen in Innern auskommen zu können und den Zweck eher zu erreichen, 
indem sie zugleich die Ernennung einer aus notorisch redlichen, bekannten 
Fabrikanten bestehenden Kommission vorschlug, welche die angehaltenen 
verdächtigen Kottonwaren rücksichtlich ihrer Nationalität zu prüfen hätte^). 

Es wurde zwar über die Verbesserung aller zur Abhaltung des Schleich- 
handels vorgesehenen Einrichtungen viel beraten, doch war die Einführung 
wirklich wirksamer Maßnahmen um so schwieriger, als sich viele als nicht leicht 
durchführbar erwiesen, wie die strenge Absperrung der Grenze, andere aber 
die Fabrikanten selbst zu belästigen und zu schädigen drohten. 

Da die Zitz- und Kattunfabrikanten den Kaiser mit diesbezüglichen Vor- 
stellungen und Vorschlägen förmlich bestürmten, wurde 1822 eine eigene Kom- 
mission zur Beratung dieser Angelegenheit eingesetzt^). 

Als man infolgedessen begann, gegen verdächtigeWaren mit der Konfiskation 
und gegen die Fabrikanten sogar mit der Sperrung der Fabriken und Nieder- 
lagen vorzugehen, da erhoben sich wiederum Klagen und Bitten um Abhilfe 
gegen diese Strenge. Da diese Maßnahmen in oberster Instanz der allgemeinen 
Hofkammer unterstanden, während das übrige Gewerbewesen der Kommerz- 
hofkommission zugewiesen war, so wendeten sich die Fabrikanten an die letztere 
um Intervention bei der Hofkammer. So führten 1823 böhmische Baumwoll- 
druckfabrikanten, denen wegen des Verdachtes der Schwärzung der Garne 
sowohl ihre Fabriken in Böhmen als auch ihre Niederlagen in Wien gesperrt 
worden waren, in ihrer Beschwerdeschrift aus, dieses Verfahren verdiene in 
kommerzieller Hinsicht die Aufmerksamkeit der Kommerzhofkommission, da 
als erwiesen angenommen werden könne, daß man die ausländische Herkunft 
des Garnes an einem fertigen Stoffe nicht mit Gewißheit erkennen könne, daher 
die Beschlagnahme ihrer Waren einerseits zwecklos sei, anderseits aber ihren 
Kredit und Absatz schwer schädige. Diese Art des Verfahrens störe den Fabriks- 
und Handelsbetrieb so sehr, daß sich die Bittsteller füi* berechtigt halten, den 
Schutz der Kommerzhofkommission in Anspruch nehmen zu dürfen. 

Letztere setzte sich denn auch für diese Fabrikanten bei der Hofkammer 
ein, indem sie auf die der Industrie durch solche Verfügungen drohenden Schäden 
hinwies und die Bemerkung einflocht, daß es sehr zu wünschen wäre, ,,daß die 
Bankalbeh Orden in Verfolgung ihrer Zwecke mit aller Vorsicht und Rücksicht 
vorgehen und ihre mit augenblicklicher Hemmung des ganzen Betriebes und 
Erwerbes einer Fabrik, oft mit dem Ruin großer Etablissements verbundenen 
Beschlagnahmungen nicht weiter ausdehnen und nur dort eintreten lassen 



1) H. K. A. Korn. Kommission, Fasz. 14, Nr. 1, 2, 5, 6, ex jul. 1817, Nr. 5 ex jun. 1818; 
Kom. Kommission, Fasz. 31, Nr. 125 ex febr. 1817. — *) Staatsrat 1822, Nr. 6694. 



76 

möchten, wo sie zum Zwecke, nämlich zur Entdeckung eingeschwärzter Waren 
führen können". 

Dieser besondere Fall gab dann die Veranlassung zu ausführlichen Er- 
wägungen und Verhandlungen über die Einführung einer neuen Waren- 
bezeichnungsordnung für alle gedruckten Baumwollstoffe, wobei von selten 
der Kommerzhof kommission besonders die Einführung einer Privat Waren- 
bezeichnung erwogen wurde. Der Vorschlag zur Einführung der letzteren statt 
der Kommerzialwarenstempelung war von der Kommerzhofkommission schon 
1820 und 1821 nach gründlichen Verhandlungen gemacht worden, ohne aber 
zur Durchführung zu gelangen, da gegen die Aufhebung der Kommerzialwaren- 
stempelung wichtige Bedenken zu sprechen schienen. Ebensowenig drang 
dieser Antrag 1823 durch, wonach aber die Privatwarenbezeichnung provi- 
sorisch, ohne Aufhebung der Kommerzialwarenstempelung, hätte eingeführt 
werden sollen. Es blieb alles beim alten. So mußte der Fabrikant immer besorgt 
sein, daß ihm die Ware konfisziert werde, weil ein Sachverständiger das Garn, 
das er bei einem befugten Kaufmanne gekauft hatte, für ausländisch erklärte, 
was auch nicht selten geschah, wie dies die vielen dringenden Vorstellungen 
beweisen. Die Handhabung der diesbezüglichen Vorschriften scheint damals 
so streng gewesen zu sein, daß sich die Kommerzhofkommission 1824 wiederum 
veranlaßt sah, in dieser Angelegenheit bei der Hofkammer zu intervenieren, 
um eine Schädigung der Industrie hintanzuhalten. Kein Fabrikant, auch der 
rechtlichste nicht, würde es beim Fortdauern solcher Maßnahmen wagen können, 
sich neue Vorräte, auch auf legalstem Wege zu verschaffen, da er nicht 
sicher wäre, auch diese beanständet und von den Sachverständigen als aus- 
ländisch erklärt zu sehen. Daher meinte die Kommerzhofkommission, es wäre 
am besten, wenn das Verfahren gegen alle Fabrikanten, gegen welche nur das 
Urteil der „sogenannten Kunstverständigen", daß ihre Waren ausländisch seien, 
vorliege, eingestellt würde^). 

Diese Verhältnisse sind besonders deshalb interessant, da hier eine zugunsten 
der inländischen Produktion getroffene Maßregel eine wahre Plage für die 
Industrie zu werden drohte. Dabei darf aber nicht übersehen werden, daß der 
überhandnehmende Schleichhandel und die dadurch verursachten Klagen der 
Fabrikanten die Regierung zur schärferen Handhabung der bestehenden Vor- 
schriften förmlich gezwungen hatten. Der Staatsverwaltung stand dabei kein 
anderes Mittel als das Urteil von Sachverständigen zu Gebote, da das zweite 
Mittel, welches zur Erkennung der inländischen Waren hätte dienen sollen, die 
Stempelung, in großem Umfange gerade zur Deckung des Sclüeichhandels 
mißbraucht wurde. Die Stempelbeamten waren Bestechungen leicht zu- 
gänglich, so daß man schließlich beinahe keine ausländische Ware finden konnte, 
welche nicht mit dem die inländische Provenienz bezeugen sollenden Stempel 
versehen gewesen wäre, indem die Stempelbeamten in Grenzgebieten vielfach 
mit ihrer Presse über die Grenze gingen und daselbst alles, was ihnen vorgelegt 



1) H. K. A. Korn. Praes. 1823, Nr. 1030, 1100, 1107, 1135; 1824, Nr. 142, 143; Staatsrat 
1824, Nr. 3858, 4232. 



77 

wurde, mit dem echten österreichischen Stempel versahen. Merkwürdigerweise 
wurde diese Stempelung, obwohl man von ihrer Zwecklosigkeit und ihrem 
Mißbrauch überzeugt war und dieselbe für die Fabrikanten nur eine Belästigung 
darstellte, immer weiter beibehalten, ohne daß man den Mut aufgebracht hätte, 
sie abzuschaffen^). 

Fabriken oder Niederlagen an der Grenze konnten zum Schleichhandel Fabriken 
besonders leicht mißbraucht werden. 1801 war daher angeordnet worden, *° ^^^ 
daß in der Entfernung von einer Meile von der Grenze die Errichtung von 
Fabriken, deren Produkte dem Schleichhandel unterliegen, nicht gestattet 
werden sollte. 1820 kam diese Angelegenheit gelegentlich einer Anzeige des 
Bankalinspektors in Eger wieder zur Sprache. Der Kommerzhofkommission 
scheint auch diese Beschränkung nicht sympathisch gewesen zu sein, denn sie 
forderte unter dem 19. Februar vom böhmischen Gubernium ein Gutachten 
darüber, ob die Anordnung, daß innerhalb einer bestimmten Entfernung von 
der Grenze keine Fabriken errichtet werden sollen, daselbst wirklich bestehe, 
ob sie gehandhabt werde, was für oder gegen eine solche Bestimmung spreche 
und ob den Schwärzungen durch die Fabriken an der Grenze nicht auf irgend 
eine andere, zweckmäßigere Art Einhalt getan werden könnte. Das Gubernium 
berichtete, daß das Hofdekret vom 8. Oktober 1801 bestehe, aber nur dort 
angewendet werde, wo die Gefahr von Schwärzungen wirklich vorliege. Eine 
allgemeine Anwendung desselben oder gar die Entfernung der an der Grenze 
bestehenden Fabriken wäre nicht ausführbar und schädlich. Außerdem würden 
dadurch die Schwärzungen nicht hintangehalten werden, denn den Waren, welche 
einmal den Weg über die Grenze gefunden hätten, sei die Entfernung einer 
Meile vom Lagerplatze kein Hindernis mehr. Da gerade die Grenzbewohner 
Böhmens die Baumwollfabrikation als Spinner oder Weber betreiben, würde 
durch den Vollzug der erwähnten Verordnung den Grenzbewohnern der Erwerb 
entzogen, was zur Folge hätte, daß auch die Fabriken, welche jene einzelnen 
Arbeiter beschäftigen und mit Vorschüssen unterstützen, selbst ins Stocken 
geraten würden. Eine gute Zollaufsicht an der Grenze dürfte mehr als jede 
andere, in den Organismus der inländischen Industrie störend eingreifende 
Maßregel der Schwärzung ein Ende machen. 

Die Hofkammer hingegen war der Ansicht, daß es wohl angezeigt wäre, 
die Errichtung neuer oder Wiedererrichtung bereits eingegangener Fabriken 
an der Grenze nicht mehr zu gestatten. Da nicht geleugnet werden konnte, 
daß tatsächlich viele Unternehmungen nur zu dem Zwecke an der Grenze 
errichtet wurden, um fremde Waren einschwärzen zu können, so galt es dies- 
bezüglich um so mehr etwas zu verfügen, als dieKlagen über den Schleichhandel 
und dessen schädliche Wirkungen nicht verstummen wollten. Daher wurden 
durch Präsidialdekret der Kommerzhofkommission vom 22. Februar 1822 alle 
Länderchefs jener Länder, die an das Ausland grenzten, zur strengsten Über- 
wachung der Fabriken in der Nähe der Grenze angewiesen, ,, wegen der über- 



*) Vgl. die diesbezüglichen Verhandlungen A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 15, Nr. 395 
ex mart. 1843. Vgl. auch oben S. 19 f. 



78 

handnehmenden Schwärzungen und Unfüge, welche sich dieselben erlauben". 
Außerdem wurden sie beauftragt, binnen 14 Tagen eine genaue Beschreibung 
aller in der Entfernung von einer deutschen Meile von der ausländischen Grenze 
bestehenden Fabriken verfassen zu lassen und an die Kommerzhofkommission 
einzusenden, worauf erst weitere Weisungen erfolgen würden. Inzwischen 
sollten aber ohne Genehmigung der Kommerzhofkommission keine Bewilli- 
gungen zur Errichtung von Fabriken innerhalb der erwähnten Gebiete erteilt 
werden^). 

Zu näheren Verfügungen ist es offenbar nicht gekommen, so daß dieser 
Zustand auch nach Aufhebung der Kommerzhofkommission (1824) weiter in 
Ej-aft blieb; nur scheint die von derselben anbefohlene Bewilligung der Hof- 
stelle zur Errichtung von Fabriken an der Grenze in Vergessenheit geraten 
zu sein. 

Bei der Handhabung dieser Bestimmungen waren die Behörden möglichst 
bestrebt, Härten zu vermeiden, um nicht eine zur Förderung der Industrie 
bestimmte Einrichtung zu einer ihr schädlichen zu machen. In diesem Sinne 
suchte auch die Hofkammer in Rekursfällen die Unterbehörden zu belehren. 
So begründete sie durch Dekret vom 6. Juli 1827 an das böhmische Gubernium, 
welches gegen die Ansicht der Zollgefällenverwaltung auf Bewilligung eines 
diesbezüglichen Ansuchens angetragen hatte, ihre bestätigende Entscheidung 
folgendermaßen: „So sehr es auch im Interesse der Staatsverwaltung liegen 
muß, auf Hintanhaltung oder vielmehr auf tunlichste Beschränkung des in 
jeder Hinsicht höchst verderblichen Schleichhandels einzuwirken, und so dringend 
auch die Beweggründe sein mögen, welche dieselbe bestimmen, Maßregeln zu 
ergreifen, um die heimischen Fabriken zu hindern, an dem Schleichhandel 
teilzunehmen, so darf bei Ergreifung dieser Maßregeln doch niemals die 
Betrachtung außer acht gelassen werden, daß die Beförderung der einheimischen 
Industrie immer der höchste Zweck aller Zoll- und Gewerbsverfügungen 
sein müsse und daß daher eine bis zum Übermaß getriebene Strenge 
dieser Verfügungen für die Nationalbetriebsamkeit ein größeres Übel herbei- 
führen dürfte, als die Unzukömmlichkeit isc, welcher zu begegnen man die 
Absicht hat"2). 

Um künftighin zu vermeiden, daß vielleicht die Bewilligung zur Errichtung 
einer Fabrik an der Grenze von den Unterbehörden ohne reifliche Erwägung 
und für einen Ort, der nicht leicht überwacht werden kann, erteUt werden 
könnte, worauf man entweder die Fabrik zum Schaden des Unternehmers von 
dort entfernen oder aber die Gefahr der Schwärzung dulden müßte, erließ die 
Hofkammer unter dem 2. April 1828 abermals die Anordnung, daß die Errich- 
tung von Fabriken innerhalb einer Meile von der Grenze ohne Erlaubnis der 
Ho&ammer nicht erfolgen dürfe. Insbesondere seien alle Baumwollspinnereien 
mit deutschen oder englischen Maschinen, dann aUe Anstalten zum Färben, 



1) H. K. A. Kom. Praes. 1820, Nr. 110, 737; 1822, Nr. 148; Statth. A. Prag, 1816—1825, 
Korn. Fasz. 1, subn. 1, 1820 Febr. 19; Kopetz, a. a. 0., II, 489. — «) H. K. A. Kom. Kammer, 
Fasz. 31, Nr. 72 ex julio 1827. 



79 

Bleichen und Drucken von Baum wollwaren, ohne Rücksicht auf ihren Umfang 
zu den Unternehmungen zu rechnen, welche der erwähnten Bewilligung be- 
dürfen, weil bei diesen die Gefahr des Schleichhandels besonders groß sei. Bei 
diesbezüglichen Gesuchen sei von den politischen Behörden im Einverständnisse 
mit der ZoUadministration zu untersuchen, ob es sich nicht um Benützung von 
Lokalvorteilen handle, die der Staat verlieren würde, wenn die Bewilligung 
verweigert würde, ob der Gegenstand der Fabrikation einer bedeutenden Gefahr 
des Schleichhandels unterliege und ob die Ortsverhältnisse eine wirksame zoll- 
amtliche Aufsicht zulassen. 

Daß diese Maßnahme aber überhaupt nur so weit angewendet werden sollte, 
als dies ohne Schädigung der Industrie möglich war, sah sich die Hofkammer 
selbst hie und da gezwungen, ausdrücklich zu betonen, so schon im selben Jahre 
anläßlich eines Rekursfalles aus Böhmen: „Der Geist des hierortigen Dekrets 
vom 2. April 1828 in betreff der Industrialunternehmungen an der Grenze der 
Monarchie zielt keineswegs dahin, die zahlreiche Bevölkerung in dem daselbst 
bezeichneten Grenzbezirk, die besonders in den minder fruchtbaren Gegenden 
ihren Haupterwerb in dem Betriebe nützlicher Gewerbe findet, von solchen 
Nahrungswegen unbedingt und allgemein auszuschließen und dadurch gleich- 
sam den indirekten Zwang herbeizuführen, daß den Grenzbewohnern keine 
anderen Unterhaltsmittel als unerlaubte Wege und Schleichhandel erübrigen, 
sondern die hierortige Absicht war vielmehr dahin gerichtet, die oberste Aufsicht 
über die Grenzfabriken und Unternehmungen hierorts zu konzentrieren, damit 
nicht wie früher durch zu große Nachsicht mancher Ortsbehörden Bewilligungen 
zu Unternehmungen an der Grenze erteilt werden, welche aus örtlichen, persön- 
lichen oder anderen Rücksichten sehr wichtige Bedenken gegen sich haben, 
daß dieselben unvermeidliche Beeinträchtigungen des zum Behufe der inländi- 
schen Betriebsamkeit eingeführten Schutzsystems und ZoUdefraudationen 
besorgen lassen"^). Ähnlich lauteten auch andere diesbezügliche Entschei- 
dungen der Hofkammer^). 

Die Neuregelung des Privilegienwesens gab den Anstoß zur Erlassung Aktiea- 
von Bestimmungen über Aktiengesellschaften. Danach dem Privilegienpatent "''''*^^^"^'* 
von 1820 jeder Privilegieninhaber das Recht hatte, zur Ausübung seines Privi- 
legiums beliebige Gesellschafter aufzunehmen, diese Bestimmung aber nicht 
deutlich ausdrückte, ob darunter auch die Gründung von Aktiengesellschaften 
zu verstehen sei, anderseits aber zur Verwertung so mancher wichtiger Er- 
findung diese Form der Vergesellschaftung am entsprechendsten sein mußte, 
sah sich die Kommerzhofkommission veranlaßt, zur Errichtung von Aktien- 
gesellschaften im allgemeinen Stellung zu nehmen, um so mehr, als bis dahin 
bezüglich der Gründung solcher Vereine nur die Bestimmung des Hofdekrets 
vom 12. November 1787 bestand, wonach dazu in jedem Falle die Bewilligung 
der Hofstelle eingeholt werden mußte^). 



^) H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 67 ex mart. u. Nr. 131 ex sept. 1828, Fasz. 31, 
Nr. 85 ex jan. 1829, Fasz. 42, Nr. 40 ex dec. 1830. — *) Z. B. H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 57, 
Nr. 117 ex dec. 1828. — ') Kopetz, a. a. 0., II, 124 f. 



k 



80 

Die Kommerzhofkommission erließ nun, um der Bildung von Aktien- 
gesellschaften keine unnötigen Hindernisse in den Weg zu legen und so vielleicht 
die Ausführung mancher gemeinnütziger Unternehmung zu verhindern, ander- 
seits um die Staatsverwaltung vor jeder Verantwortlichkeit, das Publikum vor 
jeder Täuschung über den Einfluß der Staatsverwaltung auf solche Gesell- 
schaften zu bewahren, unter dem 15. Oktober 1821 die Bestimmungen, daß die 
Ankündigung von Aktiengesellschaften zwar zulässig sei, daß aber jede solche 
Ankündigung nur als eine private erfolgen dürfe, somit ohne den Beisatz „mit 
Genehmigung der Regierung". Die Regierung habe sich dabei in keine wie 
immer geartete Würdigung der Privatinteressen einzulassen. Weiters müsse 
vorher den gesetzlichen Vorschriften über die Fabriksgesellschaften Genüge 
geleistet werden und der Aktienplan nebst den Statuten („Kontraktentwurf") 
beim Merkantil- und Wechselgericht protokolliert werden. Endlich müsse der 
Ankündigung der ganze Aktienplan und Kontraktentwurf samt Mustern der 
Aktien und Subskriptionsscheine beigefügt sein, damit sich jeder, welcher 
Aktien kaufen wolle, vorher bei Rechts- und Sachverständigen über die Recht- 
lichkeit, Billigkeit und Zweckmäßigkeit der Aktiengesellschaft Rat holen 
könne^). Dies war das erste diesbezügliche Regulativ in Österreich und seine 
Bestimmungen blieben bis 1840 die einzige Richtschnur der Behörden bei Ver- 
handlungen über derartige Ansuchen. 
Militär- Zur Linderung der Not der Leinenspinner und Weber in Böhmen hatte 

lieferungen ^g^^ -^^Q-^r^ 2u Laudskrou eine staatliche Einkaufsanstalt für Militärleinwand 
""strie. " errichtet, welche sich sehr gut bewährte^). Auf Grund eines von der Hofkammer 
erstatteten Vortrages über die günstigen Resultate dieser Einrichtung wurde 
1820 vom Kaiser angeordnet, es solle zwischen der vereinigten Hofkanzlei, 
dem Hofkriegsrat und der allgemeinen Hofkammer beraten werden, ob nicht 
auch das Tuch zum Armeebedarfe auf eine ähnliche Weise zum Vorteile des 
Ärars beschafft werden könnte. 

Zugleich hatte die zur Prüfung des Militärbekleidungs- und Ausrüstungs- 
systems aufgestellte Hofkommission vom Kaiser den Auftrag erhalten, sich 
zur genauen Erörterung der Militärbekleidungs- und Ausrüstungssysteme mit 
der Kommerzhofkommission ins Einvernehmen zu setzen und zu erheben, wie 
es mit der Fabrikation und dem Absätze der zur Bekleidung der Truppen 
nötigen Artikel in den verschiedenen Provinzen stehe, welchen Einfluß die 
bis dahin üblichen Einkaufsmodalitäten des Militärbedarfs und insbesondere 
der für den ganzen Umfang der Monarchie vom 1. November 1819 an auf drei 
Jahre mit der Gesellschaft Georg Rosa, Emanuel & Co., Simon Lämel & Sohn, 
Veit Ehrenstamm, Jakob Lang, Samuel Kaan & Co. abgeschlossene Tuch- 
lieferungskontrakt ausgeübt habe. 

Die Hofkommission zur Prüfung des Militärbekleidungssystems ersuchte 
die Kommerzhofkommission um ihre diesbezügliche Meinung. Diese forderte 



1) Ganz abgedruckt bei Harkup, Beiträge zur Kenntnis der Handels- u. Gewerbeverf. usw. 
(1829), S. 171 ff.; Statth. A.Wien, 1820, A. l,Nr. 49469; A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, 
Nr. 77 ex sept. 1840. — «) Vgl. unten S. 368 f. 



81 

zunächst von jenen Länderstellen nähere Aufklärungen, in welchen die vom 
Militär benötigten Waren in erster Linie erzeugt wurden, und legte diesen 
Länderchefs folgende Fragen zur Beantwortung vor: 1. Auf welcher Höhe die 
Fabrikation und der Absatz der Tücher, Leinwanden und des Leders daselbst 
stehe. 2. Welchen Einfluß der oben erwähnte Tuchlieferungskontrakt auf die 
Industrie ausübe und 3. ob nicht alle Artikel zur Ausrüstung und Bekleidung 
der Truppen besser durch Einkaufsanstalten besorgt werden könnten. 

Auf die erste Frage bemerkten die Länderstellen im allgemeinen, daß die 
ungünstigen Zeit- und Geldverhältnisse, der Mangel an genügenden Betriebs- 
kapitalien, der dem Handel verderbliche Spekulationsgeist, die durch den 
geringen Ertrag von Grund und Boden selbst den höheren Ständen zur Not- 
wendigkeit gewordene Einschränkung ihres Haushaltes und ihrer Bedürfnisse 
und mehrere andere Umstände den Warenabsatz vermindert und eine Stockung 
des Handels, der Fabrikation und der Gewerbe hervorgebracht hatten. Außer- 
dem gaben die Länderstellen darüber Auskunft, welche Waren die Fabriken 
und Gewerbe ihres Landes für den Bedarf des Militärs liefern könnten. 

Besonderes Interesse aber verdienen die Berichte der Länderstellen über 
die Wirkungen des vom Ärar mit der erwähnten Gesellschaft 
geschlossenen Tuchlieferungsvertrags, welcher von den Militärbehörden 
nicht nur ohne Zuziehung, sondern sogar ohne Vernehmung der Kommerz- 
behörden abgeschlossen worden war. 

Der Oberstburggraf von Böhmen und der Gouverneur von Mähren be- 
richteten darüber, dieser Vertrag habe, nach den Äußerungen sämtlicher hierüber 
einvernommenen Kreishauptleute in den Gegenden, deren Einwohner sich 
am meisten mit der Tucherzeugung beschäftigen, die nachteiligsten Wir- 
kungen in bezug auf die Industrie und auf den Nahrungserwerb 
der Erzeuger, 

Die das Tuch liefernde Kompagnie war nicht eigener Erzeuger, sondern 
sie war genötigt, die Anschaffung der Tücher zum Teil an Subkontrahenten 
zu überlassen, zum anderen Teile durch ihre „ausgesetzten Bestellten" die 
nötige Quantität von Tüchern entweder aufzukaufen oder aber auf ihre Rechnung 
erzeugen zu lassen. Mit der Erzeugung von Militärtüchern befaßten sich die 
mehr bemittelten Tuchmacher wegen des zu geringen Profits überhaupt nicht, 
sondern nur die ganz armen, die nicht einmal im Besitze von genügendem Ver- 
mögen waren, um sich die nötige Wolle selbst zu beschaffen, so daß sie die 
Wolle von den Bestellern übernehmen mußten und so ihnen ganz ausgeliefert 
waren. ,,Für die Verfertigung eines Stückes Tuch," so heißt es in 
einem dieser Berichte wörtlich, „an welchem ein Tuchmacher samt 
seinen Angehörigen 14 Tage zu arbeiten hat, erhält er von der 
Tuchlieferungsgesellschaft 16 fl., wovon ihm jedoch nur 8 fl. 
bleiben, da er von den übrigen den Spinnerlohn und seine Werk- 
zeuge beischaffen muß. Doch selbst von diesem kargen Lohne, 
welcher geringer als der eines gemeinen Taglöhners ist, werden ihm 
Abzüge gemacht, weil gewöhnlich die den Tuchmachern von den 

Slokar, Geschichte der österr. Industrie. Q 



82 

Lieferanten gegebene Wolle schlecht ist und überklaubt sowie auch 
gereinigt werden muß, wodurch sich an der zum Verarbeiten 
geeigneten Wolle ein bedeutender Abgang ergibt, welchen der 
Tuchmacher ersetzen muß." All dies auf sich zu nehmen seien die Tuch- 
macher gezwungen, teils weil sie gewöhnlich Vorschüsse an Geld und Wolle 
von den Lieferanten erhalten, teils weil sie sonst den Bruch ihrer mit denselben 
geschlossenen Verträge und den Entgang ihres letzten, wenn auch noch so 
dürftigen Erwerbes befürchten müssen. Dies sei auch der Grund, weshalb sie 
sich darüber noch nicht beklagt hätten. „In jenen Gegenden hingegen, wo die 
Lieferanten den Tuchmachern keine Vorschüsse an Wolle geben, sondern das 
Tuch um bares Geld von ihnen kaufen, zahlen sie denselben für die Elle 3 fl.30kr., 
während sie vomÄrarium 3fl. 45 kr. erhalten, und gewinnen daher bei 70.000 per 
Akkord übernommenen Tüchern 350.000 fl, dannbeijedemZentnerWolle,diedie 
Tuchmacher zur Vermeidung aller Verdrießlichkeiten doch von ihnen zu nehmen 
gezwungen sind, 10 fl., zusammen daher 600.000 fl., welcher Gewinn zwar die 
Lieferanten bereichert, ohne die Landesindustrie zu befördern und ohne dem 
Gewerbsmanne seine Subsistenz zu verbessern." 

Die Folge davon sei, daß trotz des Riesengewinnes dieser Spekulanten 
die Erzeuger für Hungerlöhne arbeiten müssen und der Staat schlechte Ware 
um einen Preis bekomme, für welchen er weit solidere geliefert erhalten könnte. 
Daher bedeute der Tuchlieferungskontrakt nicht nur keine Hebung, sondern 
geradezu eine erhebliche Schädigung der Industrie. Alle Länderstellen waren 
darüber einig, daß diese Lieferungsverträge für die Industrie schädlich seien, 
und beantragten, die Bedürfnisse für das Militär entweder durch Einkaufs- 
anstalten oder aber von den verschiedenen Zünften aus erster Hand anzuschaffen. 
Dies würde vor allem zur Emporbringung der kleinen Fabriken beitragen, 
ebenso wie zur Beseitigung der drückenden Verhältnisse, in welche die Erzeuger 
durch die Lieferanten versetzt werden, weiters zur Vermehrung des Erwerbes 
vieler Gebirgsbewohner, endlich zum Vorteile des Ärars, welches bessere und 
billigere Ware erhalten würde. Das mährisch-schlesische Gubernium machte 
den Antrag, für jene Orte, an welchen zahlreiche Tuchmacher oder Tuchfabri- 
kanten bestehen, politische Tucheinkaufs- und Übernahmskommissäre von 
erprobter Redlichkeit zu bestellen, denselben zur Beurteilung der Qualität der 
zum Ankaufe für den Militärbedarf angebotenen Tücher zwei Sachverständige 
aus dem Tuchmachermittel gegen verhältnismäßige Entschädigung für ihre 
Mühewaltung beizugeben und diese Kommissäre mit der Vollmacht zu ver- 
sehen, die von ihnen als echt und qualitätsmäßig anerkannten Tücher für die 
Militärbehörde unwiderruflich zu übernehmen. Dabei hätte das Ärar die Qua- 
lität der Tücher, ihre Breite und ihr Ellenmaß genau zu bestimmen und die 
Preise so festzusetzen, daß dieselben bei Berücksichtigung des Wertes des Ur- 
stoffes und der sonstigen Betriebsanlagen dem Erzeuger einen verhältnismäßig 
entsprechenden Verdienst sichern würden. 

Der Abschluß dieses Tuchlieferungsvertrages und dessen Wirkungen 
einerseits, der Umstand anderseits, daß die Kommerzbehörden von diesem 
Vertrage überhaupt nicht einmal in Kenntnis gesetzt worden waren, zeigt zur 



83 

Genüge, wie wenig man damals noch daran dachte, die Müitärlieferungen 
überhaupt in industriepolitisch vorteilhafter Weise zu vergeben. 

Jetzt trat die Kommerzhofkommission dafür ein, man solle die Zwischen- 
händler bei der Deckung der Bedürfnisse für die Armee ausschalten und die 
Lieferungen den einzelnen Zünften und kleineren Erzeugern übertragen. Sie 
hielt sich verpflichtet, „aus Rücksichten der Nationalindustrie und 
des damit eng verbundenen Staatsinteresses sich laut für die 
Realisierung dieses ihres Antrages auszusprechen", und überließ es 
sonst dem Ermessen der zur Prüfung des Militärbekleidungs- und Ausrüstungs- 
systems aufgestellten Hofkommission, auf welche Art dieser Vorschlag durch- 
geführt werden sollte^). Zu einem entscheidenden Schritt in dieser Richtung 
sollte es aber noch lange nicht kommen. 

Gegenüber der Frage der Errichtung von Fabriken auf Staatskosten ver- staatuche 
hielt man sich damals, wie schon lange vorher, ganz ablehnend, „da es iin j^^" y*j!5,*°. 
allgemeinen den anerkannten staatswirtschaftlichen Grundsätzen widerspricht, gerun? ein- 
auf Ärarialkosten Fabriken zu errichten und zu betreiben, wenn nicht zugleich zeiner Pro- 
der höhere Zweck einer Kunst- oder Bildungsanstalt damit verbunden ist"^). ^^^^'°^^' 

'-' ' zweige. 

Wo aber der letztere Fall eintrat, da unterließ es die Staatsverwaltung nicht, 
die Einführung von Verbesserungen der Fabrikation auf Staatskosten zu 
fördern oder selbst einzuleiten. So erteilte in der staatlichen Rannersdorfer 
Papierfabrik 1816 — 1819 ein in den Niederlanden ausgelernter Tuchspänmacher 
auf Staatskosten Unterricht in der Erzeugung von Tuchpreßspänen^) und in 
derselben Zeit w'urde in Steyr von einem holländischen Meister ebenfalls auf 
Ärarialkosten die Tuchscherenfabrikation betrieben und Unterricht in der- 
selben erteilt^). Wenn auch die Erfolge dabei den Erwartungen nicht entsprachen, 
so kann die gute Absicht der Regierung doch nicht in Abrede gestellt werden. 
Dasselbe muß auch bezüglich der großen Geldunterstützungen gesagt werden, 
mit welchen sie sich, wenn auch mit geringem Erfolge, die Einführung und 
Verbreitung der Flachsspinnmaschinen zu fördern bemüht hat^). 

Der schweren Krise, von welcher die österreichische Finanzverwaltung 
zu Anfang des zweiten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts heimgesucht worden 
war, wurde schon gedacht. Die Nachwirkungen derselben machten sich noch 
lange geltend. Daß die Staatsverwaltung dennoch ernstlich bestrebt war, 
den Bedürfnissen der Industrie und ihrer Fortentwicklung so weit als möglich 
Rechnung zu tragen, zeigt neben den eben erwähnten gewerbepolitischen Maß- 
nahmen auch der Umstand, daß sie die großen Kosten nicht scheute, um das 
1815 errichtete Wiener polytechnische Institut in munifizentester Weise aus- 
zustatten und so eine Anstalt zu schaffen, welche für das höhere gewerbliche 
Bildungswesen und für die Schaffung einer Industrie auf modemer Grundlage 
von weitgehender Bedeutung werden sollte^). 

Der Verbesserung des Kredit- und Geldwesens sollte die durch Finanz- National- 

bank. 

1) H. K. A. Kom. Kommission, Fasz. 21, Nr. 125 ex majo 1822. — ^) H. K. A. Kom. 
Kammer, Fasz. 51, Nr. 8 ex nov. 1816. — ') Vgl. unten S. 320, 425. — *) Vgl. unten 
S. 194, 320. — ") Vgl. unten S. 191 ff, 367. — •) Vgl. unten S. 167 ff. 

6* 



84 

patent vom 1. Juni 1816 mit einem Privilegium ausgestattete österreichische 
Nationalbank dienen, die einerseits bestimmt war, den Wechsel- und Hypo- 
thekarkredit zu sichern und zu erweitern, anderseits aber durch Einlösung der 
Einlösungs- oder Antizipationsscheine die Geldverhältnisse der Monarchie zu 
erleichtern und den Geldumlauf allmählich auf die Grundlage der Konventions- 
münze zurückzuführen. Schon das Aktienkapital der Bank im Betrage von 
100 Millionen Gulden in Einlösungsscheinen und 10 Millionen Gulden Kon- 
ventionsmünze befreite den Geldumlauf der Monarchie um 100 Millionen Gulden 
in Einlösungs- und Antizipationsscheinen und trug zur Verbesserung der Kurse 
des Papiergeldes bei. Namentlich die Erleichterung und Erweiterung des 
Eskomptekredits durch diese Bank mußte dem Handel und dem Gewerbe in 
dieser Zeit der Depression, in welcher Gründungs- und Betriebskapital so schwer 
zu beschaffen war, sehr zugute kommen^). 

Um die Produktion zu beleben und die Heranziehung neuer Kapitalien 
zu derselben möglichst zu erleichtem, huldigte die Kommerzhofkommission 
in betreff der Gewerbeverleihungen der größtmöglichen Liberalität. Ander- 
seits erwartete sie von der Ausdehnung des österreichischen Prohibitivsystems 
auf die oberitalienischen Provinzen und die dadurch bewirkte Ausdehnung 
des konkurrenzfreien Absatzgebietes für die inländische Produktion eine Be- 
lebung und Erweiterung des Absatzes. 
Handels- Zur Verbreitung der Kenntnisse über die Leistungsfähigkeit der österrei- 

und chischen Industrie im In- und Auslande, um anderseits auch dem Unter- 
zeitung, nehmungsgeiste vielleicht durch Aneiferung und Aufklärung unter die Arme 
zu helfen, die Produzenten durch die Anerkennung ausgezeichneter Leistungen 
zur Verbesserung und Erweiterung ihrer Betriebe aufzumuntern, sollte eine 
Handels- und Industriezeitung herausgegeben werden, deren Notwendigkeit 
von der niederösterreichischen Regierung schon 1817 betont worden war und 
die seit 1819 in den Jahrbüchern des Wiener polytechnischen Instituts tat- 
sächlich ins Leben trat^). 
Ausateiiun- Zur Erleichterung des Absatzes und zur Anspornung der Produktion 
^®°- sollten jährlich in Verbindung mit dem polytechnischen Institut Industrie- 
ausstellungen veranstaltet und der Bericht darüber in den Jahrbüchern des 
Instituts veröffentlicht werden^). Denselben Zweck sollte die permanente 
Ausstellung des Fabriksproduktenkabinetts am polytechnischen Institut mit 
didaktischen Zwecken verbinden*). Zu wirklichen Gewerbeausstellungen ist 
es jedoch erst am Ende dieser Periode gekommen^). 

Verleihungen des Adelsstandes oder von anderen Auszeichnun- 
gen und Belohnungen an hervorragende Industrielle und geschickte Arbeiter 
kamen auch in dieser Periode vor. Endlich war die Kommerzhofkommission 
bestrebt, die Einwanderung hervorragender ausländischer Indu- 



^) Vgl. E. Th. Hohler, Histor.-pol. Erläuterung über Bankanstalten überhaupt und über 
die österr. Nationalbank insbesondere. Wien 1816, S. 34 ff. — *) H. K. A. Kom. Kommission, 
Fasz. 29, Nr. 214 ex dec. 1817. — Vgl. auch unten S. 169. — ') Vgl. unten S. 230. — *) Vgl. 
unten S. 228 ff. — ») Vgl. unten S. 232 ff. 



85 

strieller nach Möglichkeit zu begünstigen und zu erleichtern, wobei ihr dies 
auch bezüglich einiger Unternehmungen gelang, die bald zur Zierde der öster- 
reichischen Industrie gehören sollten (Vaucher du Pasquier, Gebrüder Schoeller^). 

Wie schon bis dahin, so blieb auch damals und weiterhin das immer wieder versuch, 
gegen die Liberalität bei Gewerbeverleihungen von selten der Zünfte vorge- ^^^ ^^^^^^' 

• • huii?6ii von 

brachte Argument, daß die Liberalität und die dadurch hervorgebrachte über- Gewerben 
Setzung der Gewerbe an allen Übeln schuld sei, so am Verfalle der Gewerbe,zu beschrän- 
der Verschlechterung der Produktion und der Untergrabung des Absatzes und,^„^^*^„„, 
des Kredits. Immer wieder mußte die Hofstelle dieser Ansicht entgegentreten, 
um die Liberalität bezüglich der Gewerbeverleihungen zu verteidigen. 

Im November 1821 sah sie sich so veranlaßt, anläßlich eines Rekurses 
dem böhmischen Gubernium zu bedeuten, es liege gar nicht im Geiste der Ge- 
setze, ,,die Privatindustrie dergestalt zu bevormundschaften, 
daß man sich von Staats wegen bei Errichtung ganz neuer, ohne 
die besondere Begünstigung von Landesfabriksprivilegien zu 
unternehmender Fabriken in eine ängstliche Vorerhebung über 
die Mittel zum Betriebe" und ähnliches einlasse^). 

Da die Innungen durch Vorstellungen bei der Hofstelle ihr Ziel nicht 
erreichen konnten, so bestürmten sie den Kaiser mit Petitionen um Abstellung 
des liberalen Systems. Sie erreichten auf diese Weise, daß unter dem 10. August 
1822^) ein Kabinettschreiben an den obersten Kanzler Grafen Saurau erging. Kabinett- 
weiches sich mit dieser Frage beschäftigte. Die Vorsteher mehrerer Mittel von schreiben 
„Fabrikanten" und bürgerlichen Gewerbetreibenden hätten um Sistierung der lo. August 
freien Gewerbeverleihung gebeten, mit dem Hinweis auf die Nachteile der 1822. 
unverhältnismäßigen Vermehrung der Gewerbe. „Wenn einerseits sich die 
Vorteile nicht verkennen lassen, die aus der Gewerbskonkurrenz entspringen, 
insofern selbe dem wirklichen Bedarf angemessen ist, so kann es anderseits der 
Staatsverwaltung nicht gleichgültig sein, wenn diese Gewerbs Vermehrungen in 
einem solchen Maße ausgedehnt werden, daß dieselben nicht nur den weitesten 
Bedarf überschreiten, sondern sogar die wirkliche Existenz der Gewerbsleute 
bedrohen und dieselben in einen dem Staate sehr empfindlich werdenden Zu- 
stand der Armut und daraus entspringender Steuerunfähigkeit versetzen, 
wodurch auch andere böse Folgen entstehen können. Die betref- 
fenden Hofstellen und Behörden hätten daher schon längst bedacht sein sollen, 
bei Ausübung der Konkurrenzgrundsätze mit dem erforderlichen Maße vor- 
zugehen und hiernach den Unterbehörden die erforderlichen Weisungen als 
Richtschnur zu erteilen. Da dies nicht geschehen zu sein scheint, so mache ich 
die Kanzlei, soweit es ihren Wirkungskreis betrifft, streng verantwortlich, 
Gewerbsverleihungen für die Zukunft nur für den absolut not- 



1) Vgl. unten S. 282, 321. — ^) H. K. A. Korn. Kommission, Fasz. 42, Nr. 26 ex nov. 182L 
— ')Schon früher hatten die bürgerlichen Handels leute es erreicht, daß der Kaiser der Kom- 
merzhofkommission befahl, über die zu starke Vermehrung der Handelsleute und die Schäden 
des liberalen Systems ein Gutachten zu erstatten. Näheres darüber vgl. bei Reschauer, 
a. a. 0,, 64 ff. 



86 

wendigen Bedarf zu gestatten und auch die Kommerzhofkommission 
in meinem Namen hiernach zu einem gleichförmigen Benehmen anzuweisen. 
Die betreffenden Hofstellen haben mir anzuzeigen, was sie in 
dieser Sache verfügt haben werden und welche Vorschriften 
sie hierwegen zu erteilen gedenken." 

Wiederum zeigte sich hier die viel zu weit gehende Geneigtheit des Kaisers, 
Petitionen soweit als möglich zu berücksichtigen, um die Untertanen zufrieden- 
zustellen, und, ohne die Hofstellen zunächst darüber zu befragen, Verfügungen 
zu erlassen, die sich später als überhaupt nicht oder nur mit Beeinträchtigung 
wichtiger staatlicher Interessen durchführbar erwiesen. 

Auffallend ist dabei schon die Tatsache, daß sich das Kabinettschreiben 
in erster Linie an die Hofkanzlei wendet, welcher nur die Polizeigewerbe unter- 
standen, bei welchen das liberale Verleihungsprinzip überhaupt nie in Anwen- 
dung gestanden war. Anderseits wurde aber die Verfügung durch den letzten 
Satz wesentlich gemildert, durch den die Hofstellen angewiesen wurden, dem 
Kaiser anzuzeigen, welche Vorschriften sie zu erlassen gedenken. 

Da schon die gesetzliche Scheidung der Gewerbe in Kommerzial- und 
Polizeibeschäftigungen darauf beruhte, daß die ersteren nicht nur zur Befrie- 
digung des Lokalbedarfes produzieren, der Bedarf der ganzen Monarchie und 
des Exports aber unmöglich genau bestimmt werden konnte, so konnte bei 
ihnen von einer Beschränkung der Verleihungen nicht leicht die Rede sein. 
Daher erstattete die Kommerzhofkommission unter dem 29. Oktober 1822 
Vortrag einen alleruntertänigsten Vortrag, wodurch sie die bezüglich der Kommerzial- 
^°°^ beschäftigungen gegen ihre Beschränkung auf einen willkürlich angenommenen 
1822. notwendigen Bedarf obwaltenden Umstände und Hindernisse anzeigte und 
antrug, es beim bestehenden System der Kommerzialgewerbeleitung bis zur 
allgemeinen Revision der Gewerbeverfassung zu belassen. Zugleich setzte sie 
alle Gründe ausführlich auseinander, welche gegen jede Beschränkung sprachen, 
um desto überzeugender darzustellen, welche Nachteile für die Industrie und 
für den Staat entstehen würden, ,,wenn man diesen unermüdeten kurz- 
sichtigen Behelligern ihre unsinnigen Bitten gewährte". 

Die besonderen, hier obwaltenden Verhältnisse und die Überzeugung, daß 
alle Einschränkungen von selten der Staatsverwaltung „nicht nur mit den schäd- 
lichsten Folgen für die Nationalbetriebsamkeit verbunden, sondern auch gegen 
die Grundsätze der allgemeinen Billigkeit streiten würden, wenn man ohne 
streng erwiesene Notwendigkeit dem Rechte jedes Staatsbürgers, sich 
durch eine gewisse von ihm gewählte Arbeit den nötigen Erwerb 
und Unterhalt zu sichern ... zu nahe treten, teils aber auch dem Fort- 
gehreiten der Privatindustrie, das bloß von einer freien und unbeschränkten 
Bewegung des Kunst- und Gewerbsfleißes abhängt, hinderlich sein wollte", 
hätten die österreichische Staatsverwaltung schon frühzeitig bestimmt, mehrere 
kommerzialbeschäftigungen ganz freizugeben, ebenso wie auch schon unter 
Maria Theresia anbefohlen worden sei, keine nicht zünftigen Gewerbe mehr für^ 
künftig zu erklären. Ebenso habe der Kaiser 1809 und 1811 die Indu- 
strialfreiheit zur Basis der Kommerzialgewerbsleitung auf-j 



87 

gestellt, indem er angeordnet habe, daß es von den 1802 anbe- 
fohlenen Beschränkungen wieder abzukomm n habe. An dieses 
von Seiner Majestät sanktionierte System hätten sich die Behörden seitdem 
immer gehalten. Von einer Fesselung der Kommerzialge werbe, welche beim 
bestehenden Prohibitivsystem einerseits den ganzen inländischen Bedarf be- 
friedigen, anderseits noch für den Export produzieren sollen, könne keine 
Rede sein; im Gegenteil erheische es das öffentliche Interesse, jeden Zwang auf 
dem Gebiete der Industrie sorgfältigst zu beseitigen. ,,Jede Beschränkung, 
die hier auf Kosten des Talents, der Arbeitsamkeit und redlichen Genügsamkeit 
eintreten würde, kann nur als das Grab der Nationalbetriebsamkeit und als eine 
offenbare Verletzung des individuellen Erwerbsrechtes und der Gerechtigkeits- 
liebe der Staatsverwaltung angesehen werden, die alle ihre Untertanen mit 
gleicher Liebe umfassen, mit gleicher wohlwollender Fürsorge für ihren Unter- 
halt bedenken soll." Wollte man aber aus Gründen, die die Kommerzhof- 
kommission nicht einsehen könne, die Industrie dennoch Beschränkungen 
unterziehen, so müßte erst ein verläßlicher Maßstab gefunden werden zur 
Beantwortung der Frage, ob und inwiefern die Vermehrung einer Gewerbe- 
gattung notwendig sei oder nicht. Die Beantwortung dieser Frage wäre sicher 
eine sehr schwierige, wenn nicht ganz unlösliche Aufgabe. 

Außerdem müßte, wenn die Berücksichtigung des Ortsbedarfes bei Ver- 
leihung von Kommerzialbefugnissen angeordnet werden sollte, diese Beur- 
teilung den Ortsobrigkeiten überlassen werden, denen die Gewerbeverleihung 
in erster Instanz zustehe. „Allein abgesehen von dem beschränkten Stand- 
punkt, auf dem diese Behörden stehen und der es ihnen unmöglich macht, die 
allgemeinen Rücksichten und Verhältnisse gehörig zu würdigen, dürfte es 
um so gewagter sein, in einer für den Nationalwohlstand so wichtigen Angelegen- 
heit in das Urteil der einzelnen Dominien und Ortsobrigkeiten zu kompro- 
mittieren, als die Erfahrung sattsam bewiesen hat, wie sehr hier Parteilichkeit, 
Bestechung und Nepotismus Eingang findet und wie oft die geschicktesten 
Individuen minder geschickten einzig und allein aus dem Grunde nachstehen 
müssen, weil letzteren das Glück zuteil wurde, Meistersöhne zu sein oder Ver- 
wandte oder Bekannte zu besitzen, die auf den Akt der Gewerbeverleihung 
Einfluß nehmen." 

Ebenso wie bei den Kommerzialgewerben sei auch beim Groß- und Detail- 
handel eine Berücksichtigung des Ortsbedarfes nicht möglich, welcher nur bei 
den Polizeigewerben und dem Krämerhandel in Betracht kommen könne. 
Nachdem die Kommerzhofkommission noch die günstigen Wirkungen der 
Gewerbefreiheit in Oberitalien hervorgehoben hatte, trug sie auf Nichtberück- 
sichtigung der Wünsche der Beschwerdeführer an, da sonst alles vernichtet 
würde, was die Staatsverwaltung mit vieler Mühe durch eine Reihe von Jahren 
zustande gebracht habe. Was die Beschwerdeführer verlangen, seien im Grunde 
genommen nichts als eigennützige monopolistische Begünstigungen. Der Vor- 
trag schloß mit folgenden Sätzen: „Die treugehorsamste Kommerzhofkommission 
hält sich daher verpflichtet. Euere Majestät in aller Ehrfurcht wiederholt zu 
bitten, nicht nur die Bittsteller mit ihrem ungeräumten Gesuche ein für allemal 



zur Ruhe zu verweisen, sondern es auch bei dem bestehenden System der 
Kommerzialgewerbsleitung fortan, und zwar um so mehr zu belassen, als selbst 
bei aller Verbesserung, die unser Gewerbswesen noch bedarf und worüber man 
die Vorschläge, sobald die Vorerörterungen über diese wichtige Angelegenheit 
gehörig vorbereitet sind, Euerer Majestät untertänigst vorschlagen wird, nie 
von einer weiteren Beschränkung der Kommerzialgewerbe die 
Rede sein kann. Alles, was man daher in dieser Sache untertänigst ver- 
anlassen könnte, dürfte mit Euerer Majestät gnädigster Genehmigung darin 
bestehen, daß den Länderstellen wiederholt die Weisung erteilt würde, sich 
bei Leitung der Kommerzialgewerbe vor der Hand noch genau an die jetzt 
bestehenden gesetzlichen Bestimmungen zu halten und sorgfältigst darauf zu 
sehen, daß nur jene Individuen zum selbständigen Betriebe von Gewerbsunter- 
nehmungen zugelassen werden, die sich über den Besitz der hiezu erforderlichen 
persönlichen Eigenschaften auf eine befriedigende Art ausgewiesen haben''^). 

Hand- luzwischeu schcineu weitere Klagen über Gewerbeverleihungen an den 

schreiben Kaiser gelangt zu sein, worauf unter dem 5. November 1822, noch bevor der 

ö^nTv. Inhalt des eben erwähnten Vortrags zur allerhöchsten Kenntnis gelangt war, 

1822. ein Handschreiben an den Präsidenten der Kommerzhofkommission Ritter 
von Stahl erfloß, des Inhalts, die Kommerzhofkommission sei nach der Weisung 
vom 10. August verpflichtet, auch wenn sie gegen dieselbe eine Vorstellung für 
notwendig erachte, bis zur definitiven Entscheidung keine Kommerzialbefugnis 
mehr zu verleihen. Dennoch sollen aber noch weitere Kommerzialgewerbe ver- 
liehen worden sein, so daß von der Kommerzhofkommission keine Weisungen 
zur Befolgung der Anordnung vom 10. August hinausgegeben worden zu sein 
scheinen. Die Kommission solle daher unverzüglich Auskunft geben, ob und 
wann ihr von selten der Hofkanzlei das Kabinettschreiben vom 10. August mit- 
geteilt worden sei und wann die Kommerzhofkommission dasselbe den Unter- 
behörden zur Danachachtung intimiert oder was sie sonst verfügt habe. Weiters 
ob seit jenem Verbot entweder von der Kommerzhofkommission oder den Unter- 
behörden wirklich Kommerzialgewerbe verliehen worden seien und wenn dies 
der Fall sein sollte, wodurch diese dem kaiserlichen Befehle zuwiderlaufende, 
ja dasselbe geradezu vereitelnde Verfügung gerechtfertigt werden könne. Bis 
zur Erledigung des zu erstattenden Berichtes habe die Kommerz- 
hofkommission jede fernere Verleihung von Kommerzialgewerben 
zu sistieren. 

Selbst diesem unzweideutigen Befehle war die Kommerzhofkommission 
nicht gesonnen, sich zum Schaden der Industrie zu fügen. Schon unter dem 

Vortrag 7. Novcmbcr erstattete Präsident von Stahl einen Vortrag, in welchem er vor 
vom 7. Nov. allem darauf hinwies, daß die Durchführung des kaiserlichen Befehls der ganzen 

1822 ' o ^ 

Industrie und dem Wohlstande des ganzen Gewerbestandes den Todesstoß 
versetzen würde. Falls aber der Kaiser dessenungeachtet auf Durchführung 
des Verbotes bestehen sollte, so erbitte er sich nur noch die nähere Bestimmung : 



1) H. K. A. Kom. Kommission, Fasz. 29, Nr. 162 ex oct. 1822; Kom, Kammer, Fasz. 29, 
Nr. 61 ex martio 1827; Staatsrat 1822, Nr. 5546, 7544. 



89 

a) ob die anbefohlene Sistierung der Gewerbeverleihungen eine allgemeine 
Wirkung nicht nur für die Provinzialhauptstädte, sondern auch für die übrigen 
Städte und das flache Land haben solle; &) ob dieser Befehl auch jene Be- 
schäftigungszweige zu umfassen habe, die auf dem Lande und teilweise in den 
Städten selbst ganz frei sind und daher bis nun von jedermann ausgeübt werden 
konnten, wodurch Tausende, ja vielleicht Millionen Menschen, und zwar der 
ärmsten Klasse ihren Erwerb gefunden haben; c) ob dieses „beschränkende 
Gewerbesystem" auch im lombardisch- venezianischen Königreiche, im Küsten- 
lande und in Dalmatien, wo absolute Gewerbe- und Handelsfreiheit mit dem besten 
Erfolge bestehe, eingeführt, sohin ob auch daselbst die bisher bestandene Ge- 
werbe- und Handelsfi'eiheit dem Zunft- und Innungssystem aufgeopfert werden 
solle. ,, Geruhen Euere Majestät, mir über diese alleruntertänigsten Anfragen 
die näheren Andeutungen und Befehle, die zu meiner Beruhigung und 
Bedeckung sowie auch zur Vermeidung eines jeden Mißgriffs notwendig sind, 
zu erteilen, und ich werde sodann unverzüglich die nötigen Maßregeln ergreifen, 
die zur Vollführung dieses allerhöchsten Befehles notwendig sind''^). 

Hatte die Kommerzhofkommission nach dem Befehle vom 10. August der 
Hofkanzlei gegenüber bemerkt, sie halte sich für verpflichtet, dem Kaiser eine 
ehrerbietige Vorstellung zu überreichen und könne daher vor Herablangung 
der weiteren allerhöchsten Entschließung keine Weisungen an die Unterbehörden 
erlassen^), so griff sie jetzt vor allem zu dem bewährten Mittel, Vorstellungen 
dagegen zu erheben, zugleich aber, für den Fall ihrer Erfolglosigkeit, Anfragen 
zu stellen, ohne deren Beantwortung eine Ausführung der Beschränkungen 
nicht möglich war. Die ganze Formulierung und der Inhalt dieser Anfragen 
zeigt, daß sie nicht so sehr als Fragen, sondern vielmehr als Hauptargumente 
gegen beschränkende Verfügungen hätten wirken sollen. Auf jeden Fall mußten 
die Fragen eine Wirkung haben; wenn keine andere, so doch die, daß bis zu 
ihrer Erledigung lange Zeit verstreichen mußte. Bis dahin verschob aber die 
Kommerzhofkommission die Durchführung des strikten Befehls des Kaisers, 
weil sie zu ihrer „Beruhigung und Bedeckung" zunächst die näheren Befehle 
abwarten wollte. Dem kaiserlichen Befehle setzte die Hofstelle, um nach ihrer 
Überzeugung der Industrie nicht zu schaden, direkt passiven Widerstand ent- 
gegen, in der Hoffnung, dessen Durchführung so ganz zu vereiteln. 

Und tatsächlich gelang der Plan. Denn erst durch Kabinettschreiben Kabinett- 
vom 18. Mai 1824 wurde der Vortrag der Kommerzhofkommission vom 29. Ok- ^^'i'^"''^ _ 
tober 1822 (zugleich als Erledigung des Vortrages vom 7. November 1822) isai. 
dem Hofkanzleipräsidenten übersendet, damit dieser Gegenstand in einer gemein- 
schaftlichen Beratung einer aus Räten der Hofkanzlei und der Hofkammer 
bestehenden Kommission (die Kommerzhofkommission war inzwischen schon 

aufgehoben worden) verhandelt werde, um sodann dem Kaiser ein Gutachten 
zu erstatten, was zu verfügen wäre, um, ohne die Industrie zu hemmen, die 

Gewerbetreibenden, Fabrikanten und Handelsleute ,,vor ihrem Unter- 



1) H. K. A. Kom. Praes. 1822, Nr. 1067; Staatsrat 1822, Nr. 7402, 7575. — ") H. K. A. 
Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 97 ex jan. 1828. 



90 

gange zu retten und die durch die Not entstandene Pfuscherei" und die 
anderen noch ärgeren Unfüge, Betrügereien und selbst dem Export nachteiligen 
Folgen hintanzuhalten. 

Am 22. Juli 1824 fand diese gemeinsame Kommission statt, wobei der 
Referent, Hofrat von Droßdick von der Hofkanzlei, den Ansichten, welche 
die Kommerzhofkommission in ihrem Vortrage vom 29. Oktober 1822 aus- 
einandergesetzt hatte, ganz zustimmte und bemerkte: Die Staatsverwaltung 
„darf den eigennützigen Bestrebungen der bereits bestehenden Gewerbsinhaber 
zur Sicherung eines erhöhten Gewinns nicht nachgeben und ihre einseitigen in 
Privathinsicht eingebrachten Vorstellungen wegen besorgter Beeinträchtigung 
auf keine Weise beachten, weil sie sonst durch eine scheinbar gerechte und 
billige Beschützung und Begünstigung der ersteren doch offenbar nur ein Un- 
recht und eine Unbilligkeit allen übrigen gewerbslustigen Individuen zufügen 
würde, welche ganz gleiche Ansprüche geltend machen können, um aus derselben 
Quelle auch für sich einen Erwerb und Gewinn zu schöpfen. Sie darf sich daher 
bei den Gewerbsverleihungen einzig nur durch öffentliche Rücksichten leiten 
lassen und daher auch nur die in dieser Beziehung von den bestehenden Gewerbs- 
inhabern vorgebrachten Vorstellungen einer näheren Beachtung würdigen". 
„Auf diesen allgemeinen Ansichten beruht durchaus schon die bisherige öster- 
reichische Gesetzgebung, welche in voller Übereinstimmung mit ihrem übrigen 
allgemeinen Charakter auch in Ansehung der Gewerbsverleihung zwischen den 
beiden Extremen einer ungebundenen Gewerbsfreiheit und eines die Industrie 
beengenden Zunftzwanges die weise Mittelstraße beobachtet." An der bis- 
herigen Verfassung der Kommerzialgewerbe und ihrer Verleihung solle nichts 
geändert werden. Nur sollen, um das behördliche Verfahren bei Verleihungen 
zu vereinfachen und zu verkürzen, genaue Bestimmungen über die erforder- 
lichen Eigenschaften festgesetzt werden, ohne welche nie, bei deren Nachweis 
aber immer die Verleihung von Kommerzialgewerbebefugnissen stattzufinden 
hätte. Die einfache Betonung der Liberalität sei zu unbestimmt und bedürfe 
daher dieser näheren Ergänzung. Von einem Untergange der Gewerbe, von 
welchem die Vorstellungen der Innungen sprechen, sei keine Rede. Zwar sei 
es um die Gewerbe schlechter bestellt als vor 1811, wo das Papiergeld zu einer 
riesigen Produktion geführt hatte, es seien aber auch gegenwärtig die Klagen 
übertrieben, weil Heimsagungen und Konkurse sehr selten seien. Die be- 
stehenden Gewerbe wären statt einer Beschränkung eher einer weiteren Ver- 
mehrung fähig. Daher meinte der Referent, es wären höchstens nach dem An- 
trage der ehemaligen Kommerzhofkommission die Behörden anzuweisen, die 
bestehenden Vorschriften genau zu beobachten. Freiherr von Krieg von der 
Hofkammer erklärte ergänzend, er habe die meisten Fabriken Wiens besucht, 
alle in voller Tätigkeit gefunden und in keiner Klage wegen Mangel an Absatz 
gehört. Ritter von Stahl teilte mit, daß nach Berichten von Handelskomraissären 
vielfach sogar Monate vergehen, bis ihre Bestellungen effektuiert werden, so 
daß es an Nachfrage und Absatz für die Fabriken nicht fehlen könne. 

Das Resultat der Beratungen war, daß die Kommission einstimmig den 
Beschluß faßte, Seine Majestät zu bitten, es bei den bisher bestehenden Vor- 



91 

Schriften über die Verleihung von Polizei- und Kommerzialgewerben zu belassen, 
wobei höchstens die Behörden angewiesen werden sollten, dieselben genau zu 
beobachten. Es könnte nachteilig sein, neue Beschränkungen einzuführen^). 
Dieser Beschluß wurde dem Kaiser zur Genehmigung vorgelegt. 

Auch während dieser Verhandlungen ruhten die Gegner der Liberalität 
nicht und richteten weitere Petitionen an den Kaiser und an die Hofstellen. 
So bat im September 1823 der Wiener bürgerliche Handelsstand den Kaiser, 
den Auftrag vom 10. August 1822 zu erneuern, womit die Aufhebung des 
Liberalitätssystems und die Innehaltung mit den Verleihungen der Kommerzial- 
befugnisse anbefohlen worden sei. Dabei bemerkten sie: ,, Euere Majestät haben 
huldreichst geruht, in dem herabgelassenen allerhöchsten Handschreiben das 
bis dahin bestandene Liberalitätssystem als nicht mehr zeit- ; 
gemäß seiend zu erklären und die den Zeitverhältnissen ent- 
sprechende Sistierung der Kommerzialgewerbsverleihungen alier- 
gnädigst anzubefehlen"^). Im August 1824 gingen die Laibacher Handels- 
leute die Hofkanzlei um Beschränkung der Kommerzial- und Industrial- 
freiheit an^). 

Es half ihnen aber alles nichts mehr, denn die Hofstellen, in erster Linie 
die Hofkammer, hatten durch überzeugende Ausführungen und zähe Ausdauer 
diese Vorstöße des Beschränkungsgeistes abgewehrt. Auf den Vortrag, welcher 
die Beschlüsse der aus Räten der Hofkanzlei und der Hofkammer bestehenden 
Kommission dem Kaiser zur Genehmigung vorlegte, erfloß unter dem 24. Februar Bnt- 
1827 die allerhöchste Entschließung, welche die Anträge genehmigte, wobei die ^^''''"grFe- 
Hofkammer den Unterbehörden zur Pflicht machen sollte, bei Verleihung von ijjuar isa?. 
Kommerzialgewerben sich genau und streng an die bestehenden Vorschriften 
zu halten, die Gewerbe- und Handelsbefugnisse nicht ohne Grund zu vermehren 
und die Gewerbetreibenden und Handelsleute gegen unbefugte Eingriffe und 
Störungen ihrer Gerechtsame nachdrücklich zu schützen^). 

Unter demselben Datum wurde auch der Vortrag vom 22. Jänner 1822, 
welchen die Hofkammer über die Vorstellungen des Wiener bürgerlichen 
Handelsstandes „gegen die Vermehrung der Handelspartheien" und gegen das 
angebliche Liberalitätssystem erstattet hatte, in demselben Sinne erledigt^). 

Damit hatte diese Episode nach fast fünf Jahren ein glückliches Ende 
genommen. Im Gegensatz zu den Kämpfen zwischen dem Liberalitäts- und 
dem Beschränkungsgeiste zu Anfang des Jahrhunderts, haben es jetzt die 
Kommerzhofstellen zustande gebracht, die Sistierung der Gewerbeverleihungen 
überhaupt ganz zu hintertreiben. Der Kaiser, der sich durch seine leichte 
Zugänglichkeit für die Wünsche des Volkes und durch sein Bestreben, wo- 
möglich allen Klagen abzuhelfen, veranlaßt gesehen hatte, beschränkende 
Maßnahmen anzuordnen, war dabei nicht etwa von industriefeindlichen Ten- 



1) H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 97 ex jan. 1828. Staatsrat 1822, Nr. 7544. 
— *) H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 26 ex sept 1824. — ') H. K. A. Kom. Kammer, 
Fasz. 9, Nr. 50 ex augusto 1824. — *) H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 61 ex martio 
1827. — ^) H. K. A. Kom, Kammer Fasz 9, Nr. 52 ex martio 1827. 



92 

denzen erfüllt, sondern er wollte im Gegenteil, da er die an ihn gelangten stark 
übertreibenden Vorstellungen für wahr hielt, ,,die Gewerbsleute, Fabrikanten 
und Handelsleute vor ihrem Untergange retten". Er glaubte eben, wie dies der 
Inhalt des Kabinettschreibens vom 10. August 1822 bezeugt, die Gewerbe- 
vermehrung hätte einen solchen Grad erreicht, „daß sie die wirkliche Existenz 
der Gewerbsleute bedrohe". Nebenbei spielte auch noch die Furcht vor Un- 
ruhen eine KoUe, worauf die Stelle des genannten Handschreibens hindeutet, 
daß die Gewerbetreibenden durch unverhältnismäßige Vermehrung der Gewerbe 
verarmen könnten, ,, wodurch auch andere böse Folgen entstehen können". 
Einführung Daß die Hofstellcn fest überzeugt waren, eine Änderung im Liberalitäts- 
der öster- gygtem sci Unmöglich, beweist am besten der Umstand, daß sie noch vor Er- 
Gewerbe- ledigung dcs Vortrags von 1824 über die anbefohlenen Gewerbebeschränkungen, 
Verfassung gelegentlich der 1825 erfolgten Einführung der österreichischen Gewerbe- 
buT e^^und ^erfassung im Salzburger- und Innkreise den dortigen Behörden ausdrücklich 
innkreise die gcsctzlich Vorgeschriebene Industrialfreiheit als Basis der Kommerzial- 
(1825). leitung, von welcher man bei Kommerzialgewerben nicht abweichen dürfe, 
einschärften. Bezüglich der Zünfte wurde den dortigen Behörden folgendes als 
Richtschnur bekanntgegeben: „Die Zünfte sind, jedoch nur zum Behufe der 
polizeilichen Aufsicht und der Legalität in Beziehung auf die Erlernung eines 
Gewerbes, die Gesellenbestimmung und die Eigenschaften zum Meisterrechte, 
da, wo sie bestehen, beizubehalten, und wo sie bei künftigen Gewerben nicht 
bestehen, einzuführen. Diese Zünfte haben sich jedoch ausschließlich auf 
erwähnten Zweck zu beschränken und sie haben ein für allemal kein Recht, 
aus dem Titel der Beeinträchtigung gegen verliehene neue Meisterrechte Vor- 
stellungen und Protestationen einzulegen"^). Auch bei der Entscheidung der 
Frage, ob die Übersetzung eines Gewerbes aus einem Bezirk in einen anderen 
zulässig sei, sollen die gewöhnlichen Einstreuungen anderer ähnlicher Gewerbe- 
treibender und die Klagen gegen Beeinträchtigungen den Behörden nicht als 
Motive dienen, sondern es seien bloß jene Anstände zu berücksichtigen, welche 
Aufhebung sich aus Polizcirücksichtcn oder auch aus der Gewerbeverfassung und nach den 
der zwischen-f^j. ^jjg Verleihung bestehenden Gesetzen ergeben^). 

zollinie zwi- ° o / 

sehen den Im Jahre 1825 wurde die bis dahin bestandene ZwischenzoUinie zwischen 
Erbländern ^[j.o\ Und Vorarlberg einerseits, zwischen Tirol und den übrigen Erbländern 
und Vor- andererseits aufgehoben, so daß von 1826 an diese beiden Länder dem öster- 
ariberg reichischeu Zollverband angehören^). 

(1825). Auch sonst suchte die Kommerzhofstelle angesichts des Umstandes, daß 

Keine Er- ^jg begonnene Reform der ganzen Gewerbeverfassung ein baldiges Ende nicht 
derGewerbe- erwartcu ließ, Härten und Mängel der bestehenden Gesetze zu mildern oder zu 
befugnisse beheben. Eine dieser Härten bestand darin, daß der Verlust der Befugnis nicht 
^betrieb* ^^^ durch Tod, Heimsagung und Konkurs erfolgte, sondern nach einem Hof- 
(seit 1827). dekret vom 24. September 1804 auch wenn der Unternehmer das Gebäude 



^) Vgl. die merkwürdige Übereinstimmung dieser Ausführung mit den Äußerungen der 
niederösterreichischen Regierung in ihrem Berichte vom 14. Juli 1810, oben S. 57, 61 f. 
— '^) H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 67 ex martio 1829. — *) Kopetz, a. a. 0., II, 210. 



93 

und die Betriebseinrichtung verkaufte oder die Fabrikation sonst aufgab und 
drei Jahre nicht betrieb^). Die Geltung dieser Vorschrift wurde 1826 auch auf 
ülyrien ausgedehnt. Es bedeutete aber eine offenbare Ungerechtigkeit, einen 
Unternehmer, der durch irgendwelche ungünstigen Verhältnisse außerstande 
war, sein Unternehmen eine Zeitlang zu betreiben, auch weiterhin zu verhindern, 
den Betrieb wieder aufzunehmen. Dies stand in offenem Widerspruche mit 
den Absichten der damaligen Kommerzialleitung, weshalb sich die Hofkammer 
darüber mit der Hofkanzlei ins Einvernehmen setzte, welche sodann unter dem 
12. Jänner 1827 an die Unterbehörden die Weisung erließ, wonach die persön- 
lichen Gewerbe nur mit dem Tod erlöschen sollen, wenn der Unternehmer der 
Befugnis nicht selbst entsagt oder derselben nicht durch ein Vergehen verlustig 
wird und die Erwerbsteuer gehörig entrichtet. Eine Ausnahme bleibe noch 
fernerhin nur bei den Gewerben bestehen, welche dazu bestimmt sind, das 
Publikum mit den ersten Lebensbedürfnissen zu versorgen, wie die Fleischhauer 
und Bäcker^). Da sich aber nun der Fall ergeben konnte, daß ein Unternehmer 
das Gewerbe durch längere Zeit nicht betreiben konnte, um aber die Befugnis 
nicht zu verlieren, die Erwerbsteuer zahlen mußte, sah sich die Hofkanzlei unter 
dem 4. Juni 1828 nachträglich zu bestimmen veranlaßt, daß persönliche (Polizei- 
und Kommerzial-) Gewerbe nicht erlöschen, wenn der Befugte aus wirklicher 
Unvermögenheit, die Erwerbsteuer zu entrichten, das Gewerbe nur zeitweilig 
aufzugeben gezwungen ist. Nur müsse dies bei der Obrigkeit gehörig gemeldet 
werden, damit diese überwachen könne, daß das Gewerbe nicht ohne Ent- 
richtung der Erwerbsteuer betrieben werde. Sobald es dem Gewerbetreibenden 
wieder möglich ist, den Betrieb zu eröffnen und die Erwerbsteuer wieder zu 
zahlen, brauche er nur, ohne um eine neue Befugnis anzusuchen, der Obrigkeit 
die Wiedereröffnung des Betriebes anzuzeigen und den Erwerbsteuerschein 
zu lösen^). 

Eine weitere Beschränkung, die in Zollrücksichten ihren Grund hatte und Gieichzeiti- 
nach der Ansicht der Hofkammer nicht mehr in voller Schärfe begründet war, ^" ^^^'"^^ 
war die, daß seit 1808 niemand zu gestatten war, Gewerbe- und Handelsbefug- nehmungen 
nisse im In- und Auslande gleichzeitig zu besitzen, mit Ausnahme von Nieder- im in- und 
lagen, die ein inländischer Unternehmer im Auslande errichten wollte. Da ^"^•*''^^- 
diese Bestimmung manchmal zu Unbilligkeiten führen konnte, welche mit dem 
damaligen Geiste der Industriepolitik nicht in Einklang gebracht werde konnten, 
so beauftragte die Hofkammer anläßlich eines besonderen Falles im Jahre 1826 
die Länderstellen, sich darüber zu äußern, ob diese Bestimmungen auch weiterhin 
als allgemein bindende Normen in Geltung bleiben sollen oder ob in besonderen 
Fällen, wo Rücksichten für das Beste der inländischen Industrie oder für die 
Beförderung des allgemeinen Handelsverkehres mit dem Ausland es erfordern, 
Ausnahmen gestattet werden sollen*). In dieser Periode gelangte diese Frage 
aber noch nicht zur Entscheidung;. 



1) Vgl. oben S. 41 f. — *) H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 126 ex jul. u. 134 ex dec. 
1826, Nr. 116 ex febr. 1827. — =») H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 124 ex jun. 1828; 
Reschauer, a. a. 0. 34 f. — *) H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 31 ex jul. 1826. 



94 

Quaütäten- Die alten theresianischen Qualitätenordnungen hatten bei den Fort- 
ordnungen. gdiritten, welche alle Industriezweige seit jener Zeit schon gemacht hatten, 
keine Berechtigung mehr, ihre Anwendung wäre geradezu als eine Fessel für 
das Gewerbewesen erschienen. Merkwürdigerweise standen einige dieser Ord- 
nungen noch in dieser Periode in Geltung, wurden jedoch selbstverständlicher- 
weise nicht angewendet. Die Seidenqualitätenordnung war schon von 
Kaiser Josef 1782 aufgehoben und auch bis dahin nicht beobachtet 
worden^). Das Fortschreiten der Industrie mit großem Kapitalsaufwande, 
die Verwendung von Maschinen und die Berücksichtigung von Mode und Ge- 
schmack in Farbe und Zeichnung wurde von den kleinen Meistern, die den 
großen Unternehmungen darin nicht folgen konnten, mit Mißgunst betrachtet. 
In dem Bestreben, sich gegen diese mächtige Konkurrenz zu schützen, kamen 
sie darauf, daß viele der alten Qualitätenordnungen nicht aufgehoben seien 
und eigentlich noch beobachtet werden müßten. 

So glaubten 1817 sogar mehrere mährisch-schlesische Kreisämter, die 
alte Tuchmacherordnung sollte zur Hebung der Industrie und des Exports 
wieder eingeführt werden, und das mährisch-schlesische Gubernium hielt dies 
auch für wünschenswert, wobei jedoch die Anwendung „aus einleuchtenden 
Gründen" insbesondere auf die Fabrikanten und nicht bloß auf die Tuch- 
macher ausgedehnt werden müßte, weil manche Fabriken schlechtere Waren 
als ein Landtuchmeister erzeugen und sie wegen ihres stärkeren Absatzes ins 
Ausland allein den Nationalkredit heben oder untergraben können^). 

Es kam zwar nicht dazu, da der Hofstelle der wahre Wert solcher Ordnungen 
wohl bekannt war und sie diese Beschränkung des Erfindungsgeistes und Ver- 
hinderung von technischen Vervollkommnungen auf keinen Fall wieder auf- 
leben gelassen hätte ; doch bleibt es trotzdem merkwürdig genug, daß die Landes- 
stelle einer industriereichen Provinz, in welcher gerade die Tuchindustrie in 
der Reihe der gewerblichen Betätigungen an erster Stelle stand, die Einfülirung 
solcher dem Geiste der Zeit gar nicht mehr entsprechender Zwangsmaßregeln 
als höchst wünschenswert und notwendig hinstellen konnte. 

Da in derselben Zeit wegen des Überhandnehmens des Falschdrucks seitens 
der Baumwollwarenfabrikanten Klagen immer häufiger wurden und die nieder- 
österreichische Regierung (1817) die veraltete Zirkularverordnung von 1796^) 
gegen den Falschdruck wieder anwenden lassen wollte, hatte die Kommerz- 
hofkommission bei ihren Bemühungen, der Industrie keine unnötigen Hinder- 
nisse in den Weg zu legen, einen um so schwierigeren Stand, als vielfach auch 
Fabrikanten um die Wiedereinführung solcher Verbotsbestimmungen baten 
und das böhmische Gubernium sich infolgedessen veranlaßt sah, jene Ver- 
ordnung 1821 wieder zu publizieren. Da die Bestimmungen von 1796 dem Stande 
der Fabrikation um 1820 schon bei weitem nicht mehr entsprachen und gerade 
die Druckerei wesentliche Verbesserungen erfahren hatte, so glaubte die Kom- 
merzhofkommission, da sie anderseits die nachteiligen Folgen einer unbe- 
schränkten Falschdruckerei auch nicht übersehen konnte, daß die diesbezüglich 



1) Vgl. unten S. 387, 390 f. — ^) Vgl. unten S. 323. — ') Vgl. oben S. 14. 



95 

etwa zu erlassenden Bestimmungen doch einerseits den Fabrikanten vollständig 
freie Hand lassen, anderseits aber das kaufende Publikum vor Betrug schützen 
müßten. 

Diese Beratung kam wegen der Aufhebung der Kommerzhofkommission 
(1824) nicht zu Ende. 

Merkwürdigerweise fand man aber dennoch nicht den Mut, die Verordnung 
von 1796 wenigstens aufzuheben, damit sie nicht willkürlich zu Schikanen 
mißbraucht werde. So kam es, daß noch 1827 anläßlich eines besonderen Falles 
die niederösterreichische Regierung neuerlich vor einem Dilemma stand, ob sie 
diese noch geltenden Bestimmungen anwenden solle oder nicht. Die infolge- 
dessen wieder begonnenen Verhandlungen fanden weder unter Franz I. noch 
unter dessen Nachfolger einen Abschluß^). 

Ebenso waren die Leinwandordnungen nicht aufgehoben, so daß sie noch 
1825 und 1826 den Gegenstand von Verhandlungen bildeten, wobei sich die 
Staatsverwaltung gegen ihre Wiederanwendung von vornherein ganz ablehnend 
verhielt^). 

Dem Eifer der Kommerzhof stelle, die Schranken möglichst zu beseitigen, 
stand aber vielfach der Geist der damaligen Zeit entgegen, sich womöglich in 
alles einzumischen und alles zu überwachen. Man hob nicht gern alte Gesetze 
auf, ohne irgend etwas an ihre Stelle zu setzen. Dies mußte die Hofstelle bei der 
Frage der Aufhebung der ganz und gar schon außer Gebrauch gekommenen 
Glasmacherordnung für Böhmen von 1767 erfahren, worüber die Verhandlungen 
1827 begannen und erst 1835 mit der tatsächlichen Aufhebung ihren Abschluß 
fanden. Der erste Antrag der Hofkammer im Jahre 1827, jene obsoleten und 
unanwendbaren Bestimmungen einfach außer Kraft zu setzen, war nicht durch- 
gedrungen, indem zunächst Nachforschungen anbefohlen worden waren, wie 
die Verfassung der Glasfabrikation in anderen Ländern beschaffen sei, und An- 
träge abverlangt worden waren, welche Vorschriften an die Stelle der auf- 
zuhebenden Bestimmungen treten sollen. Und die Behörden mußten sich mit 
Geduld diesen umfassenden Erhebungen unterziehen, um eine materiell nicht 
mehr geltende Verordnung endlich auch formell außer Kraft zu setzen^). 

Wieviel Zeit und Arbeit mußte verwendet werden, um diese Qualitäten- 
ordnungen unschädlich zu machen, obwohl die Kommerzhofstelle sie, wenn 
es in ihrer Macht gelegen wäre, kurzerhand aufgehoben hätte und sie bei jeder 
^Gelegenheit ,,als Zwangsanstalten überflüssig, zweckwidrig, nachteilig und 
pogar unausführbar" nannte*). Die Entwicklung ging nur langsam vorwärts, 
IIa es noch genug Hindernisse und Bestrebungen gab, welche der Durchsetzung 
feiner dem bei den damaligen Kommerzbehörden hen-schenden Geiste ent- 
sprechenden Gewerbefreiheit im Wege standen. 

Betreffs der Militärbegünstigungen für Gewerbetreibende und Fabrikanten Militär- 
rurde es im Laufe der Zeit immer schwieriger, Befreiungen in großem Umfange •'«s'^"»"- 
izugestehen, da der Militarismus seit den Napoleonischen Kriegen immer 



») Vgl. unten S. 275 ff. — ^) Vgl. unten S. 369 f. — ") Vgl. unten S. 515 ff. — *) H. K. A. 
^om. Kammer, Fasz. 31, Nr. 48 ex dec. 1825, Fasz. 45, Nr. 130 ex jul. 1827. 



96 

größere Fortschritte machte. So bröckelten selbst die kargen Militärbefreiungen 
des Konskriptionspatents von 1804 allmählich ab, um bald ihren praktischen 
Wert fast ganz einzubüßen. Durch Entschließung vom 26. August 1817 wurde 
die Sonderstellung der Gesellen und Lehrjungen bei den Sensen-, Sichel- und 
Strohmesserwerken, welche bis dahin Militärfreüieit genossen hatten, aufgehoben 
und auch für diese die allgemeinen Vorschriften des Konskriptionspatents von 
1804 in Geltung gebracht, da diese Begünstigung nur zur Befreiung von Meister- 
söhnen mißbraucht worden war^). Ja, die Militärsorgen begannen bald einen 
Charakter anzunehmen, der den Gewerben und der Industrie leicht schädlich 
hätte werden können. So verordneten Hofkanzleidekrete vom 6. Dezemder 1822 
und vom 10. Jänner 1824, es sollen die Obrigkeiten, w^nn sie mit ihrem Kon- 
tingent nicht aufkommen können, zur Zeit der Rekrutierung keine Gewerbe 
an Leute erteilen, die zur Militärdienstleistung geeignet seien. Hiebei sei aber 
die Absicht der Staatsverwaltung keineswegs dahin gerichtet, die zum Wehr- 
stand geeigneten zum Nachteile der Industrie vom selbständigen Gewerbe- 
und Industriebetriebe auszuschließen, sondern nur die Verleihung von Befug- 
nissen zu hindern, welche ohne Rücksicht auf den Bedarf des Publikums an 
Individuen in der Absicht verliehen werden könnten, um sie der Militärwidmung 
ohne zureichende Gründe zu entziehen. 

Der Hofkammer war die durch die unbestimmte und Willkürlichkeiten aller 
Art gestattende Fassung dieser Anordnung mögliche ungünstige Wirkung gleich 
klar und sie entwickelte denn auch ihre diesbezüglichen Bedenken in einer 
Note an die Hofkanzlei vom 30. April 1825. Da nach dem österreichischen 
Konskriptionsgesetze die Militärpflicht bis über das vierzigste Lebensjahr 
hinausreichte, so könnte nach der Verordnung von 1822 niemand vor Erreichung 
dieses Alters zur selbständigen Ausübung einer Gewerbe- oder Fabriksbefugnis 
gelangen, was für die Industrie unübersehbare Nachteile mit sich bringen würde. 
Dies könne die Hofkanzlei wohl nicht beabsichtigt haben. Die Hofkanzlei 
erwiderte, sie teile ganz die Ansicht der Hofkammer und könne ihr zugleich zur 
Beruhigung mitteilen, daß vorläufig eine Änderung nicht notwendig sei, da 
ohnehin die Umgestaltung des Konskriptionssystems nach dem Geiste der 
lombardisch-venezianischen Verfassung im Zuge sei^). 

Die neuen Grundsätze über die Rekrutierung, welche durch Hofkanzlei- 
dekret vom 7. August 1827 erlassen wurden, hoben die 1804 den vorzüglichsten 
Arbeitern bei Privatfabriken, bei Salz-, Hammer- und Eisenwerken bewilligte 
zeitliche Befreiung auf. Nur bezüglich der Berg-, Pulver- und Salpeterarbeiter 
sollte es bis zur Erlassung einer neuen Vorschrift bei den bestehenden Bestim- 
mungen verbleiben. Es blieben also seitdem nur die Inhaber von Gewerben 
von der Militärstellung befreit, welche das Bürger- und Meisterrecht in Städten 
und Märkten mit einem „regulierten" Magistrat besaßen. Für die Großindustrie 
hatte damit im allgemeinen die Befreiung vom Militärdienste ganz aufgehört, 
wobei für die Unternehmer allerdings die Bestimmung in Betracht kam, daß 



1) Staatsrat 1817, Nr. 3493. — ") H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 53, Nr. 118 ex apr., 
41 ex jun. 1825. 



97 

den Rekruten ohne Ausnahme die Stellvertretung in Friedenszeiten gestattet 
war^). 

Die Gewerbeverfassung, wie sie zu Anfang des 19. Jahrhunderts bestand, Verhandiun- 
hatte keine einheitliche Grundlage, sondern beruhte auf zahlreichen, teilweise ^^"^ "'^^ ^°'' 
sehr alten Gesetzen und Verordnungen, wie sich eben die Anschauungen über einer Re- 
das Gewerbewesen aUmählich entwickelt und geändert hatten. Aus den zahl- form der 
reichen, zu verschiedenen Zeiten und aus verschiedenen Anlässen ergangenen qJ^™^*^ 
Bestimmungen mußten die Zentralbehörden allmählich zu ihrem Gebrauch Verfassung. 
und zur Richtschnur für die Unterbehörden ein System zusammenflicken, 
welches aber, seiner zusammenhanglosen Entstehung entsprechend, nicht 
vollkommen, auch nicht ganz ohne innere Widersprüche sein und daher auf 
die Dauer den Bedürfnissen nicht genügen konnte. Dazu kam die große Fülle 
von Anordnungen, die dem Geiste der Zeit gar nicht mehr entsprachen, die 
aber nicht aufgehoben worden waren und deshalb formell noch in Geltung 
standen. Es war weder der Kommerzhofstelle angenehm noch für die Ent- 
wicklung der Gewerbepolitik günstig, wenn einerseits die Liberalität als leitender 
Gedanke bei der Behandlung der Kommerzangelegenheiten hingestellt und 
von der obersten Kommerzbehörde auch gehandhabt wurde, anderseits aber 
durch das Vorhandensein von diesen Ideen widersprechenden, nicht außer Kraft 
gesetzten Grundsätzen den Gegnern dieses Systems jederzeit Gelegenheit 
geboten war, einen Kampf zwischen Liberalität und Beschränkung zu provo- 
zieren und dabei ihr Glück durch Verfolgung ihrer vermeintlichen Rechte bis 
zur allerhöchsten Instanz zu versuchen. Die Hofkammer hatte dies selbst 
gelegentlich der Beschränkungen von 1802 bis 1811 fühlen müssen, wieviel 
Mühe und Ausdauer es kostete, Grundsätze zu verteidigen, die, wenn auch noch 
so begründet, ja notwendig, doch nirgends gesetzlich fixiert gewesen waren 
und durch äußerst bestechende Scheingründe bekämpft werden konnten. So 
kam es, daß schließlich der damalige Kampf den Anschein erwecken mußte, 
als ob nicht die Verordnung, welche die Einschränkung der Gewerbeverleihungen 
bezweckte, eine Änderung herbeiführen wollte, sondern als ob die Hofkammer 
mit ihrem Eintreten für die möglichste Unbeschränktheit neue Grundsätze ein- 
zuführen bestrebt gewesen wäre. 

Wie sehr mußte bei diesen Verhältnissen der Mangel einer einheitlichen 
systematischen Regelung des Gewerbewesens gefühlt werden und dies noch im 
klassischen Zeitalter der Kodifikationen, in welchem eben auf dem Gebiete des 
Straf- und des bürgerlichen Rechtes neue Gesetzbücher an die Stelle früherer 
partikularistischcr Zustände getreten waren. 

Es ist schon oben ausgeführt worden, wie die niederösterreichische Regierung 
anläßlich der Abforderung eines Gutachtens über ein Gesuch um Beschränkung 
der Leinenweberei die Gelegenheit benützt hatte, um in ihrem Berichte vom 
14. Juli 1810 auf die Nachteile von Beschränkungen in der Gewerbeverfassung 
hinzuweisen und zugleich Vorschläge zur Verbesserung der Kommerzialver- 
fassung der Hofkammer vorzulegen. Die Hofkammer hielt die Befragung der 



») Pol. Ges. Samml. 1827, Aug. 7; Kopetz, a. a. 0., II, 26. 

Slokar, Geschichte der österr. Industrie. 



98 

übrigen Länderstellen für unumgänglich notwendig, welche sich, mit Ausnahme 
der innerösterreichischen, bis Juni 1816 äußerten^). Somit begannen die Ver- 
handlungen über die Reform der Gewerbeverfassung in ihren ersten Anfängen 
im Jahre 1810, um mit einigen Unterbrechungen fast ein halbes Jahrhundert 
zu dauern. 

Weiter gediehen die Verhandlungen, die bis 1816 darüber gepflogen worden 
waren, unmittelbar nicht, denn es wurde, um dieses schwierige Problem einem 
gedeihlichen Ende zuzuführen, das ganze Reformwerk einer eigenen Hof- 
kommission anvertraut, welche durch Kabinettschreiben vom 11. Juli 1816 
als Kommerzhofkommission ins Leben gerufen wurde. Sie sollte namentlich 
angesichts des Umstandes, daß der endgültige Friede der Monarchie einen 
erheblichen Landzuwachs gebracht hatte, dem österreichischen Industrie- 
und Handelssystem eine den veränderten Verhältnissen entsprechende Ein- 
richtung geben, eine engere Verbindung der neu erworbenen Provinzen mit den 
alten schaffen, um so den inneren Verkehr möglichst zu erleichtern. 

Die Kommerzhofkommission stand da vor einer sehr schwierigen Aufgabe. 
Es galt vor allem, um auf Grund des Vorhandenen etwas Neues, Vollkommeneres 
aufbauen zu können, das Bestehende zu kennen. Die Einzelheiten der gewerbe- 
rechtlichen Verhältnisse waren schon in den altösterreichischen Provinzen 
nicht immer gleich, von Ungarn oder gar von den oberitalieniscben Provinzen 
mit ihrer auf dem Prinzip der Gewerbefreiheit beruhenden Kommerzverfassung 
gar nicht zu reden. Charakteristisch für die damaligen Zustände war es, daß 
nicht nur im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, sondern auch noch 
viel später die Kommerzhofstelle sich unzählige Male vor einer prinzipiellen 
Entscheidung gezwungen sah, zunächst bei allen Länderstellen anzufragen, 
welche Grundsätze in jedem Lande bei dieser Angelegenheit angewendet werden, 
was die Verhandlungen immer auf lange Zeit, manchmal auf mehrere Jahre 
hinaus, verschob. Daher mußten die Verhältnisse in den einzelnen Provinzen 
vor Erlassung eines allgemeinen Gewerbegesetzes in Erfahrung gebracht werden, 
da ein solches Gesetz nur auf den tatsächlich bestehenden Verhältnissen auf- 
gebaut werden kann. Von diesem Grundsatz ausgehend verfügte die Kommerz- 
hofkommission nach den vom Referenten Anton von Krauß entwickelten An- 
sichten am 5. Februar 1819 die Besorgung von Bearbeitungen der bestehenden 
Gewerbe- und Handelsverfassung jeder einzelnen Provinz der Monarchie. 
Auf Grund dieser Ausarbeitungen würde es dann nach der Meinung der Kom- 
merzhofkommission erst möglich werden, die österreichische Handels- und 
Gewerbegesetzgebung „von manchen Schlacken und Hindernissen zu reinigen, 
welche der Entwicklung der vaterländischen Industrie noch immer in einem 
hohen Grade entgegen sind". 

Eine Erleichterung der Durchführung dieser Anordnung bedeutete das 
die Gewerbeverhältnisse Niederösterreichs behandelnde Werk des Grafen 
J. L. E. von Barth-Barthenheim, dessen erste Teile schon 1819 erschienen. 
Die Kommerzhofkommission übersendete dieses Werk an die einzelnen Länder- 



1) Siehe oben S. 62 f. 



99 

stellen und lud die Länderchefs ein, es durchgehen, die darin angeführten Ge- 
setze mit denjenigen der Provinz vergleichen, die Verschiedenheit derselben 
anmerken und die eigenen Provinzialgewohnheiten anführen zu lassen. Sodann 
solle jede einzelne Abteilung auf dieselbe Art, wie dies im Werke von Barth 
der Fall sei, bearbeitet der Kommerzhofkommission vorgelegt werden; bei 
dieser sollte dann im Departement des Regierungsrates Anton von Krauß, 
welchem der Entwurf des neuen Gewerbesystems zugewiesen worden war, 
eine Übersicht der Provinzialgewerbeverfassungen zusammengestellt werden. 

Diese Aufforderung an die Länderstellen war von Erfolg begleitet, aus 
Österreich ob der Enns, Innerösterreich, lllyrien und Ga,lizien langten Bei- 
träge ein, über die Gewerbe- und Handelsverfassung in den venezianischen 
Provinzen sandte der Sekretär der Handelskammer in Venedig ein vollständiges 
Werk ein, ebenso wie auch über die Verhältnisse in Dalmatien ein ausführlicher 
Bericht erstattet wurde. In Böhmen bewog der Oberstburggraf schon 1819 den 
Professor der politischen Wissenschaften und der Gesetzeskunde in Prag 
Gustav Kopetz zur Übernahme der Bearbeitung für Böhmen und ließ ihm 
aUe Unterstützung angedeihen. 

Zu gleicher Zeit bemühte sich die Kommerzhofkommission, aus den vor- 
geschrittensten Staaten Europas, besonders aus England und Frankreich das 
Vorzüglichste ihrer Gewerbe- und Handelsgesetzgebung zu sammeln, um auch 
die bewährten Erfahrungen des Auslandes verwerten zu können. Durch all- 
mähliche, partienweise Aufstellung der neuen Grundsätze und ihre spätere 
Zusammenfügung wollte dann die Kommission ein neues Handels- und Gewerbe- 
gesetzbuch schaffen^). 

Allmählich langten die Elaborate über die Verhältnisse in den einzelnen 
Provinzen ein, wovon einige in Druck erschienen^). 

Nachdem die Kommerzhofkommission so in den Besitz eines sehr umfang- 
reichen Materials über alle Provinzen gelangt war, waren dadurch die Vor- 
arbeiten noch lange nicht abgeschlossen, denn jetzt galt es, mit Berücksichti- 
gung dieser Elaborate eine Übersicht des Zusta,ndes der Gewerbeverfassung 
der ganzen Monarchie samt den provinziellen Abweichungen zu gewinnen. 
Nur dadurch konnten diese Materialien bei der Beratung der Gewerbereform 
herangezogen werden. 

Der Präsident der Kommerzhofkommission Philipp Ritter von Stahl bewog 
Gustav Kopetz zur Übernahme der Bearbeitung dieser schwierigen, aber un- 
umgänglich notwendigen Generalübersicht, wobei die Sprache der Gesetze 
möglichst beibehalten und auch die einzelnen Gesetze angeführt werden sollten 
(September 1822). 

Damit war die Gewerbereform notwendigerweise wieder auf mehrere Jahre 
hinausgeschoben, denn diese mühevolle Arbeit ließ ihre Beendigung nicht so 



^) Krauß-Elislago, Aktenmäßige Darstellung der Verhandlungen usw. (Manuskript im 
Familienarchiv); Staatsrat 1820, Nr. 2296; Kopetz, a. a. 0., Vorbericht zum I. Bande, III ff. — 
*) Krauß-Elislago, a. a. 0. ; Kopetz, a. a. 0. Vorbericht zum I. Bande, S. VIII, einzeln auf- 
gezählt. 

7* 



100 

bald erwarten. Diese Ausarbeitung war noch lange nicht fertiggestellt, als die 
Kommerzhofkommission durch allerhöchste Entschließung vom 16. April 1824 
wieder aufgehoben wurde und ihr Wirkungskreis wieder an die allgemeine Hof- 
kammer überging. 

Letztere ließ jedoch das begonnene Werk nicht fallen, versprach Kopetz 
bei seiner Arbeit alle Unterstützung und Förderung, veranlaßte die fortwährende 
Nachlieferung der noch fehlenden Provinzialarbeiten und gab auch alle ge- 
wünschten oder für notwendig erachteten Aufklärungen, Um Kopetz die Auf- 
gabe zu erleichtern, wurde er 1826 auf sein Ansuchen auf ein Jahr vom Lehr- 
amt enthoben, so daß er sich ganz dieser Arbeit widmen konnte. So war er 
imstande, sein Werk über die Grundsätze der bestehenden Gewerbegesetz- 
gebung nach ihren allgemeinen, polizeilichen und staatswirtschaftlichen Be- 
ziehungen schon in den Jahren 1826 und 1827 der Hofkammer zu überreichen. 
Diese vergleichende Übersicht der damals bestehenden Handels- und Gewerbe- 
verfassung der Monarchie erschien 1829 in zwei Bänden in Druck^) und ihr 
Wert ist besonders deshalb groß, weil sie durchwegs auf Grundlage von offiziellen 
Quellen ausgearbeitet wurde. 

Dieses Werk hätte die Grundlage der weiteren Beratung für den ersten 
Teil des „Handelskodex" bilden sollen, welcher nach der allerhöchsten Ent- 
schließung vom 28. Oktober 1826 in zwei Teile zu zerfallen hatte, von denen 
der erste das politische Handelsgesetzbuch enthalten und von der Hofkammer 
redigiert werden sollte, während die Ausarbeitung des für den zweiten Teil 
bestimmten eigentlichen Handelsrechtes der Hofkommission in Justizgesetz- 
sachen übertragen wurde"^). 

Wie sehr auch der Kaiser den Wert dieser Ausarbeitung zu schätzen ver- 
stand, zeigt der Umstand, daß er Kopetz, statt ihm die von der Hofkammer 
angetragene Würde eines Gubernialrates zu verleihen, in den österreichischen 
Adelstand mit Nachsicht der Taxen erhob^). 

Das Werk von Kopetz wurde sämtlichen Hof- und Länderstellen zugeschickt 
und die letzteren wurden aufgefordert, es zu benützen, „um Lücken auszufüllen 
und Mängel zu verbessern, bis das in der Verhandlung befindliche neue allgemeine 
Gewerbs- und Handelsgesetz mehr Ordnung, Einheit und Übereinstimmung 
in das Ganze gebracht haben werde "2). 

Damit hatten die Reformbestrebungen am Ende dieser Periode wenigstens 
das eine Ergebnis gezeitigt, daß man klar wußte, was damals in den einzelnen 
Provinzen in Geltung war. Weiter ist die Neuregulierung in dieser Periode 
nicht gediehen. 

Von welchem Geiste die obersten Kommerzbehörden in dieser Epoche 
beseelt waren, ist aus den bisherigen Ausführungen deutlich ersichtlich. Da sie 



^) W. Gustav Kopetz, AUgem. österr. Gewerbsgesetzkunde, Wien 1829. — *) Krauß- 
Elislago, Aktenmäßige Darstellung usw. (Manuskript im Familienarchiv). — *) Kopetz, 
a. a. 0., I, Vorbericht; H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 107 ex sept. 1824, Nr. 86 ex 
nov. 1825, Nr. 123 ex febr. 1826, Nr. 91 ex martio 1830; Staatsrat 1826, Nr. 402; A. d. k. k. 
Fin. Min., Kom., Fasz. 29, Nr. 3 ex martio 1833. 



I 



101 

selbst einsahen, daß die angestrebte Gewerbereform nicht so bald zu einem gedeih- 
lichen Ende werde gebracht werden können, waren sie bemüht, inzwischen 
wenigstens einzelne Willkürlichkeiten und Unvollkommenheit des bestehenden 
Systems zu entfernen oder zu mildern, was ihnen allerdings nicht immer gelangt). 
Anderseits bot sich ihnen dabei eine gute Gelegenheit, um ihnen mißliebige 
Vorstellungen und Anträge mit dem Hinweis auf die im Zuge befindliche 
Gesamtreform, von welcher einzelne Fragen nicht getrennt werden könnten, 
abzuwehren. 

So wurde schon gelegentlich eines unter dem 10. März 1812 vom mährisch- 
schlesischen Gubernium gemachten Antrages, die Iglauer Tuchmacherordnung 
aufzuheben und die allgemeine Tuchmacherordnung von 1755 dem Zeitgeiste 
gemäß zu verbessern und wieder einzuführen, bemerkt, darüber könne eine 
definitive Entscheidung nicht geschöpft werden, um nicht den künftigen Be- 
stimmungen in bezug auf die Neuregulierung des Gewerbe- und Zunftwesens, 
worüber die Verhandlungen eingeleitet worden seien, vorzugreifen. Ebenso 
erhielt dasselbe Gubernium auf seinen unter dem 26. September 1817 gemachten 
Antrag über das Gesuch der Bielitzer Handelsleute, die schlesische Tuchmacher- 
ordnung ,,zum Besten der dortigen Tuchfabriken" wieder einzuführen, die 
Antwort, die Angelegenheit stehe mit der neuen Gewerbe- und Zunftverfassung 
in einem so engen Zusammenhange, daß, „ohne sich den Nachteilen eines ein- 
seitigen Verfahrens auszusetzen, diese Gegenstände nicht getrennt behandelt 
werden können"^). Die Weber in Deutschliebau wurden 1815 mit ihrem Ge- 
such um Bewilligung der Errichtung einer eigenen Zunft abgewiesen, da die 
Regulierung des Zunftwesens und insbesondere der Weberzünfte in Verhandlung 
stehe, „welche mehr die Beschränkung als die Ausdehnung der Zünfte zum 
Zwecke habe"^). 

In diese Periode der ungefähr bis zur Mitte des 3. Jahrzehnts dauernden Aniänff» 
Nachwirkungen der Krisen fällt der immer stärker werdende Übergang vom ^^^ ™°'^®'" 
Hand- zum Maschinenbetrieb und die schrittweise Entstehung einer wirklichen industrie. 
Großindustrie in modernem Sinn, auf rein kapitalistischer Grundlage. Bei den 
verhältnismäßig großen Kosten der Maschinen und den schlechten Kreditverhält- 
nissen konnten sich kapitalsschwache Unternehmer auf dieses Gebiet nicht 
begeben und hatten daher einen immer schwereren Kampf zu bestehen. Der 
Gegensatz zwischen Großindustrie und kleinen Unternehmungen war schon 
deutlich erkennbar. 

Der Zustand der Depression begann sich seit 1820 allmählich zu bessern. 
1816 wurde in Österreich die erste Dampfmaschine aufgestellt, der erst 1820 
und 1823 weitere folgten, und im Jahre 1830 waren ihrer schon 18 in Betrieb*). 
Dasselbe Bild des wieder beginnenden Lebens liefert uns die Entwicklung der 
BaumwoUmaschinenspinnereien. Von 1801 bis 1814 waren deren in Nieder- 
österreich 12 entstanden, worauf dann erst zwischen 1820 und 1828 wieder 
Neugründungen folgten, und zwar in der Zahl von 18, so daß die Gesamtzahl dieser 



1) Vgl. S. 136 ff., 149 ff. — «) H. K. A. Korn. Kommission, Fasz. 33, Nr. 58 ex oct. 1817. — 
») H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 31, Nr. 53 ex martio 1815. — *) Vgl. unten S. 182. 



102 

Unternehmungen 1828 schon 30 betrugt). Der Übergang zur Großindustrie 
mit Maschinenbetrieb ist hier unverkennbar ebenso wie die Besserung der Zeit- 
verhältnisse seit 1820. Nicht nur, daß nur die kapitalskräftigen Unternehmer 
sich die teueren Maschinen anschaffen konnten und so den technischen Prozeß 
wesentlich zu vervolUiommnen imstande waren, fast ihnen allein kamen auch 
die höheren technischen Bildungsanstalten^) zugute, ebenso wie sie auf den gewerb- 
lichen Ausstellungen, deren regelmäßige Veranstaltung am Ende dieser Periode 
begann^), am glänzendsten auftreten konnten und so für ihren Absatz einen 
größeren Nutzen hatten. 
Arbeiter- Vou einer Einmischung des Staates zum Schutze der Arbeiter oder der 
schütz, arbeitenden Frauen und Kinder war in dieser Periode noch keine Rede, ge- 
schweige denn von einer diesbezüglichen Gesetzgebung. Die Kinderschutzgesetze 
Kaiser Josefs IL*) waren fast ganz in Vergessenheit geraten und wurden nicht 
angewendet, ja es galt geradezu als ein Verdienst, möglichst junge Kinder zu 
beschäftigen, so daß sich die Fabrikanten förmlich veranlaßt sahen, auf diese 
Tatsache selbst prahlend hinzuweisen^). Auch das Verhältnis zwischen Arbeitern 
und Unternehmern war in keiner "Weise geregelt, es galt immer mehr^) als das 
unbestrittenste Gebiet der Privatautonomie, welches nur durch freies Über- 
einkommen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geregelt werden dürfe'). 

Es konnte nicht viel helfen, daß die Kinderschutzbestimmungen Kaiser 
Josefs 1816 wieder bekanntgemacht wurden und den Kreiskommissären, der 
Stadthauptmannschaft und Fabrikeninspektion zur Pflicht gemacht wurde, 
auf genaue Einhaltung derselben zu schauen. Mit Vorschriften zur Sicher- 
stellung des Besuchs der Schule seitens der in Fabriken beschäftigten Kinder 
und zum Schutze der Sittlichkeit war bei den geänderten Verhältnissen nicht 
mehr genug getan, die modernen Betriebe erforderten Maßnahmen zum Schutze 
der physischen Entwicklung der jugendlichen Arbeiter. Und gerade in letzterer 
Beziehung wurde 1816 nur bestimmt, daß eine besondere Aufmerksamkeit 
seitens des Arztes, dem die Visitation der Fabrikslehrlinge oblag, ihm zum be- 
sonderen Verdienste werde angerechnet werden, „da bei Fabriken die Gefahr 
körperlicher Verkrüppelung doppelt groß ist"®). Sonst gar keine nähere Be- 
stimmung, nach welcher sich die Aufsichtsorgane hätten richten können, und 
was dann allerdings als selbstverständlich erscheinen muß, auch gar keine 
Andeutung über die etwa anzuwendenden Abhüfsmittel gegen zutage tretende 
diesbezügliche Mißstände. 

Vielleicht könnte man als Anfang eines Schutzes der in gewerblichen Be- 
trieben beschäftigten Arbeiter die Bestimmungen ansehen, die durch aller- 



1) Vgl. unten S. 283. — *) Vgl. unten S. 163 ff. — ') Vgl unten S. 232 ff. — *) Vgl. oben 
S. 8. — ") Vaterl. Blätter 1812, Nr. 87 bei Besprechung der Moroschen Tuchfabrik: „Wieviel 
Geduld und Aufopferung kostete es, einige hundert kleine Kinder von 6 bis 10 Jahren — die 
Erwachsenen hielten diese Arbeit für entehrend — mit Spinnarbeit zu beschäftigen," VgL 
auch unten S. 340. — •) Zu Anfang des Jahrhunderts glaubte man auf dasselbe noch die 
Gesindeordnung anwenden zu können. (Vgl. oben S. 60.) — ') Vgl. Reschauer, a. a. 0., 191 ff. 
— 8) Mises, a. a. 0., 210 ff.; Kopetz, a. a. 0., I, 116; Barth, a. a, 0., II, 43—46. 



103 

höchste Entschließung vom 6. November 1817 bezüglich der Vorsichtsmaß- 
regeln erlassen wurden, um die aus dem Betriebe von Dampfmaschinen möglicher- 
weise entspringenden Unglücksfälle zu verhüten^), anderseits die unter dem 
15. Mai 1828 ergangenen Vorschriften betreffs der Erzeugung von Knallpräpa- 
raten und Zündhütchen^), obwohl sie mehr den Zweck verfolgten, die Allgemein- 
heit als die dabei beschäftigten Arbeiter vor Unglücksfällen zu bewahren. Sonst 
hatte sich die Staatsverwaltung bis dahin um das physische und moralische 
Wohl der Fabriksarbeiter noch nicht gekümmert, da dies auch den damals und 
noch später geltenden Prinzipien der Nichteinmischung nicht entsprochen hätte. 

Diesem Prinzip fiel auch jene behördliche Einrichtung in dieser Zeit zum Die 
Opfer, welche zur Überwachung der Durchführung der Arbeiterschutzbestim- F*i'"^e°- 
mungen am ehesten geeignet gewesen wäre : die Fabrikeninspektion. Die An- un^ i^re 
länge der niederösterreichischen Fabrikeninspektion und des Prager Kommer- Aufhebung. 
zienrates reichen in die Zeit Maria Theresias zurück. Unter Kaiser Josef wurden 
die Agenden derselben noch von einem einzigen Beamten erledigt, dem ein 
Kanzellist beigegeben war. Bald war aber daraus, infolge des Anwachsens 
der Geschäfte wegen der in alles eingreifenden und alles, was auf die Fabriken 
Bezug hatte, unterstützenden Tätigkeit der Staatsverwaltung, ein förmliches 
Amt entstanden. 

Bezüglich des Wirkungskreises sollte dieses Amt, wie sich die Instruktion 
ausdrückte, das Auge und Ohr der Regierung im weiten Gebiete des Handels 
und der Industrie sein, die neuen Werkzeuge, Maschinen und Handgriffe der 
Fabrikanten und Gewerbetreibenden beobachten, ihren Vorrat, ihren Absatz 
und, wenn nötig, auch ihre Bücher untersuchen, sich über die Zahl der sich dem 
einen oder anderen Erwerbszweige Widmenden eine Übersicht verschaffen, 
sich Kenntnis über die dem Kunstfleiße ergebenen Personen, über ihre Ver- 
mögensverhältnisse und die Ausdehnung ihrer Betriebe erwerben; die durch 
besondere Fähigkeiten sich auszeichnenden Gesellen kennen lernen, über die 
Werkmeister und namentlich über die Fabrikenpolizei wachen; den Behörden 
in Kommerzialangelegenheiten die nötigen Aufschlüsse erteilen; über die 
Ärarialvorschüsse im Einvernehmen mit der Kammerprokuratur Vormerkung 
halten und die Ratenzahlungen in Erinnerung bringen; die Bildung der 
Lehi-linge beaufsichtigen und in Evidenz halten sowie durch Bereisen des Landes 
sich genaue Kenntnis der Fabriken verschaffen, endlich die Industrial- und 
Kommerzialtabellen verfassen. Somit war der Wirkungskreis ein sehr um- 
fassender. Unter den Männern, welche in diesem Amte tätig waren, ragten in 
Böhmen Schreyer und Rößler, in Niederösterreich Stephan von Keeß besonders 
hervor, wobei der erstere und der letztere sich auch durch ihre literarische 
Tätigkeit um das Gewerbewesen große Verdienste erwarben. 

Die niederösterreichische Regierung machte 1803 den Vorschlag, die 
Fabrikeninspektion durch Zerlegung in mehrere Fachabteilungen unter Leitung 
von Universitätsprofessoren ihrem infolge der Entwicklung der Industrie immer 
ausgedehnter sich gestaltenden Wirkungskreise gemäß auszugestalten und sie 



») Vgl. unten S. 197 f. — '') Pol. Ges. Samml. 



104 

auf diese Weise in die Lage zu versetzen, über jedes Gebiet der gewerblichen 
Betätigung fachmännische Gutachten abzugeben und auf die Verbesserung 
der Fabrikation Einfluß zu nehmen. Dieser Vorschlag fand jedoch keinen 
Anklang; die Hofkammer meinte, die Fabrikeninspektion habe nicht das Ge- 
werbewesen zu leiten und zu verbessern, sondern sie vertrete nur die Kegierung 
bei Lokalerhebungen. Zur Vervollkommnung der Produktion werde das pro- 
jektierte polytechnische Institut beitragen. 

Als allmählich die meisten direkten Unterstützungen von Fabriken durch 
den Staat aufhörten, seit 1813 an die Stelle der alten Manufakturtabellen die 
Erwerbsteuertabellen traten, seit der Errichtung des polytechnischen Instituts 
dieses in technischen Angelegenheiten viel verläßlichere Gutachten erstatten 
konnte, wurde die Fabrikeninspektion in vieler Hinsicht überflüssig, dies um 
so mehr, als auch bezüglich des ihr verbliebenen Wirkungskreises bei den Fort- 
schritten der Industrie die Verhältnisse von einigen Beamten nicht mehr über- 
sehen und daher auch keine verläßlichen Auskünfte erstattet werden konnten. 
Anderseits konnte die Fabrikeninspektion ihre Amtsgewalt infolge der ihr 
zustehenden Befugnis, in das Innerste der Gewerbebetriebe einzudringen, 
leicht mißbrauchen. Als nun 1822 durch den zweiten Kommissär der nieder- 
österreichischen Fabrikeninspektion ein Fall von Prävarikation tatsächlich verübt 
wurde, da wurde die Fabrikeninspektion und der Prager Kommerzienrat auf 
Grund eines Vortrags der Hofkammer vom 4. September 1824, welche dabei 
ihrer Meinung Ausdruck gab, die Regierung werde sich praktische Auskünfte 
viel leichter und verläßlicher aus erster Quelle durch Zurateziehung praktischer 
Sachverständiger oder, nach Errichtung von Handelskammern, von diesen 
verschaffen können, durch allerhöchste Entschließung vom 1. Jänner 1825 
aufgehoben^). 
Kaiserhaus Das großc lutcressc, welchcs der Kaiser für die Industrie und ihre gedeih- 
"'"^. liehe Entwicklung hegte, bewies er bei zahlreichen Gelegenheiten. Er kargte 
nicht mit Aufmunterungen, Geldbelohnungen, Ordensauszeichnungen und Ver- 
leihungen des Adelsstandes an verdiente Fabrikanten, Werkführer und Arbeiter. 
Um das Vorurteil und die Vorliebe für ausländische Waren, welche namentlich 
in den höheren Ständen herrschten, auszumerzen, ging die Kaiserin mit gutem 
Beispiele voran, indem sie nur inländische Erzeugnisse zu ihrem Gebrauche 
verwendete^), ebenso wie der ganze Hof. Die Kaiserin ließ sogar einmal einem 
Handelsmann ein Seidenzeug zurückstellen, weil sie es für ein ausländisches 
Fabrikat hielt, und nahm es erst an, nachdem ihr der inländische Ursprung 
nachgewiesen worden war^). Ein gleiches Interesse für die heimische Produktion 
zeigte Kronprinz Ferdinand, der es 1819, nachdem er die Sammlung 
gewerblicher Produkte des Fabrikeninspektionskommissärs von Keeß ge- 
sehen hatte, nicht unterlassen konnte, auch selbst eine solche Sammlung von 



^) H. K. A. Kom. Kommission, Fasz. 1, Nr. 237 ex oct. 1818; Korn. Kammer, Fasz. 1, 
Nr. 157 ex sept. 1824, Nr. 91 ex Jan., Nr. 122 ex majo 1825, Nr. 164 ex oct. 1826. Staatsrat 1803, 
Nr. 3624; Barth, a. a. 0., IV, 93—102. — «) H. K. A. Kom. Praes. 1818, Nr. 1012. — ') Töpfer, 
Betrachtungen usw. 62. 



105 

Rohstoffen und Fabrikaten aller Gewerbezweige und Provinzen der Monarchie 
anzulegen^). 

Ungefähr mit dem Ende des 3. Jahrzehnts des 19. Jahihunderts beginnt 
eine neue Periode der Geschichle der österreichischen Industrie. Die Periode von 
1816 bis 1830 kann man nach ihrem allgemeinen Charakter bezeichnen als die 
Zeit der großen wirtschaftlichen Depression und ihres allmählichen Abflauens, 
der großen Vorarbeiten zu einer allgemeinen Reform der Gewerbeverfassung, 
der allmählichen durch das Vordringen der Maschinen immer stärkeren Ent- 
wicklung der Großindustrie auf kapitalistischer Grundlage sowie der Vor- 
bereitung eines selbständigen Auftretens der Industrie. 

IV. Kapitel. 

Die allgemeine Industriepolitik von 1830 bis 1835 mit einem Überblicke der 
weiteren Entwicklung bis 1848. 

Um 1830 beginnt in Österreich eine neue Periode gewerblicher und gewerbe- 
politischer Entwicklung. Die große wirtschaftliche Krise und ihre Nachwir- 
kungen (1811 bis um 1825) waren überwunden, die Dampfmaschine gewann 
besonders seit 1830 immer mehr an Boden, in allen Zweigen der Industrie 
entwickelten sich Großbetriebe, welche bald die führende Rolle im gewerblichen 
Leben an sich zu reißen bestrebt waren, ja die technischen Vervollkommnungen 
und neuen Errungenschaften sowie ihre immer größere Verbreitung sollten sogar 
ganze Industriezweige neu erstehen lassen (Zucker- und Maschinenindustrie). 

Den großen Unternehmern gewährte ihre Kapitalskraft, ihre höhere Bildung 
und die dadurch bedingte höhere gesellschaftliche Stellung auch einen größeren 
Einfluß, der auch der Industrie im allgemeinen zugute kommen mußte. Nicht 
zuletzt trug zur Erhöhung des Ansehens der Industrie die lebhafte Teilnahme 
und Unterstützung bei, deren sie sich seitens des hohen Adels und nicht minder 
seitens des Kaisers und der Mitglieder des kaiserlichen Hauses zu erfreuen hatte. 

Dies zeigte sich gleich beim ersten selbständigen Auftreten der Industrie, Entstehung 
Die Industrie war mündig geworden und wollte sich nicht mehr mit Petitionen ^*^®'''!^*''*' 
und Vorstellungen begnügen und den Behörden die Sorge um üire Angelegen- 
heiten überlassen, sie begann sich vielmehr zu organisieren, um ihre Interessen, 
soweit dies nach den staatlichen Gesetzen möglich war, selbst zu wahren und 
zu vertreten. Im Dezember 1829 erfolgte die Genehmigung der Statuten des 
unter dem Schutze des Kaisers stehenden böhmischen Gewerbevereines, welcher 
sich aber erst 1833 konstituierte. Ihm folgte 1837 der innerösterreichische, 
1839 der niederösterreichische Gewerbeverein, wobei die Verhandlungen und 
Vorarbeiten bezüglich des ersteren schon zu Lebzeiten Franz L, betreffs des 
letzteren gleich nach seinem Tode begonnen hatten. 

Diese Vereinigungen, an deren Entstehung und Leitung die Behörden, 
der Adel, ja selbst Mitglieder des kaiserlichen Hauses hervorragenden Anteil 
hatten, bildeten bald den Mittelpunkt der Vertreter der Großindustrie und 



Vgl. unten S. 231. 



106 

suchten durch Mittel, welche bis dahin von der Staatsverwaltung nicht oder 
wenigstens nicht in genügendem Maß angewendet worden waren, die industrielle 
Entwicklung zu fördern und zu vervollkommnen, durch Belehrung, Aufklärung, 
Aneiferung und Verbreitung gewerblicher Bildung überhaupt die Produktion 
zu erweitern und zu verbessern, durch Veranstaltung von Ausstellungen und 
andere Mittel neue Absatzmöglichkeiten zu schaffen, den staatlichen Behörden 
an die Hand zu gehen. Die letzteren verhielten sich gegenüber diesen Ver- 
einigungen nicht nur nicht ablehnend, sondern unterstützten ihre Bestrebungen 
aufs eifrigste und zogen sie zu ihrer Beratung in weitgehendem Maße heran, 
so daß diese Vereine tatsächlich teilweise einen ähnlichen Wirkungskreis wie 
die späteren Handelskammern hatten. 

Auch das Standesbewußtsein der Industriellen mußte durch diese Organi- 
sationen gestärkt und gehoben werden^). 
Aus- Die Veranstaltung von Industrieausstellungen hatte eigentlich den Anstoß 

BteUungen. ^^j- Bildung vou Gewerbevereinen gegeben. Diese Ausstellungen waren die 
großen Repräsentationsfeste der heimischen Produktion, wo sie ihr Pracht- 
gewand zeigen, ihre Ausdehnung und Mannigfaltigkeit vor aller Welt entfalten 
konnte. Es ist ein großes Verdienst des Oberstburggrafen von Böhmen Grafen 
Chotek, daß er, den Traditionen des böhmischen Adels folgend, die Veranstal- 
tung von Gewerbeausstellungen anregte und durch den glänzenden Erfolg der- 
selben in den Jahren 1828, 1829 und 1831 einerseits zur Bildung des böhmischen 
Gewerbevereines, anderseits aber zur Abhaltung weiterer Gewerbeausstellungen 
sowohl in Böhmen als auch in den übrigen Ländern der Monarchie und in der 
Residenzstadt die Veranlassung gab. Die Zentralausstellungen in Wien (1835, 
1839, 1845) wurden, ebenso wie die böhmischen von 1828, 1829 und 1831, 
direkt von den staatlichen Behörden organisiert und auch zum Gelingen der 
übrigen trug die Unterstützung der Behörden nicht wenig bei. Die Teilnahme 
und das Interesse des Kaiserhauses, vor allem des Kaisers selbst und des Erz- 
herzogs Johann, erhob die meisten dieser Ausstellungen zu wahren Festen der 
Industrie, wo es galt, sich durch vollendete Leistungen neben der Gunst des 
kaufenden Publikums auch die allerhöchste Anerkennung zu erringen. Die 
gewerblichen Ausstellungen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben so 
zweifellos sehr viel zur Hebung der Industrie und ihres Ansehens beigetragen^). 
Provinziai- Augesichts des Aufschwunges der heimischen gewerblichen Produktion 
Handels- ^^j. gg f^j. ^jjg Behörden immer schwieriger, über industrielle Fragen Verfügungen 
zu erlassen, da sie das weite Gebiet der sich immer mehr ausdehnenden indu- 
striellen Betätigung immer weniger selbst gründlich und verläßlich zu kennen 
und zu beurteilen imstande waren. Hatte die Kommerzhofkommission schon 
1818 die Errichtung von Handelskammern zur Unterstützung und Beratung 
der staatlichen Behörden für nützlich, ja notwendig erachtet, ohne aber damit 
durchdringen zu können, um wieviel wünschenswerter mußte eine solche Heran- 
ziehung von Industriellen beim allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwünge seit 
der zweiten HäKte der Zwanziger Jahre erscheinen. So rief die Hofkammer 1832 



nen. 



1) AUes Nähere vgl. S. 210 ff. — *) Alles Nähere vgl. unten S. 225 ff. 



107 

Provinzial-Handelskommissionen ins Leben, welche, aus Vertretern des Handels, 
der Industrie und der Landwirtschaft bestehend, zwar keinen so weitgehenden 
Wirkungskreis erhielten, wie er den anderthalb Jahrzehnte vorher in Aussicht 
genommenen Handelskammern zugedacht war, aber dennoch einen wichtigen 
Schritt nach vorwärts darstellen, indem so einerseits die Länderstellen ver- 
pflichtet waren, bei Beratung wichtiger kommerzieller Gegenstände die 
Stimmen der produzierenden Klassen zu hören, ebenso wie auch diesen 
dadurch Gelegenheit geboten war, ihre Interessen bei den Behörden unmittel- 
bar zu vertreten. 

Mit diesen Kommissionen wurden aber keine guten Erfahrungen gemacht, 
da es ihnen an einer festen Organisation mangelte, und sie konnten um so weniger 
zu einer größeren Bedeutung gelangen, als die bald darauf entstandenen Gewerbe- 
vereine den größten Teil ihres Wirkungskreises ausfüllten und dank ihrer 
Organisation, ihren Mitteln und ihrem Ansehen bald eine so intensive Tätigkeit 
entfalten konnten, daß die Handelskommissionen fast ganz in Vergessenheit 
gerieten^). 

Der Gegensatz zwischen Groß- und Kleinbetrieben begann schon fühlbar Angriffe 
zu werden. Zur steigenden Konkurrenz der großen, durch Maschinen betriebenen ,.f ^®^ ^^^ 
Unternehmungen kam 1831 das Auftreten und die gewaltige Verbreitung der werbever- 
Cholera hinzu, wodurch das wirtschaftliche Getriebe zum Teil ins Stocken leihungs- 
geriet, so daß sich namentlich bei den kleineren Unternehmern und den zünftigen ^^^g™^"^^*^ 
Meistern große Not und Unzufriedenheit einstellte. Wie immer in schlechten wehr. 
Zeiten, so schoben sie auch diesmal die Schuld an ihrer mißlichen Lage der i^ai— isas. 
Überfüllung der Gewerbe und somit der liberalen Verleihung derselben zu. 
Der Kaiser, der für Klagen seiner Untertanen immer zugänglich gewesen war, 
wurde in seinen alten Jahren noch empfänglicher, wozu wiederum die Furcht, 
daß die Unzufriedenheit des Volkes Unruhen zur Folge haben könnte, auch das 
Ihrige beitrug. Letzteres war um so begreiflicher, als das Jahr 1830 in Frank- 
reich die Julirevolution mit gewaltsamem Thronwechsel gebracht hatte, worauf 
sich Belgien empörte und von Holland losriß, endlich die Polen Rußlands für 
ihre Unabhängigkeit zu den Waffen griffen, welch letzterer Aufstand erst 1831 
blutig niedergeschlagen werden konnte. Ja in Italien mußten zur Unterdrückung 
aufständischer Bewegungen in der ersten Hälfte des Jahres 1831 selbst öster- 
reichische Truppen aufgeboten werden. Auch in Deutschland züngelte an ver- 
schiedenen Stellen die Flamme des Aufstandes empor. 

Dies konnte auf den alten Kaiser Franz nicht ohne Eindruck bleiben; 
schon unter dem 8. März 1831 erließ er ein Handschreiben an den obersten 
Kanzler, es sei ihm zur Kenntnis gekommen, daß Fremden Privilegien und 
Gewerbebefugnisse verliehen worden seien, ohne vorher über deren Gesinnung 
verläßliche Auskünfte erlangt zu haben. Künftighin habe dies erst dann zu 
geschehen, wenn der Befugniswerber von der Polizeibehörde als unbedenklich 
anerkannt worden ist^). 



1) Mes Nähere vgl. unten S. 208 ff; außerdem auch S. 114. — ") A. d. k. k. Fin. Min. 
Korn., Fasz. 29, Nr. 116 ex martio 1831. 



108 

Hand- Wegen der fortwährenden Klagen seitens der Zünfte, die Gewerbe seien 

schreiben überhäuft, befürchtete er eine allgemeine Unzufriedenheit und sah sich daher 
10. August zu beschränkenden Maßnahmen veranlaßt. So erging unter dem 10. August 1831 

1831. ein Handschreiben an den obersten Kanzler Grafen von Mittrowsky des Inhalts, 
es dürfte, da Handel und Gewerbe stocken, die Festsetzung mehrerer Klassen 
der Erwerbsteuer notwendig und zweckmäßig sein, weü viele "Unternehmer 
ihre Befugnis bloß deshalb aufgeben, weil sie die Steuer nicht entrichten können. 
„Ebenso soll auch die Überfüllung von Gewerbs- und Handelsbefugnissen, 
wodurch auch oberflächlich verfertigte Waren erzeugt werden, den Verfall der 
Industrie mit sich bringen, zur Verarmung der Familien beitragen und auf den 
öffentlichen und privaten Kredit nachteilig einwirken." Daher erging an den 
obersten Kanzler der Befehl, bei der vereinigten Hofkanzlei in Über- 
legung zu nehmen, durch welche Maßnahmen der übermäßigen Vermehrung 
der Gewerbe- und Handelsbefugnisse vorgebeugt werden könne, und das Resultat 
der Beratung zur allerhöchsten Schlußfassung vorzulegen. 

Hand- Bald darauf scheinen weitere Petitionen an den Kaiser gerichtet worden zu 

schreiben ggjj^^ ^qj^^ schon am 17. August erging an den Grafen Mittrowsky der strikte 
17. August Befehl, die Verleihung von Gewerben, die nicht radiziert oder nicht verkäuflich 

1831. sind, bis auf weitere Anordnung sogleich einzustellen. 

Die Hofkanzlei war der Meinung, daß sich der kaiserliche Befehl nur auf 
die Hauptstädte beziehe, da auf dem flachen Lande von einer Überfüllung der 
Gewerbe nicht gesprochen werden konnte. Daher verfügte sie bezüglich der ihr 
unterstehenden Polizeigewerbe, daß in Wien und den übrigen Hauptstädten 
die Verleihungen persönlicher Befugnisse sogleich eingestellt werden. Den 
Antrag, diese Verfügung auf die Hauptstädte zu beschränken, genehmigte auch 
der Kaiser. 

In betreff der Kommerzialgewerbe teilte die Hofkanzlei die kaiserlichen 
Befehle der Hofkammer mit, indem sie es ihr überließ, in dieser Gewerbeklasse 
das für notwendig Erachtete zu veranlassen. Der Referent der Hofkammer, 
Ottenfeld, meinte, der kaiserliche Befehl beziehe sich nur auf die Polizeigewerbe, 
da sonst die Anordnung notwendigerweise direkt oder indirekt auch an die 
Hofkammer ergangen wäre, während die beiden kaiserlichen Handschreiben 
weder die Hofljammer noch die Kommerzialgewerbe erwähnten. Dennoch 
hielt die Hofkammer es für notwendig, um für den Fall, als die Sistierung der 
Gewerbeverleihungen sich auch auf die Kommerzialgewerbe hätte erstrecken 
sollen, gedeckt zu sein, einen Vortrag darüber zu erstatten, was auch unter dem 

Vortrag 7. September 1831 erfolgte. Die Hofkammer führte da zunächst aus, sie halte 
sich verpflichtet, die Aufmerksamkeit Seiner Majestät „auf die aus einer gewalt- 
samen Änderung in dem bisherigen Kommerzialgewerbesystem notwendiger- 
weise entspringenden sehr schädlichen Folgen zu lenken und in aller Unter- 
tänigkeit die mannigfaltigen wichtigen, größtenteils unbesiegbaren Nachteile, 
die aus einem gänzlichen Verbote der Kommerzialgewerbsverleihungen unter 
allen Umständen, vorzüglich aber unter den gegenwärtigen Verhältnissen 
unerläßlich entspringen würden, mit offener. Euerer Majestät aEerhöchstem 
Dienste sowie dem allgemeinen Besten schuldigen Freimütigkeit näher zu be- 



vom 

7. Sept. 

1831. 



109 

rühren". Die Kommerzialge werbe nehmen auf die Handelsaktivität des Staates 
den größten Einfluß und verdienen daher besondere Rücksicht. Bei ihnen sei 
jede Beschränkung schädlich, da einerseits das Publikum durch die freie Kon- 
kuiTenz besser bedient werde, anderseits aber der Fortschritt der Industrie 
von ihrer freien Bewegung abhänge. Durch Zwangsmaßregeln würden auch 
geschickte Ausländer vor der Einwanderung abgeschreckt. Der Schaden für 
die Industrie wäre namentlich deshalb sehr schwerwiegend, w^eil dadurch das 
Privatinteresse, als das wirksamste Element, das die menschliche Betriebsam- 
keit weckt, leitet und fördert, seine treibende Kraft verlieren würde. Beschrän- 
kungen würden ein heiliges Recht der Untertanen verletzen, sich und ihre 
Familien auf eine ehrliche und gemeinnützige Weise durch ihren Fleiß und 
ihrer Hände Arbeit zu ernähren. Der Umstand, daß in der Monarchie fast nur 
in Böhmen, Niederösterreich und Mähren eine entwickelte Industrie vorhanden 
sei, würde eher für eine Erweiterung, nicht für eine Beschränkung der Gewerbe 
sprechen, da der Bedarf für 34 Millionen Menschen sehr groß sei. Diese Gründe 
hätten den Kaiser schon 1809 und 1811 bewogen, die Gewerbefreiheit zur Basis 
der Kommerzialgewerbeleitung zu machen und alle Beschränkungen aufzuheben. 
Die Industrie habe unter der Herrschaft dieses Systems auch tatsächlich einen 
großen Aufschwung genommen und gerade in dem Augenblicke, wo infolge der 
allgemeinen Stockung die Erwerbslosigkeit um sich greife, wäre es doppelt nach- 
teilig, wenn man durch Beschränkungen verhindern woUte, daß die Erwerbs- 
losen Beschäftigung finden. Jede Beschränkung der Gewerbe wäre daher das 
Grab der Industrie, eine Verletzung des allgemeinen Erwerbsrechtes und der 
Gerechtigkeitsliebe der Staatsverwaltung, welche eine gleich liebevolle Behand- 
lung aller Untertanen erheische. Deshalb bat die Hofkammer für den Fall, 
als sich die kaiserlichen Anordnungen auch auf die Kommerzialgewerbe hätten 
ausdehnen sollen, in dieser Gruppe von Gewerben das bisherige, bewährte System 
auch weiterhin in Wirksamkeit zu belassen^). 

Durch diesen Vortrag wurde zunächst die Gefahr einer Beschränkung der 
Kommerzialgewerbe abgewendet, denn bis zur Erledigung desselben hatte die 
Hofkammer freie Hand. Die Beschränkungen bezüglich der Polizeigewerbe 
sind aber auch immerhin merkwürdig genug, da ja bei denselben immer der 
Lokalbedarf berücksichtigt worden war, wodurch die Gefahr einer zu starken 
Vermehrung ohnehin seit jeher ausgeschlossen war. 

Die Sistierung der Verleihung von Polizeigewerben hatte aber die Zünfte weitere Ge- 
der Kommerzialbeschäftigungen ermutigt, ihre Vorstellungen zu erneuern, »uche um 
So stellte das Mittel der Wiener Sattler 1832 die Bitte, die Verleihung neuer k^ng der 
Sattlerbefugnisse einzustellen. Die Hofkammer sah sich gezwungen, durch Gewerbe- 
Vortrag vom 26. August 1832 wieder alle Gründe auseinanderzusetzen, welche ^"i^'^"'^" 
das liberale als das beste Gewerbesystem erscheinen lassen, und festzustellen, 
daß gerade die Sattler am wenigsten Grund zur Klage hätten, indem der Ge- 
brauch ihrer Erzeugnisse in den letzten Jahren stark gewachsen sei und viele 



1) A. d. k. k. Fin. Min. Koni., Fasz. 29, Nr. 65 ex sept. 1831; Staatsrat 1831, Nr. 4547, 
4648, 5255. 



110 

Sattler zu Wohlstand gelangt seien. Es liege aber nicht in der Macht der Staats- 
verwaltung, ganz zu verhindern, daß ein oder der andere Gewerbetreibende 
wegen Mangel an Fleiß, zu großen Aufwandes, Spekulationen oder auch nur 
aus unverschuldeten Unglücksfällen herabkomme, da überhaupt kein Gewerbe- 
system dies alles hintanzuhalten imstande wäre. Der Kaiser schloß sich diesen 
Ausführungen an und wies das Ansuchen ab (14. Dezember). 

Bald darauf mußte die Hofkammer einen weiteren Vortrag erstatten über 
ein Gesuch der Wiener Wachszieherzunft um Aufhebung der dem Anton Dal 
Piaz von der niederösterreichischen Regierung verliehenen Befugnis und um 
allerhöchste Anordnung, daß das Wachsziehergewerbe aus der Reihe der 
Kommerzialbeschäftigungen in die Kategorie der Polizeigewerbe übertragen 
werde. Sie scheinen somit selbst eingesehen zu haben, daß Verleihungsbeschrän- 
kungen bei Kommerzialge werben nicht am Platze sein können, und glaubten 
daher, dasselbe Ziel durch Erklärung ihres Erwerbszweiges als Polizeigewerbe 
erreichen zu können. Aber hierin hatten sie sich getäuscht, denn die Hof- 
kammer bemühte sich im Gegenteil schon lange, den Begriff der Polizeigewerbe 
soweit als möglich einzuschränken und möglichst viele der noch in diese Kate- 
gorie eingereihten Beschäftigungen zu Kommerzialgewerben zu erklären^), 
so daß ihre Haltung gegenüber diesem Ansinnen der Wachszieher von vorn- 
herein klar war. In ihrem diesbezüglichen Vortrage vom 28. Dezember 1832 
bemerkte sie, diese Vorstellungen seien ,, offenbar durch den Gewerbsneid hervor- 
gerufen, womit die Innungen der hiesigen kommerziellen Gewerbsleute auf die 
durch die vorübergegangene Cholerasperre veranlaßte Sistierung der Polizei- 
gewerbsbefugnisse hinblicken und durch übertriebene und falsche Angaben 
ähnliche Beschränkungen zu ihrem Privatvorteile durchzusetzen hoffen". 
So wies der Kaiser auch die Wachszieher ab (7. Februar 1833). 

Um dieselbe Zeit hatte auch das Mittel der Wiener Wagner um Einstellung 
der Verleihung neuer Wagnerbefugnisse und um Einreihung ihres Gewerbes in 
die Klasse der Polizeigewerbe angesucht, ebenso die Wiener Gold- und Silber- 
arbeiter um Einstellung der ferneren Befugnisverleihungen, 1833 die Vorsteher 
der Wiener Deckenmacherinnung um Beschränkung der Gewerbeverleihungen 
und Übersetzung ihres Gewerbes in die Reihe der Polizeibeschäftigungen, das 
Wiener Buchbindermittel, daß die Vermehrung der Buchbindergewerbe in Wien 
zeitweilig eingestellt und die Anzahl derselben überhaupt auf eine bestimmte 
Zahl beschränkt werde, endlich der bürgerliche Handelsstand in Klagenfurt 
um Untersagung weiterer Befugniserteilungen in Klagenfurt. 

Alle diese Ansuchen mußte die Hofkammer entkräften und ihre Grund- 
losigkeit nachweisen, was ihr auch jedesmal gelang, so daß der Kaiser durchwegs 
die Anträge der Hofstelle genehmigte und die Gesuchsteller abschlägig be- 
scheiden ließ^). 

Durch Abweisung aller dieser Vorstellungen war eigentlich auch die von 
der Hofkammer durch Vortrag vom 7. September 1831 verteidigte Frage 



1) Vgl. unten S. 136 ff. — «) Ausführlich Reschauer, a. a. 0., 80—94, A. d. k. k. Fin. Min. 
Komm., Fasz. 29, Nr. 18 ex jan. 1835. 



111 

schon entschieden, obwohl noch lange keine allerhöchste Entschließung 
darauf erfolgte. 

Selbst bezüglich der Polizeigewerbe wurden die Beschränkungen auf 
Antrag der Hofkanzlei für Triest im Oktober 1832, für Lemberg im September 
1833, für Prag im Februar 1834 wieder aufgehoben, so daß mit Verleihungen 
wieder vorgegangen werden konnte. Auch in Wien hatte die Sistierung der 
Verleihung von Polizeigewerben nur üble Folgen gehabt, indem die Störerei 
überhandnahm, so daß weder die Meister noch das Publikum von der Sistierung 
einen Nutzen hatten^). 

Inzwischen hatte der Kaiser durch Handschreiben vom 17. August 1832 Hand- 
der Hofkammer aufgetragen, da der Wunsch nach Beschränkung der liberalen ^«'»'^«^''en 

■-.••• vom 

Kommerzialgrundsätze, namentlich bei der Verleihung von Handlungsbefug- 17. August 
nissen, welche dadurch in ihrem Fortkommen gefährdet seien, häufig ausge- 1832. 
sprochen werde, nach reifer Prüfung und Einvernehmung der XJnterbehörden 
ihr Gutachten abzugeben, ob und bei welchen Handels- und Gewerbeklassen 
eine Beschränkung etwa eingeführt werden könne. 

Die Hofkammer forderte daraufhin Berichte von allen Länderstellen ab, 
welche bis Ende 1834 einlangten. 

Die Zünfte gaben sich jedoch noch nicht zufrieden und belästigten trotz 
ihrer fortwährenden Mißerfolge den Kaiser auch weiterhin mit ihren Vorstellun- 
gen, so daß er sich veranlaßt sah, unter dem 21. November 1834 abermals ein 
Handschreiben an den Vizepräsidenten der Hofkammer, Ritter von Eichhoff, Hand- 
zu richten, es sei ihm angezeigt worden, daß sich die Gewerbe von Wien fast schreiben 
ausnahmslos nach „einer baldigen Besserung ihres Zustande? sehnen". Ihre 21. Novem- 
schlechte Lage werde teils der fortwährenden Vermehrung derselben, teils der ber 1334. 
Verzehrungssteuer zugeschrieben. Die Hofkammer habe im Einverständnisse 
mit der Hofkanzlei von dieser Anzeige gehörigen Amtsgebrauch zu machen. 

Der Referent der Hofkammer, Anton von Krauß, stellte nun die auf Grund Vortrag 
des Handschreibens vom 17. August 1832 von den Länderstellen eingelangten 
Berichte zugleich als Erledigung des Auftrags dieses zweiten Handschreibens ^igs^ 
zusammen und teilte die ganze Zusammenstellung samt seinen diesbezüglichen 
Ausführungen am 8. Jänner 1835 der Hofkanzlei mit. Dabei führte er aus, 
aus der Geschichte der österreichischen Gesetzgebung über das Handels- und 
Gewerbewesen gehe deutlich hervor, daß die aus vieljähriger Erfahrung gereifte 
Überzeugung, daß Handel und Gewerbe nur dann zu einer für den National- 
wohlstand gedeihlichen Entwicklung gelangen können, wenn sie, geschützt vor 
hemmenden Einwirkungen, sich frei bewegen können, die österreichische 
Regierung schon frühzeitig angeeifert habe, dem aus älteren Zeiten der 
Beschränkungen hervorgegangenen Monopolgeiste der geschlossenen Handels- 
und Gewerbekorporationen kräftig entgegenzuwirken und sonach die Industrie 
allmählich und mit größtmöglicher Schonung der bestehenden Verhältnisse 
einem minder beschränkten System zuzuführen. 

Die Hauptgrundsätze des bestehenden Systems seien bereits in der unter 



vom 
12. März 



^) Reschauer, a. a. 0., 94 ff. 



112 

Maria Theresia erflossenen Normalverordnung vom 30. März 1776^) vorgezeichnet 
worden, in welcher die allerhöchste Absicht ausgedrückt wurde, geschickten 
Individuen die Gelegenheit, sich ehrlich zu ernähren, möglichst zu erleichtern, 
nicht nur die Einheimischen von der Auswanderung abzuhalten, sondern auch 
fremde geschickte Arbeiter zur Einwanderung zu bewegen, überhaupt durch 
Erleichterung der Nahrungswege die Vermehrung der Bevölkerung und dadurch 
auch die Hebung des Ackerbaues herbeizuführen. Den Magistraten und Orts- 
obrigkeiten sollte die Verleihung von Gewerbebefugnissen, ohne sich an eine 
bestimmte Zahl zu binden, überlassen bleiben, wobei ihnen aufgetragen werden 
sollte, die Erlangung des Bürger- und Meisterrechtes nicht zu erschweren, 
sondern auf alle nur immer billige und tunliche Weise zu erleichtern. 

Auch habe diese Verordnung untersagt, Gewerbe und Handlungen neu 
auf Häuser zu radizieren, jedem „Fabrikanten" hingegen die freie Wahl seines 
Niederlassungsortes überlassen und die Freiheit des Gewerbebetriebes als das 
einzige Mittel bezeichnet, um fremde, geschickte Arbeiter hereinzuziehen, 
und die einheimischen anzueifern, immer bessere Waren zu erzeugen. Zwar 
sei nach Einvernehmung der Länderstellen von der damaligen Hofstelle in der 
Sitzung vom 1. März 1777 beschlossen worden, diese Normalverordnung wegen 
mehrerer damals noch von den Meistern und Länderstellen besorgten Kollisionen 
mit den vielen reichszünftigen Kommerzialprofessionisten nicht öffentlich be- 
kanntzumachen, aber doch nach und nach darauf bedacht zu sein, im Laufe der 
Zeit im Sinne dieser allerhöchsten Anordnung vorzugehen. In diesem Sinne seien 
auch seitdem alle Abänderungen und Verbesserungen des Handels- und Gewerbe- 
systems vorgenommen, viele früher bestandene Beschränkungen aufgehoben 
und Hindernisse beseitigt worden. 

Von den einvernommenen acht Länderstellen hatten sich (1832 — 1834) 
sieben für und nur die Stimmenmehrheit einer einzigen, der mährisch-schlesi- 
schen, gegen das bestehende liberale Gewerbesystem ausgesprochen, von 
6t) Kreisämtern 53 für und 16 gegen, von 180 Ortsobrigkeiten 70 für, 110 gegen 
und von den einvernommenen 82 Zünften 2 für und 80 gegen dasselbe. Von den 
Anhängern des Liberalitätssystems hatten einige sogar auf Einführung einer 
vollständigen Gewerbefreiheit angetragen. Die Gründe, welche zugunsten 
des bestehenden Systems sprechen, meinte der Hofkammerreferent, seien 
meistens aus den Werken der Schriftsteller, welche über dieses Fach handeln, 
die Gründe gegen dasselbe aber aus den Vorstellungen der Zünfte und Korpo- 
rationen, mit welchen sie die Behörden unaufhörlich belästigen, geschöpft. 

Die Benennung Liberalitätsprinzip sei überhaupt falsch, weil die Gewerbe 
noch vielfachen Beschränkungen unterliegen. Die bestehenden Grundsätze 
hätten außerdem 1809, 1811 und 1827^) die allerhöchste Genehmigung und 
Billigung erhalten. Die wahren Ursachen von Stockungen seien nicht in der 
liberalen Handhabung der Gewerbegesetze zu suchen, sondern seien anderer 
Art; so vor allem das österreichische Rekrutierungssystem, welches, auf eine 
14jährige Kapitulation gegründet, dem Gewerbestande die kräftigsten Hilfs- 



») Vgl. oben S. 4. — ") Vgl. oben S. 49, 50, 85 ff. 



113 

arbeiter entziehe, weiters der Mangel a,n Kapital zu Unternehmungen. Ins- 
besondere habe der französische Krieg viel Kapital verschlungen, außerdem 
sei viel Geld an Börsenspekulationen beteiligt. Ein weiteres Hindernis sei die 
Größe der öffentlichen und privaten Abgaben, die beim Antritte des Gewerbes 
zu entrichten seien, weiters das Verfahren bei Befugnisverleihungen, endlich 
die Erwerbsteuer. „Nachdem der Gewerbsmann sich durch den dreifachen 
Rekursinstanzenzug durchgearbeitet, für die Agenzieen und leider hie und da 
bei den Unterbehörden sich eingeschlichenen ungebührlichen Auslagen, für die 
Gewerbs-Antritts- und Inkorporierungstaxen, für die Einrichtung der Gewerbs- 
lokalitäten, Herbeischaffung der Werkzeuge, Maschinen und Vorräte, Wohnungs- 
einrichtungen u. dgl. sein oft sauer erworbenes und erspartes Geld aufgezehrt 
hat, ist er gehalten, nebst dem Unterhalte für die Lehrjungen und Gesellen und 
den fortlaufenden Betriebsauslagen, nebst den Beiträgen für die Zunftauslagen 
und verschiedenen Gewerbesteuern auch die jährliche Erwerbsteuer zu bezahlen". 

Diese Hindernisse halten viele von der selbständigen Betreibung von 
Gewerben ab. Daß aber im InJande nicht genügend erzeugt werde, beweise 
schon der lebhafte Schleichhandel. Der Staat habe schon ein halbes Jahrhundert 
lang Millionen an Zolleinnahmen geopfert, um die inländische Industrie vor der 
ausländischen Konkun-enz zu schützen. Würde man jetzt im Innern Beschrän- 
kungen der Produktion einführen, um auch die inländische Konkurrenz aus- 
zuschalten, so wäre das Publikum einem Monopol preisgegeben, die Waren 
würden verteuert und verschlechtert und jeder Wetteifer gelähmt. 

Das bestehende System habe sehr gute Resultate gezeitigt, was aus der 
Besserung des Aktivhandels, aus der Zunahme der Steuereingänge aus Handel 
und Industrie erhelle, so daß sich der angebliche Verfall der Industrie, den die 
Gegner der bestehenden Ordnung behaupten, gar nicht nachweisen lasse. Die 
Staatsverwaltung könne den wirklichen Bedarf unmöglich bestimmen und sie 
würde sich einer unermeßlichen Verantwortung aussetzen, wenn sie das Ver- 
hältnis zwischen Produktion und Konsumtion bei einer Bevölkerung von mehr 
als 34 Millionen Menschen und einer zahllosen Menge von Kommerzialgewerben 
ermitteln wollte. Würde man, den Einflüsterungen der Zünfte folgend, die 
Zahl der Gewerbe dem Ermessen, d. i. der Willkür der Behörden überlassen, 
so wüi'den dadurch nur Unzukömmlichkeiten und den gröbsten Pflichtvernach- 
lässigungen und dem Bestechungsgeiste Tor und Angel geöffnet werden. Selbst 
auf die Prüfung einer größeren oder geringeren Geschicklichkeit der Befugnis- 
werber könne sich die Staatsverwaltung, wenn die Lehr- und Servierjahre 
gehörig nachgewiesen werden, nicht einlassen, weil die Beamten keine Sach- 
verständigen seien, die Gewerbegenossen aber aus Befangenheit gerade gegen 
den geschicktesten Bewerber aus Furcht vor Konkurrenz am parteiischesten 
vorgehen. 

Wenn man glaube, durch Verminderung der Gewerbe könnten sich wenigere, 
aber desto ausgedehntere Unternehmungen entwickeln, so könne dies nicht 
maßgebend sein, da die Ansicht falsch sei, daß eine kleine Anzahl großer Unter- 
nehmungen für die Allgemeinheit vorteilhafter sei als eine große Anzahl kleiner. 
I Zu großen Unternehmungen gehören auch große Kapitalien und diese stehen 

Slokar, Geschichte der österr, Industrie. g 



114 

nur wenigen zu Gebote, durch kleinere, aber zahlreiche Unternehmungen fließen 
aber dem Handel und der Industrie viel mehr Kapitalien zu und die Produktion 
wachse. Bei einer geringen Zahl von Unternehmungen höre auch der Wetteifer 
auf und das Publikum könne durch überspannte Preise gedrückt werden. 

Aus diesen Gründen war die Hofkammer der Meinung, die Gewerbe- 
verfassung sei keinen Änderungen in rückschrittlichem Sinne zu unterziehen. 
Hingegen sei die Hofkammer bereit, später, nach der allerhöchsten Entscheidung 
über einige schon erstattete Verbesserungsvorschläge weitere Anträge dieser 
Art zu unterbreiten. 

Über diese Ausführungen ersuchte die Hofkammer zunächst unter dem 
8. Jänner 1835 die Hofkanzlei um ihre Meinung, um sie sodann Seiner Majestät 
zur Schlußfassung vorzulegen^). 

In dem reichen Material, welches die Äußerungen aller Unterbehörden 
für und gegen das bestehende System darstellen, wiederholen sich alle jene An- 
sichten, welche von jeher einerseits von der Hofstelle und den meisten Länder- 
stellen, anderseits aber von den Zünften und meistens auch von den Magi- 
straten und Ortsobrigkeiten diesbezüglich vorgebracht worden waren^). Dabei 
muß aber einiges als besonders merkwürdig hervorgehoben werden. Zunächst muß 
es auffallen, daß die Landesstelle eines der gewerbereichsten Länder, Mährens 
und Schlesiens, sich mit Stimmenmehrheit für den reaktionären Standpunkt 
aussprach und der Meinung war, daß Fabriksuntemehmungen, deren Fabrikate 
auch von zünftigen Meistern erzeugt werden, unter allen Umständen nur zünftig 
betrieben werden sollten. Ein zweiter interessanter Punkt betrifft die Stellung- 
nahme der Handelskommissionen. Da zeigte es sich, daß die Zusammensetzung 
derselben zur Folge hatte, daß sich die Stimmenmehrheit für Beschränkungen 
aussprach, da die Mitglieder aus dem Stande der Landwirtschaft und des Handels 
dabei den Ausschlag gaben, während sich nur die Mitglieder aus dem Fabrikanten- 
stande für eine freiere Behandlung aussprachen'). Diese Körperschaften, die 
als eine Art Interessenvertretung für Handel und Gewerbe gedacht waren, 
zeigten so infolge ihrer Zusammensetzung ihre vollständige Unfähigkeit, die 
ihnen zugedachte Aufgabe zu erfüllen. 

Im allgemeinen brachte jedoch diese Gewerbeenquete nicht viel Neues, 
weil ja der Standpunkt der meisten Behörden mit wenigen Ausnahmen der 
Hofkammer im voraus bekannt war, da sie schon vorher bei zahlreichen Rekurs- 
fällen und Beschwerden ihre Ansichten kennen zu lernen Gelegenheit hatte. 
Auch die von der Hofkammer zur Widerlegung der gegnerischen Ausführungen 
vorgebrachten Argumente sind meistens Wiederholungen der Auseinander- 



1) A. d. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 29, Nr. 110 ex nov. 1834, Nr. 18 ex Jan., 15 ex jul. 1835. 
— *) Das diesbezügliche Material ist veröffentlicht von Reschauer, a. a. 0., 105 — 167. Die 
Behauptung Reschauers (S. 102): „Die Hofkammer war eben tief verletzt darüber, daß der 
Kaiser es überhaupt für notwendig hielt, die Gutachten der Unterbehörden einholen zu lassen, 
und daher auch bestrebt, dem Monarchen die Überflüssigkeit der ganzen Einvernehmung 
nahezulegen", ist wohl ganz unbegründet. Die Einvernehmung der Unterbehörden war vor 
allen wichtigen Beratungen üblich. — ^) Vgl. Reschauer, a. a. 0., 106 ff., 135, 154. 



115 

Setzungen, welche die Kommerzhofstellen gelegentlich der anbefohlenen Be- 
schränkungen in den Jahren 1801 bis 1811 und 1822 bis 1827 vorgebracht hatten 
und die sie auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit, den Unterbehörden zur 
Danachachtung einzuschärfen pflegten. 

Die Beantwortung der Frage, ob und bei welchen Handels- und Gewerbe- 
klassen eine Beschränkung der liberalen Grundsätze einzutreten hätte, zu 
welchem Zwecke diese umfangreichen Erhebungen vorgenommen worden waren, 
hatte aber noch vor Unterbreitung der Ergebnisse zur allerhöchsten Schluß- 
fassung ihre ganze Bedeutung verloren, da Kaiser Franz inzwischen unter dem 
4. Februar 1835 die Ausarbeitung eines ganz neuen Gewerbekonzessionssystems Hand- 
angeordnet hatte. schreiben 

• • • • voin 

Daher meinte die Hofkanzlei, die Verhandlung habe durch das Hand- 4. Februar 
schreiben vom 4. Februar eine ganz andere Richtung erhalten, weshalb die issa. 
Frage, ob und welche Beschränkungen in der Gewerbeverfassung einzutreten 
hätten, nur mehr in Verbindung mit den Verhandlungen über das allgemeine 
Gewerbegesetz verhandelt werden könnten. 

Dennoch erstattete die Hofkammer unter dem 12. März 1835 den Vortrag 
und stellte zugleich die Bitte, sowohl die umfangreichen Belege dieses Vortrags 
als auch die schon früher erstatteten Vorschläge über geplante Teilreformen 
(namentlich über die Niederlagsrechte der Fabriken und Gewerbe und über die 
Grenzlinie zwischen Kommerzial- und Polizeigewerben) wieder herabgelangen 
zu lassen, um davon bei den kommissioneilen Beratungen des Entwurfes des 
neuen Gewerbegesetzes Gebrauch machen zu können. 

Kaiser Franz hatte dies nicht mehr erlebt, denn er war am 2. März gestorben. Tod 

Nachdem die Angelegenheit anderseits durch das Handschreiben vom ^'^^^..^•' 
4. Februar schon jede Aktualität verloren hatte, nahm Kaiser Ferdinand durch igss. 
Entschließung vom 6. April den Inhalt des Vortrags einfach zur Kenntnis^). EntschUe- 

Die Frage, ob die durch Handschreiben vom 10. und 17. August 1831 an- "^""^ ^°™ 

. . . 6. April 

geordnete Sistierung der Verleihungen auch auf die Kommerzialgewerbe an- igas. 
gewendet werden sollte, hatte, wie schon oben erwähnt, den Vortrag der Hof- 
kammer vom 7. September 1831 zur Folge gehabt, durch welchen diese die 
Unmöglichkeit der Ausdehnung dieser Beschränkungen auf die Kommerzial- 
gewerbe nachzuweisen suchte. Dieser Vortrag, der einen so großen Abgrund 
zwischen den Anschauungen der obersten Kommerzbehörde und den Wünschen 
der Zünfte kennzeichnete, hatte den Gedanken reifen lassen, daß eine allgemeine, 
wohlerwogene Reform des gesamten Gewerbekonzessionssystems ratsam wäre. 
In dieser Ansicht konnte man nur noch bestärkt werden durch den Umstand, 



*) Krauß-Elislago, Aktenmäßige Darstellung der Verhandlungen usw. (Manuskript im 
Familienarchiv). A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 79 ex raartio und 29 ex apr. 1835; 
Staatsrat 1835, Nr, 1641. — Der von Reschauer (S. 167) konstruierte Zusammenhang zwischen 
diesem Vortrag und dem Handschreiben vom 4. Februar beruht auf einem Irrtum, indem 
der Vortrag der Hofkammer nicht, wie er behauptet, anfangs Jänner, sondern nach Erlassung 
des Handschreibens vom 4. Februar, erst unter dem 12. März erstattet wurde. Anfang Jänner 
war der Vortragsentwurf der Hofkanzlei mitgeteilt worden. 



116 

daß die Hofkammer um dieselbe Zeit Reformvorschläge behufs einheitlicher 
Entsohiie- Regelung einzelner gewerberechtlicher Fragen erstattet hatte^). Von diesem 
ßimg vom Standpunkt ausgehend, erledigte Kaiser Franz durch Entschließung vom 
1835. 4. Februar 1835 den Vortrag der Hofkammer vom 7. September 1831, indem 
er sie anwies, sich bei Verleihung von Kommerzialgewerben genau an die be- 
stehenden Vorschriften zu halten und sich sonst auf das am gleichen Tage an 
den Vizepräsidenten der allgemeinen Hofkammer Ritter von Eichhoff erlassene 
Kabinettschreiben bezog. Am selben Tage fand auch ein Vortrag der Hofkanzlei 
vom 1. September 1831 über die durch Kabinettschreiben vom 10. August 1831 
ergangenen Weisungen seine Erledigung, mit Bezugnahme auf das am 4. Februar 
1835 auch an den obersten Kanzler erlassene Kabinettschreiben betreffs eines 
neuen Gewerbegesetzes. 

Zugleich wurde auch das noch für Wien bestehende Verbot der Verleihung 
von Polizeigewerben aufgehoben und die Behörden angewiesen, sich wieder 
nach den bestehenden, die Berücksichtigung des Lokalbedarfes anordnenden 
Vorschriften zu richten^). 

Der Kaiser hatte aus den Vorstellungen der Zünfte und den Vorträgen der 
Hofstellen das eine unzweifelhaft richtig erkannt, daß das damals bestehende 
Gewerbesystem nicht genügend genaue Bestimmungen über die Gewerbe- 
verleihungen enthielt und daß es daher wesentlich von den Anschauungen der 
Behörden abhing, ob einem Bewerber eine Befugnis verliehen wurde oder nicht. 
Seit dem Anfange des Jahrhunderts wurde von den Hofstellen immer wieder 
der Grundsatz der Liberalität bei Gewerbe Verleihungen eingeschärft, ohne daß 
jemals nähere Bestimmungen darüber erlassen worden wären^). Nun galt es, 
jede Willkür auszuschalten und feste Grundsätze aufzustellen, damit auch auf 
wirtschaftlichem Gebiet eine vollständige Rechtssicherheit hergestellt werde. 
Hand- Vou dicscm Gcslchtspunktc ging Kaiser Franz bei Erlassung des Kabinett- 
^Sier sc^^^i^ß^s ^0^ 4. Februar 1835 an den Vizepräsidenten von Eichhoff aus, 
Franz I. wclchcs folgendermaßen lautete: „Um in dem Ge werbe wesen den Schwankungen 
vom zwischen der XJngebundenheit und den mehr oder weniger beschränkten Kon- 
1835^1^ Zessionen eine feste Richtung zu geben und der Willkür der mit dem Verleihungs- 
ordnung der rechte begabten Behörden soviel möglich zu steuern, ist meine Absicht, den 
Ausarbei- selbständigen Gewerbebetrieb in meinen deutschen Staaten zwar nur vermittelst 
*"neuen^^ eigener Konzessionen zu gestatten, zum Behufe derer Erwirkung aber für jede 
Gewerbe- Gcwcrbsgattung bestimmte Bedingungen festzusetzen, deren genaue Erfüllung 
konzessions- jjgj^ Kandidaten obliegen soll und nach welcher erst das Befugnis zu erteilen, 
sowie im entgegengesetzten Falle zu verweigern oder zurückzunehmen ist, in 
der Art, daß die Behörden sowohl bei ihrem ersten Ausspruche als im Berufungs- 
wege nur auf die Untersuchung und Entscheidung der faktischen Frage be- 
schränkt sein würden: ob der Befugniswerber allen Erfordernissen des Gesetzes 
entsprochen habe oder nicht, woraus die Verleihung oder Versagung des Be- 
fugnisses sich von selbst ergibt." 



1) Siehe unten S. 117 f. — *) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 35 ex febr., 27 ex 
martio 1835, Staatsrat 1831, Nr. 5255, 5430, 1835. Nr. 749. — ") Vgl. oben S. 49 u. 58. 



117 

„Was die Bedingungen betrifft, so werden einige zum Beispiel in Beziehung 
auf das Alter, die vorausgegangene Erfüllung oder Vertretung der Militär- 
pflicht, die guten Sitten u. dgl. im allgemeinen, andere, wie die relative Vor- 
bildung, das Vermögen der Bewerber, die Zahl im Verhältnis der Bevölkerung 
die Lokalverhältnisse, das Bedürfnis etc. etc., nach den Gewerbsgattungen, den 
Provinzen und Lokalitäten verschieden festgesetzt und zugleich darauf Bedacht 
genommen werden müssen, daß jeder Bewerber durch einige Zeit als Hilfs- 
arbeiter sich tadellos verwendet habe, um einerseits den Stand der Hilfsarbeiter 
zum Nachteile der selbständigen Gewerbeunternehmungen nicht zu schwächen 
und anderseits durch die jedermann eröffnete Aussicht, durch Zeit, Fleiß, 
Redlichkeit und Sparsamkeit zur Selbständigkeit zu gelangen, die Sitten und 
Arbeitsneigung dieser Klasse zu verbessern. Sie werden bei der Hofkammer 
eine Kommission unter ihrem eigenen oder dem Vorsitz eines Vizepräsidenten 
einsetzen, welche in diesem Sinne und ohne die bestehenden Innungen 
und die Rechte der radizierten und verkäuflichen Gewerbe in 
die Frage zu stellen, die Vorschläge zu bearbeiten und mir selbe allenfalls 
teilweise nach den verschiedenen Gewerbsklassen mit Anführung und Benützung 
der schon bestehenden Vorschriften vorzulegen hat. Diese Arbeit hat nicht 
allein die Kommerzial-, sondern auch die Polizeigewerbe zu erfassen, welche 
Unterscheidung nach Vollendung und Sanktionierung der neuen Gewerbs- 
verfassung ganz aufzuhören hat. Dieser Kommission sind auch Hofräte der 
vereinigten Hofkanzlei beizuziehen"^). 

Die Beratungen zur Reform der Gewerbe Verfassung, welche schon 1810^), 
dann mit der En'ichtung der Kommerzhofkommission (1816)^) auch formell ihren 
Anfang und deren Vorarbeiten durch die Bearbeitung und Veröffentlichung 
einer genauen Übersicht über den bestehenden Zustand durch Kopetz (1829) 
ihren vorläufigen Abschluß genommen hatten, sollten jetzt wieder anfangen. 

Der Gedanke, die Gewerbeverfassung zu reformieren, hatte aber auch Teii- 
inzwischen nicht geruht, die Verhandlungen dauerten vielmehr fort*). Außerdem '■«^o'"™«^ 

° , . . ° . m -1 1 • 1 r^ undReform- 

wollte die Hofstelle wiederum inzwischen gewisse Teilgebiete der Gewerbe- versuche 
Verfassung im voraus einzeln neu regeln. isso-isss. 

In den Jahren 1831 und 1832 führten die Hofkammer und die Hofkanzlei Aufhebung 
Verhandlungen, welche zum Antrage führten, die einzig noch bestehende ^^^" ^^^' 

. . . . tärbegün- 

gewiß unbillige und durch nichts gerechtfertigte Militärbefreiung von Gewerbe- gtigungen. 
treibenden, welche das Bürger- und Meisterrecht in Städten und Märkten mit 
reguliertem Magistrat besaßen, abzuschaffen, damit aUe Gewerbetreibenden 
diesbezüglich dem gleichen Maßstab unterworfen seien, was auch Kaiser 
Ferdinand durch Entschließung vom 29. April 1835 genehmigte, wonach bis 
zur definitiven Regelung des Konskriptions- und Rekrutierungssystems die den 
Gewerbeinhabern bis dahin zugestandenen Befreiungen ganz aufzuhören hätten 
und dieselben den nämlichen Bestimmungen unterworfen sein sollten wie aUe 
übrigen Bevölkerungsklassen^). 



») Staatsrat 1835, Nr. 749. — ^) Vgl. oben S. 56 ff. — ») Vgl. oben S. 97 ff. — *) Vgl. unten 
S. 138. — *) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 124 ex apr. 1831, Nr. 106 ex jun. 1835. 



118 

Vortrag Auch andere Teilgebiete suchte die Hofkammer allmählich neu zu regeln. 

^°"^ So wollte sie aus der Zahl der Polizeigewerbe alle jene ausscheiden, welche 

über die einer größeren Entwicklung fähig schienen und daher nach den freieren Grund- 
Grenziinie sätzcu der Kommerzialgcwerbe behandelt werden sollten. Trotz des Wider- 
Klmmw- Standes der Hofkanzlei, welche diese Frage erst in Zusammenhang mit der 
ziai- und gesamten Gewerbereform geregelt wissen wollte, erstattete sie unter dem 

Polizei- iQ^ ]y[ai 1831 einen diesbezüglichen Vortragt), 
gewer en. g.^^ wcitcre Frage, welche die Hofkammer beschäftigte, war die bis dahin 

Vortrag jjQßii fehlende einheitliche Regelung der Niederlagsrechte der Fabrikanten 
24. Ai^st ^^d Gewerbetreibenden, weshalb sie unter dem 24. August 1832 auch darüber 

1832 dem Kaiser Vorschläge erstattete^), 
über die Keiner dieser Anträge war noch erledigt, als sie durch das Kabinett- 

rechte der Schreiben Franz I. vom 4. Februar 1835 und die dadurch angeordnete allgemeine 
Fabrikan- Revision der Gewerbeverfassung gegenstandslos wurden. Infolgedessen wurden 

ten und Kaiscr Ferdinand alle zusammen mit dem Vortrage vom 12. März 1835 

Gewerbe- c» 

treibenden, uutcr dem 6. April dicscs Jahres, mit dem Hinweise darauf, daß sie durch die 
angeordnete Bearbeitung eines neuen Gewerbegesetzes ihre Erledigung gefunden 
hätten, an die Hofkammer zurückgesendet^). 
Vergebung Auch die Frage der direkten Heranziehung von Gewerbetreibenden zu 
von Militär- Ljgfgj.^jjp.gj^ für das Militär kam in dieser Periode zur Erledigung. Die Ver- 
' handlungen, welche darüber in den Jahren 1820 bis 1822 geführt worden waren*), 
hatten keinen unmittelbaren Erfolg gehabt. Von selten der Gewerbetreibenden 
langten auch weiterhin Petitionen an den Kaiser, es möge ihnen Gelegenheit 
geboten werden, ihre Erzeugnisse unmittelbar der Militärverwaltung zu ver- 
kaufen. Der Kaiser machte durch Handschreiben vom 23. November 1831 den 
Hofkriegsrat auf diese Beschwerden aufmerksam, welcher infolgedessen bekannt- 
gab, daß, um sowohl die Nachteile für das Ärar abzuwenden, als auch die Pro- 
duzenten gegen Bedrückungen von selten der Lieferanten zu schützen, den 
Produzenten der freie Verkehr mit dem Ärar freistehe. Dabei werde ihnen Ge- 
legenheit geboten, ihre Erzeugnisse, welche für die Bedürfnisse der Armee 
geeignet seien, direkt an die betreffenden Branchen abzuliefern. Um dies zu 
erleichtern, wurde auch die Übernahme kleinerer Partien bewilligt. Das Preis- 
maximum, unter und um welches die Lieferungen übernommen werden sollten, 
wurde von Zeit zu Zeit bekanntgemacht. Zu Anfang des Jahres 1832 wurde 
diese Verfügung, welche jedenfalls einen großen Fortschritt bedeutete, in den 
amtlichen Zeitungen durch die politischen Behörden veröffentlicht und die 
Gewerbetreibenden darauf aufmerksam gemacht^). 
Privilegien- Im Jahre 1832 erfolgte eine teilweise Neuregulierung des Privilegien- 

'*""• gesetzes«). 
Besitz von Im Jahrc 1833 wurde auch das seit 1808 bestehende Verbot, Gewerbe 
Gewerben nrleichzeitig im In- und dem benachbarten Auslande zu halten, aufgehoben'^). 

im In- und a o •-' 

Auslande. 



1) Vgl. unten S. 138 ff. — «) Vgl. unten S. 151 ff. — ») A. d. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 29, 
Nr. 29 ex apr. 1835. — *) Vgl. oben S. 80 ff. — ^) Grazer Zeitung vom 8. März 1832. — •) Vgl. 
unten S. 254. — ') Entschließung vom 23. Apr. 1833. Reschauer, a. a. 0., 36. — Vgl. oben S. 93. 



119 

Kaiser Franz hatte, wie oben erwähnt, noch unmittelbar vor seinem Tode die 
Neuregulierung der Gewerbeverfassung angeordnet, ohne daß es jedoch weder ihm 
noch seinem Nachfolger vergönnt gewesen wäre, diese wirklich zu Ende zu führen. 

In Befolgung der kaiserlichen Anordnung vom 4. Februar 1835 trat eine Entwurf 
Kommission zur Beratung dieses Gegenstandes zusammen, welcher von der ^'°®* "!"*'' 
Hofkanzlei die Hofräte Nadherny und Otto, von der Hofkammer die Hofräte konzessioas- 
Schwarzhuber, v. Pusswald, Witteczek und Esch, der Vizepräsident von Hauer Gesetzes 
und als die maßgebendste Person der Referent Anton Edler von Krauß an- ^^®^®*" 
gehörten. Bis Dezember 1835 hatte der Referent die Vorarbeiten vollendet^), 
so daß am 12. dieses Monats die kommissionellen Beratungen beginnen konnten, 
welche nach 14 Sitzungen am 16. Mai 1836 ihren Abschluß fanden. Die Beratung 
ergab in allen wichtigen Punkten die volle Übereinstimmung der Ansichten, 
nur bei wenigen nebensächlichen Bestimmungen gab es verschiedene Meinungen. 
Durch Vortrag vom 17. Juni 1836 wurde der Entwurf dem Kaiser zur Schluß- Vortrag 
fassung vorgelegt^). J''^^^. 

Dieser Entwurf, so mühevoll auch seine Zusammenstellung und so lehrreich isae. 
sein Inhalt sein mag^), gelangte nicht zu praktischer Bedeutung, da er niemals 
Gesetzeskraft erlangte. Im Jahre 1839 hatte er die kaiserliche Genehmigung 
noch immer nicht erhalten, so daß sich die Hofkammer veranlaßt sah, die 
Erledigung desselben zu betreiben. Als 1840 Baron Kübeck Präsident der 
Hofkammer wurde, der ganz von den Ideen der Gewerbefreiheit beseelt war^), 
zog er den Entwurf, da er ihn für noch nicht genügend durchberaten hielt, zurück- 
unter dem 15. April 1841 wieder zurück, in der Absicht, ihn einer neuerlichen '^'f'^'^s des 
Verhandlung und Revision zu unterziehen. Im Jahre 1846 wurde dieser Entwurf (ig^i). 
sämtlichen Landespräsidien zur Äußerung übersendet, um sodann, nach er- 
folgter Berücksichtigung der Bemerkungen der Landesregierungen, die end- 
gültige Redigierung Seiner Majestät zur allerhöchsten Schlußfassung vor- 
zulegen. Dazu kam es jedoch in der ersten Hälfte des Jahrhunderts nicht mehr. 
Damit hatte auch dieser schon weit gediehene Versuch, ein neues Gewerbe- 
gesetz zu schaffen, seinen vorläufigen Abschluß gefunden^). 

Die Zeiten hatten sich schon stark geändert, die Industrie schritt im Laufe 
der Jahre, der meisten Hemmnisse entledigt, unaufhaltsam weiter. Selbst die 
Zünfte mußten sich diesem Zuge der Zeit anschließen, wollten sie nicht dem 
Untergange geweiht sein. Wo sie dies taten, wie die Reichenberger Tuchmacher- 
zunft, da erhielten sie sich auf der Höhe der Zeit, die zünftigen Meister wurden 
Fabrikanten, machten sich alle technischen Errungenschaften zu eigen und 
waren weit entfernt, die Konkurrenz der Fabriken zu fürchten. 



^) Zwei Abschriften dieses Entwurfes, welcher als Grundlage für die weiteren Beratun- 
gen diente, befinden sich im A. d. k. k. Fin. Min. P. P. 1844, Nr. 5197. — «) A. d. k. k. Fin. 
Min. 1836 P. P. 3905., Staatsrat 1836, Nr. 3425; vgl. auch Krauß-Elislago : Autobiographie, 
S. 143 f. — ») Abschriften davon im A. d. k. k. Fin. Min. P. P. 1846, Nr. 5829. Die wichtigen 
Stellen veröffenthcht von Reschauer, a. a. 0., S. 180—197. — *) Vgl. darüber unten S. 155. — 
*) Staatsrat 1839, Nr. 6713, 1841, Nr. 1962; A. d. k. k. Fin. Min. 1836 P. P. 3905, 1841 P. P. 
4822, 1845 P. P. 2867. 



120 

Die anderen aber, die dieser Entwicklung nicht folgen konnten, wurden 
durch die Großindustrie immer mehr in die zweite Reihe gedrängt, weshalb 
sie sich auch weiterhin durch Vorstellungen und Bitten an die Behörden helfen 
zu können glaubten. Gegenwärtig konnten sie aber damit nichts mehr erreichen. 
Wie die Behörden darüber bis dahin gedacht hatten, ist aus dem Bisherigen 
zur Genüge ersichtlich und auch weiterhin boten ihnen solche Beschwerden 
nur die Gelegenheit, um auf die Wohltaten der Gewerbefreiheit und die schäd- 
lichen Umtriebe der Zünfte hinzuweisen. So meinte die Hofkammer im Jahre 
1839, es sei eine bekannte Tatsache, daß in Oberitalien, wo keine geschlossenen 
Gewerbekorporationen bestehen und wo der Antritt eines Gewerbes jeder Art 
weder durch Nachweisung bestimmter persönlicher Eigenschaften noch durch 
sonstige gesetzliche Formalitäten bedingt sei, seit der Einverleibung dieser 
Länder in den österreichischen Kaiserstaat nie eine Beschwerde über Über- 
füllung der Gewerbe- und Handelsunternehmungen vorgekommen und Gegen- 
stand amtlicher Verhandlungen gewesen sei und daß der Wohlstand dieser 
Provinzen „unter dem Schutze eines freien Gewerbe- und Handelssystems" 
eine Stufe erreicht habe, wodurch dieselben mit den reichsten und blühendsten 
auswärtigen Staaten einen Vergleich auszuhalten vermögen, während die Be- 
hörden und der Kaiser selbst von den Gewerbe- und Handelskorporationen 
der altösterreichischen Provinzen, wo zur selbständigen Ausübung von Unter- 
nehmungen ohnehin der Nachweis einer Reihe von Lehr- und Servier- oder 
Gesellen Jahren, unbescholtener Lebenswandel, strenge Beobachtung der Zoll- 
gesetze, Fondsausweisungen und anderes gefordert werde und wo der Bewerber 
einen „dreifachen, durch die Schikanen des Zunftgeistes und durch mancherlei 
Umtriebe bei den Behörden selbst oft in die Jahre sich hinausdehnenden Rekurs- 
instanzenzug" durchzumachen habe, bevor er in den Besitz einer rechtskräftigen 
Gewerbe- oder Handelsbefugnis gelange, unablässig mit Bitten und Beschwerden 
um Beschränkung und um Monopolrechte belästigt werden^). 

Namentlich die Wiener Zünfte zeichneten sich durch ihr Ankämpfen gegen 
das Liberalitätssystem aus. Kaiser Ferdinand sah sich durch ihre Petitionen 
veranlaßt, durch Kabinettschreiben vom 24. September 1842 der Hofkanzlei 
aufzutragen, diesen Angaben, daß durch die allzu große Liberalität in der Er- 
teilung von Gewerbebefugnissen den „Fabrikanten" besonders in Wien wesent- 
licher Schade erwachse, auf den Grund zu gehen und das eventuell notwendig 
Befundene zu verfügen. Die Hofkanzlei untersuchte die Angelegenheit und 
kam zur Einsicht, daß die Beschwerden ganz unbegründet waren. Die Hof- 
kammer erklärte sogar, sie müßte sich vielmehr, wenn irgend eine Änderung 
im bestehenden System vorgenommen werden sollte, für eine Erleichterung 
des Zutrittes zum selbständigen Erwerbe als für eine weitere Beschränkung 
aussprechen^). 

Arbeiter- Mit Fragen des Arbeiterschutzes begann man sich erst in den dreißiger 

flohutz. Jahren zu beschäftigen. 



1) Staatsrat 1839, Nr. 1836. — «) A. d. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 17, Nr. 1986 
ex 1842. 



121 

In einem gewissen Sinne könnte man hier auch die Bestimmungen bezüglich 
der Sicherheitsmaßnahmen gegen Explosionen von Dampfkesseln anführen, 
weil bei solchen Unglücksfällen gerade die Arbeiter in erster Linie gefährdet 
werden mußten, obwohl bei Erlassung dieser Bestimmungen nicht so sehr an 
einen Arbeiterschutz als an einen Schutz gegen Unglücksfälle überhaupt gedacht 
wurde. Die Sicherheitsbestimmungen gegen Explosion von Dampfkesseln, 
die 1817 nur bezüglich der Dampfschiffe erlassen worden waren, wurden 1831 ^), 
da sich bis dahin der Gebrauch von Dampfmaschinen auch in Fabriken stark 
verbreitet hatte, auf alle in Gebrauch stehenden Dampfmaschinen ausgedehnt 
und verbessert, worauf erst 1843 neue diesbezügliche Bestimmungen folgten^). 

Die Staatsverwaltung stand betreffs solcher Regelungen auf dem Stand- 
punkte, daß, ,,da das Gedeihen und der Aufschwung der Industrie wegen ihrer 
hohen Wichtigkeit für die allgemeine "Wohlfahrt auf jede angemessene Weise 
befördert und demzufolge jede nicht unbedingt notwendige Beschränkung 
ferngehalten werden müsse", von selbst folge, „daß auch durch keine 
an sich entbehrliche und zu weit getriebene Vorsichtsmaßregel 
eine Belästigung derselben zugewendet werden dürfe"^). Als im 
Jahre 1835 in einer Zündhölzchenfabrik in Ottakring eine Arbeiterin durch 
eine Explosion verunglückte, da meinte die niederösterreichische Regierung, 
es sollten für die Zukunft weitere Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung von 
Unglücksfällen vorgeschrieben werden. Die Hofkanzlei erwiderte jedoch, sie 
finde keine Veranlassung, den bezüglich der Erzeugung von Knallpräparaten 
und Zündhütchen unter dem 15. Mai 1828 bereits erlassenen Vorschriften noch 
weitere gesetzliche Anordnungen folgen zu lassen, „weil es sich auch ohne 
eine darüber bestehende ausdrückliche Vorschrift ohnehin von 
selbst versteht, daß jeder Unternehmer einer Fabrikation von was 
immer für einer gefährlichen Art verpflichtet ist, die Arbeiter, 
welche er dazu aufnimmt, sorgfältig zu wählen, sie gleich bei 
der Aufnahme mit den dabei eintretenden Gefahren bekannt 
zu machen, sie über die zu beobachtenden Vorsichten zu belehren, 
über deren Befolgung zu wachen und sorgfältig alles zu be- 
seitigen, was Gefahr bringen kann, daher auch die große Anhäufung 
von leicht entzündbaren Vorräten im Arbeitszimmer zu vermeiden, und weil, 
wenn ein Unternehmer durch Unterlassung obiger Vorsichten an einem sich 
ereignenden Unglücksfall eine Schuld trägt, ohnehin zu erwarten ist, daß die 
Gerichte ihn über eine gegen ihn eingebrachte Klage zur gebührenden Ersatz- 
leistung verhalten werden"*). 

Die Arbeitsverhältnisse in Fabriken bargen auch, abgesehen von Unglücks- 
fällen für das körperliche und sittliche Wohl der Arbeiter, namentlich der in 
jugendlichem Alter stehenden, mancherlei Gefahren, ohne daß sich die Staats- 
verwaltung bis dahin darum gekümmert hätte. 



1) Hofkanzleidekret vom 30. März 1831. — ») A. h. Entschließung vom 25. Nov. 1843. 
— 3) Hofkanzleidekret vom 7. Dez. 1844. Statth. A. Wien, 1844. G. 4. Nr. 26446. — *) Statth. A. 
Wien, 1835. F. 18, Nr. 10358. 



122 

Schon im Motivenberichte zum Entwurf einer neuen Gewerbeverfassung 
von 1836 wurde auf die physische und moralische Vernachlässigung der Kinder 
in den Fabriken, ihre übermäßige Anstrengung und dadurch verursachte Ver- 
krüpplung und moralische Schädigung hingewiesen, welche Umstände schon 
oft von Sachkennern und Menschenfreunden zur Sprache gebracht worden 
seien. Deshalb meinte die Hofkammer, es sollten durch die zur Durchführung 
der neuen Gewerbeordnung zu erlassende Instruktion die Länderstellen zu einer 
Zusammenstellung der zum Schutze der Kinder bestehenden Vorschriften auf- 
gefordert werden, um sie nach einer Revision wieder bekanntzumachen^). 

Das Vorarlberger Kreisamt hat aber das Verdienst, der Gefährdung der 
Arbeiter und namentlich der Kinder in den Fabriken zuerst größere Aufmerk- 
samkeit geschenkt und weitere Schritte veranlaßt zu haben. Nachdem es 
schon am 9. Jänner 1834 angeordnet hatte, daß schulpflichtige Kinder in 
Fabriken nicht aufgenommen und Knaben unter zwölf, Mädchen unter zehn 
Jahren überhaupt nicht verwendet werden dürfen, erließ es, da diese erste 
Anordnung nicht befolgt worden war, im Oktober 1835 eine neue Verordnung, 
wobei zugleich Geldstrafen auf Übertretung derselben festgesetzt wurden. 
Da weitergehende Maßnahmen nicht mehr innerhalb seines Wirkungskreises 
getroffen werden konnten, erstattete es im Jänner 1836 Bericht an das 
Gubernium, mit dem Antrage weitergehender Maßregeln. Der Bericht forderte 
Verbot der Nachtarbeit für Personen unter 18 Jahren. Das Gubernium war 
mit dem Antrage prinzipiell einverstanden, doch wollte es zunächst ver- 
suchen, diese Forderungen durch gütliches Übereinkommen mit den Fabriks- 
besitzern zu erreichen. Gleichzeitig fragte es bei den LändersteUen von Wien, 
Prag und Brunn an, welche Maßnahmen daselbst zur Verbesserung der Lage 
der Fabriksarbeiter bestehen oder geplant seien, da bei Erlassung solcher An- 
ordnungen nur für Vorarlberg die dortige Industrie geschädigt werden könnte. 

Inzwischen hatte man auch in Niederösterreich einen Anlauf genommen, 
indem die Regierung, um die durch einen Bericht des Bezirksarztes Dr. Lacki 
vom Jahre 1837 zutage geförderten Mißstände abzustellen, unter dem 16. Juli 
1839 die Verordnung erließ, wonach Kinder vor dem zurückgelegten 12. Lebens- 
jahre in Fabriken in der Regel nicht verwendet werden dürfen (nur ausnahms- 
weise solche zwischen neun und zwölf Jahren), wobei die Arbeitszeit für Kinder 
mit höchstens 13 Stunden täglich mit Verbot der Nachtarbeit festgesetzt wurde. 
Aber diese Verordnung trat nicht in Kraft, da die Erlassung solcher Bestim- 
mungen in den Wirkungskreis der Hofkanzlei gehörte. Die letztere trug nun 
den Länderstellen auf, über diese Verordnung der niederösterreichischen Re- 
gierung ein Gutachten abzugeben und namentlich auch, ob die schon bestehenden 
Vorschriften genügen oder nicht. 

Da kamen die Anträge des Tiroler Guberniums, worauf der Kaiser unter 
dem 10. März 1840 die Beseitigung dieser Übelstände befahl. 

Die Länderstellen und die Hofkanzlei waren der Meinung, daß die Not- 
wendigkeit gesetzlicher Maßnahmen zum Schutze erwachsener Arbeiter 



^) Reschauer, a. a. 0. 191 f. 



123 

nicht vorliege, sondern einzig zum Schutze der in Fabriken beschäftigten 
Kinder. 

In den Fabriken in Vorarlberg (und in den anderen Ländern war es nicht 
viel anders) bestanden die Mißstände vor allem: 1. In der zu langen Arbeits- 
zeit. In den meisten Fabriken wurde im Sommer von 5^2 Uhr früh bis 7V2 Uhr 
abends, im Winter von 6 Uhr früh bis 8 Uhr abends gearbeitet, wobei nur 
mittags eine Pause von einer Stunde gemacht wurde. Die Erwachsenen und 
die Kinder hatten dabei dieselben Arbeitsstunden. Was dies bedeutete, wird 
erst klar, wenn man erfährt, daß in den dortigen Baumwollspinnereien 35% aller 
Arbeiter Kinder unter 14 Jahren waren und daß viele dieser Kinder aus einer 
Entfernung von 1/2 bis IV2 Stunden in die Fabrik gehen mußten. Deshalb meinte 
das Tiroler Gubernium, die allgemeine Fixierung der Arbeitszeit sei ein drin- 
gendes Bedürfnis. 2. Höchst schädlich war die schlechte Atmosphäre, in welcher 
sich die Arbeiter aufhalten mußten. 3. Physisch litten die Arbeiter auch durch 
die schlechte Nahrung, da sie meist eine kalte Kost vom Hause mitnehmen 
mußten. 

Endlich meinte das Tiroler Gubernium, es sei nicht nur notwendig, Vor- 
schriften zum Schutze der Arbeiter zu erlassen, sondern es müßten zugleich 
auch eigene Organe geschaffen werden, welche die Überwachung der Fabriken 
bezüglich der pünktlichen Befolgung dieser Vorschriften besorgen und die Re- 
gierung auf weitere Gebrechen aufmerksam machen sollten. Solche Organe 
seien in England unter der Benennung von Fabriksinspektoren schon vorhanden. 

Zugleich hatte das Tiroler Gubernium in eigenem Wirkungskreise Vorsorge 
dafür getroffen, daß von selten der Kreisämter auf gütlichem Weg auf die 
Fabriksbesitzer eingewirkt werde, um sie dazu zu bewegen, die zur Beseitigung 
jener Mißstände notwendigen, nicht unbillig erscheinenden Geldopfer zu bringen 
und dadurch zur möglichsten Abwendung der aus den bestehenden Zuständen 
zu erwartenden Nachteile selbst die Hand zu bieten. 

In Böhmen beschäftigte sich der Gewerbeverein mit Verhandlungen über 
eine Fabrikenpolizeiordnung und schrieb 1839 für den besten Entwurf einer 
solchen einen Preis aus. Durch den Hinweis des Tiroler Guberniums auf die 
Mißstände in Vorarlberg sah sich das böhmische Gubernium veranlaßt, die 
Generaldirektion des genannten Vereins aufzufordern, bei den Beratungen 
über die Fabrikenpolizeiordnung auch auf jene Maßregeln Bedacht zu nehmen, 
welche zum Schutze der Fabriksarbeiter vor Benachteiligung in physischer 
Beziehung als Bedürfnis erscheinen^). 

Auf Grund der nach Befragung der Länderstellen abgehaltenen Beratungen 
beschloß die Hofkanzlei 1843 auf Festsetzung folgender gesetzlicher Bestim- 
mungen anzutragen: 1. Das zurückgelegte 12. Lebensjahr wäre in der Regel 
als das Alter festzusetzen, nach dessen Erreichung Kinder beiderlei Geschlechtes 
zur regelmäßigen Arbeit in Fabriken aufgenommen werden dürfen. 2. Aus- 
nahmen von dieser Regel wären unter folgenden Bedingungen zu gestatten: 
a) daß die Kinder wenigstens das neunte Jahr zurückgelegt haben; h) daß sie 



Statth. A. Prag, Kom., Fasz. 104, num. 2, subn. 8, 1837, März 10. 



124 

vorher durch drei Jahre den Schulunterricht genossen haben; c) daß zur Ver- 
wendung derselben die Bewilligung der Ortsobrigkeit eingeholt werde, welche 
sie nur nach vorläufiger Überzeugung der Erfüllung obiger Bedingungen zu 
erteilen hätte; d) daß für eine angemessene Fortsetzung des Religions- und 
Schulunterrichts solcher Kinder, solange sie im schulpflichtigen Alter sind, 
gesorgt werde. 3. Für die in Fabriken verwendeten Kinder wäre ein Maximum 
der Arbeitszeit festzusetzen, welches vom neunten bis zum zwölften Jahre 
täglich in zehn Stunden, vom zwölften bis zum sechzehnten in zwölf Stunden 
zu bestehen hätte. Diese Arbeitszeit müsse durch eine Ruhepause von mindestens 
einer Stunde unterbrochen sein. Vor dem zurückgelegten sechzehnten Jahre 
wäre die Beschäftigung zur Nachtzeit, d. i. von neun TJhr abends bis fünf Uhr 
morgens, gänzlich zu verbieten. 4. Die Fabriksinhaber haben zur Bewahrung 
guter Sitten in den "Werkstätten zu sorgen. 5. Die Fabriksinhaber sind ver- 
pflichtet, über die in ihren Anstalten beschäftigten Jugendlichen beiderlei 
Geschlechts unter sechzehn Jahren Verzeichnisse zu führen, welche der Orts- 
obrigkeit und dem Seelsorger auf Verlangen jederzeit vorzulegen sind. 6. Über- 
tretungen dieser Vorschriften sollen von den politischen Behörden mit Geld- 
bußen von 2 bis 100 fl. C. M. bestraft werden. Bei wiederholten Übertretungen 
ist den betreffenden Unternehmern die Beschäftigung von Kindern unter 
zwölf Jahren ganz zu verbieten. 7. Den Ortsobrigkeiten, Schuldistriktsaufsehern 
und Seelsorgern liegt die Pflicht ob, für die Aufrechterhaltung dieser Vorschrift 
zu sorgen und sich davon durch Nachsicht in den Fabriken zu überzeugen. 

Der niederösterreichische und der böhmische Gewerbeverein erklärten sich 
gegen die meisten Beschränkungen, insbesondere gegen die Feststellung einer 
Maximalarbeitszeit und das Verbot der Nachtarbeit. 

Die Hofkanzlei war jedoch der Meinung, die dagegen vorgebrachten Ein- 
wendungen müßten höheren Pflichten der Staatsverwaltung weichen. Die 
Hofkammer stimmte den Ansichten der Hofkanzlei bei, nur wünschte sie klare 
Instruktionen für die Aufsichtsorgane und hielt die Heranziehung der Fabriks- 
herren in Form von Vereinen zur Durchführung und Überwachung dieser Anord- 
nungen für empfehlenswert, welchen Wünschen sich die Hofkanzlei anschloß. 

Im September 1843 wurde der diesbezügliche Vortrag der Hofkanzlei 
(vom 19. Juni 1843) im Staatsrate einer Beratung unterzogen, welcher beschloß, 
zunächst die Äußerung unbefangener und erfahrener Sachverständiger über 
folgende Fragen einholen zu lassen: a) Ob ein, und im bejahenden FaUe, welches 
Alter sich bestimmt festsetzen lasse, vor welchem Kinder ohne wesentliche 
Nachteile für ihren körperlichen Zustand und üire Entwicklung zu anhaltender, 
gleichmäßiger, mechanischer Arbeit nicht verwendet werden können; h) welche 
die längste anhaltende Beschäftigung sei, die einem jugendlichen Arbeiter an 
einem Tag ohne Nachteil auferlegt werden kann; c) ob die Nachtarbeit in der 
Kindheit und Jugend, dann bis zu welchem Alter, so schädlich sei, daß sie zu 
untersagen wäre, oder unter welchen Bedingungen sie zugelassen werden könnte. 

Unter dem 3. Dezember 1844 wurde die Angelegenheit der Hofkanzlei zur 
abermaligen Beratung übertragen, unter Berücksichtigung dieser drei Punkte, 
unter Heranziehung der diesbezüglich in Großbritannien, Frankreich, Preußen, 



125 

Belgien und Bayern bestehenden gesetzlichen Vorschriften und unter Erwägung 
der Frage, ob solche Vorschriften sich bloß auf die Beschäftigung der Kinder 
in Fabriken auszudehnen hätten und, wenn dies der Fall sein sollte, wie die 
Grenzlinie zwischen den Fabriken und den übrigen gewerblichen Unter- 
nehmungen zu ziehen wäre. 

Die Sachverständigen, die 1846 zusammentraten, sprachen sich mit 
Stimmenmehrheit gegen die Festsetzung eines Minimalalters und einer 
Maximalarbeitszeit aus. Die bestehenden Vorschriften fanden sie für genügend; 
nur sollte die Nachtarbeit für Kinder unter zwölf Jahren in der Regel ver- 
boten werden. Die Hofkanzlei und die Hofkammer waren jedoch anderer An- 
sicht und Hofrat von Krauß von der Hofkammer arbeitete einen diesbezüg- 
lichen Gesetzentwurf aus. Da aber die Hofkanzlei sich zunächst genauere 
Kenntnis über die bestehenden Verhältnisse verschaffen wollte, forderte sie im 
August 1846 von den Länderstellen Berichte über die Kinderarbeit in den 
Fabriken ab. Die Ereignisse von 1848 bereiteten diesen Verhandlungen ein 
Endei). 

Die Fürsorgetätigkeit einiger größerer Fabrikanten für ihre Arbeiter durch 
Errichtung von Kranken-, Unterstützungs- und Pensionskassen, Haltung eines 
eigenen Fabriksarztes, einer eigenen Apotheke u. dgl.^) konnte auf die im all- 
gemeinen schlechte Lage der Arbeiter keinen Einfluß üben und einen gesetz- 
lichen Arbeiterschutz keineswegs entbehrlich machen. 

Kaiser Ferdinand beschloß durch Entschließung vom 8. Juli 1845, be- Kommerz- 
sondere Verdienste um die Emporbringung von Industrie und Handel durch ^^t-TiteL 
Verleihung des Titels von Kommerzräten öffentlich anzuerkennen^). 

Nicht minder aneifernd als die Verleihung von Titeln, Orden und des Kaiserhaus 
Adelsstandes mußten die häufigen persönlichen Besuche des Kaisers und von ^^ . 
Mitgliedern des Kaiserhauses in Fabriken und gewerblichen Ausstellungen 
sowie die sonstigen Gunstbezeigungen wirken. Kaiser Ferdinand schenkte der 
Bibliothek des niederösterreichischen Gewerbevereines 400 Bücher und an den 
Vereinsversammlungen nahmen fast regelmäßig Mitglieder des Kaiserhauses 
teil. Die größten Verdienste erwarb sich in dieser Beziehung zweifellos Erz- 
herzog Johann in der Steiermark, der sogar selbst an die Spitze der Industriellen 
als Generaldirektor des dortigen Gewerbevereins trat und an dessen Betätigung 
sich eifrigst beteiligte^). 

Die gewerbliche Statistik wurde seit 1812 auf Grund der Erwerbsteuer- Gewerbe- 
ausweise ausgearbeitet. Es trat darin auch keine Änderung ein, als seit 1829, ^^''"»"'^ 



1) Staatsrat, 1843, Nr. 3538, alles Nähere vgl. bei Mises, a. a. 0., 210 ff.; Krauß-Elislago, 
Autobiographie, S. 159 f. — *) Vgl. Hallwich, Leitenberger, S. 95, außerdem unten S. 297, Anm. 7, 
332, 343, 528, 530. — ^) A. d. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 18, 1846, Nr. 1826; Kommerzienrat 
hieß die 1825 aufgehobene Prager Fabrikeninspektion. 1817 hatte ganz ausnahmsweise der Lands- 
kroner Fabrikant Erxleben den Titel eines Kommerzienrates erhalten, weil er nach 
dem Tode des Fabrikeninspektors (Kommerzienrats) Rößler der geeignetste Mann für diesen 
Posten schien, während aus Zweckmäßigkeitsgründen Professor Neumann dazu berufen wurde 
(H. K. A. Kom. Kommission, Fasz. 1, Nr. 48 ex apr. 1817). — «) Vgl. unten S. 218 ff., 246 ff. 



126 

infolge der Schaffung eines eigenen statistischen Bureaus beim Präsidium des 
Generalrechnungsdirektoriums die Ausweise über Gewerbestatistik als ein Teil 
der „Tafeln zur Statistik der österreichischen Monarchie" zum amtlichen 
Gebrauche lithographisch vervielfältigt wurden^). Der Plan der Hofkammer, 
darin mit Zuhilfenahme der von den Provinzialhandelskommissionen gelieferten 
Ausarbeitungen eine Wendung herbeizuführen, scheiterte^). Ausschlaggebend 
wurde erst die 1840 erfolgte Schaffung einer Dkektion für administrative 
Statistik unter Freiherrn von Czoernig. Die infolgedessen seit 1841 veröffent- 
lichten „Tafeln zur Statistik der österreichischen Monarchie" enthalten die 
ersten, trotz aller Mängel ziemlich verläßlichen, amtlich gesammelten Daten 
über die industriellen Verhältnisse der ganzen Monarchie^). 

Im ganzen kann das Bild der Industriepolitik von 1790 bis 1848, trotz 
aller zeitweiligen, manchmal sich sehr sonderbar gestaltenden Schwankungen 
und vielfachen Mißgriffe, als kein gerade ungünstiges bezeichnet werden. Nach- 
dem bis 1798 eine durch die politischen Verhältnisse und die technischen Fort- 
schritte notwendig gewordene Neuorientierung gefunden worden war, war im 
allgemeinen die ganze weitere Zeit hindurch der auf physiokratischen und natur- 
rechtlichen Ideen beruhende Geist des wirtschaftlichen Liberalismus, welcher 
1809 als die einzige gesetzmäßige Grundlage der Kommerzialleitung aufgestellt 
wurde*), die Richtschnur der Gewerbepolitik, ohne aber in der ersten Hälfte des 
Jahrhunderts auch eine bestimmtere formelle gesetzliche Sanktion erlangt zu 
haben. Die zeitweiligen, nicht von den obersten Kommerzbehörden ausgegan- 
genen, von ihnen vielmehr abgewehrten Rückschläge können den allgemeinen 
Charakter dieser Epoche nicht ändern. 

V. Kapitel. 

Einteilung der Gewerbe^). 

Seit dem Aufkommen der Schutzdekrete und Fabriksprivilegien zu Anfang 
des 18. Jahrhunderts und seit der unter Maria Theresia beginnenden Scheidung 
in Kommerzial- und Polizeibeschäftigungen zerfielen die Gewerbe in 

1. zünftige und unzünftige, 

2. radizierte, verkäufliche und persönliche, 

3. Kommerzial- und Polizeigewerbe. 

Die unzünftigen Gewerbe, zu deren Betrieb kein Meisterrecht notwendig 
Freie War, zcrfielcu in freie und konzessionierte. Freie Gewerbe waren solche, zu 
Gewerbe, zieren Betrieb keine besonderen Vorkenntnisse notwendig waren, daher auch 
kein Nachweis der Erlernung gefordert werden konnte und welche, da sie meist 
als Nebenbeschäftigung betrieben wurden, keinerlei Befugniserteilung bedurften, 
sondern von jedermann frei ausgeübt werden konnten. Am wichtigsten darunter 
war die Spinnerei auf dem flachen Lande. Zahlreiche Gewerbe wurden seit 



1) Schiff, a. a.,0., 619. — *) A. d. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 29, Nr. 43 ex jul. 1832, Nr. 115 
ex febr. und 174 ex jun. 1840; Staatsrat 1840, Nr. 1360, 2139. Vgl. S. 201 u. 208 ff. — ^) Schiff, 
a. a. 0., 619 ff. — *) Vgl. S. 49 u. 135 f. — «) Ohne die Handelsgewerbe. 



127 

Maria Theresia für frei erklärt. Sie konnten auf eigene Hand oder aber mit 
Gehilfen ausgeübt werden. 

Die konzessionierten unzünftigen Gewerbe zerfielen in Arbeits- und 
Fabriksbefugnisse. 

Die Arbeitsbefugnisse verliehen das Recht zum selbständigen Betrieb Arbeits- 
eines Gewerbes auf eigene Hand oder mit einer geringen Anzahl (1, 2 oder ''«^'^s^'sse 
höchstens 3) Gehilfen. Diese Befugten hatten nicht das Recht, Lehrjungen zu 
halten. Seit dem Anfange des 19. Jahrhunderts ging man allmählich von den 
Beschränkungen ab, so daß der Befugte bezüglich der Zahl der Gehilfen und Werk- 
stühle ganz freie Hand erhielt. Auch wurde den Befugten, wenn ihr Betrieb 
dazu geeignet schien, die Aufnahme und Ausbildung von Lehrlingen auf ihr 
Ansuchen gestattet. Damit war aber der wesentlichste Unterschied zwischen 
den Arbeits- und Fabriksbefugnissen verwischt^). 

Die Fabriksbefugnisse. In der vortheresianischcn Zeit entstanden Fabriks- 
Fabriken durch Verleihung eines kaiserlichen Privilegs, welches meist auch ^«f^^nisse. 
ein ausschließendes Recht zum Inhalte hatte. Das erste Fabriksprivilegium 
wurde 1709 in Wien verliehen. Die Begünstigungen, welche den Fabriken 
durch das Privileg zugestanden wurden, wiederholten sich in gleicher oder ähn- 
licher Form bei allen Fabriken, so daß sich daraus allmählich ein Fabrikenrecht 
entwickelte. 

Schon im Zirkular vom 16. Juli 1770, durch welches von den Länder- 
stellen Gutachten über den Entwurf eines Patents zur Festsetzung eines 
Systems in Fabriks- und Manufaktursachen abverlangt wurde, findet man die 
Begünstigungen aufgezählt, welche den Unternehmern von Fabriken zuge- 
sichert werden sollten, nämlich 1. Freiheit der zu Fabrikszwecken gewidmeten 
Gebäude von allen Reallasten und von der Einquartierung; 2. Befreiung des 
Fabriksinhabers, seiner Familie und seiner Arbeiter von der Rekrutierung 
und anderen persönlichen Diensten sowie von der Gewerbesteuer; 3. besonderer 
Schutz für fremde „Künstler und Fabrikanten", d. h. für die in Diensten des 
Fabriksunternehmers stehenden Werkmeister, Appreteure usw. und freier 
Abzug für dieselben im Falle ihrer Rückkehr in die Heimat; 4. das Recht der 
Einfuhr von Materialien und Gerätschaften, die in den Erblanden nicht erzeugt 
würden, gegen einen besonderen, mäßigen Zoll; 5. Schutz vor Konkurrenz 
in jenem Bezirk, in welchem die Fabrik errichtet wird; 6. Schutz gegen die 
Abredung der Arbeiter, indem die letzteren ohne schriftlichen Entlassungs- 
schein ihres früheren Arbeitgebers von keinem anderen Fabriksinhaber sollten 
aufgenommen werden dürfen; 7. den Fabriksunternehmern wird das Recht 
zugedacht, auch zünftigen Leuten Arbeit zu geben, ihnen Kundschaften und 
Lehrbriefe zu erteilen und bei strenger Ahndung sollten die Zünfte zur An- 
erkennung dieses Rechtes verhalten sein. Ebenso blieb 8. das Recht der Fabriks- 
inhaber, aller Orten Magazine und Niederlagen zu errichten und die eigenen 
Erzeugnisse stückweise zu verkaufen, aufrecht^). Hingegen war Maria Theresia 



») H. K. A. Korn. Kammer, Fasz. 29, Nr. 90 ex nov. 1824; Reschauer, a. a. 0., 41 f. — 
^) Pfibram, a. a. 0., I, 206 f., Anm. 1. 



128 

der Verleihung von ausschließenden Rechten abhold, so daß sie auch aus den 
Fabriksprivilegien verschwanden. 

Was 1770 Entwurf blieb, wurde durch Hofdekret vom 17. August 1787, 
welches die „Vorzüge" der Fabriken bestimmte, gesetzlich fixiert. Danach 
hatten die Fabrikanten das Recht, alle Gattungen Arbeiter zu halten, zu lehren 
und auszubilden, den Handel und Verkauf ihrer Erzeugnisse frei und unbe- 
schränkt im großen auszuüben und zu diesem Zweck in allen Hauptstädten 
der Erbländer eigene Niederlagen zu halten^), an den Fabriksgebäuden ein 
Schild mit dem kaiserlichen Adler und der Inschrift: ,,K. k. privilegierte Fabrik" 
auszuhängen und sich desselben Ausdruckes auch in ihrer Unterschrift zu be- 
dienen. Außerdem sollten die denselben unentbehrlichen Arbeiter, solange 
sie in der Fabrik in Dienst und Arbeit standen, nicht zum Militärdienste heran- 
gezogen werden, die FabrU^sgebäude von den Militäreinquartierungen ent- 
hoben, endlich sowohl der Fabrikseigentümer als auch die in der Fabrik be- 
schäftigten Arbeiter von der Gewerbesteuer befreit sein^). 

Kurz vorher war mit der Verleihung eines FabriksprivUegiums noch so 
sehr der Gedanke an ein daran haftendes ausschließendes Recht verbunden, 
daß, als 1783 einem Fabrikanten ein Fabriksprivilegium erteilt wurde, der 
Zusatz für notwendig erachtet wurde, daß ihm ein Privilegium ,,auf die 
nämliche Art, wie solches anderen Fabriken, ohne einigen Privativo" 
verliehen werde^). Seit 1787 war dies nicht mehr notwendig, denn seitdem 
wurden die im erwähnten Hofdekret aufgezählten Begünstigungen als zum 
Inhalte jeder Fabriksbefugnis gehörend angesehen; das Fabriksprivilegium der 
früheren Zeiten war zu einer Fabriksbefugnis, einer Konzession, geworden, 
welche trotz der weiteren Bezeichnung als „Privilegium" mit einem aus- 
schließenden Rechte nichts mehr zu tun hatte. 

Durch die Festsetzung dieser Vorrechte der privilegierten Fabriken entstand 
bald die Zweiteilung der Fabriksbefugnisse in förmliche einerseits und ein- 
fache Fabriksbefugnisse anderseits, je nachdem sie aller dieser Be- 
günstigungen teilhaftig waren oder nicht, welcher Unterschied sich jedoch 
erst am Anfange des 19, Jahrhunderts vollends durchsetzte. Seitdem hießen 
die förmlichen Fabriken auch förmliche Landesfabriken oder auch bloß 
Landesfabriken, auch privilegierte oder landesprivilegierte, endlich 
auch landesbefugte Fabriken. 

So schoben sich, nachdem die Vorrechte der privilegierten Fabriken nur 
als Auszeichnung für besonders große Unternehmungen gedacht waren, „welche 
viele Menschen beschäftigen, ein bedeutendes Kapital vielmals umsetzen, 
den Wert von Produkten oder Fabrikaten durch vollendete Arbeit erhöhen, 
mit solchen Erzeugnissen einen großen Verkehr im In- und Auslande unter- 
halten, also zur Vermehrung des National Wohlstandes wirksam beitragen 
und daher zur Auszeichnung durch besondere Vorrechte geeignet und eines 



1) Vgl. S. 142 ff. — 2) Statth. A. Wien, Normalien 1787, A. 115, Nr. 17123. — ") Staats- 
rat 1783, Nr. 2971. 



129 

vorzüglichen Schutzes der öffentlichen Verwaltung würdig sind"^), zwischen 
diese und die Arbeitsbefugnisse die nicht privilegierten, einfachen Fabriks- 
befugnisse ein. 

Seit 1787 änderte sich an den Vorrechten der landesbefugten Fabriken 
nur wenig, so daß dieselben um 1820 in folgendem bestanden: 1, in der Führung 
der Bezeichnung k. k. privilegierte Fabrik; 2. in der Führung des kaiserlichen 
Adlers im Schilde, Siegel und auf den Waren; 3. im Rechte, in den Hauptstädten 
der Provinzen Niederlagen zu errichten; 4. in der Befreiung der Fabriksgebäude 
von der Militäreinquartierung; 5. im Rechte, Lehrlinge zu halten und frei- 
zusprechen sowie Hilfsarbeiter aus ihrer Gewerbekategorie sowohl als auch 
aus allen anderen Gewerbeklassen zur eigenen Fabrikation zu halten, so daß 
z. B. ein Seidenfabrikant eine eigene Tischlerei und Schlosserei für seine Ma- 
schinenstühle und eine eigene Färberei haben durfte; 6. im Rechte, die Firma 
beim Wechselgerichte einzulegen; 7. genossen die landesbefugten Fabrikanten 
bei Konkursen bei Fabriksgeschäften für ihre Forderungen den Vorzug vor den 
Chirographargläubigern^). 8. In Mederösterreich hatten sie auch das Recht, 
auf Jahrmärkten ihre Waren mehrere Tage vor der Marktzeit auszulegen und 
zu verkaufen. Die Gewerbesteuerfreüieit hatte durch das Erwerbsteuerpatent 
vom 31. Dezember 1812 ein Ende genommen. Ebenso war die Militärbefreiung 
durch das Konskriptionspatent von 1804 stark eingeschränkt worden^). 

In Galizien gab es überhaupt keine einfachen Fabriksbefugnisse, sondern 
nur privilegierte Fabriken^). 

Mit dem Erwerbsteuerpatent hörte nicht nur die Befreiung von der Ge- 
werbesteuer auf, sondern es wurden die landesbefugten Fabriken eben wegen 
der ihnen zustehenden Vorrechte in einem viel stärkeren Maße zur Steuer- 
leistung herangezogen als die einfachen Fabriken und Gewerbe. So belief sich 
die Besteuerung der Landesfabriken in Wien in fünf Klassen abgestuft zwischen 
50 und 1500 fl. jährlich, die der einfachen Fabriken und Gewerbe hingegen in 
zehn Klassen zwischen 5 und 100 fl.; in Prag, Lemberg, Brunn, Graz und Linz 
waren die Landesfabriken besteuert in fünf Klassen zwischen 40 und 1000 fl., 
die einfachen Fabriken und Gewerbe in fünf Klassen zwischen 3 und 50 fl. ; 
in allen anderen Städten und Orten die Landesfabriken in fünf Klassen zwischen 
40 und 1000 fl, während für die einfachen Fabriken und Gewerbe noch weitere 
Abstufungen bestanden, und zwar in Städten und Orten mit über 4000 Ein- 
wohnern in drei Klassen zwischen 3 und 15 fl., in Städten und Orten mit 1000 
bis 4000 Einwohnern in drei Klassen zwischen 2 fl. 30 kr. und 10 fl, endlich in 
allen Orten mit unter 1000 Einwohnern in drei Klassen zwischen 2 und 8fl. 

Lange dauerte es, bis sich der Unterschied zwischen einfachen und landes- 



*) Kopetz, a. a. 0., 1, 112. — *) Später scheint diese Begünstigung nur mehr für Galizien 
in Geltung geblieben zu sein (Kopetz, a. a. 0., I, 112 f.); im Hofkammerdekret vom 12. Nov. 
1824 an das steir. Gub. über die Vorrechte der landesbef. Fabriken kommt sie nicht vor 
(H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 90 ex nov. 1824). — ») H. K. A Korn. N.-ö., Fasz. 71, 
Nr. 28 ex jun. 1803; Kopetz, a. a. 0., I, 112 f.; Reschauer, a. a. 0., 36 f. — Vgl. auch S. 65 f. 
— *) Kopetz, a. a. 0., I, 113. 

Slokar, Gesobiohte der itsterr. Industrie. 9 



130 

befugten Fabriken in allen Provinzen durchsetzte und von den Behörden richtig 
angewendet wurde. Bis weit in das erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts 
hinein war einigen Länderstellen dieser Unterschied nicht Mar, was um so mehr 
wundernehmen muß, als schon 1791 die Verleihung der förmlichen Fabriks- 
befugnisse den Länderstellen, die aller übrigen Gewerbe aber den Magistraten 
und Ortsobrigkeiten zugewiesen worden war. Hauptsächlich rührte diese Ver- 
wirrung daher, daß noch bis über das Ende des 18. Jahrhunderts hinaus 
die einfachen Fabriken als Landesfabriken bezeichnet wurden^), welche Be- 
zeichnung jedoch allmählich um die Jahrhundertwende, als an die Stelle der 
Bezeichnung FabrLks-„Privilegium" der Ausdruck „Landesbefugnis" (im Gegen- 
satz zur einfachen Befugnis) trat, für die privilegierten Fabriken angewendet 
wurde, so daß diese auch als förmliche Landesfabriken oder auch bloß Landes- 
fabriken bezeichnet wurden^). So verwechselte die niederösterreichische Re- 
gierung noch 1802 die ordentliche (d. h. einfache) mit der förmlichen oder Landes- 
fabriksbefugnis^); ebenso wurde in Böhmen bis 1816 die Unterscheidung nicht 
klar erfaßt, so daß die Hofstelle das Gubernium darüber belehren mußte*). 
Die obderennsische Regierung sah sich 1805 veranlaßt, eine Anfrage an die 
Hof stelle zu richten bezüglich der den Landesfabriken zustehenden Vorrechte^); 
das mährische Gubernium mußte öfters über den Unterschied zwischen den 
zwei Fabriksbefugnissen belehrt werden^) und das steirische Gubernium erbat 
sich sogar noch 1824 eine Belehrung über die Vorrechte der einfachen und der 
Landesfabriksbefugnisse'). 

Zur Erlangung der förmlichen Fabriksbefugnis war es keineswegs not- 
wendig, im Besitze der einfachen Fabriksbefugnis zu sein. Ja es konnten sogar 
förmliche Fabriksbefugnisse auf jene Erwerbszweige verliehen werden, welche 
als freie Gewerbe überhaupt keiner Befugnisse bedurften. Wollten ihre Be- 
sitzer der verschiedenen, den landesbefugten Fabriken vorbehaltenen Rechte, 
vor allem Niederlagen zu halten, teilhaftig werden, so mußten sie um die förm- 
liche Fabriksbefugnis ansuchen, welche ihnen, wenn sie ihre Unternehmung 



1) Statth. A. Wien, Nonnalien, 1797, A. 69, Nr. 21379. Hofdekret vom 28. Nov. 1797 
über die Rechte der „Landesfabrike n", wobei die einfachen Fabriken gemeint sind, 
was aus dem Satze hervorgeht: „ ... es wäre denn der Fall, daß die Zünfte einen vorzüglich 
geschickten Gesellen necken und ohne hinlängUche Ursache das Meisterrecht verweigern wollten, 
wo alsdaim einem solchen Gesellen die Befugnis, fabriksmäßig arbeiten zu dürfen 
leichter erteilt werden kann". Noch viel deutlicher im Hofkammerdekret vom 26. Jänner 1813 
an das mähr.-schles. Gub.: „Das einfache fabriksmäßige Befugnis, welches bisher infolge 
einer langjährigen Gewohnheit irrig mit der Benennung: Landesfabriksbefugnis bezeichnet 
wurde (Pol. Ges. Samml.). — «) H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 71, Nr. 28 ex jun. 1803: „einer 
k. k. privilegierten oder, was eines und dasselbe ist, einer Landesfabrik" .... (Die Hof- 
kammer an die ung. Hofkanzlei). — ') H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 81 in genere, Nr. 23 ex 
jul. 1802. — *) Kopetz, a. a. 0., II, 483 f. — *) H. K. A. Kom. N. ö., Fasz. 63/1, Nr. 43 ex 
mart. 1805. — •) Es hatte noch 1812 einem landesbefugten Fabrikanten das k. k. 
Fabriksprivilegium verweigert, weil der Umfang seines Unternehmens noch nicht 
genug groß war! — ">) H, K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 90 ex nov. 1824; Statth. A. 
Brunn, 1811, April 26., 1812, April 10. 



131 

im großen betrieben und daher einer Erweiterung ihres Absatzes bedurften, 
auch verliehen wurde^). 

Bezüglich jener zahlreichen Großunternehmer, welche namentlich bei der 
Glas-, Leinwand- und Spitzenindustrie viele Menschen mit Arbeit verlegten und 
selbst fast nur den Verkauf und Export der Waren besorgten, stand die Hof- 
stelle bis 1813 auf dem Standpunkte, daß sie keine Fabrikanten, sondern nur 
Händler seien und deshalb auf die Landesfabriksbefugnis keinen Anspruch 
erheben könnten. 1813 war sie aber schon anderer Ansicht geworden und ver- 
fügte durch Dekret vom 13. April, daß auch solche Unternehmungen durch die 
Landesfabriksbefugnis auszuzeichnen seien, wenn sie die gehörige Ausdehnung 
haben. Diese Betriebsorganisation sei sogar in vielen Beziehungen wünschens- 
werter und vorteilhafter als das geschlossene Fabrikssystem^). 

Die einfache Fabriksbefugnis wurde bald zum Bedürfnisse, weil 
die Arbeitsbefugnisse einerseits ursprünglich durch die Einschränkung auf eine 
geringe Zahl von Gehilfen in ihrer Erweiterungsmöglichkeit gehemmt waren, 
die Verleihung förmlicher Fabriksbefugnisse mit ihren Begünstigungen ander- 
seits für die mehr oder weniger auf kapitalistischer Grundlage beruhenden 
Großunternehmungen vorbehalten blieb. 

Einfache Fabriksbefugnisse wurden solchen Unternehmern erteilt, welche 
eine größere Geschicklichkeit, größeres Vermögen und ausgedehntere Betriebs- 
vorrichtungen besaßen und so zu einem erweiterten Betriebe geeignet waren. 
Sie hatten das Recht, Gehilfen in unbeschränkter Zahl aufzunehmen und ihr 
Gewerbe mit soviel Stühlen, Maschinen und sonstigen Vorrichtungen, als sie 
es für gut fanden, zu betreiben. 

Ursprünglich hatten sie nicht das nur den förmlichen Fabriken zustehende 
Recht, Lehrjungen selbst aufzunehmen und freizusprechen, waren vielmehr 
gehalten, ihre Lehrlinge bei den gleichartigen Zünften auf dingen und freisprechen 
zu lassen, welche dazu verpflichtet waren (Hofdekret vom 17. September 1787^). 
Später wurde dieses Recht auch den einfachen Fabriken zugestanden. Seit 
Anfang des 19. Jahrhunderts, als man von den Beschränkungen der Arbeits- 
befugnisse allmählich fast ganz abging, so daß der mit einer Arbeitsbefugnis 
Beteilte in bezug auf die Zahl der Gehilfen und Werkstühle ganz unbeschränkt 
war, so wie ihm auch die Aufnahme und Bildung von Lehrjungen, wenn er 
durch einen guten und ausgedehnten Betrieb dazu geeignet schien, auf sein 
Ansuchen gestattet wurde, wurde der Unterschied zwischen den Arbeits- und 
einfachen Fabriksbefugnissen immer geringer*). 

Beeinflußt von dem früher nur mit den förmlichen Fabriksbefugnissen 
verbundenen Rechte, wurde schon seit 1813 den einfachen Fabrikanten das 



^) Statth. A. Prag, 1806 — 1815, Kom., Fasz. 12, subn. 49. Hofkammerdekret vom 14. Aug. 
1810. — *) Vgl. unten S. 520 f. — ») Ebenso niederösterreichischer Regierungsbescheid vom 
28. Mai 1783 (Wiener Stadtarchiv, Hof- u. Regierungsdekrete 1783, Juni 2., Fabriksprivi- 
legien). — *) H. K. A. Kom. Kommission, Fasz. 29, Nr. 49 ex jul. 1821 ; Kom. Kammer, 
Fasz. 29> Nr. 90 ex nov. 1824; Reschauer, a. a. 0., 40 (Hofkammerdekret v. 26. 1. 1813), 41 f. 
(Hofkammerdekr. v. 12. XI. 1824), Kopetz, a. a. 0., 1, 114 f., 389 f. 

9* 



132 

Recht eingeräumt, nicht nur Gehilfen ihres Gewerbes in unbeschränkter Zahl 
zu beschäftigen, sondern überhaupt alle Arbeiter, welche zur vollständigen Ver- 
fertigung ihres Fabrikats notwendig waren, wenn dieselben sonst auch ver- 
schiedenen Gewerben zugewiesen waren, in ihrer Unternehmung zu vereinigen^). 

Der Unterschied zwischen einfachen und landesbefugten Fabriken 
schrumpfte, nachdem viele Vorrechte der letzteren allmählich obsolet ge- 
worden waren, immer mehr zusammen, namentlich da die wichtigsten der 
übrig gebliebenen Begünstigungen, nämlich die Führung des kaiserlichen Adlers 
sowie die Haltung von Niederlagen außerhalb des Betriebsortes auch aus- 
gezeichneten einfachen Fabriken, die letztere sogar auch einfachen Gewerbs- 
leuten, die einen ausgedehnteren Betrieb hatten, vielfach verliehen wurden^). 

Zur Erlangung einer einfachen oder förmlichen Fabriksbefugnis war es 
nicht notwendig, die Erlernung des Gewerbes nachzuweisen, da ja sonst gerade 
die kapitalskräftigsten Leute davon ausgeschlossen gewesen wären; dagegen 
mußte in diesem Falle ein sachkundiger Werkmeister zur Leitung des Betriebes 
angestellt werden^). 

Die Begünstigungen, welche ausgedehnten Unternehmungen zunächst 
durch Verleihung der Landesfabriksbefugnis, später auch kleineren Fabrikanten 
zur Aneiferung, zur Ausdehnung ihres Betriebes auch durch Verleihung bloß 
einiger Vorrechte, wie die Bewilligung der Haltung von Niederlagen oder zur 
Führung des kaiserlichen Adlers, zuteil wurden, beweisen im Rahmen aller 
übrigen gewerbepolitischen Maßnahmen zur Genüge, wie sehr die Staatsverwal- 
tung bemüht war, die Entstehung einer Großindustrie nach Kräften zu fördern 
und zu erleichtern. 

Die radizierten und die verkäuflichen Gewerbe, welche dem Geiste 
des Konzessionssystems des absoluten Staates am wenigsten zusagten, konnten 
seit 1756 beziehungsweise 1775 nicht mehr vermehrt werden und hatten für 
die Entwicklung der Großindustrie und das Fortschreiten des Gewerbewesens 
überhaupt keine Bedeutung*), Die persönlichen Gewerbe, welche mit Aus- 
nahme der radizierten und verkäuflichen alle Gewerbe umfaßten, beruhten 
auf der Konzession, welche mit dem Tod ihres Inhabers erlosch, so daß die 
Unternehmung nur durch Wiederverleihung der Befugnis von einem anderen 
fortbetrieben werden konnte. 
Kommer- Eine scliT wichtige Unterscheidung, die der Gewerbeverfassung über ein 

zui-nnd Jahrhundert lang ihren Stempel aufdrückte, war die in Komme rzial- und 
gewerbe Polizeibeschaftigungen. 



^) Kopetz, a. a. 0., I, 389 f.; Reschauer, a. a. 0., 41 f. (Hofkammerdekr. v. 12. XL 1824); 
Statth. A. Wien, 1824, A. 6, Nr. 25873 (Hofkammerdekr. v. 12. Mai 1824). Pol. Ges. Samml. 
(Hofkammerdekr. v. 26. I. 1813 an d. mähr.-schles. Gub.). — *) Kopetz, a. a. 0., I, 112 f; 
H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 71, Nr. 28 ex jun. 1803: Note der Hofkammer an die ungar. Hof- 
kanzlei vom 13. Juni 1803 über die Vorzüge der landesbefugten Fabriken: „Alle übrigen 
Befugnisse haben zwar einige dieser Vorzüge, aber diese Vorzüge werden ihnen nur nach Maß 
des Bedarfs einzeln und nach den Umständen gestattet." Vgl. auch S. 148. — *) Kopetz, 
a. a. 0., I, 291, 401. — *) Hibram, a. a. 0., I, 310 ff.; Barth, a. a. 0., I, 97 ff., 113 ff. 



133 

Diese Scheidung tritt zuerst 1754 auf. Polizeigewerbe waren jene, deren 
Erzeugnisse nur für die Befriedigung des Lokalbedarfes am Betriebsorte bestimmt 
waren, Kommerzialgewerbe hingegen jene, welche nicht nur für den Lokal- 
bedarf, sondern auch für den Absatz außerhalb des Fabrikationsortes arbeiteten. 
Die Kommerzialgewerbe waren zunächst taxativ aufgezählt, während alle übri- 
gen zu den Polizeigewerben gehörten. Jedoch vermehrte sich im Laufe der 
Entwicklung des Gewerbewesens und des Verkehrs die Zahl der ersteren immer 
mehr auf Kosten der letzteren. Im Jahre 1791 wurde auch die Kompetenz 
der Hofstellen nach dieser Scheidung getrennt, indem die Kommerzialgewerbe 
in letzter Instanz der Kommerzhofstelle zugewiesen wurden, während die 
Polizeigewerbe zum Wirkungskreise der Hofkanzlei gehörten^). 

Für die Großindustrie kommen fast nur die Kommerzialgewerbe in 
Betracht. 

Die Grenze zwischen Polizei- und Kommerzialgewerben war nicht leicht 
zu treffen, da es einerseits von vornherein schwer zu bestimmen war, welche 
Gewerbe nur für den Lokalbedarf produzieren, anderseits sich dies im Laufe 
der Zeit vielfach ändern mußte. So kam es, daß die Abgrenzung dieser zwei 
Gewerbearten im Laufe der Zeit den Gegenstand interessanter Verhandlungen 
und Veränderungen bildete. 

Da bei der Verleihung der für den Aktivhandel allein in Betracht kommenden 
Kommer zialbefugnisse nach ganz anderen, freieren Grundsätzen vorgegangen 
werden mußte als bei den Polizeigewerben, bei welchen Beschränkungen als 
unumgänglich notwendig erachtet wurden, um ihren Inhabern den Nahrungs- 
stand zu sichern, so ergab sich im Laufe der weiteren Entwicklung bald die 
Notwendigkeit, die Grenzen zwischen diesen zwei Arten von Gewerben einer 
Revision zu unterziehen, damit nicht Gewerbe, die einer über den Lokalbedarf 
hinausreichenden Entwicklung fähig waren, durch die auf den Polizeigewerben 
lastenden Beschränkungen an ihrem Aufschwünge gehindert würden. 
lll So begann man sich zu Anfang der Neunziger jähre mit der Frage einer 
* neuen Grenzlinie zu beschäftigen und dabei wurde gleich zu Anfang der Beratun- 
gen im Jänner 1792 auf Grund einer Ausarbeitung von Sonnenfels zunächst 
festgesetzt, daß als Kommerzialgewerbe diejenigen anzusehen seien, welche 
mit ihren Erzeugnissen sich nicht auf die Ortsbedürfnisse beschränken, sondern 
dabei auch den auswärtigen Absatz im Auge haben, wobei unter dem auswärtigen 
Absätze nicht bloß der Handel mit dem Auslande, sondern schon der Absatz 
außerhalb der Provinz, in welcher sich der Betriebsort befindet, zu verstehen 
sei. Da die Erzeugung bei diesen Gewerben nicht nach einer bestimmten Summe 
berechnet werden könne und daher von selten der Staatsverwaltung keine Not- 
wendigkeit vorliege, über das Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot 
zu wachen, so lasse sich bezüglich der künftigen Richtschnur zur Leitung 
dieser Gewerbe aUes auf den einzigen Grundsatz zurückführen : daß Kommerzial- 
gewerbe keinen anderen Beschränkungen unterworfen sein sollen als den- 
jenigen, welche den Absatz zu vergrößern und die Vervollkommnung der Ware 

^) Kopetz, a.a.O., II, 436 f.; Pfibrara, a.a.O., I, 34 ff. 



134 

an Güte und Schönheit zum Ziele haben, daher durch bestimmte Vorschriften 
Unfähige vom Gewerbebetrieb ausschließen sollen^). 

Am 23. März 1792 wurden diese Grundsätze den Länderstellen zur aus- 
führlichen Äußerung über ihre Anwendbarkeit mitgeteilt. Es vergingen mehrere 
Jahre, bis diese Gutachten einliefen. Bis 1799 waren erst die Berichte einiger 
Länderstellen eingelangt, waren aber außerordentlich weitläufig und ebenso 
unbestimmt gehalten und brachten außerdem Zwangsmaßregeln in Antrag, 
„denen durchaus bei jenen Erwerbszweigen nicht stattgegeben werden konnte, 
welche sich entweder schon zu einem bedeutenden Kommerzialbetriebe er- 
schwungen hatten oder dazu sehr leicht fähig wären". Daher sah sich die Hof- 
stelle genötigt, unter dem 9. April 1799 den Länderstellen eine diesbezügliche 
Belehrung zukommen zu lassen. „Da nun alle jene Beschäftigungszweige, die 
zu dem eigentlichen Handel gehören, nach ganz anderen und freieren Grund- 
sätzen, ohne deswegen in Unbeschränktheit und Vorschriftslosigkeit aus- 
zuarten, geleitet werden müssen, so ist vorzüglich daran gelegen, eine bestimmte 
Grenzlinie zwischen den Polizei- und den Kommerzialerwerbswegen vorzu- 
zeichnen." Daher sei die Kommerzhofstelle mit der politischen dahin überein- 
gekommen, daß alle jene Gewerbe, deren Absatz nur auf den Ortsbedarf, wo 
sie bestehen, beschränkt sei, als Polizeigewerbe, jene aber, die auch für den 
auswärtigen Verschleiß betrieben werden, als Kommerzialgewerbe, jedoch 
dergestalt zu betrachten seien, daß der auswärtige Absatz nicht in der 
eingeschränkten Bedeutung genommen werden dürfe, als ob er sich bis in das 
Ausland ausdehnen müßte, sondern es genüge, wenn er sich bis in eine 
andere Provinz, manchmal sogar nur bis außerhalb des Ortes, an welchem 
das Gewerbe betrieben werde, erstrecke. Bei manchen Gewerben werde es 
sogar, um sie als Kommerzialgewerbe zu erklären, hinlänglich sein, daß 
sie nur die Fähigkeit und Eigenschaft haben, sich zu diesem 
auswärtigen Handel sowie zur Hebung der Erzeugung und des 
Verkehrs zu entwickeln. Schon aus diesem Grundsatz ergebe sich, daß 
die Kommerzialgewerbe weit zahlreicher ausfallen müssen als die Polizei- 
gewerbe; es werde daher bei der Bestimmung der Grenzlinie rätlich sein, nur 
die Polizeigewerbe eigens aufzuzählen, so daß alle übrigen als Kommerzial- 
gewerbe betrachtet werden sollen, und zwar aus dem Grunde, weil sich die all- 
gemeinen Ortsbedürfnisse und die Gewerbe, die sich lediglich mit deren Be- 
friedigung beschäftigen und zu einer weiteren Ausdehnung weder bestimmt 
noch deren fähig seien, weit leichter zählen und einzeln bestimmen lassen. Als 
eine bestimmte Ausnahme und selbst als Grundsatz müsse jedoch angenommen 
werden, daß, wenn auch ein Gewerbe einen erweiterten Absatz genießt oder 
dazu fähig ist, es dennoch als Polizeigewerbe dann zu erklären oder eigenen 
Polizeivorschriften zu unterziehen sei, wenn Sanitäts- oder Sicherheitsrück- 
sichten oder andere politische Verhältnisse dies notwendig oder ratsam er- 
scheinen lassen^). 



1) H. K. A. Korn. N.-ö., Fasz. 63/1, Nr. 18 ex mart. 1792; Pfibram, a. a. 0., I, 542i 
Barth, a. a. 0., I, 127—133. — «) H. K. A. Korn. N.-ö., Fasz. 63/1, Nr. 11 ex apr. 1799. 



135 

Die Berichte der Länderstellen liefen nicht so bald ein. Im Mai 1804 hatte 
die niederösterreichische Regierung ihr Gutachten noch nicht erstattet. Diese 
Zeit war außerdem zur Festsetzung der Grundsätze für die Kommerzialgewerbe, 
die nach der Ansicht der Hofkammer möglichst liberal behandelt werden sollten, 
nicht günstig, da gerade damals zu den politischen Verhältnissen, welche ganz 
Europa in Atem hielten, noch der Umstand hinzukam, daß die Hofkammer 
einen harten Kampf zur Abwendung der infolge der Wohnungsteuerung an- 
geordneten Beschränkung der Gewerbeverleihungen in Wien und Umgebung 
zu führen hatte^). 

Dies verzögerte auch die Fortsetzung und den Abschluß der Verhand- 
lungen über die Grenzlinie zwischen Kommerzial- und Folizeigewerben. Obwohl 
die Beratungen darüber noch lange nicht abgeschlossen waren, wurden die 
Kommerzialgewerbe nach den oben erörterten liberalen Grundsätzen schon 
in dieser Zeit behandelt^). 

Erst 1808 waren alle Berichte der Länderstellen eingelangt und nun stellte 
der Referent der Hofkammer die Grundsätze über die Grenzlinie zwischen 
Polizei- und Kommerzialgewerben, ganz im Sinne der 1799 an die Länderstellen 
ergangenen Weisungen über die Richtlinien, welche bei der Erstattung ihrer 
Berichte über diese Frage zu beobachten seien, endgültig fest. 

Die Hofkammer teilte diese Gnindsätze am 24. Juni 1808 der Hofkanzlei Hofkammer- 
mit^), worauf, nach deren Rückäußerung, mit Hofkammerdekret vom 2. Mai *^''^** ^""^ 

2 Mai 1809. 

1809 das definitive Verzeichnis von 97 Polizeibeschäftigungen kundgemacht 
wurde*). Dieses Verzeichnis wurde den Länderstellen bekanntgegeben, wobei 
ihnen eingeschärft wurde, daß die gesetzmäßig vorgeschriebene Indu- 
strialfreiheit zur unabweichlichen Grundlage der Kommerzial- 
leitung anzunehmen, insbesondere aber bei allen Verhandlungen 
sowohl als auch bei der Einsichtnahme der Dienstprotokolle 
der Unterbehörden auf das strengste darüber gewacht werden 
solle, ,,daß dieselben bei ihren Entscheidungen in keinem Falle 
von dieser Richtschnur abweichen und in keinem Falle den ge- 
fährlichen Einstreuungen des Monopols- und Zunftgeistes Gehör 



1) Vgl. oben S. 25 ff. — ") H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 63/1, Nr. 10 ex dec. 1804. — ") H. 
K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 22 ex jun. 1808. — *) Statth. A. Wien, 1810, B. 85, Nr. 521, 
Normalien; H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 2 ex majo 1809; Pol. Ges. Samml. 

Als Polizeigewerbe wurden festgesetzt: 1. Anstreicher, 2. Apotheker, 3. Bäcker, 4. Bar- 
bierer, 5. Bierbrauer, 6. Bierverleger, 7. Bierwirte, 8. Bierschänker, 9. Branntweiner, 10. Bratel- 
brater, 11. Brunnenmeister, 12. Buchdrucker, 13. Buchhändler, 14. Chocolatemacher, 15. Dürr- 
kräutler, 16. Erbsenhändler, 17. Essighändler, 18. Faßbinder, Böttger, 19. Faßzieher, 20. Fischer, 
21. Fischhändler, Fischkäufler, 22. Fleischhauer, Metzger, 23. Fleischselcher, Fleischräucherer, 
24. Flecksieder, 25. Fragner, 26. Fratschlerinnen, Höckerweiber, Höckler, 27. Fuhrleute, 
Fiaker, Land- und Mietkutscher, 28. Fütterer, 29. Gänse- und Geflügelhändler, 30. Gärtner, 
31. Gastwirte, 32. Geburtshelfer, 33. Germhändler, 34. Glaserer, 35. Gurkenhändler, 36. Greißler, 
37. Grießler, 38. Hebammen, 39. Holipenbäckerinnen, 40. Holzführer, 41. Holzhändler, 42. Holz- 
versilberer, 43. Hufschmiede, 44. Kaffeesieder, 45. Kalkbrenner, 46. Kässtecher, 47. Kipfl- 
stände und Brotsitzer, 48. Köche, Garköche, Garküchler, 49. Krapfenbäcker, 50. Kraut- 



136 

geben, sondern die freie Konkurrenz mit Entfernung aller 
ängstlichen Nebenrücksichten standhaft behauptet werde". 
Außerdem wurde hinzugefügt, daß jene Erwerbszweige, die im Verzeichnis der 
Polizeigewerbe enthalten, aber nur in den größeren Städten oder nur in der 
Residenzstadt eigenen Befugnissen unterzogen, sonst aber freigelassen waren 
(als freie Gewerbe), dort, wo sie bis dahin keiner eigenen Befugniserteilung 
unterworfen waren, auch in Hinkunft frei zu bleiben hätten^). 

Durch dieses äußerst wichtige Dekret wurde somit, da unter den Polizei- 
gewerben fast gar keine bedeutenden Produktionsgewerbe zu finden sind, für 
fast alle Gewerbe und namentlich für die Großindustrie die Liberalität zum 
obersten Grundsatz erhoben, von welchem sich die Behörden bei Beurteilung 
der dieselben berührenden Angelegenheiten ausschließlich hätten leiten lassen 
sollen. Diese Verordnung bot der Hofkammer immer wieder die Handhabe, 
um die unteren Behörden auf die gesetzlich festgelegte Liberalität im Gewerbe- 
wesen aufmerksam zu machen. 

Diese Grenze zwischen Kommerzial- und Polizeigewerben war und konnte 
keine dauernde sein, da die eine oder die andere Gattung von Polizeigewerben 
sich mit der Zeit nach der Richtung hin entwickeln konnte, daß sie zu den Kom- 
merzialgewerben geschlagen werden mußte. Denn mit der zunehmenden Ent- 
wicklung des Verkehrs war es immer schwieriger, jene Gewerbe auszuscheiden, 
welche wirklich nur für den Lokalbedarf des Betriebsortes arbeiteten und die 
eines auswärtigen Absatzes nicht einmal fähig waren. Einem Aufschwünge 
der Polizeigewerbe stand aber der beschränkende Geist entgegen, in dessen 
Sinne bei Verleihung derselben vorgegangen werden mußte. Auch mußten sich 
verschiedene Anstände daraus ergeben, daß die oberste Leitung des Gewerbe- 
wesens teils in die Hände der Kommerzhofstelle, teils aber, und zwar bezüglich 
der Polizeigewerbe in jene der politischen Hofstelle gelegt wurden. Die Kommerz- 
hofstelle trat auch bald dafür ein, den Kreis der Polizeigewerbe möglichst ein- 
zuschränken und alle Gewerbe, bei welchen dies nur möglich wäre, unter ihrer 
Leitung zu vereinigen. Der Präsident der Hofkammer, Graf Stadion, bemerkte 
schon im Vortrage vom 28. August 1816 über die nähere Bestimmung und Er- 



lerinnen, Grünzeughändler, 51. Krennhändler, 52. Lackierer, 53. Lebzelter, 54. Margaronihändler, 
55. Magenbeugelhändler, 56. Mandolettibäcker, 57. Maurer, 58. Mehlspeismacher, 59. Merungs- 
räumer, 60. Methsieder, 61. Müller, 62. Musikanten, 63. Nachtführer, 64. Oebstler, Obst- 
händler, 65. Pastetenbäcker, 66. Perückenmacher, 67. Pflasterer, 68. Putzerinnen, als da sind: 
Band-, Dünntuch-, Hauben-, Spitzenputzerinnen u. dgl., 69. Rauchfangkehrer, 70. Sägemüller, 
71. Sauerkräutler, 72. Schleifer, 73. Schlosser, gemeine, im Gegensatz mit den Kunstschlossern, 
welche letztere unter die Kommerzialgewerbe gehören, 74. Schiffmeister, 75. Schiffmüller, 
76. Schmalzversilberer, 77. Schneider, 78. Schuster, 79. Seifensieder und Oehlerer, 80. Sessel- 
träger, 81. Störk- und Haarpudermacher, 82. Steinmetze, 83. Stockatorer, 84. Tandler, Trödler, 
85. Tischler, gemeine, im Gegensatz mit den Kunsttischlern, welche letztere unter die 
Kommerzialgewerbe gehören, 86. Traiteurs und Restaurateurs, 87. Wäscherinnen, 88. Wein- 
schänker, 89. Wildpräthändler, 90. Wundärzte, 91. Wurstmacher, 92. Ziegelbrenner, 93. Ziegel- 
decker, 94. Ziegelstreicher, 95. Zimmermeister, 96. Zuckerbäcker, 97. Zwetschkenhändler. 
1) H. K. A. Korn. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 2 ex majo 1809. 



137 

Weiterung des Geschäftskreises der damals neu errichteten Kommerzhof- 
kommission unter anderem: „Es wird in Absicht auf die in den deutschen 
Provinzen bestehende Trennung zwischen den sogenannten Polizei- und Kom- 
mer zialge werben notwendig sein, daß von der Kommerzhofkommission im 
Einverständnis mit der vereinigten Hofkanzlei ein der Natur der Sache 
entsprechendes System aufgestellt werde, wobei allenfalls von dem Grundsatze 
auszugehen wäre, daß nur die der Satzung unterliegenden und die ersten Lebens- 
bedürfnisse absetzenden Gewerbe noch fernerhin, jedoch gleichförmig in allen 
Provinzen unter der Leitung der politischen Hof stelle zu verbleiben hätten." 
Durch allerhöchste Entschließung vom 11. September 1816 erging denn auch 
die Weisung, das angetragene Einvernehmen zwischen der Kommerzhofkommis- 
sion und der Hofkanzlei zu veranlassen und das Resultat zur allerhöchsten 
Schlußfassung vorzulegen. Unter dem 27. Jänner 1817 teilte die Kommerz- 
hofkommission ihre Ansichten über diese Frage der Hofkanzlei mit. Die Ein- 
teilung der Gewerbe sei offenbar willkürlich festgesetzt worden. Deshalb schlug 
sie vor, daß bei einer neuerlichen Klassifizierung vom Grundsatz ausgegangen 
werden sollte, daß jene im Verzeichnis der Polizeigewerbe enthaltenen Be- 
schäftigungen, die teils wirklich Kommerzialgewerbe seien, teils als Hilfs- und 
Vorbereitungsgewerbe mit anderen Kommerzialgewerben in enger Verbindung 
stehen, der Kommer zialleitung zu überlassen wären. So die Buchdrucker und 
Buchhändler, Schokolademacher, Großfuhrleute, Schiffmeister, Schlosser, 
Tischler, Sägemüller, Schuhmacher und Schneider. Die Hofkanzlei erwiderte 
jedoch unter dem 26. Februar 1818, daß vorderhand in dem Schema der Polizei- 
und Kommerzialgewerbe keine Änderung vorzunehmen, sondern diese An- 
gelegenheit mit der schon eingeleiteten Regulierung der ganzen Gewerbever- 
fassung in Verbindung zu bringen wäre. So blieb einstweilen alles beim alten^). 

Als sich jedoch die Verhandlungen über die allgemeine Reform des Gewerbe- 
wesens immer mehr in die Länge zogen, regte die Kommerzhofkommission 
unter dem 25. August 1821 dieselbe Angelegenheit neuerlich an, worauf die 
Hofkanzlei unter dem 14. September, sich auf ihre Stellungnahme im Jahre 
1818 berufend, erklärte, daß sich erst dann, wenn die Neuregulierung der Ge- 
werbeverfassung beendigt sein werde, bestimmen lassen werde, ob der Unter- 
schied zwischen den Polizei- und Kommerzialgewerben dann noch zu bestehen 
habe, und wenn dies der Fall sein sollte, welche Gewerbe nach den neuen Grund- 
sätzen in die eine oder andere Klasse gehören sollen. Auch könne sie nicht 
einsehen, welche Vorteile für die Industrie durch die sofortige provisorische 
Ausscheidung einiger Gewerbe aus der Klasse der Polizeibeschäftigungen zu 
erreichen wären. 

Als 1824 nach Aufhebung der Kommerzhofkommission auf kaiserlichen 
Befehl eine gemeinsame Beratung zwischen der Hofkammer und der Hofkanzlei 
über die von vielen Fabrikanten und Gewerbetreibenden geforderte Be- 



^) Die Annahme Pfibrams (I, 38, Anm. 1), wonach das Jahr 1816 „einen Grenzstein" 
auf dem Wege der natürlichen Entwicklung der allmählichen Zunahme der Zahl der Kom- 
merzialgewerbe bildet, scheint somit auf einem Irrtum zu beruhen. 



138 

schränkung der Gewerbeverleihungen stattfand, da kam die Frage der Zu- 
weisung mehrerer Polizeigewerbe zu den Kommerzialgewerben wieder zur 
Sprache. Dabei stimmten alle der Ansicht des Hofkanzleireferenten zu, daß 
bei den Polizeigewerben, hinsichtlich deren die Vorschrift bestand, daß vor 
jeder neuen Verleihung nicht nur die Eigenschaften des Bewerbers, sondern 
auch die Ortsbedürfnisse gehörig erwogen werden sollten, die Handhabung 
dieser Vorschrift wegen des so vagen Begriffes von Ortsbedürfnissen großen 
Schwierigkeiten und Willkürlichkeiten ausgesetzt sei, wobei sich namentlich 
bei solchen Gewerben Verlegenheiten ergaben, welche eigentlich ganz zur 
Klasse der Kommerzialgewerbe gehören sollten. Es wurde somit als wünschens- 
wert bezeichnet, daß die schon mehrmals angeregte Ausscheidung solcher 
Beschäftigungen aus den Polizeigewerben endlich einmal vorgenommen werde. 

Nach herabgelangter allerhöchster Entschließung auf den Vortrag über die 
von den Gewerbetreibenden erbetenen Gewerbeeinschiänkimgen erklärte sich 
(1827) die Hofkanzlei der Hofl^ammer gegenüber bereit, die Verhandlungen 
über die Klassifizierung der Gewerbe wieder aufzunehmen. Diesmal war es 
aber merkwürdigerweise die Hofkammer, welche es nicht an der Zeit fand, in 
Beratungen darüber einzugehen. 

Darauf ruhte die Angelegenheit wieder längere Zeit und erst im Februar 
1831 erinnerte die Hofkammer die politische Hofstelle mit Bezugnahme auf 
die früheren diesbezüglichen Verhandlungen wieder daran. Seitdem waren die 
Vorarbeiten bezüglich der Feststellung der Grundsätze der allgemeinen Gewerbe- 
regulierung weiter vorgeschritten und die Verhandlungen darüber waren schon 
im Zuge. Die Hofkammer meinte daher, es sei, um diese Verhandlungen mit 
erschöpfender Gründlichkeit pflegen zu können, vorläufig unumgänglich not- 
wendig, die Vorfrage zwischen den kompetenten Hofstellen ins reine zubringen: 
ob und welche Gewerbe etwa noch im Schema der Polizeigewerbe beizubehalten 
und welche zu denselben offenbar nicht gehörigen in die Klasse der Kommerzial- 
gewerbe zu übersetzen wären. Dies sei ganz im Sinne der allerhöchsten Ent- 
schließung vom 11. September 1816, indem daselbst Seine Majestät diese Vor- 
frage nicht mit der allgemeinen Gewerberegulierung in Verbindung zu bringen, 
sondern darüber ein besonderes Gutachten zur Genehmigung vorzulegen be- 
fohlen habe. „Um nun bei der im Zuge befindlichen neuen Gewerberegulierung 
weiter fortschreiten zu können, erscheint es nicht länger verschieblich, in das 
nähere Detail der gedachten Vorfrage einzugehen, bei deren erschöpfender 
Behandlung es sich von selbst zeigen dürfte, wie dringend das Bedürfnis für 
die Nationalbetriebsamkeit sei, die Hindernisse zu beseitigen, die noch einer 
großen Masse von Gewerben deshalb im Wege stehen, weil sie ganz unzweck- 
mäßig in die Reihe der Polizeigewerbe gestellt, noch mannigfaltigen diesfalls 
bestehenden Beschränkungen zum großen Schaden und Nachteile der National- 
ökonomie unterliegen, und wie sehr man im Interesse der Industrie wünschen 
müsse, die Beseitigung jener Hindernisse auf einen noch so weiten, so ver- 
schiedenartigen Ansichten, Meinungen und Anträgen unterliegenden Zeitpunkt, 
bis zu welchem die neue Gewerberegulierung vollständig und definitiv be- 
schlossen sein wird, nicht länger zu verschieben". Die Abgrenzung der zwei 



139 

Arten von Gewerben sei sehr schwer, denn es hänge vielfach von der Persön- 
lichkeit des Gewerbetreibenden ab, ob er weit ausgedehnten Absatz hat oder 
nicht. „Auf das Emporkommen und den Flor der Gewerbe kann 
der Staat nur auf zweierlei Wegen einwirken: durch Unterrichts- 
anstalten und durch Beseitigung der Hindernisse, die dem Ge- 
werbsbetriebe selbst entgegenstehen. Will der Staat weiter 
gehen und bloß zugunsten einiger Monopolisten Beschränkungen 
und Hindernisse handhaben, welche die freie Konkurrenz der 
Arbeitsfähigkeit und Gewerbstätigkeit hemmen, so überliefert 
er die größere Masse des konsumierenden Publikums der Will- 
kür einzelner privilegierter Klassen, hindert das Emporkommen 
der Betriebsamkeit und des darauf gegründeten Wohlstandes, 
befördert den Müßiggang, Armut und Unzufriedenheit und ent- 
zieht sich selbst die ergiebigsten Quellen des Staatseinkommens." 
„Bei den hier angedeuteten Verhältnissen und bei den dringenden Bedürfnissen 
der gegenwärtigen Zeit dürfte die durchaus nicht mehr angemessene Unter- 
scheidung zwischen den sogenannten Polizei- und Kommerzialgewerben auch 
nicht länger aufrecht erhalten werden. Selbst die Benennung erscheint ganz 
unpassend, denn im Grunde ist jedes Kommerzialgewerbe auch ein Polizei- 
gewerbe, d. i. Gegenstand der Polizeiaufsicht, insofern auch bei Kommerzial- 
gewerben PoMzeiübertretungen stactfinden können, deren Hintanhaltung und 
Bestrafung der Staatspolizei zusteht, ebenso aber auch jedes Polizeigewerbe 
ein Kommerzialgewerbe, weil sich die Ausübung gar keines Gewerbes denken 
läßt, bei dem nicht der eine verkauft, der andere kauft, beide Waren oder 
Geld gegeneinander austauschen, d. h. Handel (Kommerz) treiben." 

Es wären also die Polizeigewerbe nicht mehr im bisherigen Umfang auf- 
recht zu erhalten, sondern es wären alle Gewerbe, welche sich mit Handel und 
Industrie beschäftigen, aus dem Schema der Polizeigewerbe zu streichen, nach 
gleichen Grundsätzen wie die übrigen Handels- und Gewerbszweige zu be- 
handeln und unter dieselbe Leitung zu stellen. Jene hingegen, welche im Grunde 
nichts anderes als Dienstleistungen gegen Entgelt seien, ohne daß sie mit dem 
Warenverkehr und mit der Veredlung von Rohstoffen etwas zu tun hätten, 
oder bei welchen besondere Rücksichten der höheren Gewerbepolizei eine von 
den allgemeinen Gewerbegrundsätzen verschiedene Behandlung erforden, 
wären unter der politischen Leitung zu belassen. Es hätten somit nur noch 
26 Gewerbe als Polizeigewerbe auch weiterhin zu gelten, und zwar : 1. Die Sanitäts- 
gewerbe (Apotheker, Geburtshelfer, Hebammen, Wundärzte, Barbiere und Huf- 
schmiede, eventuell auch die Dürrkräutler). 2. Satzungsgewerbe, d. h. die- 
jenigen, die früher in größerer Anzahl einer Satzung des Verkaufspreises unter- 
worfen waren. 1831 waren dies nur mehr die Bäcker und Fleischhauer. 3. Die 
Zensurgewerbe (Buchdrucker, Buchhändler), jedoch nur, wenn dies aus be- 
sonderen Polizeirücksichten notwendig erscheinen sollte. 4. Die Schankgewerbe 
(Bierverleger, Bierschänker, Bierwirte, Branntweiner, Kaffeesieder, Wein- 
schänker, Gastwirte, Köche, Traiteurs und Restaurateurs). 5. Die Lokalpolizei- 
gewerbe (Musikanten, Fiaker, Mietkutscher, Sesselträger, Faßzieher, Rauch- 



140 

fangkehrer, Merungsräumer und Nachtführer, eventuell auch die Höcker und 
Trödler). 

Die Viktualiengewerbe hätten aus der Liste der Polizeigewerbe gestrichen 
zu werden (Fischer, Gärtner, Müller, Wurstmacher, Bierbrauer usw.), da die 
meisten derselben schon zu freien Gewerben erklärt worden seien. So sei die 
Bierbrauerei zum eigenen Konsum durch die allerhöchste Entschließung 
vom 24. Oktober 1816 gegen Beobachtung der Steuervorschriften jedermann 
gestattet worden. Auch hätten seit der Aufhebung der Biersatzung im Jahre 
1813 die Behörden es sich zur Pflicht gemacht, der Biererzeugung, folglich auch 
der Entstehung neuer Brauhäuser keine Hindernisse in den Weg zu legen, 
um dem Publikum nicht nur Bier in hinreichender Menge, sondern auch in 
entsprechender Qualität und in billigen Preisen zu verschaffen. Deshalb werde 
kein Anstand genommen, vermögenden Individuen, welche Brauereien zu er- 
richten wünschen, selbst wenn sie dieselbe nicht zunftmäßig erlernt hätten, 
dies zu gestatten und bei Erteilung solcher Berechtigungen keineswegs nach 
der Strenge der für die Verleihung von Polizeigewerbebefugnissen bestehenden 
Vorschriften vorzugehen, weil der Absatz ihrer Erzeugnisse sich nichts weniger 
als auf den Standort beschränke und weil auch bei allen anderen vom Satzungs- 
zwange entledigten Gewerben die Freigebung der Erzeugung und des Ver- 
schleißes mit dem besten Erfolge stattgefunden habe. Diese Grundsätze wurden 
von der Hofkanzlei wiederholt, so auch am 26. Juni 1829 aus Anlaß einer Be- 
schwerde des Wiener Bräuervereines ausgesprochen. Ebenso hatte sich die all- 
gemeine Hofkammer am 17. August 1829 damit vollkommen einverstanden 
erklärt, daß die Verleihung von Braubefugnissen nach Analogie der Fabriks- 
befugnisse zu behandeln sei. 

Die Staatsverwaltung könne sich, meinte die Hofkammer weiter, ohne in 
offenbare Mißgriffe zu verfallen, unmöglich in die Beurteilung und Entschei- 
dung der Frage einlassen : wie viele Gewerbetreibende in jedem Orte nach Maß- 
gabe seiner Bevölkerung angesiedelt werden sollen, um Bedarf und Angebot 
ins Gleichgewicht zu setzen. Sie könne auch den Ortsbewohnern nicht ver- 
bieten, sich ihren Bedarf an Gewerbeartikeln von anderen Orten zu beschaffen. 
Je ängstlicher die Staatsverwaltung sich in das Detail der Industrie einmenge, 
desto mehr laufe sie Gefahr, gerade das Gegenteil von dem, was sie zu erzielen 
wünsche, zu erreichen und die Industrie, welche sie heben wolle, zu hemmen*). 

Die Hofkanzlei erwiderte auf diese vom Hofkammerreferenten von Krauß 
verfaßten Ausführungen, sie könne von ihren in den Jahren 1818 und 1821 
geäußerten Ansichten nicht abgehen, wonach diese Frage nicht allein, sondern 
nur in unmittelbarer Verbindung mit der allgemeinen Gewerberegulierung ver- 
handelt und erledigt werden könne. Wenn einmal bei letzteren Verhandlungen 
die Frage entschieden sein werde, ob überhaupt noch ein Unterschied zwischen 
den Polizei- und Kommerzialgewerben bestehen soll und ob die Gewerbe über- 
haupt nur in der letzten Instanz getrennt behandelt werden sollen, dann werde 
die Frage über die Ausscheidung einiger Gewerbe aus dem Schema der Polizei- 



1) A. d. k. k. Fin. Min.-Kom., Fasz. 29, Nr. 56 ex febr. 1831; Staatsrat 1831, Nr. 3069. 



141 

ge werbe von selbst wegfallen. Sie könne einen Nachteil für die Industrie aus 
dem gegenwärtigen Zustand nicht einsehen. Daher lehnte die Hofkanzlei 
unter dem 8. April 1831 auch die ihr von der Hofkammer angebotene gemein- 
schaftliche Sitzung in dieser Angelegenheit ab. 

Die Hofkammer ließ sich jedoch dadurch nicht abschrecken und erstattete 
unter dem 18. Mai 1831 darüber einen alleruntertänigsten Vortrag. Im Staats- 
rate schloß man sich jedoch der Ansicht der Hofkanzlei an. So fand denn dieser 
Vortrag erst durch das Kabinettschreiben vom 4. Februar 1835 an den Vize- 
präsidenten der Hofkammer, Ritter von Eichhoff, seine Erledigung, welches 
Kabinettschreiben die Ausarbeitung eines neuen Gesetzes über die Behandlung 
der Gewerbeangelegenheiten in Angriff zu nehmen anordnete, zugleich aber 
bestimmte, daß nach Einführung der neuen Gewerbeverfassung der 
Unterschied zwischen Kommerzial- und Polizeigewerben aufzu- 
hören habe^). Letztere Bestimmung kann jedenfalls als ein Erfolg der Hof- 
kammer angesehen werden. 

Damit schien die Angelegenheit bis zum Zeitpunkte der Vollendung und 
Einführung eines neuen Gewerbegesetzes aufgehoben. 

Plötzlich erließ jedoch die Hofkammer am 20. April 1846 an die Länder- 
stellen ein Dekret, sie finde im Einverständnisse mit der Hofkanzlei, ohne 
kaiserliche Genehmigung, da die Grenzlinie zwischen Polizei- und Kommerzial- 
gewerben im Jahre 1809 auch im administrativen Weg erfolgt sei, zu verfügen, 
daß mehrere aufgezählte Gewerbe, welche bei der Entwicklung der Industrie 
nicht mehr zu den Polizeigewerben gezählt werden können, aus denselben 
ausgeschieden, nach den für die Kommerzialgewerbe bestehenden Grundsätzen 
behandelt werden und in letzter Instanz der Hofkammer unterstehen sollen^). 

Kaum war diese Maßregel bekannt geworden, als schon zahlreiche Gewerbe- 
treibende und Zünfte sich mit Beschwerden an den Kaiser wendeten, mit der 
Bitte um Rückgängigmachung dieser Verfügung. Die Folge davon war, daß 
der Kaiser durch zwei Handschreiben vom 14. Juli 1846 an die Präsidenten der 
Hofkammer und der Hofkanzlei die Ausscheidung dieser Gewerbe aus der Reihe 
der Polizeigewerbe sistierte, den früheren Zustand wieder herstellte und auf 
die diesbezüglichen Rechtfertigungen der Hofstellen ihnen unter dem 20. April 
1848 bedeutete, künftighin auf dem Gebiete des Gewerbekonzessionswesens 
ohne Einholung der allerhöchsten Entschließung keine Änderung vorzu- 
nehmen^). 



1) A. d. k. k. Fin. Min Kom., Fasz. 29, Nr. 26 u. 28 ex apr. 1835; Staatsrat 1831, Nr. 3069. 
— 2) Diese Gewerbe waren: 1. die Anstreicherei, 2. Bierbrauerei, 3. Chokoladeerzeugung, 4. Faß- 
binderei, 5. die Fuhrwerksgewerbe, 6. Glaserei; 7. die Haarpuderfabrikation, 8. das Hufschmied- 
gewerbe, 9. die Lackiererei, 10. das Lebzeltergewerbe, 11. die Methsiederei, 12. die Schiff- 
meisterei, 13. das Schleifergewerbe, 14. das Schneidergewerbe, 15. das Schustergewerbe, 16. die 
Stärkefabrikation, 17. die Tischlerei, 18. die Zuckerbäckerei. — ^) A. d, k. k. Fin. Min.-Kom., 
Fasz. 17, 1846, Nr. 668; Staatsrat 1846, Nr. 3620, 4446. Die Annahme P f i b r a m s (I, 38, 
Anna. 1), daß das Jahr 1846 einen Grenzstein auf dem natürlichen Wege der Entwicklung 
darstelle, wonach die Zahl der Kommerzialgewerbe allmählich immer mehr zunahm, ist somit 
nicht ganz richtig. 



142 

Die Geschichte der Abgrenzung der Polizei- und Kommerzialgewerbe 
bietet ein schönes Bild des Kampfes neuer Ideen mit den Überresten der über- 
kommenen Gewerbebeschränkungen. 

VI. Kapitel. 
Die Verschleiß- und Niederlagsrechte der Gewerbetreibenden und Fabrikanten. 

Die wichtigste Vorbedingung zur größtmöglichen Ausdehnung der Pro- 
duktion ist die Sicherung eines entsprechenden Absatzes. Wenn auch der Handel 
als selbständiges Zwischenglied zwischen Produktion und Konsum nicht leicht 
entbehrlich gemacht werden kann, vielmehr durch ihn nach dem Prinzip der 
Arbeitsteilung eine bessere Organisation des Absatzes zu erwarten ist als von 
den Produzenten, so sind anderseits die Bedenken gegen ein Monopol der 
Handelsleute und die daraus für die Produktion möglicherweise erwachsenden 
Schäden nicht minder schwerwiegend. 

Unter Maria Theresia hatten die Fabrikanten noch nicht das Recht, ihre 
Erzeugnisse im kleinen selbst zu verkaufen, sondern waren zu diesem Zweck 
einzig und allein auf die Handelsleute angewiesen. Mit der Zeit wurde dieser 
Zustand für die Industrie immer drückender und endlich unhaltbar. Den Fabri- 
kanten mußte eine von den Handelsleuten unabhängige Absatzmöglichkeit 
geboten werden. Da der inländische Konsum der Grundpfeiler der Industrie 
sein muß, galt es hier vor aUem, diesen so weit als möglich zu erleichtern. Dies 
konnte einerseits durch Gestattung des Kleinverkaufes am Betriebsorte, ander- 
seits an anderen Orten durch Bewilligung von Niederlagen geschehen. 

Die Zeit Maria Theresias hielt noch strenge an der Scheidung zwischen dem 
Fabrikanten- und dem Handelsstande fest. Die Fabrikanten erhielten durch 
ihre Privilegien wohl das Recht, Niederlagen zu halten, aber nur um im großen 
zu verkaufen. Auf die Dauer war dieser Zustand, namentlich bei der damaligen 
Vorliebe der Handelsleute für die im wesentlichen besseren ausländischen Fabri- 
kate, nicht haltbar, wollte man die Industrie in ihrer Entwicklung nicht hemmen. 
Eine Produktion, welche nicht mehr auf Bestellung, sondern auf Vorrat für 
den Markt arbeitete, konnte solche Fesseln nicht lange ertragen. Noch das 
Handlungspatent vom 24. März 1764 bestimmte, den Manufakturisten und 
Fabrikanten sei der Handel mit eigenen Waren, jedoch nur stückweise 
im Hause und nur auf Jahrmärkten auch ellenweise gestattet. Dabei wurde 
mit aller Schärfe, darauf geachtet, daß von den Warenlagern nicht auch Klein- 
verkauf zum Schaden des Handelsstandes getrieben werde^). Den Kommerz- 
behörden wurde sogar aufgetragen, die den Fabrikanten früher zum Verkauf 
ihrer Erzeugnisse im großen bewilligten Gewölbe wieder zu entziehen, sobald 
sich hinreichende Verleger finden sowie für den FaU, daß ganze Zünfte und 
Meisterschaften mit den letzteren freiwillig Verträge abschließen würden; auch 
sollte jenen einzelnen Meistern der Handel und Ausschnitt verboten werden, 



1) H. K. A. Korn. Böh., Fasz. 75, Nr. 43 ex jul. 1772; Kopetz, a. a. 0., I. 410. 



143 

die sich einem solchen Vertrage nicht anschließen würden^). Der Inhalt dieser 
Verordnung blieb allerdings auf dem Papiere. Der Geist der Zeit erforderte 
eine unmittelbare Absatzfreiheit für die Fabrikanten und die Entwicklung 
führte allmählich diesem Ziele entgegen. 

Schon das allerhöchste Patent vom 14. Oktober 1774, durch welches die 
Prohibitivgesetze eingeschränkt wurden, enthielt diesbezüglich die, wenn auch 
nur theoretisch, wichtige Bestimmung: ,,Wenn die Handelsleute sich zur Ab- 
nahme guter und in billigen Preisen verfertigter Waren von erbländischen Fa- 
briken und Fabrikanten weigern, so ist alsdann diesen der öffentliche Handel 
und Ausschnitt ohneweiters zu gestatten^)." 

Im Jahre 1777 wurde von der Hofkammer ein von der Hofkanzlei aus- 
gearbeiteter Vorschlag wegen allgemeiner Erlaubniserteilung an die Fabrikanten 
zum Ausschnitt und Kleinverkauf ihrer Erzeugnisse an alle Länderstellen zur 
Begutachtung übersendet. Von den Länderstellen sprachen sich Böhmen, 
Schlesien und Niederösterreich für die Zugestehung der Freiheit des Verkaufs 
aus, die niederösterreichische Regierung sogar für den Verkauf in offenen Ge- 
wölben. Mähren iftid Oberösterreich hingegen verwarfen den Vorschlag. Der 
Referent der Hofstelle trug an, den Fabrikanten den Kleinhandel bei Hause, 
jedoch nicht in offenen Gewölben zu gestatten. Graf Philipp Herberstein- 
Moltke ging über den Antrag des Referenten hinaus und meinte, man solle 
dieses Recht noch weiter ausdehnen und die Befugnis, Gewölbe zu halten, wo 
nicht gar uneingeschränkt, so doch auf Ansuchen ziemlich frei gewähren. Die 
Waren würden dadurch wohlfeiler, während der Fabrikant mehr gewinne, 
indem er einen Teil des ,, Handelsprofits" für sich habe. Er gewinne dadurch 
auch Einsicht in den herrschenden Geschmack. Das Vorurteil, daß gute Waren 
nur aus dem Auslande bezogen werden können, werde dadurch behoben und 
die Fabrikanten würden von den Bedrückungen seitens des Handelsstandes 
befreit. Es zeigen diese Verhandlungen und die Ausführungen im diesbezüg- 
lichen alleruntertänigsten Vortrage von selten der Hofstellen und der meisten 
unteren Behörden ein großes Verständnis für die Bedürfnisse der Industrie 
und nicht in letzter Linie auch einen gewissen Mut, der eigenen Überzeugung 
zum Siege zu verhelfen, nachdem sich nicht nur die Praxis bis dahin, sondern 
auch die Wissenschaft dieser Frage gegenüber ablehnend verhalten hatte'). 

Dieser Vortrag vom 26. Februar 1779 faßte alles zusammen, was zugunsten 
des Kleinverkaufes durch die Fabrikanten angeführt werden konnte. ,,Alle 
Völker, alle Regierungen", so heißt es darin, „verehren die Freiheit im Kauf 
und Verkauf als die Seele der Handlung." „Ist es nicht eine himmelschreiende 



*) Instruktion f. d, Koramerzkonseß in Böhmen vom 24. Okt. 1765; Kopetz, a. a. 0., 
I, 411. — ^) Pfibram, a. a. 0., I, 332. — ') Justi, Manufakturen und Fabriken, I (2. Aufl. 
1786), S. 50: „Ich kann mich hier nicht in alle Umstände einlassen, womit man in verschiedenen 
Ländern die Manufakturiers und Fabrikanten zum Nachteile der Kaufleute begünstigt. Dieses 
einzige will ich nur noch anführen, daß man in einigen Ländern den Manufakturiers sogar 
den Einzelverkauf ihrer Waren gestattet. Das ist sowohl den Fabrikanten als auch dem 
Handelsstande nachteilig." 



144 

Unbilligkeit, daß, wenn der Kaufmann eine bestellte Ware, weil sie nicht voll- 
kommen nach seinem Sinne ausgefallen ist, dem Fabrikanten zurückschlägt, 
dieser unter Konfiskationsstrafe nicht einmal befugt ist, selbe, wie er selbst 
kann und mag, kleinweise zu verkaufen. Heute ist nur der Fabrikant an den 
Kaufmann, nicht dieser an jenen gebunden, da letzterer auch aus der Fremde 
die Waren beziehen kann." „Gesetze, die der freien Konkurrenz im Wege stehen, 
sind den eigenen Manufakturen höchst nachteilig." „Der gelehrte Engländer 
Locke hat in einer besonderen Abhandlung zu beweisen gesucht, daß man aller 
Kaufleute entbehren könnte und daß die Fabrikanten ganz allein befugt sein 
sollten, ihre Waren zu verkaufen, damit solche durch die vielen Hände der 
Verkäufer nicht verteuert werden." Der Erzeuger der Ware habe das Eigentum 
auf dieselbe und ihm gebühre deshalb auch der Vorteil aus dem Absatz. Ihm 
diese Vorteile zugunsten des Kaufmanns entziehen zu wollen, wäre eine grobe 
Verletzung der bürgerlichen Freiheit und würde den Konsumenten nur zum 
Schaden gereichen. Auch in einer anderen Hinsicht könne die Fortdauer dieses 
Verhältnisses für die Industrie schädlich werden, denn der Kaufmann werde, 
wenn er in der Fremde kaufen könne, dem einheimischen Fabrikanten nicht 
mehr Rohstoffe vorstrecken, ihn nicht mehr verlegen. Mit dem Hinweise, 
daß schon durch das Patent vom 14. Oktober 1774 bestimmt worden sei, es 
sei, wenn die Handelsleute sich zur Abnahme guter und billiger Waren von 
erbländischen Fabrikanten weigern sollten, diesen der Handel und Ausschnitt 
ohne weiters zu gestatten, unterbreitete die HofsteUe diesen Vortrag der 
Monarchin, nachdem einstimmig der Beschluß gefaßt worden war, daß den 
Fabrikanten insgesamt der Kleinverkauf ihrer selbsterzeugten Waren in Zukunft 
nicht nur auf Jahrmärkten, sondern auch bei Hause mit oder ohne Aushängung 
eines Schildes, keineswegs aber in offenen Gewölben, ohne Rücksicht auf die 
„grundlosen Einstreuungen des Handelsstandes" gestattet werden solle. 

Diese Ideen eilten der Zeit voraus, die gegenteiligen Ansichten, von Praxis 
und Wissenschaft festgehalten, waren noch zu tief eingewurzelt, um plötzlich 
aufgegeben zu werden. Die allerhöchste Entschließung darauf lautete denn 
auch kurz: „Der Handelsstand leydet ohnedem so vill, mithin wäre nichts zu 
erneuern" (1779)^). 

Es blieb somit einstweilen dabei, daß den Fabrikanten nur der Verkauf 
ganzer Stücke bei Hause und der elienweise Verkauf zu Jahrmarktszeiten 
erlaubt war; sonst blieb ihnen der Verkauf im kleinen und das Halten offener 
Gewölbe verboten^). Der erste Ansturm gegen diese Monopolsrechtc der Kauf- 
leute war dadurch zwar abgeschlagen, doch sollte der alte Zustand nicht mehr 
lange aufrecht bleiben. Denn die Hofkammer griff die Sache nach dem Tode 
vom der Kaiserin gleich wieder auf und erstattete 1781 einen neuen diesbezüglichen 
21. Mai 1781. Vortrag, welcher bald eine günstige Erledigung erhielt. Das Ergebnis davon 
dtrS-^ war, daß das Hofdekret vom 21. Mai 1781 zu „mehrerer Beförderung der Gewerb- 
verkaufes, samkeit mittelst des geschwinden Absatzes" der Erzeugnisse den Fabrikanten 



1) H. K. A. Kom. Böh., Fasz. 75, Nr. 18 ex mart. 1779; PHbram, a. a . 0., I, 332 ff. — 
') Vgl. auch Kopetz, a.a. 0., I, 410; Wildner, a. a. 0., 199 f. 



145 

insgesamt den Kleinverkauf sowohl bei Hause als auch auf Jalirmärkten, mit 
oder ohne Aushängung des Schildes, keineswegs aber in offenen Gewölben, 
welche nur der Kaufmannschaft vorbehalten blieben, das ganze Jahr hindurch 
gestattete. Der erste Schritt zu einer weiteren Entwicklung in diesem Sinne 
war damit getan^). 

Den Lederern und Gerbern ganz Österreichs war schon durch Hofdekret 
vom 17. Februar 1781 das noch viel weiter gehende Recht zugestanden worden, 
in Wien, in und vor der Stadt, durch das ganze Jahr ihr Leder in öffentlichen 
Gewölben und ohne an eine Satzung gebunden zu sein, zu verkaufen^). Die 
ausgedehntesten Absatzerleichterungen erhielten jedoch die Eisenhammer- 
werke, welchen 1781 freigestellt wurde, an allen Orten Verkaufslager zu er- 
öffnen und in denselben alle Gattungen ausgearbeiteten Eisens im großen und 
kleinen abzusetzen^). 

Sofort nach Erlassung des Dekrets vom 21. Mai 1781 bewarben sich viele 
Fabrikanten um die Bewilligung zur Haltung einer Niederlage in Wien und es 
wurde ihnen dies regelmäßig gestattet. Mit Dekret vom 23. Juni wurde die 
niederösterreichische Regierung angewiesen, Fabrikanten, welche eine große 
Anzahl Stühle beschäftigen und mit einem großen Warenvorrat versehen sind, 
auf ihr Verlangen das Halten von Gewölben zum Kleinverkaufe zu bewilligen, 
wobei im übrigen auf die Bestimmungen des Dekrets vom 21. Mai verwiesen 
wurde*). 

Der bürgerliche Handelsstand blieb auch nicht untätig, um seine Interessen 
gegenüber den Fabrikanten zu vertreten. So bat er 1781, man solle jenen Fabri- 
kanten, welche das Recht hatten, ihre Erzeugnisse in öffentlichen Gewölben 
zu verkaufen, deren Räumung auftragen, da ihnen gegenwärtig ohnehin der 
Ausschnitt ihrer Waren bei Hause in und außer Jahrmarktszeiten gestattet 
sei. Diese Zumutung der Handelsleute wurde aber mit der Begründung ab- 
gewiesen, daß bei Erlassung der Verordnung vom 21. Mai die Absicht nicht 
dahin gegangen sei, jenen Fabrikanten, welche schon vorher die Erlaubnis er- 
halten hatten, öffentliche Gewölbe zu halten, dieselben zu entziehen^). 

Um dieselbe Zeit wurde einem Fabrikanten die Eröffnung eines öffent- 
lichen Gewölbes gestattet, weil er mit einem ansehnlichen Vorrate von Waren 
versehen war und nach seiner Angabe an die Kaufleute nichts absetzen konnte. 
Bei dieser Gelegenheit wurde der Regierung aufgetragen, von nun an in solchen 
besonderen Fällen stets auf Gestattung öffentlicher Gewölbe anzuraten. Dem 
gegenüber beschwerten sich die bürgerlichen Handelsleute wiederum. Die Hof- 
stelle bemerkte jedoch, daß es bei dieser Weisung zu verbleiben habe, um so 
mehr als sich Fabrikanten ohnehin nur selten dazu erschwingen, sich mit eigenen 



1) H. K. A. Korn. Böh., Fasz. 75, Nr. 14 ex majo 1781 ; A. d. Min. In. V, G. 5, Karton 2926; 
Staatsrat 1781, Nr. 1195; Kopetz, a. a. 0., I, 411; Wildner, a. a. 0., 200. — *) H. K. A. Kom., 
N.-Ö., Fasz. 71, Nr. 75 ex febr. 1781. — =•) Patente v. 29. XII. 1781 u. 8. XL 1782; WUdner, 
a. a. 0. 202; A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 134 ex jul. 1832; Statth. A. Wien, Nor- 
malien 1793, A. 20, Nr. 7220. — *) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 71, Nr. 46 ex jun. 1781. — 
») H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 71, Nr. 36 ex jul. 1781. 

Slokar, Geschichte der öaterr. Industrie. 10 



146 

Mitteln ein sortiertes Warenlager zu schaffen. Die Aussicht auf ein öffentliches 
Gewölbe könne den Fabrikanten zur Aneiferung dienen, wie denn auch dem 
Staate daran gelegen sei, durch solch billige Erleichterungen die Vermehrung 
und Ausdehnung der Fabriken soviel als möglich zu befördern. Und als sich 
der Handelsstand weigerte, die Gewölbediener der Seidenzeugmacher auf- 
zudingen und freizusprechen, mit der Begründung, sie hätten die Handlung 
nicht erlernt, da wurde er von der Regierung dazu verhalten, da sich sonst 
kein Lehrling zu den Seidenzeugmachern in die Lehre begeben würde, wenn 
er nicht Hoffnung hätte, nach überstandener Lehrzeit von den Handelsleuten 
als ausgelernt anerkannt zu werden^). 

Das Verhältnis zwischen Fabrikanten und Handelsleuten beschäftigte auch 
weiterhin die Staatsverwaltung in hohem Maße. Die Hofstelle blieb nicht bei 
den bisher zugunsten der Fabrikanten getroffenen Verfügungen, sondern ging 
noch weiter. Unter dem 5. Juni 1783 legte sie die Frage zur allerhöchsten Ent- 
schließung vor, ob Fabriken ausschneiden sollen und ob unter Umständen 
Fabrikanten auch das Halten öffentlicher Gewölbe zu diesem Zwecke bewilligt 
werden solle. ,, Erfordert es ihr Nutzen, wie er es in der Tat zu erfordern 
scheint, sich mit dem Kaufmanne zu halten, so wird die Fabrik ohnehin 
nicht ausschneiden; findet sie sich mit einem Artikel oder mit einer Klasse 
der Abnehmer in Verlegenheit, so ist sie doch wohl soviel als ein Kauf- 
mann wert, dem noch 10 oder 20 Artikel zu seinem Verkehr übrig bleiben. 
Es würde hart sein, ihr dasjenige zu verweigern, was einzelnen Fabrikanten 
gestattet ist, nämlich den Ausschnitt bei Hause, ja zuweilen in öffentlichen 
Gewölben zu betreiben." Schließlich wurde angetragen, es sollen, ohne allge- 
meine Bestimmungen darüber zu erlassen, die Behörden ermächtigt werden, 
in vorkommenden Fällen nach den besonderen Umständen zu entscheiden. 
Die allerhöchste Entschließung fiel denn auch dahin aus, es könne den 
Fabriken der Ausschnitt und Verkauf im kleinen sowohl zu Hause als 
Holdekret in einem öffentlichen Gewölbe gestattet werden, worauf dies durch Hof- 
3 j^u'iTss *^®^^^* ^^^ 3- *^^^^ 1*^^^ ^®^ Länderstellen bekanntgegeben wurde, mit der 
Fewiiugung Weisung, jenen Fabriken, welche darum ansuchen sollten, dies ohneweiters 
von öifent- zu gcstattcu^). Damit war ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Wege der 
Gewölben Emanzipation der Produzenten von den Kaufleuten getan. Jedoch wurde 
die Haltung öffentlicher Gewölbe Gewerbetreibenden, deren Unternehmen 
keine große Ausdehnung hatte, nicht bewUligt'). 

Nachdem das Verbot ausländischer Waren ausgesprochen worden war 
(1784) und die Kaufleute Waren aus dem Auslande nicht beziehen konnten, 
ging man bei der Bewilligung von Niederlagen und Gewölben an Fabrikanten 
strenger vor. So wurde im September 1788 die Iglauer Weberzunft mit ihrem 
Gesuche, in Wien eine Niederlage zum Verkauf ihrer Waren im großen errichten 
zu dürfen, abgewiesen, „weil es dem Manufakturstande nachteilig, der Handels- 



») H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 71, Nr. 11 ex nov., 65 ex dec. 1781. — «) H. K. A. Kom. 
N.-Ö., Fasz. 71, Nr. 19 ex jul. 1783; Kopetz, a. a. 0., 1, 410 ; Wildner, a. a. 0., 200. — ') H. K. A. 
Kom. Böh., Fasz. 75, Nr. 23 ex oct. 1785. 



147 

schalt hingegen schädlich und bei dem nunmehr bestehenden Verbote fremder 
Waren die Gestattung dieser Bitte unbillig sein würde"'). Auf diese Weise 
wurden zahlreiche Gesuche abschlägig beschieden, einzelnen Fabrikanten 
wiederum nur der stückweise Verkauf gestattet. 

Nur großen Unternehmungen erlaubte man nicht nur den Verkauf bei Niederiags- 
Hause, sondern auch die Haltung einer oder mehrerer Niederlagen außerhalb 'echte der 
des Betriebsortes. In den Fabriksprivilegien war regelmäßig auch das Recht 
enthalten, außerhalb des Betriebsortes Magazine und Niederlagen zu errichten, 
was schon zur Zeit Maria Theresias zum wesentlichen Inhalte der förmlichen 
Fabriksbefugnisse geworden war, welches Recht jedoch meist mit Beschränkung 
auf die Hauptstädte der Erbländer aufgefaßt und ausgeübt worden war^). 
Durch Normalverordnung vom 18. Mai 1786 wurden die Länderstellen ermäch- 
tigt, dieses Niederlagsrecht der Landesfabriken auch auf die größeren Land- 
städte zu erstrecken^). 

Aber auch abgesehen von den privilegierten Fabriken zeigte sich die Neigung, 
in dieser Beziehung vor allem die großen Unternehmungen zu berücksichtigen, 
welche auch ein größeres Absatzbedürfnis hatten. Auch sollten die kleineren 
dadurch zur Erweiterung ihrer Betriebe angeeifert werden. Durch Dekret vom 
19. September 1797 wurde der niederösterreichischen Regierung zu erkennen 
gegeben, daß der 1783 den Fabrikanten zugestandene Ausschnitt in eigenen 
öffentlichen Gewölben nicht ohne Unterschied jedem Erzeuger, sondern nur 
jenen zugestanden werden solle, deren Unternehmung sich durch große Aus- 
dehnung und Vorzüglichkeit der Ware besonders auszeichnet*). Landesbefugten 
Fabrikanten wurde sogar erlaubt, in einem in Wien zu haltenden Gewölbe 
nicht nur die von ihnen selbst erzeugten Waren, sondern auch diejenigen frei 
zu verkaufen, die in einer anderen Provinz von solchen ,, Fabrikanten", die sie 
verlegten, verfertigt wurden, sofern diese von derselben Gattung waren, worauf 
sie die Landesbefugnis hatten^). 

Die Beschwerden der Handelsleute wurden auch in dieser Zeit regelmäßig 
ohneweiters abgewiesen*). 

Daß bezüglich der landesbefugten Fabriken das ursprünglich örtlich nicht 
beschränkte'^) Niederlagsrecht bald mit Beschränkung auf die Hauptstädte der 
Länder aufgefaßt und gehandhabt wurde, erscheint leicht begreiflich, da die 
übrigen Städte damals ob ihrer Kleinheit und Unbedeutenheit als wichtigere 
Absatzgebiete meist nicht in Betracht kommen konnten. Aus diesem Grunde 
wurde, obwohl durch Verordnung vom 18. Mai 1786 ausdrücklich bestimmt 



1) H. K. A. Kom. N. Ö., Fasz 71, Nr. 55 ex dec. 1788, Nr. 2 ex jan. 1789. — ^) Vgl. 
S. 127 ff. — ») Statth. A. Wien, NormaHen A. 17, 1839, Nr. 14550; Statth. A. Prag, 1826—1835, 
Kom., Fasz. 1, subn. 1; Hofkammerdekret vom 19. April 1834; die niederösterreichische 
Regierung hatte schon unter dem 3. Febr. 1785 eine dahingehende Weisung erhalten (H. K. A. 
Kom. N.-Ö., Fasz. 71, Nr. 6 ex febr. 1785). — *) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 71, Nr. 9 ex sept. 
1797. — «) Hofkammerdekiet vom 30. Jan. 1795, Barth, a. a. 0., I, 310 f. — •) H. K. A. Kom. 
N. Ö., Fasz. 71, Nr. 45 ex febr., Nr. 47 ex majo 1800. — ') Pfibram, a. a. 0., I, 206. Vgl. auch 
S. 127 ff. 

10* 



148 

worden war, daß den förmlichen Fabriken auch die Haltung von Niederlagen 
in größeren Landstädten gestattet werden könne, bei der Bestimmung der 
Vorrechte der Landesfabriken durch Hofdekret vom 17. August 1787 dennoch 
dieses Recht dahin formuliert, daß sie in allen Hauptstädten der Erbländer 
Niederlagen zu halten befugt seien^). Unter Kaiser Franz ging man aber bald 
noch weiter als die Verordnung von 1786, indem man schon um die Jahrhundert- 
wende auf dem Standpunkte stand, daß die landesbefugten Fabriken das Recht 
haben, für den Verschleiß ihrer Erzeugnisse, „wo sie es ihres Vorteils zu sein 
finden", Niederlagen zu eröffnen^) und ihnen sodann durch Hofverordnungen 
vom 26. März und 9. September 1805 die Begünstigung eingeräumt wurde, 
für den Verschleiß ihrer Erzeugnisse, „wo sie es nur immer ihrem Vor- 
teile zusagend finden", nach vorläufig bei der Landesstelle angesuchter 
Bewilligung, Niederlagen zu halten^). 

In Ungarn hatten die privilegierten Fabriken das Recht, in allen könig- 
lichen Städten, nach Anmeldung beim Stadtmagistrat, Niederlagen zu er- 
richten. Ebenso wurde österreichischen landesbefugten Fabriken gestattet, in 
Ungarn Niederlagen zu halten, wie auch ungarischen in Österreich*). 

Schon um die Jahrhundertwende war dieses Recht nicht mehr auf die 
landesbefugten Fabriken beschränkt, sondern es wurde, ohne sich dabei auf 
eine gesetzliche Bestimmung berufen zu können, in liberaler Weise auch ein- 
fachen Fabriken, deren Betrieb eine große Ausdehnung aufwies, ohneweiters 
verliehen^). Durch Hofdekret vom 14. Juli 1812 wurden die Länderstellen dies- 
bezüglich dahin belehrt, daß den zum Betriebe von Kommerzialgewerben 
Befugten, welche ihre Betriebe auf dem Lande haben, im allgemeinen das Recht, 
Verschleißgewölbe in der Stadt zu halten, nicht zugestanden werden könne, 
wobei jedoch die Regierung zugleich ermächtigt wurde, wenn sich ein solcher 
Unternehmer durch Neuheit oder vorzügliche Qualität und Preiswürdigkeit 
seiner Erzeugnisse oder besondere Ausdehnung seiner Unternehmung aus- 
zeichnen sollte, demselben die Bewilligung zur Eröffnung eines solchen Verschleiß- 
gewölbes in Wien zu erteilen. Den Kommerzialgewerbsbefugten innerhalb der 
Linien Wiens könne dieses Recht ohneweiters zugestanden werden"). 

Obwohl das Niederlagsrecht der landesbefugten Fabriken nicht auf die 
Landeshauptstädte beschränkt war, und die Hofverordnung vom 9. Februar 
1813 nochmals erklärte, daß sie nach Belieben in Haupt- oder Landesstädten 



1) Vgl. S. 128. — «) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 71, Nr. 21 ex dec. 1802, Nr. 28 ex jun. 
1803. — ») A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 134 ex jul. 1832; Staatsrat 1832, Nr. 5453; 
Statth. A. Wien, Normalien A. 17, 1839, Nr. 14550. — *) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 71, 
Nr. 20 ex aug. 1803. — ») H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 71, Nr. 21 ex dec. 1802: „daß zwar dieses 
Recht jenen, welche bloß eine fabriksmäßige Befugnis erhalten, bisher nicht zustand, jedoch 
auch diesen bei erwiesener größerer Ausdehnung ihrer Fabrik die Eröffnung einer 
Verschleißniederlage nie versagt worden is t". Nr. 28 ex jun. 1803 : 
„wird nur nach Maßgabe des Bedarfes einzeln und nach den Umständen gestattet". — 
•) H. K. A. Kommerzkammer, Fasz. 29, Nr. 182 ex jul. 1829; A. d. k. k. Fin. Min. Kom., 
Fasz. 29, Nr. 134 ex jul. 1832. 



149 

Niederlagen zu halten befugt seien^), stand die Praxis konsequent auf dem ent- 
gegengesetzten Standpunkt und das böhmische Gubernium meinte bei einer 
diesbezüglichen Anfrage an die Hofstelle im Jahre 1817, eine Ausdehnung 
dieses Rechtes auch auf die anderen Städte würde den Fabriken nicht nützlich, 
im allgemeinen aber gefährlich und schädlich sein, denn die Juden würden in 
den Grenzgebieten Niederlagen errichten, um ausländische Waren einzu- 
schwärzen. 

Demgegenüber erklärte die Kommerzhofkommission durch Dekret vom 
6. August, es habe in der Regel auch weiterhin „bei der bestehenden Observanz", 
vermöge welcher den privilegierten Landesfabriken nur das Recht zur Eröff- 
nung von Niederlagen in aUen Landeshauptstädten zustehe, zu verbleiben, 
wobei jedoch den Behörden vorbehalten bleiben müsse, bei besonders rücksichts- 
würdigen Umständen oder besonderen lokalen Verhältnissen Ausnahmen zu 
gestatten^). Die Hofstelle stand somit auf dem Standpunkte, daß in der förm- 
lichen Fabriksbefugnis nur das Recht zur Haltung von Niederlagen in den 
Landeshauptstädten enthalten sei, während es dem Belieben der Behörden 
anheimgestellt sei, ob es in besonderen Fällen zur Aneiferung ratsam sei, dieses 
Recht auch auf andere Städte auszudehnen^). 

In dieser Erwägung hatte die Kommerzhofkommission schon durch Dekret 
vom 30. Mai 1817 angeordnet, daß auch Unternehmern, die keine förmliche 
Fabriksbefugnis haben, ein Verschleißgewölbe in Wien bewilligt werden könne, 
weil das Interesse der Fabrikanten nicht jenem der Handelsleute nachgesetzt 
werden könne und weil es für das Publikum vorteilhaft und deshalb wünschens- 
wert sei, wenn die Erzeugnisse großer und ausgezeichneter Fabriksunterneh- 
mungen unmittelbar von denselben zum Verkaufe gebracht werden, als wenn 
dies erst durch eine zweite Hand, durch den Handelsmann geschehe*). Der 
bestehende Rechtszustand wurde von der Kommerzhofkommission durch Dekret 
vom 24. Dezember 1817 dahin zusammengefaßt, daß 1. den Fabrikanten und 
Gewerbsleuten überhaupt der Verkauf ihrer eigenen Erzeugnisse bei Hause, 
sowohl im großen als im kleinen gestattet sei; 2. jeder Fabrikant und Gewerbs- 
mann berechtigt sei, in dem Orte seines Fabriks- oder Gewerbebetriebes ein 
offenes Verschleißgewölbe zu halten und in demselben sowie bei Hause seine 
Erzeugnisse im großen und im kleinen zu verkaufen ; 3. den Landesfabrikanten 
insbesondere in den Niederlagen, welche sie in allen Provinzialhauptstädten 
nach vorläufiger Anmeldung bei der Landesstelle errichten dürfen, der Aus- 
schnitt und Kleinverschleiß ihrer Erzeugnisse ebenso wie der Verkauf im großen 
unbeschränkt erlaubt sei; 4. jedoch alle Fabrikanten, einfache und landesbefugte 
ebenso wie jeder Gewerbsmann auf den Verkauf üirer eigenen Erzeugnisse 
beschränkt seien^). 



1) Hofkammerdekret v. 19. Apr. 1834, Statth. A. Prag, 1826—1835, Kom., Fasz. 1, subn. 1. 
— «) H. K. A. Kom. Kom., Fasz. 29, Nr. 37 ex aug. 1817; Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 17 
ex Jan. 1825. — *) Vgl. ebenso A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 134 ex jul. 1832. — 
*) Barth, a. a. 0., 1, 305 f.; ebenso A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr.l34 ex jiü. 1832. — 
*) Pol. Ges. Samml.; ebenso H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 29, Nr. 67 ex mart. 1829. 



150 

Anderseits wurde, um durch Mißbrauch dieser Begünstigung nicht dem 
Schleichhandel die Türen zu öffnen, das Halten von Niederlagen bis zu einer 
Entfernung von einer Meile von der Grenze nicht gestattet^). 

Das Mederlagsrecht der Landesfabriken war eines ihrer wichtigsten, 
vielleicht überhaupt das wichtigste Vorrecht. Durch das Erwerbsteuerpatent 
vom 31. Dezember 1812 wurden die Landesfabriken, entsprechend ihrem meist 
größeren Umfange, der durch das Niederlagsrecht erleichterten Absatzmöglich- 
keit und wegen der ihnen zustehenden sonstigen besonderen Vorrechte viel 
stärker besteuert als die einfachen Fabriken^). Die Folge davon war, daß viele 
Fabrikanten, deren Betrieb eine sehr große Ausdehnung hatte und sich auch 
sonst zur EMangung der Landesbefugnis eignete, um der viel höheren Be- 
steuerung zu entgehen, es vorzogen, die einfache Befugnis beizubehalten und 
mit Rücksicht auf die Ausdehnung ihrer Unternehmung um die Bewilligung 
von Niederlagen einzuschreiten. Dadurch wurden einerseits die Staatsfinanzen 
durch einen Ausfall an Steuern, anderseits aber auch die landesbefugten Fa- 
briken geschädigt, da so das wichtigste Vorrecht, für welches sie sich einer 
höheren Besteuerung unterziehen mußten, auch einfachen Fabriken ohne 
materielle Opfer zuteil wurde. In Erwägung dieses Umstandes sah sich die 
Kommerzhofliommission veranlaßt, durch Dekret vom 2. Mai 1820 zu verfügen, 
künftighin, um die Vorrechte der Landesfabriken zu wahren, nicht landesbefugten 
Fabrikanten nur ausnahmsweise, wenn besondere wichtige Rücksichten sich 
dafür geltend machen sollten, die Haltung von Niederlagen zu gestatten^). 

Aus denselben Gründen und um eine zu große Häufung von Niederlagen 
in Wien hintanzubalten, wurde durch allerhöchste Entschließung vom 26. No- 
vember 1829 das der Regierung durch Dekret vom 14. Juli 1812 eingeräumte 
Recht, den auf dem Lande zum Betriebe von Kommerzialgewerben befugten 
(nicht landesbefugten) Unternehmern unter gewissen Bedingungen die Bewilli- 
gung zu erteilen, Verschleißgewölbe in Wien halten zu dürfen, trotz des eifrigen 
Eintretens der Hofkammer für die Beibehaltung dieser die Industrie befördern- 
den und aneifernden Begünstigung, wieder rückgängig gemacht. Zugleich wurde 
der Hofkammer aufgetragen, wenn sie es für nötig finden sollte, in den Grund- 
sätzen über die Niederlagsrechte Änderungen vorzunehmen, zunächst die 
Behörden darüber einzuvernehmen und sodann eventuelle Anträge zur aller- 
höchsten Schlußfassung vorzulegen*). 

Nach der Wiedererwerbung des lombardisch-venezianischen Königreiches 
wurden einerseits die österreichischen Fabrikanten durch Hofverordnung vom 
27. Oktober 1817 aufgefordert, in den neu erworbenen Provinzen Niederlagen 
zu errichten, anderseits wurde ausgezeichneten oberitalienischen Fabrikanten, 
obwohl in Oberitalien allgemeine Gewerbefreiheit herrschte und die ver- 
schiedenen Abstufungen der Fabriksbefugnisse unbekannt waren, auf ihr 



1) H. K. A. Korn. Kammer, Fasz. 29, Nr. 29 ex mart. Nr. 131 ex sept. 1828. — ^) Vgl. S. 129. 
— ») Statth. A. Wien, Normalien 1820, A. 30, Nr. 20292. — *) H. K. A. Korn. Kammer, 
Fasz. 29, Nr. 182 ex jul. 1829; Staatsrat 1832, Nr. 5453; Statth. A. Wien, Normalien A. 19, 
Nr. 71704. 



151 

Ansuchen die EiTichtung von Niederlagen in den altösterreichischen Provinzen 
gestattet. 

Durch das Privilegienpatent vom 8. Dezember 1820 wurden den Inhabern 
ausschließender Privilegien die ausgedehntesten Rechte erteilt, „überall in der 
Monarchie Etablissements und Niederlagen zur Verfertigung und zum Ver- 
schleiße des Gegenstandes ihres Privilegiums zu errichten" (§ 11)^). 

Da die Hofkammer der Meinung war, es sei nötig, für alle Fälle bestimmte 
einheitliche gesetzliche Bestimmungen über die Niederlagsrechte festzusetzen, 
forderte sie auf Grund der allerhöchsten Entschließung vom 26. November 1829 
aUe Länderstellen der altösterreichischen Provinzen auf, sich über die Frage 
gutachtlich zu äußern. 

An das böhmische Gubernium erging diesbezüglich das Hofdekret vom 
1. März 1831, wobei ihm zugleich zur Richtschnur die Auffassung der Hofstelle 
zu erkennen gegeben wurde, daß ,,das den landesbefugten Fabriken durch die 
bestehenden Vorschriften eingeräumte Recht, überall in den Provinzialhaupt- 
städten der Monarchie Niederlagen zum Verschleiße ihrer Erzeugnisse zu er- 
öffnen, nicht als ein denselben so ausschließend zukommendes Recht angesehen 
werden könne, daß sich nicht Umstände und Verhältnisse denken ließen, wo 
es dem Interesse der Industrie entspräche, von Fall zu Fall auch 
anderen Erzeugern, die entweder durch einen ausgedehnten Betrieb ihrer Unter- 
nehmung oder durch Güte ihrer Fabrikation sich besonders auszeichnen, die 
Bewilligung zu erteilen, zum besseren Absatz ihrer Erzeugnisse in dem einen 
oder dem anderen Orte ein Verschleißgewölbe zu eröffnen. Würde diese Be- 
günstigung den mit keinem Landesfabriksbefugnisse beteilten Unternehmern 
unter keinen Umständen erteilt werden können, so würden dieselben in ihren 
Verschleißrechten mehr als jeder einfache Gewerbsmann beschränkt sein, da 
jeder Gewerbsmann das Recht habe, außer dem seinem Gewerbsbetriebe gewid- 
meten Lokal noch ein besonderes Verschleißgewölbe für den Absatz seiner 
Erzeugnisse zu halten, dagegen der eigentliche Fabrikant dieses direkten Mittels 
des Verkehrs beraubt und lediglich auf den Absatz im großen an Handelsleute 
beschränkt sein würde". Die Gewerbetreibenden und Handelsleute in der Stadt 
würden durch Erweiterung der Absatzrechte der Fabriken nicht leiden, da nur 
die bedeutenden Unternehmungen die Kosten einer eigenen Verschleißniederlage 
tragen können. Um für die Zukunft klare und bestimmte Normen zu schaffen, 
solle das Gubernium sich äußern : a) ob und welchen Gattungen von Fabrikanten 
für die Zukunft die Bewilligung zur Eröffnung von Verschleißgewölben außer 
dem Ort ihres Fabriksbetriebes und unter welchen Modalitäten zu erteilen 
sei ? h) Ob die Bewilligung hiezu nur auf die Provinzialhauptstädte zu beschrän- 
ken oder je nachdem es dem Interesse des Unternehmers zusagen würde, auch 
auf andere Orte auszudehnen sein dürfte ? c) Ob sie nicht nur den Inhabern 
von Fabriken, sondern auch solchen Gewerbsleuten, die sich über einen besonders 
ausgezeichneten Gewerbebetrieb ausweisen, auf ihr Ansuchen zu erteilen wäre ? 



1) A. d. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 29, Nr. 134 ex jul. 1832; Staatsrat 1832, Nr. 5453. 
Pol. Ges. Samml. (Patent vom 8. Dez. 1820). 



152 

d) Welcher Behörde die Macht zukommen solle, diese Bewilligung in erster 
Instanz zu erteilen, ob diese Befugnis der Landesstelle allein vorbehalten bleiben 
oder ob und inwiefern nicht auch den Ortsobrigkeiten ein bestimmter Einfluß 
zu gestatten sein dürfte'). 

Die Gutachten der Länderstellen liefen bald ein. Die niederösterreichische 
Regierung war für die Belassung des Zustandes, wie er durch die Entschließung 
vom 26. November 1829 geschaffen worden war, weil einerseits die Landes- 
fabriken größere Lasten tragen (bei der Besteuerung), anderseits aber durch 
Verleihung dieses Rechtes auch an andere Fabriken der Reiz der Landesfabriks- 
befugnis verloren gehen würde. Die oberösterreichische Regierung meinte, es 
solle dieses Recht auch den einfach Befugten und den Besitzern von Kommerzial- 
gewerben überhaupt zugestanden werden. Nur der Präsident Graf Ugarte 
befürchtete davon eine allzu große Vermehrung der Gewerbe. Das Tiroler 
Gubemium war der Ansicht, daß das Recht, Niederlagen zu halten, von Fall 
zu Fall auch einfach Befugten verliehen werden könnte, und zwar ohne Be- 
schränkung auf die Landeshauptstädte. Ebenso das steirische Gubernium, 
welches aber dieses Recht auch auf vorzügliche Gewerbsleute ausgedehnt wissen 
wollte. Das böhmische Gubernium meinte, daß im Falle der Ausdehnung dieses 
Rechtes auf die einfachen Fabrikanten und Gewerbsleute entweder die Erwerb- 
steuer für die Landesfabriken ermäßigt oder für die einfachen Fabriken und 
die Gewerbsleute erhöht werden müßte. Das Gubernium glaubte übrigens, daß 
eine solche Ausdehnung den Handelsstand schädigen wüi'de, weshalb ihm eine 
unbeschränkte Zuerkennung des Rechtes zur Errichtung von Niederlagen 
weder tunlich noch notwendig schien. Es sollte vielmehr von Fall zu Fall 
Erzeugern mit ausgedehntem Betriebe zugestanden werden, und zwar ohne 
Einschränkung auf die Landeshauptstädte. Das küstenländische Gubernium 
wollte dieses Recht auf alle bedeutenderen einfach Befugten, jedoch nicht auf 
die Gewerbsleute ausdehnen, und zwar ebenfalls ohne Beschränkung auf die 
Landeshauptstädte. Die mährisch-schlesische Landesstelle war für die Be- 
lassung des bestehenden Zustandes, die galizische für die Gestattung von Nieder- 
lagen für alle befugten Fabrikanten und Gewerbsleute ohne Einschränkung 
auf die Landeshauptstädte. 

Der Referent der Hofkammer, Anton von Krauß, faßte nun das Ganze 
zusammen, wobei er zugleich an einem geschichtlichen Überblicke der Ent- 
stehung des damaligen Rechtszustandes zeigte, wie die Staatsverwaltung schon 
bis dahin bestrebt gewesen war, „so wie sich infolge des bestehenden 
Handelssystems die Industrie in den österreichischen Staaten 
immer mehr und mehr zu entwickeln, aufzublühen und zu ver- 
breiten anfing, derselben die Mittel und Wege des Absatzes und 
Verschleißes zu erleichtern". Jetzt sollten die so allmählich entstandenen 
fragmentarischen Bestimmungen in ein systematisches Ganzes umgewandelt 
werden. Eine allgemeine und unbedingte Niederlagsfreiheit der Fabrikanten 
könne vor allem aus Rücksichten gegen den Schleichhandel nicht angetragen 



1) Statth. A. Prag, 1826—1835, Kom ., Fasz. 1, subn. 1, Hofkammerdekret v. 1. März 1831. 



153 

werden, weil es bedenklich wäre, Niederlagen an der Grenze zu gestatten oder 
Niederlagen von Fabriken, welche sich an der Grenze befinden, im Innern des 
Landes. Durch unbeschränkte Niederlagsfreiheit würde auch die bestehende 
Handelsverfassung umgestoßen werden, welche nicht jedermann den Betrieb 
des Handels erlaubt. Anderseits soll aber die Beschränkung der Landesfabriken 
auf Niederlagen in den Provinzialhauptstädten nicht aufrecht bleiben. Bei den 
übrigen Kommerzialgewerben wäre es aber ein Widerspruch, einerseits der 
Zahl dieser Gewerbe keine Schranken zu setzen, weil sie hauptsächlich für den 
Absatz außerhalb des Betriebsortes arbeiten, anderseits aber diesen Absatz 
durch Versagung des Niederlagsrechtes zu erschweren. Durch Gestattung 
von Niederlagen werde bei diesen der Betrieb erweitert und dadurch die Er- 
langung der Landesfabriksbefugnis erleichtert werden. Deshalb glaubte die 
Hofkammer folgende Grundsätze aufstellen zu können: 1. In jenen Orten und 
Provinzen, in welchen eine unbeschränkte Niederlagsfreiheit bereits gesetzlich 
besteht, hat es dabei zu bleiben. 2. Wo eine solche Freiheit nicht besteht, wird 
das Recht, Niederlagen, sei es in der Provinzialhauptstadt oder auch an anderen 
Orten außerhalb des Ortes ihres Fabriksbetriebes, im Inlande zu eröffnen, 
in der Regel nur den k. k, privilegierten Landesfabriken und den Inhabern 
ausschließender Privilegien für die eigenen Erzeugnisse derselben vorbehalten. 

3. Von diesem Rechte sind nur jene Niederlagen ausgenommen, welche im 
Umfang einer Meile von der ausländischen Grenze mit Artikeln 
eröffnet werden wollen, für deren Verfertigung und Verschleiß in diesem Um- 
fange keine neue Unternehmung ohne besondere Konzession von der Hofkammer 
errichtet werden darf, femer jene Niederlagen, welche in diesem Umfange bereits 
bestehende, dieselben Artikel verfertigende Landesfabriken im Innern der 
Monarchie etwa zu errichten beabsichtigen sollten, endlich jene, welche von 
wem immer an solchen Orten und mit solchen Artikeln eröffnet werden wollten, 
hinsichtlich deren ausschließende Privatrechte gesetzlich bestehen und durch 
Errichtung solcher Niederlagen Eingriffe in diese Rechte stattfinden würden. 

4. Außerdem haben die k. k. privilegierten Landesfabriken und die Inhaber 
ausschließender Privilegien ^ur Errichtung von Niederlagen jener Artikel, zu 
deren Verfertigung und Verschleiß sie nach ihren Privilegien berechtigt sind 
und welche auch wirklich von ihrer Unternehmung verfertigt werden, an 
allen Orten, wo sie es ihrem Vorteile zusagend finden, keine 
andere Förmlichkeit zu beobachten als die Anmeldung bei der Ortsobrigkeit. 

5. Die Inhaber von einfachen Fabriksbefugnissen sowie diejenigen, welche 
Gewerbe betreiben, dürfen unbeschadet des ihnen gesetzlich zustehenden 
Rechtes des Verschleißes ihrer Erzeugnisse bei Hause und in einem Verschleiß- 
gewölbe an dem Ort ihres Fabriks- oder Gewerbebetriebs außer diesem Ort 
in der Regel keine Niederlagen im Inland errichten. 6. Dessenungeachtet 
wird es denjenigen Fabrikanten und Kommerzialgewerbsleuten, welche sich 
über eine größere Ausdehnung ihres Fabriks- oder Gewerbebetriebes, über eine 
größere Anzahl arbeitender Hände, die sie beschäftigen und über die Preis- 
würdigkeit ihrer Erzeugnisse hinreichend auszuweisen vermögen, freistehen, 
bei jener Landesstelle, in deren Bezirk sie an dem einen oder anderen Ort eine 



154 

Niederlage eröffnen wollen, das Ansuchen darum zu stellen, 7. Die Landes- 
stelle wird nach einer genauen Untersuchung über den Zustand der Fabriks- 
oder Gewerbsunternehmung und nach Befund der erhobenen Verhältnisse 
mit Vorbehalt des Rekurses an die Hofkammer über das gestellte Ansuchen 
zu entscheiden haben, 8, Es versteht sich von selbst, daß bei Erteilung dieser 
Begünstigung alle jene Ausnahmen zu gelten haben, welche unter 3. hinsichtlich 
der Landesfabriken und Privilegieninhaber angeführt worden sind. 9. Die- 
jenigen Fabrikanten und Gewerbsleute (mit Ausnahme der landesbefugten 
Fabriken), welchen die Begünstigung der Errichtung einer Niederlage außerhalb 
des Ortes ihres Fabriks- oder Gewerbebetriebes zuteil wird, haben a) jede 
Niederlage besonders zu versteuern; V) sich jeden Eingriffes in die Rechte des 
Handelsstandes, folglich jeden unbefugten Verschleißes fremder Erzeugnisse 
in ihren Niederlagen zu enthalten; c) im Falle einer Überschreitung ihrer Befugnis 
die Entziehung des Niederlagsrechtes zu gewärtigen. 

Die Hofkanzlei, die um ihre Meinung befragt wurde, hob hervor, daß die 
Beurteilung dieser Frage nicht in ihren Wirkungskreis falle, da die vorgeschla- 
genen Bestimmungen füi* Folizeigewerbe (die der Hofkanzlei unterstanden) 
nicht in Betracht kommen. Nur wünschte sie, da die Judensachen zu ihrer 
Kompetenz gehörten, noch den Zusatz: 10, Es versteht sich von selbst, daß in 
Fällen, wo Niederlagen von Israeliten errichtet und durch Israeliten be- 
trieben werden wollen, die über die Ansässigmachung und den Aufenthalt der 
Israeliten bestehenden Vorschriften zu beobachten sein werden. Die Hofkammer 
erklärte sich mit diesem Zusatz einverstanden. 

Der ganze Plan war inzwischen, offenbar durch Vorstellungen seitens der 
Handelsleute, zu Ohren des Kaisers gelangt, welcher infolgedessen durch Hand- 
schreiben vom 16, August 1832 befahl, in dieser Sache nichts ohne seine vor- 
herige Genehmigung zu verfügen. Darauf erstattete die Hofkammer unter dem 
24, August den Vortrag, in welchem sie die angeführten Vorschläge wegen ein- 
heitlicher Regelung des Niederlagsrechtes zur Genehmigung antrugt). 

Während sich die Hofkammer der nach den damaligen Verhältnissen 
größtmöglichen Liberalität zu nähern suchte, zeigte die Beratung im Staats- 
rat ein anderes Bild, Der Referent Baron Knorr war gegen jede Änderung des 
bestehenden Zustandes, da sich gerade die industriereichsten Länderstellen 
in diesem Sinn ausgesprochen hatten. Er meinte, die Hofkammer scheine, 
wie bei den Verhandlungen über die Grenzlinie zwischen Polizei- und Kom- 
merzialge werben, auch hier zu beabsichtigen, durch einzelne Änderungen in 
der bestehenden Gewerbelegislation sich dem System der Gewerbe- 
freiheit mehr zu nähern. Dabei sei jedoch zu besorgen, daß die Gewerbe- 
gesetzgebung, da sie ein Ganzes bildet, immer lockerer, verwirrter und zuletzt 
der Willkür preisgegeben würde. So wünschenswert es auch sei, daß das Gewerbe- 
wesen von allem unnötigen Zwange befreit und sämtliche Bedingungen zur 
Erlangung von Gewerben derart festgesetzt würden, daß beim Vorhandensein 



1) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 134 ex jul., 191 ex aug. 1832; Staatsrat 1832, 
Nr. 5453. 



155 

derselben jeder zur Gewerbeausübung berechtigt wäre, so müßte doch eine 
solche Änderung in der bestehenden Gewerbe Verfassung in ihrem ganzen Um- 
fang aufgefaßt werden. Teilweise Aufhebungen der bestehenden Bestimmungen 
sollten, weil Lücken im Ganzen entstehen würden, nicht stattfinden. Auf dem 
entgegengesetzten Standpunkte stand Staatsrat Baron Kübeck, welcher 
für den Antrag der Hofkammer eintrat. Dabei führte er aus : „Ob die allgemeine 
Hofkammer schon Versuche gemacht habe, durch abgerissene Verfügungen zu 
dem System der Gewerbsfreiheit zu gelangen, ob sie überhaupt einen solchen 
Zweck, und zwar gegen allerhöchste Absichten in verdeckten Wegen verfolge^ 
ist mir unbekannt. Ich gestehe, daß jede Waffe der Argumentation, welche 
die nicht offen erklärte Absicht einer Meinung angreift, die Diskussion auf 
einen ungleichen Boden stellt und meinem Gefühle widerstreitet. In den hier 
vorgeschlagenen Maßregeln könnte ich, nach meiner beschränkten Ansicht, 
einen solchen Versuch nicht wahrnehmen. Weit entfernt, darin einen Schritt 
zu dem System der Gewerbsfreiheit, wie ich sie nämlich verstehe, zu finden, 
würde ich vielmehr in ihnen vorzüglich die Grundlage aus einem zu beschrän- 
kenden Gesichtspunkte aufgefaßt glauben. Offenbar gehen die Hofstellen von 
der Maxime aus, daß unmittelbare Absatzanstalten der eigenen Gewerbs- 
erzeugnisse nicht in dem Umfange der Rechte des Gewerbsbefugnisses liegen, 
sondern ausnahmweise der Gegenstand besonderer, nur einigen Gewerbsklassen 
eingeräumter Rechte oder besonders zu erwirkender Befugnisse sei, die an neue 
eigene Bedingungen gebunden sind. Ich verhehle es nicht und habe es auch 
bereits bemerkt, daß ich die entgegengesetzte Maxime für die richtigere halte, 
ohne mich darum für einen Vertreter der Gewerbsfreiheit in jenen Provinzen, 
wo sie nicht gesetzlich besteht, zu halten." „Man sollte glauben, daß die Regel 
gelten müsse: jedem Fabriks- und Gewerbsunternehmer stehe es frei, sein 
eigenes Fabrikat, wo und wie er kann, so vorteilhaft als möglich abzusetzen. 
Der Absatz ist der Zweck und das Bedingnis der Fortdauer eines Gewerbes. 
Mit dem Befugnisse zu einem Gewerbe scheint es, müsse ihm also auch das 
Recht des freien Absatzes seiner Gewerbserzeugnisse gegeben sein." Da manche 
Einschränkungen notwendig seien, so wäre der richtige Standpunkt der Gesetz- 
gebung, die Regel vorauszusetzen und nur die Ausnahmen positiv zu bestimmen. 
Die bestehenden Gesetze seien aber so abgefaßt, als ob der umgekehrte Satz 
gälte. Er schloß seine Ausführungen mit den Worten: ,,Wenn ich den vor- 
geschlagenen Maßregeln gleichwohl zustimme, so geschieht es, weil ich ihren 
Gang den bisherigen Schritten der Regierung analog finde als eine folgerechte 
Durchführung nicht einer selbst geschaffenen Theorie, sondern der von der 
Regierung angenommenen und durch die ganze Gewerbsgesetzgebung ver- 
zweigten Grundsätze." Die Ansicht Knorrs erhielt dennoch die Mehrheit, für 
diejenige Kübecks setzten sich nur noch zwei Stimmen ein, darunter Erzherzog 
Franz Karl. Im Sinne der Mehrheit erfloß denn auch unter dem 6. April 1835 
die Entschließung Kaiser Ferdinands des Inhalts: „Der Gegenstand dieses 
Vortrages ist bei der mit dem Kabinettschreiben vom 4. Februar 1835 angeord- 
neten Bearbeitung eines neuen Gesetzes über die Behandlung der Gewerbs- 
angelegenheiten aufzunehmen und mir mit den diesfalls zu erstattenden Vor- 



156 

schlagen gutachtlich vorzulegen." Damit wurde die Erledigung dieser Frage 
mit der Ausarbeitung eines neuen allgemeinen Gewerbegesetzes verknüpft 
und dadurch auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben^). 

In der Zwischenzeit von 1832 bis 1835 bewegten sich die Entscheidungen 
der Hofkammer in dieser Angelegenheit immer im Sinne der größtmöglichen 
Freiheit. So wurde das böhmische Gubernium durch Dekret vom 19. April 
1834 einstweilen belehrt, daß durch die Hofverordnung vom 24. Dezember 1817, 
welche nur „vorübergehend und im allgemeinen" von dem als Regel bestehenden 
Rechte der Landesfabriken, in allen Provinzialhauptstädten nach vorläufiger 
Anmeldung bei der Landesstelle Niederlagen zu errichten, spreche, die früheren 
Bestimmungen der Hofverordnung vom 18. Mai 1786 und der Verfügung vom 
9. Februar 1813, wonach dieses Recht ohne Beschränkung auf die Provinzial- 
hauptstädte gelte, nicht widerrufen worden seien^). Ebenso wurde das mährisch- 
schlesische Gubernium anläßlich eines Rekurses am 12. September 1834 dahin 
unterrichtet, die Hofverordnung vom 24. Dezember 1817 gehe überhaupt vom 
Geiste der größtmöglichen Begünstigung des Absatzes der Fabriken aus und 
erwähne mit keinem Worte, daß die 1786 erlassene Bestimmung widerrufen sei. 
Es könne mithin auch der Sinn der erwähnten Verordnung von 1817 um so 
weniger in einer beschränkenden Auslegung verstanden werden, als der Zustand 
der Industrie und alle Verhältnisse sich seit 1786 dermaßen geändert haben, 
daß es im kommerziellen Interesse der Monarchie liege, den Absatz der erb- 
ländischen Fabriken noch viel mehr zu begünstigen als zu beschränken'). 

Auch nach der allerhöchsten Entschließung vom 6. Aprü 1835 ging die 
Hofkammer im selben Sinne vor. So belehrte sie anläßlich eines Rekurses 
durch Hofdekret vom 25. Februar 1839 die niederösterreichische Regierung, 
den landesbefugten Fabriken stehe das Recht zu, nicht nur in den Landes- 
hauptstädten, sondern überall, wo sie es ihrem Vorteile entsprechend finden, 
Niederlagen zu halten^). 

Es kann nicht wundernehmen, daß sich viele Länderstellen über den tat- 
sächlichen Rechtszustand in dieser Angelegenheit nicht auskannten. Die durch 
den Vortrag vom 24. August 1832 von der Hofkammer beabsichtigte Verein- 
heitlichung der diebezüglich geltenden Grundsätze wurde vereitelt und es 
blieben somit die zahlreichen seit den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts 
erflossenen Verfügungen, die nicht selten untereinander in Widerspruch standen, 
auch weiterhin in Kraft. Die Hofkammer bemühte sich, durch zahlreiche in 
RekursfäUen getroffene Entscheidungen die Länderstellen über die Bedeutung 
eines möglichst ausgedehnten und unbeschränkten Absatzes für die Entwicklung 
der Industrie zu belehren und zu einer liberalen Handhabung der Bestimmungen 
über die Niederlagsrechte zu ermahnen. Der Erfolg bestand denn auch darin, 
daß, wie aus den obigen Ausführungen zu entnehmen ist, den industriellen Unter- 



1) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 28 ex apr. 1834; Staatsrat 1832, Nr. 5453. — 
=') Statth. A. Prag, 1826—1835, Kom., Fasz. 1, subn. 1, Hofkammerdekret v. 19. Aprü 1834. 
— *) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 52 ex sept. 1834. — *) Statth. A. Wien, Nor- 
malien, A. 17, Nr. 14550. 



157 

nehmungen die Absatzmöglichkeit: durch Haltung von Niederlagen, wenn auch 
nicht rechtlich, so doch tatsächlich in weitem Maße gewährt wurde. Zur Be- 
förderung des größtmöglichen Absatzes im Inlande durch Haltung von Nieder- 
lagen hatte sich somit die Kommerzialleitung alles zuzugestehen bemüht, was 
ohne allgemeine Gewerbefreiheit erreichbar war. 

VII. Kapitel. 
Geschichte des gewerblichen Unterrichtswesens. 

Solange das Gewerbe eine rein handwerksmäßige Beschäftigung war und 
nur für den Lokalbedarf arbeitete, die Zunftverfassung anderseits den Meistern 
den Nahrungsstand sicherte, blieb der technische Betrieb in den althergebrachten 
Formen, welche sich die Lehrjungen und Gesellen auf empirischem Wege 
während ihrer Lehr- und Dienstjahre aneignen mußten. Da ein Streben nach 
möglichster Ausdehnung der Produktion nicht vorhanden war und es auch 
nicht gut sein konnte, blieb auch die Betriebstechnik jahrhundertelang immer 
auf derselben Stufe der Vollkommenheit oder besser der UnvoUkommenheit. Das 
Bedürfnis nach eigenen gewerblichen Unterrichtseinrichtungen war damals noch 
nicht vorhanden. Als jedoch mit dem Fortschreiten der theoretischen Chemie 
und Mechanik allmählich auch die chemische und mechanische Technologie 
sich der wissenschaftlichen Errungenschaften bemächtigten, als anderseits 
die Lockerung der Zunftverfassung die Produktion von ihren Fesseln teilweise 
befreite und die ausgedehntere Produktion und die sich bessernden Verkehrs - 
Verhältnisse den Absatz vom lokalen Bedarf immer unabhängiger machten, 
da reifte bald die Einsicht, daß die neuen Betriebsmethoden den älteren an 
Leistungsfähigkeit weit überlegen waren. 

Die Staatsverwaltungen, die seit Colbert es auf kommerziellem Gebiete 
für ihre oberste Pflicht hielten, den Ausfluß des Geldes durch möglichste Ver- 
vollkommnung und Ausdehnung der heimischen Produktion zu hemmen, er- 
griffen, von der richtigen Ansicht ausgehend, daß vollkommenere Betriebs- 
methoden, sich selbst überlassen, sich nur sehr langsam verbreiten, selbst die 
Initiative, um durch qualitative und quantitative Hebung der inländischen 
industriellen Erzeugnisse die staatliche Handels- und Zahlungsbilanz möglichst 
günstig zu beeinflussen. 

Fremde geschickte Arbeiter und Fabrikanten wurden schon im Mittelalter i. Gewerb- 
öfters ins Inland berufen, um neue Fabrikationszweige einzuführen. Dies'^'"^^"^"^^' 
dauerte im 18. und auch im 19. Jahrhundert fort. So wurden unter Maria fremde und 
Theresia zur Verbesserung der Tuchfabrikation in Böhmen Niederländer und inländisch« 
Italiener berufen und ihnen zahlreiche Begünstigungen erteilt. Zur Vervoll- ^^pabritoiT- 
komnmung der Tuchfärberei und Appretur wurde ein Schönfärber aus Frank- ten" mit 
reich mit einem jährlichen Gehalte zum Unterrichte von Landeskindern be- »taatwo»»« 
stellt. Ebenso wurde mit Zuerkennung eines jährlichen Gehaltes zur Ver- gj^^,^. 
besserung der Färberei und Zurichtung der Wollenzeuge ein Appreteur aus 
England berufen. Zu demselben Zwecke kamen ins Land Glasfabrikanten 
aus Ferrara, schlesische Bleicher zur Verbesserung der Leinenbleicherei, 



158 

schweizerische Appreteurs und ausländische Blattbinder. Die meisten bezogen 
einen jährlichen Gehalt vom Staate. Zur Vervollkommnung der Papierfabri- 
kation, namentlich des Packpapiers, wurde ebenfalls unter Maria Theresia 
ein ausländischer Papiermacher gewonnen^). Zur Verbesserung der Seiden- 
industrie wurden französische Meister berufen und es wurden ihnen gegen die 
Verpflichtung, möglichst viele Lehrjungen auszubilden, bedeutende staatliche 
Zuwendungen zuteiP). 

Unter Kaiser Josef wurde es nicht anders. Zahlreiche fremde ,, Fabrikanten" 
wurden durch große Geldunterstützungen, Vergütung der Keisekosten, Zu- 
sicherung der Freizügigkeit und Freiheit von der Reknitierung und anderem 
bewogen, ins Inland zu übersiedeln, wo ihnen sodann noch Lehrlingsbeiträge 
für jeden Lehrling, der die Fabrikation vollkommen erlernte, verliehen wurden. 
Auf diese Weise Suchte die Staatsverwaltung mit Hilfe inländischer und 
fremder geschickter Fabrikanten auch weiterhin am Ende des 18. und in den 
ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die inländische Produktionstechnik 
zu vervollkommnen. So erhielt z. B. im Jahre 1803 Josef Eberhartseder zu 
Linz für die Ausbildung zweier Lehrlinge in der Erzeugung von „Kartatschen", 
welche damals meist aus dem Auslande bezogen werden mußten, die Zusiche- 
rung eines Betrages von je 200 fl.^). Der Feilenfabrikant Wilhelm Bock zu 
Waidhofen a. Y. erhielt 1817 vom Kaiser eine Belohnung von 5000 fl., und zwar 
2000 fl. sofort, während er sich für die übrigen 3000 fl. verpflichten mußte, 
sechs Lehrlinge in allen seine Kunst betreffenden Gegenständen auszubilden*). 
Um dieselbe Zeit wurden in der Tuchscherfabrikation bewährte holländische 
Meister berufen, um in Steyr auf Staatskosten die Tuchscherfabrikation, 
welche im Inlande noch nicht genügend ausgebildet war, zu betreiben und 
Lehrlinge auszubilden^). Ebenso wurde, um die Einfuhr ausländischer Preß- 
späne entbehrlich zu machen, ein in den Niederlanden ausgebildeter Tuch- 
spänmacher verpflichtet, in der Rannersdorfer Ärarialpapierfabrik auf Staats- 
kosten gegen ein Taggeld und eine Remuneration von 1200 fl. C. M. drei Indi- 
viduen in diesem Fabrikationszweige zu unterweisen*). Wenn auch alle diese 
Maßnahmen nicht gerade den gewünschten Erfolg zeitigten, so muß der gute 
Wille der Staatsverwaltung doch nach Gebühr gewürdigt werden. 
IL Aiige- Ein zweites von der Staatsverwaltung oft angewendetes Mittel zur Ver- 

""y^^^^^^^^^besserung der Qualität der inländischen Produktion waren Belehrungen, deren 
lehrungen Berücksichtigung teilweise sogar erzwungen wurde. 

und An- gQ regelten die verschiedenen Papiermacherordnungen (für Mähren 1754, 

*'1^^yIj" für Böhmen 1756) genau den Produktionsprozeß nach dem damals neuesten 
beesening Stande der Technik, ordneten die genaue Befolgung dieser Vorschriften an und 
und Ans- bestimmten für den Fall ihrer Nichteinhaltung empfindliche Strafen. So be- 
der Pro- Stimmte die Papiermacherordnung vom 5. Mai 1756 für Böhmen: „diese Pro- 
duktion, fessionsordnung soll auf das genaueste beobachtet, die dargegen handelnden 
Meister das erstemal mit einem vierwöchentlichen Arreste, das andere Mal mit 



1) Kopetz, a. a. 0., II, 59 f. — ") Vgl. S. 386. — ') H. K. A. Korn. N.-Ö., Fasz. 72, 
Nr. 3 ex febr. 1803. — *) Vgl. unten S. 443. — ») Vgl. S. 194, 320. — •) Vgl. unten S. 320, 425. 



159 

gänzlicher Benehmung des Meisterrechtes, die Gesellen aber ohne Ausnahme 
als Rekruten abzugeben, und wenn er dazu nicht tauglich, aus allen Erblanden 
auf ewig abgeschafft werden"^). 

Ähnlich regelte das ganze technische Verfahren auch die Schleierfabri- 
zierungsordnung vom 31. Oktober 1755 sowie die Tuchmacherordnung vom 
24. August 1758 für Böhmen^). Im Jahre 1751 wurde die Manufakturordnung 
für Seidenzeuge erlassen, 1763 die Samtqualitätenordnung^). Die Zahl solcher 
Qualitätenordnungen ist im ganzen sehr groß. Man übersah dabei unter Maria 
Theresia, daß diese starren Ordnungen nur für den Augenblick vielleicht fördernd 
wirken, mit der Zeit aber ein lästiger Hemmschuh werden und die Weiter- 
entwicklung der Industrie geradezu unterbinden mußten. Das Schicksal dieser 
Ordnungen war denn auch, daß sie allmählich in Vergessenheit gerieten und 
nur wenige von ihnen am Ende des 18. und im 19. Jahrhundert ausdrücklich 
außer Kraft gesetzt wurden*). 

Die Nachfolger Maria Theresias griffen nicht mehr zu so radikalen und 
problematischen Anordnungen, bemühten sich aber dennoch, auf ähnliche Art 
der Industrie behilflich zu sein. 

Im Jahre 1782 kaufte die Regierung von einem türkischen Färber das 
„Arcanum" der türkischen Garnfärberei, um die Methode den Fabriksinhabem 
mitzuteilen, welche sich mit der Erzeugung solcher Waren beschäftigten, welche 
Mitteilungen in den Jahren 1791, 1792 und 1794 wiederholt wurden^). 

Auch späterhin wurden über staatliche Anregung und auf ärarische Kosten 
vielfach Belehrungen über neue Industriezweige und Betriebsarten verfaßt 
und verbreitet. So wurde 1799 ein Unterricht über die Kultur des Saflors 
verfaßt und verbreitet, um den Anbau dieser wichtigen Farbpflanze zu fördern^). 
Im Jahre 1811 ordnete der Kaiser an, daß die Fischersche Methode der Zucker- 
erzeugung aus Runkelrüben auf Staatskosten veröffentlicht werde^). 1812 
erschien in den Vaterländischen Blättern ein ausführlicher Aufsatz über den 
Anbau der Runkelrüben und die Erzeugung von Zucker aus denselben von 
Hofrat J. Chr. Waickardt „auf unmittelbaren allerhöchsten Befehl Seiner 
Majestät eingerückt"^). Die 1810 erschienene Schrift von C. Böhringer über 
die Zuckererzeugung aus dem Safte des Ahornbaumes wurde von der Hof- 
kammer an die LändersteUen zur Verteilung versendet^) und im Jahre 1812 
ließ die niederösterreichische Regierung auf Befehl Seiner Majestät durch 
Professor Franz Schmidt eine Abhandlung über die Kultur der Ahornbäume 
verfassen^"). 1814 wurde eine Abhandlung des Abtes Mitterspacher über die 
Zuckerfabrikation aus dem Safte der Maisstengel und des Ahorns den Länder- 
stellen übersendet, damit die Verteilung derselben „nur an solche Individuen 
geschehe, von denen man mit Grund vermuten kann, daß sie wirklich einen 
nützlichen Gebrauch davon machen werden"^^). Um den Flachsbau zu befördern. 



») A. d. Min. In. V, G. 5, Karton 2925. — ^) Kopetz, a. a. 0., II, 60 f. — ") Vgl. unten 385 f. 

— *) Vgl. Barth, a. a. 0., 131 ; auch unten S. 275 ff., 322 ff., 369 f., 385, 387, 390 f., 515 ff. 

— ») Kopetz, a. a. 0., II, 61. — •) Vgl. unten S. 557. — ') Siehe unten S. 581. — «) Siehe 
unten S. 583. — •) Siehe unten S. 586 f. — ") Siehe unten S. 588. — ") Siehe unten S. 589. 



160 

wurde der zu Anfang des 19. Jahrhunderts auf Veranlassung der Prager patrio- 
tisch-ökonomischen Gesellschaft verfaßte Unterricht über den Flachsbau auf 
kaiserlichen Befehl durch die Kreisämter an die Obrigkeiten und Untertanen 
unentgeltlich verteilt^). 

Auch wurden die Jahrbücher des polytechnischen Instituts zu solchen 
Belehrungen und Ermunterungen benutzt^). Als seit dem vierten Jahrzehnt 
Gewerbe vereine entstanden, übernahmen sie diese Seite der Aufklärung selbst 
und betätigten sich hierin durch eigene Publikationen und gewerbliche Zeit- 
schriften sehr erfolgreich. 
III. „Unter-. Die Sogenannten Spinn- und Webschulen, welche in der Zeit Maria Theresias 
rieht in Be-gjj^g^g^jj^gjj^ hatten vor allem den Zweck, diese Beschäftigungen, welche der 
gm, welche Landbevölkerung einen Nebenverdienst sicherten, zu verbreiten und dadurch 
als Neben- anderseits auch für die industriellen Unternehmer möglichst zahlreiche und 
mwsta^nd ^illigß Arbeitskräfte (Kinder) auszubilden. Durch Hofreskript vom 22. Februar 
der unteren 1755 wurdc zucrst auf die Errichtung von Spinn- und Webschulen in Böhmen 
Klassen zu gedrungen. Es sollten die Spinner in der Verfertigung besserer Gespinste, 
*ai8 wohi^ ^iß Weber in der Herstellung schweren Kommerzlinnens und feiner gezogener 
feile Vor- Waren unterrichtet werden. Im Jahre 1764 wurden die böhmischen Magistrate 
arbeiten den ^jj(j Dominicn durch einen besonderen Erlaß zur Errichtung von Spinnschulen 
und Manu- aufgemuntert und 1765 wurde ein eigenes Spinnschulpatent für sämtliche 
fakturen zu Österreichischen Provinzen erlassen, nach welchem in allen landesfürstlichen 
^tr°ef^ Städten und Märkten Spinnschulen in Flachs, Hanf, Wolle und Baumwolle 
waren'"), dcu Winter über auf Kosten der Gemeinde erhalten werden sollten. Der Besuch 
derselben wurde den des Spinnens unkundigen Kindern der Professionisten 
und Handwerker vom 7. bis zum 15. Lebensjahre zur Pflicht gemacht, die 
Eltern und Vormünder wurden verhalten, bei Strafe darüber zu wachen. Durch 
Ferdinand Kindermann wurden diese Industrieschulen mit den Volksschulen 
verbunden und nahmen seitdem rasch zu. 1787 gab es ihrer in Böhmen über 100, 
1790 schon 232*). Die Staatsverwaltung verlieh an die Schüler Geldbeiträge 
aus der Kommerzialkasse, den Lehrern, Obrigkeiten und magistratischen 
Beamten, welche sich dabei besonders eifrig betätigten, Prämien von 50 bis 150 fl. 
Im Jahre 1797 wurde so den Beamten, Schullehrern und Dorfrichtern, 
welche die Wollspinnerei mit gutem Erfolge verbreitet haben würden, besondere 
Belohnung und Entschädigung für die aufgewendete Mühe zugesagt^). 

Es darf jedoch nicht übersehen werden, daß dieser Spinnunterricht nicht 
gerade die Vervollkommnung der Technik und somit der Qualität der gewerb- 
lichen Produktion bezweckte oder erreichte. Der Zweck dieser Industrieschulen 
war vielmehr, der Industrie billige Arbeitskräfte, womöglich Kinder, zu ver- 
schaffen, wie ja überhaupt die theresianisch-josefinische Schulpolitik in der 
Kinderarbeit eine wünschenswerte und nützliche Einrichtung sah*). So hatten 
denn auch die Kommerzkonsesse dafür zu sorgen, daß den Fabriken und Meister- 



^) Siehe unten S. 359. — «) Kopetz, a. a. 0., II, 61. — ») Kopetz, a. a. 0., II, 52. — 
*) Klimburg, Die Entw. des gew. Unterrichtsw. in Ost. 1—15. — ^) Kopetz, a. a. 0., II, 54 f. 
— «) Mises in Ztschr. f. Volksw., Sozialpol. und Verw. XIV, S. 209 ff. 



161 

Schäften aus diesen Schulen „die zu ihren Manufakturen tauglichsten Spinner" 
zugewiesen werden"^). Diese Schulen konnten somit nur die Spinnerei und 
Weberei unter der Landbevölkerung verbreiten, welche von den großen Unter- 
nehmungen mit Arbeit verlegt wurde. Seit dem Aufkommen und Überhand- 
nehmen der Maschinen, namentlich der Spinnmaschinen, mußten diese 
Schulen immer mehr an Bedeutung verlieren. 

Dasselbe Ziel der Schaffung einer Nebenverdienstquelle hatten auch die 
unter Maria Theresia und später unter Kaiser Franz I. zu Anfang des 19. Jahr- 
hunderts mit großen Kosten seitens des Staates errichteten und mehrere Jahre 
erhaltenen Spitzenunterrichtsanstalten. Dadurch wurde dieser Beschäftigungs- 
zweig stark verbreitet und die Organisierung wahrer Großbetriebe durch kapitals- 
kräftige Verleger („Fabrikanten"), namentlich in Nordböhmen, ermöglicht. 
Die erste dieser Klöppelschulen nach niederländischer Art wurde 1768 auf 
Staatskosten in Prag gegründet und von einer Meisterin aus Brüssel geleitet, 
die zweite wurde 1805 von Charlotte van der Cruyce als staatliche Anstalt in 
Wien ins Leben gerufen, 1814 nach Prag verlegt und 1822 aufgehoben, nachdem 
sie der Staatskasse sehr viel gekostet und der Erfolg den aufgewendeten Opfern 
bei weitem nicht entsprochen hatte^). 

Für viele Industriezweige waren geschickte Zeichner unentbehrlich. Dies iv. Manu- 
gilt namentlich für die Textilindustrie (Druckerei), aber auch für andere, wie J*^^"^. 
die Glas- und Porzellanfabrikation u. a. m. schulen. 

Die erste Manufakturzeichenschule wurde im Jahre 1758 in Wien vom 
Staate errichtet, auf Anregung des Fürsten Kaunitz, damaligen Botschafters 
am französischen Hofe. Sie war die erste gewerbliche TJnterrichtsanstalt Öster- 
reichs, welche die Vervollkommnung der heimischen Industrie zum Ziele hatte, 
wenn sie auch nur ein beschränktes Gebiet umfaßte. Im Jahre 1786 wurde 
sie mit der Akademie der bildenden Künste vereinigt. Sie erfreute sich eines 
starken Besuches; 1814 war sie an Wochentagen von 230, an Sonntagen von 
332 Schülern besucht^). Seit der Vereinigung mit der Akademie der bildenden 
Künste bildete sie eine eigene Abteilung derselben. Die Akademie selbst bestand 
seitdem aus vier Abteilungen: 1. Die Schule der Maler, Bildhauer, Kupferstecher 
und der Mosaik; 2. die Schule der Architektur; 3. Die Schule der Graveure; 
4. die Schule der Anwendung der Kunst auf Manufakturen (hauptsächlich für 
Kunstweberei und Feinkunstdruckerei)*). 

Kaiser Josef warnte vor bloßer Theorie und suchte dem Zeichenunterricht 
eine praktische Unterlage zu geben. Ein Hofdekret vom 7. Juli 1783 bestimmte, 
„daß in den Zeichenschulen den Knaben vorzüglich die Anleitung zur Ab- 
zeichnung geometrischer Figuren, des Laub- und Schnitzwerks zu geben sei, 
als welcher Unterricht ihrer künftigen Bestimmung zu Handwerkern oder 
Kotton-, Zitz- und Leinwanddruckfabrikanten weit mehr entspreche als das 
Zeichnen von Menschen, Tieren und Landschaften"^). 



1) Kopetz, a. a. 0., II, 55. — ^) Vgl. unten S. 362 ff. — ") Klimburg, a. a. 0. 1—15 ; H. K. A. 
Koro. Kammer, Fasz. 56, Nr. 58 ex majo 1814. — *) Statuten f. d. öst. kais. Ak. d. vereinigt, 
bild. Künste (1812) in Vaterl. Blätter 1813, Nr. 18. — *) Klimburg, a. a. 0. 15 ff. 

Slokar, Geechiehte der österr. Industrie. H 



162 

Immer mehr drang die Erkenntnis durch, daß das gewerbliche Bildungs- 
wesen eine der Grundbedingungen für den industriellen Fortschritt ausmache. 
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts schrieb ein genauer Kenner der industriellen 
Verhältnisse (Demian): „Überhaupt sind Kenntnisse, besonders aber gründ- 
liche, nicht oberflächliche Manufakturkenntnisse, eines der wesentlichsten 
Stücke bei jeder Art von Manufaktur. Fehlen diese, dann kann man mit voller 
Sicherheit behaupten, daß sich das Manufakturwesen in dem Lande nie zu 
einem hohen Grade der Vollkommenheit emporarbeiten werde, besonders in 
jenen, wo Geschmack mit der Kunst, wie bei den Seidenmanufakturen, Hand 
in Hand gehen muß''^). 

Schon unter Maria Theresia wurde an den Normal- und Hauptschulen 
auf die Vorbereitung für das Gewerbe besondere Rücksicht genommen (Schul- 
ordnung vom 6. Dezember 1774) und seit Josef IL dabei besonders auf den 
Zeichenunterricht Gewicht gelegt, soweit er für das Gewerbe unentbehrlich 
ist (Hofdekret vom 18. September 1782). Aber auch später wurde dies nicht 
aus dem Auge gelassen. In den meisten Hauptschulen der Monarchie wurde 
Unterricht im Zeichnen regelmäßig auch an Sonn- und Feiertagen erteilt, damit 
die Lehrjungen und Gesellen derjenigen Gewerbe, bei welchen die Zeichenkunst 
zur Vervollkommnung ihrer Arbeiten notwendig ist, in den Stand gesetzt werden, 
denselben zu besuchen (Verordnung in Prag vom 12. April 1799), und nach dem 
Schulplane vom 10. Februar 1804 war das für die meisten „Künstler und Pro- 
fessionisten" unentbehrliche Zeichnen ebenso wie die Geometrie, Mechanik, 
Naturgeschichte und Physik nach dem Bedürfnisse des Gewerbsmannes zum 
Unterrichte vorgeschrieben. Im Jahre 1808 wurde in Erwägung der Wichtigkeit 
des Zeichnens für Fabriken, Künste und Handwerke eine eigene Direktion 
des Kunstfaches sämtlicher mit den Volksschulen vereinigten Zeichnungs- 
klassen aufgestellt, um eine gleichförmige Organisation und Leitung dieses 
Lehrfaches zu sichern (Allerhöchste Entschließung vom 4. September 1808). 
Für besonders gelungene Zeichnungen wurden aus dem Normalschulfonds 
Prämien bewilligt (Allerhöchste Entschließung vom 23. März 1821)^). 

In der richtigen Erkenntnis der Wichtigkeit des Zeichenunterrichtes 
wurden später noch zahlreiche selbständige Manufakturzeichenschulen er- 
richtet. So zunächst eine in Verbindung mit dem 1811 ins Leben gerufenen 
Joanneum in Graz. Der böhmische Gewerbeverein errichtete in Prag eine 
Zeichenschule, die täglich offen gehalten wurde. Der 1837 ins Leben 
gerufene innerösterreichische Gewerbeverein gründete Zeichenschulen in Graz 
(wo sie sich an die am Joanneum anschloß), Klagenfurt, Laibach, Steyr 
und Linz^). Im Jahre 1837 entstand in Wien ein eigener Verein „zur Be- 
förderung der Manufakturzeichnung"*) und 1843 gründete der niederöster- 



1) Archiv f. Geogr. u. Statistik (herausg. v. Liechtenstern) 1804, S. 234. — ') Kopetz, 
a.a.O., II, 41 f.; PiUwein, Neuester Wegweiser durch Linz 1824, S. 235: „Sonntags-Kunst- 
schule für Professionisten und Handwerkslehrjungen". — *) Protok. d. inneröst. Gewerbever. 
1839, S. 8, 30 ff., 1840, S. 12—27, 1841, S. 12—24, Inneröst. Industrie- u. Gewerbsbl. 1843. 
S. 109 ff., 1845, S. 332; Gesch. d. böhm. Gewerbevereins. — *) Siehe S. 223. 



schulen. 



163 

reichische Gewerbe verein eine Manufakturzeichenschule in Wien mit dem 
Namen „Copiranstalt"^). 

Durch diese Einrichtungen hob sich der Geschmack in der Fabrikation 
und besonders die Wiener Erzeugnisse hatten bald, wegen der Feinheit und 
Vollkommenheit der Zeichnungen, einen weit über die Grenzen der Monarchie 
reichenden Ruf. 

Hatten die Spinn- und Zeichenschulen mehr den Zweck, geschickte Arbeiter 
auszubilden, so wurde es bald nötig, auch für die Ausbildung von guten Unter- 
nehmern und leitenden Beamten für die großen industriellen Betriebe Vor- 
sorge zu treffen. Namentlich das streng prohibitive System in der auswärtigen 
Handelspolitik seit Kaiser Josef IL machte einen gebildeten Fabrikanten- und 
Handelsstand zur unumgänglichen Notwendigkeit, wollte man die Industrie so weit 
heben, daß sie den inländischen Bedarf decke und vielleicht auch für den Export 
in Betracht komme. Diesem Zwecke sollten vor allem die Realschulen dienen, v. Reai- 

Im Jahre 1770 wurde von Johann Georg Wolf, der 1765 aus Baden nach 
Wien gekommen war, die erste Realhandelsschule in Wien errichtet und im 
folgenden Jahre unter dem Namen „Realhandelsakademie" durch Angliederung 
eines zweiten Jahrganges erweitert, Ihr Zweck war die Bildung eines intelli- 
genten Kaufmannsstandes^). Erst im 19. Jahrhundert wurden solche Schulen 
zahlreicher. Von der 1795 eingesetzten Studienhofkommission unter dem 
Vorsitze des Hofkanzlers Grafen Rottenhan ging der Vorschlag zur Gründung 
von ,,Real- und Bürgerschulen" aus, welcher 1804 die allerhöchste Sanktion 
erhielt. Sie sollten jene Schüler, welche sich den höheren Künsten, dem 
Handel, dem Wechselgeschäfte, land- und staatswirtschaftlichen Ämtern oder 
der Buchführung widmen wollten, heranbilden. Solche Anstalten soUten vor 
allem in Wien, Prag, Innsbruck und Padua, später auch in kleineren Städten 
errichtet werden. Im Unterrichtsplane waren unter anderem enthalten die 
Baukunst, das „für die meisten Künstler und Professionisten so nötige Zeichnen" 
und andere technisch-realistische Fächer für die Bedürfnisse des Gewerbs- 
mannes^). Der Zweck der Realschulen war somit, gut unterrichtete und brauch- 
bare Geschäftsmänner für die verschiedenen Arten der bürgerlichen Gewerbe, 
für den Handel, die Fabriken und Manufakturen, für die Ökonomie, das Forst- 
wesen und überhaupt für alle jene Berufsarten zu bilden, zu welchen „höhere 
Gelehrsamkeit" im eigentlichen Sinne nicht erforderlich ist*). 

Im Jahre 1809 wurde in Wien die erste Realschule nach diesem neuen 
Plan ins Leben gerufen und bei der Errichtung des polytechnischen Instituts 
als Vorbereitungsschule mit demselben vereinigt^). 

Weitere Realschulen wurden sodann errichtet 1811 in Brunn, 1815 in 
Brody, 1817 in Triest und Lemberg, 1834 in Prag und Rakonitz, 1837 in Reichen- 
berg, 1845 in Graz*). 



^) Auspitzer, 50 Jahre gewerbl. Bestrebungen, S. 377. — *) Klimburg, a. a. 0. 1 ff. — 
») Klimburg, a. a. 0. 17. — *) Barth, a. a. 0., I, 211 f. — ») Exner, Polytechn. Inst. 21 ff.; 
Beiträge zur Gesch. d. Gew. u. Erf., II, 199. — •) Klimburg, a. a. 0. 20 ff.; Beiträge zur Gesch. 
d. Gew. u. Erf., II, 200. 

11* 



164 

Vorteilhaft für die Entwicklung der Realschulen war eine allerhöchste 
Entschließung vom 7. Dezember 1825, durch welche angeordnet wurde, daß, 
weil sich die Zahl der Schüler an den philosophischen Lehranstalten der einzelnen 
Provinzen sehr vermehrt habe und die in ihrem Studium so weit vorgerückten 
Jünglinge sich schwer zum Eintritt in das bürgerliche Leben entschließen, 
daher, wenn die Kirche und der Staat ihrer nicht bedürfe, in eine kümmerliche 
Lage oder gar in Versuchung geraten, ihren Unterhalt auf unrechtem und be- 
denklichem Wege zu suchen, allen Länderstellen aufgetragen werden solle, 
auf Verminderung der Gymnasien, wo deren zu viele sind, und auf Genauigkeit 
im Klassifizieren zu drängen, damit Studierende, die keine Fortschritte in den 
Wissenschaften hoffen lassen, noch früh genug sich dem Handwerker- und 
Bürgerstande zuwenden können. Auch wurde angeordnet, besonders auf Ver- 
mehrung und Vervollständigung der technischen Studienanstalten hinzu- 
wirken^). 
VI. Poiy- Mit dem Aufkommen komplizierter Maschinen und mit den allgemeinen 
technische Fortschritten der Naturwissenschaften, vor allem der Chemie und der Mechanik, 
anstaiten. bekam die industrielle Betätigung einen ganz neuen Charakter. Kunst und 
Wissenschaft stellten sich immer mehr in den Dienst der Industrie und wurden 
von ihr untrennbar. Bei einzelnen Industriezweigen war bald die Frage über- 
haupt schwer zu beantworten, wo die Kunst oder Wissenschaft aufhörte und 
die industrielle Betätigung begann. So vor allem bei der Porzellan- und Glas- 
industrie, der chemischen Industrie, Bierbrauerei, Zuckerindustrie, Hütten- 
kunde, Maschinenerzeugung und mehreren anderen Erwerbszweigen. Durch 
diesen Wandel war auch das Bedürfnis nach einem gewerblichen Unterricht 
immer größer, welcher mit Berücksichtigung sämtlicher Errungenschaften 
der Wissenschaft und Kunst die höchste Ausbildung in allen industriellen 
Fächern gewährleisten sollte. Dies führte zur Schaffung von polytechnischen 
Unterrichtsanstalten. 

Schon 1781 wurde es den Privatdozenten an der Wiener Universität frei- 
gestellt, über Technologie oder die Lehre von den Handwerken, Künsten, Manu- 
fakturen und Fabriken vorzutragen und dafür von den Zuhörern Bezahlung 
anzunehmen^). Polytechnische Institute entstanden aber erst im 19. Jahr- 
hundert. 
a) Prag Die crstc wirkliche polytechnische Anstalt entstand in Prag und wurde 

(1806). jiicht vom Staate, sondern von den Ständen errichtet, welche in diesem gewerbe- 
reichen Lande immer ein großes Verständnis für die Segnungen einer ent- 
wickelten Industrie bewiesen und immer an erster Stelle waren, wenn es galt, 
sich für dieselbe nützlich zu betätigen^). 

Von 1717 bis 1800 bestand in Prag eine ständische Ingenieurschule, ge- 
gründet, auf Anregung Christian Josef Willenbergs, hauptsächlich zur Aus- 
bildung von Ingenieuren für die „Fortification". WiUenberg war auch der 
erste Lehrer an dieser Schule, welche in Verbindung mit der Universität stand. 
Im Jahre 1787 wurde diese Lehrkanzel für Ingenieurwissenschaften der 



») Göth, Joanneum 198 f. — ^) Staatsrat 1781, Nr. 559. — ") Vgl. S. 216 u. 232. 



165 

philosophischen Fakultät der Universität angegliedert und es wurde bestimmt, 
daß nicht mehr Artilleriewissenschaften, sondern alle Kenntnisse vorgetragen 
werden sollen, welche der Zivilingenieur braucht. Sie war damit einer techni- 
schen Anstalt nähergekommen. Als Franz Leonhard Herget, der die Lehr- 
kanzel seit 1767 innegehabt hatte, 1800 starb, da trat man an die Verwirklichung 
der Idee, ein selbständiges polytechnisches Institut zu errichten, heran. 

Als Franz R. v. Gerstner, zugleich ein Mann der Wissenschaft als auch 
ein genauer Kenner der Industrie, in die von Kaiser Franz eingesetzte 
k. k. Studienrevisionshofkommission berufen wurde, hielt er 1798 seine Vor- 
träge über das Studium der Naturgeschichte, Physik und Mathematik vor 
dieser Kommission, welche Vorträge die Gründung einer groß angelegten 
technischen Bildungsanstalt in Wien nach dem Muster der berühmten Pariser 
polytechnischen Schule bezweckten. Dabei setzte er den Nutzen einer solchen 
Schule auseinander: 1. Würde sie eine Pflanzschule für Lehrer sein; 2. könnte 
sie die Schulaufsicht über die unteren Lehranstalten üben; 3. würde dem Ge- 
werbewesen ein unberechenbarer Nutzen verschafft werden durch die aus- 
gebildeten Zöglinge, welche sich den Gewerben widmen und dieselben durch 
rationelle Behandlungsweise emporheben würden; 4. könnte die Regierung 
von der Anstalt bei technischen und wissenschaftlichen Fragen sich Gutachten 
erstatten lassen; 5. die Regierung gewänne tüchtig vorgebildete junge Leute 
für die Beamtenstellen in Kameral- und Bergwesen; endlich ließe sich 6. nach 
der Einrichtung der französischen 6cole polytechnique die Anstalt zur Vor- 
bildung füi' jene Militärs benützen, welche einer höheren wissenschaftlichen 
Ausbildung bedürfen, namentlich für jene, welche in den Generalstab aufge- 
nommen werden sollen. 

Dieses Projekt kam nicht zur Ausführung. Als nach dem Tode Hergets 
die Wiederbesetzung der Lehrkanzel an der Ingenieurschule in Prag erfolgen 
sollte, ergriff der Präsident der Studienhofkommission, Graf Rottenhan, die 
Gelegenheit, den Antrag auf Errichtung einer technischen Lehranstalt in Prag 
zu stellen. Der Antrag drang durch und Gerstner und Chevalier Landriani, 
welche bei der Organisation die führende Rolle spielten, stimmten darin überein, 
„daß eine technische Schule in Prag sehr nützlich sein würde, wenn selbe vor 
allem übrigen auf die Nationalgewerbe sehe, sonach die Leinen-, WoU- und 
Baumwollmanufakturen, die Erzeugung und Raffinierung des Glases und 
Eisens und der dahin gehörigen Gewerbe zu ihrem Hauptgegenstande machen 
würde, indem ein größerer Umfang nach dem Muster der französischen poly- 
technischen Schule und anderer Institute dieser Art teils an den erforderlichen 
Kosten, teils auch an dem Mangel der hiezu nötigen Lehrer unüberwindliche 
Schwierigkeiten finden würde. Hieraus folgt, daß die Lehrfächer der Chemie 
und Mechanik einstweilen für das Institut die wesentlichsten sein würden"^). 
,,Die große Zahl der Gewerbe und die Verschiedenheit ihrer wissenschaftlichen 
Interessen fordern, daß der Unterricht nach Verschiedenheit der Gewerbs- 
klassen abgeteilt, für jede Klasse besondere Unterrichtsstunden ausgemessen 



^) Jelinek, Das ständisch-polytechn. Institut zu Prag, S. 1—31. 



166 

und vorläufig bekanntgemacht werden." „Die Professoren müssen, um dem 
vorhabenden Zweck vollkommen zu entsprechen, auch außer ihren Lehrstunden 
zugänglich sein und jedem Belehrung suchenden Gewerbsmanne über besondere 
Vorfälle oder neue Erfindungen seines Gewerbes Auskunft erteilen." „Übrigens 
erfordert das Institut ein geräumiges Haus, welches für die Chemie mit Wasser 
und Gelegenheit zum Färben und Bleichen, für die Mechanik mit geräumigen 
Sälen zur Aufstellung der Maschinen und Modelle, mit einem angemessenen 
Platz zu hydraulischen Versuchen und mit den nötigen Werkstätten für die 
Handwerke versehen sein muß"^). 

Die Stände übernahmen bereitwilligst die Kosten und mit Hofkanzlei- 
dekret vom 14. März 1803 erfolgte nicht nur die Mitteilung der kaiserlichen 
Genehmigung, sondern es wurden die Stände wegen des bewiesenen patrioti- 
schen Eifers auch belobt. Gerstner erhielt die Lehrkanzel für Mechanik^), 
Im Jahre 1806 erfolgte die Eröffnung dieser Anstalt zur Emporbringung der 
vaterländischen Gewerbe durch wissenschaftlichen Unterricht. Nach dem Lehr- 
plane waren die Vorträge bestimmt d) für Söhne vermögender Künstler und 
Kaufleute, Eigentümer oder Vorsteher von Fabriken in Leinwand, Kotton, 
Tuch, Glas, Eisen; für Färber und Koloristen; für Uhr- und Instrumentenmacher, 
Maschinenarbeiter usw.; i) für Land- und Wasserbaumeister, ,, Landmesser 
oder Ingenieurs", Gutsbesitzer, Kameral- und Forstbeamte und überhaupt 
für alle, welche zwar nicht alle Abteilungen dieser Leliranstalt, aber doch einige 
Teile davon zu ihrem künftigen Berufe nötig haben; c) für Staatsbeamte in 
Fabriks- und Kommerzgegenständen oder im Land- und Wasserbauwesen; 
ebenso auch für künftige Lehrer und Professoren sowohl in diesen als auch 
anderen damit verwandten Wissenschaften. Vorlesungen wurden gehalten über 
Elementarmathematik und praktische Geometrie, Mechanik und Hydraulik, 
Land- und Wasserbaukunst, allgemeine und spezielle technische Chemie. 

Bis 1815 war das Verhältnis des Instituts zur Universität ein unklares; 
in diesem Jahre wurde es erst ganz getrennt, wobei die Professoren in dem- 
selben Range verblieben. Seit 1817 wurden die Vorträge über Chemie erweitert 
durch Hinzufügung des Unterrichtes in der Agrikultur, Gärungschemie und 
Halurgie. Auch weiterhin wurde das Institut immer mehr vervollkommnet^). 

Wie groß das Interesse der industriellen Kreise selbst für die möglichste 
Ausdehnung des gewerblichen Büdungswesens war, zeigt besonders deutlich 
ein Gesuch der böhmischen Bierverleger und Oberältesten der Bierbräu ge werbe 
vom Jahre 1816 um Errichtung einer Unterrichtsanstalt für Bierbrauerei 
und Branntweinbrennerei in Verbindung mit dem Prager polytechnischen 
Institut, wobei sie sich bereit erklärten, alle hiezu erforderlichen Einrichtungs- 
und Unterhaltungskosten selbst zu tragen*). 

Das Prager polytechnische Institut erlangte bald einen bedeutenden Ruf, 
eine große Zahl von Schülern drängte .sich zum Eintritt in dasselbe und die 
daselbst Ausgebildeten fanden bald ein vorteilhaftes Unterkommen in Staats- 



^) Jelinek, a. a. 0. 32. — ") Jelinek, a. a. 0. 33. — ') Jelinek, a. a. 0. 36 ff. — *) Jelinek, 
a. a. 0. 55. 



167 

oder Privatdiensten. Das Institut diente auch als Muster bei der Errichtung 
der Wiener polytechnischen Anstalt. Wiederholt wurde es vom Kaiser (1820, 
1824) und von vielen anderen Fürstlichkeiten besucht^). 

Dabei blieb das Institut seiner Bestimmung treu, in erster Linie der Industrie 
zu dienen. Neue Bedürfnisse der Industrie wurden immer berücksichtigt. So 
wurden 1833/34 die TJnterrichtszweige der speziellen technischen Chemie durch 
Aufnahme von Vorlesungen über die Zuckerfabrikation vermehrt. 

1830 wurde als Vorbereitungsschule in Verbindung mit dem Institut 
eine Realschule errichtet, welche jedoch erst 1833/34 definitiv organisiert war^). 

Die Anzahl der Studierenden des polytechnischen Instituts betrug 1807 106, 
stieg fortwährend, belief sich 1827 auf 382, 1837 auf 376, 1843 auf 585, 1846 
auf 853, um 1847 1037 und 1848 schon 1485 zu betragen»). 

So war in Böhmen zuerst eine hohe Schule für die Industrie und das wirt- 
schaftliche Leben überhaupt entstanden, wie sie der Geist der Zeit erforderte. 
Nicht lange blieb sie die einzige in der Monarchie. 

Auch die Idee der Errichtung eines polytechnischen Instituts in Wien 6) Wien 
reicht, abgesehen von den erwähnten früheren Vorschlägen Gerstners, in die ^^^^^^" 
ersten Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. 

Im Jahre 1803 hatte schon Kaiser Franz die neu geschaffene Großhandlungs- 
steuer zur Bildung des Grundkapitals für ein allgemeines technisches Institut 
bestimmt. Diese Steuer hörte 1810 auf und das so gesammelte Kapital konnte 
sich nur mehr durch seine Zinsen vermehren. Da aber inzwischen in Prag eine 
polytechnische Anstalt in Vorbereitung stand und bald errichtet wurde, so 
konnte dieses Projekt nicht mehr einschlafen. 

Über eine Bemerkung der Bankohofdeputation vom Jahre 1803, daß die 
Errichtung einer polytechnischen Schule sehr nützlich wäre, ,,wie sie gegen- 
wärtig in Prag errichtet werden wird", und die Regierung aufzufordern wäre, 
einen diesbezüglichen Vorschlag zu machen, erging zu Anfang des Jahres 1804 
die kaiserliche Entschließung: „Ich erwarte die verheißenen Vorschläge wegen 
Errichtung einer polytechnischen Schule" . . .*). Mit Hofdekret vom 16. April 
1804 wurden der niederösterreichischen Regierung die Grundlinien vorgezeichnet, 
nach welchen sie ihre Vorschläge zu erstatten hatte. Infolgedessen wendete 
sich die Regierung unter dem 26. Februar 1805 an die böhmischen Stände mit 
dem Ansuchen um Übersendung des Organisationsplanes des Prager Instituts^). 
Die Regierung erstattete dann darüber zwei Berichte an die vereinigte Hof- 
kanzlei, und zwar unter dem 2. Oktober 1806 und dem 9. April 1807, aber ohne 
endgültige Vorschläge, und durch Hofdekret vom 19. Dezember 1808 wurde 
sie wieder aufgefordert, den schon so lange rückständigen Bericht vorzulegen^). 
Im Februar 1809 machte die Bankohofdeputation anläßlich eines Vortrages 
über die Organisierung der niederösterreichischen Fabrikeninspektion wiederum 
den Vorschlag, ein polytechnisches Institut in Wien zu errichten, worauf die 
Entschließung erfloß : „Übrigens ist mein ernstlicher Wille, daß endlich einmal 

1) Jelinek, a. a. 0. 51 f. — ^) Jelinek, a. a. 0. 67—79. — ") Jelinek, a. a. 0. 142 f. — 
*) Staatsrat 1803, Nr. 3624. — ») Exner, Polyt. Inst. 9, 13, 21 ; Jelinek, a. a. 0. 52. — «) Statth. 
A. Wien, Karton 5761, A. 4, Nr. 888, Jahr 1809. 



168 

der Gegenstand wegen Errichtung eines polytechnischen Instituts in die 
Bearbeitung genommen und mir sobald möglich der diesfällige wohlüberdachte 
Vorschlag erstattet werde"^). 

Am 11. September 1807 erging ein allerhöchstes Handschreiben, welches 
den kaiserlichen Entschluß kundgab, ein eigenes Kabinett zur Aufstellung 
sämtlicher inländischen Fabriks- und Manufakturprodukte in Wien zu errichten, 
was auch verwirklicht wurde^). Als nun 1809 Verhandlungen über die geeig- 
netste Art der Aufstellung dieses Kabinetts geführt wurden, da meinte die 
Hofkammer in einer Note an den Oberstkämmerer Grafen Wrbna unter dem 
21. März, dieses Kabinett werde erst dann seinen vollständigen, der Sache an- 
gemessenen Nutzen erreichen können, wenn es zur öffentlichen Benützung 
lehrreich gewidmet, mit dem schon lange in Antrag gebrachten polytechnischen 
Institut verbunden werde und wenn bei den künstlicheren Erzeugnissen auch 
die Modelle der Maschinen sowie Beschreibungen der Erzeugungsart an die 
Seite gestellt werden. Der Präsident der Hofkammer werde übrigens demnächst 
in die Lage kommen, über die Aufstellung eines eigenen vollständigen poly- 
technischen Instituts Seiner Majestät eine eigene Ausarbeitung vorzulegen, 
da hierin eines der vorzüglichsten Mittel liege, die Produkte nicht allein 
zu vermehren, sondern auch zu verbessern, wodurch der Passivhandel 
aufhören werde^). 

Im Jahre 1810 wurde dem Hofkammerpräsidenten der erste Plan für das 
Institut von J. J. Prechtl übergeben. Im Jahre 1811 wurden die Verhandlungen 
fortgesetzt, welche einen langwierigen Verlauf nahmen und öfters unterbrochen 
wurden. Prechtl arbeitete die Detailpläne für die Organisation des künftigen 
Instituts aus. Zu Ende 1814 wurde zunächst ein Gebäude angekauft und 
zugleich beschlossen, ein neues Gebäude aufzuführen. 

Am 6. November 1815 begannen die Vorlesungen. Der erste Dbektor 
war J. J. Prechtl, einer der hervorragendsten Techniker jener Zeit. Mit dem 
Institut wurde die Realakademie als Vorbereitungsschule sowie das Fabriks- 
produktenkabinett, welches bis dahin unter eigener Direktion bestanden hatte, 
vereinigt*). 

„Das k. k. polytechnische Institut ist eine Zentralbildungsanstalt für den 
Handel und für die Gewerbe durch die Verbreitung eines zweckmäßigen, ihre 
Vervollkommnung begründenden wissenschaftlichen Unterrichts, — ein Sammel- 
platz für die von den Wissenschaften ausgehenden Beförderungsmittel der 
Nationalindustrie, von welchem aus sich Belehrung und Rat für die Vervoll- 
kommnung der nützlichen Künste verbreitet, — ein Verein nützlicher Kräfte 
zur Emporhebung des inländischen Gewerbefleißes durch jede Art wissenschaft- 
lichen Einflusses. Das polytechnische Institut wird also das Wesentliche dreyer 
Anstalten in sich vereinigen, von denen jede für sich schon wesentlich zur Er- 
höhung der technischen Künste und de^ Nationalwohlstandes beitragen wird, 



1) Staatsrat 1809, Nr. 753. — >) Vgl. S. 228 ff. — ») H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 63/1, 
Nr. 47 ex mart. 1809. — *) Exner, a. a. 0. 21—26, Beiträge zur Gesch. d. Gew. u. Erf., 11, 
217 ff. 



169 

nämlich einer technischen Lehranstalt, eines Konservatoriums für Künste und 
Gewerbe und eines Vereins zur Beförderung der Nationalindustrie"^). 

Als Lehranstalt hatte das Institut zwei Abteilungen, eine kommerzielle 
und eine technische. Die Realschule diente als Vorbereitungsschule für beide 
Abteilungen und hatte zwei Jahrgänge. 

Die technische Abteilung hatte als Lehrfächer 1. allgemeine technische 
Chemie, 2. einige spezielle chemisch-technische Fächer, 3. Physik, 4. Mathematik, 
5. Maschinenlehre, 6. praktische Geometrie, 7. Land- und Wasserbaukunst, 
8. Technologie. 

Die Vorträge über spezielle technische Chemie umfaßten die praktische 
Gärungslehre (Weinbereitung, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Essig- 
siederei, Brotbäckerei, Stärkebereitung usw.), ferner die Seifensiederei, Leder- 
gerberei, Färberei, Zeugdruckerei und Bleicherei. Bei der Maschinenlehre oder 
Mechanik wurden sämtliche Maschinen beschrieben, nach Modellen erklärt, 
gehörig berechnet und die nötigen Detailanleitungen zur unmittelbaren Aus- 
führung im großen gegeben. 

Die empirische Technologie umfaßte in ihren Vorträgen die historische 
Darstellung jener Gewerbe, die, auf empirischer Manipulation beruhend, 
mit Hilfe der Mathematik, Physik und Chemie manche Vervollkommnung 
erreichen können, wie die Weberei, die Erzeugung von Waren aus Federn, 
Hörn, Elfenbein, Wolle, die verschiedenen Holz- und Glasarbeiten, die Metall- 
verarbeitung usw. Zur Unterstützung dieser Vorträge diente das Fabriks- 
produktenkabinett. 

Um sich die notwendigen kaufmännischen Kenntnisse für die Fabriks- 
geschäftsführung anzueignen, konnten die Zöglinge der technischen Abteilung 
zugleich auch Unterricht in einigen oder allen Fächern der kommerziellen Ab- 
teilung genießen^). 

„Sowohl um das Publikum von Zeit zu Zeit von der Tendenz und den Be- Jahrbücher. 
mühungen des Instituts zu belehren, als auch um einen Platz zu gewinnen, 
in welchem stets sowohl die in- als ausländischen Entdeckungen niedergelegt, 
verbreitet und gemeinnützig gemacht werden können, wird ein Journal in 
zwangsfreien Heften unter dem Titel , Jahrbücher des k. k. polytechnischen 
Instituts' herausgegeben." 

„Dieses Journal enthält alles, was auf Beförderung des Gewerbefleißes in 
seinen verschiedenen Zweigen und Hilfsmitteln und auf die Erweiterung der 
Wissenschaften, welche die Lehrfächer des Instituts ausmachen, Bezug hat. 
Die in- und ausländischen Entdeckungen im Fache der Chemie, des Maschinen- 
wesens und der übrigen Fächer des Instituts und was deshalb im Institut 
selbst geschehen ist, die Fortschritte der inländischen Industrialkultur, Ab- 
handlungen der Professoren über die Erweiterung ihrer verschiedenen Fächer 
zum Behufe der Kunst und Wissenschaft, Auszüge aus fremden vorzüglichen 
Abhandlungen jenes Inhalts, Gutachten über technische Gegenstände, Bekannt- 
machung der Gegenstände, auf welche Erfindungsprivilegien erteilt worden 



1) Verfassung d. polyt. Inst. (1818), S. 5. — ") Verfassung, S. 5—12. 



170 

sind, Nachrichten über das Fortschreiten der Sammlungen des Instituts usw. 
sind die Gegenstände jener Jahrbücher"^). 

Sammiun- Durch scinc Sammlungen sollte das Institut ein Konservatorium für 
^*°- Künste und Gewerbe sein, „Die Sammlungen des polytechnischen Instituts 
machen eine eigene Seite desselben aus, in welcher es, von seiner Eigenschaft 
als Lehranstalt zum Teil unabhängig, die Stelle eines technischen Museums 
oder einer Erhaltungsanstalt für Künste und Gewerbe vertritt, welche durch 
zweckmäßig und vollständig aufgestellte technische Sammlungen eine an- 
schauliche Darstellung des Zustandes der Industrialkultur und der ihr zu- 
gehörigen Wissenschaften und Hülfsmittel enthält. Außerdem dienen diese 
Sammlungen als instruktive Hülfsmittel für Lehrvorträge"^). 

Für die kommerzielle Abteilung war die Sammlung für Warenkunde be- 
stimmt. Die technische Abteilung hatte eine Sammlung chemischer Präparate 
und Produkte, ein mathematisches Kabinett mit mathematischen Werkzeugen 
und Vorrichtungen, ein physikalisches Kabinett, eine Modellensammlung 
(Maschinen), endlich eine mechanische Werkstätte, in welcher zunächst die 
Modelle für die Modellensammlung, außerdem physikalische und mathematische 
Apparate für das physikalische und mathematische Kabinett verfertigt und 
auch Vorrichtungen zu praktischen Versuchen ausgeführt wurden. 

Das Fabrikspro duktenkabinett war eine Sammlung, ,, welche den Zweck 
hatte, durch Aufstellung charakteristischer Muster aus sämtlichen Produk- 
tionen der nützlichen Künste eine Übersicht sowohl des gegenwärtigen Zustandes 
der Vervollkommnung in diesen Arbeiten als auch des allmählichen Fort- 
schreitens derselben und dadurch ein Bild der Kulturstufe des inländischen 
Industriezustandes zu gewähren"^). 
Verein. In Verbindung mit dem Institut sollte auch ein Verein zur Beförderung 

der Nationalindustrie geschaffen werden. Dieser Verein trat jedoch niemals 
ins Leben*). 

AusBteiiun- „Um dcu Produkten der inländischen Gewerbsindustrie einen Vereinigungs- 
^*"- punkt zu verschaffen, von welchem durch die gegenseitige Vergleichung so- 
wohl eine rühmliche Nacheiferung als auch eine lebendige Erkenntnis und 
Übersicht der jährlichen Fortschritte der Industrialkultur ausgeht, und um den 
Fabrikanten eine günstige Gelegenheit zu verschaffen, die Fortschritte ihres 
Gewerbsfleißes bekannt zu machen", hätte im September jedes Jahres eine 
öffentliche Ausstellung von Fabriksprodukten im Gebäude des Instituts ver- 
anstaltet werden soUen, was aber auch nicht zur Ausführung kam^). 

Im Jahre 1816 wurde ein neues Gebäude für das Institut erbaut und am 
14. Oktober erfolgte durch Kaiser Franz die feierliche Grundsteinlegung. Die 
Aufschrift auf dem für die damalige Zeit geradezu großartigen Gebäude lautet : 
,,Der Pflege, Erweiterung und Vervollkommnung des Gewerbefleißes, der 
Bürgerkünste und des Handels, Franz L" Die neuen Räume wurden 1818 
bezogen. 



1) Verfassung, S. 21. — ^) Verfassung, S. 22. — ») Verfassung, S. 22—26; vgl. auch S. 228 ff. 
«) Verfassung, 27 ; Exner, a. a. 0. 75 ; vgl. auch S. 212, 221 f. — ») Verfassung 26 ; vgl. auch S. 230. 



171 

Das Institut gewann bald eine große Bedeutung und einen nicht auf das 
Inland beschränkten Kuf. Es wurde auch von der Staatsverwaltung zu Gut- 
achten in Privilegien- und anderen technischen Angelegenheiten stark in An- 
spruch genommen^). 

Im Jahre 1818 wurde das Fabriksproduktenkabinett durch Aufforderung 
an die Fabriksbesitzer und Gewerbetreibenden zur Einsendung von Muster- 
stücken wesentlich bereichert und nahm auch später immer mehr zu. Im Jahre 
1822 zählte die Sammlung schon 20.000 Musterstücke. Durch allerhöchste 
Entschließung vom 5. Dezember 1840 wurde das technische Kabinett Kaiser Fer- 
dinands mit derselben vereinigt, wodurch sie ein wahrhaft großartiges Museum 
der österreichischen Industrie wurde. Diese Fabrikspro duktensammlungen 
waren für jedermann zugänglich, hatten somit den Charakter einer permanenten 
Industrieausstellung^). 

Früher als das polytechnische Institut in Wien war in Graz eine allerdings c) Graz, 
zunächst noch unvollkommene technische Lehranstalt, das Joanneum, ent- 
standen. Erzherzog Johann hatte schon 1808 die Absicht, zur Aufstellung 
seiner Bibliothek und sonstigen wertvollen Sammlungen sich in Graz ein Haus 
anzukaufen. Zugleich entwarf er einen vollständigen Plan über die Errichtung 
und Organisierung eines Museums für Naturgeschichte, Chemie, Ökonomie 
und Technologie und über die Art und Weise, wie dieses Museum mit dem 
in Graz bestehenden Lyzeum in Verbindung gebracht werden könnte. Am 
31. Jänner 1809 überreichte er diesen Plan seinem Bruder, Kaiser Franz. Er 
woUe, führte er aus, die Jugend Steiermarks befördern, und zwar in den Kennt- 
nissen der Naturgeschichte, Ökonomie, Technologie und Chemie. Gleichzeitig 
bat er um Bewilligung der Ernennung eines Professors für Technologie, Chemie 
und Botanik am Lyzeum. Der Kaiser genehmigte diese Pläne. Am 1. April 
1809 erklärten sich die Stände bereit, diesen Professor am Lyzeum zu besolden. 
Die Kriegsereignisse des Jahres 1809 verzögerten die Ausführung. 1810 wurden 
die Verhandlungen fortgesetzt. Die Stände erklärten sich auch bereit, in Graz 
ein Haus zu kaufen, welches die erforderlichen Eigenschaften zur Aufstellung 
des Museums besitze, zu welchem Zwecke denn auch 1811 der sogenannte 
Lesliehof erworben wurde. 

Unter dem 1. Juli 1811 stellte der Erzherzog die Stiftungsurkunde aus und 
er selbst war es auch, der die Statuten zu der Anstalt entwarf (1. Dezember 1811). 

Damit war der Grund gelegt zur allmählichen Entstehung der ständischen 
technischen Schule, des Joanneums. Die öffentlichen Vorträge über Minera- 
logie, Chemie, Botanik, Technologie und Astronomie begannen 1812 und gleich- 
zeitig öffnete man dem Publikum sowohl die Sammlungen als auch die Lese- 
zimmer. 

Dies genügte jedoch weder dem Erzherzog noch den Ständen. Das Joanneum 
mußte sich, sollte die Haupttendenz des Instituts erreicht werden, in eine voll- 
ständige Bildungsanstalt verwandeln. Daher beauftragte der Erzherzog den 



1) Exner, a. a. 0. 39—48. — *) Exner, a. a. 0. 73 f.; A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 1, 
1841, Nr. 556, 1844, Nr. 531, 1846, Nr. 2321, 1847, Nr. 2304; vgl. auch S. 230 f. 



172 

Kurator Kalchberg, den Professor Mohs und den Direktor des kaiserlichen 
technischen Privatkabinetts von Widtmannstetten, ihm wohldurchdachte und 
ausführliche Vorschläge vorzulegen. Die zwei letzteren taten dies gemeinsam 
und legten unter dem 10. November 1816 den Plan zu einem vollständigen 
polytechnischen Institut mit Anschluß einer Berg- und Hüttenschule und 
einer mechanischen Werkstätte vor. 

Aber zur Verwirklichung dieser Idee fehlten nicht nur die Mittel, sondern 
es herrschte auch noch nicht das richtige Verständnis für die Notwendigkeit 
und Nützlichkeit einer so umfassenden Anstalt. 

Wenn somit das damalige Joanneum zwar noch kein polytechnisches Institut 
war, so war doch der Grund gelegt, der einen weiteren Ausbau erleichterte^). 

Die Anstalt hatte neben reichhaltigen naturhistorischen, geschichtlichen, 
archäologischen und landwirtschaftlichen Sammlungen auch eine gut ein- 
gerichtete Gewerbsproduktensammlung. 

Allmählich entwickelte sich aus dieser Gründung, welche ursprünglich 
mehr ein Museum war, eine regelrechte technische Schule. Schon im Herbst 
1812 wurde mit den Vorträgen begonnen, doch waren alle Zuhörer nur Gäste. 
Es handelte sich nun, ein bleibendes Auditorium zu schaffen. 

Laut Studienhofkommissions Verordnung vom 23. November 1813 ge- 
nehmigte zunächst der Kaiser, „daß jene Schüler, welche das Studium in 
Graz zurückgelegt haben, wenn sie Zeugnisse der ersten Fortgangklasse aus 
der am Joanneum erlernten Mineralogie und Botanik und aus der Zoologie von 
dem Professor der Physik am dortigen Lyzeum vorweisen, zu den medi- 
zinischen Studien zugelassen werden dürfen". Bald wurden auch bei sonstigen 
Anstellungen im Lande die mit Zeugnissen des Joanneums sich Ausweisenden 
vielfach vorgezogen, was der Anstalt immer mehr Schüler zuführte. 

Ein weiterer Fortschritt in der Entwicklung wurde erreicht, als durch 
allerhöchste Entschließung vom 7. Dezember 1825 angeordnet wurde, daß die 
Vorlesungen über Astronomie und Technologie aufzuhören haben, daß aber 
die am Lyzeum bis dahin bestandene Lehrkanzel der Landwirtschaftskunde 
an das Joanneum übertragen, dem Professor der Landwirtschaft auch der 
Vortrag über Zoologie übergeben und eine Professur für Mechanik und Maschinen- 
lehre errichtet werde. Zugleich wurde durch die Studienhofkommission bestimmt, 
daß die Professoren eigene Kataloge führen, ordentliche Prüfungen nach Voll- 
endung ihres Lehrkurses vornehmen und die Klassenverzeichnisse durch den 
Vorstand der Anstalt den höheren Behörden vorlegen sollten. 

Durch allerhöchste Entschließung vom 17. September 1826 wurden den 
Studierenden des I. Jahrgangs der Philosophie, welche einen Stiftungsplatz, 
ein Stipendium oder die Befreiung vom Erläge des Unterrichtsgeldes genossen, 
das Studium der Naturgeschichte zur Pflicht gemacht und, da an der Grazer 
Universität keine Lehrkanzel für Naturgeschichte bestand, wurden sie an- 
gewiesen, diesem Unterrichte am Joanneum beizuwohnen. Dieser obligate 
Besuch der Universitätsstudierenden währte bis 1846. 



^) Göth, Joanneum, S. 1—32, Festschrift des Joanneums 1911, S. 11 ff. 



173 

Am 26. Dezember 1827 erfolgte eine wichtige Änderung in der Stellung 
des Joanneums und dessen eigentliche Organisation als Lehranstalt, indem 
durch den Kaiser der Kurator Ludwig, Abt zu Rein, zum Studiendirektor der 
Anstalt ernannt wurde; da unter einem auch die Besetzung der neu systemi- 
sierten Lehrkanzel für technisch-praktische Mathematik erfolgte, so begann 
neben dem Unterricht in den Naturwissenschaften auch ein technischer^). 

Diese Änderungen hatten noch eine andere Folge. Denn zufolge der mit 
Studienhofkommissionsverordnung vom 7. Jänner 1832 erfolgten Erläuterung 
war nach dem Sinne der allerhöchsten Entschließung vom 26, Dezember 1827 
den Studienzeugnissen des Joanneums die Gültigkeit wie den Zeugnissen an 
jeder anderen öffentlichen Lehranstalt zuerkannt und neuerlich festgesetzt 
worden, daß dieselben den legalen Beweis herstellen, ob, wann und mit welchem 
Erfolg ein Schüler ein Lehrfach studiert habe^). 

Die Zeugnisse der Anstalt hatten aber dennoch noch immer nicht die volle 
Gültigkeit, namentlich weil sie keine Reziprozität mit den anderen technischen 
Listituten hatten. Der Grund dafür war namentlich der Mangel eines voll- 
ständigen Lehrplanes, ähnlich dem an den technischen Instituten zu Wien und 
Prag, der Abgang mehrerer Lehrfächer zur vollkommenen Ausbildung eines 
Technikers, die Regellosigkeit hinsichtlich der Bestimmung der Vorkenntnisse 
zum Eintritt in die Anstalt, endlich die mit der Einrichtung an den anderen 
technischen Instituten nicht gleichförmige Fächerabteilung, so daß der Über- 
tritt eines Schülers vom Joannen m an eine andere Anstalt oder umgekehrt 
geradezu unmöglich war. 

Nachdem diese Mängel beseitigt worden waren, und zwar durch Schaffung 
einer technischen Vorbereitungs- oder Realschule und die durch allerhöchste 
Entschließung vom 30. Jänner 1844 erfolgte Genehmigung des vollständigen 
Lehrplanes des Joanneums, war das vollständige Öffentlichkeitsrecht der 
Anstalt gegeben. Durch Studienhofkommissionsdekret vom 25. Oktober 1847 
wurde allen Länderstellen mitgeteilt, „daß die Studienzeugnisse des ständischen 
Joanneums in Graz und der damit verbundenen Lehranstalten sowie der stän- 
dischen Realschule mit jenen, welche von Staatsanstalten ausgestellt werden, 
eine gleiche Gültigkeit haben und somit auch bei Dienstesbewerbungen und 
bei Beurteilung der Befreiung vom Militärdienst als gleich wirksame Behelfe 
anzusehen sind". 

Eine Folge dieser Änderungen war auch, daß mittels kaiserlicher Ent- 
schließung vom 22. März 1845 bestimmt wurde, die Anordnung vom 24. Oktober 
1843, nach welcher die Professoren der polytechnischen Lehranstalt in Prag 
mit denjenigen des Polytechnikums in Wien im Range gleichstehen, habe auch 
auf die Professoren am Joanneum volle Anwendung zu finden. 

Die wirkliche Eröffnung der ständischen Realschule erfolgte am 2. Oktober ständische 

1 QA F^8\ Realscnule 
AO^O )■ (Vorberei- 
tungsschule). 



1) Göth, Joanneum, S. 120 ff., Festschrift 1911, S. 11 ff. — ') Kundmachung des k. k. 
Steiermark. Gubemiums vom 16. Febr. 1832 in der Grazer Zeitung. — ') Göth, Joanneum, 
120— 134, Festschrift 1911, S. 11 ff. 



174 

Diese Realschule war eine technische Lehranstalt, welche die zweifache 

Bestimmung hatte, teils eine Vorbereitungsschule für die höheren Studien, 

teils eine für sich bestehende bürgerliche Bildungsanstalt zu sein. Da die höheren 

technischen Studien, welche am Joanneum gelehrt wurden, viele Vorkenntnisse 

voraussetzten, so hatte die Realschule den nächsten Zweck, die Kandidaten 

der Technik mit den nötigen Vorkenntnissen auszurüsten. Außerdem war sie 

bestimmt, eine Bildungsschule für Jünglinge des Gewerbestandes zu sein, 

welche ohne weitere Studien unmittelbar ins Gewerbeleben übertreten wollten^). 

Ingenieur- In Liuz bcstaud eine ständische Ingenieurschule. Zum Eintritt in dieselbe 

schule in ^^j. ^jg Absolvicrung des ersten Jahrganges der Philosophie erforderlich. Der 

Unterricht war unentgeltlich und fand in den Wintermonaten Dienstag und 

Donnerstag, in den Sommermonaten auch noch am Samstag statt. Nur mußten 

die Schüler sich die erforderlichen Requisiten selbst anschaffen^). 

VII. Lehr- Die crste Bergschule wurde von Karl VI. 1733 zu Joachimstal in Böhmen 

für Be?° errichtet, unter Maria Theresia zunächst nach Prag und einige Jahre später 

und Hütten- (1770), uutcr Benennung ,,k. k. Bergakademie" nach Schemnitz in Ungarn 

künde. Übertragen^). 

LC^Lgy' ^^^^ ^^^^ ^^^ Gründung des Joanneums befaßte man sich in Graz auch 

Schemnitz. mit dem Gedanken, in Verbindung mit demselben eine Lehrkanzel für Eisen- 

b) Vordem- hütteukundc zu errichten. Nachdem diesbezügliche Verhandlungen 1814 — 1816 

''Ten^^" ZU keinem Resultat geführt hatten, kam die Angelegenheit 1828 wieder zur 

Sprache. Erst 1833 wurde ein Beschluß gefaßt, und zwar eine montanistische 

Lehranstalt in Vordernberg, dem Zentrum der alpenländischen Eisenproduktion, 

ins Leben zu rufen. Auf Vorschlag Erzherzog Johanns wurde 1835 Peter Tunner, 

Verweser bei dem fürstlich Schwarzenbergschen Eisenwerke zu Katsch bei 

Murau, zum Professor der Berg- und Hüttenkunde am Joanneum für diese 

Lehrkanzel ernannt und es wurden ihm die Mittel zur Verfügung gestellt, um 

in den Jahren 1835 — 1838 nicht nur alle inländischen, sondern die wichtigsten 

Eisenwerke von ganz Europa überhaupt zu besuchen. 

Am 4. November 1840 wurde die neue ständische Lehranstalt feierlich 
eröffnet. Der ganze Lehrkurs war in zwei Jahrgänge abgeteilt und davon der 
erste dem Bergwesen im engeren Sinne, der zweite dem Hüttenwesen gewidmet. 
Als ordentliche Berg- oder Hütteneleven konnten nur jene Bewerber auf- 
genommen werden, welche die technischen Studien zu Wien, Prag oder Graz 
mit gutem Fortgang absolviert hatten. 

Zur praktischen Ausbildung war mit der Anstalt eine Lehrfrischhütte 
verbunden und wurden größere und kleinere Exkursionen zur Besichtigung 
und zum Studium des Bergbaues und der Eisenwerke unternommen. 

Im Jahre 1849 ging diese Lehranstalt schenkungsweise in den Besitz des 
Staates über und wurde nach Leoben übertragen*). 



1) Innerösterr. Industrie- u. Gewerbsblatt 1845, S. 276. — ") Pillwein, a. a. 0. 236 f. — 
*) Schmidt, Übersichtl. Gesch. des Bergb. u. Hüttenwesens, 147, Jehnek, a.a.O. 25; Salz, 
Gesch. d. böhm. Industrie, 204 f. — *) Göth, Joanneum, S. 182—195, Die Montan. Lehr- 
anstalt 1841, S. 3 ff., 1842, S. 3, 1843—1846, S. 20 ff. 



175 

Durch Errichtung von technischen Unterrichtsanstalten war für die Aus- viii. Sonn- 
bildunsj von Leitern und Beamten von Fabriken und Unternehmuno;en vorsre- t'^s'^scbuiea 

für Häud.'* 

sorgt. An eigentlichen Gewerbeschulen für Arbeiter fehlte es jedoch noch immer, werker. 
welcher Mangel lebhaft gefühlt wurde. In den Ej-eisen der Industriellen und 
Gewerbetreibenden betonte man, daß ,,der Mangel an zweckmäßigen niederen 
Industrie- oder Gewerbeschulen als ein Haupthindernis des schnellen Auf- 
schwunges der Industrietätigkeit angesehen werden müsse". ,, Technische 
Schulen in jeder Provinz gehören unter die dringendsten Bedürfnisse der Zeit"^). 

Die erste gewerbliche Sonntagsschule wurde vom Staat in Laibach zufolge 
allerhöchster Entschließung vom 12. Jänner 1816 zunächst provisorisch er- 
richtet und, da sie sich gut bewährte, im Jahre 1817 für definitiv erklärt. Der 
Unterricht umfaßte zwei Jahrgänge und als Unterrichtsgegenstände : Zeichnen, 
Arithmetik, Geometrie, Mechanik, für die Schüler der deutschen Schule auch 
das Nötigste der Chemie und der Anwendung derselben auf Künste und Hand- 
werke, für „Krainer" statt der Chemie die Baukunst. Für Kjainer, welche der 
deutschen Sprache nicht mächtig waren, erfolgte der Unterricht in der „kraine- 
rischen" Sprache. An dieser ,, Gewerbsindustrieschule" wurde nur an Sonn- 
und Feiertagen Unterricht erteilt. Leiter derselben war der Professor der 
Physik am Laibacher Lyzeum Johann Kersnik^), 

Lange blieb diese Anstalt die einzige in Österreich und gerade in den 
gewerbereichsten Ländern fehlten solche Schulen noch lange Jahre und 
wurden endlich nicht vom Staat ins Leben gerufen, sondern verdankten dem 
Eifer industrieller Körperschaften ihre Entstehung. 

Das Verdienst, weitere Gewerbeschulen dieser Art ins Leben gerufen zu 
haben, gebührt dem Generaldirektionsmitgliede des böhmischen Gewerbe- 
vereines, Fürsten von Oettingen- Wallerstein, welcher, nachdem das Vereins- 
mitglied Jakob Ritter von Schönfeld in der Vereinssitzung vom 1. Oktober 1834 
dazu die Anregung gegeben hatte, eine solche Schule im Jahre 1835 zu 
Königsaal auf eigene Kosten und, wie er sagte, als Probe errichtete, damit 
die Generaldirektion aus den Erfahrungen an derselben am leichtesten die 
Grundsätze abstrahieren könne, welche zur Beförderung technischer Bildung 
im Inland am zweckmäßigsten in Anwendung zu bringen wären. Auch trug 
er für die Herausgabe geeigneter Unterrichtsbücher für solche Schulen auf 
eigene Kosten Sorge. Diesem Beispiele folgte als zweiter Fürst Fürstenberg 
auf der Herrschaft Pürglitz. 

Der vorzügliche Erfolg der Gewerbeschule in Königsaal bewies die früher 
(da die Laibacher Schule offenbar ganz unbekannt geblieben war) zum Teil 
bezweifelte Möglichkeit und Nützlichkeit solcher Sonntagsschulen und bewog 
die Generaldirektion des Vereines, zur Errichtung eines ähnlichen Instituts 
in beiden Landessprachen in Prag selbst Anstalten zu treffen. Diese Sonntags- 
schule in Prag (gegründet 1836) fand denn auch starken Zuspruch und all- 
gemeine Anerkennung. Es sollte dieser Sonntagsunterricht eine Fortsetzung 



») Protokoll des innerösterr. Gewerbevereines 1838, S. 37—40. — ^) Staatsrat 1817, 
Nr. 10107. 



176 

des "Wiederholungsunterrichtes bilden, die mangelhafte Schulbildung ersetzen 
und den Erwerbszweigen, die in der Gemeinde hauptsächlich getrieben werden, 
besonders angepaßt sein und so an kleinen Orten den Abgang von Real- und 
sonstigen Fachschulen möglichst ersetzen. 

Diesem Beispiele folgend, entstanden in Böhmen allmählich, zum Teil 
infolge der Einflußnahme des Gewerbevereins, Sonntagsschulen in Pürglitz, 
Schönlinde, Leitmeritz, Pilsen und anderen Orten. 

Die Sonntagsgewerbeschule in Prag genügte bald nicht mehr. Daher faßte 
man 1846 den Plan, eine vollständige Gewerbeschule zu errichten, wofür 1848 
die Genehmigung der Regierung erfolgte. Bis zur Errichtung dieser Anstalt 
sollten die sonntägigen Vorträge in beiden Landessprachen fortgesetzt 
werden^). 

Waren auch bis 1848 solche gewerbliche Sonntagsschulen nur erst in Krain 
und Böhmen vorhanden, so war dadurch dennoch der Grund zu eii^er weiteren 
Entwicklung gelegt, indem die Erfahrungen, die man durch diese Schulen 
sammelte, späterhin verwertet werden konnten und zur Einsicht der Nütz- 
lichkeit einer Verallgemeinerung des gewerblichen Unterrichtswesens führen 
mußten. 
IX. Andere Neben den Unterrichtsanstalten erhielten, namentlich seit den dreißiger 
z^ ver- J^^^^^ ^^^h mehrere andere Mittel zur Verbreitung gewerblicher Bildung eine 
breitung immer größere Bedeutung. 
gewerblicher go vor allem die von den Gewerbevereinen in Prag und Innerösterreich 
""5" regelmäßig veranstalteten Vorträge technischen Inhalts, namentlich über 
°' '*^'^' Chemie, Mechanik, Baukunst und Geometrie^). 
6) Reise- Der böhmische Gewerbeverein gewährte Schülern von Gewerbeschulen 

Stipendien. ßj^gj^gQ ^.jg absolvicrtcn Hörern von technischen Lehranstalten, Professoren und 
Professurskandidaten Reisestipendien zu Studienreisen im In- und Auslande, 
damit sie den industriellen Zustand aus eigener Anschauung kennen lernen^). 
c) Tech- Die Gewerbevereine legten auch Bibliotheken technischer Werke an, 

vv*"i*u^*" wobei sich namentlich der innerösterreichische Gewerbeverein besonders aus- 

bliotbeken. 

zeichnete, der solche Bibliotheken nicht nur in Graz, sondern an allen Orten, 
wo er Zweigniederlassungen hatte, ins Leben rief*). 
d) Technische Dieselben Vereine waren es, welche Zeitschriften technischen Inhalts 
^"*^®*'^"''*"'herausgaben, welche zur Belehrung des Gewerbe- und Fabrikantenstandes 
bestimmt waren^). Das Wiener polytechnische Institut begann schon bald 
nach seiner Errichtung mit der Herausgabe der „Jahrbücher des k. k. poly- 
technischen Instituts in Wien", welche über alle Erscheinungen auf industriellem 
und technischem Gebiete berichteten und orientierten. 
e) Gewerb- Als vorzüglichcs Mittel der Belehrung über industrielle Verhältnisse, über 
stdiun^"^ die Entwicklung und Leistungsfähigkeit der Industrie als Ganzes sowohl als 
auch einzelner hervorragender Betriebe dürfen endlich nicht unerwähnt ge- 



^) Gesch. d. böhm. Gewerbevereines (1858), S. 15 — 39. — *) Gesch. d. böhm. Gewerbe- 
vereines, 15 ff.; vgl. auch S. 219. — ') Gesch. d. böhm. Gewerbevereines, 22. — *) Vgl. S. 216, 
219, 222. — ») Vgl. S. 216, 219, 222. 



177 

lassen werden die Industrieausstellungen, die teils direkt von den staatlichen 
Behörden, teils von den Gewerbevereinen veranstaltet wurden. Demselben 
Zwecke dienten auch die permanenten Industrieausstellungen, die Gewerbe- 
museen^). 

So hatte das gewerbliche Unterrichtsw^esen und die gewerbliche Bildung 
überhaupt durch staatliche und private Tätigkeit bis zum Jahre 1848 große 
Fortschritte gemacht. Gewerbliche Lehranstalten von der niedersten bis zur 
höchsten Stufe bestanden schon, und wenn sich auch manches noch in den 
Kinderschuhen befand und einer Vervollkommnung fähig oder sogar sehr be- 
dürftig war, so konnte auf der schon geschaffenen Grundlage die weitere Ent- 
wicklung leicht aufgebaut werden. 



VIIL Kapitel. 
Stellungnahme der Staatsverwaltung zum Maschinenwesen. 

Die Industrie hätte sich niemals zur modernen Großindustrie entwickelt, 
wenn nicht das Aufkommen der Maschinen diesen Prozeß nicht nur beschleunigt, 
sondern geradezu erst ermöglicht hätte. Ja, man kann ruhig behaupten, daß 
die 1768 erfolgte Erfindung der Dampfmaschine durch James Watt die Grund- 
bedingung für die Entstehung der Großindustrie schuf. Am Ende des 18. und 
Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte auch die Erfindung der für die Weiter- 
entwicklung und Vervollkommnung der Textilindustrie so wichtigen Spinn- 
maschinen und mechanischen Webstühle. 

Langsam, jedoch unaufhaltsam verbreiteten sich seit dem Ende des 18. Jahr- 
hunderts die modernen Maschinen und veränderten die Grundlage der indu- 
striellen Betätigung. Wer in der Fabrikation nicht zurückbleiben wollte, mußte 
zu ihnen greifen, um den Produktionsprozeß zu vervollkommnen und die Fabri- 
kate zu verbilligen. Die Vorteile, die die Maschinen boten, waren zu auffallend, 
als daß man sie hätte übersehen und von ihnen abstrahieren können. Die 
maschinelle Arbeit war viel gleichmäßiger und vollkommener als die Hand- 
arbeit. Der Maschinenbetrieb ermöglichte und forderte eine weitgehende, Zeit 
und Geld sparende Arbeitsteilung. Die Größe der Produktion konnte, bei 
immer geringerer Abhängigkeit von den zur Verfügung stehenden menschlichen 
Arbeitskräften, beliebig ausgedehnt werden. Wie jede große Umwälzung, war 
auch der Übergang vom Hand- zum Maschinenbetrieb ohne Erschütterungen 
nicht möglich. Der Maschinenbetrieb erforderte viel mehr Kapital und war, 
namentlich in den Anfängen, wo hinreichende Erfahrungen über den Bau, 
die Leistungsfähigkeit und Lebensdauer der Maschinen noch fehlten, mit 
großem Risiko verbunden. Nicht jeder konnte auf diesem Gebiete Schritt 
halten und immer mehr mußte sich daher das Übergewicht des Kapitalismus 
geltend machen. Die Maschinen haben dem Kapitalismus in der Wirtschaft 
den Sieg verschafft. 



1) Vgl. S. 225 ff. 

Slokar, Geschichte der österr. Industrie. 10 



178 

Das Aufkommen der Dampfmaschine als treibende Kraft war zwar für alle 
Industriezweige von ausschlaggebender Bedeutung; noch größer aber waren 
die Veränderungen, welche sie auf dem Gebiete des Verkehrs zur Folge hatte, 
so daß die gesamte moderne Wirtschaft als Verkehrswirtschaft bezeichnet 
werden mußte. 

Neben der Dampfmaschine hatten die Maschinen, welche den Betrieb der 
Textilindustrie gründlich umgestalteten, die größte Bedeutung. Bis in das 
18. Jahrhundert hinein waren die Spinnerei und Weberei ungefähr auf derselben 
Stufe geblieben, auf w^elcher sie schon seit unvordenklichen Zeiten gewesen 
waren. Die Garne wurden mit Hilfe einer in einfachster Weise gedrehten Spindel 
gesponnen, die Gewebe mittels des mit der Hand durch das Fach geschobenen 
Schützens erzeugt. Nun wurde es aber bald anders. Im Jahre 1733 erfand 
John Kay den Schnellschützen, 1764 James Hargreaves die Jennymaschine, 
welche gleichzeitig acht Fäden zu spinnen imstande war; ihr folgten 1769 die 
von Richard Arkwright erfundene, nach dem Antriebe durch Wasserkraft 
sogenannte Water- oder nach dem singenden Tone der Spindeln Drosselmaschine 
und 1774 die von Samuel Crompton ersonnene Kombination dieser mit der 
Jennymaschine, die Mulemaschine. Die Mule- und die Watermaschinen 
bildeten den Ausgangspunkt für die ganze weitere Entwicklung der Spinn- 
maschinen^). 

Um dieselbe Zeit erfuhr auch die Weberei grundlegende Verbesserungen. 
In den Jahren 1784 — 1787 erfanden beinahe gleichzeitig E. Cartwright und 
J. Jeffray den mechanischen Webstuhl, der in den nächsten Jahrzehnten die 
Handwebstühle immer mehr verdrängte. Die bis zum Anfange des 19. Jahr- 
hunderts üblich gewesenen Maschinen zur Musterweberei erhielten erst durch 
die 1805 erfundenen und nach ihrem Erfinder K. M. Jacquard benannten 
Jacquardstühle ihre grundlegende Vervollkommnung. 

Für die Seidenweberei wurden zuletzt mechanische Webstühle eingerichtet. 
Die Bemühungen, solche Stühle zu bauen, näherten sich zuerst in Österreich 
ihrer Verwirklichung, wo 1816 Th. Bischof und G. Hornbostel ein Privilegium 
auf Seidenwebstühle, die durch Wasserkraft betrieben wurden, erhielten und 
dieselben in der Fabrik zu Leobersdorf auch wirklich aufstellten^). 

Die Jacquardmaschine kam 1816 zum erstenmal nach Wien, wo Woitech 
undWiUmann sofort an den Bau derselben schritten und sie in Holz ausführten. 
Zahlreiche Verbesserungen wurden am Jacquardstuhle im Inland vorgenommen, 
darunter die bedeutendste in den Jahren 1838 und 1840 durch Th. Woitech in 
Wien, der so zum Erbauer der Wiener Doppelmaschine wurde. 

Die Bandweberei verdankte Österreichern ebenfalls zahlreiche wichtige 
Verbesse rungen^). 

Der Bobbinetstuhl (erfunden 1809 durch Heathcoat) fand in Wien 1829 
durch Ludwig Damböck Eingang*). 



^) Gr. Ind. Oest., IV, 5 f. — ») Gr. Ind. Ost., IV, 11 ff. — ») Vgl. aUe weiteren Einzel- 
heiten in Gr. Ind. Ost., IV, 14 ff., und Keeß, Darstellung des Gewerbs- und Fabrikswesens, 
1819 ff. (Ergänzung 1829/1830). — *) Gr. Ind. Ost., IV, 18. 



179 

Verhältnismäßig spät fanden in Österreich Dampfmaschinen Verbreitung, 
Die erste wurde 1816 in Mähren, in der Brünner Feintuchfabrik von J. H. Offer- 
mann aufgestellt; in Böhmen fand sie 1823, im Küstenlande 1825, in Nieder- 
österreich 1826 Eingang^). Zunächst langsam, dann immer schneller vermehrte 
sich die Zahl derselben. In dieser Beziehung steht von allen Kronländern 
Mähren an erster Stelle. Im Jahre 1844 konnten in Brunn allein 33 Industrie- 
Unternehmungen gezählt werden, welche Dampfmaschinen im Betriebe hatten^): 

Im Jahre 1841 waren in Österreich folgende Dampfmaschinen aufgestellt^). 





Zahl 


Pferde- 
kräfte 




Zahl 


Pferde- 
kräfte 


Niederösterreich . . . . 

Oberösterreich 

Steiermark 

Krain 


56 
2 
1 
4 


758 

12 

8 

113 


Küstenland 

Tirol 


3 

1 

79 

77 


53 

14 

1050 

795 


Böhmen 

Mähren und Schlesien . 





Die Verteilung derselben auf die einzelnen Industriezweige ist aus folgender 
Zusammenstellung ersichtlich*): 





Zahl 


Pferde- 
kräfte 






Zahl 


Pferde- 
kräfte 


In Baumwollspinnereien: 
Niederösterreich . . . 
Krain 


8 
1 
1 

24 


142 
15 
14 

374 


Flachsspinnerei: 
Niederösterreicl 


i: . . . 


1 

1 

• 

3 

5 
11 


8 

8 

44 
32 
94 


Tirol 


Niederösterreich . . . 

Schaf Wollspinnerei : 
Niederösterreich . . . 
Böhmen ..,--.- 


Böhmen 




In Kattunfabrike 


a: 


34 

1 
7 
1 


545 

4 

110 

12 


Niederösterreich . . . 
Böhmen 


Mähren und S( 


hlesien 




19 

1 

1 

6 

31 


170 

16 

4 

111 

344 


Mähren und Schlesien 


Schafwollwaren- und 
Tuchfabriken: 
Niederösterreich . . . 
Oberösterreich . . . . 
Böhmen 


Appretur und Mange: 
Niederösterreich . . . 
Böhmen 


9 

4 

1 
1 


126 

40 
6 

8 


Mähren und Schlesien 


Mähren und S( 


.hlesien 






6 


54 




39 


475 



*) Hallwich, Reichenberg u. Umgeb., 517 f.; D'Elvert, Zur Kulturgesch. Mährens, I, 435; 
Breindl in Schräm, Denkwürdigkeiten, II, 136. — *) Breindl in Schräm, Vaterl. Denkwürdig- 
keiten, II, 138. — ») Tafeln zur Statistik d. österr. Monarchie f. d. Jahr 1841. — *) Tafeln 
zur Statistik d. österr. Monarchie f. 1841. 

12* 



180 





Zahl 


Pferde- 
kräfte 




Zahl 


Pferde- 
kräfte 


Lederfabrik: 

Mähren und Schlesien 

Papierfabriken: 

Niederösterreich . . . 
Böhmen . ^ 


1 

2 
2 


10 

44 

48 


Porzellan- und Email- 
fabriken: 
Niederösterreich . . . 
Böhmen 


1 

1 


4 
2 


Steinmetzarbeiten : 
Böhmen 

Bergbau: 

Krain 

Böhmen 

Mähren und Schlesien 


2 

1 

2 
17 
13 


6 

2 

90 
205 
178 


Buchdruckereien: 

Niederösterreich . . . 
Böhmen 


4 

2 
1 


92 

9 
4 


Rohr- und Rübenzucker- 
fabriken: 
Niederösterreich . . . 

Steiermark 

Krain 

Böhmen 

Mähren und Schlesien 


3 

2 
1 
1 
5 
5 


13 

8 

8 

8 

48 

43 


Hochofengebläse: 

Böhmen 

Mähren und Schlesien 


32 

4 
6 


473 

52 
70 


Zichorienkaff eeerzeugung : 
Mähren und Schlesien 
Ölpressen: 

Niederösterreich . . . 

Böhmen 

Mähren und Schlesien 


14 
2 

1 
1 
2 


115 

8 

6 
10 
12 


Streckwerke und Blech- 
walze: 
Niederösterreich . . . 

Stahlwaren-, Schrauben- 
und Nägelfabriken : 

Niederösterreich . . . 
Böhmen 


10 

2 

3 
1 


122 

66 

20 
20 


Kerzenfabriken: 
Niederösterreich . . . 
Küstenland 


4 

1 
1 


28 

16 
6 


Geschütz- und Gewehr- 
fabriken: 
Niederösterreich . . . 

Münzprägung: 
Niederösterreich . . . 

Maschinenfabriken : 
Niederösterreich . . . 

Böhmen 

Mähren und Schlesien 


4 

2 
2 

2 

1 
2 


40 

20 
28 

8 
8 
9 


Holzschneidewerke : 
Niederösterreich . . . 
Böhmen 


2 

3 
2 


22 

8 
18 


Mahlmühlen: 

Niederösterreich . . . 
Oberösterreich .... 

Küstenland 

Mähren und Schlesien 
Galizien 


5 

3 
1 

1 
2 
1 


26 

93 
8 

35 
7 

16 




8 


159 




5 


25 



181 

Die Dampfmaschien traten in Benützung im Jahre (mit Inbegriff der 
Dampf bootmaschinen und Lokomotiven^): 



Jahr 



In der Provinz 



Zahl 



Pferde- 
kräfte 



Jahr 



In der Provinz 



Zahl 


Pferde- 
kräfte 


6 


150 


1 


100 


11 


158 


3 


22 


11 


195 


7 


715 


17 


228 


2 


16 


14 


484 


1 


4 


2 


45 


5 


520 


7 


78 


8 


119 


11 


255 


1 


28 


1 


60 


3 


196 


9 


141 


10 


101 


18 


433 


1 


14 


1 


14 


10 


174 


6 


65 


1 


16 


51 


1476 


1 


6 


9 


108 


13 


125 



1816 
1820 
1823 

1824 
1825 

1826 

1828 
1829 
1830 

1831 

1832 
1833 

1834 

1835 



Mähren . . . . 

Mähren . . . . 

Böhmen . . . , 
Mähren , . . . 

Böhmen . . . . 

Küstenland . . 
Böhmen , . . . 

Niederösterreich . 

Mähren . . , , 

Mähren . . . . 

Niederösterreich . 
Böhmen . . . . 
Mähren . . , . 

Niederösterreich . 
Böhmen , . . . 
Mähren . . . . 

Niederösterreich. 
Mähren . . . . 

Niederösterreich . 
Steiermark . . . 
Böhmen . . . . 
Mähren .... 

Niederösterreich. 
Küstenland . . 
Böhmen . . . . 
Mähren . . . 

Niederösterreich . 
Oberösterreich . 

Krain 

Mähren . . . , 



2 

1 

1 
3 
1 

2 
2 
3 

1 
2 

1 
1 
1 
6 

2 

1 

5 

11 

4 
1 
1 
6 



10 



6 
24 

10 

80 
66 

66 

14 

6 

60 
37 
10 

20 
16 
16 

22 
9 

50 

8 

16 

58 

60 

70 

42 

124 

97 



70 



1836 



1837 



1838 



1839 



1840 



1841 



Niederösterreich 
Küstenland . 
Böhmen . . . 
Mähren . . . 



Niederösterreich 
Küstenland . 
Böhmen . . . 
Mähren . . . 



Niederösterreich 
Oberösterreich 
Krain .... 
Küstenland . 
Böhmen . . . 
Mähren . . . 



Niederösterreich 
Oberösterreich 
Krain .... 
Küstenland . 
Böhmen . . . 
Mähren . . . 



Niederösterreich 
Krain .... 
Tirol u. Vorarlberg 
Böhmen . . 
Mähren . . 
Galizien . . 



Niederösterreich 
Küstenland . 
Böhmen . . . 
Mähren . . . 



Die steigende Zunahme der Dampfmaschinen (ohne Lokomotiven und 
Dampfbootmaschinen) veranschaulicht folgende Zusammenstellung (samt der 
Lombardei und Venetien^): 



1) Tafeln zur SUt. d. österr. Mon. f. 1841. — ») Tafeln zur Stat. d. österr. Mon. f. 1841. 



182 



Jahr 



Zahl 



Pferdekräfte 



Jahr 



Zahl 



Pferdekräfte 



1816 
1820 
1823 
1824 
1825 
1826 
1827 
1828 
1829 
1830 
1831 



10 
6 
30 
10 
66 
66 

14 

6 
47 
52 



1832 
1833 
1834 
1835 
1836 
1837 
1838 
1839 
1840 
1841 



18 
13 
18 
28 
25 
24 
33 
36 



31 

82 
198 
117 
208 
360 
330 
344 
487 
475 



Schon frühzeitig war sich die österreichische Staatsverwaltung des hohen 
Nutzens der Maschinen für die Industrie wohl bewußt. Unter Josef IL wurden 
geschickten „Fabrikanten" hohe Vorschüsse zur Anschaffung von Maschinen 
und sonstigen notwendigen Werkzeugen erteilt^). Erzeugern von Maschinen 
wurden Geldgeschenke („Primen") zur Erweiterung ihrer Gewerbe verliehen 
oder sie wurden mit anderen Begünstigungen bedacht^). Die Erfinder von 
nützlichen Maschinen erhielten außerdem ausschließende Privilegien auf eine 
Reihe von Jahren^). 

Kaiser Franz I. hatte für den Nutzen der Maschinen dieselbe Einsicht, 
und obwohl unter seiner Regierung sonst wegen der durch die vielen Kriege 
zerrütteten Staatsfinanzen und des Durchdringens liberaler Ideen die Ärarial- 
vorschüsse immer spärlicher werden mußten, so zeigte sich doch, daß zur För- 
derung und Verbreitung des Maschinenwesens dennoch von selten des Staates 
keine Opfer gescheut wurden. Auch an Auszeichnungen ließ es der Kaiser nicht 
fehlen. So verlieh er in den ersten Jahren seiner Regierung (1795) den Pilsner 
Tuchfabrikanten Philipp und Daniel Tuschner, vorzüglich weil sie mehrere 
Maschinen und geschickte Weber auf eigene Kosten aus dem Ausland ins 
Land gezogen hatten, zwei goldene Denkmünzen*). 

Als im Jahre 1800 Freiherr von Glave-Kolbielski mit Rücksicht darauf, 
daß er nach vielen kostspieligen Bemühungen auf einer Reise ins Ausland einen 
englischen „Maschinenkünstler" ausfindig gemacht und ihn bewogen hatte, 
sich mit ihm zu vergesellschaften und nach Österreich einzuwandern, um ein 



1) Z. B. H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 72, Nr. 107 ex dec. 1784. Dem Papierdosen- und feine 
Blechwarenfabrikanten Paul Perdolt wird ein Vorschuß von 972 fl. zur Anschaffung einer 
Glanzmaschine erteilt. U. dgl. m. — ^) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 72, Nr. 14 ex Febr. 1787. Dem 
K^artätschenmacher Petschker wird zur Erweiterung seines Gewerbes von Sr. Majestät eine 
Prime von 200 fl. bewilligt; 1781 wurde zwei Fabrikanten, die eine Maschine zur Bearbeitung 
der Wollenzeuge auf englische Art von Sachsen nach Böhmen bringen wollten, vom Kaiser 
eine Gnadengabe bewilligt (Staatsrat 1781, Nr. 2048). — ") H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 72, Nr. 65 
ex aug. 1783. — *) Statth. A. Prag, 1786—1795, Kom., Fasz. 7, subn. 26, 1795, Sept. 5. 



183 

ausschließendes Privilegium zur Anlegung einer Fabrik von englischen Spinn- 
maschinen und um eine Landesfabriksbefugnis zur Maschinengarnspinnerei 
ansuchte, da äußerte sich der Referent der Hofstelle, Graf Herberstein-Moltke, 
im diesbezüglichen alleruntertänigsten Vortrage: „Gewiß ist es, daß nur durch 
die neuen Fortschritte der inneren Industrie aller Art und durch den Handel 
vorzüglich jene tiefen Wunden wieder zu heüen sein werden, welche die Mon- 
archie durch diesen Krieg erlitten hat. Auch ist es einleuchtend, daß die Ver- 
breitung von neuen Maschinen allein den so ansehnlichen Mangel an Menschen- 
händen mit vielfachem Gewinne zu ersetzen imstande sei und daß, obwohl der 
Spekulations- und Rechnungsgeist in der Nation sehr zugenommen hat, der 
gegenwärtige Moment des so hoch gestiegenen Taglohnes zur Verbreitung 
ähnlicher Maschinen vorzüglich tauge, weil nur die Not die erste Lehrmeisterin 
der Industrie ist und weil der vorher so wohlfeil bestandene Taglohn den weniger 
kühnen, an den alten Gebrauch gewöhnten Unternehmern gewöhnlich die An- 
nahme neuer Erfindungen und Maschinen als nicht hinlänglich gewinnbringend 
darstellte". 

So wurde denn dem Bittsteller zugesichert 1. in Ansehung aller Maschinen, 
welche er und seine Gesellschaft in den österreichischen Staaten anfertigen oder 
einführen würden, ein ausschließendes Privilegium auf zehn Jahre, wobei auf 
die Übertretung dieses Privilegiums eine Strafsumme von 600 Species Dukaten 
gesetzt wurde, welche dem Privilegieninhaber anheimzufallen hätte. 2. Daß 
sowohl der englische „Maschinenkünstler" und dessen Familie als auch die von 
ihm hereingebrachten übrigen Maschinisten und Arbeiter nebst ihren Ange- 
hörigen und Kindern von der Stellung zum Militär auf immer befreit bleiben 
würden. 3. Es wird ihm die Anlegung seiner Maschinenfabriken in Wien oder 
in der Nähe der Residenz gestattet. 4. Ebenso die Errichtung einer Gammanu- 
faktur zur Baum-, SchafwoU- und Flachsspinnerei, jedoch ohne ausschließendes 
Recht. 5. Es wird dem Bittsteller die Befugnis erteilt, alle Arbeiter, welche in 
dieser Maschinenfabrik oder zur Garnspinnerei verwendet werden, zur Geheim- 
haltung alles dessen, was hie von zu ihrer Kenntnis gelangt, in Eides- 
pflicht zu nehmen. 6. Es wird das ausschließende Privilegium nur auf den 
Namen des Bittstellers mit Erwähnung seiner Gesellschaft, ohne jedoch die- 
selbe näher zu benennen, und mit dem Beisatz ausgefertigt, daß es ihm über- 
lassen bleibe, dasselbe als sein Eigentum zu zedieren oder zu verkaufen oder 
sich hiezu die Gesellschafter nach seinem Belieben zu wählen^). Daraus ist 
ersichtlich, wie weitgehende Begünstigungen bei Einführung neuer nützlicher 
Maschinen zuzugestehen die damalige Staatsverwaltung gesonnen war. 

Allerdings war ihm dies nur unter der Bedingung zugesichert worden, 
daß niemand schon solche Spinnmaschinen in Österreich betreibe. 

Freiherr von Kolbielski war im Auftrag und auf Kosten der k. k. oktroy- 
ierten Kommerzialleüi- und Wechselbank nach Deutschland und England 
gereist und hatte daselbst einerseits mit dem englischen Spinn- und Maschinen- 
meister Johann von Thornton einen Kontrakt auf 50 große Baumwollspinn- 



1) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 72, Nr. 33 ex mart. 1801. 



184 

maschinensätze geschlossen, war anderseits mit dem englischen Mechaniker 
Johann Lever einen Vertrag auf mehrere Arten von Spinnmaschinen für Baum- 
wolle, Schafwolle und Flachs eingegangen, um eine förmliche englische Maschinen- 
fabrik im Inland zu errichten. 

Bald darauf reichten Fries & Ochs und ihr Gesellschafter Hebenstreit 
um ein ausschließendes Privilegium auf 15 Jahre auf englische Spinnmaschinen 
ein, die sie angeblich ganz aus inländischem Material durch englische „Künstler" 
verfertigt hatten. 

Diese Gesuche hatten zur Folge, daß man sich von selten der Staats- 
verwaltung entschloß, zunächst in Erfahrung zu bringen, ob nicht vielleicht 
solche Spinnmaschinen in Österreich schon in Verwendung standen. Auf 
kaiserlichen Befehl untersuchte daher (1801) der niederösterreichische Re- 
gierungsrat Baron Kielmannsegge mit Zuziehung des Professors der höheren 
Mathematik an der Prager Universität Franz Gerstner und des Ingenieurs 
beim Wiener Wasserbauamte von Dalistein als Sachverständige jene Fabriken 
in Böhmen und Niederösterreich, die sich mit der Baumwollspinnerei beschäf- 
tigten und hiezu Maschinen verwendeten^). In folgenden Unternehmungen 
wurden solche Maschinen vorgefunden: 1. In der privilegierten Zitz- und Kattun- 
fabrik von Josef Leitenberger in Wernstadtl ; 2. in der gräflich Rottenhanischen 
Zitz-, Kotton- und Musselinfabrik zu Gemnischt ; 3. in der fürstlich Auerspergi- 
schen Fabrik zu Seltsch im Chrudimer und zu Malletsch im Caslauer Kreise. 
Weiters wurden untersucht 4. die von Freiherrn von Kolbielski durch Lever 
und Thornten ausgeführten Spinnmaschinen in Wien; 5. die von der Gesell- 
schaft Fries & Co., Ochs, GeymüUer und Hebenstreit in Wien erbauten Spinn- 
maschinen; 6. die in der Kettenhof er Fabrik in Verwendung stehenden Spinn- 
maschinen ; 7. eine vom Arzte Dopfer erfundene Spinnmaschine ; 8. die Spinn- 
maschinen des Wiener Fabrikanten Schimper und einiger anderer Wiener 
Fabrikanten; 9. die Spinnmaschine, auf welche 1798 dem Chevalier Landriani 
ein ausschließendes Privilegium verliehen worden war und welche in dieser 
Zeit einem gewissen Montallier gehörte; 10. die Spinnmaschine des Zitz- und 
Kattunfabrikanten Johann Christoph Breuer zu Kuttenberg. 

Das Ergebnis dieser Untersuchung war, daß zwischen den in Böhmen be- 
sichtigten Maschinen und jenen, welche beim Freiherrn von Kolbielski teils in 



^) An diese Reise knüpft sich eine interessante Episode. Baron Kielmannsegge hatte die 
Postillionstrinkgelder mit 1 fl. 30 kr. für jede Station berechnet, obwohl der Tarif dafür nur 
34 kr. festsetzte. Da aber den „in Commissione" reisenden Beamten eine mäßige Über- 
schreitung des tarifmäßigen Betrages gewöhnlich gestattet wurde, so sollte ihm zwar nicht 
der ganze eingerechnete Betrag, dennoch aber 1 fl. 8 kr. für jede Station bewilligt werden. 
Der Kaiser bewilligte jedoch den ganzen Betrag, da der Referent im Staatsrate (Grohmann) 
sich diesbezüglich folgendermaßen geäußert hatte: „Über die an die Postillione abgereichten 
Trinkgelder wäre um so mehr ohne allen Anstand hinauszugehen, als es schon lange kein 
Reisender mehr wagen darf, sich auf das patentmäßige Trinkgeld zu beschränken, wenn er 
sich nicht den unangenehmsten Begegnungen der Postillione oder wohl gar der Gefahr, durch 
ihren Unmut auf der Straße verunglückt zu werden, ausgesetzt sehen will" . . . (Staatsrat 
1802, Nr. 743). 



185 

Plänen, teils in Betrieb gefunden worden waren, gar kein wesentlicher Unter- 
schied zu entdecken war oder erwiesen werden konnte. Die Sachverständigen waren 
sogar der Ansicht, daß die in Böhmen in Augenschein genommenen Maschinen 
„sowohl in mechanischer als auch in merkantilischer Hinsicht" einen ent- 
schiedenen Vorzug vor den Kolbielskischen verdienten. Die Maschinen, die 
in Böhmen in Verwendung standen, waren durchwegs im Inlande verfertigt. 
Die Sachverständigen konnten dabei sogar ihr Erstaunen nicht bergen, daß 
es der Betriebsamkeit dieser böhmischen Unternehmer in einem Zeiträume 
von wenigen Jahren gelungen war, für derart zusammengesetzte Maschinen 
Inländer so geschickt auszubilden, daß ihre Leistungen jenen nicht nachstanden, 
wenn sie dieselben nicht gar übertrafen, welche in Wien von kostspieligen, 
aus dem Auslande hereingebrachten Handwerkern verfertigt worden waren. 

Die Sachverständigen fanden daher, daß kein Grund vorhanden sei, um 
irgend eine der genannten Unternehmungen durch eine besondere Begünstigung 
auszuzeichnen, hielten vielmehr alle einer gleichen Unterstützung und Auf- 
merksamkeit von Seiten des Staates würdig. 

Der Kaiser befahl nun der Hofstelle, indem er ihr das Resultat dieser Unter- 
suchung mitteilte, es solle unter dem Vorsitze des Kanzlers eine eigene Kommis- 
sion diese Angelegenheit gründlich untersuchen und dabei auch feststellen, 
welche Grundsätze und Vorsichten bezüglich der Behandlung von Privilegien- 
gesuchen überhaupt zu bestimmen und den Länderstellen für die Zukunft zur 
genauen Beobachtung vorzuschreiben seien; außerdem auch zu erwägen, 
ob es nicht zweckmäßig wäre, Bittstellern, welche auf die Gründung ähnlicher 
Unternehmungen erweislich beträchtliche Kosten verwendet hatten, eigene 
Befugnisse zu erteilen und durch Verhinderung einer zu raschen Verbreitung 
solcher Unternehmungen ihnen eine billige Schadloshaltung für ihre Voraus- 
lagen zu sichern. Solche Konzessionen hätten sich jedoch nur auf Maschinen 
zur Verspinnung von Baum- und Schafwolle, keineswegs aber auf die Ver- 
spinnung von Flachs auszudehnen, welch letzteres ausdrücklich auszunehmen 
wäre. 

In dieser Verweigerung von Konzessionen auf Flachsspinnmaschinen 
spiegelt sich die damals weit verbreitete Befürchtung wider, es könnten die 
Maschinen den vielen Tausenden, welche sich mit der Flachsspinnerei be- 
schäftigten, ihren Nahrungserwerb entziehen, welche Befürchtung auch die 
ökonomische Wissenschaft jener Zeit, allerdings in ablehnendem Sinn, einer 
Würdigung unterziehen mußte^). 



^) So meinte Justi (Manufakturen und Fabriken [1786] I, 147), dieser Einwurf gegen die 
Nützlichkeit der Maschinen wäre nur dann gerechtfertigt, wenn es nicht möglich wäre, den durch 
die Maschinen ersparten Menschenhänden eine anderweitige Beschäftigung zu verschaffen, in 
welche Lage jedoch ein Staat wohl niemals gelangen könne. Noch 1841 schrieb Louis von Orth 
(Über die mech. Flachsspinnerei, Wien 1841, S. 49): „Es bleibt nun noch eine viel verbreitete 
Meinung zu widerlegen übrig, nämlich daß die Maschinenspinnerei dem Landvolke schädlich 
sei" . . . S. 51 : „Man sah darin eine Beraubung der armen Leute. Die erleuchteten Regierungen 
aber teilten diese Ansicht nicht." 



186 

Außer mehreren anderen Privilegiengesuchen auf Maschinen lag um diese 
Zeit auch noch ein Gesuch des Brünner Feintuchfabrikanten Fr. W. Offermann 
vor, der anzeigte, daß er mit der Vervollkommnung und Zusammensetzung 
einer Schafwollspinnmaschine beschäftigt sei und zugleich bat, falls von einer 
anderen Seite auf eine ähnliche Maschine um ein ausschließendes Privilegium 
angesucht würde, auch auf ihn Rücksicht zu nehmen, damit er an dem Gebrauche 
seiner Maschine nicht gehindert werde. 

Aus allem ist ersichtlich, wie die zu Anfang des 19. Jahrhunderts infolge 
Arbeitermangel stark gestiegenen Arbeitslöhne zur schnellen Einführung und 
Verbreitung von arbeitersparenden Maschinen aneiferten und wie plötzlich 
sich so viele Fabrikanten mit ihrer Einführung zu gleicher Zeit beschäftigten. 
Anderseits mußte aber die Staatsverwaltung jetzt einsehen, wie voreilig und 
in Verkennung des wirklichen Standes der Dinge sie dem Freiherrn von Kol- 
bielski, der als erster an sie herangetreten war, große Begünstigungen in Aussicht 
gestellt hatte. Jetzt galt es, den Fehler wieder gutzumachen. 

Bei den weiteren Verhandlungen über die Frage der Spinnmaschinen be- 
schäftigte man sich auch mit den Bedenken, ob die Maschinen durch Verdrän- 
gung vieler Menschenhände doch nicht auch schädlich seien. Dieser Umstand 
wurde namentlich bezüglich der Flachsspinnmaschinen erwogen, da mit Flachs- 
spinnerei viele Tausende von armen Gebirgsbewohnern, namentlich in Ober- 
österreich, Schlesien, Böhmen und Mähren beschäftigt waren, die durch Ver- 
breitung von Flachsspinnmaschinen um den größten Teil ihres Erwerbes ge- 
kommen wären. Besonders war es Staatsrat Anton von Baldacci, welcher als 
Referent im Staatsrate der Meinung war, es sollten auf Spinnmaschinen keine 
Konzessionen erteilt werden, bis nicht der Einfluß derselben auf den Nahrungs- 
stand der Bevölkerung festgestellt sei, denn sie könnten die Bevölkerung in 
einem Erwerbszweige, der nur in Böhmen an 600.000 Menschen Verdienst gebe, 
schwer schädigen. 

Als Ausfluß dieser Bedenken erfloß denn auch im Jänner 1803 die aller- 
höchste Entschließung, daß es von jeder Verleihung von Privilegien auf Spinn- 
maschinen abzukommen habe und daß, um die beständige Übersicht und 
Kenntnis von der Zahl und den Fortschritten dieser Maschinen zu erhalten und 
den Einfluß derselben auf den Nahrungsstand der ärmeren 
Klassen der Untertanen beobachten zu können, für die Zukunft zu 
jeder solchen Unternehmung vorläufig die Bewilligung der Hof stelle angesucht 
werden müsse, daß jedoch vorderhand Befugnisse auf das Verspinnen von 
Flachs mittels Spinnmaschinen nicht erteilt werden sollen, bis nicht durch 
genaueste Prüfung die Überzeugung gewonnen sei, daß der Nahrungsstand der 
Bevölkerung darunter nicht leide. 

Das dem Freiherrn von Kolbielski verliehene Privilegium wurde wegen 
der Defizienz der daran geknüpften Bedingung der Neuheit für hinfällig erklärt ; 
hingegen wurde der Gesellschaft Fries & Co. und der oktroyierten Leihbank 
(welche die Spinnmaschine von Kolbielski übernommen hatte) die Landes- 
fabriksbefugnis auf die Schaf- und Baumwollmaschinenspinnereierteilt. Außerdem 
wurde Leitenberger zu Wernstadtl wegen der schon vor einigen Jahren in seiner 



187 

Fabrik mit gutem Erfolge angewendeten Spinnmaschinen im allerhöchsten 
Namen die verdiente Belobung ausgesprochen sowie die förmliche Fabriks- 
befugnis auf seine Baumwollmaschinenspinnerei verliehen; ebenso erhielten 
der Kuttenberger Fabrikant Breuer sowie die Spinnunternehmungen des 
Fürsten von Auersperg und des Grafen von Rottenhan die Landesfabriksbefugnis 
auf das Spinnen von Schaf- und Baumwolle, Dem Fürsten Karl von Auers- 
perg und dem Grafen von Rottenhan wurde wegen der Einführung und An- 
wendung der englischen Spinnmaschinen in ihren Fabriken im großen und der 
dadurch sich um den inländischen Gewerbefleiß erworbenen wesentlichen Ver- 
dienste auch die allerhöchste Zufriedenheit zu erkennen gegeben^). 

Es sollten also künftighin Befugnisse auf die Verspinnung von Flachs mit 
Maschinen überhaupt nicht, auf die Verspinnung von Baum- und Schafwolle 
nur mit Bewilligung der Hofstelle erteilt werden dürfen. Letzteres bedeutete 
in Wirklichkeit nicht viel, da die Hofstelle sich selbst am wenigsten der Ein- 
sicht verschloß, daß die Beförderung und Verbreitung der Maschinen von 
größtem Nutzen für die Nationalbetriebsamkeit sei. Schon zu Anfang 1803 
wurde so dem Kaufmanne Christian Friedrich Landrock aus Plauen und dem 
Mechaniker Johann Chr. Sennewald aus Greiz, welche mit dem Fabrikanten 
Josef Keilwerth zu Graslitz in Verbindung standen, die angesuchte Bewilligung 
sowohl zur Einwanderung nach Böhmen als zur Errichtung einer englischen 
Spinnmaschine auf Baum- und Schafwolle zu Graslitz erteilt und ihnen die 
Landesfabriksbefugnis verliehen^). Im selben Jahre wurde dem Freiherrn 
von Braun die Landesbefugnis zur Baumwollspinnerei auf Maschinen in Hernais 
bei Wien erteilt, ,,da bei dem immer mehr überhandnehmenden Mangel an 
arbeitenden Händen die Verbreitung der Maschinen auf alle nur mögliche 
Weise zu befördern ist"^). 

Trotz dieses einzig möglichen maschinenfreundlichen Standpunktes der 
Hofstellen oder vielmehr gerade deswegen erschien den einsichtsvollen Unter- 
behörden die vorgeschriebene Bewilligung der HofsteUe als eine unerklärliche 
Beschränkung. 

Als Graf Magrini 1804 um die Bewilligung zur Errichtung einer Baumwoll- 
maschinenspinnerei ansuchte, da setzte Kommerzienrat Schreyer die Vorteile 
auseinander, welche das Maschinengespinst vor dem Handgespinste biete 
sowohl in bezug auf Feinheit und Güte als auch auf Preiswürdigkeit, Wohl- 
feilheit und schnellere Erzeugung. Schon aus diesem Grunde verdiene die 
Maschinenspinnerei allen Vorschub, ohne zu befürchten, daß der freie und 
unbeschränkte Gebrauch derselben einen wesentlichen Einfluß auf den Nahrungs- 
stand der ärmeren Klasse der Untertanen haben werde. „Böhmen ist ein indu- 
striöses Land." so fährt Schreyer fort, „welches noch keine Gelegenheit ent- 
schlüpfen ließ, wo eine neue Quelle zum Nahrungsstand sich von weitem zeigte, 



1) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 72, Nr. 31 ex jun., Nr. 18 ex aug. 1801; Nr. 48 u. 49 
ex apr. 1802, Nr. 6 ex jan. 1803; Staatsrat 1802, Nr. 3391 ; Statth. A. Prag, 1796—1805, Kom., 
Fasz. 13, subn. 17, 1803, Jan. 10. — *) Statth. A. Prag, 1796—1805, Kom., Fasz. 13, subn. 17, 
1803, Jan. 10. — ") H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 72, Nr. 4 ex apr. 1809. 



188 

ihr hastig nachzujagen, und welches, sobald irgend eine Nahrungsquelle ver- 
siegte, wie z. B. die Steinschneiderei zu Turnau, gleich wieder eine andere 
mühsam aufsuchte, um sich Nahrung zu verschaffen. Dies ist der Fall mit 
dem Übergange von der Flachs- zur WoU- und seit ungefähr 12 Jahren zur 
Baumwollspinnerei, die, weil die Cottone die Leinwand verdrängten und die 
Baumwollspinnerei mehr als die des Flachses und der Wolle einträgt, schnell 
ergriffen und in manchen Gegenden des Landes, wo die Cottonfabriken sich 
ausgebreitet hatten, zum beinahe einzigen Nahrungserwerb gewählt wurde". 
Herrschend seien die Kottone und die Tucherzeugung beginne auch große Fort- 
schritte zu machen. Diese beiden Produktionszweige fordern daher Freiheit 
und können zum Vorteile des inländischen Kommerzes und zum Nutzen des 
Staates nur dann zur Blüte gelangen, wenn keine Hindernisse im Wege stehen. 
Der eingeschränkte Gebrauch der Maschinen sei eines dieser 
Hindernisse für beide genannten Erwerbszweige. 

Auch das böhmische Gubernium glaubte aus diesen Gründen, daß die 
Spinnmaschinen nicht beschränkt werden sollten, da durch sie der Nahrungs- 
stand der ärmeren Bevölkerung nicht leiden könne. 

Von der Hofstelle wurde darauf dem Grafen Magrini die angesuchte Be- 
willigung erteilt. Dennoch blieb es aber auch weiterhin notwendig, vor der Er- 
richtung von Spinnmaschinen die Bewilligung der Hofstelle einzuholen^). 

Die Einführung anderer Maschinen und die Verfertigung derselben im 
Inlande wurde auf jede Weise gefördert. Es wurden nicht nur Befugnisse zur 
Verfertigung von Maschinen und Werkzeugen ohneweiters verliehen, sondern 
auch vielfach mit anderweitigen Begünstigungen verbunden, um so mehr 
,,als an dergleichen Arbeitern, welche die erforderliche Geschicklichkeit be- 
saßen, Werkstühle und Maschinen zu verfertigen, ohnehin noch Mangel" war^). 

Als 1806 der Wiener Arzt Dr. Eduard Dopfer um die fabriksmäßige Befugnis 
auf die Maschinenspinnerei und auf die Verfertigung der hiezu erforderlichen 
Werkzeuge ansuchte und auch um etliche Begünstigungen bat, da lautete die 
Erledigung durch die Hofkammer: „Es wäre ebenso auffallend und unzweck- 
mäßig, das in so allgemeinen Ausdrücken gestellte, viel umfassende Gesuch des 
Bittstellers unbedingt zu gewähren, als es unbillig und den liberaleren Grund- 
sätzen einer auf die Emporbringung der Industrie hinzielenden Kommerzial- 
verwaltung widersprechend sein würde, denselben nach dem Einraten der 
unteren Behörden geradezu abzuweisen und auf solche Art den Bittsteller nicht 
nur den ganzen für seine Maschinen bisher gemachten Aufwand von Zeit und 
Geld verlieren zu machen, sondern ihn auch in die Unmöglichkeit zu versetzen 
oder ihm doch wenigstens den Mut zu benehmen, sie durch weitere Versuche 
zu verbessern, zu vervollkommnen und wahrhaft gemeinnützig zu machen. 
Überhaupt kann die Verfertigung von Maschinen und die Ver- 
wendung derselben nicht gleich einem Handwerke behandelt 
werden und derjenige, welcher sein ganzes Vermögen und seine 



1) Statth. A. Prag, 1796—1805, Korn., Fasz. 13, subn. 23, 1804, Apr. 19. — ^) H. K. A, 
Kom. N.-Ö., Fasz. 72, Nr. 13 ex febr. 1802. 



189 

moralischen Kräfte auf Erfindung oder Anwendung neuer Ma- 
schinen verwendet, verdient besondere Rücksicht, wäre es auch 
nur, um den Geist der Industrie zu beleben und anzueifern," 
Daher wurde das Einraten der Regierung, dem Bittsteller eine fabriksmäßige 
Befugnis auf die Maschinenspinnerei und die Verfertigung der hiezu nötigen 
Werzkeuge zu erteilen genehmigt. „Daß die Maschinen des Bittstellers zu den 
unvollkommeneren in ihrer Art gezählt werden, kommt hier in keine Betrachtung, 
da es nur des Unternehmers Sache ist, seinen Erzeugnissen Absatz zu ver- 
schaffen"!). 

Im selben Jahre (1806) wurde den Fabriksunternehmern Tylor & Royce 
das Landesfabriksprivilegium zur Erzeugung sowohl der Spinn- als anderer 
Maschinen und Werkzeuge und zur Ausübung der Wollspinnerei erteilt^). 

Die Fortschritte, welche die Maschinenspinnerei im Auslande gemacht 
hatte, und der große Mangel an Arbeitskräften führten endlich dazu, daß man 
an die Aufhebung der beschränkenden Verordnung von 1803 zu denken begann. 

Zu Ende 1810 und zum zweitenmal im Jänner 1811 forderte die Hofkammer 
von den Länderstellen Gutachten ab, „ob bei den gegenwärtigen Zeitumständen 
die Aufhebung der Verordnung, wodurch der Gebrauch der Flachsspinnmaschinen 
verboten werde, nicht rätlich wäre". 

Besonders interessant ist das diesbezügliche Gutachten des böhmischen 
Kommerzienrats Rößler vom 27. Februar 1811. Er meinte, die Bearbeitung 
des Flachses bis zur fertigen Leinwand könne und werde nicht anders als mit 
Maschinen betrieben, denn die Breche, die Hechel, der Rocken und die Spindel 
seien auch wirkliche Maschinen. Er kenne überhaupt keine Verordnung, welche 
die Flachsspinnmaschine verbiete, finde sie auch in keiner Gesetzessammlung. 
Es war auch in der Tat der Gebrauch der Flachsspinnmaschinen nicht ver- 
boten, sondern nur den Behörden untersagt worden, Befugnisse auf die 
Flachsmaschinenspinnerei zu verleihen. Die Spinnerei konnte aber als ein freies 
Gewerbe auch ohne Befugnis betrieben werden, wobei es jedoch auch jedem 
freistand, um eine förmliche oder einfache Fabriksbefugnis anzusuchen^). In 
dieser Beziehung hatte somit Kommerzienrat Rößler auch recht. 

Die Flachsspinnmaschinen, meinte Rößler weiter, durch welche man wie 
auf Baumwollspinnmaschinen 20 bis 200 Fäden auf einmal hervorzubringen 
imstande wäre, hätte man gar nicht zu fürchten, da sie überhaupt noch nicht 
erfunden seien und auf deren Erfindung erst unlängst der französische Kaiser 
eine Million Franken ausgesetzt habe. Wenn sie aber wirklich erfunden wären, 
was auch zweifellos geschehen werde, so hätte man weder Nahrungslosigkeit 
für die gegenwärtigen Flachsspinner noch auch solche Unruhen zu besorgen, 
wie sie in England bei der Einführung der Baumwollspinnmaschinen ausge- 
brochen seien. England habe gerade durch die Maschinen einen großen Vor- 
sprung in der Wohlfeilheit der Waren erlangt. „Man glaubt daher unmaß- 
geblichst, die Aufhebung des Verbotes einer offenbar und allgemein anerkannten 



») H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 72, Nr. 22 ex mart. 1806. — *) H. K. A. Korn. N.-Ö., Fasz. 72, 
Nr. 8 ex jul. 1806. — ») Vgl. Kopetz, a. a. 0., II, 491. 



190 

nützlichen Sache wie die Flachsspinnmaschinen, wie alle Gewerbsmaschinen 
sind, sollte dem Geiste des Zeitalters nicht preisgegeben werden, sondern dieses 
Verbot der Vergessenheit, in welcher es sich zu befinden scheint, überlassen 
werden; statt dieser ohnehin zu keinem Zwecke dienenden Aufhebung des Ver- 
botes sollte vielmehr eine die französische Regierung nachahmende, bedeutende 
Prämie auf die Herstellung einer über alles nützlichen Flachsspinnmaschine 
höchstenorts festgesetzt werden, durch deren Bekanntmachung sich dieses 
furchtsame Verbot älterer und weniger unterrichteter Zeiten von selbst behebt." 

Das Gubernium meinte ebenfalls, daß ein Verbot nicht existiere, da das 
Hofkamm'erdekret vom 10. Jänner 1803, welches allein so gedeutet werden 
könnte, nicht publiziert, sondern bloß den Behörden zur Danachachtung zur 
Kenntnis gebracht worden sei^). 

Tatsächlich wurde denn auch durch Hofdekret vom 28. Mai 1811 der Ein- 
führung von Flachsspinnmaschinen in sämtlichen Provinzen der Monarchie alle 
mögliche Erleichterung und Ermunterung verheißen, ohne von einer Aufhebung 
eines Verbotes zu sprechen^). 

Zahlreiche Beweise liegen auch für die weitere Zeit vor dafür, daß die Be- 
hörden das Maschinenwesen zu begünstigen und zu unterstützen bestrebt waren. 

Als das böhmische Gubernium 1812 dem Musselinfabrikanten zu Graslitz 
Ignaz Köstler die Bewilligung zur Errichtung einer Spinnmaschine für Baum- 
und Schafwolle versagte, da belehrte es die Hofkammer, daß diese Verweige- 
rung mit jenen Grundsätzen in Widerspruch stehe, welche die Basis einer zweck- 
mäßigen Kommerzialleitung ausmachen und von selten der Staatsverwaltung 
als unabweichliche Richtschnur vorgeschrieben wurden. Die Errichtung einer 
neuen Spinnmaschine im Inlande, wodurch die Einfuhr fremder Gespinste 
und folglich auch der Ausfluß von klingender Münze vermindert werde, sei nicht 
nur wünschenswert, sondern verdiene besonders in einem Zeitpunkte, wo selbst 
schon bestehende Unternehmungen dieser Art wanken, auch alle indirekte 
Unterstützung der Staatsverwaltung. Wenn auf dem Gebiete der Kommerzial- 
beschäftigungen überhaupt die Zahl der in einem Bezirk bereits bestehenden 
Gewerbe derselben Art schlechterdings nicht berücksichtigt werden könne, 
so dürfe dies um so weniger bei Unternehmungen geschehen, an denen im Inlande 
zum Nachteile der Handelsbilanz noch Mangel sei und deren Absatz sich auf 
die ganze Monarchie und selbst ins Ausland erstrecke^). Und in einer Ent- 
scheidung der Hofkammer aus dem Jahre 1815 heißt es; „Die ehemals von selten 
der Regierung gegen die Errichtung Menschenhände ersparender Maschinen 
getragenen Bedenken, welche auf dem Besorgnisse beruhen, daß dadurch der 
ärmeren, von der Handarbeit lebenden Klasse ihr Erwerb entzogen werde, 
verdienen wohl dermalen, bei den Fortschritten, welche die inländische In- 
dustrie bereits gemacht hat, bei der Vervollkommnung und Erweiterung, deren 
sie noch fähig ist, bei der Notwendigkeit der wohlfeileren und ausgebreiteteren 



"■) St. A. Prag, 1806—1815, Kom„ Fasz. 12, subn. 59, 1811, Jan. 8. — ^) Kopetz, a. a. 0., 
I, 405, II, 38 f. u. 411; Barth, a. a. 0., I, 54, II, 363. — ») Statth. A. Prag, 1806—1815, Kom., 
Fasz. 13, subn. 17. Hofdekret vom 9. Sept. 1812. 



191 

Erzeugung der Fabrikationsstoffe, um mit dem Auslande in Konkurrenz treten 
zu können, und bei dem Mangel an arbeitenden Händen, welcher nach viel- 
jährigen blutigen Kriegen alle Zweige der Industrie und insbesondere den 
Ackerbau drückt, weder eine Rücksicht noch eine Erwähnung. Ebenso bedarf 
es wohl keiner näheren Erörterung, daß die Teilung der Arbeit die Folge und 
das Kennzeichen einer vervollkommneten Industrie ist, daß die Maschinen- 
spinnerei, ebenso wie die Weberei, Druckerei, Färberei und andere ähnliche 
Erwerbszweige eine selbständige Beschäftigung ausmacht"^). 

Vom Jahre 1803 bis 1811 waren Befugniserteilungen auf mechanische 
Flachsspinnereien verboten. Nachdem man die Verkehrtheit dieser Beschrän- 
kung eingesehen und 1811 daher nicht einmal den Mut aufzubringen vermocht 
hatte, dieses nicht öffentlich bekannt gewordene Verbot aufzuheben, da be- 
mühte man sich, die Einführung und Verbreitung von Flachsspinnmaschinen 
möglichst zu fördern. Eine brauchbare Flachsspinnmaschine war aber noch 
nicht erfunden. Da meldeten sich 1815 die Gebrüder Girard aus Paris und 
wendeten sich mit einer Bittschrift an den Kaiser, indem sie sich erbötig machten, 
Flachsspinnmaschinen ihrer Erfindung in Österreich zu bauen und zu ver- 
kaufen. Daraufhin wurde Philipp Girard ein Privilegium zum Bau und Ver- 
kaufe seiner Flachsspinnmaschinen auf zehn Jahre erteilt, unter der Bedingung, 
daß er binnen einem Jahre solche Maschinen im Inlande erbaue. Wenn dies 
mit gutem Erfolge geschehen sei, würde ihm auch eine billige und angemessene 
Unterstützung zur Errichtung einer mechanischen Flachsspinnanstalt be- 
willigt werden^). Zugleich wurde der Hofkammer aufgetragen, den Brüdern 
Gu-ard allen Vorschub und jegliche Unterstützung zuteil werden zu lassen und 
angemessene Räumlichkeiten in oder bei Wien zur Aufstellung ihrer Maschinen 
und zur Herstellung des vollständigen Beweises der Brauchbarkeit und Nütz- 
lichkeit derselben ohne Aufschub anzuweisen und sodann Seiner Majestät zu 
berichten, wie diesen Maschinen, wenn ihre Nützlichkeit ganz erprobt sei, so 
schnell als möglich eine große Verbreitung verschafft werden könnte^). 

Philipp Girard wurden 1816 bedeutende staatliche Geldvorschüsse zuteil. 
Auch befahl der Kaiser „in der Erwägung, daß jede Unternehmung dieser Art 
im freien ungebundenen Privatbetriebe am besten gedeiht, es sei von selten der 
Staatsverwaltung auf Gkards Unternehmung kein wie immer gearteter unmittel- 
barer oder leitender Einfluß zu nehmen, sondern sich nur von Zeit zu Zeit die 
Überzeugung zu verschaffen, daß der erfolgte Ärarialvorschuß dem Zwecke 
gemäß verwendet und die Unternehmung zur vollständigen Ausführung gebracht 
werde"*). 

Um dieselbe Zeit waren auch mehrere Inländer bemüht, eine brauchbare 
Flachsspinnmaschine zustande zu bringen. Während Girard in so ausgiebigem 
Maße vom Staat unterstützt wurde, blieben die inländischen Erfinder auf sich 
selbst angewiesen. Dies kann jedoch um so weniger wundernehmen, als selbst 



1) H. K. A. Kommerzkammer, Fasz. 31, Nr. 7 ex apr. 1815. — *) H. K. A. Kommerz- 
kammer, Fasz. 31, Nr. 72 ex oct. 1815. — ») H. K. A. Kommerzkammer, Fasz. 31, Nr. 73 
ex nov. 1815. — *) H. K. A. Kommerzkammer, Fasz. 31, Nr. 34 ex mart, 75 u. 80 ex jun. 1816. 



192 

der sonst so weitblickende, um den österreichischen Handel und die Industrie 
im allgemeinen und um den Leinwandhandel insbesondere hochverdiente 
Chr. Polykarp Erxleben in Landskron bei einer Äußerung über die Verwendung 
von Flachsspinnmaschinen im Ausland im Gegensatz zu Österreich meinte, 
die Ursache des Mangels eines diesbezüglichen glücklichen Erfolges in Österreich 
sei darin zu suchen, daß die Unternehmer entweder Laien in der Mechanik, 
wie Franz Wurm, oder Dilettanten oder aber mit der Natur und Behandlungs- 
art des Flachses nicht vertraut seien^). 

Bald nahmen die Unterstützungen für Girard schon sehr große Formen an. 
Am 2. September 1816 bewilligte der Kaiser, daß für denselben die Baumwoll- 
spinnfabrik zu Hirtenberg bei Baden um 45.0000. angekauft und ihm un- 
entgeltlich überlassen werde, wofür er sich verpflichten mußte, sie nach zehn 
Jahren um denselben Preis zu übernehmen. Weitere 45.000 fl, welche er auch 
nach zehn Jahren zurückzuzahlen sich bereit erklärte, wurden ihm zu Adaptie- 
rungen bewilligt 2). Durch allerhöchste Entschließung vom 10. Juli 1817 wurde 
weiters angeordnet, daß Philipp Girard a) für jeden der ersten hundert voll- 
ständigen Sätze seiner Flachsspinnmaschine, welche er Inländern liefern würde, 
eine Prämie von 1000 fl. C. M. zugestanden und davon die eine Hälfte an den 
ihm verliehenen Vorschüssen abgeschrieben, die andere aber ihm mit jeder 
Ablieferung bar ausbezahlt werden sollte; h) daß ihm, w^enn er sich unter der 
eben erwähnten Begünstigung zur Verfertigung seiner Maschinen für den Ver- 
kauf verbindlich mache, die Summe von 22.000 fl. W. W., welche von dem zur 
Vergrößerung des Fabriksgebäudes zu Hirtenberg zugestandenen Vorschusse 
von 45.000 fl. W.W. noch ausständig war, sogleich auszufolgen sei; c) daß 
ihm überdies ein Betrag von 3000 fl. C. M. als Vorschuß auf die ersten sechs 
Maschinensätze ausbezahlt, wofür ihm jedoch für die ersten sechs Sätze keine 
baren Prämien flüssig gemacht werden sollten; endlich wurde ihm d) eine Ver- 
längerung des Privilegiums in Aussicht gestellt, wenn er während dieser Zeit 
durch den Verkauf und die Verbreitung seiner Maschinen den Absichten Seiner 
Majestät entsprochen haben würde. 

So große Unterstützungen und Vorteile wurden Girard zugestanden, 
gestützt auf ein günstiges Gutachten einer Kommission von Mitgliedern des 
Kreisamtes unter dem Wiener Walde, der Fabrikeninspektion und des poly- 
technischen Instituts über die Brauchbarkeit seiner Maschinen. Nur die 
niederösterreichische Regierung meinte, es sei zu bedauern, daß auf die sinn- 
reiche inländische Erfindung von Wurm und Pausinger das angetragene und 
schon zu einer Zeit, wo man von Girard noch gar nichts wußte, angesuchte 
Privilegium noch nicht verliehen und dadurch die Ausführung dieser Maschine 
vereitelt worden sei. Sonst stünde sie schon fertig da, und man hätte eher einen 
Anhaltspunkt, um zu beurteilen, ob und inwiefern die Verbreitung der Girard- 
schen Maschine fernere Opfer von selten der Staatsverwaltung rätlich mache 
oder ob diese nicht etwa der Verbreitung von Wurmschen Maschinen zu widmen 



^) H. K. A. Kommerzkammer, Fasz. 31, Nr. 6 ex julio 1816. — ^) H. K. A. Kommerz- 
kammer, Fasz. 31, Nr. 33 u. 71 ex sept. 1816. 



193 

wären. Die niederösterreiehische Regierung hielt die Äi-arialunterstützungen 
zur Beförderung der Girardschen Maschinen für doppelt gewagt, weil dieser keine 
Sicherheit leisten könne und der Erfolg höchst ungewiß sei^). 

Die Regierung sollte leider Recht behalten. Denn Girard war einer jener 
zwar sehr begabten aber unruhigen und unsteten Köpfe, der mit immer neuen 
Ideen auftauchte und zahlreiche Erfindungen machte, von dem aber gerade 
deshalb die erfolgreiche Leitung und der günstige Betrieb eines Fabriksunter- 
nehmens kaum zu erwarten war^). Endlich wurde man gegenüber seinen Ge- 
suchen um immer weitere Unterstützungen auch seitens der Staatsverwaltung 
mißtrauisch. Als er 1820 um einen weiteren Vorschuß von 25.000 fl, zur höheren 
Emporbringung seines Unternehmens einschritt, wurde er endlich abgewiesen^). 
Die Unternehmung verfiel immer mehr und das Geld, das bis dahin seitens des 
Staates ausgegeben worden war, war umsonst verwendet worden. Im Jahre 
1825 begab sich Girard nach Warschau, um daselbst im Fabriksfache für Rech- 
nung der dortigen Regierung verwendet zu werden. Im Jahre 1827 schuldete 
er der Staatsverwaltung schon 47.820 fl, während die Fabrik so sehr herab- 
gekommen war, daß dabei nur einige Arbeiter Beschäftigung hatten und ein 
Aufkommen des Unternehmens als ausgeschlossen gelten mußte; 1835 wurden 
endlich sowohl die Fabrik als auch die Mobilien Girards im Exekutionswege 
versteigert, wobei für das Fabriksgebäude der Betrag von 4920 fl. erzielt wurde*). 

So kläglich endete dieses Unternehmen, von dessen reichlicher Unter- 
stützung sich die Staatsverwaltung die größten Vorteile erhofft hatte. 

Wenn der Eifer der Staatsverwaltung dabei so weit ging, daß viele Tausende 
an Vorschüssen in fast leichtfertiger Weise verliehen wurden, nur um die Ein- 
führung und Verbreitung der Flachsspinnmaschinen zu befördern, so kann es 
nicht wundernehmen, daß sie mit der Erteilung von ausschließenden Privi- 
legien zur Aneiferung des Maschinenwesens noch freigebiger war. Hatte sie 
sich mit Girard getäuscht und die Staatskassen geschädigt, so sollte sie sich um 
dieselbe Zeit, nämlich 1816, durch ihren Eifer, keiner Sache, die einer Maschine 
ähnlich sah, Hindernisse in den Weg zu legen, fast lächerlich machen. 

Im Jahre 1815 suchte nämlich ein gewisser Raimund Gärber um ein fünf- 
zehnjähriges ausschließendes Privilegium auf das von ihm erfundene perpetuum 
mobile an, oder wie er es auch nannte: „Lebendiges Rad, Selbst- und Immer- 
be wegungsmaschine". Er behauptete, damit schon zwei große Mahlmühlen in 



^) H. K. A. Korn. Kom., Fasz. 31, Nr. 129 ex jul., Nr. 23 ex aug. 1817. — ^) So erhielt er 
unter anderem ein Privilegium auf eine Verbesserung des Wattschen Zentrifugalregulators, 
sodann auf eine Verbessening an den Vorrichtungen zur Bereitung des Hanfes und des Flachses; 
ebenso auf die Erfindung, aus Talg, Unschlitt und anderen Fetten Kerzen zu machen, welche 
den Wachskerzen gleichkommen, und auf eine Verbesserung in der Erzeugung von Ziegeln, 
Auch erfand er 1823 Verbesserungen der Kessel und Röhren der Dampfmaschinen für Schiffe 
(Akten H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 29, 1820—1830). — ") H. K. A. Kom. Kom., Fasz. 31, 
Nr. 87 ex jun. 1821. — *) H. K. A. Kommerzkammer, Fasz. 31, Nr. 179 ex sept. u. 87 ex 
dec. 1827; Nr. 36 ex sept. 1828; Nr. 118 ex aug., 110 ex oct., 109 ex nov. 1829; Nr. 146 ex jul„ 
59 ex oct. 1830. Archiv d. k. k. Fin. Min., Fasz. 31, Nr, 27 ex jan. 1831, Nr, 125 u, 126 ex 
mart. 1835. 

Slokar, Gescbiobte der österr. Industrie. 23 



194 

Klosterneuburg zu betreiben. Eine Besichtigung der Maschine wollte er aber 
nicht zulassen, weil der Mechanismus ein zu einfacher sei, so daß ihn jeder nach- 
ahmen könnte. Deshalb bat er auch, ihn von der Vorlegung einer genauen Be- 
schreibung zu entheben, welch letzteres eine Abweichung von den Direktiven 
bei Privilegienverleihungen bedeutet hätte. 

Trotz des entschiedenen Widerspruches des Vizepräsidenten Grafen Herber- 
stein-Moltke, welcher der Meinung Ausdruck verlieh, die Staatsverwaltung 
solle sich mit der Zusicherung eines Privilegiums auf eine Erfindung nicht selbst 
kompromittieren, deren Wahrheit noch nicht erwiesen, deren Möglichkeit selbst 
sehr zu bezweifeln sei und wobei die Zusicherung eines Privilegiums im voraus 
dem Bittsteller nur Gelegenheit geben könne, schwache Leute über Geld- 
vorstreckungen irrezuführen, trotz dieses Widerspruches, der in der Minderheit 
blieb, wurde Gärber unter dem 25. Jänner 1816 das angesuchte Privilegium 
auf die Dauer von 15 Jahren verliehen^). 

Die Staatsverwaltung begnügte sich nicht damit, die Einführung von nütz- 
lichen Maschinen und Werkzeugen durch Privilegien und Geldvorschüsse zu 
unterstützen, sie griff sogar, wo auf eine andere Weise ein Erfolg nicht zu er- 
warten war, dazu, auf Staatskosten Verbesserungen einzuführen. 
So wurden in der Tuchscherenfabrikation bewährte holländische Meister nach 
Österreich berufen, wo sie in Steyr auf Staatskosten die Tuchscherenfabrikation 
betrieben und Lehrlinge auszubilden hatten. Da aber diese Tuchscherenfabri- 
kationsanstalt einen sehr schwachen Besuch aufzuweisen hatte und kaum 
jemand aufzutreiben war, der einen Lehrling nach Steyr zu schicken bereit 
gewesen wäre, um denselben in der Tuchscherenerzeugung ausbilden zu lassen, 
so wurde diese Anstalt 1819 wieder aufgelassen^). 

Es konnte jetzt die Aufhebung dieser Anstalt um so leichteren Herzens 
vorgenommen werden, als in der Zwischenzeit ein Franzose, Chevalier de Cochelet, 
(am 29. Mai 1818) ein zehnjähriges Privilegium auf die von ihm erfundene 
Tuchschermaschine erhalten hatte, dieselbe 1819 auch wirklich aus Frankreich 
einführte und in Brunn aufstellte^). 

Bei der Einwanderung fremder, ausgezeichneter Fabrikanten wurde ihnen 
gewöhnlich die zollfreie Einfuhr der zu ihrem Fabriksbetriebe gehörigen Ma- 
schinen und Werkzeuge gestattet*). Auch wurde gestattet, Maschinen, die im 
Inlande noch unbekannt waren, wie auch Modelle von Maschinen überhaupt, 
zollfrei einzuführen^). Ja im Jahre 1827 wendete sich die Hofkammer selbst 
an den österreichischen Generalkonsul in Leipzig mit der Bitte, er möge sich 
in den sächsischen Kammgarnspinnereien Modelle und Zeichnungen der daselbst 
verwendeten Maschinen verschaffen und dieselben einsenden*). Im Präsidial- 



^) H. K. A, Kommerzkaramer, Fasz. 55, Nr. 54 ex mait. 1816. — «) H. K. A. Kommerz- 
kammer, Fasz. 48, Nr. 16 ex aug. 1816, Nr. 9 ex jan. 1817, Kom. Praes. 1819, Nr. 27 (1818, 
Dez. 30), Nr. 719 (Aug. 25). — ») H. K. A. Kom. Praes. 1819, Nr. 59. — *) So z. B. bei der 
Einwanderung der Gebrüder Schoeller (H. K. A. Kom. Kom., Fasz. 33, Nr. 20 ex mart. 1820). 
— «) Tarif vom 15. Juni 1822. Kopetz, a. a. 0., II, 40; Wüdner, a. a. 0. 145. — •) H. K. A. 
Kommerzkammer, Fasz. 65, Nr. 3 ex mart. 1827. 



195 

wege ergingen wiederholt Weisungen an die Generalkonsulate in London, Paris 
und Hamburg, von Zeit zu Zeit genaue Berichte über solche Erfindungen und 
industrielle Verbesserungen einzusenden, welche an Ort und Stelle besonderen 
Anwert finden und für die Zukunft bedeutende Vorteile versprechen, um dann 
solche Daten den Gewerbevereinen und polytechnischen Instituten mitzuteilen, 
„um auf dem möglichst schnellsten Wege die vaterländische Betriebsamkeit 
mit den Fortschritten des Auslandes bekannt zu machen und dadurch den natio- 
nalen Unternehmungsgeist zu beleben" i). 

Ein wichtiges Anspornmittel zu technischen Erfindungen und Verbesse- 
rungen bildeten die ausschließenden Privilegien, welche besonders für das 
Maschinenfach eine große Bedeutung haben mußten^). 

Bei der Errichtung des polytechnischen Instituts wurde unter die Lehr- 
fächer der technischen Abteilung auch die Maschinenlehre aufgenommen^). 

Dieses Interesse und diese Begünstigungen der Maschinen durch die Staats- 
verwaltung bewirkten denn auch nicht nur, daß sich die Maschinen in der öster- 
reichischen Industrie einbürgerten und die größeren Fabriken eigene Abtei- 
lungen hatten, in denen die zu ihrer Fabrikation notwendigen maschinellen 
Vorrichtungen verfertigt wurden, sondern sie legten auch den Grund zur 
Entwicklung einer eigenen Maschinenindustrie. Es finden sich in Österreich 
schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sogar einige Großbetriebe auf 
dem Gebiete dieses Industriezweiges*). 

Neben der direkten und indirekten Förderung mußte jedoch die Regierung 
die Maschinen vielfach vor den gegen dieselben gerichteten Angriffen in Schutz 
nehmen. Die Maschinen hatten allmählich das Ge werbe wesen zur Großindustrie 
zu entwickeln begonnen und derselben ein ganz anderes Aussehen gegeben. 
Das Vordringen des Kapitalismus war dadurch unaufhaltsam geworden. Die 
patriarchalisch-zünftlerischen Verhältnisse mußten dem modernen, gefühllosen 
und rücksichtslosen Geschäftsgeiste weichen. Das Verhältnis zwischen Unter- 
nehmer und Arbeiter änderte sich. Das fortwährende und immer schnellere 
Zunehmen der Maschinen in allen Ai'ten von Betrieben erhöhte die Produktion 
in ungeahntem Maße, welcher Prozeß durch die grundstürzenden Veränderungen, 
welche um dieselbe Zeit auf dem Gebiete des Verkehrswesens eintraten, nur 
noch gefördert und beschleunigt wurde. Von der mächtigen Konkurrenz sahen 
sich die kapitalsschwachen Gewerbetreibenden bald hart bedrängt und die 
Klagen gegen das Überhandnehmen der Maschinen wollten gar nicht aufhören. 

Als 1819 Chevalier de Cochelet seine Tuchschermaschine in Brunn auf- 
gestellt hatte und eine kommissionelle Besichtigung durch die Behörden unter 
Zuziehung von Fabrikanten ergab, daß die Leistungen dieser Maschine nichts 
mehr zu wünschen übrig ließen, da entstand begreiflicherweise ob der drohenden 
unüberwindlichen Rivalin unter den Tuchscherern und Tuchbereitern, die sich 
gerade damals infolge der herrschenden allgemeinen Geschäftsstockung in 
großer Not befanden, große Erregung. Als nun der „Österr. Beobachter" am 

6448 

1) A. d. k. k. Fin. Min. ex 1842. — ^) Vgl. 249 ff. — ^) Vgl. S. 165 f. u. 169. — 

*) Vgl. unten Kapitel 'XXVII. 

13* 



196 

18. März 1819 Nachrichten über die zu Vienne wegen der dahin eingeführten 
Tuchschermaschinen stattgefundenen Unruhen brachte, da bildete sich unter 
den Tuchbereiter- und Tuchschergesellen Brunns ein Komplott, mit der Absicht, 
die Cocheletsche Maschine zu zerstören. Am 23. März kam es beim Versuche der 
Ausführung dieses Planes zu tumultuarischen Auftritten; die Zerstörung der 
Maschine wurde jedoch durch die Wachsamkeit der Behörden vereitelt. Das. 
Publikum war aber weit entfernt, gegen die an den Ausschreitungen Beteiligten 
empört zu sein, es hatte mit denselben eher Mitleid. So konnte die Brünner 
Polizeistelle, die Situation richtig erfassend, melden: „In dieser für die besagte 
Klasse Menschen sehr bedrängten Zeit erscheint nun eine Tuchscheermaschine, 
deren Vortrefflichkeit und besonderer Nutzen in Beziehung auf Zeit-, Mühe- 
und Menschenersparnis sich allgemein und einstimmig ausspricht und eine sehr 
bedeutende Anzahl von armen, zum Teil mit Familien belasteten Arbeitern, 
die nichts anderes als Tuchbereiten und Tuchscheeren gelernt haben, mit ihrer 
Entbehrlichkeit und ihrer Verdienst- und Nahrungslosigkeit bedroht. Diese 
sehr menschliche Berücksichtigung erweckte im Publikum das fast allgemeine 
Bedauern für diese Klasse Arbeiter und milderte in seinen Augen bedeutend 
die Sträflichkeit des von ihnen beabsichtigten Unternehmens". Ja selbst das 
mährische Landespräsidium fügte seinem Berichte über die günstig abgelaufenen 
Versuche mit der Cocheletschen Maschine hinzu, es wäre trotz dieser günstigen 
Resultate zu wünschen gewesen, daß die Aufstellung einer solchen, viele Men- 
schenhände ersparenden Maschine nicht in Zeiten gefallen wäre, in welchen die 
Erwerbslosigkeit einen so großen Umfang angenommen habe^). 

Noch in den vierziger Jahren war es mit der Gegnerschaft gegen die 
Maschinen nicht besser geworden, so daß es auch zu offenen Unruhen kam. 
Im Juli 1844 waren verschiedene Städte Böhmens, vor allem Reichenberg die 
Stätte solcher Auftritte. Da wurden in den meisten Fabriken des Katharina- 
bergerthales von leidenschaftlichen, verhetzten Menschen Maschinen zerstört, 
die Magazine geplündert und die Fabriksbesitzer und Werkführer bedroht und 
mißhandelt^). 

Im Jahre 1846 beschwerten sich in Wien die Druckergesellen gegen die 
immer stärker werdende Anwendung von Perotinmaschinen seitens der Druck- 
fabriken, wodurch zahlreiche Menschen brotlos würden. Die Hofkammer konnte 
sich jedoch nur nach dem Zeitgeiste richten und stand daher auf dem Stand- 
punkte, daß eine möglichst freie und ungehemmte Bewegung das Lebensprinzip 
der Fabriksindustrie und die Grundbedingung einer gedeihlichen Entwicklung 
derselben bilde und daß jede nicht durch öffentliche Rücksichten gebotene 
imperative Einmengung der Staatsverwaltung in den inneren Geschäftsbetrieb 
von Unternehmungen nur höchst störend auf sie wirken, ja selbst ihren Fort- 
bestand bedrohen könnte. Daher habe sie, meinte sie in der Erledigung dieses 
Gesuches, schon gelegentlich früherer derartiger Ansuchen seitens böhmischer 
Druckarbeiter um ein förmliches Interdikt der Perotinmaschinen, Seiner 



1) H. K. A. Korn. Praes. 1819, Nr. 215, 229, 323. — ^) HaUwich, Reichenberg u. Umgeb. 
530, Revue österr. Zustände, III (Leipzig 1845), S. 24 ff. 



197 

Majestät die Unmöglichkeit und Schädlichkeit solcher Maßnahmen auseinander- 
gesetzt und die Zustimmung Seiner Majestät erlangt. Deshalb wurden auch 
die jetzigen Gesuchsteller abgewiesen, obwohl die Hofkammer ihre Lage zu 
würdigen verstand und dies auch bei der Erledigung zu erkennen gab: ,,Es läßt 
sich zwar nicht in Abrede stellen, daß durch Einführung neuer Maschinen, 
wie sie bei den gegenwärtigen Fortschritten des Erfindungsgeistes in rascher 
Aufeinanderfolge dem Gebiete der Industrie zuströmen, einzelne Arbeiter- 
klassen in eine beengte Lage geraten und wenigstens zeitweilig, bis sich ein 
tauglicher Ausweis darbietet, mit Entbehrungen zu kämpfen haben mögen. 
Derlei Verlegenheiten sind ein zwar unvermeidliches, aber doch nur vorüber- 
gehendes Übel, ohne daß die Regierung sich deshalb verpflichtet halten müßte, 
in die naturgemäße Gestaltung der gewerblichen Verhältnisse störend ein- 
zugreifen und das Aufblühen des einen oder des anderen Zweiges der Industrie 
durch Zwangsmaßregeln, die das Verbot bestimmter Maschinen und Vorrich- 
tungen oder die Beschränkung der Fabrikanten auf eine bestimmte nicht zu 
überschreitende Anzahl von Lehrlingen sich darstellen würde, gewaltsam nieder- 
zudrücken. Die Regierung tut in dieser Beziehung alles, was in ihrer Macht 
steht, wenn sie durch Hinwegräumung der Hindernisse und Beschränkungen 
der Arbeitstätigkeit den möglichst freien Spielraum gewährt, den Übergang 
von einem Zweige der Beschäftigung zu anderen angemessen erleichtert, dem 
Ausschließungsgeiste der Zünfte und Monopolisten nach Kräften entgegen- 
wirkt und durch Herstellung einer vernünftigen Konkurrenz der Arbeiterschaft 
dem rechtlichen Broterwerbe Vorschub leistet"^). 

Die Verbreitung der Maschinen ließ sich durch solche Episoden nicht 
aufhalten. 

Neben den vielfach sicher auch übertriebenen Klagen über die Bedrängnis 
durch die Maschinen fehlte es anderseits auch nicht an Lobrednern, die in das 
andere Gegenteil verfielen. Man könnte schwerlich der Behauptung ohne- 
weiters zustimmen, die das Organ des böhmischen Gewerbevereins 1835 auf- 
stellte, indem es sich ausdrückte: „Seit der Einführung dieser und anderer 
Maschinen finden tausende alter und junger Leute von beiderlei Geschlecht, 
von denen viele zu schwach sind, durch ihre ehemalige Beschäftigungsweise 
etwas zu verdienen, Unterhalt, Kleidung und häusliche Bequemlichkeit bei der 
Bedienung von Maschinen, ohne dabei einen einzigen Tropfen Schweiß zu ver- 
lieren und zwar geschützt von der Hitze des Sommers und der Kälte des Winters 
in Zimmern, die luftiger und gesünder sind als diejenigen, welche 
Leute von Distinction in den Hauptstädten bewohnen"^). 

In Zusammenhang mit dem Aufkommen des Maschinenwesens stehen auch 
die ersten Anfänge einer Gesetzgebung zum Schutze gegen Unglücks- 
fälle, die aus dem maschinellen Betriebe entspringen können, und zwar vorerst 
durch den Betrieb von Dampfmaschinen. 

Schon die durch die allerhöchste Entschließung vom 6. November 1817 



1) A. (1. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 24, 1846, Nr. 488. — *) Mitteilungen f. Gewerbe u. 
Handel, I (1835), S. 512. 



198 

erlassenen Vorschriften über die Erteilung ausschließender Privilegien auf die 
Schiffahrt mit Dampfbooten ordneten in den §§ 9 — 12 Vorsichtsmaßregeln 
zur Verhütung von Explosionen an ; aber erst durch allerhöchste Entschließungen 
vom 8. September 1829 und 26. März 1831 wurden diese Bestimmungen erweitert 
und auf alle Dampfmaschinen überhaupt ausgedehnt. Zur amtlichen Unter- 
suchung der Dampfkessel waren die polytechnischen Institute und, wo solche 
nicht bestanden, die Baudirektionen berufen. Durch allerhöchste Entschließung 
vom 25. November 1843 erfuhren diese Anordnungen noch weitere Ergän- 
zungen^). 

IX. Kapitel. 

Beratung der Behörden durch Industrielle. Verhandlungen wegen Errichtung 

von Handelskammern. 

Die Staatsverwaltung, die seit der Entwicklung des absoluten Polizei- 
staates in aUes einzugreifen gewöhnt war, die alles, selbst das schwierigste 
Detail selbst regeln woUte, hatte im Laufe der Zeit Gelegenheit gehabt, an 
zahlreichen bitteren Enttäuschungen zu lernen, daß die Behörden nicht alles 
wissen, nicht alles verstehen, weil sie es eben nicht wissen, nicht verstehen 
können. Deshalb scheiterten die meisten, Einzelheiten auf wirtschaftlichem 
Gebiete regelnden Verordnungen; deshalb gelangte man bald zur Einsicht, 
daß der Staat auch nicht dazu berufen sei, selbst Fabriken auf eigene Kosten 
zu betreiben, daß die Staatsverwaltung nicht imstande sei, zu bestimmen, 
wieviel Gewerbe an einem Orte notwendig seien u. a. m. Einsichtsvolle Männer, 
namentlich bei den Kommerzbehörden — und dies muß festgehalten werden, 
daß gerade die Kommerzbehörden diesbezüglich zuerst modernen Geist zeigten — 
kamen bald zur Überzeugung, daß es so nicht weiter gehen könne, daß man auf 
wirtschaftlichem Gebiete nicht so weiter verordnen könne, ohne diejenigen zu 
hören, welche im wirtschaftlichen Getriebe selbst tätig sind und sich reiche 
Erfahrungen erworben haben. 

Die Kommerzbehörden kamen bis in das 19. Jahrhundert hinein mit den 
Industriellen fast in gar keine Berührung. Die letzteren waren daher auf Peti- 
tionen an den Kaiser angewiesen, welche aber, von verschiedenen Parteien 
eingereicht, sich sehr oft diametral widersprachen und so den Behörden die 
Entscheidung ungemein erschwerten, indem z. B. die Fabrikanten für die Ge- 
stattung der Errichtung von Niederlagen in allen größeren Städten, die zünftigen 
Meister jedoch gegen eine solche Gestattung Petitionen einreichten. Außerdem 
war die Behörde den Zünften von vornherein abgeneigt, weshalb ganz leicht 
auch gutgemeinte und nützliche Vorschläge zusammen mit den den Innungs- 
geist charakterisierenden als „gefährliche Einstreuungen des Monopolgeistes "^ 
verworfen wurden. 

So konnte denn der Referent der Kommerzhofkommission im Jahre 1818 
über die theresianischen Kommerzkonsesse schreiben: „Sie würden sich ohne 
Zweifel unter allen Regierungsveränderungen, so wie anderwärts die Handels- 



1) Pol. Ges. Samml.; Statth. A. Wien, 1831, A. 29, Nr. 19.953. 1844, G. 4, Nr. 26.446. 



199 

kammern, erhalten haben, wenn sie weniger kanzleienmäßig organisiert und 
durch Benützung der umfassenden Kenntnisse praktischer 
Männer mehr consolidiert worden wären. Allein die erfahreneren Kaufleute 
und Fabrikanten wurden aus übelverstandenem Mißtrauen selten oder nur 
einseitig gehört. Größtenteils mangelte es aber noch der Monarchie an solchen 
verläßlichen Männern. Die Konsesse verfielen daher nach und nach in den 
bureaumäßigen Schlendrian, in das Unwesen der Schreibseligkeit. Sie wollten 
alles regieren, sich in alles einmengen und entwarfen Qualitätenordnungen, 
die in der Ausführung tausend Schwierigkeiten unterlagen, die die Industrie 
durch unendliche Plackereien lähmten"^). 

Nur vereinzelt sind die Fälle, in denen vor dem zweiten Jahrzehnte des 
19. Jahrhunderts Fabrikanten zur Beratung von Behörden zugezogen wurden. 

So befahl Leopold II. einer im Jahre 1792 zur Erstattung von Vorschlägen 
zur Förderung der Fabriken und Manufakturen und zur Hintanhaltung des 
Schleichhandels aufgestellten Hofkommission, diese Gegenstände „mit Zu- 
ziehung der Fabrikanten" zu beraten^). Wenn diese Beratungen auch 
zu keinem praktischen Ergebnisse führten und im Sande verliefen, so zeigen sie 
doch, daß in dieser Periode, in welcher die Beschwerden der zünftigen Meister 
gegen die josefinische Politik möglichst berücksichtigt wurden, um die Unter- 
tanen zufrieden zu machen, auch die Fabrikanten in dieser Weise behandelt 
werden sollten. Ihre Vorstellungen sollten berücksichtigt, ihr Rat gehört werden. 

Ebenso befahl Kaiser Franz 1807, als zahlreiche Fabrikanten und Gewerbe- 
treibende Vorstellungen gegen die neue Warenstempelung vorbrachten, der 
Hofkammer, diese Beschwerden durch eine eigene Kommission beraten zu 
lassen und dabei erforderlichenfalls auch die Fabrikanten und Gewerbe- 
treibenden selbst zu vernehmen^). 

Als durch Kabinettschreiben vom 11. Juli 1816 die Errichtung einer eigenen 
Kommerzhofkommission beschlossen wurde, welche sich mit Vorschlägen zu 
Verbesserungen auf dem Gebiete der Kommerzangelegenheiten zu befassen 
hatte, da wurde gleich im genannten Kabinettschreiben hervorgehoben, „die 
Kommerzhofkommission sei ermächtigt, im Erforderungsfalle Handels- 
leute und Fabrikanten von den bedeutenden Handels- und 
Fabriksplätzen der Monarchie zu berufen, um ihre Ansichten, Wünsche 
und Vorschläge über Anstalten und Maßregeln zur Belebung des Handels und 
der Industrie zu vernehmen"*). 

Diese Kommission zeigte denn auch während der kurzen Zeit ihres Bestandes 



1) H. K. A. Korn. Kom., Fasz. 1, Nr. 237 ex oct. 1818. — ^) Staatsrat 1792, Nr. 2770. 
— Vgl. auch oben S. 11 f. — «) Staatsrat 1807, Nr. 2832, 2974. —«) Statth. A.Prag, 1816—1825. 
Kom. Fasz. 1, subn. 1. 1816, Juli 26; Barth, a. a. 0., IV, 71 f. — Vgl. hingegen die ganz 
irrigen Behauptungen Beschauers (Der Kampf usw. S. 102): „in dem patriarchalischen Staate 
des Kaisers Franz wäre der bloße Gedanke schon, daß sich Hofstellen direkt mit Vertrauens- 
männern der Kaufleute oder Handwerker ins Einvernehmen setzen, als eine solche Ungeheuer- 
lichkeit erschienen, daß man denjenigen, der ihn etwa angeregt hätte, wahrscheinlich für wahn- 
sinnig erklärt haben würde". 



200 

(1816 — 1824) einen durchaus modernen Geist. Als die niederösterreiehischen 
privilegierten Zitz- und Kattunfabrikanten 1817 um Anerkennung der von 
ihnen gewählten Repräsentanten ansuchten, welche in Fällen, in welchen die 
Gesamtheit der Fabriksinhaber entweder ein gemeinschaftliches Ansuchen zu 
stellen oder auf Verlangen der Behörden gemeinschaftlich Äußerungen ab- 
zugeben hätten, dies im Namen des ganzen Gremiums zu tun berechtigt sein 
sollten, nahm die Kommerzhofkommission die Wahl dieser Repräsentanten 
zur Kenntnis 1). 

Der Wunsch, von den Behörden selbst gehört zu werden, war damals in 
industriellen Kreisen allgemein rege. Als im selben Jahre 1817 die böhmischen 
Landesfabriken beim Kaiser eine Vorstellung über den Verfall der Industrie 
einreichten, da schlugen sie unter anderem zur Abhilfe vor: Seine Majestät 
möge eine Kommission bestimmen, zu welcher Deputierte der verschie- 
denen Baumwollmanufakturen beigezogen werden sollen, um ihre An- 
sichten ausführlich vortragen und darüber die nötigen Auskünfte geben und 
verhandeln zu können^). 
Projekt der Eiuc solchc Kommissiou bestand aber schon in der Kommerzhofkommission, 
Errichtung ^glchc auch bald daran dachte, die Beratung der Behörden durch Industrielle 

von Handels- . . . . " 

kammern gesctzlich ZU Organisieren. 

1816—1818. In Frankreich bestanden schon seit der Mitte des 17. Jahrhunderts Handels- 
kammern. Unter Napoleon I. wurde diese Einrichtung in allen unterworfenen 
Ländern, so 1811 auch in den lombardisch- venezianischen Provinzen ein- 
geführt^). In Österreich hingegen stammen die ersten Erwägungen und Ver- 
handlungen über die Einführung von Handelskammern aus dem Jahre 1816. 

Kaum war die Kommerzhofkommission ins Leben getreten, da beschäftigte 
sie sich schon mit dieser Idee. 

Als der Großhändler Hopf 1816 die Bildung eines Vereins zur Beförderung 
der Industrie vorschlug, meinte die niederösterreichische Regierung in ihrem 
Gutachten, es mangle in Österreich noch an zwei für die Industrie und Kommer- 
zialleitung sehr wichtigen Anstalten a) an den in Frankreich und Italien be- 
stehenden Kommerzkammern, l) an polytechnischen Gesellschaften, welche 
im Fache des Fabrikswesens das leisten sollten, was die Landwirtschaftsgesell- 
schaften im Fache der Landwirtschaft wirklich leisteten*). 

Als der Präsident der Kommerzhofkommission, Ritter von Stahl, im Vor- 
trage vom 16. Dezember 1816, bei Gelegenheit des Vorschlags, wie die ihm 
anvertraute Stelle vorderhand mit dem erforderlichen Dienstpersonale zu be- 
setzen wäre, „die ersten organischen Grundsätze zur Feststellung eines den 
Verhältnissen des Staates angemessenen Handelssystems entwickelte", da 
stand obenan der Antrag „zur Organisierung gut geordneter Kommerz- 
kammern in allen Gouvernementshauptstädten der Monarchie"^). 

Bei Gelegenheit des Besetzungsvorschlags der durch den Tod des Kommer- 
zienrats Rößler in Böhmen erledigten Stelle bemerkte die Kommerzhofkom- 



^) Vgl. S. 214. — ^) Vgl. S. 68. — ä) Art. Handels- u. Gew.-Kam. im österr. St. W. B., 
II. Aufl. — «) Vgl. S. 213. — «) H. K. A. Korn. Kom., Fasz. 1, Nr. 237 ex oct. 1818. 



201 

mission in einem Vortrage vom 18. Februar 1817, sie würde selbst ihrer Be- 
stimmung nur schwer und vielleicht nie vollkommen zu entsprechen imstande 
sein, wenn ihr nicht in allen Provinzen der Monarchie eine Quelle eröffnet 
würde, aus der sie immer, schnell und mit Beruhigung genaue Auskünfte, ver- 
läßliche Daten und auf die wandelbaren Verhältnisse mit Sachkenntnis ge- 
gründete Urteile schöpfen könnte; daher werde sich die Notwendigkeit ergeben, 
so wie ehemals Kommerzkonsesse und Kommerzkommissionen bestanden, 
nunmehr wieder, jedoch in der weit zweckmäßiger scheinenden Art der in Frank- 
reich und besonders im lombardisch-venezianischen Königreiche mit voll- 
kommenem Erfolge bestehenden Kommerzkammern, Vereine der aus- 
gezeichnetsten Männer im Gebiete des Kommerzes und der Fa- 
brikation zu bilden, um deren Kenntnisse, Beobachtungen und Erfahrungen 
in allen wichtigen, in diese Zweige der öffentlichen Verwaltung eingreifenden 
Gegenständen, mit Vermeidung der mit den gewöhnlichen allgemeinen Er- 
hebungen verbundenen unnützen Umtriebe und höchst nachteiligen Ver- 
zögerungen mit Vorteil benützen zu können. Durch allerhöchste Entschließung 
vom 31. März 1817 ordnete der Kaiser an, „daß der zugesagte Vorschlag wegen 
Errichtung von Kommerzkonsessen in allen Städten der Monarchie, wo 
sich Gubernien befinden, ohne Belastung des Aerarii ehestens vorgelegt werden 
solle"!). 

Die niederösteiTeichische Regierung befürwortete in ihrem Gutachten über 
das Gesuch der niederösterreichischen BaumwolLfabrikanten um Anerkennung 
ihrer Repräsentanten (1817) dieses Ansuchen mit dem Hinweise darauf, daß 
für den Fall, als auch in Österreich ordentliche Handelskammern errichtet 
werden sollten, es der Staatsverwaltung nicht unwillkommen sein dürfte, aus 
dem Stande der Kattunfabrikanten die Wahl bewährter Männer erleichtert 
zu finden^). Als dann die Kommerzhofkommission bald darauf von der Re- 
gierung über die Verfassung einer zweckmäßigen Industriestatistik Bericht 
abforderte, da meinte diese, es seien dazu einzig und allein Handelskammern 
geeignet, wie sie in den neu erworbenen oberitalienischen Provinzen bereits 
bestehen und für deren Errichtung in anderen Teilen der Monarchie die Kommerz- 
hofkommission der Regierung „die erfreuliche Hoffnung zu geben geruhte"'). 
Und in der Tat meinte im Oktober 1818 der Referent der Kommission, die Ver- 
fassung zweckmäßiger und gleichförmiger Industrietabellen in allen Provinzen 
der österreichischen Monarchie sei ein Gegenstand, welcher bei der Verhandlung 
wegen Organisierung von Handelskammern zur Sprache kommen solle. 
Das Elaborat dazu sei eben fertiggestellt, über den Gegenstand jedoch noch 
nicht definitiv entschieden*). 

Am 15. Oktober 1818 verfaßte der Referent der Kommerzhofkommission, 
Anton von Krauß, einen diesbezüglichen Vortragsentwurf. Zunächst gab dabei 
der Referent einen historischen Überblick über die Entwicklung der Handels- 



1) H. K. A. Kom. Korn., Fasz. 1, Nr. 48 ex apr. 1817. — *) Vgl. S. 214. — ») H. K. A. 
Kom. Kommission, Fasz. 8, Nr. 223 ex sept. 1818. — *) H. K. A. Kom. Kommission, Fasz. 8, 
Nr. 25 ex oct. 1818. 



202 

kammern in Frankreich, sodann über jene der Kommerzkonsesse und Kommis- 
sionen unter Maria Theresia, welche letzteren durch den Umstand, daß sie 
bureaukratisch organisiert waren und die Kenntnisse erfahrener praktischer 
Männer nicht benützten, eine immer größere Zahl von Beamten erforderten 
und endlich soviel kosteten, daß es sowohl für die Industrie als auch für die 
Staatsfinanzen für zweckmäßiger befunden wurde, sie aufzuheben. 

Josef IL habe durch Dekret vom 24. Juli 1786 in der Lombardei bereits 
Handelskammern organisiert, welche aus Großhändlern, Wechslern, Kauf- 
leuten und Fabrikanten zusammengesetzt waren. Als Bonaparte die durch die 
Revolution aufgelösten Handelskammern in Frankreich wieder herstellte, 
da habe er sich diese lombardischen offenbar zum Vorbilde genommen, da die 
von ihm ins Leben gerufenen organisatorisch mit diesen fast ganz überein- 
stimmten. „Gegenwärtig, wo man bereits in mehreren Nachbarstaaten an- 
gefangen hat," so fährt der Referent fort, „vom Prohibitivsysteme zurück- 
zukehren, wo es das allgemeine Interesse zu erfordern scheint, allmählich mit 
Vorsicht und nur nach vollständiger Erforschung aller bestehenden wahren 
Verhältnisse zu milderen Handelsgesetzen überzugehen, ohne jedoch das seit 
30 Jahren bestehende, in so viele Interessen eingreifende Prohibitivsystem zer- 
störend für den Nationalwohlstand schnell einzureißen, wo noch so viele wichtige 
und umsichtsvolle Vorbereitungen notwendig sind, ist die Vereinigung 
der aufgeklärtesten, rechtlichsten und erfahrensten Kaufleute 
und Fabrikanten der Monarchie in Handelskammern, nach dem 
bewährten Beispiel anderer Länder und unter einigen, den allgemeinen und 
individuellen Verhältnissen des Staates entsprechenden, Modifikationen um so 
wünschenswerter, als die bisherigen Einrichtungen in dem größten Teile der 
Monarchie wenig dazu geeignet waren, um sich mittelst derselben eine klare 
und vollständige Kenntnis und Übersicht der Verhältnisse des Handels und der 
Industrie in allen Bestandteilen der Monarchie mit Beziehung gegeneinander 
und gegen fremde Staaten zu verschaffen, folglich die im Handschreiben vom 
11. Juli 1816^) enthaltene wichtige Aufgabe befriedigend zu lösen". 

„Die Zünfte, Gremien und Korporationen", von einem eingealterten Be- 
schränkungsgeiste, von Brotneid und blinden Vorurteilen beseelt, erteilen 
selten oder nie verläßliche Auskünfte. Ihre Meinungen seien meistens einseitig 
und parteiisch ; anstatt die Gegenstände der Verhandlungen aufzuklären, tragen 
sie gewöhnlich nur dazu bei, sie zu verwirren; wo die Interessen zweier Korpo- 
rationen einander widerstreiten, gerate die Staatsverwaltung durch ihre Ränke 
und Scheingründe nicht selten in Verlegenheit. 

Die Ortsobrigkeiten bleiben begreiflicherweise gewöhnlich bei den be- 
schränkten Ansichten örtlicher Verhältnisse stehen. Ansichten über den Welt- 
handel im großen, über die wirtschaftlichen Zusammenhänge und Wechsel- 
wirkungen seien von ihnen daher nicht zu erwarten, weshalb ihre Berichte 
gewöhnlich eine magere, ganz unbrauchbare Ausbeute liefern. Die Kreis- 
ämter seien mit ihren Untertanssachen, Streitigkeiten und Kommissionen, mit 



1) Siehe oben S. 69. 



203 

Militärkonskriptions-, Einquartierungs- und Transportangelegenheiten, mit 
Polizeisachen und anderen Agenden zu sehr in Anspruch genommen, ihr 
Standpunkt sei überdies zu beschränkt, „um in den Geist des höheren 
Handels- und Industrialsystems einzudringen". Nicht immer gehörig ange- 
wendete theoretische Begriffe, Mangel an praktischen Erfahrungen und 
Einsichten auf dem Gebiete des Handels und der Industrie, Mangel an 
Kenntnissen über Handels- und Industriestatistik verleiten sie leicht zu Miß- 
griffen. Selbst die Fabrikeninspektionen, die in Mederösterreich und Böhmen 
bestehen, könnten, abgesehen von einigen hervorragenden dabei angestellten 
Männern^), nach der Natur ihrer Organisation bei weitem nicht das leisten, 
was von Handelskammern erwartet werden könne. Die Fabrikeninspektionen 
hätten in Kommerzangelegenheiten das Auge und Ohr der Regierung sein 
sollen. Aber ,, dieses Fach, welches beinahe keine Grenzen hat, können einzelne 
Fabrikeninspektoren mit ein paar Kommissären unmöglich übersehen. Auch 
der streng rechtliche Mann, mit dem ernsten Willen, kann in einem solchen 
ausgedehnten Wirkungskreise die Einseitigkeit nicht vermeiden". Die Aus- 
künfte dieser Inspektoren können nur in einzelnen unzusammenhängenden 
Bruchstücken bestehen. Mißbräuche sind dabei sehr leicht möglich, da die 
Inspektoren eine große Macht haben, überall Einsicht nehmen, nach Belieben 
nützen oder schaden können. Dieses Auge und Ohr der Regierung kann 
somit so schlecht funktionieren, daß die Staatsverwaltung darauf gestützt 
Gefahr läuft, den wahren Interessen der Industrie widersprechende Verfü- 
gungen zu treffen. 

Die Auskünfte, deren die Staatsverwaltung im Fache des Handels und der 
Industrie bedürfe, seien entweder wissenschaftlich oder praktisch. Bezüglich 
der ersteren, wenn es sich z. B. um Beurteilung neuer Erfindungen u. dgl. handelt, 
leisten die polytechnischen Institute weit mehr als die Fabrikeninspektion und 
seien allein zu einer solchen Beurteilung geeignet, weil ihnen alle Hilfsmittel 
und Quellen zu Gebote stehen. „In Beziehung auf die praktischen Auskünfte, 
welche die Staatsverwaltung bedarf, erscheint eine zweckmäßige, den Staats- 
verhältnissen anpassende, unter wohlberechneten Modifikationen gut geordnete 
Vereinigung der rechtlichsten, aufgeklärtesten und erfahrensten aus den ver- 
schiedenen Klassen der Staatsbürger, deren Interesse mit den mannigfaltigen 
Zweigen der Nationalindustrie und des Handels innig verflochten ist, sorgsam 
auserwählten, mit dem allgemeinen öffentlichen Vertrauen geehrten Männer 
in Handelskammern als eine in aUem Anbetracht vorzüglichere Quelle, um die 
allgemeinen Ansichten, Wünsche und wohltätig einwirkenden Vorschläge über 
Verbesserungen in den Anstalten des Handels und der Nationalindustrie zu 
erlangen, als es mittelst der bureaukratischen Verfassung der Fabrikeninspektion 
möglich ist. Bei der Wechselwirkung der verschiedenen Zweige des Handels 
und der Industrie, bei dem Interesse, womit dieselben ineinander verflochten 
sind, gewährt eine solche Vereinigung einsichtsvoller und rechtlicher Männer, 
welche durch gegenseitige Mitteilung ihrer Ideen, durch Entgegenhaltung ihrer 



^) Gemeint sind da wohl Schleyer, Keeß, Rößler und Neumann. 



tions- 
entwTirf 



204 

Ansichten das allgemeine Interesse in eine vollständige Harmonie zu bringen 
wissen, wie es bei gut geordneten Handelskammern der Fall ist, weit mehr 
Zuversicht und Vertrauen, als eine einzeln dastehende Fabrikeninspektion, 
welche unmöglich alle jene vielseitigen praktischen Erfahrungen und Einsichten 
in sich vereinigen, folglich sich so sehr des allgemeinen Zutrauens würdig machen 
kann, als ein Collegium von Männern, die den einzelnen Gegenständen ihrer 
Fächer ihr ganzes Leben mit Auszeichnung gewidmet haben, und welche dem 
Staate um der Ehre willen dienen". „Daher wünschen auch die Handelsleute 
und Fabrikanten, welche durch Erfahrungen die Überzeugung gewonnen haben, 
daß alle gedachten Behörden gar nicht in der Lage sind, über so manche Gegen- 
stände, welche sie betreffen, ein vollgültiges Urteil zu fällen, mit Sehnsucht die 
Aufstellung von Handelskammern". 
Organisa- Die Stellen der Mitglieder der Handelskammern sollen Ehrenstellen sein, 

so daß sie den Staat nichts kosten, anderseits aber die Behörden von Er- 
hebungen und Geschäften entlasten würden, wodurch auch bedeutende Staats- 
auslagen erspart werden könnten. Österreich sei weder ein reiner Ackerbau-, 
noch ein reiner Industriestaat, weshalb ein einseitiges System für dasselbe nicht 
passe. Wenn man auch die Wichtigkeit der Industrie nicht verkennen dürfe, 
so dürfe doch auch nicht vergessen werden, daß der Landbau die Grundlage 
des Nationalreichtums sei, daß er der Industrie Lebensmittel und TJrstoffe 
liefere und daß vielleicht seit Colberts Zeiten die meisten Staaten von Europa 
sich zu sehr auf die Seite eines isolierten Merkantilsystems hingeneigt haben 
dürften. Am dauerhaftesten und besten seien ohne Zweifel jene Staaten kon- 
struiert, deren Existenz auf einer unbeeinflußten Wechselwirkung zwischen 
Landbau, Industrie und Handel beruht. Das System des natürlichen Gleich- 
gewichtes dieser Staatskräfte scheine allein dasjenige zu sein, von welchem der 
unfehlbare Erfolg eines allmählich wiederkehrenden allgemeinen Wohlstandes 
zu erwarten sei. 

Nach dem nun vom Referenten auseinandergesetzten Organisationsentwurfe 
sollten in allen Landeshauptstädten Handelskammern errichtet werden. Außer- 
dem aber auch in anderen wichtigen Städten, deren Bedeutung in kommer- 
zieller Hinsicht jener der Hauptstadt gleichkam oder sie gar übertraf, wie 
Bozen, Brody, Rumburg, Reichenberg und Arnau. In minder wichtigen, jedoch 
nicht unbedeutenden Städten sollten aber von den Haupthandelskammern in 
den Landeshauptstädten abhängige Filialen (Handelsdeputationen) errichtet 
werden, so in Bregenz, Rovereto, Riva, Ala, Ragusa, Spalato, Sebenico, Bud- 
weis und mehreren anderen Städten. Über den Zweck der Handelskammern 
bestimmt der § 3 des Organisationsentwurfes: „Die Handelskammern haben 
die Ansichten, Wünsche und Vorschläge jener Klassen der Staatsbürger, welche 
auf das vielseitige Gebiet des Handels einen Einfluß nehmen und auf deren 
Wohlstand oder Verarmung hinwieder der Flor oder das Stocken des Handels 
einwirkt, über die Verbesserungen in den Anstalten zur Belebung des Handels 
und der Industrie wie nicht minder über die Hinwegräumung jener Hindernisse, 
welche dem Flor des Handels und der Industrie im Wege stehen, nach reifer 
Überlegung und Beratung jener Gründe, welche für oder wider die darauf sich 



205 

beziehenden Verfügungen sprechen, zur genauesten Kenntnis der Staats- 
verwaltung zu bringen, ihre Committenten von den darauf zu gründenden Ent- 
scheidungen zu verständigen und über den Geist derselben aufzuklären; mit 
einem Worte eine glückliche Harmonie zwischen der Regierung und der öffent- 
lichen Meinung zu begründen und sich mit unermüdeter Tätigkeit und reiner 
Vaterlandsliebe den Aufträgen der Staatsverwaltung zu unterziehen und über- 
haupt zur wirksamsten Beförderung alles dessen beizutragen, was den Handel 
und die Nationalindustrie blühend zu machen vermag". Der § 4 des Entwurfes 
handelt über die Zusammensetzung der Handelskammern. Sie haben aus 
nicht weniger als sechs und nicht mehr als zwölf Mitgliedern nach Maßgabe der 
örtlichen Verhältnisse von den verschiedenen Klassen der Großhändler, Wechsler, 
Kaufleute, Fabrikanten und praktischen Landwirte zu bestehen. Der physio- 
kratische Einschlag läßt sich darin erkennen, daß auch die Landwirte zu den 
Handelskammern herangezogen werden sollen, weil ,,der Landbau im weitesten 
Verstände, die bestmögliche Kultur und Benützung der Urstoffe in den drei 
Reichen der Natur, die Grundlage alles Handels und aller Industrie ist". „Wo 
die wichtigen Interessen des Landbaus unbeachtet bleiben, wo ihre vielseitigen 
Berührungen mit den Interessen des Handels und der Industrie übersehen 
werden, da ist eine für den allgemeinen Wohlstand gefährliche Stockung des 
natürlichen Gleichgewichtes der nationalen Kräfte zu besorgen, der Landbau 
bleibt zurück und die Industrie beruht auf einem bloß erkünstelten Schein und 
wird das Opfer ungünstiger ZufäUe. Nur von einer Vereinigung der rechtlichsten, 
einsichtsvollsten und erfahrensten Männer in den Fächern des Landbaus, der 
Industrie und des Handels in ein Kollegium, durch den somit erleichterten 
Austausch ihrer Ideen, lassen sich gründliche, systematische Resultate zur Be- 
förderung des allgemeinen Wohlstandes, die Berichtigung manniger Vorurteile, 
eine mehrseitige Beachtung der Landeskultur und der inniger zusammen- 
wirkenden Harmonie der auf das umfassende Gebiet der Nationalökonomie 
einwirkenden Klassen der Staatsbürger erwarten". 

Der § 5 bestimmte, daß jede der verschiedenen Handelsklassen, sowie 
jede Klasse der Landesfabrikanten das Recht haben solle, zwei Bevollmächtigte 
zu wählen, welche Bevollmächtigten dann aus ihrer Mitte die Mitglieder für 
die Handelskammer wählen und sie durch die Landesstelle der Kommerzhof- 
kommission zur Bestätigung anzeigen sollen. Anderseits soUen die Land- 
wirtschaf tsgeseUschaften, wo sie bestehen, durch die Landesstelle eingeladen 
•werden, zwei Mitglieder aus ihrer Mitte in die Handelskammer zu „deputieren". 
Wo keine solchen Gesellschaften bestehen und die Beiziehung von praktischen 
Landwirten notwendig wird, können Landwirte von der Landesstelle dazu 
eingeladen werden. Hauptsächlich ist dafür zu sorgen, daß die Hauptzweige 
des Handels und der Industrie eines jeden Landes durch eine verhältnismäßige 
Anzahl von Mitgliedern vertreten seien. 

Der Entwurf dachte sich demnach alle Handels- und Gewerbefachgruppen 
einzeln formlos organisiert, wobei jede Fachgruppe zwei Vertreter wählt. Diese 
Vertreter wählen dann aus ihrer Mitte die Mitglieder für die Handelskammern. 
Wird z. B. die Zahl der Mitglieder für die Wiener Handelskammer auf zwölf 



206 

festgesetzt, so werden zwei Mitglieder von den Großhändlern und Wechslern, 
zwei von den bürgerlichen Kaufleuten und sechs von den Landesfabrikanten 
gewählt; außerdem kommen zwei Mitglieder von der Landwirtschaftsgesell- 
schaft hinzu. Gesetzt nun den Fall, daß Gegenstände, welche in das Fach des 
Lederhandels einschlagen, vorkommen und daß unter den zwei bürgerlichen 
Kaufleuten, welche Mitglieder der Handelskammer sind, sich keine Leder- 
händler befinden, so steht es sowohl der Staatsverwaltung als den Handels- 
kammern frei, vorläufig darüber die zwei Bevollmächtigten der Lederhändler 
zu vernehmen und dann erst die Äußerung derselben bei der Handelskammer 
in Beratung zu ziehen und dabei die allenfalls eintretenden Rücksichten der 
Hornviehzucht durch die Landwirte und jene der Gerber durch die Landes- 
fabrikanten würdigen zu lassen. 

Der § 6 handelt über die Erfordernisse zur passiven Wahlberechti- 
gung. Die zu Wählenden müssen umfassende Erfahrungen besitzen und „von 
dem fortwährenden Eifer für das Gedeihen der ihnen anvertrauten Zweige 
beseelt sein". Die Handelsleute müssen daher den Handel, die Fabrikanten 
ihre Fabriken und die Landwirte die praktische Landwirtschaft seit wenigstens 
zehn Jahren ununterbrochen betreiben. Die Mitglieder der Handelskammern 
müssen in jeder Beziehung das allgemeine Zutrauen verdienen und besitzen, 
weshalb nur Männer von allgemein anerkannter Rechtlichkeit, Solidität und 
aufrechtem Kredite dazu geeignet sind. Sie dürfen nie in Konkurs verfallen 
sein (§ 7). Die Stelle ist eine Ehrenstelle und dauert in der Regel vier Jahre, 
worauf Wiederwahl möglich ist. Alle zwei Jahre tritt die Hälfte der Mit- 
glieder aus. Jede Neuwahl unterliegt der Bestätigung durch die Kommerz- 
hofkommission. Wer sich durch eine angemessene Anzahl von Jahren bei der 
Handelskammer ausgezeichnet hat, hat Anspruch auf angemessene Gnaden- 
bezeugungen (§ 8). Zur Besorgung und Leitung der Geschäfte werden den 
Handelskammern ein ständiger Sekretär und ein ständiger Adjunkt beige- 
geben. Der Sekretär ist die Seele der Anstalt, er führt die Kanzleidirektion, 
redigiert die Berichte, Äußerungen und Intimationen, leitet die Korrespondenz 
und das Geldwesen, entwirft die statistischen Tableaux usw. Die Besetzung 
dieser Stellen bleibt über Ternavorschlag der Handelskammern und Gutachten 
der Länderstellen der Kommerzhofkommission vorbehalten. „Diese Stellen 
dürften nach und nach eine treffliche Pflanzschule für die wichtigsten 
Konsulate im Auslande, auch für die Kommerzreferentenstellen überhaupt 
bilden" (§ 9). Die Handelskammern stehen unmittelbar unter den Länder- 
stellen, mittelbar durch dieselben unter der Kommerzhofkommission, welcher 
es jedoch beliebig freisteht, auch unmittelbar an sie heranzutreten. Die 
Aufsicht über die Handelskammern führen die Kreishauptleute. Sie führen 
in der Regel den Vorsitz bei den Beratungen, vidieren die Berichte und fügen 
hötigenfalls ihre Bemerkungen dazu bei, ohne daß ihnen jedoch das Recht 
zustünde, die Beschlüsse der Handelskammern abzuändern oder auf ihre Be- 
ratung einen anderen Einfluß zu nehmen, als durch Handhabung der Geschäfts- 
ordnung. Den eigentlichen Vorsteher oder Präses hat die Kammer aus ihrer 
Mitte durch die Landesstelle der Kommerzhofkommission zur Bestätigung 



207 

vorzuschlagen. Dieser Vorsteher führt in Abwesenheit des Kreishauptmanns 
den Vorsitz. Seine Stelle ist eine Ehrenstelle (§ 10). 

Die Handelskammern, welchen bestimmte Bezirke zuzuweisen sind, halten 
zweimal monatlich Sitzungen, bei dringenden Angelegenheiten nötigenfalls 
auch außerordentliche Kommissionen. Alle drei Monate werden die Geschäfts- 
protokolle durch die Länderstellen der Kommerzhofkommission vorgelegt und 
am Schlüsse des Jahres sollen derselben außerdem folgende Übersichten über- 
reicht werden: a) ein statistisches Tableau über den Zustand des Handels und 
der Industrie der Provinz oder des besonderen Bezirkes, welcher der Handels- 
kammer zugewiesen ist; V) ein Verwaltungsbericht über alles, was zur Beför- 
derung des Handels und der Industrie im Laufe des Jahres geleistet worden 
ist mit Bemerkungen über das, was im künftigen Jahre zu leisten erübrigen 
dürfte mit eventuellen „freimütigen Vorschlägen" ; c) eine Bilanz der Einkünfte 
und Auslagen der Handelskammer. 

Durch diese Berichte wird die Kommerzhofkommission über den wahren 
Zustand der Industrie und des Handels unterrichtet sein und Tableaux für die 
ganze Monarchie ausarbeiten können (§ 11), 

Die Auslagen werden unter alle Klassen von Kaufleuten und Fabrikanten 
repartiert, welche an den Vorteilen der Handelskammern Anteil nehmen (§ 12). 

Der Vortragsentwurf vom 15. Oktober 1818 endigt mit der Bitte des 
Kommerzhofkommissionspräsidenten Ritter von Stahl um dringendste aller- 
höchste Entschließung, weil bis dahin mit allen wichtigen Verbesserungen ab- 
gewartet werden müsse^). 

Der Vortrag wurde jedoch, unbekannt aus welchem Grunde, nicht 
erstattet, weshalb es auch zu keiner Verwirklichung der darin entwickelten 
Ideen kam^). 

Aber die Hofbehörden verloren die Frage der Heranziehung von Indu- 
striellen zur Beratung und Vernehmung auch fernerhin nicht aus den Augen. 

Als die Kommerzhofkommission 1823 den Entwurf eines Gesetzes gegen 
den Falschdruck in der Baumwollindustrie fertiggestellt hatte, da übersendete 
sie ihn den Länderstellen mit der Weisung, sich nach Einvernehmung 
theoretischer und praktischer Sachverständiger, insbesondere 
von Fabrikanten und Handelsleuten, die sich mit solchen Waren be- 
fassen, hierüber gutachtlich zu äußern^). 

Als 1825 die Fabrikeninspektionen in Wien und Prag aufgehoben wurden 
und es sich darum handelte, einen Ersatz für dieselben ausfindig zu machen, 
da meinte der Hofkammerreferent v. Krauß: „Wenn die Fabrikeninspektionen 
aufgehoben sind, so wird es in Zukunft den Länderstellen auch freistehen, in 
kommissionellem Wege ... die ausgezeichnetsten Individuen des 
Fabriks- und Handelsstandes zur Beratung über Gegenstände 
vorzüglicher Wichtigkeit heranzuziehen. Auf diese Weise werden die 
geeigneten Erhebungen über das Handels- und Fabrikswesen der gedachten 



1) H. K. A. Korn. Kom., Fasz. 1, Nr. 237 ex oct. 1818. — ^) Vgl. Krauß-Elislago, Autobio- 
graphie, S. 133 f. — ») Vgl. unten S. 277. 



208 

Provinzen ebenso gut, wo nicht noch bei weitem besser als bisher von den 
Fabrikeninspektionen gepflogen werden können"^). 
Provinziai- Im Jahre 1831 griff die Hofkammer auf die Idee der Beratung der Behörden 
Handels- ^^j-^j^ staatlich geregelte Fabrikantenorganisationen wieder zurück. Am 
nen. 26. Novcmbcr wies sie die Länderstellen an, künftighin zur erschöpfenden Er- 
örterung wichtiger kommerzieller Gegenstände, wenn diese vom Kommerz- 
referenten in Beratung genommen werden, zu den Beratungen einige Individuen 
des Handelsstandes, wenigstens ein paar Fabriks- oder Manufaktursinhaber 
jener Zweige der Industrie, welche in der Provinz am ausgedehntesten betrieben 
werden, einige in der praktischen Landwirtschaft und in den technischen und öko- 
nomischen Wissenschaften bewanderte Sachverständige, welche zu den kenntnis- 
reichsten und solidesten Personen ihres Faches gehören und „die mit Unbefangen- 
heit konziliatorisches Benehmen verbinden", beizuziehen und die erwähnten 
Gegenstände erst dann mit dem erschöpfenden Gutachten der kommissioneilen 
Beratung bei der Landesstelle in Vortrag zu bringen. „Der Einfluß des Kommerz- 
referenten bei diesen Beratungen hat sich auf die Leitung derselben zu be- 
schränken". ,,Ihm liegt bei diesen Beratungen kein anderes Geschäft ob, als 
die praktischen Ansichten der Sachverständigen zu erheben, denen es über- 
lassen bleiben muß, ihre Bemerkungen, Anträge und Vorschläge mit aller Frei- 
mütigkeit und Unbefangenheit entweder schriftlich oder mündlich zu Protokoll 
zu geben. Nur wird es die Pflicht der Kommerzreferenten sein, dafür zu sorgen, 
daß die zu erhebenden Daten so genau und erschöpfend als möglich erörtert 
werden, indem dadurch die Behörden genauere und verläßlichere Anhalts- 
punkte für ihre ferneren Beratungen erlangen werden, als es bei manchen bisher 
nur einseitig und weniger verläßlich gepflogenen Sachverständigenerhebungen 
der Fall sein konnte. Es versteht sich übrigens von selbst, daß die Gegenstände 
der Beratung jederzeit den Kommissionsmitgliedern im voraus mitzuteilen sein 
werden, damit sie gehörig vorbereitet und unterrichtet auch gediegene Abstim- 
mungen abgeben können". Durch diese Beratung wird der Entscheidung der 
Behörde nicht vorgegriffen, vielmehr werden dazu nur verläßliche Daten ge- 
sammelt^). 

Diese Industriellen, Kaufleute und Landwirte, deren Heranziehung ur- 
sprünglich nur gelegentlich von Fall zu Fall gedacht war, wurden schon 1832 
als „Provinzial-Handelskommissionen" in eine ständige Organisation mit 
eigenem Wirkungskreis umgewandelt. In ihre Kompetenz gehörte die Zustande- 
bringung einer fortlaufenden statistischen Übersicht des Standes des Handels, 
der Industrie und der Landwirtschaft, die Sammlung von Notizen über den 
Fortgang des Privilegiensystems in jedem Jahre sowie überhaupt alle Er- 
hebungen über die Wirkungen des Privilegiengesetzes auf die Industrie (was bis 
dahin die Kreisämter zu besorgen hatten), endlich die Erörterung der Kesultate 
der Jahrmärkte. 

Die formellen Einleitungen zur Berufung der Kommissionen, die Vor- 



>) H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 1, Nr. 122 ex majo 1825. — ^)A. d. k. k. Fin. Min. 
Kom., Fasz. 29, Nr. 125 ex nov. 1831. — Statth. A. Wien, 1832, A. 29, Nr. 15.122. 



209 

bereitung der Gegenstände der Beratung u, dgl. wurden dem Ermessen des 
Landespräsidiums anheimgestellt ^). 

Schon 1832 wurde den Länderstellen aufgetragen, die Handelskommis- 
sionen anzuweisen, einen Hauptbericht über den Zustand der Landwirtschaft, 
der Industrie und des Handels, über die Hindernisse, die denselben im Wege 
stehen, über die Mittel, diese Hindernisse zu beseitigen und die Quellen des 
Nationalwohlstandes nach Möglichkeit zu fördern, am Schlüsse des Jahres 
verfassen zu lassen und der Hofkammer vorzulegen, was künftighin jährlich 
geschehen sollte^). 

So sollten, ohne wirkliche Handelskammern einzurichten, die Fabrikanten, 
Kaufleute und Landwirte zur Beratung der Behörden herangezogen und 
ihnen so die Gelegenheit geboten werden, in Angelegenheiten, die ihre Inter- 
essen berührten, ihre Stimmen vernehmen zu lassen. 

Die Handelskommissionen lieferten mehrere räsonnierende Berichte über 
die wirtschaftlichen Verhältnisse in den ihnen zugewiesenen Gebieten mit einigen 
statistischen Daten^). Die Hofkammer wollte auf diesem Weg allmählich zu 
einer einheitlichen umfassenden Wirtschaftsstatistik der österreichischen 
Monarchie gelangen, was aber nicht gelang*). 

In Provinzen, w^elche aus verschiedenen heterogenen Teilen bestanden und 
in welchen die Zusammensetzung einer Kommission, welche die wirtschaft- 
lichen Verhältnisse des ganzen Landes hätte beurteilen können, nicht leicht 
tunlich war, wurden neben der Haupthandelskommission noch Filialkommis- 
sionen ins Leben gerufen, so im Küstenlande neben der Handelskommission in 
Triest noch eine Filialkommission in Görz für den Görzer Kreis und eine in 
Pisino für Istrien^). 

Die Handelskommissionen bewährten sich überhaupt nicht®). 

Inzwischen waren zuerst in Böhmen (1833), dann in Inner östeiTe ich (1837) 
und endlich auch in Niederösterreich (1839) Gewerbevereine entstanden, deren 
Rat die Behörden in Gewerbeangelegenheiten öfters einholten, wie auch diese 
Vereine im allgemeinen allmählich einen ähnlichen Wirkungskreis erhielten, 
wie er den Handelskammern zugedacht gewesen war'). 

In Böhmen machte das Landespräsidium schon 1833 den Vorschlag, die 
Agenden der Handelskommission dem dortigen Gewerbeverein zu übertragen, 
was aber von der Hofkammer nicht gebilligt wurde^). 

Da man jedoch mit den Handelskommissionen keine guten Erfahrungen 
gemacht hatte, so ließ das Hofkammerpräsidium selbst 1840 beim nieder- 
österreichischen Gewerbe verein anfragen, „ob und unter welchen Modalitäten 
der Verein die Erstattung des jährlichen Hauptberichtes zu übernehmen geneigt 
sei, was wohl um so mehr angenommen werden könne, als der Verein ohnehin 



1) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 80 ex junio 1832. — «) A. d. k. k. Fin. Mia. 
Korn., Fasz. 29, Nr. 43 ex julio 1832. — Vgl. auch S. 126. — ") Mehrere Berichte erhalten im 
A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, 1832 ff. — *) Vgl. S. 126. — ») A. d. k. k. Fin. Min. Kom., 
Fasz. 29, Nr. 59 ex apr.; 107 ex jul.; 25 u. 78 ex nov. 1840. — «) Vgl. oben S. 114. — ') Vgl. 
S. 216 ff. — «) Vgl. S. 217. 

Slokar, Geschichte der österr. Industrie. 14 



210 

dem Zustande und der allmähligen Entwickelung der Industrie und des Handels 
seine besondere Aufmerksamkeit zu widmen sich vorgesetzt habe und auch 
demselben daran gelegen sein werde, die Staatsverwaltung auf die obwaltenden 
Hindernisse aufmerksam zu machen und die Mittel zu deren Beseitigung in 
Antrag bringen zu können"^). Wenn es auch nicht dazu kam, so zogen doch die 
Behörden Vertreter des Vereins oft fachlichen Verhandlungen bei, ebenso wie 
sie an den Verein zur Erstattung von Gutachten in zollpolitischen und anderen 
Angelegenheiten herantraten^). 

Ebenso nahm der niederösterreichische Gewerbeverein 1848 lebhaften 
Anteil an der Beratung über die Errichtung von Handelskammern und seinen 
Anregungen ist es zu verdanken, daß durch Ministerialerlaß vom 15. Dezember 
1848 (R. G. Bl. Nr. 27 ex 1849) provisorische Bestimmungen über die Errich- 
tung von Handelskammern in Österreich ergingen^). 

Damit war jenes Ziel, welches schon drei Jahrzehnte den leitenden Kommerz- 
behörden vorgeschwebt hatte und dessen Erreichung durch die Handelskom- 
missionen sich als unmöglich herausgestellt hatte, endlich erreicht. Bis dahin 
hatte die Industrie bloß das Recht, mit Beschwerden und Vorschlägen an die 
Behörden heranzutreten; von nun an gab es Körperschaften, im Gegensatze zu 
den Handelskommissionen wohlorganisierte Körperschaften, zu deren Wirkungs- 
kreis dies gehörte ; das frühere Recht war zu einer förmlichen Pflicht geworden. 

X. Kapitel. 
Geschichte der industriellen Vereine bis 1848. 

Schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war eine Abneigung gegen 
das jeder freieren Entwicklung der Gewerbe entgegenstehende Zunftwesen zu 
bemerken. Diese Abneigung der Behörden wuchs immer mehr, mehrere aus- 
gedehnte Erwerbszweige wurden für frei erklärt und durch Schutzdekrete und 
Fabriksprivilegien wurde die Geschlossenheit der Zünfte durchbrochen. Immer 
größer wurde das Mißtrauen der Behörden gegen diese Vereinigungen, welche 
der sich stärker geltend machenden modernen Verkehrswirtschaft wie ein 
Hemmschuh anhafteten. Gegen Ende des 18. und am Anfange des 19. Jahr- 
hunderts wiederholen sich unzählige Male in offiziellen Akten und namentlich 
in den Akten der obersten Kommerzbehörden Hinweise und Auseinander- 
setzungen über die „schädlichen und gefährlichen Einstreuungen des Monopol- 
und Zunftgeistes" und immer wieder erfolgt die energische Zurückweisung der 
aus Brotneid erhobenen Beschwerden der Zunftgenossen gegen das dem Zeit- 
geist entsprechende liberale Vorgehen der Behörden. Erwägt man noch die 
damals herrschenden politischen Zustände, das stark entwickelte Polizei- und 
Bevormundungssystem, so muß die Abneigung der Behörden gegen jegliche 
Organisation von Standesgenossen selbstverständlich erscheinen. Ein Verein, 



^) Auspitzer, 50 Jahre gewerbl. Bestrebungen, 23 ff. — *) Anspitzer, a. a. 0., 337 f. — 
») Die Handels- u. Gewerbekammer Wien, 1849—1899, S. Iff.; Auspitzer. a.a.O., 338 f.; 
Maresch, Art. Handels- u. Gewerbekammern im österr. St. W. B., II. Auflage. 



211 

der unbehelligt ein gemeinnütziges Ziel verfolgen wollte, mußte sich den 
Mantel des Patriotismus umhängen und auch nur den Schein einer politischen 
Betätigung vermeiden. So bestanden denn schon seit der theresianischen Zeit 
Vereine, die die Förderung der Landwirtschaft zum Zwecke hatten, darunter 
wohl als der bekannteste die im Jahre 1767 gegründete k. k. patriotisch-ökono- 
mische Gesellschaft in Prag^). 

Diese landwirtschaftlichen Gesellschaften hatten im 18. und noch mehr 
zu Anfang des 19. Jahrhunderts auch für die Industrie eine nicht geringe Be- 
deutung, namentlich wegen ihrer Verdienste um die Hebung der Flachskultur 
und die Verbreitung des Anbaus von Runkelrüben. 

Eigentliche industrielle oder gewerbliche Vereine in modernem Sinne be- 
standen aber im 18. Jahrhundert noch nicht. 

Als erste Vereinigung dieser Art entstand 1806 in Wien ein kaufmännischer Kauf- 
Verein zur Belebung des Erwerbsfleißes, welcher aber bald in eine Spielgesell- °^^'^."'^''^" 
Schaft ausartete und den Mitgliedern bedeutende Auslagen verursachte. Da 
die Regierung überdies Verabredungen über die Stimmung des Geldkurses 
befürchtete, so wurde er schon 1807, nach kurzer Dauer, wieder aufgehoben. 

Im Jahre 1818 schritt der Ausschuß der angesehensten Wiener Handels- Kaui- 
leute und Fabrikanten um die Bewilligung eines neuen kaufmännischen ™^°'"^*'^*' 
Vereines ein, welcher aus 100 wirklichen, zu einem jährlichen Beitrage von 
100 fl. C. M. sich verpflichtenden, dann aus höchstens 150 Ehrenmitgliedern, 
endlich aus den von Zeit zu Zeit in Wien ankommenden angesehenen Fremden 
bestehen sollte. Als Zweck dieses Vereines wurde angegeben: Unterhaltung 
in freien Stunden durch erlaubte Spiele, durch Lesen von Handelszeitschriften, 
Bewirtung fremder Handelsfreunde und leichtere Mitteilung von Handels- 
nachrichten zur Belebung des Erwerbsfleißes. 

Die Polizeioberdirektion fand wegen des Ansehens der Mitglieder ebensowie 
auch wegen des Zweckes des Vereines nichts einzuwenden und meinte, die Bildung 
desselben sollte unter der Bedingung gestattet werden, daß allen „in einem 
Konkurs oder in einer peinlichen Strafe befangenen" die Aufnahme zu ver- 
weigern, dem Polizeidirektor und den Aufsichtskommissären jederzeit der 
ungehinderte Zutritt einzuräumen, der Polizeioberdirektion alle drei Monate 
ein genaues Verzeichnis der Vereinsmitglieder vorzulegen, außerdem die Dauer 
der Zusammenkünfte niemals länger als bis Mitternacht und keine Tanzmusik 
zu gestatten wäre. Der Präsident der Polizeihofstelle, Graf Sedlnitzky, war der 
Ansicht, ähnliche Gesellschaften mit erlaubten Spielen seien weit weniger 
bedenklich als bloße Zusammenkünfte, „die so leicht in politische Kannen- 
gießereien und Tadel öffentlicher Verfügungen übergehen". Auch seien „die 
heutigen Zeitumstände nicht so beschaffen, daß man den ansehnlichen hiesigen 
Handels- und Fabrikantenstand, welcher soviel Treue, Ehrfurcht, Achtung, 
Vertrauen, Anhänglichkeit und Liebe zu Seiner Majestät und zu der Landes- 
verfassung beweise, in der Art und Weise sich und seine Freunde unter öffent- 



*) Kurzer Beitrag zur Gesch. d. k. k. patr. oek. Gesellschaft, S. 3, Hundert Jahre 
Arbeit, I, 21. 

14* 



212 

lieber Aufsieht zu unterhalten beschränken sollte". Im Jahre 1819 wurde 
denn auch die Bildung des Vereines unter den angeführten Bedingungen 
gestattet^). Doch scheint er entweder niemals ins Leben getreten zu sein oder 
mindestens niemals irgend welche Bedeutung erlangt zu haben. 

Diese zwei erwähnten kaufmännischen Vereine waren keineswegs Ver- 
einigungen zur Förderung und Vervollkommnung der Produktion, somit über- 
haupt keine wirklichen industriellen Vereine. 
Absicht der Als man an die Organisation des 1815 errichteten Wiener polytechnischen 
Verbindung jngtituts Schritt, da griff man, nach einem Plane des Direktors Prechtl, die 
strievereines Idee auf, mit demselben einen Verein ,, nützlicher Kräfte zur Emporhebung des 
mit dem inländischen Gewerbsfleißes" zu verbinden. Als Vorbilder dienten dabei die 
poiytechn. Gesellschaften zur Aufmunterung der Künste und Gewerbe in Frankreich und 

Institute. ° 

England. 

„Durch die Ernennung von Mitgliedern unter den Angesehenen und Hono- 
rationen, dem Handelsstande und der Zahl gebildeter Fabrikanten" sollte das 
polytechnische Institut den Mittelpunkt eines Vereines zur Beförderung der 
Nationalindustrie bilden. Ein Hauptzweck dieses Vereines sollte die jährliche 
Ausschreibung bedeutender Preise auf Erfindungen und Verbesserungen auf 
technischem Gebiete sein^). 

Dieser Verein ist jedoch, trotz mehrfacher Anläufe zu dessen Verwirklichung, 
niemals ins Leben getreten^). . 

Besonders charakteristisch ist es, daß dieser Verein durch seine Verbindung 
mit einer staatlichen Anstalt einen halboffiziellen Charakter hätte erhalten 
sollen. 
Vorschlag Das crstc Projekt eines privaten wirklichen Industrievereines stammt aus 
von Hein- ^^j^ Jahre 1816. Der Wiener Großhändler Heinrich Hopf schlug da die Büdung 
1816. eines Vereines zur ,, Beförderung der vaterländischen Gewerbsbetriebsamkeit" 
vor. Er sollte zum Zwecke haben: den Kunstfleiß in Österreich durch aUe 
möglichen Mittel zu befördern und zu diesem Zweck inländische Künstler in 
ihren Bemühungen durch Prämien zu unterstützen, ihre Erfindungen und Ver- 
besserungen gemeinnützig zu machen, einzelne Erfahrungen und Belehrungen 
einander mitzuteilen, neue oder verbesserte Gegenstände der inländischen 
Industrie zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, fähigen Jünglingen den Besuch 
polytechnischer Lehranstalten durch Unterstützungen zu erleichtern, von den 
Fortschritten des Auslandes auf dem Gebiete der Mechanik und des Maschinen- 
wesens frühe und genaue Kunde zu erlangen, sich von neuen Erfindungen 
Zeichnungen und Modelle zu verschaffen und so an fremden Vorteilen bald 
Anteil zu nehmen. Der Verein hätte aus Kaufleuten, Fabrikanten und Künstlern 
zu bestehen. Dadurch sollte die gerade damals in einem Zustande der Depression 
sich befindende Industrie den nötigen Aufschwung erlangen, um die Kon- 
kurrenz mit dem Ausland aushalten zu können. Die Gelehrten, Mechaniker 
und Künstler hätten keine Beiträge zu leisten, sondern nur sich zu betätigen 



1) Staatsrat 1818, Nr. 8675. — ") Verfassung des k. k. polyt. Inst, in Wien, 1818, S. 27. 
3) Staatsrat 1836, Nr. 3095. Vgl. auch unten S. 213 u. 221 f. 



213 

durch Untersuchung und Prüfung fremder Gedanken und Vorschläge. Der 
Endzweck des Vereines sollte sein, der inländischen Industrie, und zwar haupt- 
sächlich dem Fabrikswesen durch ein gemeinschaftliches Zusammenwirken 
von Fabrikanten und Kaufleuten jene Mittel zu ihrer Emporbringung und Aus- 
dehnung zu verschaffen, welche ihr durch die Kräfte des einzelnen nie verschafft 
werden könnten. 

Die Fabrikeninspektion, die um ihre Ansicht über diesen Vorschlag befragt 
wurde, meinte in charakteristischer Weise, der Proponent könnte, da er als 
Gegner des Liberalitätsprinzips bekannt sei, „mit seinem noch unbekannten 
Anhang von Kaufleuten und Fabrikanten den Zweck verfolgen, den derzeit 
bestehenden Handelsberechtigungen und Fabriken das Monopol zu erringen". 
Der Direktor des polytechnischen Instituts, Prechtl, drückte den Wunsch aus, 
daß ein solcher Verein in Verbindung mit dem Institute gegründet werde, da 
er sonst niemals das gehörige Ansehen haben könnte. Die Stadthauptmann- 
schaft hielt die Bedenken der Fabrikeninspektion für unbegründet und glaubte 
anderseits, daß der Verein auch ohne Verbindung mit dem polytechnischen 
Institute bestehen könnte. Die niederösterreichische Regierung war der Ansicht, 
daß es in Österreich noch an zwei für die Industrie und Kommerzialleitung 
sehr wichtigen Einrichtungen fehle a) an den in Frankreich und Italien bestehen- 
den Kommerzkammern, h) an polytechnischen Gesellschaften, welche im Fache 
des Fabriks Wesens das leisten sollten, was die Landwirtschaftsgesellschaften 
auf dem Gebiete der Landwirtschaft wirklich leisten. Der geplante Verein sei 
nützlich und könne überhaupt auf keinen Fall schaden. Von einer Verbindung 
desselben mit dem polytechnischen Institute sollte abgesehen werden. 

Am 21. Februar 1817 erging diesbezüglich an die niederösterreichische 
Regierung folgendes Dekret der Kommerzhofkommission : „Da ein Verein zur 
Beförderung technischer Künste und Gewerbe eine jener Anstalten bildet, in 
welche das polytechnische Institut nach dem Plane zerfällt, welcher eben der 
definitiven allerhöchsten Genehmigung unterzogen wird, so hat die Regierung 
dem Hopf zu bedeuten, daß in dem gegenwärtigen Augenblick über seine Vor- 
schläge kein Beschluß gefaßt werden könne, daß es ihm jedoch unbenommen 
bleibe, seinerzeit, wenn der Plan des von dem polytechnischen Institute zu 
bildenden Vereins durch herauskommende Programme bekannt und die Vereins- 
anstalt konsolidiert sein wird, für den Fall, als nicht etwa durch diesen Verein 
sein Plan sich von selbst beheben oder aber er sich selbst demselben anschließen 
würde, seinen Vorschlag zu erneuern"^). 

Es entstand aber weder der Verein in Verbindung mit dem polytechnischen 
Institute noch der von Hopf vorgeschlagene. 

Das Bedürfnis der Großindustrie nach einer Organisation, um ihre Inter- 
essen mit größerem Nachdrucke vertreten zu können, machte sich immer 
mehr fühlbar. Am stärksten mußte sich dieser Mangel geltend machen in jenem 
Zweige der Industrie, welcher in seiner Entwicklung zur Großindustrie am 
meisten vorgeschritten war, nämlich der Baumwollindustrie. So geschah es 



1) H. K. A. Korn. Kom. Fasz. 56, Nr. 17 ex febr. 1817. 



214 

Eepräsen- auch, daß im Jahre 1817 die niederösterreichischen privilegierten Zitz- und 
tanten der Kattunfabrikanten, ohne einen förmlichen Verein zu gründen, fünf ihrer 
priv, Zitz- Standesgenossen, nämlich die Freiherren von Puthon und Lang, ferner die 
und Kattun- Fabrikanten Ziegler, Kunz und Faber, alle Eigentümer beziehungsweise Mit- 
'SmT^'' Interessenten der Sassiner, Ebreichsdorfer, Kettenhofer, Lettowitzer und 
St. Pöltener Fabriken, zu Repräsentanten und Bevollmächtigten ihrer Gesamt- 
heit wählten und an die Regierung um Anerkennung derselben in dieser Eigen- 
schaft herantraten, damit in Fällen, in welchen die Gesamtheit der Fabriks- 
inhaber entweder ein gemeinschaftliches Ansuchen zu stellen oder auf Ver- 
langen der Behörden gemeinschaftlich Äußerungen abzugeben hätte, diese 
Bevollmächtigten es im Namen des ganzen Gremiums zu tun berechtigt wären. 

Zu diesem Ansuchen äußerte sich nun der Wiener Magistrat dahin, es sei 
dagegen nicht nur nichts einzuwenden, diese Maßregel sei vielmehr sehr er- 
wünscht; die Erfahrung lehre, daß über Angelegenheiten, welche Gewerbe- 
klassen betreffen, die keine ordentliche Repräsentation haben, die Behörden 
niemals unbefangene und zuverlässige Erklärungen und Aufschlüsse erlangen 
können, indem sie nur immer mit einzelnen Mitgliedern zu tun haben, die ent- 
weder, durch persönliches Interesse geleitet, keine verläßlichen Äußerungen 
abgeben oder aber sich gegen andere Standesgenossen keiner Verantwortlichkeit 
aussetzen wollen oder endlich sich wohl gar weigern, bei ordentlichen Kommis- 
sionen zu erscheinen, weil weder für das eine noch für das andere eine Ver- 
pflichtung vorliege. Das Merkantil- und Wechselgericht sowie die Stadthaupt- 
mannschaft, die auch um ihre Äußerung ersucht worden waren, hatten ebenfalls 
nichts dagegen einzuwenden. Die niederösterreichische Regierung befürwortete 
sogar die Anerkennung der Wahl der Repräsentanten und meinte, daß für den 
Fall, als auch in Österreich ordentliche Handelskammern errichtet werden 
sollten, es der Staatsverwaltung nicht unwillkommen sein dürfte, aus dem 
Stande der Kattunfabrikanten auf diese Weise die Wahl bewährter Männer 
erleichtert zu finden. 

Die Kommerzhofkommission nahm hierauf die Wahl der Repräsentanten 
zur Kenntnis. 

Damit war der erste Versuch zur Organisation eines Zweiges der Groß- 
industrie zur Vertretung gemeinsamer Interessen von Erfolg gekrönt^). 

Wiederholt traten um diese Zeit Großindustrielle zur Wahrung ihrer 
Interessen gemeinsam auf, ohne zu einem Vereine organisiert zu sein. So erfolgte 
im Juni 1817 eine Vorstellung der böhmischen Landesfabriken über den Verfall 
der Industrie und die Ursachen desselben mit Vorschlägen zur Abhilfe. Diese 
Vorstellung war von 45 böhmischen Großindustriellen unterfertigt. Darin 
findet sich auch der Wunsch ausgedrückt, der Kaiser möge eine Kommission 
bestimmen, zu welcher Deputierte der verschiedenen Baumwollmanufakturen 
beigezogen werden sollen, um ihre Ansichten ausführlich vortragen und darüber 
die nötigen Auskünfte geben zu können^). 



^) H. K. A. Korn. Kom., Fasz. 31, Nr. 26 ex dec. 1817, Nr. 41 ex dec. 1819; Barth, a. a. 0. 
VI, 236. — 2) Vgl. S. 66 ff. 



215 

Ende 1817 treten als Repräsentanten der niederösterreichischen Zitz- 
und Kattunfabriken Karl Freiherr v. Puthon und Johann Ziegler auf, ander- 
seits aber im Namen und Auftrage sämtlicher Tuchfabriken Mährens Joh. 
Bapt. Freiherr v. Puthon (Namiester Fabrik), sowie Hopf und Bräunlich in 
Brünn^). Zahlreiche große Fabrikanten traten wieder 1818 gemeinsam auf, 
nachdem das Verbot der Einfuhr fremder Waren auch auf das lombardisch- 
venezianische Königreich ausgedehnt worden war und sie bestrebt waren, 
vorteilhafte Handelsverbindungen mit diesen Ländern anzuknüpfen^). Im 
selben Jahre setzte das Brünner „Fabriken- Gremium" die Namiester Tuch- 
fabrik in Kenntnis, daß die Gebrüder Schoeller um mehrere Begünstigungen, 
namentlich um Einfuhr von Tuch, angesucht hatten, worauf letztere eine Vor- 
stellung an das Gubernium richtete, dies nicht zu gestatten^). 

Im Jahre 1818 forderten die Repräsentanten der niederösterreichischen 
landesbefugten Zitz- und Kattunfabrikanten die Erneuerung der Verordnung 
gegen den Falschdruck vom 1. September 1796. Ebenso am 8. Dezember 1824 
die baldige Bekanntmachung neuer Vorschriften über die Echtfärbung*). Im 
März 1825 wiederholten sie die Bitte um baldige Erlassung einer Vorschrift 
gegen den Falschdruck, wobei außerdem auch Hermann Leitenberger das 
Gesuch im Namen von sieben böhmischen Fabriken mitunterfertigte^). 

Die Spinnereien hatten ihre eigene formlose Organisation. 

Ende 1826 traten für die niederösterreichischen Baumwollspinnfabrikanten Auaschusae 
die „Ausschüsse" derselben auf, indem sie die Regierung baten, sie möge den "^^ ^^^^^^' 

. . d c T o österreichi- 

Konsul in Alexandrien zur Erstattung von Berichten über den BaumwoU- g^hen Baum- 
handel veranlassen, was auch zugestanden wurde^). woiispinn- 
Im April 1827 zeigten die niederösterreichischen privilegierten Zitz- und '*''"''*"*®°" 
Kattunfabriken der Hofkammer an, daß sich der im Jahre 1817 unter ihnen 
gebildete Verein und die damit verbundene Repräsentation durch einige Mit- 
glieder desselben wieder aufgelöst habe'). Die Baumwollspinnereien blieben 
jedoch auch weiterhin organisiert, denn im August 1828 überreichten ihre 
„Ausschüsse" eine Denkschrift über den Zustand der österreichischen Baum- 
wollspinnereien^) und im Juli 1829 brachten sie den Zustand des Baumwoll- 
marktes der Regierung zur Kenntnis und gaben ihrer Meinung Ausdruck, daß 
ein gesicherter Baumwollmarkt in den österreichischen Seehäfen sich so lange 
nicht entwickeln werde, bis nicht regelmäßige, schnelle und zuverlässige Ver- 
bindungen mit Ägypten hergestellt würden^). Noch später, so 1836, wird diese 
freie Vereinigung der niederösterreichischen Spinnfabriken, welche durch ihre 
Ausschüsse vertreten wurden, erwähnt^"). 



1) H. K. A. Kom. Praes., Nr. 1017 ex 1818. — ^) H. A. K. Kom. Praes., Nr. 1083 ex 1818, 
Korn. Kom., Nr. 59 ex oct. 1818. — ») H. K. A. Kom. Praes., Nr. 1939 ex 1818. — *> H. K. A. 
Kom. Kam., Fasz. 42, Nr. 56 ex mart. 1829. — s) H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 42, Nr. 53 ex 
mart. 1825. — •) H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 5, Nr. 148 ex dec. 1826, Nr. 156 ex majo 1827; 
Über diese Vereinigung vgl. auch unten S. 224. — ') H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 31, Nr. 173 
ex apr. 1827. — «) H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 31, Nr. 86 ex aug. 1828. — •) H. K. A. Kom. 
Kam., Fasz. 31, Nr. 96 ex jul. 1829. — ") Vgl. unten S. 224 f. 



216 

Verein zur Der erste wirkliche Industrieverein in modernem Sinne wurde aber in 
Ermunte- Böhmen errichtet. Es ist dies der „Verein zur Ermunterung des Gewerbsgeistes 
Gewerbs- i^ Böhmen", dessen Statuten durch allerhöchste Entschließung vom 9. Dezember 
geistes in 1829 genehmigt w^urden. 

182M1833) -^^^ Bedürfnis nach einem solchen Vereine, der „für die Pflege und den 
Schutz der industriellen Interessen im höheren Sinne freiwillige Kräfte vergesell- 
schaften" sollte, wurde in Böhmen, dem industriereichsten Lande der Monarchie, 
begreiflicherweise am stärksten und zuerst fühlbar. Die in Prag seit 1828 ver- 
anstalteten Gewerbeausstellungen gaben den Anstoß zur Gründung des Vereines, 
indem jene Männer, die sich an der Organisation dieser Ausstellungen am 
eifrigsten beteiligt hatten, den Plan zur Gründung des Vereines faßten, wobei 
die eigentliche Anregung und die ersten Schritte zur Verwirklichung vom 
Grafen Josef Dietrichstein ausgingen. „Die segensreichen und ehrenvollen 
Erfolge des Ausstellungskomit6s sprachen für die Stabilität der Institution, 
für die Bildung eines stabilen Vereins zur Ermunterung des Gewerbsgeistes 
in Böhmen". Um das Zustandekommen des Vereines erwarben sich auch die 
böhmischen Stände und der böhmische Adel überhaupt hervorragende Ver- 
dienste. Der Verein konstituierte sich erst am 1. März 1833. Zum ersten General- 
direktor wurde Graf Dietrichstein gewählt^). Statutengemäß war der jeweilige 
Oberstburggraf Protektor des Vereines. Die Förderung und Hebung der Industrie 
in allen ihren Zweigen in Böhmen war der Zweck desselben. Als Mittel zur 
Erreichung dieses Zweckes waren vorgesehen 1. die technische Belehrung der 
gewerbetreibenden Klasse durch a) öffentliche Ausstellungen der inländischen 
Gewerbeerzeugnisse, l) Erwerbung und Vorzeigung von Musterstücken, c) Mit- 
teilung in- und ausländischer Erfindungen, Verbesserungen und Abhandlungen 
durch eine technische Zeitschrift. 2. Belohnung gelöster technischer Aufgaben 
durch Geld und andere Preise. 3. Auszeichnung für technische Leistungen 
nach dem Ergebnisse der Gewerbeausstellungen^). 

Dieser Verein entfaltete eine sehr lebhafte Tätigkeit und erstreckte seine 
Wirksamkeit auf die meisten den späteren Handelskammern zugewiesenen 
Agenden. Unter anderem veranstaltete er die Gewerbeausstellungen von 1833 
und 1836 in Prag^), gab technische Zeitschriften heraus*), organisierte einen 
Sonntagsunterricht für Gesellen und Lehrlinge^), verlieh an Techniker Reise- 
stipendien zum Besuche fremder Fabriksorte, gründete eine Bibliothek mit 
Lesekabinett, ließ umfassende statistische Daten über die böhmische Industrie 
sammeln und wirkte für den Export böhmischer Produkte nach dem Orient*). 
Damit die inländischen Gewerbetreibenden über die ausländischen Leistungen 
informiert werden können, gestattete der Kaiser auf Ansuchen des Vereines 



1) A. d. k. k. Fin, Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 111 ex jun. 1833; Kreutzberg, Der Verein usw., 
S. 8 ff.; Gesch. des böhm. Gewerbevereins, S. 4 ff.; Hundert Jahre Arbeit, 1, 16; Mitteilungen 
f. Gew. u. Handel, 1839, Bd. 3, S. 99. — *) A. d. k. k, Fin, Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 67 ex 
Jan. 1834; Kreutzberg, Der Verein usw., S. 16 ff. — ') Vgl. S. 234 f. — *) Mitteilungen f. Gew. 
u. Handel; Jahrb. f. Fabrikanten und Gewerbetreibende oder Encyklopädibche Zeitschr. des. 
Gewerbewesens. — ') Vgl. S. 175 f. — •) Gesch. d. böhm. Gewerbevereins, S. 10 ff. 



217 

die zollfreie Einfuhr von Musterstücken, damit diese den betreffenden Gewerbe- 
treibenden zur Benützung überlassen werden^). Der Verein sollte, wie Kreutz- 
berg sich ausdrückt, eine alle Gewerbezweige mit allen Hilfsmitteln und Hand- 
griffen bis in die kleinsten Einzelheiten umfassende praktische Lehranstalt für 
das ganze Land werden, bei der die Zeitschrift die Lehrkanzel, die Ausstellung 
den praktischen Kurs und die Würdigung des Verdienstes das Zeugnis vertritt^). 

Die Generaldirektion des Vereines bildete durch eine lange Reihe von Jahren 
das Organ, durch welches alle Anliegen und Bedürfnisse der böhmischen Industrie 
der Regierung vorgebracht wurden, welches die Wünsche der Industrie eifrig 
vertrat und von der Regierung in allen Angelegenheiten industrieller und 
kommerzieller Natur um seine Ansicht gefragt wurde^). Das Ansehen des Ver- 
eines war gleich nach dessen Konstituierung so groß, daß das böhmische Landes- 
präsidium am 27. Mai 1833 in einem Bericht an die Hofkammer den Antrag 
machte, den gesamten Wirkungskreis der Provinzial-Handelskommission auf 
denselben zu übertragen, da derselbe als ein Vereinigungspunkt des gesamten 
industriellen und kommerziellen Interesses alle jene Aufgaben zu lösen imstande 
sei, welche der Einsetzung der Provinzial-Handelskommissionen zugrunde 
gelegt wurden. Die Hofkammer ging jedoch darauf nicht ein, weil die Handels- 
kommissionen auch die Landwirtschaft zu berücksichtigen hatten und weil 
die Gleichmäßigkeit in allen Provinzen erhalten bleiben sollte*). 

Kein Zweig der industriellen Interessen wurde von diesem Verein außer acht 
gelassen, so daß seine Tätigkeit eine immer umfassendere wurde. Besonders 
erwähnt soll noch werden, daß er sich längere Zeit mit besonderem Interesse 
mit der gesetzlichen Regelung der Arbeit und der sozialen Verhältnisse bei 
der Großindustrie befaßte und beschloß, einen besonderen Fonds, der von 
mehreren Freunden der Industrie für Preisaufgaben gewidmet worden war, 
zuerst zu einem Preise für den besten Entwurf einer gesetzlichen Fabrikspolizei- 
ordnung zu verwenden^). 

Infolge der 1842 beschlossenen Statutenänderung traten seit 1844 viele 
neue, namentlich bürgerliche und industrielle Elemente in den Verein, wodurch 
dieser zwar an sozialer Geltung und Einfluß verlor, hingegen an Leben und 
Sympathie in industriellen Kreisen zunahm. Immer mehr machte sich seitdem 
das Bestreben nach selbständigem Auftreten der Industrie geltend und es 
wurde die Einflußnahme von praktischen und intelligenten Industriellen auf 
die Pflege und Vertretung der eigenen Interessen und auf das Vorgehen der 
Staatsverwaltung in Zoll-, Finanz- und Fabriksgesetzgebung als unumgänglich 
notwendig erkannt^). 

Bald machten sich in Böhmen auch Bestrebungen geltend, Vereine von Plan zur 
Unternehmern einzelner Industriezweige ins Leben zu rufen. So teilte im April ^"^^^^^"^ 
1836 Fürst von Oettingen der Landesstelle mit, daß sich nach seinem Antrage Vereines der 
ein Verein von Zuckererzeugern aus inländischen Produkten zu bilden beabsich- zucker- 

industriellen 



^) Kreutzberg, Der Verein usw., S. 36. — ") Kreutzberg, Der Verein usw., S. 44. — ') Gesch. 
d. böhm. Gewerbevereins, S. 18. — «) A. d. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 29, Nr. 111 ex jun. 1833. 
— *) Gesch. d. böhm. Gewerbevereins, 19. — •) Gesch. d. böhm. Gewerbevereins, 28 ff. 



(1836). 



218 

tige, der sich zum Zwecke stelle, diesen in jeder Beziehung auch für den ge- 
samten Staatshaushalt höchst wichtigen Industriezweig durch Zusammen- 
wirken der Interessenten gehörig zu konsolidieren und der Staatsverwaltung 
über den Stand und die Fortschritte dieses Produktionszweiges sichere Kennt- 
nisse zu verschaffen. Auch werde der Verein den Anbau von Rüben zu ver- 
breiten suchen. Über dieses Gesuch wurde die patriotisch-ökonomische Gesell- 
schaft befragt, welche ihr Gutachten dahin abgab, ein solcher Verein sei nicht 
notwendig, da ein Gewerbeverein schon bestehe, der alle Gewerbe fördere und 
der Zuckerindustrie keine besonderen Hindernisse entgegenstehen. Obwohl 
das Gubernium der Ansicht war, daß der Verein durch Mitteilung der gegen- 
seitigen Erfahrungen in einem so jungen Produktionszweige nützlich sein könne 
und deshalb auf Bewilligung antrug, war der Referent der Hofstelle der Ansicht, 
daß die Beförderung des Anbaus der Runkelrüben in den Bereich der patriotisch- 
ökonomischen Gesellschaft, die Zuckerfabrikation aber zur Kompetenz des 
Vereines zur Ermunterung des Gewerbsgeistes gehöre^). Es wurde zwar dies- 
bezüglich von der Hofkanzlei ein alleruntertänigster Vortrag erstattet (unter 
dem 25. November 1836), doch scheint es zur Gründung des Vereines nicht ge- 
kommen zu sein^). 
Kelchen- Ein Industricvercin lokalen Charakters entstand in Böhmen schon in der 

berger ersteu Hälfte des 19. Jahrhunderts, nämlich der zu Reichenberg, dessen Statuten 

Gewerbe- 

verein durch allerhöchste Entschließung vom 21. Oktober 1845 genehmigt wurden^). 

(1845). Der böhmische Gewerbeverein blieb nicht lange der einzige. Der große 

inneroster- ßj.fQ]pf (jgj^ (jjg yQjjj Armcnversorgungsvercin der Stadt Graz in den Jahren 

reiehischer °' S' . 

Gewerbe- 1832 uud 1833 Veranstalteten Industrieausstellungen gehabt hatten, brachte 
verein den damaligen Förderer alles Guten und Nützlichen in Innerösterreich, Erz- 
herzog Johann, auf die Idee, einen Gewerbe verein zu gründen, der solche Ver- 
anstaltungen zu einer regelmäßigen Einrichtung machen sollte. Um diesen 
Plan auszuführen, wollte sich der Erzherzog der ebenfalls von ihm ins Leben 
gerufenen Landwirtschaftsgesellschaft bedienen, welche denn auch schon Ende 
1833 einen Entwurf der Statuten für diesen Verein den Landwirtschaftsgesell- 
schaften in Kärnten und Krain zur Prüfung, Begutachtung und Sammlung 
von Beitrittserklärungen zuschickte*). Die Landwirtschaftsgesellschaft in 
Krain sprach sich jedoch für die Bildung eines Provinzialvereines aus und ver- 
handelte wegen des Anschlusses Kärntens^), weshalb die steirische Landwirt- 
schaftsgesellschaft beschloß, die Wirksamkeit des Grazer Vereines einstweilen 
auf die Steiermark zu beschränken und den beiden Nachbarprovinzen den 
Beitritt offen zu erhalten. Die Landesstelle ging auch hier wie in Böhmen bei 
der Gründung hilfreich zur Hand, indem sie zugleich die Kreishauptleute auf- 
forderte, durch die ihnen unterstehenden Bezirkskommissariate Subskriptionen 



(1837). 



1) St. A. Prag, 1836—1840, Fasz. 104, num. 2, subn. 3. — *) A. d. Min. In. Protokoll 1836 
u. 1837. Die Akten selbst sind nicht auffindbar. Staatsrat 1836, Nr. 6539 ohne allerhöchste 
Entschließung. — ') A. d. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 17, 1845, Nr. 2039. — «) Göth, Joanneum, 
S. 103, Protokoll der Gen. Vers. d. innerösterr. Gewerbevereins 1838, S. 20. — ^) A. d. k. k. 
Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 160 ex febr. 1835. 



219 

zum Beitritte zu sammeln. Die Landwirtschaftsgesellsehaft Kärntens, die 
ihre Tätigkeit auch auf die Beförderung der Industrie ausgedehnt hatte, schloß 
sich bald an und ihr folgte auch diejenige Krains im Jahre 1835. Durch aller- 
höchste Entschließung vom 11. Februar 1837 erfolgte die Genehmigung der 
Statuten. Die Direktion des Vereines hatte ihren Sitz in Graz, während in Laibach 
und Klagenfurt Delegationen bestellt wurden. Im Jahre 1837 war von der Land- 
wirtschaftsgesellschaft eine provisorische Direktion eingesetzt worden, worauf 
am 31. März 1838 die erste definitive Direktion gewählt wurde, an deren Spitze 
als Direktor Erzherzog Johann stand. 

Sofort entfaltete der Verein eine ungemein vielseitige, rege Tätigkeit zur 
Förderung der Industrie und des Handels. Im Jahre 1837 übernahm es Erz- 
herzog Johann selbst, während seiner Orientreise die durch die provisorische 
Direktion besorgten Muster innerösterreichischer Industrieerzeugnisse im Orient 
an Kaufleute und Konsulate zu verteilen. In Graz wurde ein Musterkabinett 
gewerblicher Erzeugnisse errichtet und 1840 auch jenes des Joanneums vom 
Verein übernommen. Öffentliche populäre Vorträge wurden vom Verein am 
Joanneum über Physik, an der Universität über Chemie und im Vereinslokale 
über beschreibende Geometrie und Zeichnen veranstaltet. 

Im Jahre 1839 dehnte der Verein seine Tätigkeit auch über Oberösterreich 
aus, indem in Steyr ein Mandatariat gebildet wurde ; im Jahre 1842 entstand 
ein solches auch in Linz und in Waidhofen a. Y. in Niederösterreich. Im Jahre 
1843 wurde die Organisation einer eigenen Delegation für Oberösterreich be- 
schlossen und infolgedessen der Titel umgeändert in „Verein zur Beförderung 
der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich und dem Lande ob der Enns mit 
Salzburg". Im Jahre 1845 hatte der Verein Zweigniederlassungen in Laibach, 
Klagenfurt, Steyr, Linz, Ried, Gmunden und Waidhofen a. Y. Bei jeder Zweig- 
niederlassung war eine Bibliothek technologischer Werke, Zeichenschulen für 
Gewerbetreibende, vielfach auch mechanische Werkstätten und Musterkabinette 
aufgestellt worden. Auch wurden populäre Vorträge über Baukunst, Mechanik 
und Geometrie abgehalten. Im Jahre 1846 zählte der Verein über 2700 Mit- 
glieder, davon entfielen auf Oberösterreich 2184, auf die Steiermark 420, auf 
Kärnten 247, auf Krain 154, auf Niederösterreich 132; 1847 erfolgte die Schaffung 
einer eigenen Delegation auch für Salzburg. 

In inniger Verbindung mit dem Vereine stand das in Graz von Karl von 
Frankenstein herausgegebene innerösterreichische Industrie- und Gewerbsblatt 
(1839 ff.) und es ist wesentlich den Bemühungen des Vereines zu verdanken, 
daß seit 1842 von Dr. Bleiweis in Laibach für die der deutschen Sprache nicht 
mächtigen Gewerbetreibenden Krains die Zeitschrift „Kmetijske in rokodelske 
novice"^) herausgegeben wurde. 

Neben der Verbreitung gewerblicher Bildung durch Vorträge, Bibliotheken, 
Schulen und Zeitschriften erwarb sich der Verein große Verdienste durch die 
Veranstaltung der Gewerbeausstellungen zu Klagenfurt (1838), Graz (1841), 
Laibach (1844) und Linz (1847). Auch gründete er 1839 eine Aktiengesellschaft 



') Landwirtschafts- und Gewerbenachrichten. 



220 

unter der Firma „Gesellschaft zur Ausfuhr innerösterreichischer Erzeugnisse 

in Triest", um über diese Hafenstadt einen starken Export nach dem Orient 

hervorzurufen. 

Durch seine ungemein erfolgreiche Tätigkeit wurde der Verein zu einer der 

hervorragendsten unter den vielen Gründungen Erzherzog Johanns^). 
Aufstellung Um dieselbe Zeit wie in Innerösterreich trugen sich auch in Niederösterreich 
allgemeiner mehj-gpe Fabrikanten mit der Idee, einen Gewerbeverein in Wien zu errichten. 

Grundsätze -ri » i -r i i t tt i • • • • n 

bezüglich Ihr Ansuchen vom Jahre 1835 gab die Veranlassung zu einer prinzipiellen 
der Be- Stellungnahme der Staatsverwaltung zur Frage der Bildung von Gewerbe- 
dercewM- "^^^Gi^^^^i überhaupt. Die Hofkanzlei stellte allgemeine Grundsätze hiefür auf, 
bevereine wclchc vom Kaiscr durch allerhöchste Entschließung vom 6. Februar 1838 
(1838). genehmigt wurden. Danach ist ein Gewerbe- oder Industrieverein ein Privat- 
verein, dessen eigentümlicher besonderer Zweck auf die Beförderung der 
Industrie gerichtet ist. Die Aufgabe eines solchen Vereines stellt sich so 
dar, daß er vorzüglich bemüht sein soll, über den jeweihgen Stand und die 
Entwicklung der Industrie in allen ihren Zweigen, im In- und Auslande sich 
genaue Kenntnis zu verschaffen, hierüber fortwährend eine möglichst genaue 
Übersicht zu besitzen und durch eine Zeitschrift und durch periodische Aus- 
stellungen von inländischen Produkten einerseits das Publikum über noch 
nicht genügend bekannte und benützte höhere Leistungen der inländischen 
Industrie, anderseits die inländischen Unternehmer über die durch sie noch 
nicht gehörig befriedigten Wünsche und Anforderungen des Publikums sowie 
auch über nachahmungswürdige ausgezeichnete Leistungen des Auslandes 
näher zu unterrichten. Weiterhin ist die Aufgabe solcher Vereine, ausgezeichnete 
Leistungen durch Denkmünzen oder auf andere Art zu belohnen, nach- 
ahmungswürdige Muster aus dem Ausland anzuschaffen, Preisaufgaben auszu- 
schreiben, talentvollen unbemittelten Individuen Unterstützungen und Vor- 
schüsse zuteil werden zu lassen u. a. m. 

Solche Vereine bedürfen, ,,wenn sie einen öffentlichen Charakter annehmen 
woUen", der Bewilligung der Staatsverwaltung, zu welchem Zwecke sie die 
Statuten im Entwürfe vorzulegen haben. Bei der Prüfung der Statuten sollen 
die Behörden namentlich auf die Möglichkeit zweier Ausartungen Bedacht 
nehmen. Einerseits kann einem solchen Vereine, wie jedem Privaten zwar nicht 
verwehrt werden, gemeinnützige Vorschläge zur Beförderung der Industrie 
überhaupt oder einzelner Zweige bei den Behörden zu überreichen. Allein, 
um der Freiheit des Ganges der Privatindustrie auf keine Weise zu nahe zu treten, 
darf er nie die Gestalt einer die Rechte und Interessen einzelner Gewerbeklassen 
gegenüber den Behörden förmlich vertretenden Korporation von der Art der 
Zünfte und Innungen annehmen und noch weniger könnten den zum Vereine 
gehörenden Unternehmern Vorrechte oder Begünstigungen vor den außerhalb 



1) Göth, Joanneum, 103 f.; ProtokoU usw., 1838, S. 20 ff., 1839, S. 30 ff., 1840, S. 12 ff.; 
1841, S. 12 ff.; Innerösterr. Ind. u. Gew. Blatt, 1843, S. 109 ff.; 1844, S. 345 f., 184Ö, S. 52,1846, 
S. 111, 1847, S. 203 ff. — Vgl. auch die vom Vereine an seine Mitglieder verteilte: „Kurze Dar- 
stellung des gesamten österr.Eisenhandels im südlichen Rußland und zu Triest", Graz, 1828. 



221 

des Vereines befindlichen Gewerbetreibenden zugestanden werden. Den Be- 
hörden bleibt es unbenommen, auch von solchen Vereinen in einzelnen Fällen, 
ebenso wie von anderen Privaten, deren Kenntnisse und Meinungen ein beson- 
deres Vertrauen einflößen, ein Gutachten einzuholen. Allein um den geregelten 
Wirkungskreis der Behörden auf keine Weise zu beirren und davon nicht im ge- 
ringsten abzuweichen, darf einem solchen Vereine nie ein ordentlicher Anteil und 
Einfluß auf amtliche Verhandlungen in Gewerbe- und Industrieangelegenheiten 
in der Form eines neuen Organs der Staatsverwaltung zugewiesen werden. 

Gesuche zur Errichtung solcher Vereine sind von der Landesstelle der Hof- 
kanzlei vorzulegen, worauf diese beim Kaiser um Bewilligung einzuschreiten hat. 

Diese allgemeinen Grundsätze wurden allen Länderstellen mitgeteilt, 
damit sie ihnen bei Gesuchen um Bewilligung der Errichtung solcher Vereine 
als Richtschnur dienen^). 

Wie in Böhmen und in der Steiermark gaben auch in Niederösterreich Niederöster- 
die Gewerbeausstellungen den unmittelbaren Anstoß zur Gründung des Gewerbe- "^»ichiBcher 
Vereines. Der Kommission, welche zur Leitung der Wiener Gewerbeausstellung verein 
des Jahres 1835 berufen worden war, gehörten unter anderen an: Der Groß- (i839). 
händler Chr. Heinrich Edler von Coith sowie die Fabrikanten Michael Spoerlin, 
C. G. Hornbostel und Rudolf Arthaber. Diese Männer können als die Gründer 
des niederösterreichischen Gewerbevereines angesehen werden. Im November 
1835 wurde zwecks Gründung des Vereines ein Gesuch an den Kaiser gerichtet, 
•dessen erster Absatz wörtlich folgendermaßen lautete: „Lange schon nährten 
denkende und gebildete Manufakturinhaber in Wien den Wunsch, daß auch 
hier ein bereits in dem Königreiche Böhmen und im Lombardisch- Venezianischen 
Königreiche, sowie in mehreren auswärtigen Ländern mit großem Nutzen be- 
stehendes Institut errichtet werde, nämlich: ein Verein zur Aufmunterung 
und Beförderung der gesamten Gewerbsbetriebsamkeit". Zugleich wurde ein 
Programm für die Tätigkeit des geplanten Vereines entworfen: „Vorurteile zu 
zerstreuen, praktische und theoretische Kenntnisse dem Gewerbsmanne zu- 
gänglich zu machen, ihn zu belehren über alles, was gutes und neues im Inlande 
verfertigt wird, ihm mit Rat und Tat an die Hand zu gehen, Sinn für Schönheit 
und guten Geschmack in ihm zu wecken, dies ist der Zweck, das schöne Ziel, 
welches die Unterzeichneten sich gesetzt haben, indem sie den Wunsch aus- 
sprachen, einen Verein zu gründen von Gewerbsmännern und Freunden der 
inländischen Industrie, die alle, von gleichem Eifer beseelt, bereit sind, ihre 
Kenntnisse, einen Teil ihrer Zeit und das nötige Geld zur Erreichung dieses 
nützlichen Zweckes zu verwenden". Am 16. Jänner 1836 wurde das Majestäts- 
gesuch um Genehmigung dieser Grundsätze eingereicht. 

Dieses Ansuchen gab, wie oben erwähnt, den Anstoß zur Feststellung 
prinzipieller Normen, wie künftighin gegenüber solchen Gesuchen seitens der 
Behörden verfahren werden sollte. Diese Verhandlungen einerseits und der 
Umstand anderseits, daß die niederösterreichische Regierung und die Direktioil 
des polytechnischen Instituts, statt des vorgeschlagenen, den schon in der Ver- 



^) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Faaz, 29, Nr. 173 ex mart, 1838. 



fassung des polytechnischen Instituts vorgesehenen Verein in Verbindung mit 
dem Institut ins Leben rufen wollten, damit aber nicht durchdrangen, ver- 
zögerte die Entscheidung bis 1838. Am 11. April 1838 wurde v. Coith aufge- 
fordert, einen genaueren Entwurf des Planes und der Statuten für den neuen 
Verein vorzulegen und durch ein Namensverzeichnis den Nachweis zu erbringen, 
daß eine zureichende Anzahl von Personen bereit sei, dem Vereine beizutreten. 

Darauf erließen v. Coith, Arthaber, Spoerlin und Hornbostel die „Ein- 
ladung zur Bildung eines Vereins, welcher die Belebung und Vervollkommnung 
der Manufakturindustrie zum Zwecke hat, unter dem Titel österreichischer 
Gewerbe verein". Dieser Aufruf hatte einen schönen Erfolg, worauf am 30. De- 
zember 1838 die „erste provisorische Generalversammlung zur Begründung 
eines österreichischen Gewerbe Vereins" stattfand. Zum provisorischen Vor- 
steher wurde Graf Colloredo-Mannsfeld gewählt. Eine eigens dazu gewälüte 
Kommission entwarf die Statuten, welche im Oktober 1839 mit Abänderung 
des Titels in ,, niederösterreichischer Gewerbeverein" genehmigt wurden. Am 
8. Dezember 1839 wurde schon die erste Generalversammlung abgehalten; 
jedoch war der Verein erst im Jänner 1840 endgültig konstituiert. Im April 
dieses Jahres zählte er über 600 Mitglieder, im Jahre 1845 schon über 1000. 
Der ersten statutenmäßigen Mai-Generalversammlung im Jahre 1840 wohnten 
unter anderen der Protektor des Vereines, Erzherzog Franz Karl, ferner Erz- 
herzog Stephan und der Staatskanzler Fürst Mettemich bei. 

Die Statuten bestimmten als Zweck des Vereines die Aufmunterung, Be- 
förderung und Vervollkommnung der Gewerbe durch jene Mittel, welche die 
vereinigte Tätigkeit einer großen Anzahl mit den mannigfaltigsten theoreti- 
schen und praktischen Kenntnissen ausgerüsteter Männer darzubieten vermag 
(§ 1). Er wollte bei den arbeitenden Klassen Liebe zur Arbeit, Sparsamkeit sowie 
das Streben nach Belehrung und erhöhter Geschicklichkeit fördern (§ 2). Sein 
Wirken sollte sich auch auf die für Gewerbe und Industrie wichtigen Wissen- 
schaften und Künste erstrecken (§ 3). Zur Belehrung der Gewerbetreibenden 
sollten eine Bibliothek, Lesezimmer, eine Sammlung von Zeichnungen, Modellen 
und Mustern dienen (§ 4). Der Verein wollte außerdem neue Erfindungen 
prüfen, den Wert derselben zu erforschen trachten und dem Gewerbestande 
nur bewährte wichtige Tatsachen bekanntmachen. Auch wollte er Gegen- 
stände oder neue Verfahren, welche von den Behörden oder von Vereinsmit- 
gliedern zur Beurteilung an ihn gelangen, begutachten und sich überhaupt mit 
allen jenen wissenschaftlichen Untersuchungen beschäftigen, welche die Ver- 
vollkommnung der Gewerbe bezwecken (§ 5). Weiters bestimmten die Statuten, 
daß der Verein bemüht sein werde, den gewerblichen Fortschritt durch Preise, 
Medaillen, Belohnungen und Unterstützungen zu fördern (§ 6) und durch alle 
geeigneten Mittel auf die Vermehrung des Absatzes der heimischen Erzeugnisse 
hinzuwirken (§ 7). Durch eine eigene Druckschrift würden seine Verhandlungen, 
neue Tatsachen und Verbesserungen sowie die Resultate der eigenen For- 
schungen und Untersuchungen veröffentlicht werden (§ 8). 

Der niederösterreichische Gewerbeverein hatte von Anfang an ein hohes 
Ansehen, so daß man schon 1840 daran dachte, anstatt durch die Provinzial- 



223 

handelskommission, durch den Verein die jährlichen Berichte über den Zu- 
stand der Industrie und des Handels erstatten zu lassen, wozu es jedoch 
nicht kam. 

Dem Vereine gehörten nicht nur Industrielle, Gewerbetreibende und Kauf- 
leute, sondern auch zahlreiche hervorragende Mitglieder des Adels, der Armee, 
der Beamtenschaft und der gelehrten Berufe an. Auch die k. k. Landwirtschafts- 
gesellschaft in Wien ,,bot bei jedem sich darbietenden Anlaß zur Förderung 
der Zwecke des Vereins freundlichst die Hand und knüpfte so das schwester- 
liche Band, das beide Gesellschaften umschlang, immer enger". 

Das Wirken des niederösterreichischen Gewerbevereines ist auf allen Ge- 
bieten der gewerblichen Produktion, des gewerblichen Unterrichts, der gewerb- 
lichen Ausstellungen, des Handels und Verkehrs ein so umfassendes, daß kaum 
ein Gebiet ausfindig gemacht werden könnte, auf welchem er sich nicht wesent- 
liche Verdienste um den Fortschritt erworben hätte^). 

Die Wiener Ausstellung im Jahre 1835 gab nicht nur den Anstoß zur Grün- verein zur 
düng des niederösterreichischen Gewerbevereines, sondern auch zur Entstehung Förderung 
einer anderen Vereinigung. Bei der Ausstellung hatte es sich nämlich gezeigt, jaktur- 
daß die Produkte der österreichischen Industrie, bei aller sonstigen Vollkommen- Zeichnung. 
heit, an Geschmack der Zeichnungen und Formen noch manches zu wünschen 
übrig ließen. Dieser Umstand führte 1837 zur Bildung eines Vereines ,,zur Be- 
förderung der Manufakturzeichnung", welcher, ohne behördliche Genehmigung 
und ohne sich jemals zu konstituieren, eine rege Tätigkeit auf diesem Gebiet 
entfaltete. Der Verein war vorläufig auf fünf Jahre gegründet worden und die 
Mitglieder leisteten Beiträge zur Ausschreibung von Konkursen für gute Zeich- 
nungen, die darauf den Mitgliedern selbst zur Ausführung überlassen wurden. 
Nach erfolgter Benützung wurden die Zeichnungen der Manufakturzeichen- 
schule an der Akademie der bildenden Künste als Schüler vorlagen übergeben. 
Der Verein hatte aber mit Schwierigkeiten zu kämpfen und ging 1840 in den 
niederösterreichischen Gewerbeverein auf^). 

Wenn die drei großen Gewerbevereine in Österreich, zu Wien, Prag und 
Graz auch wirklich Großes geleistet haben, so konnte das gewerbliche Vereins- 
leben Österreichs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit demjenigen 
Deutschlands gar nicht verglichen werden. Während in Österreich im Jahre 
1839 nur zwei Gewerbevereine bestanden (Prag und Graz), wurden damals in 
Deutschland ihrer 59 gezählt^). 

Die große Bedeutung der gewerblichen Vereine liegt darin, daß sich in 
ihnen die Interessen aller Industrie- und Gewerbekreise förmlich verkörperten, 
daß sie das Rückgrat für die Gesamtheit der verschiedenen Kreise und Bedürf- 



^) Vgl. alles Nähere in der Darstellung von Dr. Emil Anspitzer: 50 Jahre gewerblicher 
Bestrebungen, Wien, 1890; Staatsrat, 1836, Nr. 643; 3095. — *) Anspitzer, a. a. 0., S. 17 u. 
211 f. ; Auspitzer behauptet auf S. 17, daß dieser Verein behördlich genehmigt wurde, auf S. 211 
hingegen das Gegenteil. In den Protokollen der Hofkanzlei ist er nicht erwähnt, weshalb er 
wahrscheinlich ohne behördhche Genehmigung bestand. — ^) Innerösterr. Industrie- und 
Gewerbeblatt, 1839, S. 13. 



224 

nisse der Industrie bildeten und der gewerblichen Tätigkeit allmählich das 
gaben, was ihr früher gefehlt hatte, nämlich das Selbstbewußtsein ihrer Be- 
deutung und förmlich ein selbständiges Leben. Die Industrie war mündig 
geworden, um sich in weitem Maße selbst zu leiten, sie bedurfte der behörd- 
lichen Vormundschaft nicht mehr. 

Die Aufgabe, die sich die Vereine gestellt hatten, dem Gewerbe neues Leben 

einzuflößen, den Gewerbsfleiß durch den Gewerbsgeist vollkommen zu machen^), 

dieses Ziel haben sie in vollem Maß erreicht. Sie waren in dieser Hinsicht die 

hohen Schulen des wirtschaftlichen Fortschritts. 

Ungarischer Im Jahre 1841 wurde der ungarische Gewerbs- und Industrieverein von 

Gewerbe- j^j. pg^^j Balogh uud Ludwig Kossuth ins Leben gerufen; 1842 veranstaltete 

(1841). 6r schon die erste Gewerbeausstellung. Außer der Abhaltung von Ausstellungen 

bezweckte er, die ungarische Industrie in allen ihren Zweigen möglichst zu 

heben, um Ungarn industriell von Österreich und dem Ausland unabhängig 

zu machen. Auch wurden Vorträge über Mechanik und Chemie abgehalten. Im 

Jahre 1844 hatte der Verein schon an 1000 Mitglieder^). 

Gewerbe- Ebenfalls 1841 entstand der Hermannstädter Bürgerverein zur Beförderung 

vereine m ^^j. indyg^j-ie Und Gcwerbstätigkelt, 1844 der Gewerbeverein zu Kronstadt^). 

Siebenbnr- o ' / 

gen {1841, Neben den allgemeinen Gewerbe vereinen, deren Mitglieder sich aus aUen 

1844). Gebieten der Industrie rekrutierten, verloren die Vereinigungen, welche den 

Vereinigung näheren Kontakt der Fabrikanten desselben Industriezweiges vermitteln sollten, 

der nieder- j^[(.]^i ^j^ Intcressc. Solchc Vereinigungen hatten, wie schon erwähnt, schon 

österreicni- o o > 7 

sehen Baum-Seit 1817 zwischeu den niederösterreichischen Baumwollfabrikanten bestanden*) 
wollspinn- und der formlose Verein der niederösterreichischen Baumwollspinnfabrikanten, 
f abrikanten. ^gj^j^^ ihre gemeinsamen Interessen durch freigewählte „Ausschüsse" ver- 
traten, dauerte noch fort. Dieses Beispiel wollten die böhmischen Spinnfabri- 
kanten nachahmen, weshalb das Handlungshaus Hanke & Söhne zusammen 
mit J. M. Kastner im Juli 1836 an die Behörden herantrat, einen solchen Verein 
für Böhmen zu bewilligen. Das böhmische Gubernium zog Erkundigungen 
über den niederösterreichischen Verein ein, deren Resultat folgenden Inhalt 
hatte: Die Spinnfabrikanten in Wien bilden ein Gremium, welches in jenen 
Fällen, in welchen es das Interesse der Spinnfabriken, der anzusuchende Schutz 
in Kommerzialangelegenheiten, eintretende Zollrücksichten und ähnliche Ver- 
handlungen erfordern, zusammentritt, um im Wege gemeinschaftlicher Be- 
ratung jene Maßregeln zu ergreifen, die zur Beförderung des Handels- und des 
Nationalinteresses, endlich der Gewerbepolizei für notwendig erachtet werden. 
Dieser Verein in Wien besteht ohne eine höhere Sanktion, ohne förmliche 
Statuten und zahlt die erforderlichen Kosten durch Übereinstimmung der 



^) Vgl. Krcutzberg, Der Verein zur Ermunterung usw., S. 10. — *) Staatsrat 1844, Nr. 903. 
Nach Bidermann, Die technische Bildung usw., S. 87, soll der Verein 1844 gegründet worden 
sein; in Wirklichkeit bestand er schon seit 1841 und entfaltete seitdem eine lebhafte Tätig- 
keit, obwohl die Statuten erst 1844 genehmigt wurden. Seine erste Generalversammlung und 
Konstituierung fand am 4. Juni 1842 statt (L. Kossuth, Bericht über die erste ungar. Gewerbe- 
Ausstellung i. J. 1842, Pest 1842, S. 5). — ») Staatsrat 1842, Nr. 3068. — *) Siehe oben S. 214 ff. 



225 

Mitglieder, deren Ansichten auch die Fabrikanten auf dem Land und die Ab- 
wesenden überhaupt beizupflichten gewöhnt sind. 

Dieser Verein hat seine „Ausschüsse" gewählt und seitdem als Grundsatz 
angenommen, daß der erforderliche Geldbetrag zu den vorkommenden Aus- 
lagen von den Fabriksbesitzern nach der Zahl der Spindeln in den Fabriken 
berechnet und eingefordert werde. 

Dieser Verein soll ferner von der k. k. niederösterreichischen Kameral- 
gefällenverwaltung und dem k. k. Hauptzollamte zur Erleichterung des Ge- 
schäftsganges benützt und es sollen auch die für alle Spinnfabrikanten bestimm- 
ten Korrespondenzen an ihn gerichtet werden. 

Derselbe hatte die Spinnfabrikanten in Böhmen schon früher zum Bei- 
tritt eingeladen, um im gemeinschaftlichen Interesse zu wirken und dadurch 
nicht nur die Zahlung der Auslagen zu erleichtern, sondern auch Nachrichten 
für die Beförderung der Industrie zu sammeln, gegen den Schleichhandel zu 
wirken und im allgemeinen Verkehr auf die Abstellung von wahrgenommenen 
Gebrechen bei den betreffenden Behörden Vorschläge einzubringen. 

Der Prager Magistrat, die Kameralgefällenverwaltung und die Stadt- 
hauptmannschaft befürworteten das gegenwärtige Gesuch der böhmischen 
Spinnfabrikanten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts scheint es jedoch 
zur Bildung eines solchen Vereines in Böhmen nicht gekommen zu sein^). 

Die Ausschüsse der niederösterreichischen Baumwollspinnfabriken, unter 
denen sich seit den dreißiger Jahren auch Vertreter böhmischer Fabriken be- 
fanden, vertraten bei jeder sich bietenden Gelegenheit auch weiterhin die 
Interessen ihres Industriezweiges; so wiederum in den Jahren 1839 und 1844 
besonders energisch^). 

XL Kapitel. 
Geschichte der gewerblichen Ausstellungen 1791 — 1847. 

Das wichtigste Mittel zur Beförderung des Absatzes von Industrieprodukten 
ist die möglichste Bekanntmachung derselben. Je mehr Gelegenheit Kauf- 
leute und Konsumenten haben, mit den Erzeugnissen der heimischen Industrie 
unmittelbar bekannt zu werden, ihre Qualität und Preise kennen zu lernen, 
namentlich im Vergleiche mit den ausländischen Erzeugnissen, desto größer 
wird einerseits der Absatz jener Fabriken werden, welche gute und preiswürdige 
Erzeugnisse liefern, andererseits aber auch der Wetteifer unter den Fabrikanten, 
möglichst gute Produkte zu den geringsten Preisen auf den Markt zu bringen. 
Wenn einmal die Erkenntnis der Leistungsfähigkeit der heimischen Industrie 
im Inlande Boden gefaßt hat, schwinden auch die vielfach nur auf psycho- 
logischen Momenten beruhenden Vorurteile zugunsten ausländischer Waren. 
Gerade dieses letztere Vorurteil zu brechen, ist nicht leicht gelungen, trotz 
vielen dahin zielenden Bestrebungen der Staatsverwaltung. 



- 1) St. A. Prag, 1836—1840, Fasz. 104, num. 2, subn. 6, 1836, Dez. 19. — «) A. d. k. k. 
Fin. Min. Kom., Fasz. 15, 1844, Nr. 239. 

Slokar, Geschichte der öaterr. Industrie. X5 



226 

Muster- Als Mittel, um den Handelsstand mit den inländischen Fabrikaten bekannt 

karten, gu machen, wurden unter Kaiser Josef 11. Musterkarten inländischer Erzeug- 
nisse mit Angabe des Preises unter die Handelsleute verteilt. 

Im Jahre 1784, somit im Zusammenhange mit der Einführung der Pro- 
hibition, ging nämlich vom Prager Handelsstande die Anregung aus, die Ke- 
gierung möge von sämtlichen inländischen Fabrikanten und ansehnlichen 
Manufakturisten solche Musterkarten abfordern und ihnen zustellen. Das 
böhmische Gubernium erließ denn auch an alle Kreisämter den Auftrag, solche 
Musterkarten nach beigeschlossenem Formular abzufordern und an das Guber- 
nium einzusenden. Daselbst würden sie den Handelsleuten vorgewiesen werden, 
damit sich jeder überzeugen könne, ob die Erzeugnisse, die er benötigt, im In- 
lande erzeugt werden oder nicht^). Diese Maßnahme teilte das Gubernium der 
Hofstelle mit, welche sodann (am 8. November 1784) die übrigen Länderstellen 
aufforderte, auf schicklichem Wege, eventuell durch die Zeitung, bekannt zu 
machen, daß diejenigen Fabriksinhaber, Manufakturisten oder Verleger, welche 
wünschten, daß ihre Erzeugnisse in den Erblanden mehr bekannt würden, 
an die Landesstelle Musterkarten mit Angabe des Preises und gehöriger Be- 
stimmung jener Eigenschaften der Waren, welche auf den Preis Einfluß haben, 
dann mit Beirückung ihrer Adresse einreichen können. Die Landesstelle würde 
diese Mitteilungen sodann den übrigen Länderstellen zur weiteren Bekannt- 
machung an die Handelsleute übermitteln^). Auf die Durchführung dieses 
Auftrages wurde streng geschaut, XJngenauigkeiten in der Bekanntmachung 
wurden von der Hofstelle gerügt^). 

Ein wirksames Mittel, den Fabrikanten direkten, vom Handelsstande 
unabhängigen Absatz an die Konsumenten zu ermöglichen und ihre Erzeug- 
nisse dem Publikum bekannt zu machen, waren auch die den großen Fabriken 
bewilligten Verschleißniederlagen in den großen Städten*). 

Die vorzüglichste Einrichtung jedoch, um die Erzeugnisse aller, oder wenig- 
stens der meisten bedeutenden Fabriks- und Gewerbeunternehmungen einer 
Provinz oder des ganzen Staates allen Interessenten vor Augen zu führen, um 
die Fabrikanten durch öffentliche Anerkennung und Auszeichnung zur An- 
spannung aller ihrer Kräfte und zur Vervollkommnung ihrer Produkte an- 
zuspornen und so das Niveau der Industrie zu heben, und um durch das ent- 
faltete Zeremoniell und durch Berichte den Glanz der heimischen Industrie zu 
steigern und deren Bedeutung allen anderen Ständen augenfällig zu machen. 
Ans- sind die Industrieausstellungen. Frühzeitig wurde dieses ausgezeichnete För- 
eteiiungen. deruugsmittel gerade in Österreich in den Dienst der Industrie gestellt. 

Nachdem schon 1754 auf Veranlassung Loscanis auf der Chotekschen 
Insel bei Veltrus zur Feier der Anwesenheit Maria Theresias in Böhmen die 
erste bekannte Schaustellung böhmischer Gewerbeerzeugnisse veranstaltet 



^) Statth. A. Prag, 1784—1785 Kom. E. V/3,1784, Okt. 25. — *) H. K. A. Kom. N.-Ö., 
Fasz. 63/1, Nr. 28 ex nov. 1784; Barth, a. a. 0., II, 355 f. — ») H. K. A. Kom. N. Ö., Fasz. 63/1, 
Nr. 28 ex nov. 1784. — *) Vgl. S. 142 ff. 



227 

worden war^), fand im Jahre 1791 in Prag die erste wirkliche Gewerbeausstellung Prag 1791. 
in Böhmen und in Österreich überhaupt statt^). Es geschah dies gelegentlich 
der Krönung Leopolds II. zum Könige, um demselben ein Bild der Fortschritte 
der böhmischen Industrie vor Augen zu führen. Die Ausstellung fand statt auf 
Veranlassung des Oberstburggrafen Grafen von Rottenhan, der selbst Eigen- 
tümer mehrerer Fabriken war. Fast alle bedeutenden Unternehmer folgten 
seiner diesbezüglichen Einladung und der unermüdliche und um die böhmische 
Industrie hochverdiente Kommerzienrat Schreyer ordnete die eingelaufenen 
Produkte und stellte sie nach den Urstoffen auf, aus denen sie verfertigt waren. 
Die Ausstellung fand im Prager Clementinum statt. Bei dem am 14. Oktober 
stattgefundenen Besuch derselben durch das Herrscherpaar in Begleitung 
mehrerer Erzherzoge wurde Seiner Majestät eine auf Veranlassung des Oberst- 
burggrafen verfaßte, aktenmäßige Darstellung des böhmischen Gewerbewesens 
überreicht, worauf der Kaiser die Ausstellung besichtigte und über das Gesehene 
die vollste Zufi'iedenheit äußerte. Man sah auf der Ausstellung, auf welcher 
die Fabriken stark in den Vordergrund traten, Tücher aus der Graf Waldstein- 
schen Fabrik zu Oberleutensdorf , aus der Manetiner Fabrik des Grafen Lazansky, 
aus der Fabrik der Brüder Tuschner in Pilsen, aus der Fabrik zu Heraletz; 
Tücher und WoUenzeuge aus der Pollerskirchner, Neugedeiner und Osseker 
Fabrik, Baumwollwaren aus der fürstlich Auerspergschen Fabrik zu Tupadl 
und aus der Fabrik zu Rothenhaus, sowie Muster von fast allen Erzeugnissen 
böhmischen Gewerbefleißes^). 

Besonders übertrafen die BaumwoUwaren aus der Fabrik zu Tupadl die 
Erwartungen aller, ebenso wie die seidenen Strümpfe des Prager Meisters War- 
schetsky so sehr gefielen, daß der Meister den Auftrag bekam, solche Strümpfe, 
die sonst nirgends in Österreich zu haben waren, für den allerhöchsten Hof zu 
liefern^). 

Kein Wunder, daß bei diesem Erfolge der Ausstellung bei der damals noch 
sehr starken Vorliebe für ausländische Erzeugnisse sich Stimmen vernehmbar 
machten, welche die inländische Provenienz einiger ausgestellter Waren be- 
zweifelten. So trat der Prager Buchdrucker Johann Ferdinand Edler von Schön- 
feld offen mit dieser Verdächtigung hervor; bei der darüber geführten Unter- 
suchung gestand er zwar, daß er keinen Beweis führen könne, doch konnten 
zwei Fabrikanten, Altmann in Rumburg und Münzberg in Schönlinde, nicht 
beweisen, daß sie den ausgestellten Manchester selbst verfertigt hatten. Sie 



^) Hallwich in Österr. Ung. Mon. in Wort u. Bild, Böhmen, S. 634; derselbe: Anfänge 
der Großindustrie in österr., 47. — '^) Hundert Jahre Arbeit, 1, 7 ff.; Art. Industrieausstellungen 
im Handwörterbuche d. Staatsw., III. Aufl. und im österr. Staatswörter buche, IL Aufl. — 
') Debrois, Krönungsgesch., 177 ff.; Hundert Jahre Arbeit, I, 7 ff.; Noback, Über die erste 
Gewerbeausst. 1791. — *) Schreyer, Kommerz, Fabriken und Manufakturen in Briefen, I, S. 11, 
13 f. Vgl. dazu die irrigen Ausführungen in „Hundert Jahre Arbeit", I, 12: „Merkwürdig ist 
es, daß Schreyer in seinen zahlreichen Schriften über das Gewerbewesen im Königreiche 
Böhmen weder der Ausstellung des Jahres 1791, noch des Ausstellungswesens überhaupt er- 
wähnt", worauf dieses vermeintliche Stillschweigen Schreyers zu erklären versucht wird. 

15* 



228 

beriefen sich darauf, daß zwei bei ihnen früher kurze Zeit gewesene Arbeiter 
diesen verfertigt hätten, was aber nicht glaubwürdig war, da die Fabrikanten 
selbst keine Vorrichtungen zu dieser Fabrikation hatten, wandernde Burschen 
aber solche sicher nicht haben konnten. 

Wenn somit auch einzelne Unternehmer in Tänschungsabsicht fremde 
Waren ausgestellt hatten, so kann dies den Erfolg der Veranstaltung nicht 
schmälern. 

Die Kosten der Ausstellung, welche nur 378 fl. ausmachten, trug das 
Gubernium^). 

Diese erste österreichische Gewerbeausstellung, oder wie man sie nannte 
„Warenkabinett "^), bedeutete somit im ganzen einen vollen Erfolg; es war dies 
das erste Auftreten der heimischen Industrie in der Öffentlichkeit. 

Das hauptsächlichste Ergebnis dieser Ausstellung war, daß man sich der 
Bedeutung solcher Veranstaltungen für die vaterländische Industrie bewußt 
wurde. 
Industrie- Bald dachtc man daran, in Wien ein „Industriekabinett", welches die 

kabinett in Rohstoffe uud Fabrikate der ganzen Monarchie umfassen sollte, zu errichten, 
somit eine ständige Industrieausstellung zu schaffen. Freiherr von Kielmanns- 
egge reichte unter dem 27. Februar 1806 beim Kaiser einen Vorschlag ein über 
die Art und Weise, wie das Industriekabinett eingerichtet werden könnte^). 
Schon vor Mai 1807 wird als Direktor des „k. k. Fabrikspro duktenkabinets" 
Alois von Widtmannstetten genannt*). Erst am 11. September 1807 erging aber 
ein allerhöchstes Handschreiben, durch welches der Entschluß kundgegeben 
wurde, ein eigenes Kabinett zur Aufstellung sämtlicher inländischer Fabriks- 
und Manufakturprodukte in Wien zu errichten, um jedermann instand zu 
setzen, sich eine allgemeine Übersicht dessen, was in den Erbstaaten erzeugt 
wird, zu verschaffen, hiedurch Absatz und Verkehr zu befördern und die Industrie 
anzueifern und zu beleben. Zu diesem Zwecke wünschte der Kaiser von jedem 
Fabriksbesitzer und Manufakturisten ein Muster der von ihm erzeugten Pro- 
dukte in einer angemessenen Frist zu erhalten. Auch Musterkarten mit ge- 
nauer Angabe der Gattung, des Maßes und des Preises konnten eingesendet 
werden. Alle Länderstellen wurden beauftragt, die Fabrikanten und Manu- 
fakturisten durch die Kreisbehörden dazu einzuladen^). 

In den Jahren 1808 liefen zahlreiche Muster ein, anderseits wurde der 
Direktor von Widtmannstetten beauftragt, die vorzüglichsten Werkstätten 
jeder Provinz zu bereisen, die zu dieser Aufstellung geeigneten Muster aus- 
zuwählen und dieselben, falls sie nicht unentgeltlich zu haben sein sollten, 
käuflich zu erwerben*). 



1) H. K. A. Korn. Böhm., Fasz. 75, Nr. 51 ex oct. 1791, Nr. 23 ex mart, 18 ex juL, 46 ex 
Sept., 10 ex nov. 1792. — *) Schleyer, Kommerz, Fabriken und Manufakturen in Briefen, 1, 11. 
— «) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 11 ex mart. 1812. — «) H. K. A. Korn. N. Ö., 
Fasz. 63/1, Nr. 47 ex mart. 1809. — *) Statth. A. Brunn, Kom,, Fasz. 39, 16. Okt. 1807; 
H. K. A. Kom. N. ö., Fasz. 63/1, Nr. 47 ex mart. 1809; Kopetz, a. a. 0., II, 211. — •) H. K. A. 
Kom. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 59 ex jan. 1809. 



Der Zweck dieses Kabinetts, welches auf unmittelbaren Befehl des Kaisers 
errichtet wurde, ging dahin, „aus der Gesamtmasse der inländischen Produkte 
und Fabrikate das vorzüglich Gute, Zweckmäßige, Schöne, Gefällige, Ge- 
schmackvolle und Belehrende in einem nicht zu kleinen, anständigen Formate, 
mit Hintanlassung bloßer Varietäten an einem eigens dazu gewählten Orte zu 
sammeln, die verwandten Dinge in einer harmonischen Ordnung, wohlver- 
wahrt in guter Beleuchtung zusammenzustellen, dieses herrliche Museum mit 
auserwählten Gerätschaften, Instrumenten, Büchern, systematischen Katalogen 
usw. zu bereichern, mit der Zeit öffentliche Ausstellungen, Verteilung von 
Prämien, Ausschreibung von Preisfragen u. dgl. damit zu vereinigen und mit 
einem Wort eine öffentliche Anstalt zu errichten, welche, auf die erwünschte 
Stufe der Vollendung gebracht, mit Recht der Stolz der Nation, der Schau- 
platz der bewunderungswürdigen Fortschritte des inländischen Kunstfleißes, 
die Musterschule angehender Künstler und Gewerbsleute, ein Gegenstand der 
Bewunderung für Fremde und der Demütigung für unpatriotische, blinde 
Verehrer des Auslandes werden könnte"^). 

Welch großes Interesse sich dafür überall geltend machte, zeigt einerseits Projekt eines 
der Eifer, mit welchem alle Länderstellen die Fabrikanten ermunterten, Muster- P'^o"^*!- 
stücke einzusenden und die letzteren wirklich einliefen, anderseits der Umstand, tabmetts in 
daß eine Landesstelle, nämlich jene von Krain, die Gelegenheit benützen wollte, Laibaeh. 
um ein Provinzialindustriekabinett zu errichten. Zu diesem Zwecke wollte sie 
an die Fabrikanten herantreten, Duplikate der für das kaiserliche Kabinett 
eingesendeten Muster nach Laibach zu senden, wo das Industriekabinett mit 
der dortigen Ackerbaugesellschaft, der mechanischen Schule und dem Lyzeum 
verbunden und vom Ärar mit der Summe von 778 fl, welcher Betrag bis 1787 
der dortigen Ackerbaugesellschaft verabfolgt worden war, dotiert werden sollte. 
Die Hofkammer wollte aber wegen der damaligen schlechten Finanzen diese 
Summe nicht opfern und wies darauf hin, daß gerade in Krain die Industrie 
bei weitem nicht so fortgeschritten sei, um eine Sammlung von Provinzial- 
industrieerzeugnissen zum lehrreichen Unterricht aufstellen zu können. Daher 
wurde die Landesstelle unter dem 20. Dezember 1808 aufgefordert, die an- 
geordnete Einsendung von Duplikaten der Musterstücke zu widerrufen^). 

So hatte der Wille des Kaisers in Wien ein ständiges Museum der öster- 
reichischen Industrie geschaffen. Schon 1809 hatte der Präsident der Hof- 
kammer seine Meinung dahin geäußert, daß dieses Kabinett erst dann seinen 
vollständigen, der Sache angemessenen Nutzen erreichen können werde, wenn 
es zur öffentlichen Benützung lehrreich gewidmet, d. h. mit dem schon in 
Antrag gebrachten polytechnischen Institute verbunden werde, wenn außerdem, 
wenigstens bei den wichtigeren Artikeln das ausländische Erzeugnis zum Ver- 
gleiche beigestellt werde, um zu zeigen, worin das Inland dem Auslande über- 
legen sei oder ihm nachstehe, wenn endlich bei den „künstlerischen" Erzeug- 
nissen auch die Modelle der Maschinen und die Beschreibung der Ej*zeugungsart 



») H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz.63/1, Nr. 30 ex majo 1809. — «) H. K. A. Kom. I.-Ö., 
Fasz. 77, Nr. 9 ex dec. 1807, Nr. 1 ex mart., 7 ex dec. 1808. 



230 

Vereinigung all die Seite gestellt werden^). Nach Errichtung des polytechnischen Instituts 
°M*^T "^^^^^ dieses Kabinett demselben zugeteilt^). Durch neuerliche Aufforderungen 
Institute, an die Fabrikanten zur Einsendung weiterer Muster wurde es 1819 wesentlich 

bereichert^). 
Projekt Auch war die Veranstaltung von jährlichen öffentlichen Industrieausstel- 

jähriicher luugcn im polytechnischen Institute geplant, „um den Produktionen der inlän- 
aussteiiun- dischcn Gewerbsindustric einen Vereinigungspunkt zu verschaffen, von welchem 
gen im durch gegenseitige Vergleichung sowohl eine rühmliche Nacheiferung als auch 
^insMtu^e ^^^® lebendige Erkenntnis und Übersicht der jährlichen Fortschritte der Indu- 
' strialkultur ausgeht, und um den Fabrikanten eine günstige Gelegenheit zu ver- 
schaffen, die Fortschritte ihres Gewerb fleißes bekannt zu machen"*). Es kam 
aber nicht dazu, da in dieser Zeit und bis gegen die Mitte des 3. Jahrzehnts des 
19. Jahrhunderts auf wirtschaftlichem Gebiet eine starke Depression herrschte. 
Im Jahre 1840 wurde das Fabrikspro duktenkabinett des polytechnischen 
Instituts aufgelöst und durch das technische Kabinett Kaiser Ferdinands 
ersetzt^), 
industriai- Neben dem Fabrikspro duktenkabinett des Wiener polytechnischen Instituts 
museum am (j^j.f njch^ Unerwähnt bleiben das Industrialmuseum, mit welchem das 1811 
in Graz, von Erzherzog Johann gegründete Joanneum in Graz ausgestattet wurde. 
Diese Anstalt hatte neben reichhaltigen naturhistorischen, geschichtlichen, 
archäologischen und landwirtschaftlichen Sammlungen auch ein bedeutendes 
Gewerbsproduktenmuseum, Letztere Sammlung hatte schon 1817 einen solchen 
Umfang angenommen, daß es nötig war, zwei große Zimmer zur Aufnahme der 
Einsendungen herzurichten. Den Grundstock bildete dabei, entsprechend 
dem industriellen Charakter des Landes, die Eisenindustrie, neben welcher 
auch Musterstücke aller anderen Industriezweige vertreten waren. Im Jahre 
1822 waren bereits acht große Glasschränke gefüllt. Außer den inländischen 
Erzeugnissen (hauptsächlich aus der Steiermark, Kärnten, Krain und Ober- 
österreich) waren auch alle englischen eingereiht, die Erzherzog Johann mit 
besonderer Rücksicht auf die Landesindustrie ausgewählt hatte, als Feilen, 
Werkzeuge, Stahlgattungen, Bleche, Nägel u. dgl. Im Jahre 1840 wurde diese 
Sammlung, unter Vorbehalt des Eigentumsrechtes des Joanneums an den 
Verein zur Ermunterung der Gewerbe in Innerösterreich abgegeben und in 
das Vereinslokal übertragen, da dieser Verein sich unter anderem zur Aufgabe 
gesetzt hatte, durch Ausstellungen die Interessen der Industrie zu fördern und 
diese Sammlung auch nichts anderes als eine permanente Ausstellung dieser 
Art war*). 
Sammlung Noch zwci technisch-industricUe Sammlungen sind zu erwähnen. Die eine 
von stephany^jj Stephan von Keeß, seit 1810 erster Kommissär bei der niederösterreichischen 

von Keeß. '■ 



1) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 63/1, Nr. 47 ex mart. 1809. — ") Durch allerhöchste Entschl. 
V. 15. Nov. 1815 (Staatsrat 1816, Nr. 476). — ») H. K. A. Kom. Kom., Fasz. 56, Nr. 167 ex 
febr. 1819; Verf. d. pol. Inst. (1818), S. 22 ff.; Barth, a. a. 0., I, 210, 356 f.; Kopetz, a. a. 0., 
II, 212. — «) Verfassung d. pol. Inst., S. 26. — ») Vgl. unten S. 231. — «) Göth, Joanneum, 
100— 104; vgl. auch S. 171 ff. u. 218 ff. 



231 

Fabrikeninspektion, mit unermüdlichem Eifer zur gründlichen Kenntnis der 
Gewerbe und Fabriken angelegt und fortwährend vervollständigt. Anfangs 
sammelte Keeß bloß Fabrikate, später auch Rohstoffe ; 1819 belief sich die Zahl 
der Rohmaterialmuster auf über 1300, der Fabrikate auf gegen 9000 Stück. 
Schon damals schwebten Verhandlungen, welche die Erwerbung dieser Samm- 
lung für das königliche Nationalmuseum in Pest zum Ziele hatten und in den 
nächsten Jahren auch zum Ziele führten^). 

Eine weitere Fabriksproduktensammlung, deren Entstehung der soeben Tcchnischea 
besprochenen und dem lebhaften Interesse, welches ein Mitglied des Kaiser- Kabinett 
hauses der inländischen Industrie entgegenbrachte, zuzuschreiben ist, ist jene prin^ea 
des Kronprinzen Ferdinand. Der Kronprinz hatte die Sammlung von Keeß Ferdinand. 
besichtigt und sich den darüber verfaßten Katalog vorlegen lassen. Da er für 
die Industrie sehr eingenommen war, spendete er der reichhaltigen Sammlung 
großen Beifall und da er den Nutzen einer solchen Zusammenstellung einsah, 
entstand in ihm der Wunsch, selbst in Besitz einer umfangreichen Sammlung 
von Erzeugnissen der ganzen Monarchie zu gelangen. Dieses Kabinett, dessen 
Zusammenstellung 1819 begann, wurde von Keeß und Blumenbach eingeteilt 
und aufgestellt. Es zerfiel in die Abteilung der rohen Materialien und in jene 
der Fabrikate. Die Zahl der rohen Materialien betrug 1829 schon 2775, jene der 
Fabrikate 28.000 Stück. Der stufenweise Gang der Fabrikation vom rohen 
Stoffe bis zum Ganzfabrikate war dabei stets berücksichtigt und anschaulich 
gemacht. Da erst nach der Gründung dieser Sammlung der Jacquardstuhl 
in Österreich eingeführt wurde, so war es besonders interessant, die Stoffe 
vor seiner Einführung mit jenen nach derselben zu vergleichen. Alle neuen 
Erfindungen und Verbesserungen wurden sofort in die Sammlung aufge- 
nommen^). 

In hochherziger Würdigung der Bedeutung, die eine solche Sammlung 
für den technischen Unterricht hat, ordnete der Kaiser durch allerhöchste 
Entschließung vom 5. Dezember 1840 die Einverleibung dieses seines technischen 
Kabinetts in das Wiener polytechnische Institut an, was auch 1842 erfolgte. 
Das bis dahin bestandene Fabriksproduktenkabinett des Instituts wurde auf- 
gelöst, die unbrauchbaren, abgenützten und entbehrlichen Stücke desselben 
ausgemustert, die tauglichen und geeigneten Stücke aber zur Bereicherung des 
sonach allein verbleibenden k. k. technischen Kabinetts verwendet^). 



*) Keeß, Darstellung des Fabriks- und Gewerbswesens, I. u. II. Einleitung; Keeß u. 
Blumenbach, Systematische Darstellung der neuesten Fortschritte, II, 756. — *) Keeß u. 
Blumenbach, a. a. 0., II, 756 ff.; H. K. A. Kom. Praes. 1818, Nr. 1935; diese Sammlung hat 
für den Historiker noch deshalb ein besonderes Interesse, weil bei dieser Gelegenheit auf Wunsch 
des Kronprinzen von den Länderstellen 1819 genaue Nachweisungen über die Fabriken ihres 
Landes abgefordert wurden, welche Berichte Daten über den Zustand der Industrie jener 
Zeit enthalten. H, K. A. Kom. Praes.: für Oberösterr. 1819, Nr. 444, für Krain 1819, Nr. 514, 
für Böhmen 1819, Nr. 550, für Mähren 1819, Nr. 287, für Steiermark und Kärnten 1819, Nr. 368, 
für das Küstenland 1819, Nr. 351, für Galizien 1819, Nr. 246, für den Villacher Kreis 1819, 
Nr. 245. — ") A. d. k. k. Ein. Min. Kom., Fasz. 1, 1841, Nr. 556, 1844, Nr. 531, 1846, Nr. 2321, 
1847, Nr. 2304. 



233 

Damit schließt die Reihe der ständigen gewerblichen Ausstellungen, welche 
den Charakter von Museen hatten. 
AuBsteiiung Was die Ausstellungen österreichischer Fabrikate vorübergehenden Cha- 
8che"*iSl rakters betrifft, so begegnet man einer solchen zuerst wieder sonderbarerweise 
dukte in nicht im Inlande, sondern im Jahre 1816 in Leipzig. 
Leipzig 1816. Durch Hofkammerdckrct vom 23. Dezember 1815 wurden die österreichi- 
schen Fabrikanten und Handelsleute aufgefordert, die Leipziger Messe zu be- 
suchen, mindestens aber Muster ihrer Erzeugnisse mit genauer Angabe des 
Maßes und Gewichtes, der Preise und der im Falle der Bestellung möglichen 
Lieferungsquantität, sowie die zum Absätze dienlichen weiteren Fabriksnach- 
richten an den k. k. Generalkonsul in Leipzig längstens bis 1. April einzusenden, 
der sie sodann während der nächsten Messe öffentlich aussteUen und die Be- 
förderung der Nationalindustrie diesbezüglich sich angelegen sein lassen wird^). 
Im Jahre 1816 fand so während der Messe in Leipzig eine Ausstellung österrei- 
chischer Gewerbeprodukte statt, veranstaltet durch den Generalkonsul von 
Müller^). 

Die Krise, welche die Aufhebung der Kontinentalsperre für die Industrie 
zur Folge hatte, welche Stockung sich bis um die Mitte des 3. Jahrzehnts des 
Jahrhunderts geltend machte, läßt es begreiflich erscheinen, daß während dieser 
Zeit keine öffentlichen Gewerbeausstellungen stattfanden. 

Erst gegen Ende des 3. Jahrzehnts beginnt das Interesse für solche Ver- 
anstaltungen sich wieder zu zeigen. Da begegnet man zunächst wieder einer 
Ausstellung, welche dem Exporte zugute kommen sollte, nämlich einer von 
Ausstellung Generalkonsul Ritter von Bergks 1828 in Leipzig während der Messe veran- 
österreiohi- g^altctcn Schaustcllung österreichischer Produkte^). Im selben Jahre wurde 

scher Pro- , ° ' 

dukte in aber auch die erste wirkliche inländische Gewerbeschau des 19. Jahrhunderts 
Leipzig 1828. Veranstaltet . 

Die böhmischen Gewerbeausstellungen in der ersten Hälfte des 

19. Jahrhunderts. 

Die Krönungsausstellung von 1791 in Prag war im 3. Jahrzehnte des 19. Jahr- 
hunderts schon ganz vergessen. Ohne Anknüpfung an dieselbe beginnt nun 
eine Reihe von gewerblichen Ausstellungen. 

Unschätzbar sind die Dienste, welche der böhmische Adel der aufkeimenden 
Industrie dieses Landes geleistet hat. Bei diesen Ausstellungen stand er wieder 
an erster Stelle. 
Prag 1828. Als Graf Chotek 1826 Oberstburggraf von Böhmen wurde, regte er die Ver- 
anstaltung von Industrieausstellungen an. Bald begann man mit den Vor- 
bereitungen. Durch Zirkular vom 21. Dezember 1827 wurden die Fabrikanten 
Böhmens davon in Kenntnis gesetzt und zur Einsendung entsprechender 
Fabrikate aufgefordert. Zur Organisierung und Leitung wurde eine eigene 



1) Barth, a. a. 0., II, 364 ff. — ») Mitth. f. Gew. u. Handel, II, 216, Notizen über Pro- 
duktion usw., I, 4. — ») Mitth. f. Gew. u. Handel, II, 216. 



233 

Kommission bestellt^). Die Ausstellung veranstaltete das Gubernium „zur 
Bekämpfung des Vorurteils für die Industrieerzeugnisse des Auslandes, zur 
Bekanntmachung dessen, was Böhmen im Gebiete der Industrie als sein 
Erzeugnis bereits vorzuweisen vermag, zur Würdigung der Rangstufe, auf 
welche sich das Vaterland auch in dieser Hinsicht schon emporgeschwungen 
hat", im Jahre 1828 unter dem Referate des Guberniakates v. Eichhoff. 

Die Ausstellung fand im August 1828 in den Redoutensälen des ehe- 
maligen Vusinschen Hauses in Prag statt und wies 220 Aussteller mit 1498 
Objekten auf. 

Obwohl nicht sehr zahlreich beschickt, lieferte sie doch ein erfreuliches 
und anschauliches Bild der Industrie des Landes und man konnte aus ihr „die 
Überzeugung gewinnen, daß die Industrie Böhmens sich bereits auf einer Stufe 
der Vollkommenheit befand, auf welcher es ihr bei angemessener Aneiferung 
und energischer Unterstützung kunstsinniger Patrioten ein Leichtes werden 
könnte, auch die höchste Stufe zu erreichen". 

Bei dieser Ausstellung fand weder eine Beurteilung der ausgestellten 
Fabrikate noch eine Preisverteilung statt^). 

Der Kaiser, dem über den Erfolg der Ausstellung Bericht erstattet wurde, 
ließ dem Oberstburggrafen seine Zufriedenheit, dem Gubernialrate v. Eichhoff 
sein Wohlgefallen aussprechen^). 

Durch diesen Erfolg ermuntert und in der Absicht, durch periodische Prag 1829. 
Wiederholung der Ausstellungen die Fabrikanten zu größerem Wetteifer in der 
Vervollkommnung ihrer Erzeugnisse anzueifern, veranstaltete Graf Chotek 
1829 eine zweite Landesindustrieausstellung, welche am 1. Juni im gräflich 
Ledeburschen Palais eröffnet wurde und sechs Wochen dauerte. Es wurden 
257 Teilnehmer und 2177 Nummern gezählt. Die Leitung der ganzen Veran- 
staltung hatte über Aufforderung des Guberniums Graf Josef von Dietrichstein 
übernommen. Ein besonderes Interesse gewinnt sie dadurch, daß dabei zum 
erstenmal in Österreich eine offizielle Beurteilung der ausgestellten Produkte 
und eine Preisverteilung stattfand^). Die Grundsätze, nach welchen die Be- 
urteilungskommission vorzugehen hatte, wurden vorher festgesetzt. Darunter 
befindet sich auch die etwas sonderbar anmutende Bestimmung, „daß notorisch 
zu hoch gestellte Preise von der Beurteilungskommission öffentlich zu rügen 
seien". Als Auszeichnungen dienten goldene, silberne und bronzene Medaillen 
sowie ehrenvolle Erwähnungen. 

Die Preisverteilung fand erst am 5. April 1831 statt, im großen Promotions- 
saale des Carolinums, mit großer Feierlichkeit in Anwesenheit des Oberstburg- 
grafen und Präsidenten des Landesguberniums Grafen Chotek^). 

Da diese Gewerbeausstellungen sich periodisch wiederholen sollten, fand Prag issi. 
die nächste, über abermalige Veranlassung des Grafen Chotek 1831 statt. 



^) Kopetz, a. a. 0., II, 214 f. — *) Bericht der Beurteilungskom. über die Ausst. v. 1829, S. 3 ; 
Hundert Jahre Arbeit, 1, 13 f. — ') Staatsrat, 1829, Nr. 72. — *) Bericht der Beurteilungskom. 
über die Ausst. v. 1829, S. 3 ff.; Hundert Jahre Arbeit, I, 14 f. — ') Bericht der Beurteilungs- 
kom. über die Ausst. v. 1829, S. 6 — 37; Hundert Jahre Arbeit, 1, 14 f. 



234 

Wegen der in diesem Jahre wütenden Cholera beteiligten sich daran nur 
168 Aussteller mit 1934 Objekten. Die Ausstellung wurde am 22. Juni im großen 
Saale des gräflich Ledeburschen Palais eröffnet und dauerte bis zum 31. Juli. 
Außer der Cholera hatte die schwache Beteiligung, nach dem Geständ- 
nisse der Beurteilungskommission selbst, der Umstand mitverursacht, daß sich 
manche Aussteller bei der Prämienverteilung für die Ausstellung von 1829 
zurückgesetzt fühlten. Trotz der geringen Zahl der Aussteller war aber der 
innere industrielle Gehalt der Veranstaltung viel bedeutender als bei den 
früheren. Die Prämienverteilung fand am 4. Oktober 1833 im spanischen Saale 
der Prager Hofburg statt. Als höchste Auszeichnung diente diesmal die 
Ernennung zum wirklichen Mitgliede des böhmischen Gewerbe Vereines, welcher 
sich im Frühjahre 1833 konstituiert hatte^). 

Damit schloß die Reihe der unter der Ägide des böhmischen Landesguber- 
niums veranstalteten Prager Gewerbeausstellungen. ,,Das Ergebnis recht- 
fertigte nicht nur die kühnsten Erwartungen jedes unbefangenen Vaterlands- 
freundes, sondern wurde auch vom Ausland auf eine für Böhmen ehrenvolle 
Weise anerkannt, so daß von dorther, mit Berufung auf die Resultate der Ge- 
werbsausstellungen, bei mehreren Fabrikanten Bestellungen einliefen auf Artikel, 
die früher keinen Absatz dahin hatten. In eben dem Maße aber, als die Aus- 
stellungen das Drückende der Konkurrenz des Auslandes vermindern halfen 
und den einheimischen Produkten einen freieren Spielraum im Inneren vor- 
bereiteten, wurde durch die . . . Prämienverteilung der Wetteifer der Produ- 
zierenden zur Überbietung ihrer gegenseitigen Leistungen kräftig angefacht 
und gesteigert"^). 

Da zum statutenmäßigen Wirkungskreise des böhmischen Gewerbevereines 
nicht zuletzt die Veranstaltung von Gewerbeausstellungen mit Prämien- 
verteilungen gehörte, wurden die folgenden von demselben eingeleitet. 
Prag 1833. Als Kaiser Franz im Sommer 1833 Böhmen besuchte und nach Prag kam, 
sprach er gegenüber dem Oberstburggrafen den Wunsch aus, eine Zusammen- 
stellung der verschiedenen Landesfabrikate zu sehen, um sich von den Fort- 
schritten der böhmischen Industrie selbst zu überzeugen. Der Oberstburg- 
graf teilte diesen Wunsch der Generaldirektion des Gewerbevereines mit und 
forderte zugleich alle Gewerbsleute und Fabrikanten zur Einsendung der vor- 
züglichsten und gelungensten Erzeugnisse auf. Der Erfolg übertraf alle Er- 
wartungen. In der Zeit von ungefähr zehn Tagen hatten 247 Unternehmer auch 
aus den entferntesten Teilen Böhmens weit über 5000 Fabrikate eingesendet. 
Die Ausstellung wurde am 16. August 1833 im deutschen und spanischen Saale 
der Prager Hofburg eröffnet und dauerte bis zum 3. September. Am 2. Sep- 
tember besuchte sie das Kaiserpaar, wobei es alle Erzeugnisse mit lebhaftem 
Interesse in Augenschein nahm und jedem Produzenten oder stellvertretenden 
Kommissionär die hohe Ehre zuteil werden ließ, den Majestäten namentlich 



^) Bericht der Beurteilungskom. über die Ausst. v. 1831, S. 186 ff.; Hundert Jahre Arbeit, 
I, 15 f.; Mitt. f. Gew. und Handel, III, S. 99. — ") Kreutzberg, Der Verein zur Ermunterung 
usw., S. 7. ' 



235 

vorgestellt und von denselben angesprochen zu werden. Mehrere Produkte ' 

wurden von den Majestäten angekauft. Für diese in aller Eile veranstaltete 
Ausstellung war begreiflicherweise keine Beurteilungskommission bestellt 
worden und es fand demgemäß auch keine Preisverteilung statt^). 

Die Preisverteilungen scheinen überhaupt niemals alle befriedigt zu haben, 
weshalb die Ausstellungen selbst vielfach angefeindet wurden. So wird es be- 
greiflich, daß sich 1835 mehrere böhmische Handelsleute und Fabrikanten 
gegen die Abhaltung von Gewerbeausstellungen aussprachen^). 

Die 1833 auf Wunsch des Kaisers veranstaltete sowie die 1835 stattgehabte 
allgemeine österreichische Gewerbspro duktenausstellung in Wien, deren Kon- 
kurrenzierung durch Provinzialausstellungen die Zentralregierung nicht 
wünschte^), verzögerten die Abhaltung der nächsten böhmischen Ausstellung, 
welche, zuerst für Juli 1834, sodann für August 1835 angekündigt*), vom böhmi- ' 

sehen Gewerbeverein erst 1836, anläßlich der Krönung Kaiser Ferdinands I. Prag isss. 
zum Könige von Böhmen abgehalten wurde. Sie wurde von 251 Fabrikanten 
beschickt und wies 4046 Nummern auf. Sie fand im Palais des Grafen Ledebur 
statt und dauerte vom 1. bis zum letzten September 1836. Der Kaiser besuchte 
sie zweimal und gab in einem Handschreiben (vom 18. September) an den 
Generaldirektor des Gewerbe Vereines, Grafen von Dietrichstein, seinem Wohl- 
gefallen über die Fortschritte der böhmischen Industrie und seiner Zufriedenheit 
über das nützliche Wirken des Vereines Ausdruck. 

Am 27. September 1837 fand im großen Promotionssaale des Prager Caro- 
linums die Preisverteilung statt. Besonderes Interesse verdient der Umstand, 
daß der Beurteilungskommission zur Pflicht gemacht worden war, nach erfolgter 
Beurteilung der ausgestellten Gegenstände, zur Emporbringung jener Gewerbs- 
zweige, bei denen sich nach den Ergebnissen der Ausstellung eine Aufmunterung 
am notwendigsten zeigen sollte, Preisaufgaben in Vorschlag zu bringen, welche 
der Gewerbeverein auszuschreiben hätte^). 

Die Ausstellung des Jahres 1836 war die letzte allgemeine böhmische 
Gewerbeausstellung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die allgemeinen 
österreichischen Gewerbsproduktenausstellungen von 1835, 1839 und 1845 in 
Wien, an welchen sich die böhmische Industrie stark beteiligte, verminderten 
das Interesse für Provinzialausstellungen und die darauf folgenden schwan- 
kenden innerpolitischen Verhältnisse verhinderten die in Verbindung mit der 
Jubiläumsfeier der Prager Universität 1848 geplante Industrieausstellung®), 
so daß die nächste erst 1872 zustande kam. 



^) Denkbuch über die Anwesenheit Franz' I. in Böhmen, 1833, S. 119 ff.; Bericht der 
Beurteilungskom. der Prager Ausst. v. 1831, S. 185 f.; Hundert Jahre Arbeit, 1, 16. — *) Archiv 
d. Min. In. Protokoll 1835. Der Akt selbst nicht vorhanden, -r- ') Siehe unten S. 237 u. 242 f. 
— *) Mitt. f. Gew. u. Handel, I (1835), S. 40: vgl. auch unten S. 243. — *) Bericht der 
Beurteilungskom. über die Prager Ausst. v. 1836, S. 3 ff.; Mitt. f. Gew. u. Handel, II (1838), 
S. 304— 316; Hundert Jahre Arbeit, I, 16 f. — «) Innerösterr. Industrie- u. Gewerbeblatt 
(allgem. Ind. u. Gew. Bl.) 1848, S. 12. 



236 

Eeichenberg Im Jahre 1841 fand in Reichenberg eine Gewerbeausstellung lokalen 
"*^- Charakters statt^). 

Die mährischen Gewerbeausstellungen von 1833 und 1836 und die 
Verhandlungen wegen Abhaltung periodischer Gewerbeausstellun- 
gen in Mähren. 

Auf Wunsch des Kaisers hatte, wie oben erwähnt, im Sommer 1833 der 
böhmische Gewerbe verein in aller Eile eine Gewerbeausstellung improvisiert. 
Kaum hatte man dies in Brunn, wo der Kaiser auf seiner Rückreise durch- 
fahren mußte, erfahren, als auch beschlossen wurde, einem ähnlichen Wunsche 
zuvorzukommen und die Majestäten mit einem Teile des mährischen Gewerbe- 
fleißes bekannt zu machen. 
Brunn 1833. Der Landesgouvemeur veranstaltete so, auf Anregung des Landeshaupt- 
manns Grafen von Inzaghi in Eüe eine Ausstellung der Fabrikate der Haupt- 
stadt Brunn und der nicht zu entfernten Umgebung. Wenn auch die Zeit dazu 
sehr kurz war und eine große Schwierigkeit namentlich darin bestand, daß in 
Brunn früher niemals eine Gewerbeausstellung stattgefunden hatte, wurde 
doch ganz Bemerkenswertes geleistet. Die Ausstellung fand im Franzensmuseum 
statt, wo Gubernialsekretär Rudolf Ritter von Forgatsch die systematische 
Aufstellung der Produkte besorgte. Am 4. Oktober 1833 besichtigten die 
Majestäten die reichhaltige Ausstellung, sprachen längere Zeit mit den Erzeugern 
und gaben ihre Freude über die hohe Entwicklung und die Fortschritte der 
mährischen Industrie zu erkennen. Die Kaiserin kaufte verschiedene Gegen- 
stände an^). 

Schon jetzt drückte der Landeshauptmann den Wunsch aus, die Gewerbe- 
ausstellungen, ähnlich wie in Böhmen, als eine dauernde Anstalt zu begründen 
und jährlich in Brunn zu wiederholen. Hugo Altgraf zu Salm griff die Idee 
auf. Er richtete am 9. Oktober 1833 an die angesehensten Fabrikanten Mährens 
ein Schreiben, in welchem er, unter Hinweis auf die großen Vorteile solcher 
Veranstaltungen, die Aufmerksamkeit auf zwei große Mustereinrichtungen 
lenkte, nämlich auf die Prager periodischen Gewerbeausstellungen und auf die 
permanente privilegierte Gewerbeausstellung in Wien in der Schulerstraße. 
Deshalb schlug er Vor, einen Ausschuß zu wählen, welcher die Vorarbeiten 
dazu leisten soUte'). 

Zu gleicher Zeit beschäftigten sich aber auch die mährischen Stände mit 
demselben Plan. Angeeifert durch den Beifall, den die Ausstellung anläßhch 
des Kaiserbesuches gefunden hatte und in Erwägung des Nutzens solcher Ver- 
anstaltungen beschlossen sie, künftighin von Zeit zu Zeit solche Ausstellungen 
zur Weckung, Aneiferung und Belebung der Industrie in Brunn auf ständische 



1) Hundert Jahre Arbeit, I, 18 f.; Mitt. f. Gew. u. Handel, 1839, Bd. III, S. 100: 
„Übrigens dürften, seit die Zentralausstellungen in Wien eintraten, die partiellen in den 
einzelnen Ländern des Kaiserreiches an Bedeutsamkeit verloren haben, daher sie auch nur 
in längeren Zwischenräumen wiederholt werden können." — *) Brünner Zeiiung, 6. Okt. 1833. 
— ») Landesarchiv Brunn, C. 10, 1833, Okt. 9. Vgl. auch unten S. 239 ff. 



237 

Kosten zu veranlassen. Der Landesausschuß erhielt den Auftrag, über die Er- 
richtung, den Umfang und die übrigen Modalitäten einen Plan zu verfassen 
und den Ständen zur Genehmigung vorzulegen^). Daraufhin wurde ein vom 
Fabrikanten Friedrich Scholl einverständlich mit anderen Fachleuten verfaßter 
Entwurf der Organisation dieser Anstalt mit einigen Modifikationen von den 
Ständen als Grundlage zum diesfälligen Statut angenommen. Zu diesen Aus- 
stellungen sollte auch Schlesien herangezogen werden. Am 16. Dezember 1834 
wurde um allerhöchste Genehmigung dieser Beschlüsse angesucht^). 

Mit Hofkammerpräsidialdekret vom 21. Februar 1835 wurde aber dem 
mährischen Landespräsidium eröffnet, daß es sich, in Erwägung der wesentlichen 
Übelstände, welche ein etwaiges Zusammentreffen von Frovinzialgewerbe- 
ausstellungen mit der allgemeinen Industrieausstellung in Wien mit sich führen 
würde, als angemessen darstelle, dafür Sorge zu tragen, daß nicht bereits vor- 
bereitete oder erst zu organisierende Provinzialgewerbeausstellungen zu den 
von drei zu drei Jahren wiederkehrenden Perioden der Gewerbeausstellungen 
für die Gesamtmonarchie abgehalten werden^). Da schon 1835 eine allgemeine 
Gewerbeausstellung in Wien stattfand, so war für dieses Jahr eine Ausstellung 
in Brunn unmöglich geworden. Erst 1836 ergab sich den mährischen Ständen 
die Gelegenheit, eine solche zu organisieren. 

Als Kaiser Ferdinand im Sommer 1836 auf seiner Krönungsreise nach Brunn isss. 
Prag sich in Brunn aufhielt, da benützten die Stände die günstige Gelegenheit, 
um dem Kaiser, dessen genaue Kenntnis der Industrie und lebhaftes Interesse 
für ihre Entwicklung bekannt war, die Fortschritte des mährischen Gewerbe- 
fleißes vor Augen zu führen. Die Ausstellung, die vom 18. bis zum 24. August 
dauerte, war im städtischen Redoutensaale aufgestellt und zählte 126 Teilnehmer 
mit 956 Nummern. Am 19. August wurde sie von den Majestäten besichtigt, 
wobei diese ihr besonderes Wohlgefallen über die Vollkommenheit der mährischen 
Industrieerzeugnisse aussprachen'*). 

Der Erfolg dieser Ausstellung frischte das frühere Projekt einer periodisch 
wiederkehrenden Veranstaltung dieser Art wieder auf. Im Jahre 1837 wurde 
unter der Ägide der Stände ein Komitee hervorragender Fabrikanten berufen, 
um den seinerzeit von Friedrich Scholl verfaßten Entwurf einer solchen Anstalt 
zu modifizieren, zu beraten und dem Landesausschuß einen ausführlichen 
Antrag vorzulegen, da die Hofkanzlei den Auftrag erlassen hatte, den früheren 
Entwurf zu vervollständigen^). 

Altgraf zu Salm drückte seine Meinung über solche Ausstellungen, deren 
mehrere er als Direktionsmitglied des böhmischen Gewerbevereines mitgemacht 
hatte, nunmehr dahin aus, daß sie nur Mißbehagen zur Folge haben, da sie den 
Ausstellern große Kosten verursachen und viele Waren durch Staub, Dunst 
und Sonne verderben; neue kostspielige Muster verlieren, bevor sie noch ihre 



^) Landesarchiv Brunn, C. 10, 1834, Sept. 10. — «) Landesarchiv Brunn, C. 10. 1834, 
Okt. 16, Dez. 16. — ») Landesarchiv Brunn, C. 10. Siehe auch unten S. 242 f. — *) Brünner 
Zeitungl 836, Aug. 20; Verzeichnis über die Brünner Ausst. v. 1836; Hundert Jahre Arbeit, 
I, 16.— *) Landesarchiv Brunn, C. 10, 1837, Okt. 4 u. Dez. 9. 



238 

Kosten ersetzt haben, durch Nachahmung ihren Wert. Die öffentliche Beurteilung 
und Preisverteilung mache alle zu Gegnern, die nicht mit dem höchsten Preise 
beteilt werden. Deshalb schlug er vor, einen Verein, etwa auf Aktien zu gründen, 
der ein Haus kauft oder mietet, worin eine kaufmännische Ressource oder ein 
Kasino eingerichtet wird mit politischen und Handelszeitungen sowie den besten 
Fachjoumalen, einer Bibliothek und einem Lesezimmer. In diesem Gebäude 
soll eine permanente Industrieausstellung untergebracht werden oder es sollen 
in demselben periodische Ausstellungen stattfinden. Im selben Gebäude wäre 
eine Gewerbe- und Handelsschule zu errichten, wobei durch die permanente 
Ausstellung zugleich für das nötige Musterkabinett für den Unterricht vor- 
gesorgt wäre^). 

Die Verhandlungen des Komitees zogen sich in die Länge. In der Sitzung 
vom 26. März 1839 erklärte sich die Mehrzahl der Mitglieder für eine periodisch 
wiederkehrende Ausstellung. Es wurde aber auch anderseits nicht verkannt, 
daß sich eine solche, um nachhaltigen Nutzen zu verbürgen, umfassenderen 
Anstalten als integrierender Teil anschließen müßte, wobei an eine Kaufhalle 
und gewerbliche Elementarschule gedacht wurde. 

Endlich wurde beschlossen, eine Gewerbeausstellung im Sommer 1839 
zu veranstalten (obwohl für dasselbe Jahr eine gesamtösterreichische in Wien 
angesetzt war), weil in der zweiten Julihälfte die Wiener Eisenbahn eröffnet 
werden sollte. Zur Besorgung der Vorarbeiten wurde ein engeres Komitee 
bestellt, welches sich nur mit diesem Gegenstande zu beschäftigen hatte^). 

Der mährische Landespräsident Graf XJgarte äußerte jedoch in seinem 
Bericht an die Hofkanzlei über den Stand der Verhandlungen wegen Errichtung 
einer mährisch-schlesischen Kunst- und Gewerbeproduktenausstellung mehrere 
Bedenken, denen sich die Hofkanzlei anschloß; mit Erlaß vom 13. April 1840 
bemerkte das Hofkanzleipräsidium, daß bei der mittlerweile stattgefundenen 
Errichtung des niederösterreichischen Gewerbevereines und der damit verbun- 
denen Zentralproduktenausstellung in Wien, sowie bei der Verbindung Brunns 
mit der Haupt- und Residenzstadt mittelst der Eisenbahn „es wohl nun nicht 
mehr an der Zeit sei, die von den mährischen Ständen 1835 angeregte Errichtung 
einer periodischen Ausstellung der Landeskunst- und Gewerbeprodukte in 
Brunn ins Leben zu rufen"^). 

Damit hatten die diesbezüglichen Verhandlungen in Brunn und die mähri- 
schen Landesindustrieausstellungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 
ihr Ende gefunden. 

Gewerbeausstellungen in Niederösterreich und die allgemeinen 
österreichischen Gewerbsproduktenausstellungen in Wien. 

Es ist im Laufe dieser Darstellung schon öfters bemerkt worden, wie Kaiser 
Franz für alles, was Beförderung der Industrie zum Inhalte hatte, ein lebhaftes 
Interesse zeigte und sich dessen Ausführung sehr angelegen sein ließ. Dank 



») Landesarchiv Brunn, C. 10, 1837, Dez. 9. — *) Landesarchiv Brunn, C. 10, 1839, März 26. 
") Landesarchiv Brunn, C. 10, 1840, Mai 11. 



239 

seiner Initiative entstand im ersten Jahrzehnte des Jahrhunderts ein ständiges 
Industriekabinett, später das polytechnische Institut, welches einerseits mit 
einem ständigen Industriemuseum verbunden wurde, anderseits der Schau- 
platz periodischer Industrieausstellungen hätte werden sollen^). Die Zeiten 
nach der Errichtung des Instituts waren aber für die Industrie nicht günstig, 
es herrschte als Nachwirkung der Finanzkrise und der Aufhebung der Kon- 
tinentalsperre eine allgemeine Stockung, so daß periodische Ausstellungen in 
Verbindung mit dem Institut nicht zustande kamen. 

Zu Anfang des Jahrhunderts waren in Wien nur kleine SpezialaussteUungen Aus- 
abgehalten worden, so namentlich alle zwei Jahre eine Ausstellung der Kunst- ^*«ii""?«° 

o ' .in der 

werke der k. k. Porzellanfabrik, zur Aneiferung der Schüler derselben, wobei k. k. Por- 
auch kleinere Prämien verteilt wurden. Diese Veranstaltungen wurden öfters zeiianfabrik. 
durch die Gegenwart von Erzherzogen ausgezeichnet. Im Jahre 1807 wurde 
diese Schaustellung in größerem Stile abgehalten, zu welchem Zwecke der Kaiser 
die Genehmigung zur Verteilung einiger goldener Medaillen erteilte^). 

Zu einer allgemeinen Industrieausstellung kam es in Wien aber noch verhandiun- 

Als der Erfolg der Prager Ausstellung von 1828 bekannt wurde, griff man tung von 
erst die Idee auf, allgemeine GewerbeaussteUungen für die ganze Monarchie in aUgemeinen 
Wien abzuhalten. Der Finanzminister Graf Nadasdy beauftragte schon zu j^^°ggtgi*i"*. 
Ende 1828 die niederösterreichische Regierung, diesen Gegenstand einer näheren gen in 
sorgfältigen Würdigung zu unterziehen und vom Direktor des polytechnischen "^i^^- 
Instituts, Regierungsrat Prechtl, einen Vorschlag über die Art und Weise der 
Ausführung einer solchen, sich alle zwei Jahre wiederholenden Ausstellung in 
Wien abzufordern, einer genauen Prüfung zu unterziehen und sodann die Vor- 
schläge zu erstatten. Nachdem dies erfolgt war, wurde am 8. Mai 1829 vom 
Hofkammerpräsidenten Grafen Nadasdy ein diesbezüglicher alleruntertänigster 
Vortrag erstattet. In diesem wurde insbesondere darauf hingewiesen, daß 
Wien, nach dem Vorbilde anderer Haupt- und Residenzstädte, vorzüglich dazu 
berufen sei, eine solche Einrichtung in seiner Mitte zu besitzen und darin aUes, 
was die Monarchie im Fache der Industrie Ausgezeichnetes liefere, zu vereinigen. 
Dazu waren die Räume des polytechnischen Instituts in Aussicht genommen. 
Der Kaiser stellte jedoch 1830 zu diesem Zwecke die kaiserliche Reitschule 
samt den anstoßenden Redoutensälen zur Verfügung'). 

Diese Ausstellung kam dennoch noch lange nicht zustande. 

In der Zwischenzeit begegnet man einem interessanten Versuch, eine 
permanente Gewerbeausstellung als geschäftliches Unternehmen ins Leben zu 
rufen. 

Im Jahre 1830 überreichte Ignaz Ritter von Schönfeld einen Vorschlag Privataus- 
zur Errichtung eines Ausstellungsbureaus für alle Produkte und Fabrikate des »teiiungs- 

... buieau in 

Österreichischen Kaiserstaates und suchte um die Bewilligung dazu an*). Nach wien. 



1) Vgl. oben S. 167 ff., 228 ff. — *) Staatsrat 1807, Nr. 2312. — 3) H. K. A. Kom. Kam., 
Fasz. 29, Nr. 44 ex majo 1829; Staat^.rat 1829 Nr. 72, 1767, 2648; 1830 Nr. 249. — *) H. K. 
A. Kom. Kam., Fasz. 29, Nr. 56 ex jun. 1830. 



240 

seinem Projekte sollte allen Fabrikanten und Handelsleuten und überhaupt 
allen Eigentümern von Kunst- und Gewerbeprodukten ein eigenes Lokal zur 
Ausstellung derselben gegen Entrichtung eines Zinses zur Verfügung gestellt 
werden, welches dem Publikum gegen einen bestimmten Eintrittspreis zugäng- 
lich sein sollte. Von Gegenständen, welche sich zur unmittelbaren Ausstellung 
nicht eignen, sollten Zeichnungen und Modelle aufgenommen werden. Das 
kauflustige Publikum sollte daselbst Gelegenheit finden, die Namen und 
Adressen der Erzeuger und Eigentümer sowie die Preise und leichtesten 
Bezugsquellen der Waren zu erfragen. Diese Ausstellung sollte mit einem 
„technisch-merkantilischen Zeitblatte" und mit Lese-, Schreib und Zeichen- 
zimmern in Verbindung gebracht werden. Das technisch-merkantilische Zeit- 
blatt sollte die in der Ausstellung befindlichen Gegenstände, die Preise der- 
selben und die Namen und Wohnorte der Erzeuger anzeigen, Beschreibungen 
dieser Gegenstände und bildliche Darstellungen aus dem Gebiete der Kunst, 
der Gewerbe und des Handels liefern, Bemerkungen über die ausgestellten 
Gegenstände und Vorschläge zu Verbesserungen enthalten, interessante, auf 
die Produktion bezugnehmende Neuigkeiten des In- und Auslandes, Nach- 
richten, Biographien und Nekrologe von berühmten Produzenten, Fabrikanten, 
Künstlern, Gewerbs- und Handelsleuten und Beschreibungen schon bestehender 
oder Vorschläge neu zu begründender Einrichtungen zur Beseitigung der der 
Gewerbetätigkeit entgegenstehenden Hindernisse mitteilen. 

Die Ausstellung sollte anfangs in gemieteten Räumlichkeiten eröffnet 
werden, bis das Reinerträgnis zur Erbauung eines eigenen Hauses hinreichen 
würde, worüber der Staatsverwaltung das „Obereigentum" zustehen sollte. 

Nach Erreichung dieses Zweckes sollte die Unternehmung 2% des jährlichen 
Abonnements zur Verwendung für industrielle Zwecke an das polytechnische 
Institut abliefern. Der GesuchsteUer drückte zugleich seine Absicht aus, bei 
sich zeigendem Bedürfnisse diese Anstalt in die Hauptstädte aller Länder der 
Monarchie zu verbreiten, und woUte sich für den Fall der freiwilligen Auflösung, 
in welchem Falle das volle Eigentum der Gebäude an den Staat übergehen 
würde, nur eine angemessene Entschädigung für die verwendeten Fonds, die 
mühsame Verwaltung und die zu entlassenden Beamten und Diener vorbe- 
halten. Die Eröffnung sollte schon im Oktober 1831 stattfinden. 

Die darüber einvernommenen Fabrikanten äußerten sich folgendermaßen: 
es lasse sich nicht verkennen, daß durch diese Anstalt den kleinen Produzenten 
das schwierige Hervortreten in die Öffentlichkeit erleichtert würde. Die Aus- 
stellung und die Zeitschrift würden ihnen Gelegenheit bieten, ihre Namen und 
Waren der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Außerdem Nvürde die Anstalt 
die direkte Berührung zwischen Produzenten und Konsumenten fördern, kauf- 
lustigen Fremden sowohl als Ausstellungs- als auch als Auskunftsbureau nützlich 
und sehr erwünscht sein. Anderseits müsse aber zugegeben werden, daß die 
großen Handelsleute in Wien durch ihre Warenausstellungen und die Wiener 
Zeitung durch die Ankündigungen im Intelligenzblatt eine solche Anstalt über- 
flüssig machen. Eine passive Vermittlungsanstalt zwischen Erzeuger und 
Konsumenten könne den Handelsstand nicht ersetzen. Der industrielle Pro- 



241 

duzent dürfte daher seine Verbindungen mit den Handelsleuten immer vorteil- 
hafter finden als das AussteUungsbureau, weshalb sieh nur eine geringe Zahl 
derselben dieses Bureaus bedienen dürfte. Die von der Staatsverwaltung be- 
absichtigte Gewerbsproduktenausstellung würde dadurch auch nicht überflüssig 
gemacht werden. Im allgemeinen sei das projektierte Ausstellungsbureau 
weder notwendig noch überflüssig, könne jedoch durch die Bibliothek und 
Zeitschrift nützlich werden. 

Regierungssekretär von Keeß meinte, man könne das Unternehmen be- 
willigen, jedoch solle ihm zur Vermeidung von Kollisionen mit dem Handels- 
stande jede Art von Kommissionsgeschäften strenge untersagt werden. Der 
Staat solle auch weder direkt noch indirekt daran beteiligt sein, es solle dies 
vielmehr eine reine Privatanstalt bleiben. Auch der Direktor des polytechnischen 
Instituts und das niederösterreichische Landespräsidium trugen auf Bewilli- 
gung ani). 

So kam es, daß mit niederösterreichischem Regierungsdekrete vom 24. Ok- 
tober 1832 Schönfeld die Errichtung dieses Ausstellungsbureaus als eine freie 
Beschäftigung gestattet wurde^). Dessen Eröffnung fand am 12. Februar 1833, 
dem Geburtstage des Kaisers, in der Großen Schulenstraße statt; unter 
anderem wurde es am ersten Tage auch von Erzherzog Anton besucht. Unter 
den Abonnenten befanden sich aber nur wenige Fabriken, die Mehrzahl 
bestand aus Kleingewerbetreibenden und Privaten^). Auch wurde die Heraus- 
gabe eines Handelsschemas, zu welchem Zwecke die Hofkammer die Handels- 
kommissionen in den einzelnen Provinzen beauftragte, die gewünschten Mate- 
rialien und Behelfe zu liefern, sowie einer Zeitschrift unter dem Titel „Notizen 
über Produktion, Kunst, Fabriken und Gewerbe" in Aussicht genommen*). 
Doch ist nur ein Band der Notizen erschienen, während das Handelsschema 
nicht zustandegekommen zu sein scheint. Der Handelsstand betrachtete dieses 
Unternehmen mit Mißgunst, beschwerte sich gegen den Verkauf von Muster- 
waren und der Magistrat verbot ihm den Kommissionshandel, da dieser nur 
dem Handelsstande zustehe. Dieses Verbot wurde von der Regierung auf- 
gehoben, weil das Institut aus diesem Kommissionshandel keinen Nutzen ziehe, 
bloß Muster und keine eigentlichen Warenlager ausstelle, kein Verschleißort 
sei, weil der Kauf nur gelegentlich und bei Beschränktheit des Raumes ohne 
Auswahl von Artikeln einerlei Art stattfinden könne, endlich weil dieser Verkauf 
zur Ermunterung des Gewerbefleißes und zur Belebung der Industrie beitrage. 
Der Hofrekurs des Wiener Handelsstandes wurde von der Hofkammer abge- 
wiesen, da Ausstellungen nicht verboten werden könne, die ausgestellten Er- 
zeugnisse dem besuchenden Publikum zu verkaufen. Jedoch solle dem Aus- 
stellungsbureau zur strengen Pflicht gemacht werden, sich aller förmlichen 
Kommissionsgeschäfte zu enthalten^). 



») A. d. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 29, Nr. 93 ex febr. 1831. — *) A. d. k. k. Fin. Min. 
Kom., Fasz. 29, Nr. 170 ex mart. 1833. — ») Notizen über Pioduktion etc, I. 3 ff, 46, 49 ff. 
— *) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 50 ex jun. 1833. — *) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., 

Fasz. 29, Nr. 151 ex aug. 1834. 

Slokar, Geschichte der österr. Industrie. 16 



242 

Das Unternehmen erwies sich aber als nicht lebensfähig und ging schon 
1834 eini). 

Inzwischen war aber die Idee der Einführung periodischer Ausstellungen 

für Industrieprodukte der ganzen Monarchie in Wien von der Staatsverwaltung 

nicht aus dem Auge gelassen worden. 

Gewerbe- Die Hofkammer erstattete darüber mehrere Vorträge und durch aller- 

ausBteiiung höchste Entschließung vom 16. März 1830 wurden, wie schon erwähnt, die kaiser- 

' liehe Winterreitschule und die anstoßenden Redoutensäle zu diesem Zwecke 

zur Verfügung gestellt. Die Hofkammer traf daraufhin im Einvernehmen mit 

der Hofkanzlei die Vorbereitungen zur Organisierung der Ausstellung. Statt 

der ungeeigneten Redoutensäle wurde durch allerhöchste Entschließung vom 

15. März 1834 neben der Winterreitschule auch die Benützung der kaiserlichen 

Wagenremisen auf dem Josefsplatze gestattet^). Anfang 1834 äußerte auch 

die niederösterreichische ProvinziaUiandelskommission den sehnlichsten Wunsch, 

es möge alle vier oder fünf Jahre eine allgemeine, vom Staat organisierte 

Industrieausstellung veranstaltet werden, da eine permanente Ausstellung 

den beabsichtigten Zweck nicht erreichen könne'). 

So wurde auch vom Kaiser die Abhaltung von Zentralge werbsprodukten- 
ausstellungen in Wien angeordnet, die sich von drei zu drei Jahren wieder- 
holen sollten. Die erste hätte im September 1835 stattzufinden. Das nieder- 
österreichische Landespräsidium erhielt infolgedessen den Auftrag, die Leitung 
der Organisierung sowie auch die Besorgung der damit verbundenen Agenden 
einer aus Mitgliedern der niederösterreichischen Regierung, des polytechnischen 
Instituts und des Wiener Fabrikanten- und Handelsstandes sorgsam zu wäh- 
lenden Kommission zu übertragen. In diese Kommission wurden unter anderen 
Stephan von Keeß und von den Industriellen Hornbostel, Spörlin, Leitenberger 
und Mack aufgenommen. Zur Bestreitung der Auslagen wurden die erforder- 
lichen Geldmittel aus dem Staatsschatz angewiesen. Zugleich erhielt die Kom- 
mission den Auftrag, nach Beendigung der Ausstellung einen detaillierten 
Bericht über das Resultat zu erstatten und hiebei jene Individuen namhaft zu 
machen, deren eingesendete Erzeugnisse sich durch Schönheit, Vollkommenheit 
und Preiswürdigkeit besonders auszeichneten und Anspruch auf öffentliche 
Anerkennung erheben könnten. 

Kaiser Franz sollte die Ausstellung selbst nicht mehr erleben. Kaiser 
Ferdinand, der während der letzten Vorbereitungen auf den Thron gelangte, 
bewilligte die allgemeine Besichtigung der Ausstellung ohne Eintrittsgeld und 
setzte als Prämien für ausgezeichnete Leistungen goldene, silberne und bronzene 
Medaülen fest. Auch ließ er mehrere Muster aus seiner technischen Sammlung 
in der Ausstellung aufstellen*). 

Damit nicht etwa zu gleicher Zeit veranstaltete Provinzialgewerbeaus- 

1) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 49 ex apr. 1835. — *) A. d. k. k. Fin. Min. 
Kom., Fasz. 29, Nr. 63 ex febr. 1833, Nr. 68 ex majo 1834, Staatsrat 1830, Nr. 249, 1831, 
Nr. 4200. — ») A. d. k. k. Fin. Min. Kom,, Fasz. 29, Nr. 102 ex jan. 1834. — ♦) Bericht über die 
erste allgemeine Gewerbsproduktenausst., Einleitung I — IX; Staatsrat 1835, Nr. 676. 



243 

Stellungen den Erfolg der Zentralausstellung schmälern, wurde vor allem das 
böhmische Gubernium eingeladen, im geeigneten Wege dahin zu wirken, daß 
die für den Monat August desselben Jahres in Aussicht genommene Ausstellung 
in Prag auf das künftige Jahr verschoben und überhaupt dafür gesorgt werde, 
daß während der von drei zu drei Jahren wiederkehrenden Periode der all- 
gemeinen Ausstellungen in Wien keine Provinzialausstellung stattfinde. Der 
letztere Wunsch wurde auch den übrigen Länderstellen bekanntgegeben^). 

Diese Vorsichtsmaßregel war nicht überflüssig, da in Böhmen eine Aus- 
stellung für 1835 schon beschlossen war und in Brunn gerade eifrige Verhand- 
lungen über eine im selben Jahre abzuhaltende Ausstellung gepflogen wurden^); 
Ende 1834 brachte auch noch die illyrische Handelskommission neben anderen 
Abhilfsmitteln gegen die Hindernisse der Entwicklung der Industrie auch die 
Errichtung von Industrievereinen zur Ausstellung von Kunst- und Manufaktur- 
produkten der verschiedenen Provinzen in Antragt). 

Die Ausstellung in Wien hatte einen vollen Erfolg, indem sie 594 Teilnehmer 
zählte. Aus allen Teilen der Monarchie waren Fabrikate eingesendet worden. 
Der Kaiser, die Kaiserin und die Kaiserin-Mutter besuchten die Ausstellung 
zweimal, die Erzherzoge mehrmals. Außer den drei Medaillen wurde als vierter 
Auszeichnungsgrad die ehrenvolle Erwähnung festgesetzt. Viele Gegenstände 
wurden schon während der Ausstellung verkauft, davon zahlre che an die 
Majestäten und Erzherzoge. 

Der Kaiser bewilligte, daß die feierliche Verteilung der Medaillen und 
Nennung der ehrenvoll Erwähnten im Zeremoniensaale der k. k. Hofburg statt- 
finde und beehrte diese Feier, welche am 19. Dezember 1835 stattfand, mit 
seiner Gegenwart^). 

Die Entfaltung von großer äußerer Pracht und die Feierlichkeit, welche 
alle Phasen der Ausstellung begleitete und durch die Teilnahme der Majestäten 
ihren Höhepunkt erreichte, übte zweifellos einen großen Eindruck aus, so daß 
sich von den nächsten Ausstellungen noch viel Größeres erwarten ließ. 

Die nächste Wiener allgemeine Gewerbeausstellung, die im Herbste 1838 Austeilung 
hätte stattfinden sollen, wurde im Mai 1839 abgehalten, einerseits weil dieser ^'*° *^'* 
Monat dafür als günstiger angesehen wurde, anderseits, weil der bald nach 
Schluß der ersten Ausstellung vom Kaiser angeordnete, für alle künftigen Ver- 
anstaltungen dieser Art bestimmte und mit einem Kostenaufwande von 
380.000 fl. C. M. aufgeführte Zubau zum Gebäude des polytechnischen Instituts 
im Herbste 1838 noch nicht vollendet war. War schon durch die Zusammen- 
setzung der Ausstellungskommission der Zusammenhang des polytechnischen 
Instituts mit diesen Veranstaltungen gekennzeichnet, so wurde jetzt auch der 
räumliche Kontakt hergestellt und damit zugleich dasjenige erfiiilt, was schon 
bei Errichtung des Instituts vorgesehen worden war^). 



,x . , , , ^. .,. ,. ^ 1172, 1845, 4627 

^) A. d. k. k. Fin. Mm. Kom., Fasz. 29, Nr. 81 ex febr. 1835, ex 1835. — 

2) Siehe oben S. 235, 237. — =•) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 160 ex febr. 1835. — 
*) Bericht über die Ausstellung, Einleitung VI, IX— XIV. — ') Vgl. oben S. 230, 

16* 



244 

Diese Ausstellung, die 31 Tage (den ganzen Mai 1839) dauerte, hatte eben- 
falls einen vollen Erfolg. Die Räume, 41 Säle umfassend, waren großartig aus- 
gestattet. Deutlich waren die Fortschritte in der Fabrikation seit 1835 zu er- 
kennen. Es hatten diesmal 732 Aussteller Fabrikate und Muster eingesendet. 
Zu den Produkten, die bei den früheren Ausstellungen vertreten waren, waren 
neue hinzugekommen, wie Eisenbahnschienen, Eisenbahnräder und Stearin- 
kerzen. Der Kaiser und sämtliche Mitglieder des Kaiserhauses besuchten die 
Ausstellung öfters und gaben ihrer Freude über ihr glänzendes Gelingen Aus- 
druck. Die Verteilung der Auszeichnungen fand in feierlicher Weise durch den 
niederösterreichischen Regierungspräsidenten am 25. April 1840 im Saale 
des polytechnischen Instituts statt, im Beisein des niederösterreichischen 
Regierungsratsgremiums, der Ausstellungskommission, des Wiener Magistrats, 
von Vertretern des 1839 ins Leben getretenen niederösterreichischen Gewerbe- 
vereines und vieler anderer Notabilitäten^). 

Wie in Böhmen gab auch in Wien die Prämienzuerkennung zu mannig- 
fachen Verdrießlichkeiten Anlaß. Bei der Ausstellung von 1839 fanden bei der 
Beurteilung und Preiszuerkennung mehrfache „Inkonsequenzen, Widersprüche 
und WilLkürlichkeiten" statt, welche die allgemeine Hofkammer veranlaßten, 
die Beschlüsse der Beurteilungskommission einer Revision durch ein eigenes 
Komitee unterziehen und außerdem, mit Rücksicht auf die künftigen Aus- 
stellungen auch die Frage erwägen zu lassen, „ob es nicht zweckmäßiger wäre, 
von der Medaillenverteilung in der bisherigen Weise, welche zu einer Menge von 
Beschwerden und Unzufriedenheit Anlaß gab, abzugehen und statt dessen, im 
Laufe der Zeit, sobald durch Gewerbevereine oder auf anderen Wegen ausge- 
zeichnete Leistungen der Industrie in den Provinzen zur Kenntnis der Staats- 
verwaltung gelangen, Medaillen zu verleihen, die Anerkennung der Verdienste 
um die Ausstellungen selbst aber lediglich dem prüfenden Auge des Publikums 
und den über die Ergebnisse derselben in Druck zu legenden Hauptberichten 
vorzubehalten "2). 

Letzteres wurde nicht durchgeführt, doch ist als Resultat dieser Erwägungen 
anzusehen, daß bei der nächsten Ausstellung eine eigene Hofkommission zur 
Leitung und Organisierung derselben bestellt wurde. 
Ausstellung Da sich der Zeitraum von drei Jahren zur deutlichen Erkennung der indu- 
wien 1845. gtrieUen Fortschritte als zu klein erwiesen hatte, wurde beschlossen, die Aus- 
stellungen erst nach längeren Zeiträumen periodisch zu wiederholen. Durch 
allerhöchste Entschließung vom 30. März 1844 ordnete der Kaiser die Ab- 
haltung der nächsten allgemeinen Gewerbsproduktenausstellung im Mai 1845 



1) Bericht über die Ausst. von 1839, Einleitung, S. III ff.; Staatsrat 1838, Nr. 5575. — 
*) A. d. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 17, 1843, Nr. 714; bei der Revision der angetragenen Aus- 
zeichnungen für die Ausstellung von 1839 wnirden 78 Beschlüsse der Kommission beanständet 
und rückgängig gemacht. (Staatsrat 1840, Nr. 17.) — Beschwerden gegen die Verleihung von 

. , 4142, 5811 
Auszeichnungen im A. d. k. k. Fm. Mm. ex 1839. 



245 

an und bestimmte, daß in Zukunft solche Ausstellungen von fünf zu fünf Jahren 
sieh wiederholen sollten^). 

An der Spitze der Hofkommission, welche eingesetzt worden war, um die 
Ausstellung „auf eine den Wünschen und Interessen der vaterländischen 
Industrie soviel möglich entsprechende Art und Weise zur Ausführung zu 
bringen", stand der Präsident der allgemeinen Hofkammer, Karl Friedrich 
Freiherr von Kübeck, welchem als Stellvertreter der Hofrat und Kommerz- 
referent der Hofkammer Anton Edler von Krauß zur Seite stand. 

Da der für Ausstellungen bestimmte, 1838 vollendete Zubau zum poly- 
technischen Institut mittlerweile der Verwendung zu anderen Zwecken zu- 
geführt worden war, wurden für diese Ausstellung besondere Zubauten auf dem 
Platze vor der Front und in den inneren Hofräumen des Instituts hergestellt. 

Am 8. November 1844 erschien in der Wiener Zeitung die Kundmachung, 
daß die Ausstellung vom 15. Mai bis zum 15. Juli 1845 stattfinden werde. Von 
umfangreichen oder schweren Gegenständen sollen Modelle eingesendet werden. 
Musterkarten seien nur als Ergänzung des Sortiments annehmbar. Die einge- 
sendeten Waren würden von der Übernahme an auf Kosten des Staatsschatzes 
gegen Feuersgefahr versichert werden. Wenn die Ware während der Ausstellung 
verkauft würde, müßte sie dennoch in der Ausstellung bis zu deren Ende ver- 
bleiben. Zugleich wurde hervorgehoben, daß es im Interesse der Aussteller 
selbst sei, mit der Anmeldung zugleich Notizen über ihren Betrieb zu verbinden 
und zwar über Ausdehnung, Alter, lokale Schwierigkeiten, Art und Größe der 
bewegenden Kräfte, Arbeitslöhne und ähnliches. 

Die Hofkommission verstärkte sich dann durch Beiziehung von bewährten 
Industriellen und sonstigen Sachverständigen und fungierte als Beurteilungs- 
kommission. Ihre Mitgheder waren von der Preisbewerbung ausgeschlossen. 

Diese Ausstellung zählte nicht weniger als 1868 Teilnehmer und wurde am 
15. Mai in Anwesenheit des Kaisers feierlich eröffnet. Bei der Besichtigung 
wurden viele Aussteller Seiner Majestät vorgestellt. Diese Veranstaltung war 
die größte österreichische Gewerbeausstellung in der ersten Hälfte des 19. Jahr- 
hunderts. Am 16. Juli fand die feierliche Verteilung der Auszeichnungen in 
Gegenwart des Kaisers statt^). 

Damit hatten die ganz Österreich umfassenden Gewerbeausstellungen in 
der ersten Hälfte des Jahrhunderts einen glänzenden Abschluß gefunden. 

Die innerösterreichischen Gewerbeausstellungen. 

Nach Böhmen war es die Steiermark, welche zuerst größere Gewerbe- 
ausstellungen aufzuweisen hatte. Den Anstoß hiezu gab sonderbarerweise der 
Armenversorgungsverein in Graz. Dieser veranstaltete in den Jahren 1832 und Graz i832 
1833 Industrie- und Gewerbeausstellungen, wobei namentlich die zweite sich ^^ ^^^^' 
einer allgemeinen Teilnahme erfreute. Diese Ausstellungen waren mit einer 
Beurteilungskommission versehen, welche vorzüglichen Leistungen Auszeich- 



1) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 1, 1844, Nr. 761. — *) Bericht über die Ausst. v. 
1845, Einleitung S. 3—41. 



246 

nungen (Medaillen) zuerkannte. Der Erfolg war groß und es wurden Handels- 
verbindungen angeknüft, die sonst noch lange Zeit nicht zustande gekommen 
wären. Infolgedessen wurde das Verlangen allgemein, „dieser so wohltätigen 
Maßregel eine geordnete Einrichtung zu geben "^). Dies führte zur Gründung des 
innerösterreichischen Gewerbevereines mit der statutenmäßigen Bestimmung, 
Gewerbeausstellungen zu veranstalten. 

Klagenfurt Im Jahre 1837 kam der Verein zustande und griff die Idee, periodische 
^^^^- GewerbeaussteUungen zu veranstalten, gleich auf. Die erste fand im Oktober 
1838 in Klagenfurt statt. Sie war ursprünglich für Graz bestimmt, fand jedoch 
in der Hauptstadt Kärntens statt, weil der Kaiser auf seiner Rückreise aus 
Italien diese Stadt und somit auch die Ausstellung zu besuchen in Aussicht 
stellte. Sie wurde am 23. Oktober dem Publikum eröffnet und dauerte 14 Tage. 
Am 18. November erfolgte die Zuerkennung der Auszeichnungen, welche sodann 
am folgenden Tage der Direktor des Vereines, Erzherzog Johann, auf feierliche 
Weise verteilte^). Die Ausstellung zählte 332 Teilnehmer mit 2162 Warenstücken. 
Entsprechend der industriellen Entwicklung Innerösterreichs überwogen die 
Eisen- und Stahlwaren, wobei jedoch die anderen Gewerbezweige auch nicht 
fehlten, sondern durch ihre hauptsächlichsten Unternehmungen vertreten 
waren^). 

Graz 1841. Da nach den Statuten des Vereines alle drei Jahre Ausstellungen statt- 
zufinden hatten, so war die nächste für 1841 bestimmt. Bei der im September 

1840 stattgefundenen Generalversammlung wurde beschlossen, sie im August 

1841 in Graz zu veranstalten. Am 25. August wurde sie im k. k. Konvikts- und 
Universitätsgebäude eröffnet und der Katalog wies 387 Aussteller mit 3407 aus- 
gestellten Produkten in mehr als 10.000 Stücken aus. Jedermann war der Ein- 
tritt frei gestattet. Am 25. August wurde die Ausstellung von Ihren Majestäten 
dem Kaiser und der Kaiserin in Begleitung der Erzherzoge Johann und Albrecht 
besucht und mit großem Interesse besichtigt. Der Kaiser ließ 1600 fl. C. M. aus 
seinem Privatschatze zum Ankaufe mehrerer ausgestellter Produkte anweisen. 
Die Ausstellung dauerte bis zum 8. September und wurde täglich von mehr als 
1000 Personen besucht, worauf am 9. September durch Erzherzog Johann die 
öffentliche feierliche Verteilung der Prämien vorgenommen wurde^). 

Der Charakter der Ausstellung war gleich dem der Klagenfurter, denn es 
herrschten bei weitem die Eisen- und Stahlwaren vor. 

Wie in Böhmen und Niederösterreich so wurden auch hier bald Zweifel 
darüber rege, ob die öffentliche Auszeichnung bei gewerblichen Ausstellungen 
ein geeignetes Förderungsmittel der Industrie sei, wenn auch hier nicht so sehr 
gekränkter Ehrgeiz von Fabrikanten für die Bedenken maßgebend war, als 



1) Staatsrat 1832, Nr. 2624, 1833, Nr. 2599; Göth, Joanneuni, S. 103; Innerösterr. Industrie- 
u. Gewerbsblatt 1839, S. 47; Frankenstein: Fabriksbilderatlas 1842, S. 48 (Vivat), Steiermark. 
Intelligenzblatt zur Grazer Zeitung vom 19. Juni u. 7. Juli 1832, 11. u. 28. Juni 1833. — 
*) Bericht über die Klagenfurter Ausst. v. 1838, Vorwort, S. I— XIII; Protokoll des innerösterr. 
Gewerbevereines 1839, S. 23, 32. — ») Bericht über die Klagenfurter Ausst. v. 1838, Vorwort 
XIII— XVIII, XXI. — «) Bericht über die Grazer Ausst. v. 1841, Einleitung, S. V— XXX. 



247 

vielmehr theoretische Erwägungen. Josef von Asehauer, Professor am Joanneum, 
fühlte das Bedürfnis, diesen Bedenken Ausdruck zu geben, und führte bei der 
Generalversammlung des Vereines aus, er sei überzeugt, daß Belohnungen der 
Fabriksinhaber oder Meister der Industrie so wie dem Publikum auf eine zwei- 
fache Art nachteilig seien. Denn vor allem ist sich der Werkführer oder Geselle, 
so meinte Aschauer, ganz klar bewußt, daß nicht seinem Herrn, sondern nur 
ihm das eigentliche Verdienst an der Vollkommenheit des Fabrikates gebührt, 
wie dies bei vielen Arbeiten der Natur der Sache nach auch nicht anders sein 
kann. Er arbeitet daher bei Gegenständen, welche er zu einer solchen Aus- 
stellung verfertigt, nur darum mit höherem Fleiße, weil er zuversichtlich hofft, 
daß auch er dabei eine persönliche Anerkennung finden werde. Sieht er aber 
in der Folge, daß seiner ebensowenig als eines andern, der gar nicht daran ge- 
arbeitet, Erwähnung geschieht, so wird er mißmutig, läßt im Fleiße nach, ver- 
kleinert nicht selten darüber seinen Meister oder verläßt gar seinen Dienst. 
Durch diese entmutigende Rückwirkung wird also der Beförderung an Aus- 
bildung der Arbeiter und nicht selten auch den belohnten Eigentümern ge- 
schadet. Anderseits wird aber auch das Publikum geschädigt, da die aus- 
zeichnenden Belohnungen in die Zeitungsblätter eingerückt werden und die 
Leser dadurch gleichsam berechtigt werden, die besten Leistungen bei jenen 
Fabrikanten und Meistern zu suchen, welche eine Auszeichnung erhalten haben. 
Nun aber befindet sich vielleicht der Arbeiter, der die Auszeichnung eigentlich 
verdient hätte, nicht mehr in dieser Fabrik, worüber jedoch der Besteller gar 
nicht unterrichtet ist. Dadurch wird dieser geschädigt, die Kundmachungen 
des Vereines verlieren das öffentliche Vertrauen und damit auch der Verein selbst, 
wodurch seine Bestrebungen, die Industrie zu fördern, wesentlich erschwert 
werden können^). Bei aller scheinbaren theoretischen Richtigkeit dieser Argu- 
mente und trotz des Ansehens Aschauers ist es ganz begreiflich, daß er mit 
diesen, der persönlichen Initiative der Unternehmer so wenig Bedeutung zu- 
sprechenden Ansichten nicht durchdrang und es auch weiterhin bei der Prämien- 
verleihung an die Unternehmer verblieb. 

Die dritte von diesem Verein abgehaltene Ausstellung war die Laibacher Laibach 
von 1844. Die Direktion des Vereines erließ unter dem 12. Jänner 1844 die ^^**' 
diesbezügliche Kundmachung und lenkte die Aufmerksamkeit der Fabriks- 
besitzer und Gewerbetreibenden sämtlicher Vereinsprovinzen ganz besonders 
auf den Umstand, daß eine öffentliche Gewerbeausstellung in Laibach wegen 
der Nähe des bedeutendsten Hafens der Monarchie vielen die namhaftesten 
Vorteile zur Anknüpfung neuer Geschäftsverbindungen bieten dürfte. Die 
Stände Krains überließen zu diesem Zwecke unentgeltlich die geräumigen 
Redoutensäle. Die Ausstellung wurde am 3. September eröffnet. Der Katalog 
wies 284 Teilnehmer mit 4287 Nummern auf. Von den Ausstellern entfielen 
auf Krain 199, Kärnten 31, Steiermark 28, Ober- und Niederösterreich 25, 
das Küstenland 1. Da die Redoutensäle nicht hinreichten, wurden auch die 
Räume im gegenüberliegenden Virantschen Hause zu ebener Erde zur Auf- 



^) Protokoll des innerösterr. Gewerbevereines 1841, S. 39 f. 



248 

Stellung der Produkte verwendet. Am 5. September wurde die Ausstellung vom 
Kaiserpaar und dem Vereinsdirektor Erzherzog Johann besucht. Der Kaiser 
erkundigte sich über den Betrieb einzelner Fabriken und ordnete den Ankauf 
mehrerer ausgestellter Stücke für sein technisches Kabinett an. Auch die 
Kaiserin und Erzherzog Johann besorgten verschiedene Ankäufe. Der Andrang 
des Publikums war bis zum Schluß der Ausstellung am 20. September sehr groß. 
Die feierliche Verteilung der Preise fand am 17. Oktober durch den Vereins- 
direktor statt^). 
Linz 1847. Nach weiteren drei Jahren folgte als letzte Ausstellung des Vereines in der 
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 1847 die zu Linz. Am 1. September er- 
folgte ihre feierliche Eröffnung. Die Zahl der Aussteller belief sich auf 344 mit 
7748 ausgestellten Gegenständen. Der Andrang des Publikums war sehr stark; 
unter den Besuchern befanden sich auch mehrere Erzherzoge, darunter der 
Vereinsdirektor, Erzherzog Johann, welcher am 30. September im Marmor- 
saale des Landhauses die Verteilung der Auszeichnungen vornahm^). 
steyii84i. Nicht ohuc Zusammenhang mit diesem Vereine, der zu Stejr ein Man- 
datariat hatte, ist auch die im Dezember 1841 in Steyr abgehaltene Ausstellung. 
Zu Ehren des Erzherzogs Johann wurde in kaum 10 Tagen eine Sammlung von 
200 Teilnehmern mit fast 2000 Nummern, hauptsächlich Stahl- und Eisenwaren, 
aufgestellt und am 1. Dezember eröffnet^). 

Erzherzog Johann beschränkte sich nicht darauf, für die innerösterreichische 
Industrie im Inland auf das eifrigste zu wirken, er trachtete ihr auch beim 
Exporte, namentlich in die Levante, behilflich zu sein. Als er 1837 eine Orient- 
reise unternahm, beauftrage er die Vereinsdirektion, alle Vorkehrungen zu 
treffen, damit in möglichst kurzer Zeit Muster der vorzüglichsten Industrie- 
erzeugnisse Innerösterreichs nach Triest zur Einschiffung nach Odessa gebracht 
werden. Dies geschah auch, und der Erzherzog verteilte die Muster, namentlich 
an die Konsulate in Südrußland und der Türkei, damit sie diese daselbst ge- 
legentlich vorzeigen, ausstellen und überhaupt zur Förderung des Exportes aus 
Innerösterreich benützen. Die größten Verdienste erwarb sich dabei der öster- 
reichische Minister zu Athen von Prokesch-Osten, indem er das in Athen an- 
gesiedelte Handelshaus G. Faber mit der Ausstellung solcher Muster inneröster- 
reichischer Fabrikate in Syra, Athen und Nauplia beauftragte, Bestellungen 
darauf zu nehmen ermächtigte und zur Gründung einer Niederlage inner- 
österreichischer Fabrikate ermunterte*). 

Die österreichischen Industriellen begnügten sich nicht damit, ihre Pro- 
dukte im Inlande auszustellen, sie griffen vielmehr über die Grenzen 



*) Bericht über die LaibacherAusst. 1844, S. V — XXI. Ausführliche Berichte darüber auch 
in „Kmetijske in rokodelske novice" 1844, S. 162 f., 166, 169, 174, 178 f., 182 f., 186, 190 f., 
194 f., 199, 202 f., 206. — *) Verzeichniß usw. der Linzer Ausstellung; Allgemeines Industrie- 
und Gewerbeblatt (früher Innerösterr. Industrie- u. Gew. Bl.) 1847, S. 296, 304, 312, 335, 339. 
— ') Innerösterr. Industrie u. Gew. Bl. 1845, S. 271. — *) Protokoll des innerösterr. Gewerbe- 
vereines 1838, S. 22f. Vgl. auch oben S. 220, Anm. 1. 



249 

der Monarchie hinaus und beteiligten sich eifrig an ausländischen Aus- 
stellungen^). 

In Pest fanden in den vierziger Jahren Ausstellungen ungarischer Industrie- unganeche 
erzeugnisse statt (die erste 1842)2). ausSul- 

Die Geschichte der österreichischen Industrieausstellungen am Ende des gen. 
18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt ein schönes Bild, wie 
die Staatsverwaltung ihre Pflicht und Aufgabe gegenüber der Industrie, um 
ihre Entwicklung zu fördern, so weit als möglich auffaßte, wie sie es als in 
ihren Wirkungskreis gehörig betrachtete, selbst Industrieausstellungen ein- 
zuleiten und zu organisieren. Die meisten und gerade die vorzüglichsten Ver- 
anstaltungen dieser Art waren auf Staatskosten und von staatlichen Behörden 
in die Wege geleitet und durchgeführt, alle übrigen aber von denselben aufs 
weitestgehende gefördert worden. 

Nicht geringere Bewunderung verdient der Eifer und die Bereitwilligkeit, 
mit welcher die Monarchen und die übrigen Mitglieder des kaiserlichen Hauses 
diese Repräsentationsfeste der Industrie förderten und durch ihren hohen 
Besuch und durch sonstige Auszeichnungen den Eifer und das Ansehen der 
Industrie zu heben nicht wenig beitrugen. 

XII. Kapitel. 
Das Privilegienrecht. 

Schon frühzeitig wurden zur Förderung der Industrie in Österreich aus- 
schließende Rechte, privilegia privativa, verliehen, ohne daß darüber bestimmte 
rechtliche Normen bestanden hätten. Zu einem gesetzlichen Privilegienrechte 
hat es erst die Zeit Franz' I. gebracht. 

So bestritten auch die Frage der Berechtigung von ausschließenden Privi- 
legien sein mag, es läßt sich doch nicht leugnen, daß die Aussicht auf die aus- 
schließliche Verwertung eines wichtigen gewerblichen Erzeugnisses zu Erfin- 
dungen anregt und auf diese Weise der Industrie nützlich wird. Daß das erste 
wirkliche Patentgesetz Österreichs unter Franz I. zustande kam, ist einerseits 
durch den großen Aufschwung, den die Industrie in jener Zeit durch das Auf- 
kommen von allerlei Maschinen, vor allem der Dampfmaschinen, nahm, leicht 
erklärlich, zeigt aber anderseits auch, wie die Staatsverwaltung in dieser 
Periode kein Mittel übersah, welches zur Förderung der industriellen Ent- 
wicklung in Betracht kommen konnte. 

Das älteste bisher bekannte Patent in Österreich wurde 1560 erteilt. Im 
16. und 17. Jahrhundert wurden Privilegien nur sehr selten verliehen und 
waren ein reiner Ausfluß des Hoheitsrechtes des Monarchen. Unter Karl VI. 
nahmen sie an Zahl wesentlich zu, um aber unter Maria Theresia unter dem 
Einflüsse der physiokratischen Lehren wieder seltener und an die Bedingung 



1) Vgl. z. B. Katalog der GewerbeaussteUung in Berlin 1844, S. 159 ff., 206. — ») Staats- 
rat 1844, Nr. 903; innerösterr. Industrie- u. Gew. Bl. 1843, S. 288, 1845, S. 296; L. Kossuth, 
Bericht über die I. ung. Gewerbeausst. im J. 1842. — Vgl. auch S. 224. 



250 

einer behördlichen Vorprüfung über die Neuheit und Gemeinnützigkeit der 
Erfindung geknüpft zu werden^). 

In der Zeit vor Maria Theresia wurden an Fabriken Privilegien verliehen, 
welche aber neben dem Recht auf die ausschließende Erzeugung von Waren 
in einem bestimmten Bezirk auch zahlreiche andere Vorrechte, wie Befreiungen 
von Militärlasten, Niederlagsrechte und anderes zum Inhalt hatten^). Schon 
Maria Theresia verlieh jedoch in der zweiten Hälfte ihrer Regierung, von dem 
Grundsatze der Schädlichkeit aller „Privativa" ausgehend, nur mehr Fabriks- 
privilegien ohne ausschließende Rechte^). Trotzdem erhielt sich die Bezeichnung 
Fabriksprivilegium ebenso wie die Benennung k. k. privilegierte Fabrik auch 
weiterhin, obwohl diese Fabriksbefugnis mit einem ausschließenden Rechte 
gar nichts mehr gemein hatte. 

Lange blieb noch das Gefühl übrig, daß mit einem Fabriksprivilegium ein 
ausschließendes Recht verbunden sei, so daß noch unter Josef IL bei Erteilung 
eines Fabriksprivilegiums hie und da die Bemerkung für notwendig erachtet 
wurde, es werde ein Privilegium verliehen „auf nämliche Art, wie solches andere 
Fabriken ohne einigen Privativo erhalten"*). 

Die Zeit Kaiser Josefs war den ausschließenden Privilegien auch nicht 
günstig. Einzelnen Erfindungszweigen, wie insbesondere den Spinn- und anderen 
Maschinen, ,,ohne deren Existenz sich Tausende ihren Unterhalt verschaffen", 
Holdekret wurde ciu Erfinderschutz überhaupt versagt^). Durch Hofdekret vom 30. August 
Y'" 1785 wurde ausdrücklich bestimmt: ,,auf dergleichen Manufakturen, welche 
1785. üi das Große gehen und von dem gemeinen Mann gebraucht werden, sollen 
keine Privativa ertheilet, wohl aber mögen solche auf Putz und Prachtwaren 
durch einige Jahre bewilliget werden, wenn nemlich solche nicht in bloß vorüber- 
gehenden Moden bestehen" (§ 4)^). Dies ist das erste österreichische Gesetz, 
welches, wenn auch nur vage Richtlinien, welche die Behörden bei Verleihung 
von Alleinrechten einhalten sollten, festsetzte. 

Erst unter Leopold IL wurden die Privilegienverleihungen zahlreicher. 
Da ein eigentliches Privilegiengesetz noch nicht bestand, wurden bei Verleihungen 
wie bei anderen kaiserlichen Gnadenakten feierliche Urkunden veröffentlicht. 
Auch wurden, gleichsam als Rechtfertigung, die Gründe angegeben, welche den 
Monarchen dazu bewogen hatten. So heißt es in einer Verleihungsurkunde vom 
6. Mai 1790, durch welche ein Privilegium auf eine Streich- und Spinnmaschine ver- 
liehen wurde: „da Wir nun in Rücksicht genommen, daß diese mit vieler Kunst 
verfertigte Streich- und Spinnmaschine zur weiteren Aufnahme und zum be- 
sonderen Vorteil der Floretseide-, Flachs- und auch Baum- und Schaf woU- 
manufaktur in unseren Erblanden gereichen kann und dabei auch erwogen haben, 

wie billig es sei, daß sich gedachter der darauf verwendeten Mühe und 

Kosten halber erhole, mithin zur Belohnung diese seine Maschine durch einige 
Zeit allein benutzen möge" .... In der Urkunde über ein am 10. Februar 1791 



^) Beck, Art. Patentrecht im österr. Staatswörterbuch, II. Aufl. (1907). — ^) Vgl, oben 
S. 127 ff. — ä) Vgl. auch Harkup, Beiträge zur Gesch. der Handels- u. Gewerbeverf., 21 f. — 
*) Staatsrat 1783, Nr. 2971. — '') Beck.a. a. 0., Harkup, a. a. 0. 30 f. — «) Pol. Ges. Samml. 



251 

verliehenes Privileg auf eine Hanfverfeinerungsmaschine heißt es ähnlich: „da 
Wir nun in Erwägung genommen, daß erwähnter Inhaber der Fabrik einen an- 
sehnlichen Aufwand auf deren Errichtung gemacht hat und es biUig ist, ihm 
zu einiger Entschädigung einen Vorzug vor jenen zu geben, welche sich bloß 
der Nachahmung befleißen" . . .^). 

Zu einem gesetzlich geregelten Erfinderschutze brachte es erst die Zeit 
Franz' I. 

Anfangs wurden noch jedesmal die Gründe angeführt, warum das Allein- 
recht verliehen wurde, meistens die Berücksichtigung des Aufwandes zur Er- 
findung und Erzeugung des Gegenstandes, das Vorrecht des Erfinders vor den 
Nachahmern und ähnliches^). In einer Privilegiumsurkunde vom 15. Februar 
1794 kommt zum erstenmal die Bestimmung vor, daß die Modelle und Pro- 
gramme des patentierten Gegenstandes aufbewahrt werden sollen, um bei 
Streitigkeiten verw^endet werden zu können^). 

Durch Verordnung vom 24, Dezember 1794 wurde bestimmt, daß Pri- verordnun? 
vilegien hauptsächlich verliehen werden sollen auf nützliche Maschinen oder ^^°^^^ 
ganz neue Fabrikate und auf kostspielige Unternehmungen, durch welche neue, 1794. 
die inländische Betriebsamkeit befördernde Manufakturen zustande gebracht 
werden*). 

Der Standpunkt, auf welchem die Staatsverwaltung diesbezüglich in dieser 
Zeit stand, erhellt deutlich aus der Privilegiumsurkunde, welche einem gewissen 
Karl Leopold RöUig auf ein von ihm erfundenes musikalisches Instrument, 
Orphica genannt, unter dem 10. April 1795 ausgestellt wurde. Darin heißt es 
unter anderem: „Da Wir uns nun jederzeit geneigt finden, nützliche Unter- 
nehmungen oder auch neue Erfindungen mit Unserem höchsten Schutze zu 
unterstützen, auch ihren Urhebern die Früchte und Verwendung ihrer Arbeit 
genießen zu machen und da, nach der von den Geigen-, Lauten- und Instru- 
mentenmachern geschehenen Bestätigung, daß das von Karl Leopold RöUig 
erfundene musikalische Instrument wirklich eine neue Erfindung sei, auch nicht zu 
bezweifeln ist, daß er RöUig beträchtliche Ausgaben zu bestreiten gehabt habe, 
bis dieses neue Instrument von ihm bis zu der Stufe der Vollkommenheit, die 
es erreicht hat, gebracht worden ist, so haben Wir in dieser Voraussetzung 
keinen Anstand genommen, dem alleruntertänigsten Gesuche desselben über 
den Uns von Seite Unseres Directoriums in cameralibus & publico politicis in 
dieser Angelegenheit erstatteten Vortrag gnädigst zu willfahren und ein aus- 
schließendes Privilegium ihm und seinen Erben, Legataren und Cessionaren 
vom heutigen Datum an zu rechnen auf acht Jahre unter folgenden Bedingungen 
zu verleihen: 1. Soll er seiner eigenen Erklärung gemäß gehalten sein, die von 
ihm erfundene sogenannte Orphica nur von ordnungsmäßig berechtigten In- 
strumentenmachern verfertigen zu lassen; doch ist er nicht eben an die hiesigen 
Instrumenten macher allein gebunden, sondern es steht ihm frei, sich auch 

1) Pol. Ges. Samml. — «) Vgl. Pol. Ges. Samml., 1792, Mai 25., Aug. 20., 1793, Okt. 28, 
1794, März 22. — ") Pol. Ges. Samml. — *) Statth. A. Wien, Normalien, 1810, A. 66, Nr. 4634. 
In Pol. Ges. Samml. nicht enthalten. Barth, a. a, 0., II, 402; Beck, a. a. 0. 



252 

anderer befugter Instrumentenmacher in Unseren Erblanden zu bedienen. 
2. Hat derselbe einen genauen Abriß des von ihm erfundenen Instruments 
nebst einer umständliehen Beschreibung desselben bei Unserer niederösterrei- 
chischen Landesregierung zu hinterlegen, damit bei einer entstehenden Streitig- 
keit beurteilt werden könne, ob und inwieweit das etwa von einem anderen ver- 
fertigte ähnliche Instrument mit jenem des Erfinders übereintreffe, mithin ob 
der Fall der Verletzung des Privilegiums vorhanden sei"^). 

Es bestand somit damals das System der Vorprüfung auf die Neuheit und 
Nützlichkeit der Erfindung hin. Noch deutlicher ist dies in der Urkunde vom 
7. August 1795 ausgedrückt mit den Worten: „Da Wir nun über die durch die 
Behörde angestellten Proben, auch die dabei wirklich bewiesene Nutz- 
barkeit .... dem Gesuche zu willfahren Uns entschlossen haben" . . .^). 

Die Dauer des Alleinrechtes war nicht immer gleich, sondern wurde für 
jeden Fall besonders bestimmt, wobei über 15 Jahre nicht hinausgegangen 
wurde^). 

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden in Zusammenhang mit mehreren 
Gesuchen um Privilegien auf Spinnmaschinen durch Hofdekret vom 14. April 
1802 Verhandlungen wegen Erlassung eines Privilegiengesetzes angeordnet, 
somit wegen Erlassung allgemeiner Normen, nach welchen bei Privilegien- 
gesuchen künftighin vorgegangen werden sollte. Im Jahre 1802 und 1803 
wurden alle Länderstellen aufgefordert, ihre Gutachten über die Grundsätze 
bei Behandlung von Privilegiengesuchen abzugeben. Die Verhandlungen zogen 
sich, da die Länderstellen ihrerseits die unteren Behörden befragten und alle 
Fragen erschöpfend behandelten, sehr in die Länge*). Bis zur Zustandebringung 
und Erlassung des neuen Privilegienpatents von 1810 blieb alles beim Alten, 
es wurde für jeden einzelnen Fall wie bis dahin eine feierliche Urkunde mit 
Anführung aller Gründe der Verleihung ausgestellt^). 
Privilegien- Das Privücgienpatent vom 16. Jänner 1810 war das erste Privilegiengesetz 
p»tent von Österreichs. Es bestimmte vor allem, daß ausschließende Rechte hauptsächlich 
auf Maschinen und Erfindungen im Fache der Mechanik zu erteilen seien. Bei 
Erfindungen, welche in die Chemie einschlagen, sei behutsamer vorzugehen, 
weil es bei denselben Schwierigkeiten unterliege, die Erfindung genau zu indivi- 
dualisieren. Auf Erfindungen auf dem Gebiete der Landwirtschaft sollen über- 
haupt keine Privilegien erteilt werden, weil die zur Verbesserung des Landbaus 
bestimmten Erfindungen zu gemeinnützig, zu sehr „der allgemeinen Offen- 
barung" unterworfen und überhaupt schon ihrem Wesen nach zu wenig zum 
ausschließenden Gebrauche geeignet seien, um Gegenstand eines Privilegiums 
zu werden. Die Verleihung erfolgte immer durch den Kaiser. Das System der 
Vorprüfung wurde aufrecht erhalten, jedoch mir insoweit, als die politische 



1) Pol. Ges. Samml. — «) Pol. Ges. Samml. — ") Vgl. Pol. Ges. Samml., 1792, Mai 25., 
1793, Okt. 28., 1794, März 22., 1804, Okt. 28. — *) Harkup. a, a. 0. 32; die umfangreichen Ver- 
handlungsakten befinden sich H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 72, Nr. 29 ex mart. 1810; St. A. 
Wien, 1810, NormaUen, A 66, Nr. 4634. — Vgl. oben S. 185. — «) Vgl. Pol. Ges. Samml. 1804, 
Okt. 28. 



253 

Landesstelle berufen war, zu entscheiden, ob die Erfindung zur Privilegierung 
geeignet sei oder nicht. Hingegen fiel die früher üblich gewesene Befragung 
aller Länderstellen, um festzustellen, ob die Erfindung neu sei, hinweg. Als 
Höchstdauer des Alleinrechtes wurden 10 Jahre festgesetzt. Zum erstenmal 
wurde hier auch die Entrichtung von Taxen vorgesehen^). 

Im Jahre 1817 wurde angeordnet, daß, so oft es sich um die Würdigung 
einer mechanischen Erfindung handelt, immer auch das Gutachten des poly- 
technischen Instituts eingeholt werden solP). 

Um auch ausländische Erfindungen dem inländischen Gewerbefleiße 
nützlich zu machen, ordnete der Kaiser 1814 an, daß die Gesandten alle Er- 
findungen auf dem Gebiete „der Künste und Industrie", von welchen sie Kunde 
erhalten, an die Hof- und Staatskanzlei mitteilen soUen^). 

Nach der Vereinigung, beziehungsweise Wiedervereinigung des lombardisch- 
venezianischen Königreiches mit der Monarchie mußte, da in Oberitalien das 
auf dem reinen Anmeldeverfahren beruhende französische Privilegiengesetz 
galt, um eine einheitliche Behandlung in der ganzen Monarchie zu ermöglichen, 
das Gesetz geändert werden*). Es wurden wiederum umfassende Beratungen 
vorgenommen, wobei sich auch die Notwendigkeit herausstellte, das Privilegien- 
wesen durch das neue Gesetz derart zu regeln, daß es ermöglicht werde, aus- 
ländische Erfindungen mit ausländischen Kapitalien ins Inland zu verpflanzen. 

Dieses neue Patent vom 8. Dezember 1820 bedeutet gegenüber dem früheren Patent vom 
einen wesentlichen Fortschritt. Danach sind zur Erlangung eines ausschlie-^-^®''-^®^®- 
ßenden Privilegiums aUe neuen Entdeckungen, Erfindungen und Verbesserungen 
des In- und Auslandes im Gesamtgebiete der Industrie geeignet, es möge das Pri- 
vilegium von einem In- oder Ausländer angesucht werden (§ 1). Besonders 
wichtig sind die Bestimmungen des § 11, welche den Inhalt des Alleinrechtes 
demjenigen einer Landesfabriksbefugnis näherten, wobei das Privilegium 
einerseits zeitlich auf die Dauer von höchstens 15 Jahren begrenzt, ander- 
seits aber im Gegensatze zur Landesfabriksbefugnis verkäuflich, vererblich 
und jeder anderen Verfügung fähig war. „Der Privilegierte ist berechtigt, alle 
jene Werkstätten zu errichten und jede Art von Hülfsarbeitern in dieselben 
aufzunehmen, welche zur vollständigen Ausübung des Gegenstandes seines 
Privilegiums in jeder beliebig weitesten Ausdehnung nötig sind, folglich überall 
in der Monarchie Etablissements und Niederlagen zur Verfertigung und zum 
Verschleiße des Gegenstandes des Privilegiums zu errichten und andere zu 
ermächtigen, seine Erfindung unter dem Schutze seines Privilegiums auszuüben, 
beliebige Gesellschafter anzunehmen, um seine Erfindung zu benutzen^), nach 
jedem Maßstabe zu vergrößern, mit seinem Privilegium selbst zu disponieren, es 
zu vererben, zu verkaufen, zu verpachten oder sonst nach Belieben zu veräußern 
und auch im Auslande auf seine Erfindung ein Privilegium zu nehmen" (§11). 



1) Statth. A. Wien, Normalien, 1810, A 66, Nr. 4634; Pol. Ges. Samml. — ») Barth, a. a. O., 
IV, 126. — ") H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 29, Nr. 3 ex sept. 1814. — *) Harkup, a. a. 0., 38, 
51 ff. ; Krauß, Geist der österr. Gesetzgebung usw. Einleitung. — ^) Auch Aktiengesellschaften 
zu diesem Zwecke zu gründen (Kommerzhofkommissionsdekret v. 15. Okt. 1821). 



254 

Die Regierung hatte sich in keine Voruntersuchung über die Neuheit und 
Nützlichkeit der Erfindung einzulassen (§ 6). 

Zum Zwecke der Hereinziehung ausländischer Erfindungen und auslän- 
dischen Kapitals wurde das Patent in die französische und englische Sprache 
übersetzt und durch die Gesandtschaften und Konsulate verteilt^). 

Durch Hofkanzleidekret vom 4. Jänner 1821 wurde das neue Patent den Län- 
derstellen bekanntgegeben mit dem Auftrage, zu veranlassen und dafür zu sorgen,. 
daß nicht nur die Kreisämter und sonstigen Behörden, welche auf die Ausführung 
des Privilegiensystems irgend einen Einfluß zu nehmen haben, sondern auch 
hauptsächlich „der Gewerbs- und Fabrikantenstand, dessen vorzügliches Inter- 
esse das neue System beseelt", in hinreichende Kenntnis desselben gelangen^). 

Nach diesem Gesetze wurden unzählige Alleinrechte auf allen Gebieten der 
Industrie verliehen. Auf Grund der dabei gesammelten Erfahrungen wurde 
durch allerhöchste Entschließung vom 20. Februar 1827 eine Eevision des 
Patentes angeordnet, welche aber, da es sich bewährt hatte und der Erfindungs- 
geist während seiner Geltung große Fortschritte gemacht hatte, nur geringe 
Änderungen zur Folge hatte. Das Resultat dieser Revision war das Patent vom 
Patent vom 31. März 1832, wclches im wesentlichen mit dem vorigen übereinstimmte. Die 
31. März -wichtigste Änderung enthielt § 2, wonach auf die Bereitung von Nahrungs- 
mitteln, Getränken und Arzneien keine Privilegien mehr verliehen werden 
sollten^). Dieses Patent blieb bis 1852 in Geltung*). 

Als seit dem Anfange der dreißiger Jahre die Zuckerfabrikation aus Runkel- 
rüben in Österreich festen Fuß faßte, da wurde, um Privilegienerteilungen auf 
diesem Gebiete zu ermöglichen, durch allerhöchste Entschließung vom 9. Mai 
1834 angeordnet, daß der § 2 des Privilegienpatentes von 1832 auf die Erzeugung 
und Raffinierung von Zucker nicht anzuwenden sei^). 

Seit Februar 1829 erfolgte, infolge kaiserlicher Ermächtigung, die Ver- 
leihung von Privilegien und die Bewilligung von Fristverlängerungen von der 
allgemeinen Hofkammer selbst*). 

Besonders erwähnenswert ist noch das Hofdekret vom 6. Mai 1824, wonach 
bei der Erwerbsteuerbemessung gegenüber Inhabern ausschließender Privilegien 
diejenige Schonung zu beobachten sei, welche neue Erfindungen wegen der 
Hindernisse, mit denen sie zu kämpfen haben, verdienen'). 

Auch wurden Inhaber von Privilegien bei Reisen in das Ausland von der 
Entrichtung der Reise-Lizenztaxe befreit und in dieser Beziehung den Fabri- 
kanten, welche in Fabriksangelegenheiten und um neue Entdeckungen zu 
machen. Reisen unternahmen, gleichgestellt^). 



^) Pol. Ges. Samml.; H. K. A. Kom. Kom., Fasz. 29, Nr. 117 ex aug. 1821, Nr. 73 ex 
apr. 1824. — *) Statth. A.Wien, Normalien, 1821, A 1, Nr. 4003. — ") Akten darüber H. K. A. 
Kom. Kam., Fasz. 29; A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 29, Nr. 77 ex apr. 1832; Pol. Ges. 
Samml. ; Krauß, Geist der österr. Gesetzgebung usw. — *) Beck, a. a. 0. — *) Statth. A. Wien, 
Normalien, 1834, AI, Nr. 35642. — «) Hofkaramerdekret vom 11. Febr. 1829; Harkup, a. a. 0., 
171; Krauß, a. a. 0. 157. — ') Kopetz, a. a. 0., II, 76; Harkup, a. a. 0. 188 ff. — «) Harkup, 
a. a. 0. 234 ff. — Vgl. auch oben S. 7. 



255 

Diese Verfügungen zeigen auch, wie sehr die Staatsverwaltung bestrebt 
war, neue Erfindungen möglichst zu begünstigen. 

Daß die Verleihung von Alleinrechten einem wirklichen Bedürfnisse der 
Industrie entsprach und ohne Zweifel anregend und aneifernd wirkte, zeigt 
schon die unermeßliche Zahl der Privilegiengesuche und Verleihungen, nament- 
lich seit dem dritten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. 

XIIL Kapitel. 

Verhandlungen wegen Einführung eines gesetzlichen Schutzes von gewerb- 
lichen Mustern. 

Als sich seit dem Anfange des 19. Jahrhunderts die Mode immer mehr 
geltend zu machen begann und die Industrie sich nach dem heiTschenden Ge- 
schmacke richten mußte, da gewann der Erfindungsgeist der Industriellen und 
besonders der Zeichner der Textilfabriken eine immer größere Bedeutung. 
Wem es gelang, mit einem neuen Muster besonderen Anklang zu finden, der 
konnte auf guten Gewinn rechnen, vorausgesetzt, daß nicht ein Konkurrent 
das Muster bald kopierte. Letzteres kam auch sehr häufig vor. Dies mußte 
eine um so schlechtere Wirkung auf die Textilindustrie ausüben, als sich dadurch 
der Reiz zur Einführung neuer Muster verringern und es sich namentlich jeder 
Industrielle wohl überlegen mußte, sich neue, aussichtsvolle Muster um teueres 
Geld zu verschaffen, solange diese schutzlos von jedem Fabrikanten nach- 
gemacht werden durften. 

Aus diesen Gründen begannen die großen österreichischen Textilfabrikanten, 
und zwar vorerst die Baumwollfabrikanten, bei welchen ja Modemuster am 
meisten in Betracht kamen, bald an die Durchsetzung eines staatlichen Muster- 
schutzes zu denken. Waren doch in Frankreich schon 1787 und 1806 Muster- 
schutzgesetze ergangen und auch in England reichen die Anfänge einer solchen 
Gesetzgebung in das 18. Jahrhundert zurück^). 

In Österreich regten zum erstenmal die Baumwollfabrikanten im Jahre 1817 i8i7. 
die Idee an, es möge zur Aneiferung des Erfindungsgeistes ein gesetzlicher Muster- 
schutz eingeführt werden. Doch war die Zeit damals dafür noch nicht gekommen. 
War doch die Staatsverwaltung damals vollauf damit beschäftigt, alle lästigen 
Beschränkungen, welche der Entwicklung der Industrie entgegenstanden, all- 
mählich zu beseitigen und der Gewerbefreiheit die Wege zu ebnen. Daß sich 
dieselbe Staatsverwaltung zur Einführung einer neuen, in Österreich bis dahin 
unbekannten Beschränkung herbeilassen würde, war daher von vornherein 
unwahrscheinlich. So meinte denn auch die Kommerzhofkommission, der ver- 
langte Musterschutz würde nichts anderes bedeuten, als eine sehr lästige Be- 
schränkung und eine ganz überflüssige Ausdehnung der für die freie Entwick- 
lung der Industrie ohnehin anerkannterweise nachteiligen und nur durch die 
Wichtigkeit einer Erfindung zu rechtfertigenden Alleinrechte^). 



^) Maresch, Art.: Muster- u. Modellschutz im österr. Staatswörterbuch, II. Aufl. (1907). 
— ») H. K. A. Kom. Praes., 1817, Nr. 614. 



256 

Durch diese Entscheidung war die Angelegenheit für lange Zeit erledigt. 
Die Mißstände, welche diese Forderung hatten reifen lassen, wurden jedoch 
1825. immer ärger. Daher kamen die Baumwollfabrikanten im Jahre 1825 wieder auf 
diese Frage zurück und baten um Erlassung einer Vorschrift, wonach der Nach- 
druck von Mustern im Inneren der Monarchie für die Frist eines Jahres verboten 
würde. Es solle durch eine allgemein verbindliche gesetzliche Anordnung be- 
stimmt werden, daß jeder Druckfabrik, ja selbst jedem einzelnen befugten 
Drucker, welcher sein neues Muster an dem zu bestimmenden gemeinschaft- 
lichen Orte entweder offen oder versiegelt hinterlegt, von dem Tage des amtlich 
anzumerkenden Erlages der Alleingebrauch des neu erfundenen Dessins durch 
ein volles Jahr dergestalt gesichert sein solle, daß jede Druckunternehmung, 
welche eine solche Zeichnung während der Schutzfrist nachdrucken würde, 
eine angemessene Geldstrafe an die Staatskasse zu entrichten hätte. 

Die darüber befragte Fabrikeninspektion meinte, das Begehren der Fabri- 
kanten sei weder ausführbar noch notwendig. Nicht ausführbar, weil ja mehrere 
Fabriken die gleichen Dessins aus dem Ausland erhalten können und dann die 
Frage unmöglich zu beantworten sei, wer die Priorität habe. Schon seit 79 Jahren 
bestünden Kottonmanufakturen im Inlande, ohne daß sich bisher diese Not- 
wendigkeit ergeben hätte, obwohl sie früher die Dessins immer aus dem Aus- 
lande bezogen, während jetzt die größeren Fabriken ihre eigenen Dessin- 
zeichner hätten. Wie sollen denn übrigens die Fabriken benachrichtigt werden, 
welche Muster verboten seien, weil eine Fabrik sie zuerst angemeldet habe? 
Auch müßten die großen Kosten in Erwägung gezogen werden, welche bei 
Einführung des Musterschutzes durch Vermehrung des Beamtenpersonals 
entstehen würden. 

Die niederösterreichische Regierung schloß sich der ablehnenden Ansicht 
der Fabrikeninspektion an. Denn der Ansporn bestehe bei den großen Fabriken 
eben im Nachdruck, indem sie dazu getrieben werden, immer neue Muster zu 
erfinden. Sonst würden die kleinen Fabriken und einzelnen befugten Drucker 
untergehen. Deshalb sei das Ansuchen der Fabrikanten zurückzuweisen. 

Das polytechnische Institut, welches auch um seine Ansicht befragt worden 
war, hatte dieselben Bedenken. Darauf wandte sich die Hofkammer im De- 
zember 1825 an die Hof- und Staatskanzlei mit der Bitte, im Wege der Gesandt- 
schaft in Paris in Erfahrung zu bringen, wie der Musterschutz in Frankreich 
organisiert sei. Im Jahre 1827 teilte die Staatskanzlei das Gesetz, welches in 
Frankreich zum Schutze der Muster erlassen wurde, der Hofkammer mit und 
beauftragte zugleich den Generalkonsul von Rothschild, über die Details aus- 
führlichere Daten zu sammeln und zu berichten^). 
1841. Die Angelegenheit schlief jedoch wieder ein und kam erst 1841, anläßlich 

eines besonderen Falles, der sich in Böhmen ereignet hatte, wieder in Fluß. 
Jetzt wurde auch die Frage erörtert, ob die eigenmächtige Entziehung und Be- 
nützung neuer Fabriksmuster nicht strafrechtlich verfolgt werden könnte. 



^) H. K. A. Korn. Kam., Fasz. 42, Nr. 53 ex raart., Nr. 117 ex sept., Nr. 128 ex dec. 1825, 
Nr. 43 ex febr. 1827. 



257 

Das böhmische Gubernium befragte darüber die Kreisämter. Von diesen 
sprachen sich fünf, nämlich das Berauner, Budweiser, Caslauer, Kaurzimer und 
Prachiner dahin aus, daß die Erlassung eines neuen diesbezüglichen Gesetzes 
nicht notwendig erscheine, teils weil diese Handlung als Betrug, Veruntreuung 
und Diebstahl nach den Strafgesetzen oder als Vergehen der Dienstuntreue 
bereits straffällig sei, teils weil die Vorschriften über Erfindungsprivilegien 
hinreichend seien und überhaupt Industrieprodukte mit Kunstgebilden und 
wissenschaftlichen Leistungen hinsichtlich des Schutzes geistigen Eigentums 
nicht verglichen werden könnten. Dagegen waren die übrigen elf Kreisämter 
für ein neues Gesetz, namentlich weil diese Handlung unter die gesetzlichen 
Begriffe des Diebstahls, Betrugs oder der Veruntreuung nicht untergeordnet 
werden könne, da durch Kopien kein materieller Gegenstand entzogen werde. 
Diese Kreisämter trugen daher entweder auf eine diesbezügliche Erweiterung 
der bestehenden Strafgesetze oder auf die Erlassung eines eigenen Gesetzes 
mit Strafsanktion an. 

Die Prager Stadthauptmannschaft war auch für die Erlassung eines neuen 
Gesetzes, weil hier die Gesetzgebung eine Lücke aufweise, welche erst mit dem 
Fortschreiten der Industrie fühlbar geworden sei. 

Das böhmische Gubernium schloß sich denn auch dieser Ansicht an und 
trug auf Erlassung eines Musterschutzgesetzes an. 

Die Hofkanzlei drückte sich darüber dahin aus, die Anwendung der gegen 
den Nachdruck und Nachstich literarischer und künstlerischer Erzeugnisse 
bestehenden Verbotsgesetze auf Produkte der Industrie sei ganz unpassend. 
Auch wäre die Anwendung solcher Verbote im Gebiete der Industrie unaus- 
führbar und dem gewerblichen Fortschritte selbst hinderlich. Übrigens sei der 
dem Erfindungsgeiste der industriellen Sphäre nötige Schutz ohnehin durch das 
Privilegiensystem gewährt, weshalb die Hofkanzlei antrug, dem Vorschlage 
des böhmischen Guberniums keine Folge zu geben und höchstens vorerst die 
niederösterreichische Regierung und das mährisch-schlesische Gubernium ein- 
zuvernehmen, inwiefern die angetragenen oder ähnliche Maßregeln sich mit 
Rücksicht auf die in diesen beiden Provinzen gemachten Erfahrungen als 
zweckmäßig oder notwendig darstellen würden. 

Die Hofkammer lehnte den Antrag des böhmischen Guberniums auch ab 
und schloß sich der Ansicht der Hofkanzlei an, ,,da der vorliegende einzelne 
Fall nicht sogleich einen Anlaß darbieten könne, bei den Justizbehörden auf 
eine Änderung der Strafgesetzgebung anzutragen oder noch weitere vorläufige 
Umfragen bei den Länderstellen einzuleiten". Diese ihre Ansicht teilte die 
Hofkammer am 19. März 1841 der Hofkanzlei mit, womit die Angelegenheit 
vorläufig wiederum erledigt war^). 

Da aber die Entwicklung der Industrie einen solchen gesetzlichen Schutz 
unbedingt erforderte, so mußte die Idee bald wieder auftauchen. 

Im niederösterreichischen Gewerbevereine wies Spoerlin am 3. März 1845i8i5— 1848. 
auf die Notwendigkeit eines solchen Schutzes hin. Der Verein sei bestrebt, 



1) A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 17, Nr. 406 ex 1841. 

Slokar, Geschichte der österr. Industrie, 17 



die inländische Industrie durch Zeichenunterricht von ausländischen Zeichnern 
und Zeichnungen unabhängig zu machen und dies sei auch größtenteils gelungen. 
Geschickte Zeichner und gute Zeichnungen kosten jedoch viel Geld und dieses 
Geld sei förmhch verschwendet, solange der Nachdruck nicht verboten sei. 
Der Verein glaubte auf diese Anregung hin, als Ergänzung seiner Aktion zur 
Förderung des Zeichenunterrichtes die Initiative zur Schaffung eines Muster- 
schutzgesetzes ergreifen zu sollen. Infolgedessen überreichte er im Mai 1846 
ein Gesuch an den Kaiser um Erlassung eines solchen Gesetzes. Dabei stellte 
der Verein folgende Grundsätze auf: 1. Es ist ein dringendes Bedürfnis der 
Industrie, daß das Eigentum der gewerblichen Zeichnungserfindungen unter 
gesetzlichen Schutz gestellt werde. 2. Die Verleihung dieses Schutzes kann nur 
für eine gesetzlich bestimmte Zeit durch Deponierung der Zeichnung bei der 
hiefür bestellten Behörde erwirkt werden. 3. Die Schutzdauer ist verschieden 
nach vier Kategorien und zwar für Kleiderstoffe zwei Jahre, für Shawls und 
Tücher drei Jahre, für Tapeten, Teppiche, Möbel- und Kirchenstoffe fünf Jahre, 
für plastische Gegenstände zehn Jahre. 4. Die Verletzung des gesetzlich er- 
wirkten Schutzes ist mit Geldstrafen und Konfiskation der nachgeahmten 
Gegenstände zugunsten des Geschädigten zu ahnden. 5. Dem Verletzten steht 
es überdies frei, Ersatz des nachweisbaren Schadens und volle Genugtuung zu 
verlangen. 6. Das Erkenntnis über Straffälligkeit, Schadenersatz und Genug- 
tuung ist dem ordentlichen Richter zu überlassen. 7. Der Ausspruch über Neu- 
heit und Identität einer als nachgeahmt bezeichneten Zeichnungserfindung ist 
nicht von Fall zu Fall von den Parteien zu wählenden Sachverständigen, sondern 
eigenen, aus Mitgliedern der Kunstakademien und ausgezeichneten Industriellen 
zusammengesetzten beständigen Kommissionen zu überlassen^). 

Da dieses Gesuch der allerhöchsten Bezeichnung gewürdigt wurde, so 
mußte es von den Behörden in Verhandlung genommen werden. Es wurden 
nun die niederösterreichische Regierung, das polytechnische Institut sowie 
die Hof- und niederösterreichische Kammerprokuratur über dieses Projekt 
befragt, worauf alle Gutachten an das böhmische Gubernium gesendet wurden, 
damit sich dieses nach Einholung der Ansichten des böhmischen Gewerbe- 
vereines und des Prager polytechnischen Instituts ebenfalls darüber äußere^). 

Die Direktion des Wiener polytechnischen Instituts, die Hof- und nieder- 
österreichische Kammerprokuratur und die niederösterreichische Regierung 
waren der Ansicht, daß das Privilegienpatent vom 31. März 1832 vollkommen 
genüge, um auch den Zeichnungen im Gewerbefache den gewünschten Schutz 
zu gewähren, daß daher ein neues Gesetz für diesen besonderen Zweig industrieller 
Tätigkeit weder notwendig noch rätlich sei. 

Hingegen schlössen sich die Generaldirektion des böhmischen Gewerbe- 
vereines und die Direktion des polytechnischen Instituts in Prag der Bitte des 
niederösterreichischen Gewerbevereines an, sprachen sich eifrig und dringend 
für die Erlassung des gewünschten Schutzgesetzes aus und stimmten den dies- 



^) Auspitzer, 50 Jahre gewerbl. Bestrebungen, 309 f.; Akten im Statth. A. Wien, Karton 
5764. — «) A. d. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 17, Nr. 2334 ex 1846. 



259 

fälligen Anträgen des niederösterreichisehen Gewerbevereines in der Hauptsache 
bei, wobei sie nur Modifikationen in den Detailbestimmungen wünschten. Die 
böhmische Kammerprokuratur fand die Anregung des niederösterreichischen 
Gewerbe Vereines vortrefflich und unterstützte daher das Gesuch auf das eifrigste. 

Das Gesuch des niederösterreichischen Gewerbevereines war am 17. April 
1846 eingebracht worden. Am 19. Oktober desselben Jahres wurde das Gesetz 
zum Schutze des literarischen und artistischen Eigentums gegen unbefugte 
Veröffentlichung, Nachdruck und Nachbildung erlassen und trat sofort in Kraft. 
Daher stiegen der Hofkammer Bedenken auf und sie trat am 22. April 1848 alle 
Akten über die Verhandlungen zur Erlassung eines Musterschutzgesetzes an 
das Ministerium des Innern ab, „da mit dieser Angelegenheit Maßregeln bezielt 
werden, welche mit den Bestimmungen des zum Schutze des litterarischen 
und artistischen Eigentums gegen unbefugte Veröffentlichung, Nachdruck 
und Nachbildung erlassenen Gesetzes coincidiren und in dem letzteren teilweise 
normiert wurden". Dabei meinte sie jedoch, daß die Wünsche der beiden 
Gewerbevereine alle tunliche Berücksichtigung verdienen dürften. Die Ansicht 
der Hofkammer, daß das Gesetz zum Schutze des literarischen Eigentums 
vielleicht auch auf den Musterschutz anwendbar sein könnte, ist ganz merk- 
würdig. Denn der § 9 dieses Gesetzes, welcher über den Gegenstand des Schutzes 
spricht, ist so gefaßt, daß auch die Punkte & und d, welche von Erzeugnissen von 
Manufakturen und Fabriken und von Gewerbeprodukten sprechen, unmöglich 
als Bestimmungen zum Schutze gewerblicher Muster gedeutet werden könnten^). 

Inzwischen war aber die Erledigung der Angelegenheit wieder hinaus- 
geschoben, so daß das erste österreichische Musterschutzgesetz erst ein Jahr- 
zehnt später ins Leben treten konnte. 

XIV. Kapitel. 
Behandlung der Juden in Gewerbeangelegenheiten. 

In gleicher Weise, wie sich die modernen liberalen Ideen zuerst auf wirtschaft- 
lichem Gebiete Geltung verschafften, so setzte sich auch die religiöse Duldung 
zuerst auf diesem Gebiete, wenn auch nicht formell, so doch materiell durch. 

Schon die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgekommenen Schutz- 
dekrete schlössen Protestanten keineswegs aus. Da die Protestanten aber nicht 
derartigen politischen Beschränkungen unterlagen wie die Juden, so waren 
zu ihrer Gleichstellung keine so großen Hindernisse zu überwinden, weshalb 



1) A. d. k. k. Fin. Min. Korn., Fasz. 17, Nr. 580 ex 1848; Statth. A. Wien, Karton 5764; § 9 
des Gesetzes vom 9. Oktober 1846 zum Schutze des literarischen Eigentums lautet: Bei Zeich- 
nungen, Gemälden, Kupfer-, Stahl- und Steinstichen, Holzschnitten und anderen Werken der 
zeichnenden Kunst, sowie bei plastischen Kunstwerken ist als verbotene Nachbildung anzusehen: 

a) i) weim ein Kunstwerk als Muster für die zu einem wirklichen materiellen Gebrauche 

dienenden Erzeugnisse der Manufakturen, Fabriken und Handwerke benützt worden ist; 
c) d) wenn ein nicht bloß zur Beschauung, sondern zu einem wirklichen materiellen Ge- 
brauch bestimmtes oder ein nur zur Verzierung eines Gewerbsproduktes dienendes Erzeugnis 
der Plastik durch die zeichnende Kunst mit oder ohne Farben nachgebildet wird. 

17* 



260 

man auch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schon eine ganze Reihe 
hervorragender Fabriken durch Protestanten gegründet findet, die sich jeder 
Förderung seitens der Staatsverwaltung zu erfreuen hatten^). 

Die Juden hingegen unterlagen seit jeher gewissen Beschränkungen, die 
ihnen das Fortkommen auch auf gewerblichem Gebiete erschweren mußten. 
Diese Beschränkungen, die nicht in allen Ländern gleich waren, schränkten 
namentlich ihr Aufenthalts- und Mederlassungsrecht und dies besonders auf 
dem flachen Lande stark ein und schlössen sie vom Erwerb unbeweglicher 
Güter aus. Geduldet wurden Juden überhaupt nur in den Sudetenländern, 
Galizien, Wien, Görz und Gradiska und Triest, 

Die Kommerzialverwaltung war seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts 
bemüht, die Juden zu nützlichen Staatsbürgern zu machen, weshalb sie, wenn 
sich Juden auf gewerblichem Gebiete betätigen wollten, fallweise die im Wege 
stehenden Beschränkungen beseitigte. Dies wiederholte sich so oft, daß es zur 
Regel wurde und es in den vierziger Jahren des 19, Jahrhunderts auf dem Ge- 
biete der Industrie für Juden in den Ländern, in welchen sie überhaupt toleriert 
wurden, fast nur mehr formelle Beschränkungen gab, von denen auf eigenes 
Ansuchen fast in jedem Fall abgesehen wurde. 

Nicht ohne Bedeutung war diesbezüglich der Einfluß der Aufklärungs- 
ideen und die Sprache der damaligen ökonomischen und staatswissenschaft- 
lichen Literatur, welche immer wieder betonte, daß auf wirtschaftlichem Ge- 
biete Beschränkungen aus religiösen Rücksichten nicht zulässig seien und daß 
in einem Lande, das blühende Manufakturen und Fabriken habe, vollkommene 
Gewissensfreiheit herrschen müsse^). 

Unter Maria Theresia ordnete das Hofdekret vom 18. Jänner 1749 an, daß 
Juden zur Anlegung von Fabriken aufzumuntern seien^). 

Das Judenpatent für Niederösterreich von 1782 verbot zwar in § 7 den Juden 
auch weiterhin den Aufenthalt auf dem flachen Lande, jedoch mit der gleich- 
zeitigen Einschränkung, daß dieses Verbot nicht gelten solle, wenn sie eine 
Fabrik errichten oder sonst ein nützliches Gewerbe einführen wollen, in welchem 
Falle sie um Aufenthaltserlaubnis bei der Regierung ansuchen können. Aller- 
dings durften sie auf dem Lande nur in Mietgebäuden Fabriken errichten, da 
sie kein Grundeigentum erwerben durften*). 

Unter Josef wurde den Juden erlaubt, alle Gattungen von Gewerben zu 
erlernen und zu betreiben und der Ankauf öffentlicher Gebäude zu Fabriks- 
zwecken gestattet {118b f). 

In Böhmen wurde den Juden durch Hofdekret vom 19. Oktober 1781 
die Errichtung von Fabriken mit besonders kostbaren Maschinen gestattet. 
Durch Hofdekret vom 18. September 1785 wurde ihnen auch hier, obschon sie 
sonst zum Besitz unbeweglicher Güter unfähig waren, in Orten, wo sie toleriert 



*) Vgl. z. B. die Brüimer Wollindustrie in Festschr, der Brönner Handels- u. Gewerbe- 
kammer (1909) S, 54, — *) Justi, Von den Manufakturen und Fabriken, 2. Aufl., 1786, I, 34. 
— 3) WUdner, a. a. 0. 19. — *) H. K. A. Kom. Kammer,, Fasz 10, Nr. 48 ex apr. 1825, — 
») Pribram, a. a. 0., I, 357 f.; Staatsrat, 1785, Nr. 3809, 



261 

waren, der Ankauf von Ärarial- und anderen öffentlichen Gebäuden zum 
Fabriksbetrieb erlaubt^). 

In Mähren und Schlesien waren die Juden nach Art. 15 der General-Polizei- 
und Kommerzordnung für die mährische Judenschaft von 1754 sowie nach 
den §§1,9, 10 und 11 des Toleranzpatents vom 13. Februar 1782 und nach dem 
Hofkanzleidekret vom 7. November 1795 in der Regel an die Orte, wohin sie 
nach der Toleranz der Familie gehörten, jedoch nicht so streng gebunden, daß 
sie nicht auch, zumal wenn es sich um einen Großhandel, um den Betrieb einer 
wichtigen und ausgedehnten Manufaktur oder Fabrik handelte, mit Bewilli- 
gung der Landesstelle an einem dritten Ort eines anderen Glaubensbekennt- 
nisses in einer Kreis- oder selbst in der Hauptstadt der Provinz den zeitlichen 
Aufenthalt oder die zeitliche Toleranz hätten erhalten können^). 

In Galizien war den Juden auf dem Gebiete der industriellen und kommer- 
ziellen Beschäftigungen nur das Schankge werbe, der Besitz von Mahlmühlen, 
der Handel mit Pulver und Salniter, der Besuch der Jahrmärkte in Berg- 
städten und das Herumziehen mit geistlichen Ornaten und kirchlichen Para- 
menten untersagt. Sonst war ihnen in Galizien die Anlegung von Fabriken, 
also auch die Erwerbung von Grundstücken dazu gestattet und jenen Juden, 
welche sich um die Hebung der Industrie Verdienste erwerben würden, die 
Erteilung besonderer Begünstigungen versprochen. Durch die Judenverordnung 
vom 20. September 1789 wurde daran nichts geändert, indem die Juden zu allen 
Gewerben und sonstigen Nahrungswegen fähig erklärt wurden, welche den übri- 
gen Landeseinwohnern durch die Gesetze offen gehalten wurden. Doch durften 
sie dem Ackerbaue keine Wirtschaften mittelst der Anlegung von Fabriken 
entziehen und nach dem Gesetze über die Landtafelfähigkeit durften sie über- 
haupt, also auch zum Betriebe von Fabriken keine Landtafelgüter erwerben^). 

Die Behörden waren gerne bereit, auch die noch bestehenden Beschrän- 
kungen auf gewerblichem Gebiet in ihrer Wirkung zu mildern und fanden dabei 
die Unterstützung der Hofstellen, „da es in der Tat viel rätlicher zu sein scheint, 
die Juden zu ehrlichen Erwerbszweigen aufzumuntern, anstatt dieselben durch 
unerbittliche Strenge zum unbefugten Handel, zu Kontrebandeunternehmungen, 
zum Wucher, zur Agiotage und zu hundert anderen Schleichwegen gewaltsam 
zu zwingen, ohne diesen in so manchen geheimen Ramificationen schleichenden 
Unfug, der das allgemeine Beste untergräbt, durch noch so weise Gesetze ver- 
hindern zu können"*). 

„Man muß es freimütig bekennen," so schrieb der Hofkammerreferent 
von Krauß im Jahre 1809, „daß wenn schon einmal was immer für eine Klasse 
Menschen in einem wohlgeordneten Staate geduldet wird, nach der hierortigen 
Überzeugung schon das allgemeine Interesse an und für sich selbst es erfordert, 
den ehrlichen Erwerb derselben und dadurch ihre Veredlung zu befördern. 
Wenn man dagegen diesen Menschen, gleich verworfenen Kasten, jeden Weg 



1) Wildner, a. a. 0., 21. — «) H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 10, Nr. 48 ex apr. 1825. 
— ä) H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 10, Nr. 48 ex apr. 1825; Wildner, a. a. 0., 23; Kopetz, 
a. a. 0., I, 338. — «) H. K. A. Kom. N.-Ö., Fasz. 72, Nr. 48 ex apr. 1808. 



der bürgerlichen Existenz versperrt und sie sogar von einem rechtmäßigen 
Handel, von gemeinnützigen Industrieunternehmungen ausschließen wollte, so 
müßte das Gepräge der Erniedrigung ihrem moralischen Gefühle jenen 
Charakter der Verworfenheit einflößen, der zu den gemeinschädlichsten Folgen, 
zum Wucher, zum Agiotieren, zum Schleichhandel .... führt"^). 

Bald ging man daran, den Juden zum Betriebe von Fabriken fallweise 
den Ankauf von Häusern außerhalb der Judenviertel zu gestatten. Schon 1791 
wurde so einem Prager Fabrikanten gestattet, zur Errichtung einer Tüchel- 
druckfabrik ein Haus außerhalb der Prager Judenstadt zu kaufen. Falls er die 
Fabrik nicht errichten würde, sollte er aber binnen drei Jahren das Haus wieder 
an einen Christen verkaufen^). Im Jahre 1801 bewilligte man den Prager Baum- 
wolldruckfabrikanten Porges, einige zu ihrer Leinwandbleiche notwendige 
Grundstücke anzukaufen^). 

Zu einer wichtigen prinzipiellen Entscheidung führte 1817 ein Gesuch der- 
selben Prager Leinwand- und Baumwolldruckfabrikanten Porges, Epstein, 
Wiener und Brandeis um Bewilligung des Ankaufes eines Hauses in der Prager 
Christenstadt zu ihrem Fabriksbetriebe, da die Unterbringung der Fabrik in 
der Judenstadt unmöglich sei. Zur Begründung ihres Ansuchens führten sie 
an, Seine Majestät hätte wiederholt den allerhöchsten WiUen ausgesprochen, 
die Juden zum Betriebe nützlicher Gewerbe anzuleiten. Dies erfordere aber 
uneingeschränkten Besitz der Realitäten, welche zum Standorte der Werk- 
stätten und Fabriken dienen sollen. Das böhmische Gubernium bemerkte, 
das Gesuch befürwortend, es seien zwar den Juden in § 51 des Judenpatents 
wesentliche Begünstigungen zugestanden worden, wenn sie sich entschließen, 
Produzenten auf dem Gebiete des Ackerbaues oder der Gewerbe zu werden. 
Allein wie sollen es die Juden anstellen, den Ackerbau zu betreiben, wenn ihnen 
nicht erlaubt ist, ein Grundeigentum zu erwerben ? Der Jude soll ein Gewerbe 
ergreifen, er soll, was beim Besitze bedeutender Kapitalien vorzüglich wünschens- 
wert sei, Fabriken anlegen. Und da erlaube man ihm nicht, die zu einem aus- 
gedehnten Gewerbe- und Fabriksbetrieb erforderlichen Gebäude und Grund- 
stücke eigentümlich zu erwerben, sondern verlangt, daß er kostspielige Vor- 
richtungen in fremdem Eigentum unternehme und bedeutende Kapitalien in 
fremde Gebäude investiere, deren kurze Miete er nicht wagen könne, während 
zu einer langjährigen der Eigentümer schwer oder nur gegen harte Bedingungen 
sich entschließe. 

Die Kommerzhofkommission teilte die Ansicht des Guberniums und meinte, 
es entspreche nicht nur dem Interesse der inländischen Industrie, sondern könne 
auch in anderer Beziehung kaum einem Anstand unterliegen, diesem Gesuche, 
um die bestehenden Gesetze nicht aufzuheben, unter der ausdrücklichen Be- 
dingung zu wiUfahren, daß diese Realitäten nur zum Fabriksbetriebe verwendet 
und, wenn die Fabriken aus was immer für einem Grunde eingehen würden, 
gleich wieder verkauft werden sollen. 



1) H. K. A. Kom. N.-ö., Fasz. 72, Nr. 20 ex jan. 1809. — ") Staatsrat 1791, Nr. 1814. — 
") Statth. A. Prag, 1796—1805, Kom., Fasz. 14, subn. 18. 



263 

Nachdem sich die Kommerzhofkommission mit der Hofkanzlei ins Ein- 
vernehmen gesetzt und diese die Einschränkungen formuliert hatte, unter 
welchen den Juden der Ankauf von Realitäten zum Fabriksbetriebe gestattet 
werden könnte, legte die Kommerzhofkommission Seiner Majestät durch Vor- 
trag vom 14. Oktober 1817 den Antrag vor, unter den angeführten Vorsichten 
das Ansuchen der Prager Fabrikanten zu bewilligen. 

Durch allerhöchste Entschließung vom 3. November 1817 erfolgte dies Entsouie- 
auch unter den angetragenen Bedingungen, und zwar 1. daß die Fabriksinhaber ^^1^«^ Yg^, 
gehalten seien, die Zahl und den Flächeninhalt der anzukaufenden Realitäten * 
gehörig auszuweisen. 2. Daß die Landesstelle das Verhältnis derselben zum 
Fabriksbedarfe mit der größten Strenge beurteile und bestimme. 3. Daß diese 
Realitäten einzig und allein zum Betriebe der Fabriken verwendet werden. "- 
4. Daß der Besitz derselben lediglich auf die Dauer des Fabriksbetriebes be- 
schränkt bleibe. 5. Daß den Besitzern zur unerläßlichen Pflicht gemacht werde, 
wenn ihre Fabriken in Verfall geraten sollten oder sonst aufgelassen werden, 
diese Realitäten sogleich wieder an einen Christen zu verkaufen. 6. Daß sie sich 
allen Steuern und Lasten, welche andere ansässige Gewerbsleute zu tragen 
haben, unterziehen, durch den zeitweiligen Besitz aber kein Bürgerrecht er- 
langen und daß endlich 7. diese Bedingungen grundbücherlich einverleibt 
werden^). 

Diese allerhöchste Entschließung war für die weitere Behandlung solcher 
Fälle von grundlegender Bedeutung. Es erfolgten seitdem mehrere solche Be- 
willigungen ausdrücklich unter den Bedingungen, welche in dieser allerhöchsten 
Entschließung festgesetzt worden waren^), die dann bis zum Beginn der Ver- 
fassungsära Geltung behielten. 

Anderseits wagte man es nicht, so weit zu gehen, daß man gewisse Gesetze, 
namentlich die das Aufenthaltsrecht der Juden regelnden Bestimmungen auf- 
gehoben hätte, auch nicht de facto. So wurde 1818 den Prager Druckfabri- 
kanten Pfibram und Jerusalem nicht bewilligt, ihre Wiener Fabriksniederlage 
persönlich oder durch einen Sohn verwalten zu lassen, da sich sehr viele Glaubens- 
genossen in derselben Lage befanden und dies daher auch allen übrigen erlaubt 
werden müßte. Dann würde durch Erlangung der Landesfabriksbefugnis und 
des damit verbundenen Niederlagsrechtes auch die Toleranz für Wien erlangt 
werden. Um die Toleranzgesetze, die aufrecht zu erhalten man guten Grund 
zu haben glaubte, durch eine solche Maßregel nicht in den meisten Fällen 
unanwendbar zu machen, entschloß sich daher die Hofstelle, die Gesuchsteller 
abzuweisen. Sie waren somit gezwungen, ihre Wiener Niederlage entweder 
durch einen Christen oder durch einen tolerierten Juden besorgen zu lassen'). 

In besonders rücksichtswürdigen Fällen wurden jedoch auch da Ausnahmen 
gemacht. So wurde 1828 dem Elias Steiner, Hauptagenten der Ebreichsdorfer 
Zitz- und Kottonfabrik, der zeitliche Aufenthalt in Wien bewilligt, da er sich 



1) H. K. A. Korn. Kommission, Fasz. 10, Nr. 90 ex Sept. 1817. — *) H. K. A. Kom. Kom- 
mission, Fasz. 10, Nr. 151 ex majo 1820, Nr. 61 ex oct. 1822; A. d. k. k. Fin. Min. Kom., Fasz. 20, 
Nr. 694 ex 1842. — ') H. K. A. Kom. Kommission, Fasz. 42, Nr. 54 ex apr. 1818. 



264 

große Verdienste um die Emporbringung dieser ins Wanken geratenen Unter- 
nehmung erworben hatte ^). 

Nicht nur die Hofstellen, sondern auch die Länderstellen bemühten sich, 
in der Judenfrage im Rahmen der bestehenden Gesetze möglichst liberal vor- 
zugehen. Dies deshalb, „weil sich von der Tätigkeit und Genügsamkeit, die sie 
(die Juden) gewöhnlich mit natürlichen guten Anlagen glücklich verbunden 
besitzen und von den ansehnlichen Kapitalien, über die sie zu disponieren haben, 
viel Ersprießliches für die Nationalindustrie und selbst für die Ernährung sehr 
vieler durch die Handels- und Gewerbestockung um ihr Gewerbe gekommenen 
christlichen Landeseinwohner hoffen ließe, wenn es gelänge, sie durch gleich 
liberale Behandlung in das Gebiet der höheren Kunstbetriebsamkeit und 
Industrie zu locken"^). 

Im Jahre 1825 wurden die Länderstellen durch die Hofkammer im Ein- 
verständnisse mit der Hofkanzlei ermächtigt, für Israeliten zum Betriebe von 
Unternehmungen, welche auf neuen, wirklich nützlichen privilegierten Er- 
findungen beruhen, einen längeren Aufenthalt außerhalb ihres bestimmten 
Wohnortes ausnahmsweise in Antrag zu bringen und nach Umständen auch 
noch für weitere tunliche Begünstigungen im Geiste der Gesetze bei der Hof- 
stelle einzuschreiten. ,, Dadurch würden auch rücksichtlich des Betriebes von 
Privilegien durch Israeliten alle Jene Rücksichten erzielt werden können, deren 
Beachtung in industrieller Beziehung wünschenswert erscheint"^). 

Bei diesem Rechtszustande blieb es dann bis gegen die Mitte des 19. Jahr- 
hunderts. Im Interesse der Industrie waren somit die Beschränkungen, denen 
die Juden im allgemeinen unterlagen, in ihrer Wirkung stark abgeschwächt 
worden, wodurch ihnen ermöglicht wurde, sich auf diesem Gebiet erfolgreich 
zu betätigen. Welch großer Unterschied zwischen den Ausführungen der Be- 
hörden in Judensachen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und jenen 
der früheren Zeit, in welcher die Juden von vielen förmlich als rechtlos an- 
gesehen worden waren. Hatte doch der Prager Handelsstand im Vereine mit 
der Bürgerschaft im Jahre 1792 beim Gubernium ein ernstliches Projekt zur 
Gründung einer öffentlichen Leihbank eingereicht, zu deren Errichtung nach 
ihrem Vorschlage drei Viertel des von der böhmischen Judenschaft erworbenen 
Vermögens konfisziert werden sollten*)! 

Daß sich die Juden, denen die meisten Wege zu öffentlichen Stellungen ver- 
schlossen waren, auf wirtschaftlichem Gebiete nach Hinwegräumung oder 
wenigstens Milderung der ihnen hier entgegenstehenden Hindernisse stark be- 
tätigten, liegt auf der Hand. Diese einseitige, sich nur auf Handel und Industrie 
beziehende, liberale Judenpolitik seit Josef IL und intensiver seit dem Anfange 
des 19. Jahrhunderts legte in Österreich den Grund zum dauernden Übergewicht 
des Judentums auf wirtschaftlichem Gebiete. 



1) H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 10, Nr. 61 exfebr. 1828. — ^) Bericht des Brünner Gubem. 
V. 22. Jänner 1825. H. K. A. Kom. Kammer, Fasz. 10, Nr. 92 ex febr. 1825. — ') H.K. A. Kom. 
Kammer, Fasz. 10, Nr. 48 ex apr. 1825; ebenso Hofkanzleidekret vom 29. April 1825 bei Harkup, 
a. a. 0., 177. — *) Statth. A. Prag, 1806—1815, Kom., Fasz. 12, subn. 59, 1811, Dez. 27. 



> 






Zweites Buch. 



DD D 



Geschichte der besonderen Industriepolitik und 

die Entwicklung der einzelnen 

Industriezweige. 



V 



^1 



XV. Kapitel. 

Die Baumwollindustrie. 

1. Die allgemeinen Verhältnisse und die Maßnahmen der Staats- 
verwaltung. 

Die Anfänge der österreichischen Baumwollindustrie reichen bis in das 
17. Jahrhundert zurück. Lange war dieser Erwerbszweig, dem man zuerst im 
nördlichen Böhmen in ausgedehnterem Maße begegnet, noch ganz handwerks- 
mäßig und hatte sich auch keiner Förderung seitens der Staatsverwaltung zu 
erfreuen, da es dem Geiste der merkantilistischen Ideen widersprach, einen In- 
dustriezweig zu unterstützen, der den Kohstoff aus dem Auslande beziehen mußte. 
Ein Hörnigk mußte aus diesem Grunde ein Gegner der Baumwollindustrie 
sein^). 

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden mehrere Fabriken, 
die auch Privilegien erhielten. Erst nach Ablauf dieser nicht mehr erneuerten 
Alleinrechte im Jahre 1763 nahm die Zahl der Gründungen stärker zu^). Aber 
auch in dieser Zeit war von einer weitergehenden Förderung noch nichts zu merken, 
was aus den oben angeführten Gründen nicht wundernehmen kann, da selbst 
einsichtsvolle Männer der Meinung waren, daß unter den Landesmanufakturen 
jene den Vorzug verdienen, zu welchen das Land selbst die „materiam primam" 
darreicht^). Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wich jedoch diese Anschauung 
immer mehr und dieser Industriezweig wurde bald ebenso gefördert wie alle 
anderen. 

Ein Hofdekret vom 9. Jänner 1786 gab bekannt, daß einwandernden, 
fremden, geschickten BaumwoUkunstwebern ein Betrag von 100 fl. verabreicht, 
dann noch andere Begünstigungen bezüglich der Personalsteuer, Befreiung von 
der Rekrutierung, ungehinderte Rückkehr in die Heimat und die Religions- 
toleranz zugestanden werden sollen*). 

Die Befürchtung, daß die Schafwoll- und Leinenindustrie durch die Ent- 
wicklung der Baumwollindustrie leiden könnte, kehrt aber immer wieder. So 
wurde durch Hofdekret vom 27. März 1789 verordnet, daß bei Verbreitung der 
BaumwoUwarenerzeugung besonders darauf gesehen werden soUe, daß sie nicht 
in jene Gegenden, wo die Leinen- und SchafwoUmanufaktur betrieben wird, 
eingeführt werde, weil für die letzteren der Rohstoff im Lande erzeugt werde, 
weshalb sie jederzeit den Vorzug verdienen^). 

Die BaumwoUwarenfabriken von damals, die sich namentlich in Böhmen 



1) Vgl. darüber auch Salz, Gesch. d. böhm. Ind. 331 f. — *) Hallwich, Leitenberger, 
S. 5 f.; derselbe, Anfänge d. Großind., S. 43 ff.; derselbe, Die Industrie Böhmens in öst.- 
ung. Mon. in v. b. Wort und Bild, Böhmen, 636 ff. — ») Riegger, Materialien, Bd. IV, 
Heft XII, S. 187 (1793). — *) HaUwich, Leitenberger, S. 77. — «) Schreyer, Kommerz, 
Fabriken usw., I, 210. 



268 

und Niederösterreich stark verbreiteten, waren ganz nach dem Verlagssystem 
organisiert, so daß sie durch Spinnen und Weben zahh-eichen Bewohnern des 
flachen Landes einen Erwerb verschafften; nur die Druckerei und sonstige Appre- 
tur erfolgte in den Fabrikswerkstätten. Während so 1789 in Böhmen an 24.000 
Spinner von den BaumwoUwarenfabriken beschäftigt wurden, stieg diese Zahl 
bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts schon auf 40.000 an^). 

Die Besorgnis der Staatsverwaltung, die Baumwollindustrie könnte die 
Leinen Warenerzeugung beeinträchtigen, war nicht unbegründet. Die Erzeugung 
von Baumwollwaren begann sich alsbald so stark zu verbreiten, daß sie in Böhmen 
schon um 1790 die Leinenweberei in manchen Gegenden stark zu bedrängen 
begann^). Diese starke Ausbreitung konnte sich um so leichter entfalten, als seit 
1773 nicht nur die Leinwand-, sondern auch die Kottondruckerei als ein freies 
Gewerbe jedermann gestattet war, seit 1779 auch ohne hiezu die nötigen Fähig- 
keiten nachzuweisen. Bald nahmen die Unternehmungen dieser Art infolgedessen 
so sehr zu, daß sich die Konkurrenz immer mehr geltend machte^). 

Die Prager ,,Leiwand-, Kotton- und Tücheldruckfabrikanten" überreichten 
1790 bei der Hofkanzlei eine Vorstellung, sie würden durch die allzu sehr aus- 
gedehnte Freiheit im Betriebe dieses Gewerbes gedrückt und geschmälert. Es 
seien in Prag schon 19 Druckereien und mehrere auf dem Lande entstanden^). 
Diese Wünsche der Kottondruckfabrikanten um Beschränkung der Verleihungen 
hatten nur den Erfolg, daß 1796 eine Kottondruckordnung erlassen wurde, 
wobei jedoch die Druckerei auch weiterhin ein freies Gewerbe blieb^). 

Um die Jahrhundertwende gewannen in der Baumwollindustrie, wie in der 
Textilindustrie überhaupt, mehrere bahnbrechende Verbesserungen immer mehr 
an Verbreitung. So in der Spinnerei die Anwendung von Spinnmaschinen, in der 
Weberei die Verwendung des Schnellschützen und in der Druckerei die Um- 
wandlung des Hand- oder Tafeldruckes mit hölzernen Formen in den Platten- 
druck mit gravierten kupfernen Platten^). 

Daß sich die Stellung der Staatsverwaltung zur Baumwollindustrie schon 
geändert hatte, zeigt der Umstand, daß 1803 Leitenberger in Wemstadtl wegen 
der einige Jahre vorher in seine Fabrik mit gutem Erfolg eingeführten englischen 
Spinnmaschinen vom Kaiser belobt und mit der Landesfabriksbefugnis auf 
seine Baumwollspinnerei ausgezeichnet wurde, ebenso wie mehrere andere 
Fabrikanten, die vor 1801 Spinnmaschinen verwendeten, die förmliche Fabriks- 
befugnis auf die Baumwollspinnerei erhielten und belobt wurden'). 

Seit der Einführung der Spinnmaschinen gewann die BaumwoUmaschinen- 
spinnerei nicht nur in Böhmen, sondern auch in Niederösterreich und in Vor- 
arlberg bald eine große Bedeutung^). 

In der Druckerei ist zu Anfang des 19. Jahrhunderts ein weiterer großer 



^) Schreyer, Warenkabinett (1799), S. 167 f. — *) Schreycr, Kommerz, Fabriken usw., I, 
210. — ') Hallwich, Leitenberger, S. 76; Salz, a. a. 0., S. 335 ff. — *) Hallwich, Leitenberger, 
S. 78 f. — *) Hallwich, Leitenberger, S. 80 ff.; Salz, a. a. 0., S. 338; vgl. auch unten S. 275 ff. — 
•) Keeß u. Blumenbach, a, a, 0., I, 121, 164; Hallwich, Leitenberger, S. 87 f.; derselbe, Anfänge 
der Großind., S. 71. — ») Vgl. oben S. 186 f. — ») Vgl. unten S. 279 ff. 



269 

Fortschritt zu verzeichnen, indem der Tafeldruck durch den Walzendruck 
ersetzt wurde, was eine wesentliche Vervollkommnung bedeutete. Zuerst wurde 
der Walzendi'uck durch die Gebrüder Stolle in ihrer Fabrik zu Warnsdorf 1803 
eingeführt. Ihnen folgten die gräflich Rottenhansche Fabrik zu Postupitz und 
andere Unternehmungen in Böhmen, in Niederösterreich zuerst die Kettenhofer 
Fabrik!). 

Die Zahl der Gründungen von neuen Unternehmungen zur Baumwoll- 
spinnerei, Erzeugung von Baumwollwaren und zur Baumwollwarendruckerei 
ist von der Jahrhundertwende bis gegen die Mitte des 2. Jahrzehnts des 19. Jahr- 
hunderts eine sehr große. Die große Menge von Papiergeld und seit 1806 die 
Fernhaltung der englischen Konkurrenz durch die Kontinentalsperre steigerten 
den Gründungs- und Unternehmungseifer außerordentlich. Die stark erhöhte 
Produktion erleichterte die Einführung von Spinnmaschinen, was auch durch 
den in diesen Kriegszeiten empfindlich fühlbaren Mangel an genügenden Arbeits- 
händen zum Spinnen gefördert werden mußte, wobei aber anderseits die Finanz- 
krise von 1811 und die dadurch hervorgerufene Erschütterung der Kreditverhält- 
nisse eine allgemeine Verbreitung des Maschinenwesens wesentlich erschwerte. 

Obwohl die Baumwollindustrie in dieser Zeit einen mächtigen Aufschwung 
genommen hatte und unter den Industriezweigen der Monarchie schon einen 
hervorragenden Platz einnahm, wollten die Stimmen auch jetzt noch nicht ver- 
stummen, die dieselbe aus noch aus der merkantilistischen Zeit herrührenden 
Gründen als für den Staat schädlich hinstellten; ja man konnte solche Ansichten 
sogar von jenen Faktoren vernehmen, die zur richtigen Würdigung und Be- 
urteilung der Industrie in erster Linie berufen waren. 

Nach einem Berichte des Prager Kommerzienrates Rößler waren 1810 in 
Böhmen 163 teils Hand-, teils englische Spinnmaschinen in Verwendung. Die 
Kreisärater waren meistens der Meinung, daß man die BaumwoUmanufakturen 
erweitern, die Unternehmer unterstützen und zur Verwendung von Baum- 
wollspinnmaschinen aufmuntern soUe. Nur der Kommerzienrat war merkwürdiger- 
weise weit entfernt, diesen Anträgen der Kreisämter beizutreten, indem er die 
BaumwoUmanufakturen „für die weit ergiebigeren vaterländischen Gewerbe, 
welche inländische Rohprodukte verarbeiten, sehr abträglich und überhaupt 
für das Land sehr verderblich" fand und dieselben „als eine Mißgeburt des 
inländischen Kunstfleißes" bezeichnete. Deshalb sei diese Beschäftigung vom 
Staate keineswegs zu unterstützen. Doch wurden diese Ansichten des Kom- 
merzienrates vom böhmischen Gubernium keineswegs geteilt. Unter Hinweis 
darauf, daß sich die Zahl der Baumwolldruckfabriken seit kurzem ganz außer- 
ordentlich vermehrt habe, und daß die Fabrikanten den häufigen Bestellungen 
nicht genügen konnten, meinte die Landesstelle, daß sich „das Eifern des Kom- 
merzienrats gegen den Luxus und die Üppigkeit des schönen Geschlechtes, das 
nach den feinsten und leichtesten Baumwollzeugen lüstern sei" in kommerzieller 
Hinsicht nicht rechtfertigen lasse. Der Luxus sei überhaupt die Quelle der Betrieb- 
samkeit und des Erwerbes. Den stets abwechselnden Launen der Mode, der 



1) H. K. A. Korn., N.-ö., Fasz. 72, Nr. 48 ex aug. 1807, Nr. 7 ex majo 1808. 



270 

Üppigkeit der Reichen, den Phantasien der Damen verdanke die vaterländische 
Industrie größtenteils ihren Aufschwung und den blühenden Zustand so vieler 
Fabriken und Gewerbe. „Es würde sehr mißlich um Böhmens Handel und 
Manufakturen stehen, wenn die Königstöchter, wie der Kommerzienrat an der 
Vorzeit lobt, noch immer in selbst gesponnenem und selbstgewebtem Wollenzeug 
sich kleideten, wenn die verzärtelten Töchter von den Sitten und Moden ihrer 
Mütter nicht abgewichen wären, und wenn Geschmack, Erfindungsgeist und 
Hang zum abwechselnden Lebensgenuß in den neueren Zeiten nicht so große 
und schnelle Fortschritte gemacht hätte". Der Eifer und die Heftigkeit, mit 
welcher der Kommerzienrat gegen die Baumwollmanufaktur losziehe, indem er 
sie einen schädlichen Auswuchs, eine wahre Mißgeburt des inländischen Kunst- 
fleißes nenne, erzeugt von üppigen Weibern, unvernünftigen Verächtern und 
Unterdrückern der so schätzenswerten vaterländischen Urstoffe, genährt mit 
dem bitteren Schweiße der Hausväter und auf Unkosten weit ergiebigerer vater- 
ländischer Gewerbe entstanden, diese Heftigkeit sei nicht am Platze. Die Geld- 
summen, welche für Baumwolle und selbst für Gespinste aus dem Lande gehen, 
seien nichts weniger als verloren; ein bedeutender Teil derselben werde durch 
Export von Baumwollwaren vom Auslande wieder gewonnen und ungeheure 
Kapitalien werden durch diesen Fabrikations- und Handelszweig zur Belebung 
der Nationalindustrie in Verkehr gebracht. 

Auch von einem Einfuhrverböte fremder Baumwollgespinste riet daher das 
Gubernium ab, höchstens könnte der Zoll auf dieselben erhöht werden. „Wird 
in der Folge durch den Vorsprung, den die Inhaber der Spinnmaschinen durch 
Erhöhung des Zolles auf fremden Baumwollgarn erhalten, die Maschinenspinnerei 
vermehrt werden und dem Bedürfnisse der Baumwollwarenfabriken zusagen, 
wozu die Unterstützung der Unternehmer mit unverzinslichen Vorschüssen, 
die Hereinziehung, Aufmunterung und Belohnung geschickter Maschinisten, 
die Befreiung derselben von der Rekrutenstellung, sowie die Mitwu-kung des 
polytechnischen Instituts durch geschickte Anleitung und Modelle zum möglichst 
einfachen und zweckmäßigen Maschinenbau, die Festsetzung angemessener 
Prämien auf die meiste und feinste Erzeugung der Maschinengespinste und die 
Berücksichtigung eigener und zulänglicher Spinnmaschinen bei Verleihung der 
Landesfabriksprivilegien an die Baumwollwarenerzeuger das meiste beitragen 
kann, so mag die Einfuhr der fremden Baumwollgespinste überhaupt verboten 
werden". Auf jeden Fall werde sie dann von selbst abnehmen^). 

Als die Spinnfabriken in Österreich immer mehr zunahmen, da soll England 
alles daran gesetzt haben, um deren Aufkommen zu verhindern. Nicht nur daß 



^) Statth. A. Prag, 1806—1815, Kom., Fasz. 13, subn. 9. Noch 1817 wagte es ein gewisser 
Josef Franz Klingner, einen Aufsatz: „Über die Schädlichkeit der hierländigen BaumwoU- 
manufakturen für den Staat" an die Hof- und Staatskanzlei zu senden, welche ihn an die 
Kommerzhofkommission übersendete. Letztere schickte ihn aber dem Verfasser mit der Be- 
merkung zurück, daß der Aufsatz keine neue Idee enthalte und daher zu keinem Gebrauch 
dienen könne, „man jedoch hieraus seinen wohlgemeinten Eifer erkenne" (H. K. A. Kom. Kom., 
Fasz. 5, Nr. 14 ex dec. 1817). 



271 

die englischen Garnfabrikanten ihre ,, Musterreiter" viel zahkeicher als früher 
nach Österreich geschickt haben gollen, um die österreichischen BaumwoUwaren- 
fabriken mit englischem Garne genügend zu versehen, und so den Absatz der 
hiesigen Spinnereien zu unterbinden, England setzte außerdem seine Spinn- 
fabriken teils durch Prämien, teils durch andere Begünstigungen in den Stand, 
mit den Preisen der Gespinste um 30% zu fallen, obwohl die BaumwoUe um 40% 
im Preise gestiegen war. Unter Angabe dieser Tatsachen suchten die großen 
niederösterreichischen Spinnereien 1808 um eine Prämie von 30% und um Zoll- 
erhöhung gegenüber dem englischen Garn an. Diesmal wurden die Fabriken mit 
ihrem Gesuche noch abgewiesen^). 

Nachdem aber der obige Bericht des böhmischen Guberniums von 1810 
auch auf Erhöhung des Zolles auf ausländische Baumwollgarne antrug, so erfolgte 
durch Hofdekret vom 25. Dezember 1811 „in Erwägung, daß die inländischen 
Baumwollspinnereien bereits in einem solchen Stande sich befinden, daß die- 
selben die inländischen Baumwollmanufakturen mit dem ihnen notwendigen 
Game besonders von den niederen Nummern vollständig zu versorgen imstande 
sind, um zum Besten des Staates den Ausfluß des guten Geldes soviel als tunlich 
zu vermindern und um den Erwerb im Lande zu befördern" die Erhöhung des 
bisherigen Zollsatzes von 20 fl. vom Zentner netto auf 50 fl. W. W. vom Zentner 
netto ohne Rücksicht auf die Nummer^), 

Schon um 1807 betrug die Einfuhr roher und geschlagener Baumwolle in 
die Monarchie über drei Millionen Pfund. Um dieses Passivum zu eliminieren, 
wurden vielfach Anstrengungen gemacht, die Baumwolle im Inland an- | | 
zubauen. Die ersten diesbezüglichen Versuche fanden 1783 in der Gegend von 
Temesvar statt, wurden aber bald wieder aufgegeben. Vor 1809 wurden die 
Versuche bei Fünfku-chen, sowie in mehreren Distrikten des Banates und der 
Militärgrenze wiederholt und 1809 die ersten Proben davon nach Wien geschickt. 
Diese Versuche wurden aber ebenfalls wieder aufgegeben, da sich das Klima der 
Monarchie zum vollständigen Ausreifen der Samen als nicht geeignet erwies^). 

Das Finanzpatent von 1811 und die Aufhebung der Konti- 
nentalsperre übten wie auf viele andere Berufszweige auch auf die Baumwoll- 
industrie einen schlechten Einfluß aus, auf diese um so mehr, als sie sich vorher 
in einem Zustande der Hochkonjunktur befand, wie keine zweite Industrie- 
gruppe. Nach der Finanzoperation von 1811 schwand die Täuschung des No- 
minalwertes, die Preise stiegen, statt des ehemaligen Überflusses an Papiergeld 
wurde Geldmangel fühlbar, auch die außerordentliche Nachfrage nach Waren 
aUer Art hörte auf, auf den Aufschwung folgte eine allgemeine Stockung. Nach 
der Aufhebung der Kontinentalsperre konnte die junge österreichische Baum- 
wollindustrie außerdem der Überschwemmung durch englische Waren im Wege 
des Schleichhandels nicht die Spitze bieten. Nicht nur, daß ihr Export bald 
aufhörte, sie wurde trotz des höheren Zolles auch in ihrem inländischen Absätze 
bedroht. Kein Wunder daher, daß von 1814 an ein starker Rückgang der Baum- 



\ 



1) H. K. A. Korn., N.-ö., Fasz. 72, Nr. 18 ex mart. 1808. — «) Statth. A. Prag, 1806—1815, 
Kom., Fasz. 13, subn. 9. — ') Keeß, a. a. 0., I, 123 f. 



272 

Wollindustrie zu verzeichnen ist, worauf ein längerer Stillstand folgte^). Neu- 
gründungen wurden seit 1814 schon sehr selten. Anderseits gerieten selbst 
alte berühmte Fabriken ins Schwanken und Arbeiterentlassungen waren an der 
Tagesordnung^). 

So baten 1817 selbst die Interessenten der großen Kettenhofer Fabrik um 
einen staatlichen Vorschuß von 500.000 fl. und zur Rettung der Baumwoll- 
industrie um Verschärfung und sorgfältige Handhabung der bestehenden Einfuhr- 
verbote, sowie um Beschränkung des Hausierens und der damit im Zusammenhang 
stehenden kleinen Druckereien. 

Der Referent der Kommerzhofkommission anerkannte zwar die Bedeutung 
und den Umfang der Fabrik, die Güte ihrer Erzeugnisse, sowie die Verdienste, 
die sie sich um die österreichische BaumwoUindustrie erworben hatte, weshalb 
auch ihre Erhaltung sehr wünschenswert wäre, auch ohne in Betracht zu ziehen, 
daß Tausende von Menschen durch ihren Untergang brotlos würden. Ander- 
seits war er aber der Meinung, daß wenn diese Fabrik bei den ansehnlichen 
Hilfsquellen, die ihren Interessenten selbst zu Gebote stünden, bei dem aus- 
gebreiteten Kredit, den sie genieße, und bei den sehr bedeutenden Realitäten, 
die sie besitze, sich nicht mehr zu erhalten imstande sei, auch nicht gehofft 
werden könne, daß sie durch eine staatliche Unterstützung gerettet werden könnte. 
Außerdem wäre es dem Ärar bei seiner finanziellen Lage selbst sehr schwer, eine 
so große Unterstützung zu gewähren. Aber selbst im Falle, daß die staatlichen 
Finanzen ein so bedeutendes Opfer erlauben würden, meinte der Referent weiter, 
würde man von selten der Kommerzhofkommission niemals darauf einraten 
können, diese Summe einer einzigen, wenn auch sehr großen Unternehmung zu 
widmen, sondern es weit nützlicher und zweckmäßiger finden, dieselbe zur Auf- 
rechterhaltung und Unterstützung kleinerer Fabrikanten zu verwenden, welchen 
es weit schwerer und oft unmöglich sei, sich die nötigen Geldmittel zu verschaffen. 

Wegen AbhiKe gegen den überhandnehmenden Schleichhandel wandte sieh 
die Kommerzhofkommission an die allgemeine Hoikammer um entsprechende 
Maßnahmen. Sonst aber meinte sie, nichts tun zu können, da die Ursache der 
traurigen Lage der inländischen Industrie „in der allgemeinen Stockung des 
Handels und in der durch die wieder eröffneten Seehäfen entstandenen Ver- 
änderung desselben, dann in dem Rückgang eines vieljährigen Kriegszustandes 
zu einem friedlichen, dem Absätze vieler Artikel nicht günstigen Zustand, ins- 
besondere aber in den Geld Verhältnissen und in der Teuerung der Lebensmittel 
und des Arbeitslohnes, welchen Übeln auf einmal zu steuern nicht möglich sei", 
gesucht werden müsse^). 

Die niederösterreichische Regierung trug den Kreisämtern auf, bei Arbeiter- 
entlassungen den Dominien in der Umgebung nachdrücklichst zu empfehlen, 
brotlos gewordene Fabriksarbeiter anderen Nahrungsquellen, namentlich den 
Beschäftigungen der Landwirtschaft, zuzuführen*). 



») H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 29, Nr. 16 ex febr. 1814. — *) H. K. A. Kom. Praes., 1817, 
Nr. 229; Kom. Kom., Fasz. 31, Nr. 186 ex jul. 1817. — ») H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 31, 
Nr. 125 ex febr. 1817. — *) H. K. A. Kom. Kom., Fasz. 31, Nr. 186 ex jul. 1817. 



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273 



Auch die böhmischen Baumwollfabrikanten, darunter selbst die bedeutend- 
sten wie Leitenberger, Graf Kinsky, Wünsche, Fürst Auersperg, Ballabene u, a., 
richteten ihre Vorstellungen an den Kaiser mit der Bitte um Beschränkung der 
Liberalität, welche die Industrie zugrunde richte und um sonstige Abhilfe. Es 
konnte ihnen jedoch gegen die widrigen Zeitverhältnisse auch nicht anders ge- 
holfen werden, als daß sie angewiesen wurden, die von der Staatsverwaltung 
schon getroffenen Maßregeln (vor allem die Ausdehnung der Prohibition auf 
die oberitalienischen Provinzen) oder noch im Zuge befindlichen Einleitungen 
vertrauensvoll abzuwarten^). 

Im Jahre 1818 wiederholten sich dieselben Erscheinungen. So entließen 
die Baumwolldruckfabriken zu Himberg und Kettenhof und die Spinnerei zu 
Schwadorf neuerdings viele Arbeiter. Selbst die an letzterem Orte bestandene 
Schule für die Fabrikskinder wurde aufgelöst. 

Neben der allgemeinen Teuerung der Lebensmittel und der Löhne wurde 
besonders der Druck der Erwerbsteuer stark empfunden, ebenso wie der hohe 
Zoll auf Baumwolle nicht nur diesen Rohstoff wesentlich verteuerte, sondern 
zu Einschwärzungen von BaumwoUwaren geradezu ermunterte^). 

Im selben Jahre zeigte Graf Bouquoy dem böhmischen Gubemium an, 
daß er den Betrieb der Gemnischter Fabrik wegen Mangel an Absatz gänzlich 
einstellen müsse, mit der Bemerkung, daß, wenn schon diese sehr wohl eingerich- 
tete und seit langem rühmlich bestehende Fabrik, deren Besitzer doch noch über 
andere Hilfsmittel verfügen könne, zur Auflösung gezwungen sei, sich von den 
auf ihren Fabriksfonds beschränkten Unternehmungen und den Gewerben 
beim immer weiter um sich greifenden Mangel an Absatz nichts Günstigeres 
erwarten lasse. Namentlich das mit einer bis dahin niemals üblich gewesenen 
Härte gehandhabte Besteuerungssystem müsse zur Folge haben, daß sowohl 
die produzierenden als auch die konsumierenden Stände verarmen würden, 
da sich jeder nur auf das AUernotwendigste zu beschränken gezwungen sei. 
Zugleich zeigte er an, daß er bald auch die Rothenhauser Fabrik einstellen wolle. 

Die Kommerzhofkommission legte diese Anzeige des Gubemiums zu den 
Akten, da sich gegen die widrigen Zeitumstände nichts machen lasse^). 

Selbst die Firma Leitenberger zu Kosmanos, welche nach einem Berichte 
des österreichischen Generalkonsuls in Leipzig wegen der Vorzüglichkeit ihrer 
Waren das Gespräch von halb Deutschland bildete, sah sich gezwungen, um einen 
Vorschuß von 300.000 fl. anzusuchen oder wenigstens um die Bewilhgung, die 
zu ihrem Fabriksbetriebe notwendigen Farbmaterialien und Garne durch 
zehn Jahre zollfrei aus dem Auslande beziehen zu dürfen. Sie erhielt dies zwar 
nicht, aus denselben Gründen, wie sie die Kommerzhofkommission bezüglich 
des früheren Vorschußansuchens der Kettenhofer Fabrik auseinandergesetzt 
hatte; wohl aber wurde im Juli 1818 Franz Leitenberger vom Kaiser wegen 
der Vorzüglichkeit seiner Leistungen die große, seinem Gesellschafter und 
Schwiegersohn Ignaz d'Orlando, sowie dem Koloristen Köchlin und dem 



1) Vgl. oben S. 66 ff. — *) H. K. A. Korn. Korn., Fasz. 42, Nr. 5 ex jun. 1818. — ») H. K. A. 
Kom. Kom., Fasz. 31, Nr. 31 ex febr., 28, 163 ex apr. 1818. 

Slokar, Geschichte der Osterr. Industrie. ]^g 



i i 



274 

Zeichner Jeremias Singer die mittlere goldene Zivilehrendenkmünze mit Öhr 
und Band verliehen^). 

Da die Maßnahmen der Regierung nichts halfen, weil sie nicht viel helfen 
tonnten und sich die ungünstigen Wirkungen so vieler verschiedener krisen- 
erzeugender Umstände erst allmählich beheben konnten, so kamen die Baum- 
wollfabrikanten als erste unter allen Industriezweigen auf die Idee, ihren Be- 
strebungen durch eine gemeinschaftliche Organisation ein stärkeres Rückgrat 
zu verleihen, um so ihre Interessen besser wahren und verfechten zu können. 
Im Jahre 1817 schlössen sich die privilegierten Baumwollwaren- 
fabrikanten Niederösterreichs zu einem formlosen Verein zu- 
sammen und wählten einige von ihnen zu ihren Repräsentanten^). 

Bald begannen sich die Verhältnisse allmählich zu bessern. Schon die Ein- 
beziehung Oberitaliens in das Zoll- und Prohibitivsystem der Monarchie im Jahre 
1817 bedeutete eine Erleichterung und sofort schickten sich die österreichischen 
Fabrikanten, darunter die ansehnlichsten BaumwoUwarenerzeuger, an, vorteil- 
hafte Handelsverbindungen mit diesen Ländern anzuknüpfen^). 

Namentlich seit dem Anfange der zwanziger Jahre war eine allmähliche 
Besserung und ein stetiges Schwinden der Erscheinungen der Depression zu 
bemerken. Die Weberei nahm besonders durch die um 1820 begonnene Einführung 
des Jacquardstuhles eine lebhaftere Entwicklung, besonders was gemusterte 
Stoffe anbelangt*). 

Zahlreiche technische Verbesserungen wurden in dieser Zeit einge- 
führt und die große Zahl der auf solche Vervollkommnungen verliehenen Privi- 
legien zeigt deutlich den Eifer, der auf diesem Gebiete wieder herrschte. So 
erhielt 1823 Karl Wilhelm von Brevillier, Direktor und Mitinteressent der Spinn- 
fabrik in Schwadorf, ein Privileg auf die Erfindung einer neuen Baumwollputz- 
maschine, 1822 Johann von Thornton, Direktor der Pottendorfer Spinnfabrik, 
ein solches auf die Verbesserung der Spinn- und Vorbereitungsmaschine. Johann 
und Karl Freiherrn von Puthon, Inhabern der Teesdorfer Spinnfabrik, wurde 
1821 ein Privileg auf eine Verbesserung der Maschinenspinnerei erteilt, 1822 
dem Franz Girardoni, Gesellschafter der Baumwollspinnerei zu Unterwalters- 
dorf, ein solches auf eine Verbesserung der Watertwistmaschine. Weitere Allein- 
rechte wurden unter anderem erteilt: dem bürgerlichen Webermeister Josef 
Knezaurek in Wien 1822 auf eine Verbesserung des Webstuhls, dem 
bürgerlichen Webermeister Philipp Haas in Wien 1822 auf die Erfindung, 
mittels einer am Webstuhl anzubringenden Maschine bei allen Baum- 
wollgeweben, vor allem bei feinen und dünnen Zeugen, wie beim Vapeur, 
Organtin u. a. eine piöglichst vollkommene Gleichheit und beliebige Dichtig- 
keit des Gewebes zu erzielen^). Eduard Leitenberger zu Neu- Reichstadt erhielt 
1825 ein Privileg auf die Erfindung einer neuen Methode zum Gravieren der 



») H. K. A. Kom. Kom., Fasz. 31, Nr. 83 u. 172 ex jul. u. Nr. 130 ex sept. 1818; Hallwich, 
Leitenberger, S. 111. — ^)\gl oben S. 214. — ») H. K. A. Kom. Praes., 1816—1818, Nr. 1083. — 
«) Beitr. z. Gesch. d. Gew. u. Erf., I, S. 263. — ") Keeß, a. a. 0., IV, S. 25—40. 



275 

Walzen, wodurch dasselbe viel schneller und weit künstlerischer ausgeführt 
werden konnte^). Franz Girardoni wurde 1826 ein Privileg auf eine Verbesserung 
an den Strick-, Vorspinn- und Feinspinnmaschinen zuteil, Karl Wilhelm Brevillier 
und Jakob Zillig 1827 ein solches auf eine Verbesserung an den Mule-, Vor- und 
Feinspinnmaschinen; 1824 wurde den Brüdern Franz und Michael Gradner, 
Eigentümern der Spinnerei in Oberwaltersdorf, ein Privileg auf die Erfindung 
einer Vorbereitungsmaschine für Baum- und Schafwolle und einer neuen Vor- 
richtung bei der Vorspinn- und Watertwistmaschine erteilt. Außerdem wurden 
noch zahlreiche andere Alleinrechte auf mehr oder weniger wichtige Ver- 
besserungen verliehen^). 

Im Jahre 1826 kauften die Zitz- und Kattunfabriken von Kettenhof, Sassin, 
Neunkirchen, Kosmanos, Reichstadt und Jungbunzlau das den Papierfabrikanten 
Spörlin & Bahn 1823 auf die Erfindung der Irisdruckerei verliehene Privileg an^). 

Die Handspinnerei hatte bis zu dieser Zeit durch die Verbreitung 
der Maschinen stark abgenommen und wurde schon in weit schwächerem 
Maße betrieben. Die ehemals von den Fabriken errichteten Faktoreien, welche 
die Verlegung der Spinner auf dem Lande besorgten, gingen daher allmählich ein*). 

Als sich seit dem Anfang der Zwanziger] ahre wieder ein Aufschwung der 
Baumwollindustrie einzustellen begann, zahlreiche neue Unternehmungen ent- 
standen und sich der Betrieb immer lebhafter gestaltete, da wurden bald wieder 
Klagen über die Schleuderhaftigkeit der Erzeugnisse und den Falschdruck 
laut und von der Regierung entsprechende Maßnahmen dagegen verlangt. 
So war die Staatsverwaltung gezwungen, sich um die Mitte der Zwan- 
zigerjahre mit der Frage der Wiedereinführung der Spinn-, Garn- 
und Stempelordnungen zu beschäftigen. Doch meinte die nieder- 
österreichische Regierung, daß diese Ordnungen, die aus einer Zeit stammen, 
in welcher die Staatsverwaltung das Gewerbewesen und die Industrie noch unter 
der Vormundschaft halten zu müssen glaubte, schon beim ersten Anblick mit 
den in der neueren Zeit von der österreichischen Kommerzverwaltung beobach- 
teten Grundsätzen in offenbarem Widerspruche stehen. Die Erfahrung lehre, daß 
alle solche Ordnungen als Zwangsanstalten überflüssig, zweckwidrig, nachteilig 
und sogar unausführbar seien, Sie seien Hindernisse füi- die Industrie, welche 
nur bei einer ungehinderten Freiheit fortschreiten könne, daher seien sie nicht nur 
nicht neu einzuführen, sondern eher auch dort, wo sie noch bestehen, aufzuheben^). 

Außerdem mußten sich die Behörden in dieser Zeit mit der Forderung 
zahlreicher Baumwollwarenerzeuger nach Erlassung eines Gesetzes gegen 
den Falschdruck beschäftigen. Schon unter dem 1. September 1796 war 
eine solche Verordnung gegen den Falschdruck der Kattunwaren erlassen worden, 
die in den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts in den altösterreichischen 
Provinzen noch in Kraft stand, ohne aber beobachtet und gehandhabt zu werden. 
Auf verschiedene Anzeigen hin, daß der Falschdruck überhandnehme, erinnerte 



1) Keeß u. Bliimcnbach, a. a. 0., I, S. 126—154. — ^) Keeß u. Blumenbach, a. a. 0., I, 
S. 350. — ') H. K. A. Korn. Kam., Fasz. 39, Nr. 111 ex mart. 1826. — «) Keeß u. Blumenbach, 
a. a. 0., I, S. 120. — *) H. K. A. Korn. Kam., Fasz. 31 Nr. 48 ex, dec. 1825. 

18* 



276 

die niederösterreichische Regierung unter dem 3. August 1817, daß, da das 
Regierungszirkular von 1796 nicht aufgehoben worden sei, es nicht in der Macht 
der Landesstelle liege, eine Nachsicht der darin ausgesprochenen Strafen zu 
bewilligen. Vielmehr wurden die Unterbehörden angewiesen, gegen jeden, der 
sich eine Übertretung dieser Verordnung zuschulden kommen lasse, im Sinne 
derselben ohneweiters amtszuhandeln'^). 

Da aber seit 1796 die Einführung der Walzendruckerei und die Anwendung 
der technischen Chemie auf die verschiedenen Zweige des Farbendruckes in den 
Verhältnissen der Druckmethoden baumwollener Stoffe die wesentlichsten Ver- 
änderungen hervorgebracht hatten, so war die Verordnung von 1796 immer 
weniger anwendbar geworden, um so weniger, als die Mode selbst vielfach den 
Gebrauch unecht gedruckter Zeuge bei mehreren Verwendungen, bei denen 
öfteres Waschen derselben in Seife nicht vorkommt, wie z. B. zu Möbelstoffen 
u. dgl. sehr ausgedehnt hatte und der Absatz derselben sowohl durch den wohl- 
feileren Preis als durch ein lebhaftes Kolorit begünstigt wurde. War es schon 
an und für sich nicht tunlich, die meisten Bestimmungen jener veralteten Verbots- 
verordnung mit den Fortschritten der Druckerei bis 1820 in Einklang zu bringen, 
so hätte die whkliche Handhabung dieser Bestimmungen bei der großen Nach- 
frage des Publikums nach unechter Ware und dem bedeutenden Exporte der- 
selben, besonders nach Ungarn, eine bedenkliche Stockung in der ganzen Baum- 
wolldruckerei und vielleicht selbst zunehmenden Schleichhandel solcher Waren 
aus dem Auslande zur Folge gehabt. Außerdem hatte die erwähnte Druck- 
ordnung von 1796 in den 1817 mit Österreich zollpolitisch vereinigten oberita- 
lienischen Provinzen keine Gesetzeskraft, während der Verkehr mit denselben 
ganz frei war, was die Anwendung jener Bestimmungen fast unmöglich machte. 

Im Gegensatze zu dieser Anschauung der Kommerzhofkommigsion bemühten 
sich die Baumwollwarenerzeuger um Erlassung einer neuen Verordnung gegen 
den Falschdruck. Die Repräsentanten der niederösterreichischen Zitz- und 
Kattunfabriken hatten schon anfangs 1818 um die Wiederveröffentlichung der 
Bestimmungen von 1796 angesucht. Im Mai 1822 urgierte Johann Ziegler (Ketten- 
hofer Fabrik) die Erlassung einer solchen Verordnung, „damit doch einmal 
Ordnung in dieses Chaos kommt, die hierländige Baumwolldruckerei mit Ehren 
wieder auftreten kann und die grenzenlose Schleiderey aufhören muß, die haupt- 
sächlich von den Juden ausgeht und wodurch das Publikum, vorzüglich aber 
der geringere Stand der Verbraucher betrogen wird". 

Und in der Tat gelang es den Baumwollfabrikanten es durchzusetzen, daß 
die Verordnung von 1796 wenigstens in Böhmen vom dortigen Gubernium unter 
dem 5. März 1821 wieder veröffentlicht wurde. Dies tat die böhmische Landes- 
stelle, ohne die Hofstelle zu befragen, denn die Kommerzhofkommission erließ 
keine diebezügliche Weisung und beschäftigte sich erst 1823 wieder mit der 
Frage, ob und wiefern die Bestimmungen von 1796 im Sinne der Fortschritte 
der Industrie und der Bedürfnisse der Zeit umzuändern und auch auf die Ver- 



») Barth, a. a. 0., VI, S. 235. 



277 

hältnisse der neuen Provinzen anwendbar einzurichten wären, um auf diese Weise 
sodann ein neues verbessertes Reglement für die ganze Monarchie einzuführen. 

Die Kommerzhofkommission stand jedoch prinzipiell auf dem Standpunkte, 
daß die Einmengung der Staatsverwaltung in die Einzelheiten des Gewerbe- 
betriebes mittels umständlicher Qualitätenordnungen nur in der Kindheit 
der Industrie allenfalls tunlich sei, dagegen bei den Fortschritten derselben sie 
weit mehr hemme als fördere. Dabei entgingen der Hofstelle auch nicht die 
möglichen Nachteile des entgegengesetzten Extrems des laisser faire und laisser 
aller. Die Staatsverwaltung dürfe dann nicht mehr ruhig zusehen, 
wenn Verhältnisse eintreten, die den Kredit der Industrie be- 
einträchtigen und das kaufende Publikum schwer schädigen. 
Es sei, meinte der Referent der Kommerzhofkommission, nicht zu verkennen, 
daß gerade bei der Druckerei und Färberei das Echte vom Unechten nicht leicht 
zu unterscheiden sei, wodurch der Betrug wesentlich erleichtert werde. Ja die 
unechten Farben seien sogar glänzender und schöner. Würden nun Übervor- 
teilungen und Betrügereien in einem Staate stark überhandnehmen, so wäre es 
um den Kredit seiner Industrie geschehen und fremde Waren würden auf allen 
Märkten den inländischen vorgezogen werden. Anderseits vermöchte ein 
Reglement, welches, ohne in das Getriebe der Produktion störend einzugTeifen, 
Betrug und Übervorteilung soviel als möglich verhindern würde, den Kredit 
und Absatz wesentlich zu erhöhen. 

Als die zweckmäßigste Grundlage einer solchen Ordnung erschien der 
Kommerzhofkommission die Bestimmung, daß es zwar jedem Färber und 
Drucker freistehen solle, nach Belieben zu drucken, daß ihm 
jedoch die Möglichkeit benommen werde, sein Produkt für etwas 
besseres auszugeben, als es wirklich ist. Auf diesen Erwägungen be- 
ruhte der Entwurf einer auf die Verhältnisse der Monarchie berechneten Waren- 
bezeichnungsordnung für gedruckte Baumwollstoffe, der den Länderstellen von 
Niederösterreich, Mailand und Venedig mit dem Auftrage bekannt gegeben wurde, 
sich nach Einvernehmung theoretischer und praktischer Sachverständiger, ins- 
besondere von Fabrikanten und Handelsleuten, die sich mit diesen Waren be- 
fassen, hierüber gutachtlich zu äußern. Ebenso wurde das Wiener polytechnische 
Institut um seine Meinung befragt. Auf Grund dieser Erhebungen wurde 1823 
ein neuer Entwurf eines solchen Reglements verfaßt. Derselbe beruhte 
im wesentlichen auf folgenden Hauptpunkten: 1. Bezeichnung des Ursprungs 
der Ware, 2. Bezeichnung der Qualität der gedruckten Baumwollwaren, 3. Stemp- 
lung der Vorräte, 4. Strafsanktion, 5. Verfahren bei Übertretungsfällen. Zu- 
gleich glaubte die Kommerzhofkommission dadurch auch den Schleichhandel 
erschweren zu können. Zur Bezeichnung des Ursprungs war vorgesehen die An- 
bringung des Namens oder der Firma, des Ortes und der Provinz der Druckerei; 
als Qualitätszeichen die Bezeichnung a) fest, b) halbfest oder c) Tafeldruck. 
Fest sollte nur aufgedruckt werden dürfen nach einer Waschprobe mit warmer 
Seifenlauge, Tafeldruck, wo sämtliche Farben einem Waschen nicht standhalten, 
halbfest hingegen, wo sie teilweise standhalten. 

Durch die Aufhebung der Kommerzhofkommission (1824) wurde die Er- 



278 

ledigung dieser Angelegenheit vereitelt. Die Klagen der Fabrikanten hörten aber 
nicht auf. Unter dem 8. Dezember 1824 baten die Repräsentanten der nieder- 
österreichischen Zitz- und Kattunfabriken wiederum um baldigste Bekannt- 
machung einer neuen Vorschrift über die Echtfärbung und wiesen auf die Schäden 
hin, welche sonst der Fabrikation und dem Publikum erwachsen würden. Dasselbe 
Ansuchen wiederholte sich 1825 und 1826. 

Neben einigen böhmischen und mährischen Fabriken wurden 1827 einige 
Kottondruckfabrikanten in Wien des Falschdruckes beschuldigt, weshalb gegen 
dieselben die Amtshandlung der Regierung angesprochen wurde. Die Landes- 
stelle befand sich nun in einer Klemme. Es lag der Fall vor, daß „drei der vor- 
züglichsten Druckfabrikanten" nach der Verordnung von 1796 gestraft werden 
sollten und die Regierung stand vor der Alternative, entweder die 
Verordnung handzuhaben, welche mit den Verhältnissen der Fa- 
brikation dieser Zeit im grellsten Widerspruche stand, oder aber 
zuzusehen, wie diese Verordnung täglich übertreten werden mußte, 
wenn der Fabrikant mit der Zeit und der Mode fortschreiten wollte. 
Deshalb erbat sich die Regierung von der Hofkammer diesbezügliche Weisungen. 

Bei der Hofstelle ließ aber die Erledigung lange auf sieh warten. Da be- 
schäftigte man sich zunächst ausführlich mit den Maßregeln zur Kontrollierung 
der Baumwollfabrikation und mit der Warenbezeichnung überhaupt. Eine 
Ausarbeitung darüber wurde 1828 durch den Referenten von Krauß vollendet; 
1829 wurde nun beschlossen, die Verhandlung über die Maßnahmen gegen den 
Falschdruck damit zu verbinden. Da aber die Ausarbeitung über die Waren- 
bezeichnung dem Finanzminister überreicht worden war, so wurden die Ver- 
handlungen über den Falschdruck im März 1829 einstweilen beiseite gelegt, um 
diesen Gegenstand erst nach der Rücksendung des Elaborats über die Waren- 
bezeichnung wieder aufzunehmen^). Für mehrere Jahre war hiedurch die Ange- 
legenheit wieder begraben. Denn erst im Februar 1838 erfloß auf den diesbezüg- 
lichen Vortrag vom 7. Jänner 1836 die allerhöchste Entschließung, durch welche 
die Warenstemplung auf Webe-, Netz- und Wirkwaren aus Baumwolle allein 
oder mit anderen Stoffen gemischt beschränkt wurde, in Ansehung der Privat- 
warenbezeichnung aber, um diesbezüglich eine Rechtsgleichförmigkeit mit den 
oberitalienischen Provinzen herzustellen, weitere Erhebungen, Verhandlungen 
und Vorschläge angeordnet wurden. 

Auch die Einschränkung der Warenstemplung auf die Waren aus Baum- 
wolle erwies sich als nicht durchführbar und da die Hofkammer die Absicht 
hatte, die Verordnung gegen den Fakchdruck zusammen mit derjenigen über 
die Warenbezeichnung (Stemplung) zu erledigen, so kam die Angelegenheit erst 
recht nicht vom Fleck. Über die Warenbezeichnung dauerten die Verhandlungen 
lange fort, wobei der niederösterreichische Gewerbeverein öfters aufgefordert 
wurde, sich darüber gutachtlich zu äußern, welcher schließlich 1848 für die voll- 
ständige Aufhebung des Kommerzialwarenstempels eintrat^). 

1) H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 42, Nr. 56 ex mart. 1829. — Barth, a. a. 0., VI, 235. — 
'') A. d. Fin. Min., Kommerz, Fasz. 28, Nr. 180, März 1838; Fasz. 15, Nr. 395, März 1843; 
50 Jahre gewerbl. Bestr., S. 338. 



279 

So zeigt sich auch in diesem Falle die für jene Zeit charakteristische „Schreib- 
seligkeit" und das endlose Aufgehen in Erhebungen und Verhandlungen, die so 
manche Reform und selbst dringende Maßnahmen auf unabsehbare Zeit hinaus- 
schoben, wenn nicht ganz verhinderten. Dasselbe Bild tritt uns entgegen in den 
öfters wiederkehrenden langwierigen Verhandlungen über die Einführung 
eines gesetzlichen Musterschutzes, woran die Baumwollfabrikanten am 
meisten interessiert waren^). 

Seit dem Ende der Zwanzigerjahre machte sich aber gemäß dem von der 
Staatsverwaltung befolgten Prinzipe der Nichteinmischung immer mehr der 
Einfluß der eigenen Kraft der Industrie geltend, wobei namentlich die neu auf- 
gekommenen industriellen Vereine vieles zugunsten der Industrie erwirk- 
ten oder selbst durchführten. Allerdings blieb auch die Staatsverwaltung bei 
allen solchen die Industrie fördernden Maßnahmen und Veranstaltungen nicht 
im Hintergrunde, sie war vielmehr bestrebt, dieselben möglichst zu erleichtern, 
ja sogar auch selbst durchzuführen, wie sich dies am deutlichsten bei den Ge- 
werbeausstellungen und bei der wohlwollenden Haltung der Regierung 
gegenüber den Gewerbevereinen zeigte^). 

2. Die Entwicklung der Baumwollindustrie. 

Die Baumwollindustrie nahm besonders in Böhmen, Niederösterreich und 
Vorarlberg eine große Ausdehnung. Die Spinnerei war bis zum Aufkoramen der 
mechanischen Spinnereien um die Jahrhundertwende durchweg nach dem 
Verlagssystem organisiert und wurde von der bäuerlichen Landbevölkerung 
als Nebenbeschäftigung betrieben; ebenso die Weberei, wobei die Spinner und 
Weber von Händlern oder von Baumwolldruckfabrikanten verlegt wurden. 
Jeder Baumwollwarenerzeuger beschäftigte so eine mehr oder weniger große 
Anzahl von Spinnern und Webern, um sodann das Gewebe selbst zu appretieren, 
zu drucken und in den Handel zu bringen. Die Spezialisierung und Arbeitsteilung 
war ursprünglich noch nicht weit gediehen. Derselbe Unternehmer organisierte 
meistens die Spinnerei und Weberei, besorgte die Appretur und Druckerei, um 
die Ware auch selbst in den Handel zu bringen. 

Im 18. Jahrhundert entstanden in Österreich schon mehrere größere Unter- Nieder- 
nehmungen der Baumwollindustrie. Die erste wichtige BaumwoUwarenfabrik ****"'""•'''" 
war die 1723 von der priv. orientalischen Kompagnie gegründete Schwechater Sohwechat 
Zitz- und Kottunf ab rik, welche auch mit einer eigenen Färberei und Druckerei ^'^^• 
versehen war; 1736 folgte die Gründung der Fabrik in Sassin in Ungarn durch 
Franz von Lothringen. Die Schwechater Fabrik ging später an eine Gesellschaft 
von Wiener Handelsleuten über und ihr Privilegium von 1726 wurde bis 1763 
verlängert; 1754 ging sie in das Eigentum des Freiherrn von Badenthal über, 
die Sassiner in jenes der Freiherren von Puthon. Zu Anfang der fünfziger Jahre 
wurde zu Fricdau durch Baron Fries eine Barchentfabrik gegründet, welche Friedau. 
später durch Baron Grechtler in eine Kattunfabrik umgewandelt wurde, auf 
welche 1770 durch Graf Blümegen die k. k. priv. Zitz- und Kattunfabrik 

Vgl. oben S. 255 ff. — *) Vgl. oben S. 210 ff u. 225 ff. 



280 

Kettenhof zu Kettenhof und bald darauf die zu Ebreichsdorf (Franz Xaver Lang^) 
1770. yjj(j j^r^g^ ((Jurch Reinke) die zu St. Polten, endlich die zu Himberg folgten, 
dorf. Mit der Schwechater zusammen wurden diese Fabriken „die 6 k, k. priv. Zitz- 
st. Polten, und Kattunfabriken" genannt^). 

Himberg. j^ Jahre 1772 stellten sich die Betriebs Verhältnisse der bedeutenderen 
niederösterreichischen Baumwollwarenfabriken folgendermaßen^): 

Die Schwechater beschäftigte 234 Meister, 54 Gesellen, 40 „Jungen und 
Scholaren", 129 Handlanger, 90 Arbeiterinnen, 55 Spinnfaktoren und Beamte, 
6950 Spinner und Spinnerinnen, 261 Krempler, Sortierer u. dgl, 702 Stühle 
und 7 Pressen. 

Die Friedauer zählte 100 Meister, 164 Gesellen, 64 „Jungen und Scholaren", 
211 Handlanger, 401 arbeitende Weibspersonen, 19 Spinnfaktoren und Beamte, 
5260 Spinner, 190 Krempler, Sortierer u. dgl,, 220 Stühle und 5 Pressen. 

Die Kettenhofer ernährte 1 Meister, 150 Gesellen, 2 Handlanger, 8 Spinn- 
faktoren und Beamte, 1950 Spinner und 182 Krempler. 

Während so in Niederösterreich im 18. Jahrhundert mehrere bedeutende 
Baumwollwarenfabriken entstanden, kamen später nicht so bald nennenswerte 
Mecha- Neugründungen hinzu. Hingegen nahm in diesem Lande seit der Jahrhundert- 
nische y^ende die Baumwollmaschinenspinnerei einen großen Aufschwung. 
Obwohl die Baumwollspinnmaschinen schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts 
zuerst in Böhmen Eingang gefunden hatten, so entstanden doch die ersten großen 
BaumwoUmaschinenspinnunternehmungen in Niederösterreich. Im Jahre 1801 
wurde von der oktroyierten Leihbank die k. k. priv. Garnmanufaktursgesell- 
schaft ins Leben gerufen*), welche durch den Engländer Johann Thorton ^) zu 
Pottendorf Pottcudorf cinc bedeutende Maschinen spinnfabrik errichtete, die erste in Öster- 
1801. j-eicij^ welche sich mit dem Garnverkauf im großen befaßte, während die damals 
in Böhmen schon bestehenden Unternehmungen dieser Art fast nur für den 
eigenen Bedarf arbeiteten. Die Pottendorfer Baumwollspinnerei gehörte an 
Größe gleich zu den bedeutendsten des Kontinents. Im Jahre 1811 zählte sie 
schon 38.880 Spindeln und beschäftigte an 1800 Menschen*). 

Dieser folgte 1802 eine zweite bedeutende Spinnfabrik in Schwadorf 
(Fries & Co.), sodann weitere in Brück (1802), in Kaltengang bei Ebreichs- 
dorf (1802), Klosterneuburg (1802), Teesdorf (1803 durch Freiherrn 
von Puthon) und Liesing (1805^). 

Durch das Überhandnehmen der Spinnmaschinen nahm die Zahl der Spinner 



^) Lang wurde wegen seiner Verdienste um die Industrie 1790 in den Adelsstand, 1793 in 
den Ritterstand erhoben (Staatsrat 1790, Nr. 3619, 1793, Nr. 3536); später erlangte er den 
Freihermstand. — 2) Hallwich, Leitenberger, S. 12—37, 52 f.; Anfänge d. Großind., S. 43, 52 f.; 
Großind. Ost., IV., S. 196; Blumenbach, Landeskunde, II, S. 130 f.; Kommerzialschema 
Wiens (1780), S. 265; H. K. A. Kom., N.-ö., Fasz. 72, Nr. 65 ex aug. 1783; Ber. ü. d. Ausst. 
Wien 1845, S. 544. — ») Tabelle d. Fabriken Nied.-Öst. f. 1772 in A. d. Min. d. Inn., V. G. 5, 
Kart. 2934. — *) H. K. A. Kom., N.-Ö., Fasz. 72, Nr. 31 ex jun. 1801. — *) Vgl. oben S. 183 f. — 
•) Die Geschichte ihrer Entstehung und Entwicklung bis 1811, s. in Vaterl. Blätter, 1811, 
Nr. 90. — ') Vgl. Tabelle S. 283. 



281 

in den ländlichen Bezirken immer mehr ab und der Nebenverdienst ging der 
bäuerlichen Bevölkerung allmählich verloren. Aus einer Nebenbeschäftigung 
der Landbewohner entstand so durch die Maschinen eine moderne Fabriksindustrie 
mit einem zahlreichen Betriebspersonal in eigenen Fabriksgebäuden. 

In den ersten drei Lustren des 19. Jahrhunderts, einer Zeit riesigen Auf- 
schwunges der Baumwollindustrie WTgen der Kontinentalsperre, kamen in 
Niederösterreich noch einige Baumwollwarenfabriken und Druckereien hinzu. 
Die Zitz- und Kattunfabrik zu Neunkirchen, welche 1803 (damaliger zitz- nnd 
Besitzer war Schwingenschlögl) die fabriksmäßige Befugnis erhalten hatte, Kattun- 

fäbrik zu 

erlangte 1807 die Landesbefugnis, da sie 16 Drucktische in Betrieb hatte^). Neun- 
Im Jahre 1814 werden in Niederösterreich Baumwoll- und Leinwand- kirchen. 
druckereien ausgewiesen in Guntramsdorf, Hiraberg und Stätters- 
dorf; BaumwoUzeugdruckfabriken: zwei in Sechshaus, Perchtolds- 
dorf, Inzersdorf, Ebreichsdorf, Himberg, Kettenhof, Schwechat, 
Erlaa, Meidling, Steinabrückl, Neunkirchen, Mödling, St. Polten, 
sowie fünf in Wien. Die größte von allen Druckfabriken war die in Ebreichs- 
dorf mit 24 Beamten, 130 Meistern, 592 Arbeitern, 2052 Arbeiterinnen, 75 Druck- 
tischen und 410 Webstühlen^). 

Viel stärker war der weitere Aufschwung der mechanischen Baumwoll- Spinne- 
spinnereien, welche sich in Niederösterreich in einer Ausdehnung entwickelten, '■"*°- 
wie sonst in keinem anderen Kronlande. So findet man in diesem Lande 1814 
schon zwölf bedeutende Baumwollspinnereien, indem zu den erwähnten 
noch hinzukamen: die von Himberg, Schönau und SoUenau (gegr. 1810 
und 1812 durch M. Fächer E. v. Theinburg), Neusteinhof (1810), Eber- 
gassing (1813 durch die BaumwoUgammanufaktursgesellschaft gegründet), 
Neunkirchen (errichtet 1813 durch Eltz & Co.) und Steinabrückl (gegr. 
1814 durch die Gebrüder Glanz & Clotti)^). 

Es folgte auf diese Periode des Aufschwunges ungefähr ein ganzes Jahr- Depression 
zehnt tiefster Depression*) und infolgedessen ein bedenklicher Stillstand ^"* ^^^^• 
in der Fabrikation, was sich auch durch das fast vollständige Fehlen von 
Neugründungen in dieser Zeit offenbart. Die Folgen der Krise waren so 
empfindlich, daß selbst alte, ausgedehnte und kapitalskräftige Unternehmungen 
ins Wanken gerieten, so auch die Kettenhofer Fabrik, und Arbeiterentlassungen 
und Betriebseinschränkungen oder gänzliche Einstellungen an der Tagesordnung 
waren^). Gegen die widrigen Zeitumstände konnte es auch nicht viel helfen, 
daß sich die niederösterreichischen privilegierten Zitz- und Kattunfabrikanten 
zusammenschlössen, um ihre Interessen durch gewählte Repräsentanten gemein- 
sam zu vertreten®). 

Die Zitz- und Kattunfabrik zu St. Polten ging ein'), ebenso wie 1819 auch 
die zu SteinabrückF). 



^) Statth. A. Wien, Kart. 5762, A. 13, Nr. 10155 ex 1807. — «) Vaterl. Bl. 1814, Nr. 46. 
— 3) H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 31, Nr. 86 ex aug. 1828; vgl. auch S. 283. — «) Vgl. oben 
S. 64 f , 66 ff., 101 f., 271 ff. — ») Vgl. oben S. 271ff. — «) Vgl. oben S. 214 f. — ') Keeß, a. a. 0., 
IV, S. 42. — ») H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 31, Nr. 105 ex nov. 1824. 



282 

Allmählich begannen sich aber die Verhältnisse zu bessern und die Nach- 
wirkungen der Krise waren in der ersten Hälfte der Zwanzigerjahre schon ganz 
überwunden. 
Neun- Im Jahre 1819 wanderten die Schweizer Fabrikanten Vaucher du Pas- 

kirchen. quigr ^ Qg. aus Ncufchätel nach Österreich ein und übernahmen die seit 1802 
Du Pas- bestehende Kottonfabrik zu Neunkirchen, welche sie zu großer Blüte brachten. 
quier&co. Zu Eudc dcssclben Jahi-es wurde ihnen die Landesfabriksbefugnis verliehen. 
Die Maschinen und Gerätschaften, welche sie für diese Unternehmung ein- 
führten, wurden zollfrei eingelassen. Seit 1820 lautete die Firma: Du Bois, Du 
Pasquier & Co.^). 
Baumwoii- Im Jahrc 1827/28 findet man in Niederösterreich schon eine ganze Reihe 
waren- on-oßer Baumwollwarcuf abrikcu. Die Neunkirchner (Vaucher du Pas- 

fabriken 

1827/1828. qui^r) hatte 60 Drucktische und eine Druckmaschine, die zu Friedau ebenfalls 
60 Drucktische und eine Druckmaschine, die zu Atzgersdorf (Josef Klein) 
40 Drucktische, die zu Erlaa (Boltz & Müller) 50 Drucktische, eine Maschine 
und eine Dampfmaschine, die zu Hacking (Franz Maurer) 35 Drucktische, 
die zu Himberg (Theodosius Blumauer^) 30 Drucktische, eine zweite zu Atzgers- 
dorf (Brüder Lepper) 30 Drucktische, die zu Fis chamen d (Josef Fehr) 25 Druck- 
tische, die zu Himberg (Max Khünel) 15 Drucktische, die zu Ebreichsdorf 
(Baron Lang) 40 Drucktische und eine Maschine. Außerdem bestanden noch 
mehrere kleinere Unternehmungen dieser Art^). 

Kettenhof. Dagegen hatte die alte Kettenhofer Fabrik, nachdem sie 1786 — 1826 unter 
der Leitung des rührigen Direktors Johann Ziegler gestanden war, 1826 den 
Betrieb eingestellt*), worauf sie 1827 von Vitus Mayer, dessen Bruder S. Mayer, 
Baron Jakob Fries und Johann Ziegler übernommen wurde. Seit 1834 wurde 
sie von Salomon Mayer auf eigene Rechnung fortgeführt; 1835 beschäftigte 
sie gegen 2000 Weber und ein Fabrikspersonal von 393 Individuen beiderlei 
Geschlechtes zum Färben und Drucken^). 

Um 1830 war unter allen Baumwollfabriken Niederösterreichs die zu Neun- 
kirchen am bedeutendsten, welche neben vortrefflichen technischen Einrichtungen 
auch eine eigene Werkstätte zur Erzeugung der erforderlichen Maschinen hatte*). 
Spinne- Die Baumwollmaschinenspinnereien nahmen in Niederösterreich 

reien 1828. ggj^ (jgj^ Zwanzigerjahrcu in ungeahnter Weise zu, so daß ihrer 1828 schon 30 
gezählt werden konnten. Folgende Tabelle veranschaulicht diese Entwicklung 
bis 1828'). 



i)H. K. A. Korn. Praes. 1816, Nr. 628, 734, 790, 870; 1820, Nr. 106V2; Kom. Korn., Fasz. 31, 
Nr. 18, 58 ex nov. 1819; Großind. Ost., IV, 268. — ») 1821 wird in Gumpendorf bei Wien ein 
landesbefugter Zitz- und Kattunfabrikant desselben Namens erwähnt (H. K. A. Kom. Kom., 
Fasz. 14, Nr. 27 ex apr. 1821). — *) Großind. Ost., IV, 198; Keeß u. Blumenbach, a. a. 0., I, 
369 ff. — ♦) H. K. A. Kom Kam., Fasz. 31, Nr. 16 ex majo 1827, Fasz. 10, Nr. 61 ex febr. 1828. 
— s) Großind. Ost., IV, 267; Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1835, S. 119 f. — •) Keeß u. Blumenbach, 
I, S. 370. — ') H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 31, Nr. 86 ex aug. 1828: Die Ausschüsse d. n.-ö. 
Baiimwollspinnfabriken überreichen eine Denkschrift über den Zustand d. öst. Baumwollspinne- 
reien i. J. 1828 samt Verzeichnis derselben; Keeß u. Blumenbach, a. a. 0., I, S. 166 ff. 



283 



Verzeichnis der niederösterreichischen Baumwollspinnereien. 





Grün- 1 


-ä 


dungs- 


SJ 


jahr 


1 


1801 


2 


1802 


3 


1802 


4 


1802 


5 


1802 


6 


1803 


7 


1805 


8 


1810 


1812 


9 


1810 


10 


1813 


11 


1813 


12 


1814 


13 


1820 


14 


1820 


15 


1822 


16 


1822 


17 


1823 


18 


1823 


19 


1823 


20 


1824 


21 


1825 


22 


1825 


23 


1825 


24 


1826 


25 


1827 


26 


1828 


27 


1827 


28 


1828 


29 


1827 


30 


1828 



Ort 



Pottendorf 

Schwadorf . , 
Brück . . , 

Kaltengang bei 
Ebreichsdorf . . 
Klostemeuburg 
Teesdorf . . . 

Liesing . . . . 
Schönau und 

SoUenau . . 
Neu-Steinhof 

Ebergassing . . 

Neunkirchen . . 
Steinabrückl . . 
Fahrafeld . . . 
Oberwaltersdorf 
Leobersdorf . . 
Brück . . . . 



Minkendorf 



Hoheneich . . , 
Wr.-Neustadt 
Klosterneuburg 
Brück ... 
Tasdorf ... 
Felixdorf . . 
Möllersdorf. . 
Pischau ... 

Tattendorf . 
Ebenfurt . . 

Wienersdorf . 
Fischaraend . 
Schwechat und 
Kettenmilhle 



Eigentümer 



Zahl der Feinspinn- 
maschinen 



K. k. priv. Garnmanu- 
faktursgesellschaft . . 
Graf Priessche Gläubiger 
Georg Ankemius . . . . 



Ignaz Freiherr v. Lang . 

Konrad List 

J. B. &C. Freiherren von 

Puthon 

H. von Ginsberg . . . 



M. Fächer E. v.Theinburg 
Drosso Lago 



Baumwollgarnnianufak- 
tursgesellschaft . . , 

Eltz & Co , 

Gebrüder Glanz & Clotti 
0. H. von Coith . . . , 
Gebrüder Gradner . , 
Karl Hornbostel . . . , 
Josef Wechtl 



E. V. Thornton der ältere 



Isnenghi & Zanetti 
Josef Hepelhofer . . . 
Heinrich Gurkenbühl . 
Gebrüder Conrad) . . 

Piers 

E. Odersky 

Mohr 

K. F. Bräunlich in Wr. 

Neustadt 

Girardony 

Thornton d. j. u. Metaya 



J. J. Piers 
Fehr . . 



G. Ankemius 12 Mules ä 204 



Spindel- 
zahl 



224 Mules, 62Water,4Zwirn- 

maschinen 47.460 175—200000 

132 Mules 23.760 100.000 

übernommen von Tylor & Royce und 1828 über- 
tragen nach Schwechat 



Packzahl der 
jährlichen 
Erzeugung 



44 k 180 Spindeln 
3 Mules 



117 Mules, 17 Water 
37 Mules ä 204 . . 



56 ä 204, 30 im Gang 



60 Mules k 180 Spindeln 
48 Mules ä 180 .... 
48 Mules ä 180 .... 
72 Mules ä 180 .... 
31 Mules ä 160 .... 



8 ä 180 , 



vide Tattendorf 



■I 



15 Mules . . . 
25 Mules ä 180 

4 Mules . . . 
12 Mules ä 180 
21 Mules . . . 

16 Mules k 180 
23 Mules k 180 



14 ä 180 

12 Mules 

12 Mules k 180, 6 Zwirn 
maschinen 



3 Mules, 2 Wator 



7.920 



22.800 
2.080 

100.600 
12.000 

100.000 
20.800 wirkL 

Fähigkeit: 
41.600 
37.500 
40.000 

25—27.000 
60.000 
38.000 
18.432 
15.600 



18.682 
6.936 

25.000 
11.424 (im 
Gang6.120) 

10.800 
8.640 
8.640 
12.960 
4.960 
4.608 
1.440 

Die vorhandenen Ma- 
schinen werden nach 
Tattendorf übertragen 
und in Minkendorf an- 
dere gebaut 



2.460 
4.500 
400 
2.160 
3.700 
2.880 
4.140 

2.520 
1.800 

2.160 



2.448 



10.400 
35.000 
2.860 
12.000 
20.000 
25.000 
25.000 

12.000 
33.800 

25.000 

1.200 

10.400 



Bemerkenswert ist der aus dieser Zusammenstellung deutlich ersichtliche 
Stillstand zwischen 1814 und 1820 und die Erholung seit dem Anfange der 
Zwanzigerjahre. 

Die niederösterreichischen BaumwoUspinnfabrikanten vertraten durch ihre Ausschüsse 
selbstgewählten Vertreter (Ausschüsse) energisch ihre Interessen. Im Jahre der Baum- 
1826 meldeten sie der Regierung, daß sie durch den Mangel an zuverlässigen fabrikau- 
Nachrichten aus Ägypten, woher sie die feine Baumwolle bezogen, Schaden litten, ten. 
und baten die Regierung um diesbezügliche Berichte durch das Konsulat in Alex- 
andrien. Von der Hofkammer wurde denn auch diesem Konsulate aufgetragen, 
Berichte über die Baumwollernte, über deren Preise, über die Vorräte der zur 
Ausfuhr bestimmten Gattungen und über die auf den Handel mit Ägypten 
Einfluß habenden Umstände einzusenden, welche dann den Ausschüssen der 
niederösterreichischen BaumwoUspinnfabrikanten mitgeteilt wurden^). Auch 



H. K. A. Korn. Kam., Fasz. 5, Nr. 148 ex dec. 1826, 156 ex majo 1827. 
Industriellenvereinigung vgl. oben S. 215 u. 224 f. 



Über diese 



284 

wünschten die Spinnereien, daß eine regelmäßige, schnelle und zuverlässige 
Verbindung Triests mit Ägypten hergestellt werde, da sie sonst nie auf eines 
ihrer dringendsten Bedürfnisse rechnen könnten, nämlich auf einen gesicherten 
Baumwollmarkt in den österreichischen Seehäfen^). 

Seit dem Anfange der Dreißigerjahre ging die Entwicklung weiter 
und es entstanden mehrere neue Baumwolldruckunternehmungen, 
darunter in und um Wien auch solche von sehr großer Ausdehnung, welche 
speziell Modestoffe aus Baum- und Schafwolle erzeugten. 
Baumwoii- Im Jahre 1841 hatten den ausgedehntesten Betrieb unter den Kattun- 
7h^k' druckfabriken jene zu Sechshaus (Granichstätten) mit der Erzeugung 
1841. von 180.000 Stücken, die zu Himberg (von Blumauer 1835 an Bene- 
dikt übergegangen) und zu Kettenhof (Sal. Mayer) mit je 50.000 Stücken, 
die zu Neunkirchen (Du Bois, du Pasquier) und zu Sechshaus (Weiß) 
mit 40.000 Stücken, zu Fischamend (Nußner) und drei Druckereien zu Sechs- 
haus zu je 20.000 Stücken, zu Guntramsdorf (seit 1833 pachtweise betrieben 
von V. Mayer) mit 15.000 Stücken, die in Meidling (Eder, Seligmann) mit je 
10.000 Stücken. 

Von den Fabriken, welche sich mit dem Druck von SchafwoU- und mit 
Baumwolle gemischten Waren befaßten, waren am ausgedehntesten die zu 
Atzgers dorf (bis 1839 Georg Lepper, seitdem MüUer) mit einer Erzeugung 
von 50.000 Stücken und ebendaselbst die Druckerei von Klein mit 20.000 Stücken, 
zu Himberg (Khünel) mit 35.000 Stücken, zu Mödling (E. Steiner) mit 
30.000 Stücken, zu Penzing (Bracht & Königs) mit 30.000 Stücken, zu Gun- 
tramsdorf (Mayer) mit 20.000 Stücken und die zuPerchtoldsdorf (Chazel) 
mit 20.000 Stücken. 

Der Wert der Gesamtproduktion der niederösterreichischen Druckereien 
in baumwollenen und gemischten gedruckten Stoffen wurde 1841 auf fast 8 Mil- 
lionen Gulden geschätzt^). 

Im ganzen wurden 1841 in Niederösterreich 20 landesbefugte und 36 ein- 
fache Baumwolldruckereien gezählt^). Die landesbefugten in Wien, Inzersdorf, 
Neunkirchen, Mödling (3), Ober-Meidling, Sechshaus (6), Guntramsdorf, XJnter- 
Meidling (2), St. Veit, Himberg, Penzing und Wr. -Neustadt. Von den einfachen 
waren in Wien 9, in Ober-Meidling 3, Unter-Meidling 1, Sechshaus 8, Gaudenz- 
dorf 2, Hietzing 2, Penzing 3, Friedau, Hacking, Siebenhirten, Ebreichs- 
dorf, Atzgersdorf, Kustendorf, St. Polten und Perchtoldsdorf je 1. 

Die Neunkirchner Fabrik von Du Bois, du Pasquier hatte 1839 über 
300, 1845 schon 500 Arbeiter*), die Sechshauser von Granichstätten über 
300 Arbeiter^). 



1) H. K. A. Korn. Kam., Fasz. 31, Nr. 96 ex jul. 1829. — ") Tafeln z. Stat. f. 1841 ; Kurrer, 
Gesch. der Zeugdruckerei, II. Aufl., 80 ff. — '>) Tafeln z. Stat. f. 1841. — «) Ber. ü. d. Ausst. 
Wien, 1835, S. 113, 1839, S. 341, 1845, S. 550. — *) Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1839, S. 344, 1845, 
S. 554 ; über die Zahl der Druckmaschinen und Tische in allen n.-ö. Kattundruckereien i. J. 1843 
vgl. die Tabelle Kurrer, Gesch. d. Zeugdruckerei, II. Aufl., Anhang. 



285 

Die Seiden-, Schaf woll- und Baumwollwarendruckfabrik von C. Chazel 
in Perchtoldsdorf bestand seit 1798, wurde jedoch erst in den Jahren 1839 
und 1840 bedeutend erweitert; 1845 beschäftigte sie 250 Menschen und hatte eine 
Dampfmaschine und 115 Drucktische in Betrieb. Die Modewarendruckfabrik 
der Gebr. Khünel zu Himberg, welche 1843 20 Drucktische hatte, wies 
1845 schon deren 50 auf mit einem Betriebspersonal von 130 Köpfen. Die Mode- 
warenfabrik von F. W. Bracht & Königs zu Penzing ernährte 1845 über 
500 Menschen^), Die Druckerei zu St. Polten gehörte den Prager Kattundruckern 
Wiener & Söhne, welche Fu-ma 1839 eingingt). Philipp Haas, Inhaber einer PMiipp 
landesbefugten Baum-, SchafwoU- und Seidenwarenfabrik in Wien, Gumpen- ^^*^' 
dorf, begann sein Unternehmen 1810 mit der Baumwollweberei; 1825 nahm er 
die Fabrikation von Kleiderstoffen auf, 1831 die von Möbelstoffen; 1832 be- 
schäftigte er zur Erzeugung von Baumwollstoffen 90 Stühle, davon 30 in Wien 
und 60 in Kunstadt in Mähren, In Gumpendorf hatte er eine Werkstätte zum 
Waschen, Appretieren, Färben und Drucken von Baumwollstoffen; er führte 
zuerst in Wien die Appreturmaschinen mit beweglichem Rahmen und andere 
Vorrichtungen ein. Im ganzen beschäftigte er damals an 300 Menschen ; daher 
wurde ihm 1832 die Landesbefugnis zur Verfertigung von Leinen-, Baumwoll- 
und SchafwoUwaren, sowie von halb- und ganzseidenen Zeugen und Seiden- und 
Samtbändern verliehen. In den Vierzigerjahren beschäftigte er über 700 Arbeiter 
(davon bei 140 in Kunstadt) und wurde wegen der Vorzüglichkeit seiner Erzeug- 
nisse bei der Wiener Ausstellung des Jahres 1845 mit der goldenen Medaille 
ausgezeichnet^). 

Außer Haas ist in der Weberei Brevillier zu nennen, welcher in Verbindung 
mit der Schwadorfer Spinnerei eine mechanische Weberei besaß, welche an 
100 Power-looms in Betrieb hatte. 

In ganz Niederösterreich war 1841 die Baumwollweberei mit 7000 Webstühlen | 
vertreten, wovon 3 — 4000 auf Wien entfielen. Während auf dem Lande mehr j 
ordinäre Ware erzeugt wurde, war Wien der Sitz der Kunstweberei \ ] 
und der Erzeugung von Luxusartikeln, namentlich in broschierten ' ' 
und gemusterten, durchbrochenen und auf dem Stuhle gestickten 
Stoffen*). 

Die Baumwollspinnerei hatte sich in Niederösterreich bis zu den Vier- spinne- 
zigerjahren geradezu glänzend entwickelt und übertraf selbst die böhmische ^g*^®" 
an Ausdehnung bei weitem^). i843, 

Folgende Tabelle veranschaulicht den Stand der Baumwollspinnereien 
Niederösterreichs in den Jahren 1841 und 1843*). 



1) Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1845, S. 559 ff. — ") Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1835, S. 123; vgl. 
unten S. 300. — ») Statth. A. Wien, Kart. 5763; Großind. Ost. IV, S. 349; Ber. ü. d. Ausst. 
Wien, 1839, S. 238 ff., 1845, S. 385 ff., 441 f. — *) Tafeln z. Stat. f. 1841; A. d. Fin. Min. Koni., 
Fasz. 29, 1834, Jänner 102 (Ber. d. n.-ö. Provinzial-Handelskommission). — *) Vgl. Knolz, Darst. 
d. Verfassung u. Einrichtung d. Baumwollspinnereifabriken in N.-ö., Wien 1843. — •) Ber. ü. d. 
Ausst. Wien, 1845, S. 350 ff. 



286 





Standort 


Inhaber 


Zahl der 

Feinspinn- 
maschinen 


Zahl der 
Spindeln 


Zahl der 
unmittelbar 

dabei 
beschäftigten 

Arbeiter 


Gewicht 

der erzeugten 

Baumwollgarne 

und Zwirne 


Im Jahre 


Wiener 


Pfunde 


1841 


1843 


1841 


1843 


1841 


1843 


1841 


1843 




Viertel unter dem 






















Wiener Walde: 




















1 


Ebenfurth .... 


Thornton Jonathan 


75 


78 


14.592 


15.024 


389 


409 


503.528 


516.316 


2 


Ebergassing . . . 


Schmid u. Busby 


62 


62 


11.160 


11.160 


200 


210 


200.400 


204.200 


3 


Ebreichsdorf . . . 


Montandon J. . . 


31 


32 


5.580 


5.760 


112 


113 


129.658 


171.832 


4 


Fahrafeld .... 


Coith Edler von . 


82 


88 


18.600 


19.500 


174 


364 


348.960 


754.424 


5 
6 


Felixdorf . . . 1 
Fischau . . . . / 
Fischamend . . . 


Bräunlich C. . . 


38 


52 


8.568 


14.976 


126 


179 


74.400 


413.355 


7 


Schindler Leop. .. 


16 


16 


2.586 


2.586 


120 


120 


152.598 


169.116 


8 


Götzendorf . . . 


Gradner F. . . . 


36 


39 


6.900 


7.478 


125 


130 


137.688 


168.608 


9 


Leobersdorf . . 


Hornbostel C. . . 


20 


20 


3.840 


3.840 


70 


70 


72.716 


81.504 


10 


Marienthal . . . 


Todesco Hermann 


37 


37 


7.000 


7.000 


137 


123 


152.740 


200.612 


11 


MinnathaP) . . . 


Conradi Georg . . 


34 


34 


6.120 


6.120 


109 


117 


184.172 


193.304 


12 


Münchendorf . . 


Thornton C. . . . 


32 


32 


6.044 


6.120 


174 


182 


227.472 


276.864 


13 


Münchendorf . . 


Erdl Caspar . . . 


16 


16 


3.006 


3.006 


66 


78 


81.792 


116.792 


14 


Nadelburg .... 


Hainisch 


33 


33 


7.632 


7.632 


127 


130 


198.178 


214.141 


15 


Neunkirchen . . . 


Roulet Carl . . . 


56 


56 


11.256 


9.976 


205 


198 


132.028 


156.425 


16 


Neunkirchen . . . 


Eltz Friedrich . . 


67 


51 


11.684 


10.932 


252 


209 


201.216 


240.480 


17 


Wr.-Neustadt . . 


Kuschel Conr. . . 


38 


38 


6.732 


6.732 


154 


160 


213.488 


224.916 


18 


Ober-Waltersdorf 


Gradner Mich. . . 


35 


39 


5.668 


7.508 


154 


170 


200.045 


201.482 


19 


Pottendorf . . . 


Aktiengesellschaft 


298 


232 


47.472 


43.368 


870 


813 


986.414 


1,121.865 


20 


Schönau .... 


Fächer Job. von . 


73 


68 


12.756 


11.940 


263 


257 


263.263 


283.929 


21 


Schwadorf . . . 


Brevillier von . . 


148 


148 


26.952 


26.952 


450 


478 


450.336 


576.376 


22 


Siegersdorf. . . . 


Flexner u. Aigner . 


8 


8 


1.110 


1.110 


75 


75 


77.705 


84.378 


23 


Sollenau .... 


Fächer Joh. von . 


96 


93 


15.620 


15.364 


349 


388 


536.798 


714.623 


24 


Steinabrückl . . . 


Glanz u. Clotty . 


75 


79 


13.344 


14.064 


304 


313 


244.404 


360.575 


25 


Tattendorf . . . 


Girardony .... 


46 


52 


7.182 


8.110 


187 


186 


393.574 


552.854 


26 


Teesdorf .... 


Puthon Freih. v. 


134 


140 


18.604 


19.480 


587 


519 


688.020 


768.885 


27 


Thashof 


Rau u. Dempel . 


17 


17 


2.868 


2.868 


78 


80 


106.660 


107.516 


28 


Trumau 


Aktiengesellschaft 


78 


78 


32.184 


32.184 


500 


568 


277.456 


545.997 


29 


Unter-Eggendorf . 


Thornton Josef . 


34 


46 


5.110 


8.498 


140 


170 


148.154 


224.565 


30 


Unter- Waltersdorf 


Thornton Josef . 


27 


36 


4.860 


6.480 


95 


130 


93.806 


145.658 


31 


Unter- Waltersdorf 


Dinst Martin. . . 


g.l843 


9 


— 


1.530 


— 


44 


— 


17.560 


32 


Weigelsdorf . . . 


Kärnbach Aug. . 


20 


25 


3.600 


4.608 


60 


90 


85.840 


130.240 


33 


Wienersdorf . . . 


Curti Const. . . . 


10 


14 


1.560 


2.712 


44 


51 


30.475 


40.751 


34 
35 


Möllersdorf . . \ 
Felixdorf . . . / 
Neu- Steinhof . . 


Mohr Jos 


90 


90 


16.320 


16.320 


306 


322 


576.193 


755.505 


36 


Gülcher Theod. . 


48 


48 


11.916 


11.916 


224 


97 


166.804 


68.012 


37 


Schwechat . . . 


Ankemius G. . . 


16 


16 


3.120 


3.300 


53 


52 


77.540 


86.275 


38 


Rannersdorf . . . 

Viertel ob dem 
Wiener Walde: 


Hofer u. C. . . . 


30 


30 


2.844 


5.080 


84 


113 


95.018 


71.600 


39 


Wilhelmsburg . . 


Rauscher And. . 


14 
f 


26 
Ende 


6.120 
336 


5.130 


105 


121 


41.680 


155.063 


40 


Radeisberg. . . . 


Zwierzina .... 


2 


1842 


— 








4.828 











1 


auf- 














Viertel ob dem 






gehört 
















Mannhardtsberge : 




















41 


Hoheneich . . . 


Isnenghi G. . . . 


6 


6 


1.104 


1.104 


25 


40 


1.856 


26.460 


Summe . . . 


1.978 


1.984 


371.950 


387.468 


7.493 


7.869| 


8,557.903 


11,143.058 



Die meisten dieser Spinnereien waren somit von großer Ausdehnung. Die 
Fahraieid Coithsche ZU Fahrafeld wurde, nachdem sie 1833 ganz abgebrannt war, 
(v. Coith). ^jgjjgj. jjg^ aufgebaut und mit Maschinen aus den Werkstätten von Escher, 
Wyß & Co. in Zürich versehen. Die Triebkraft ging 1835 von einem Wasser- 
rade von 40 — 45 Pferdekräften und einer Dampfmaschine englischer Provenienz 



») Errichtet 1832 (Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1839, S. 233, 1845, S. 380). 



287 

von 20 Pferdekräften aus. Dieser Unternehmung wurde bei den Wiener Aus- 
stellungen von 1835 und 1839 die goldene Medaille zuteil^). 

Die Pachersche Schönauer und Sollenauer Spinnerei hatte Schönau 
1835 ein Betriebspersonal von 600 Individuen, wurde sodann bis 1839 so ver- ""'^ 
größert, daß ihre Spindelzahl von 24.000 auf 27.000 wuchs, um bis 1845 auf (PacLr) 
28.000 zu steigen^). 

Die älteste und größte Baumwollspinnerei in Mederösterreich war jene der Potten- 
k. k. priv. Baumwollspinnmanufaktursgesellschaft zu Pottendorf (errichtet ^°^^- 
1801/2). Bedeutende Gebäude wurden aufgeführt, ein Kanal zur Leitung des 
Wassers aus der Leitha gegraben. Die notwendigen Maschinen wurden durch- 
weg in der Fabrik selbst durch eigene Arbeiter erbaut. Diese Unternehmung 
beschäftigte 1839 fortwährend an 1000 Personen, darunter bei 300 Kinder, für 
deren Unterricht eine auf Kosten der Gesellschaft errichtete und mit vier Lehrern 
versehene Schule sorgte. Die Fabrik hatte im Jahre 1839 240 Mulemaschinen, 
60 Watermaschinen und mehr als 800 Hilfsmaschinen ; sie unterhielt eine Nieder- 
lage in Wien und Kommissionslager in Linz, Prag, Hohenelbe und Sternberg. 
Im Jahre 1845 beschäftigte sie 800 — 900 Arbeiter, wobei der Antrieb durch drei 
Wasserräder von 225 Pferdekräften erfolgte. Die Zahl der Spindeln erhöhte sich 
bis 1846 auf 52.398. Dieser großartigen Unternehmung wurde bei der Aus- 
stellung von 1835 die ehrenvolle Erwähnung, bei der von 1839 und 1845 die 
silberne Medaille zuteil^). 

G. A: Ankemius hatte seit 1808 eine Spinnfabrik zu Brück a. L., 1811/12 Brück. 
eine gleiche zu Fischamend, 1832 die Spinnfabrik zu Rannersdorf ein- 
gerichtet; 1828 übertrug er die Brucker Baumwollspinnerei nach Schwechat, schwechat. 
wo er seit 1839 fortwährend 60 Arbeiter beschäftigte^). 

Die Spinnerei von Hermann Todesco zu Marienthal (errichtet 1830) Marien- 
beschäftigte 1835 bei 6500 Spindeln 286 Arbeiter, 1845 bei 7500 Spindeln und *^*^- 
Wasserkraft 140 Arbeiter^). 

Die MöUersdorfer Spinnerei von Josef Mohr wurde 1826 neu erbaut MöUers- 
und wurde durch Wasserkraft, seit 1838 auch durch eine Dampfmaschine von '''"'^• 
10 Pferdekräften betrieben. Die Fabrik zu Felixdorf hatte 1835, als sie Mohi* Feiixdort. 
kaufte, nur 2880 Spindeln, wurde aber sofort mit neuen Maschinen versehen und 
auf 9500 Spindeln gebracht. Beide Fabriken beschäftigten 1839 320 Arbeiter 
und zählten 1845 18.000 Feinspindeln«). 

Die Nadelburger Spinnerei von M. Hainisch wurde 1830 errichtet Nadelburg, 
und 1845 von 7000 auf 12.000 Spindeln erweitert'). 

Die inländischen Spinnereien hatten schon in den Dreißigerjahren eine 



») Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1835, S. 47, 1839, S. 234. — 2) Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1835, 
S. 56, 1839, S. 229, 1845, S. 376. — ») Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1835, S. 64, 1839, S. 226 f., 1845, 
S. 373; Großind. Ost., IV, 229. — *) Ber. ü. d. Ausst. 1835, S. 67, 1839, S. 225; 1845, S. 381, wo 
die dem früheren Berichte widersprechende Darstellung vorkommt, daß er die 1810 zu Brück 
bestandene Unternehmung 1835 nach Schwechat übertrug. — Vgl. Tabelle S. 283. — *) Ber. 
ü. d. Ausst. Wien, 1835, S. 66, 1845, S. 379. — •) Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1839, S. 230, 1845, 
S. 376. — ') Großind. Ost., IV, 214. 



288 

solche Ausdehnung, daß die niederösterreichische Handelskommission meinen 
konnte, die Quantität der im Inland erzeugten Gespinste genüge für den in- 
ländischen Bedarf vollkommen^). 

Ein großer Mißstand bei den Spinnereien jener Zeit war die allzu starke 
Verwendung von Kindern, meist schon in sehr jungen Jahren. So be- 
fanden sich unter den 10.000 Personen, die in Niederösterreich 1843 in den Baum- 
wollspinnereien beschäftigt waren, 2500 im Alter von 12 bis 18 Jahren. Kinder 
unter 12 Jahren wurden nur ausnahmsweise „aus Mitleid gegen verwahrloste 
Kinder, die um Arbeit betteln" aufgenommen. Dennoch machte die Zahl der 
Kinder von 9 bis 12 Jahren einen nicht geringen Prozentsatz der Arbeiter aus^). 

Böhmen. In Böhmen reichen die Anfänge der Baumwollindustrie in die erste Hälfte 
des 18. Jahrhunderts zurück, aber erst nach der Erlöschung der Privilegien der 
Schwechater und Sassiner Fabrik (1763) kam es zur Gründung mehrerer größerer 

Kosmanos Unternehmungen. So sind vor allem zu erwähnen die 1763 vom Grafen Josef 
1763. yQj^ Bolza in Kosmanos mit einem Aufwände von 500.000 fl. ins Leben gerufene 
Unternehmung, sowie weitere Fabriken in Bürgstein (Graf Kinsky), Potten- 
stein (Graf Harbuval-Chamar6), Tupadl (Fürst Auersperg) und Weißwasser 
(Graf Waldstein). In 2leb und Prag befanden sich in der zweiten Hälfte des 
18. Jahrhunderts schon mehrere Kotton- und Leinwanddruckereien, darunter 
die zwei privilegierten von HoUub und Wondraczek in Prag^). 

Leiten- Im Jahre 1770 entstand in Wernstadtl die Fabrik von Johann Josef 

berger Leitcnbcrger, der bald darauf eine Baumwollspinnerei im Teinhofe in Prag, 
die erste ihrer Art in Böhmen errichtete. Die Wernstadtler Fabrik beschäftigte 
1785 in der Sommerszeit gegen 100 Personen unmittelbar und außerdem an 
Webern und Spinnern über 2000*). Im Jahre 1788 gründete Leitenberger die 
Kattunfabrik in Reichstadt^). Nachdem die Kosmanoser Fabrik 1783 an Christof 
Weckherlin übergegangen und die Josefsthaler 1787 an Bernhard Joß verpachtet 
worden war, gingen diese beiden Unternehmungen 1793 an die Firma Leiten- 



1) A. d. Fin. Min. Korn., Fasz. 29, 1834, Jänner 102. — «) Knolz, a. a. 0., 13—15 und 
22. — ^) Hallwich, Leitenberger 12 — 37, Anfänge d. Großind., S. 43; Die Industrie Böhmens 
in der öst. ung. Mon. in W. u. B., S. 636 f., 640, 646; Riegger, Materialien II. (1788), S. 60—68 
erwähnt in Prag unter anderen folgende Kattun- und Leinwanddrucker: 1. Franz Anton Sänger, 
gegr. 1766, beschäftigte 22 Drucktische, 22 Gesellen, 22 Lehrjungen, 7 Gehilfen, 12 Modell- 
stecher; 2. Franz Engel, Kattun- u. Leinwanddrucker in Prag, gegr. 1766, hatte 10 Druck- 
tische, 1 Werkmeister, 10 Gesellen, 10 Lehrjungen, 5 Gehilfen und 11 Modellstecher; 3. Ignaz 
Hollub, k. k. priv. Kattun- u. Leinwanddruckerei, gegr. 1775, beschäftigte 26 Drucktische, 
2 Werkmeister, 26 Gesellen, 26 Lehrjungen, 10 Gehilfen, 12 Modellstecher (priv. seit 1786); 
4. Ignaz Wondraczek, k. k. priv. Kattun- u. Leinwanddruckerei, gegr. 1777, beschäftigte 
50 Drucktische, 1 Werkmeister, 50 Gesellen, 50 Lehrjungen, 12 Gehilfen, 46 Modellstecher 
(priv. seit 1786); 5. Franz Eichmüller, Kattun- und Tücheldruckerei in Prag, gegr. 1781, be- 
schäftigte 11 Drucktische, 11 Gesellen, 11 Lehrjungen, 20 Gehilfen und 17 Modellstecher; 
6. Bernhard Wemsink, Kattun- und Leinwandtücheldruckerei, gegr. 1784, beschäftigte 21 Druck- 
tische, 11 Gesellen, 21 Lehrjungen, 6 Gehilfen und 15 Modellstecher. — ") Hallwich, Leiten- 
berger, S. 51 ff.; Statth. A. Prag, 1784/85 Kom. E. V/85. — «) Kurrer, Gesch. d. Zeugdruckerei, 
II. Aufl. 62 ff. 



289 

berger über, welche 1792 die Landesfabriksbefugnis erhalten hatte^). In den 
Jahren 1795 und 1797 wurde die Josephstaler Fabrik durch Ankauf des in 
Kosmanos gelegenen Piaristenklosters auf großartige Weise ausgedehnt^). 

Um 1790 bestanden in Böhmen außerdem folgende bedeutende BaumwoU- Baumwoii- 
warenfabriken^): die fürstlich Auerspergsche zu Tupadl, welche 200 — 400 Stühle '^"*'°' 
beschäftigte, die gräflich Rottenhansche zu Rothenhaus (seit 1779, Landes- um 1790. 
befugnis 1886) und Gemnischt, wobei die erstere über 157 Stühle betrieb*), die 
gräflich Kinskysche zu Bürgstein, welche 24 Drucktische und 172 Arbeiter be- 
schäftigte, die gräflich Sweet- Sporksche in Prag, die Breuersche in Kuttenberg 
(gegründet 1787^), die von Michel & Co. in Böhm.-Leipa, endlich die priv. Lein- 
wand-, Kotton- und Tücheldruckfabrik von Franz Hergot in Prag mit 40 Druck- 
tischen und 140 beschäftigten Personen. 

Am ausgezeichnetsten von allen waren damals die Unternehmungen von 
Leitenberger, deren Leistungen auch von Kaiser Josef Anerkennung ernteten 
und bei der Prager Ausstellung von 1791 allgemeines Aufsehen erregten, sowie 
die Fabrik in TupadP). 

Die Fabriken wurden durch zahlreiche Spinnfaktoreien mit Baumwollgarn 
versehen; unzähligen Leuten wurde so durch Spinnen ein Nebenverdienst 
verschafft, so daß gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Böhmen über 40.000 
(1789 24.477) Baumwollspinner von den verschiedenen Fabriken verlegt 
wurden'). 

In den neunziger Jahren bestanden auch schon in Prag die Leinwand- und 
Kottondruckfabriken von Johann Georg Berger & Co., Emanuel Josse u. a., Berger. 
in Karolinenthal die bedeutenden Druckfabriken von Koppelmann Borges ^°pp^^ 
& Co. und von Pfibram, welch letztere aUe kleineren Prager Druckfabriken ver- ges & Co. 
legte^), in Schönlinde die Unternehmung von Lorenz Münzberg^). PHbram. 

Die Kotton- und Leinwanddruckfabrik von Josef Steyrer in Prag er- ^g*^^^®^^' 
langte 1797 die Bewilligung, den kaiserlichen Adler zu führen und 1798 die 
Landesbefugnis. Sie beschäftigte damals 297 Arbeiter, davon bei der Druckerei 
allein 124 bei 30 Drucktischeni»). 

In dieser Zeit begann sich die Spinnerei durch die Einführung von Maschinen Spino- 
auf eine andere Grundlage zu stellen und da gingen einige böhmische Fabrikanten '»"chicen. 
mit gutem Beispiele voran, namentlich Leitenberger. Dieser war der erste, der 
in Böhmen englische Spinnmaschinen einführte (Water-Frames und Mule- Jennys). 



») HaUwich, Leitenberger, S. 51 f., B8f., 73 f.; Statth. A. Prag 1786—1795, Kom., Fasz. 14, 
subn. 39. — *) Kurrer, a. a. 0. 64. — ») Schreyer, Kommerz, Fabriken usw. (1790), I, S. 217. — 
221, Kommerz, Fabriken usw. in Briefen (1794), I, S. 9— 48, Warenkabinett (1799), S. 174 ff.; 
Manufaktur- und Kommerztabelle Böhmens für 1797 in H. K. A. Kom. Praes. 1822, Nr. 495. 
«) Statth. A. Prag, 1786—1795, Kom., Fasz. 13, subn. 7 (1786, Dezember 19.); H. K. A. Kom. 
Böhmen, Fasz. 75, Nr. 51 ex oct. 1791 ; Schreyer, Kommerz, Fabriken usw. in Briefen, II, S. 47 f. 
*) Kurrer, Gesch. d. Zeugdruckerei, II. Aufl., S. 78 f. — •) Schreyer, Kommerz, Fabriken usw. 
in Briefen, I, S. 11; Hallwich, Leitenberger, S. 56.') Schreyer, Warenkabinett (1799), S. 167 f. — 
») ManufakturstabeUe Böhmens f. 1797 in H. K. A. Kom. Praes. 1822, Nr. 495. — •) Hallwich, 
Leitenberger, S. 82. — ") Statth. A. Prag, 1796—1805, Kom., Fasz. 14, subn. 14. 

Slokar, Geschichte der österr. Industrie. 19 



290 

Im Jahre 1797 erbaute er so die Baumwollmaschinenspinnerei in Wern- 
stadtl und der Erfolg übertraf alle Erwartungen, so daß seine Söhne Franz 
und Ignaz seinem Beispiele folgten und in Böhmen 1799 schon drei englische 
Spinnfabriken bestanden und zwar in Wernstadtl, Kosmanos und Neu- 
reichstadt. 

Vorher waren nur deutsche (sächsische) Spinnmaschinen in Verwendung 
gewesen, so in der Fabrik des Grafen von Canal in Prag und in der Rothenhauser 
des Grafen Rottenhan. 

Leitenberger ließ auch verbesserte Webstühle bauen und die Verbreitung 
des Schnellschützen in Böhmen dürfte ihm und dem Grafen von Rottenhan 
hauptsächlich zu verdanken sein^). 

Um die Jahrhundertwende konnte Böhmen schon mehrere Baumwollspinne- 
reien aufweisen, was bei den Verhandlungen von 1801 bis 1803 über die Stellung- 
nahme der Staatsverwaltung zu diesen Maschinen Aufsehen erregte, weshalb 
1803 Leitenberger in Wernstadtl die verdiente kaiserliche Belobung zuteil wurde 
und ihm, sowie Johann Christof Breuer in Kuttenberg, dem Fürsten Karl Auers- 
perg (Fabriken in Seltsch im Chrudimer und Malletsch im Caslauer Kreise), 
sowie dem Grafen Rottenhan die Landesfabriksbefugnis zur Baumwollspinnerei 
verliehen wurde. Dem Fürsten Auersperg und dem Grafen Rottenhan wurde 
wegen der durch die Einführung und Anwendung von englischen Spinnmaschinen 
um den inländischen Gewerbefleiß erworbenen wesentlichen Verdienste auch 
die allerhöchste Zufriedenheit zu erkennen gegeben. 

Außerdem erhielten Christian Friedrich Landrock aus Plauen und der 
Mechaniker Johann Christian Sennewald aus Greiz, welche im Vereine mit dem 
Fabrikanten Josef Keilwerth in Graslitz um Bewilligung zur Einwanderung 
nach Böhmen und zur Errichtung einer englischen Spinnmaschine für Baum- 
* und Schafwolle in Graslitz angesucht hatten, nicht nur diese Bewilligung, sondern 

auch die Landesfabriksbefugnis^). 

Im Jahre 1801 errichtete Josef Richter im Vereine mit Franz Karl Mattausch 

bei Tetschen- eine Baumwollspinnerei mit 500 Feinspindeln, wobei die Zahl 

der Spindeln bald zunahm. Mattausch trennte sich später von Richter und 

t nach des letzteren Tode ging die Tetschener Fabrik an die Familie Bach- 

heibl über^). 
Kontinen- Das erstc Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bedeutete wegen der Ausschaltung 
taiaperre. ^gj. französischcn und englischen Konkurrenz eine Periode des größten Auf- 
schwunges der Baumwollindustrie, welcher sich zur Zeit der Kontinentalsperre 
seit 1806 am stärksten geltend machte. Das massenhafte Papiergeld begünstigte 
die Entstehung zahlreicher neuer Unternehmungen, die Erweiterung der be- 
stehenden und eine bedeutende Ausdehnung der Produktion. Die Zahl der Neu- 
gründungen ist in dieser Zeit daher sehr groß. 



») Hallwich, Leitenberger, S. 87 f.; Keeß u. Blumenbach, a. a. 0., I, S. 121 und 164. — 
»)Statth. A. Prag, 1796—1805, Kom., Fasz. 13, subn. 17; vgl. auch oben S. 182—187. — ') Hall- 
wich, Leitenberger, S. 91. 



291 

Die Leinwand- und Kottonfabrik von Koppelmann Porges bei Prag Koppei- 
wurde bedeutend erweitert: ihr Inhaber erhielt 1801 die Erlaubnis, einige zur ^^'^ 
Leinwanddruckfabriksbleiehe notwendige Grundstücke anzukaufen, 1803 das (Prag). 
Recht zur Führung des kaiserliehen Adlers, da die Fabrik 50 Tische in Betrieb 
hattei). 

Franz Graf & Co., der 1795 eine Zitz- und Kottonfabrik in Böhm-Leipa Graf&co. 
errichtet hatte, erhielt 1801 die Landesfabriksbefugnis, da er ohne die Spinner (^^'^""'^''*'' 
163 Menschen beschäftigte. 1802 gründete Franz Wünsche eine Leinwand- wünsche 
undKottondruckfabrik in Hirschberg (Bunzlauer Kreis) ; ebenso Christian Erxleben (Hirsch- 
in Landskron eine Leinwand-, Zitz- und Kottonfabrik^). Im selben Jahre legte 27iLn 
Augustin Starke, der 10 Jahre lang Leiter der Leitenbergerschen Kotton- (Lands- 
druckfabrik zu Wernstadtl gewesen war, eine Baumwolldruckfabrik bei Memes ^^°^^- 
an^). Um dieselbe Zeit wird eine landesbefugte Leinwand- und Kottonfabrik 
Wolf Heller & Co. in Tumau erwähnt, welche Niederlagen in Brunn und 
Wien hatte*). 

Seit 1798 bestand in Karolinenthal bei Prag die Leinwand- und Kotton- PHbram & 
druckerei von Aaron Pribram, seit 1802 in Gesellschaft mit Jerusalem, ■^"J^*^®™ 

(Karo- 

welche eine sehr große Ausdehnung hatte und zu immer größerer Bedeutung ünenthai). 
gelangte. 

Im Jahre 1802 erhielten die Gebrüder Epstein die Befugnis zur Er- Gebrüder 
richtung einer Leinwand- und Kottondruckerei auf dem Lande. Sie übernahmen ^p^t"'^ 

(Präff). 

aber 1803 die priv. Leinwand- und Kottondruckerei von Bernhard Wernsink 
in Prag, wozu das Gubernium nur unter der Bedingung die Bewilligung erteilte, 
daß Wernsink sich durch Revers verpflichtete, sich des Rechtes, eine Kotton- 
druckerei zu betreiben, für immer zu begeben. Im Jahre 1805 beschäftigte diese 
Fabrik 48 Drucktische und 150—200 Menschen, ohne die Spinner und Weber 
zu rechnen, und erhielt wegen ihrer großen Ausdehnung 1806 die Landesfabriks- 
befugnis. Diese Druckfabrik war überhaupt die bedeutendste Prags, da sich 
die von Pribram und Porges außerhalb der Stadt befanden. Im Jahre 1810 
übernahm die Firma Epstein auch die seit 1801 landesbefugte Leinwand- und 
Kottondruckerei von Wenzel Gottlas^). 

Im Jahre 1803 erhielten Johann Bapt. Durazin & Co. die Befugnis zur Durazin & 
Leinwand-, Zitz- und Kottondruckerei zu Smichow, 1806 die Landesfabriks- *^''; *^°"' 
beiugms^). 

Außerdem werden in Böhmen um diese Zeit erwähnt der Musselin- und 
Kottonfabrikant Johann Bachmayer in Eger, in Münchengrätz die Kotton- 
fabrikanten Isaak Iserstein, Josef Pucher und Markus Hirschmann und in 
Königinhof Christof Weckerlin; 1803 errichtete Graf Rudolf Morzin eine Lein- 
wand-, Zitz- und Kattundruckerei in Harta'). 



1) Statth. A. Prag, 1796—1805, Kom., Fasz. 14, subn. 18. — ») Statth. A. Prag, 1796 bis 
1805, Kom., Fasz. 14, subn. 41, 62, 70, 76. — ») Statth. A. Prag, 1796—1805, Korn., Fasz. 14, 
subn. 59. — *) H. K. A. Kom., N.-ö., Fasz. 71, Nr. 14 ex jan. 1803. — *) Statth. A. Prag, 
1806—1815, Kom., Fasz. 14, subn. 2. — •) Stalth. A. Prag, 1806—1815, Kom., Fasz. 14, subn. 72 
(1814). — ') Hallwich, Leitenberger, S. 100 f. 

19* 



292 

Leiten- Im Jahre 1802 starb Johann Josef Leitenberger, der erste Baumwoll- 

berger. warenfabrikant im großen Stile und unstreitig der größte Industrielle seiner 
Zeit, und hinterließ seinem Sohne Franz die Josefsthal- Kosmanoser, seinem 
Sohne Ignaz die Reichstädter Fabrik. Sein Sohn Mansued erhielt die Fabriken 
in Wernstadtl und in Auscha, Thomas die Maschinenspinnerei in Wernstadtl^). 
Im Jahre 1810 arbeitete die Josefsthal- Kosmanoser Fabrik schon mit 50 Druck- 
tischen und 10 englischen Spinnmaschinen und beschäftigte unmittelbar 234 Ar- 
beiter sowie zahlreiche Weber im Bydschower, Leitmeritzer und Bunzlauer 
Kreise^). 

Im Jahre 1810 wurde dem Franz Elbel und Raimund Gürtler, Wollenzeug- 
fabrikanten in Böhm.-Leipa, die Bewilligung erteilt, ihre Wollenzeugfabrik in 
eine Zitz- und Kattunfabrik umzuwandeln^), 
Landrock Zur Selben Zeit hatte Christian Friedrich Landrock in Graslitz (gegründet 
tGrashtz). 1803) ein großes Fabriksgebäude, eine Spinnmaschine aus 12 Sätzen, jeder zu 
204 Spindeln, 3 Baumwollkartatschen und mehrere sonstige Maschinen. Außer- 
dem hatte er eine Messinggießerei zur Verfertigung von Maschinenrädern und 
sonstigen Messinggeräten und beschäftigte im ganzen 69 Personen*). 
Wiener* Im Jahre 1813 erfolgte die Gründung der Kattunfabrik von Wiener & 
nS*^) Söhne in Prag, welche später zu großer Bedeutung gelangen sollte^). 

Im Jahre 1816 errichtete Beer Porges eine Kattundruckerei in Karolinen- 
thal«). 

Der Druckerei kam in dieser Zeit das Aufkommen des Walzendruckes 

und die dadurch bewirkte technische Vervollkommnung sehr zugute'). 

Depression Der großartigen Hochkonjunktur zur Zeit der Kontinentalsperre folgte eine 

seit 1816. beispiellose Deroute nach dem Aufhören der Franzosenkriege, wobei sich auch 

die Folgen der zerrütteten Geld- und Kreditverhältnisse der Monarchie stark 

geltend machten^). 

Die gräflich Rottenhansche Fabrik zu Gemnischt, die 1817 zusammen mit 
der Rothenhauser an den Grafen Bouquoy übergegangen war, stellte 1818 den 
Betrieb wegen Mangel an Absatz ein und die zweite stand auch vor ihrer Auf- 
lösungö). Selbst die Firma Leitenberger in Kosmanos, die bedeutendste und 
leistungsfähigste aller Unternehmungen Böhmens, sah sich gezwungen, die 
Regierung um einen Vorschuß von 300.000 fl. gegen fünfprozentige Verzinsung 
anzugehen, welchen sie allerdings nicht erhielt. Dafür erhielten aber Franz 
Leitenberger und seine vorzüglichsten Mitarbeiter durch kaiserliche Auszeich- 
nung die verdiente Anerkennung ihrer vorzüglichen Leistungen**'). 

Die allgemeine Depression zeigt folgende Zusammenstellung über die böh- 
mische Baumwollwarenindustrie für das Jahr 1818: 



Hallwich, Leitenberger, S. 93—96. — *) Hallwich, Leitenberger, S. 104. — ') Statth. A. 
Prag, 1806—1815, Kom., Fasz. 14, subn. 30. — *) Statth. A. Prag, 1806—1815, Kom., Fasz. 13, 
subn. 19. — *) Ber. ü. d. Ausst. Prag, 1831, S. 129. — •) Kurrer, Gesch. d. Zeugdruckerei, 
IL Aufl., S. 69. — ') Vgl. oben S. 268 f. — «) Vgl. oben S. 64—71, 271 ff. — •) H, K. A. Kom. 
Kom., Fasz. 31, Nr. 31 ex febr., 28, 163 ex apr. 1818. — ") H. K. A. Kom. Kom., Fasz. 31, 
Nr. 83 u. 172 ex jul„ 130 ex sept. 1818; Hallwich, Leitenberger, S. 111 ; vgl. auch oben S. 273 f. 



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295 



Aus dieser Zusammenstellung sind die Wirkungen der widrigen Zeitver- 
hältnisse deutlich erkennbar. Doch ist die Tabelle bei weitem nicht vollständig. 
Weitere Baumwollwarenfabriken, welche damals in Böhmen bestanden, sollen 
in folgendem angeführt werden : 



Name des Inhabers 



Art der Fabrik und Betriebsort 



Anmerkung 



Franz Leitenberger 



C. G. Breuer & Söhne 
Ignaz Leitenberger . 



August Starke . 
Gebrüder Müller 



Franz Jos. Michel & Co. 
Graf Philipp Kinsky . 
Jakob Goldberg . . . 

Josef Schlegel .... 



Franz Wünsche .... 

Josef Ernst Schimpke . 

Lorenz Langer .... 

Gebrüder Wieden . . . 

Seraphin Thitschel . . 
Joh. Georg Lorenz . . 
C. J. Spietschkas Erben 

& Co 

Anton Richter . . . 



Durazin & Dormitzer 



Josef Hanke Sohn . . 



Pfibram & Jerusalem 



Priv. Kattunfabrik zu Kos- 
manos 



K. k. priv. Kattunfabrik in 
Kuttenbergi) 

Kattunfabrik zu Reich- 
stadt 

Kattunfabrik zu Niemes. 

Zitz- und Kattunfabrik zu 
Böhm.-Leipa 

Kattunfabrik zu B.-Leipa 

Kattunfabrik zu Bürgstein 

Zitz- und Kattunfabrik zu 
Turnau 

Zitz- und Kattunfabrik zu 
Lindenau 

Kattunfabrik zu Hirsch- 
berg 

Baumwollweberei und Rot- 
färberei in Lindenau . 

Manches ter-Kottonf abrik 
in Lindenau 

Kottondruckerei in Lin- 
denau 

Kottonfabrik in Rumburg 

Kottonfabrik in Grunwalt 

Weberei in Reichenberg . 
Priv. Maschinenweberei in 

Königsaal 

BaumwoUspinnfabrik zu 

Lodenitz und Weberei 

zu Wlaschin 

Leinen- u. Baumwollwaren- 

fabrik in Schluckenau . 

Kotton- und Leinwand- 
druckfabrik in Karo- 
linenthal und Smichow 



Niederlagen in Wien, Mailand, Leipzig, 
Lemberg, Bozen und Düsseldorf; 
hatte 100 Drucktische und iWalzen- 
druckerei und beschäftigte 38 Form- 
stecber und 112 Gehilfen und Tag- 
löhner, obwohl ihr die Finanzopera- 
tion von 1811 großeli Schaden zu- 
gefügt hatte, DerFabrik wurde auch 
die Auszeichnung eines persönlichen 
Besuches durch den Kaiser zuteil'). 



Hatte 12 Drucktische und 
1 Niederlage in Wien. 



Hatte 8 Drucktische. 



Beschäftigte 150 Stühle. 



Beschäftigte 62 Webstühle'). 

Betrieb über 60 Stühle und 
ernährte über 50 Familien*). 

Beschäftigte im ganzen 484 
Menschen*). 



») Kurrer, Gesch. d. Zeugdruckerei, II, Aufl., 78 f. — ») H. K. A. Kom. Kom., Fasz. 31, Nr. 73 
u. 172 ex jul., Nr. 130 ex sept. 1818; Hallwich, Leitenberger S. 111. — ») Alle in dieser Tabelle 
bisher genannten Fabriken erwähnt H. K. A, Kom. Praes. 1817, Nr. 614, 1818, Nr. 1429. — 
*) Statth. A. Prag, 1816—1825, Kom., Fasz. 12, subn. 30 (1819). — *) H. K. A. Kom. Kom., 
Fasz. 42, Nr. 41 ex febr., 54 ex apr. 1818, 



296 

Spinne- Baumwollgamspinnereieii bestanden damals in Böhmen: in der Stadt 
reien Qabsl die von Josef Hamman, in Asch die von Christian Kirchhof (beschäftigte 
' 12 Personen und 3 Handmaschinen) und die von Christian Bär (beschäftigte 
20 Personen und 4 Handmaschinen), zu Roßbach (Herrschaft Asch) die von 
Michael Wettengel (beschäftigte 12 Personen und 3 Maschinen), zu Grünberg 
(Herrschaft Graslitz) die von Landrock (beschäftigte 22 Sätze zu 80 — 160 Spin- 
deln mit 100 Arbeitern), zu Schönbach (Elbogner Kreis) die von Siebenhüner & 
Hannabach; zu Wernstadtl die von Hermann Leitenberger (1817 waren wegen 
gelähmten Geschäftsganges nur 7 — 9 Maschinen in Gang, während bei günstigen 
Umständen bis 24 Maschinen in Betrieb waren), zu Lodenitz die von Durazin & 
Dormitzer^); außerdem war zu Markersdorf bei Gabel die Baumwollspinnerei 
von Josef Kittel, in Zwickau die von Friedrich Ulbrich & Co. sowie die von Anton 
Schicht & Wieden, in Schönlinde die von Gottfried Preußger, in Reichenberg 
die Baumwollspinnerei von Ballabene & Co. 2) 

Seit 1820 besserte sich die Lage der Baumwollindustrie, die bestehenden 
Fabriken kamen neuerdings in Schwung und Neuverleihungen von Befugnissen 
erfolgten wieder in größerer Zahl. 

Baumwou- Im Jahre 1818 erhielt der Baumwoll- und Leinenwarenfabrikant 

waren- ^utou Rungc iu Neufrauzeusthal (Rumburger Herrschaft) die Landes- 

eeit 1818. fabriksbcfugnis (einfache Befugnis hatte er seit 1811), da er 130 Weber, 

6 Bleicher, 4 Färber, 12 Drucker, 8 Streichkinder, im ganzen 165 Menschen 

beschäftigte^). 

Wiener Im Jahre 1820erhielt der Prager Druckfabrikant MichaelHerrschmannWiener 

(Prag), ^egen ^es bedeutenden Umfanges seiner Unternehmung und der vorzüglichen Güte 
der Fabrikate die Landesbefugnis. Seine Fabrik hatte 8 Druckzimmer, 67 Druck- 
tische, 3 Färbereien mit 4 Kesseln und 14 Küpen und beschäftigte 183 Arbeiter*). 

Köehiin & Der KoloHst Und der Zcichuer Franz Lcitcnbergers, Karl Köchlin und 
Singer Jeremias Singer gründeten 1819 in Jungbunzlau eine eigene Fabrik, be- 
bunziau). schäftigtcn 1829 schon 513 Personen (ohne die Weber) und erhielten daher 
das Landesfabriksprivilegium^). 

Im Jahre 1823 wurde dem Prager Leinwand- und Kattundruckfabrikanten 
Salomon Bunzel & Söhne die Landesbefugnis zuteil, da er 64 Drucktische 
und 211 Menschen beschäftigte®); 1824 erhielt dieselbe Auszeichnung der Prager 
Leinwand- und Kattunfabrikant Johann Wambersky, der 78 Arbeiter hatte'), 
und die Kattunfabrikanten Siebenhüner und Hannabach zu Schönbach, 
die samt den Spinnern und Webern 677 Menschen beschäftigten®). 



») H. K. A. Korn. Praes. 1816—1818, Nr. 1469. — ') H. K. A. Kom. Praes. 1817, Nr. 614, 
1818, Nr. 1429. — ») Statth. A. Prag, 1816—1825, Kom., Fasz. 14, subn. 29. — *) Statth. 
A. Prag, 1816—1825, Kom., Fasz. 1, subn. 88. — *) Statth. A. Prag, 1826—1835, Kom., Fasz. 14, 
subn. 39. — •) Statth. A. Prag, 1816—1825, Kom., Fasz. 14, subn. 83. — '') Statth. A. Prag 
1816—1825, Kom., Fasz. 14, subn. 30. — *) Statth. A. Prag, 1816—1825, Kom., Fasz. 14, subn. 95. 



297 

Die landesbefugte Druckfabrik von Porges in Prag wies 1822 über 300 Ar- 
beiter auf^). 

Im Jahre 1827 erhielt Johann Künzel in Roßbach die Landesbefugnis 
zur Erzeugung von Baumwollwaren, da er bei 210 Stühlen im ganzen 630 Menschen 
beschäftigte^); merkwürdigerweise war 1825 dem in demselben Orte befindlichen 
Johann Schlegel die Landesbefugnis mit der Begründung versagt worden, daß 
Roßbach zu nahe an der Grenze liege^). 

Eine große Ausdehnung hatte um diese Zeit die Druckfabrik von Pfibram Pfibram & 
& Jerusalem in Karolinenthal, welche seit 1814 durch Übernahme der Fabrik J^^saiem 
Durazins in Smichow stark erweitert worden war. Im Jahre 1827 wies sie ohne thai). 
die Spinner und Weber ein Betriebspersonal von 800 Menschen auf*). 

Die Fabrik von Franz Wünsche & Co. zu Hirschberg wurde 1803 errichtet, wünsche 
erhielt 1813 die Landesbefugnis und hatte 1829 90 Drucktische, 1 Walzen- * ^°- 
druckerei mit 60 Metalldruckwalzen und mehrere andere Maschinen. Sie be- i,erg). 
schäftigte 6 Graveure, 20 — 26 Formstecher und im ganzen an 350 Arbeiter; 
auch hatte sie eine eigene Bleicherei und Rotfärberei. 

Die alte Kosmanoser Fabrik von Leitenberger beschäftigte 1829 bei Leiten- 
400 Menschen ohne die Weber in der Umgebung zu rechnen und arbeitete mit ^^"^^^ 
100 Tischen und 1 Walzendruckerei^). manol). 

Im Jahre 1829 erhielten die Besitzer der Baumwollspinnerei, Färberei und 
Kattundruckfabrik zu Obergeorgenthal und Marienthal auf der Herrschaft 
Neudorf — Eisenberg (Saazer Kreis) August Wilhelm Mauerbach & Co. die 
förmliche Fabriksbefugnis, da sie 120 Arbeiter beschäftigten*). 

So konnte Böhmen gegen Ende der Zwanzigerjahre bedeutende Baumwoll- Fabriken 
Warenfabriken aufweisen zu Kosmanos (Franz Leitenbergers Söhne), Neureich- s*^®° 
Stadt (Ignaz Leitenberger & Sohn)'), Landskron (Erxleben), Kuttenberg (Johann ^.wanziger 
August & Mathias Breuer), Eger (Bachmayer & Co.), Karolinenthal (Jerusalem & Jahre. 
Pfibram), Karbitz (Hirschl, Kantor & Co.), Schluckenau (Josef Hanke & Co.), 
Klein-Aicha (Josef Schreiner), Wernstadtl (Johann Friedrich Fock). Nicht un- 
wichtige Baumwolldruckereien bestanden im Bunzlauer Kreise zu Biela, Gabel 
(Franz Ergert), Hü-schberg (Franz Wünsche & Co.), Jungbunzlau (Köchlin & 
Singer), Johannisthai bei Reichenberg (Franz Herrmann), sowie 3 in Turnau; 
im Elbogner Kreise zu Lichtenstadt, im Kaurzimer zu Postupitz (Gräfin Bouquoy- 
Rottenhan) und Lieben; im Königgrätzer Kreise zu Grulich, Neustadt an der 
Mettau, Königinhof und Politz; im Leitmeritzer Kreise 4 zu Leipa, dann in 



1) H. K. A. Korn. Kom., Fasz. 10, Nr. 61 ex oct. 1822. — ») H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 31, 
Nr. 72 ex jul. 1827. — ") H. K. A. Kom. Kam., Fasz. 31, Nr. 85 ex majo 1825. — «) Statth. A. 
Prag 1826—1835, Kom., Fasz. 14, subn. 13; Ber. ü. d. Ausst. Prag, 1829, S. 108—113. — ») Ber. 
ü. d. Ausst. Prag, 1829, S. 100—107; alles Nähere über Leitenberger bei Hallwich, Leitenberger; 
Kurrer, Gesch. d. Zeugdruckerei, IL Aufl., 67. — «) Statth. A. Prag, 1826—1835, Kom., Fasz. 13, 
subn. 11. — ') Beschäftigte 1829 140 Drucker, 140 Kinder zum Streichen, 30 Malerinnen und 
Fransennäherinnen, 25 Modellstecher, im ganzen im Fabriksgebäude 463 Personen; außerhalb 
der Fabrik noch an 2000 Weber. Bei der Fabrik bestand eine Anstalt, welche arbeitsunfähig 
gewordenen Arbeitern und deren Witwen Pensionen und Unterstützungen, sowie die Begräbnis- 
kosten sicherte (Ber. ü. d. Ausst. Prag, 1829, S. 115 ff.) 



298 



Schleich- 
handel. 



Lindenau, 3 in Georgenthal, 8 in Altwarnsdorf, 2 in Warnsdorf, 5 in Karlsdorf, 
2 in Altfranzensthal, 4 in Neufranzensthal, 3 in Katharinenthal, 1 in Sophien- 
hain, 1 in Medergrund, 4 in Floriansdorf, 14 in Rumburg, 2 in Alt-Ehrenberg und 
1 in Wiesenthal; im Saazer Ereise zu Komotau und am Georgenthaler Grunde^). 
In den zwanziger Jahren wurden die Vorschriften über die Einfuhrverbote 
sehr streng gehandhabt; 1823 sperrten die niederösterreichische und die Prager 
Bankaladministration den Kottonfabrikanten Jerusalem, Brandeis, Porges, 
Epstein, Bunzels Söhne, Wiener und Schallowetz wegen Verdachtes der Schwär- 
zung der Game sowohl ihre Fabriken in Böhmen als auch ihre Niederlagen in 
Wien. Da eine solche Strenge wegen bloßen Verdachtes nicht am Platze war und 
den Bestand mancher Fabrik grundlos gefährden konnte, sah sich die Kommerz- 
hofkommission genötigt, bei der allgemeinen Hofkammer diesbezüglich ein- 
zuschreiten und namentlich darauf hinzuweisen, daß das Urteil von Sachver- 
ständigen, ein Gewebe sei aus ausländischem Game verfertigt, gar nicht so un- 
bedingt verläßlich sein könne, um auf Grund desselben so verantwortungsvolle 
Schritte zu unternehmen^). 
Spinnereien Die Baumwollspinnerei hat sich auch in Böhmen im 3. Jahrzehnt des 19. Jahr- 
hunderts außerordentlich entwickelt. Die meisten dieser Spinnereien konnten 
sich zwar an Größe mit den niederösterreichischen nicht messen, denn sie wurden 
meist zum eigenen Gebrauch der denselben Unternehmem gehörigen Baumwoll- 
waren- und Druckfabriken betrieben, waren dafür aber viel zahlreicher. Die 
wichtigsten Baumwollspinnereien Böhmens im Jahre 1828 veranschaulicht 
folgende Tabelle^): 

Baumwollspinnereien in Böhmen im Jahre 1828. 



1828. 



Ort 



Algersdorf 

Bürgstein 

Bürgstein 

Gabel 

Gabel 

Gabel 

Gabel 

Grabern 

Groß-Engenthal . . . 

Hayde 

Hayde 

Hayde 

Johnsdorf 

Kreibitz 

Leippa 

Lindenau 

Markersdorf bei Gabel 
Mertendorf 



Eigentümer 



F. Kreibich , . . 
Gebrüder Werner 
Gebrüder Henke . 
F. Richter .... 
K. Kraus .... 
J. Hamann . . . 
A. Vogel .... 
F. Lehnhard . . . 
Schicht & Wiesener 
Dionis Heysler . 
Josef Helzel . . . 
Elis Günther . . 
F.Heller .... 
Karl Petzold. . . 
F. Wotzel .... 
A. Renger .... 
Josef Kittel . . . 
F. Lehnhard . . . 



Zahl der 
Spinn- 
maschinen 



4 Mules 
4 
4 
4 
4 
3 
4 
3 
8 
4 
3 
2 
2 
4 
6 
4 

14 
4 



Spindel- 
zahl 



464 
576 
278 
576 
516 
356 
540 
316 

1.152 
576 
264 
100 
202 
184 
700 
278 

3.000 
416 



Piekzahl 
der jährL 

Er- 
zeugung 



2.784 

3.256 
1.668 
3.456 
3.096 
2.136 
3.240 
2.370 
5.760 
3.456 
1.584 
600 
1.212 
1.120 
4.200 
1.668 
18.000 
2.496 



^) Keeß u. Blumenbach, a. a. 0., I, S. 371 f.; Kurrer, Gesch. d. Zeugdruckerei, IL Aufl., 
63 ff. — ») H. K. A. Kom. Praes. 1823, Nr. 110, 1030, 1107, 1135; 1824, Nr. 142, 143. — =>) H. K. A. 
Kom. Kam., Fasz. 31, Nr. 86 ex aug. 1828; Keeß u. Blumenbach, a. a. 0., I, S. 164, 172 ff. 



299 



Ort 



Eigentümer 



Zahl der 
Spinn- 
maschinen 



Spindel- 
zahl 



Packzahl 
der jährl. 

Er- 
zeugung^ 



19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 
29 
30 
31 
32 
33 
34 
35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 
42 

43 
44 

45 
46 

47 

48 
49 
50 
51 
52 
53 
54 
55 
56 
57 
58 
59 

60 
61 
62 
63 
64 
65 
66 
67 
168 
[69 



Mertendorf 

Mertendorf 

Morgenthal 

Niemes . . ; 

Nieraes 

Nieder-Kneibitz 

Reichstadt 

Rumburg 

Schönlinde 

Tetschen (errichtet 1801) . . 

Warnsdorf 

Warnsdorf 

Warnsdorf 

Wegstadtel 

Wernstadtl (err. 1796) .... 

Zwickau 

Zwickau 

Zwickau 

Zwickau 

Zwickau 

Zwickau 

Zwickau 

Schloppenhof (err. 1816) . . . 
Steingrub und Schönbach (err, 

1816) 

Graslitz (err. 1822) 

Grünberg bei Graslitz (err, 

1820) . 

Graslitz (err. 1821) 

Silberbach bei Graslitz (err. 

1824) 

Grün bei Asch (err. 1819) . . 

Haslau (err. 1824) 

Wildstein (err. 1825) .... 
Unter- Wildstein (err. 1822) . 

Asch (err. 1820) 

Asch (err. 1821) 

Asch (err. 1820) 

Fleissen (err. 1826) 

Roßbach (err. 1811 u. 1820) . . 

Roßbach 

Roßbach (err. 1811) 

Roßbach (err. 1811) 

Großenteich bei Eger (err. 1820) 

Königsberg bei Eger (err. 1827) 
Ungenannt (err. 1827) .... 
Rothenhaus bei Saaz (err. 1824) 

Georgenthal 

Weipert 

Reichenberg 

Arnau 

Kuttenberg 

Prag 

Lodenitz 



J.Heller 

Jos. Lehnhard . . . . 
W. Hantschel . . . . 
G. Reismüller . . . . 

B. Woitin 

A. Marschner 

G. Spiegel 

A.Pfeifer 

Gottf. Preusger . . . 
Josef Richter . . . . 

Josef Groß 

Josef Franz 

J. G. Fröhlichs Söhne 

28 Spinner 

Friedrich Pilz . . . . 
Ignaz Ulbricht . . . 
Johann Ulbricht . . . 
Ignaz Rückziegel . . 

Ignaz Vogel 

Ignaz Wieden . . . , 
Anton Riegert . . . , 
Rosina Riegert . . . 
Bachmayer & Co. . . . 



Siebenhüner & Hannabach. 
Friedr. Karl Stark . . . . 



Josef Keilwerth 49 

Wenzel Köhler 5 



Wenzel Köhler & Landrock 
Jonas Schindler . 
Biedermann & Sohn 
Johann Friedrich. 
Josef Fischer . . 
F.H.Kirchhof. . 
Christian Kirchhof 
Christian Holstein 
Johann Josef Schmidt 
Johann Kinzl . . 
W. A. Kinzl & Götz 
Seb. Hoendl . . 
Friedrich Baer 
Ferd. • Kriegelstein von 
Sternfeld 



Kühne & Tetzner^) 
Mauerbach & Co. . 



Ballabene 



Breuer 

Rosaglia Dormitzer 
Sigm. Göldstein . 



3 Mules 

3 , 

5 , 

4 , 
2 , 
2 , 
2 , 

2 , 

6 , 
12 , 
10 , 

7 , 

4 , 
28 , 
32 , 

5 , 

4 , 
1 . 

3 , 

5 , 

3 , 

4 , 
60 , 

22 , 

30 , 



324 
304 
720 
200 
100 
160 
260 
200 
540 
1.600 
1.508 
969 
528 
840 
5.102 
672 
720 
144 
488 
636 
528 
420 
11.520 



1.944 
1.824 
4.320 
1.200 
600 
960 
1.560 
1.200 
3.240 
8.000 
6.032 
3.876 
2.112 
5.040 

24.000 
2.6 
2.880 
864 
1.952 
2.544 
2.112 
1.146 

24.000 



8 




19 




16 


>» 


19 


»» 


17 




28 


»» 


8 


)« 


5 


»» 


8 


»» 


11 


)» 


4 


»> 


8 


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5 


<t 


7 


»» 


48 


>» 


60 




3 


t« 


17 


»» 


16 


«1 



4.308 


9.600 


6.044 


10.500 


9.912 


15.000 


960 


1.800 


1.632 


3.000 


3.828 


7.500 


3.072 


8.000 


3.648 


1.900 


3.192 


5.400 


5.292 


9.600 


1.632 


2.400 


984 


1.800 


1.632 


1.800 


2.150 


3.600 


732 


900 


1.440 


2.100 


938 


1.200 


1.560 


2.600 


9.216 


34.560 


10.000 


37.500 


510 


682 


— 


16.000 





8.000 


3.206 


10.000 


3.074 


7.500 



^) Näheres über diese Spinnerei Großind. Ost., IV, 221. 



300 

Außerdem hatte Jakob Lang zu Drüssowitz im Taborer Kreise eine Spinnerei 
mit 60 Mulemaschinen, welche somit zu den größten in Böhmen gehörte. In 
Reichenberg bestand nicht nur die erwähnte, sondern im ganzen 6 Spinnereien 
mit zusammen 80 Feinspinnmaschinen^). 
Baumwoii- In den Jahren von 1830 — 1840 machte die böhmische Baumwollindustrie 
waren- ^ie(jer bedeutende Fortschritte, was am deutlichsten aus der großen Zahl der 
seit 1830. in dieser Zeit verliehenen Landesfabriksbefugnisse erhellt. So erhielten diese 
Befugnis 1830 Franz Wedrich, Druckfabrikant in Böhm.-Leipa (mit 200 Ar- 
beitern), Esther Schick & Co. in Prag, Johann Wünsche in Schönlinde für Baum- 
woll- und Leinenwirkwarenerzeugung (letzterer beschäftigte an 300 Personen) 
und Simon Wähle in Prag, der 610 Werkstühle, teüs durch eigene, teils durch 
Lohnweber beschäftigte, für Leinen- und BaumwoUwarenweberei; im Jahre 
1831 erhielt die förmliche Befugnis Josef Richter zu Wernstadtl; 1835 wurde 
den Brüdern Eduard und Gustav Richter in Altwarnsdorf die Fortführung der 
bis dahin unter der Firma Stolle & Söhne bestandenen landesbefugten Leinen- 
damast- und BaumwoUwarendruckfabrik gestattet^). 

Die priv. Leinen- und Baumwollwarenmanufaktur von J. G. Fröhlichs 
Sohn & Co. in Wams dorf beschäftigte 1835 im Fabriksgebäude 50 Arbeiter, 
außer demselben andere 250^). 
Wiener & Die priv. Kattundruckcrci Wiener & Söhne in Prag beschäftigte 1835 
Söhne j^gj -j^gQ Dpucktischcn und 2 Druckmaschinen über 500 Personen und unterhielt 
Niederlagen in Wien, Mailand, Pest und Prag. Sie ging jedoch 1839 ein. 
Wünsche Die Kattunfabrik von Franz Wünsche & Co. zu Hirschberg richtete 
(Hirsch ^^^^ ®^^^ Walzendruckerei ein und hatte 1831 90—100 Drucktische in Betrieb, 
berg). besaß eine eigene Färberei und beschäftigte in den Fabriksgebäuden an 400 Men- 
schen. Die Fabrik ging 1840 ein*). 
Gebrüder Die Gebrüder Borges errichteten 1818 eine Kattundruckerei in Prag, 1830 
Porges jjjj. zweites, weit großartigeres Etablissement in Smichow, welches bald eines 
' der größten seiner Art wurde und dem ob seines ausgezeichneten Rufes die Ehre 
zuteil wurde, im Jahre 1833 gelegentlich des Aufenthaltes des Kaiserpaares in 
Prag von demselben besucht zu werden; 1835 beschäftigten sie in den Fabriks- 
gebäuden 569 Arbeiter, 1845 schon 700 und 2 Dampfmaschinen von 28 Pferde- 
kräften. Im Jahre 1841 wurden die Gebrüder Porges in den Adelsstand erhoben 
mit dem Prädikate Edler von Portheim^). 
Leiten- Das Jahr 1836 gab den böhmischen Industriellen Gelegenheit, ihre Leistuugs- 

berger fähigkcit auf der Prager Industrieausstellung wieder öffentlich zu zeigen. Die 
Stadt). Baumwollwarenerzeuger ließen sich diese Gelegenheit nicht entgehen'). Der 
Druckfabrik von Ignaz Leitenberger zu Reichstadt wurde die höchste 
Auszeichnung zuteil, indem ihr Inhaber zum wirklichen Mitgliede des böhmi- 

») Keeß u. Blumenbach, a. a. 0., I, S. 174. — *) Statth. A. Prag, 1826—1835, Kom., 
Fasz. 14, subn. 42, 55, 57, 83, Fasz. 7, subn. 14, Fasz. 13, subn. 10, 19, 20, 21, 23, 40, 43, 59, 
65, 66, 75. — «) Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1835, S. 52 f. — «) Ber. ü. d. Ausst. Prag, 1831, S. 129—131 ; 
Kurier, a. a. 0., S. 67 ff. — ') Denkbuch über d. Anwesenheit Franz' I. in Böhmen 1833, S. 71; 
Kurrer, a. a. 0., S. 69; Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1835, S. 116—118, 1845, S. 551. — •) Ber. ü. d. 
Ausst. Prag, 1836, S. 82—117, Wien 1835, S. 327. 



301 

sehen Gewerbevereins ernannt wurde. Diese Unternehmung stand an der Spitze 
der böhmischen Baumwolldruckfabriken, beschäftigte 1835 in den Fabriks- 
gebäuden 607 Arbeiter und durch Faktoreien außerhalb derselben über 2000; 
1837 ging diese Unternehmung an Ignaz' Sohn, Eduard Leitenberger über^). 

Der goldenen Medaille wurde die Druckfabrik von Franz Leitenberger Leitea- 
zu Kosmanos teilhaftig. Diese Fabrik kam 1793 durch Kauf an Josef Leiten- ''^'^^" 
berger, welcher sie 1796 seinem Sohne Franz überließ; 1797 wurde das gewesene manor). 
Piaristenkloster in Kosmanos angekauft, welches zunächst in Werkstätten für 
Baumwollspinnerei und Weberei, seit 1814 in Kattundrucksäle verwandelt wurde. 
Im Jahre 1815 wurde hier der englische Walzendruck eingeführt. Leitenberger 
zog die zwei ausgezeichneten Elsässer Karl Köchlin und Jeremias Singer heran, 
den ersten als Koloristen, den zweiten als Zeichner, welche 1819 in Jungbunzlau 
selbst eine BaumwoUwarendruckfabrik errichteten. Nach dem Tode Franz 
Leitenbergers im Jahre 1825 wurde die Kosmanoser Fabrik Eigentum seines 
Sohnes Friedrich und seiner Tochter Johanna, verehelichte von Orlando, 
nachdem sie schon seit 1811 von Ignaz von Orlando geleitet worden war. Im 
Jahre 1835 hatte die Unternehmung 160 Drucktische, sowie aUe Maschinen und 
Apparate, welche bei der damaligen Entwicklung der Druckfabrikation erforder- 
lich waren. Dag Betriebspersonal belief sich auf 657 Köpfe. Bis 1845 war die 
Zahl der Drucktische auf 200 mit 3 Druckmaschinen, die Zahl der Arbeiter auf 
800 gestiegen. Die Fabrik unterhielt Niederlagen in Prag, Wien, Mailand, Venedig, 
Verona, Linz und Graz^). 

Die 1834 errichtete landesbefugte Fabrik von Lorenz Hanke & Söhne Hanke * 
in Lochowitz hatte 1836 bei der Weberei schon 120Fower-looms und 80 Dandy- sehne (Lo- 
looms in Betrieb. Der BaumwoUwarenfabrikant Kaleb Rößler in Georgs- 
walde (gegr. 1820) beschäftigte 550 Webstühle. Außerdem beteiligten sich an 
der Ausstellung von 1836 Josef Tobisch in Hohenelbe, J. Wambersky in Prag, 
Josef Sauermann in Reichstadt (50 Webstühle) und Josef Münzberg in Georgs- 
walde. Franz Herrmann, priv. Kotton-, Tüchel-, Druck- und Baumwollspinn- 
fabrikant in Joachimsthal (gegr. 1796, einfache Fabriksbefugnis seit 1802, 
Landesbefugnis seit 1821), beschäftigte 1836 an 600 Menschen^). 

Die 1802 von August Starke gegründete BaumwoUwarendruckfabrik zu Leiten- 
Niemes ging 1818 an Ignaz Leitenberger über, worauf sie 1830 von dessen ^f^®'' 
Sohn Karl übernommen wurde ; sie wies in den Dreißigerjahren an 350 Arbeiter 
auf und zählte 1842 über 100 Drucktische, ging jedoch 1843 ein*). Die Druckerei 
von Leopold Epstein in Prag gewann seit 1820 eine große Bedeutung, Epstein 
hatte in den dreißiger Jahren 180 Drucktische, 3 Walzendruckmaschinen und ^^'**'' 
863 Arbeiter, war schon die größte Unternehmung dieser Art und nahm auch weiter- 
hin an Ausdehnung zu. Pfibramund Jerusalem trennten sich 1836, worauf PKbram 
der erstere die Smichower, der letztere die Karolinenthaler Fabrik fortbetrieb. (Sn"«'»«''»« 
Während die letztere seitdem stark sank, nahm die Unternehmung in Smichow 



») Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1835, S. 107—109, 1839, S. 332. — ») Ber. ü. d. Ausst. Wien, 1835, 
S. 104—107, 1845, S. 549. — =•) Ber. ü. d. Ausst. Prag, 1836, S. 82—117, Wien, 1835, S. 127. — 
*) Kurrer, a. a. 0., S. 64 f.; Ber. ü. d. Ausst. Prag, 1836, S. 96, 114, Wien 1839, S. 338. 



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einen großen Aufschwung. Im Jahre 1845 hatte sie 180 Drucktische, mehrere 
Walzendruckmaschinen, 1 Dampfmaschine von 12 Pferdekräften und ein Betriebs- 
personal von über 600 Köpfen^). 
Köchiin & Die Fabrik von Köchlin & Singer, die in den dreißiger Jahren noch zu den 
Singer größten Kattundruckcrcien Böhmens gehörte, und seit 1843 von den Söhnen 
fcuBziau). Köchlins unter der Fü*ma Karl Köchlins Söhne fortgeführt wurde, hatte 1845 
nur 150 Arbeiter^). Größere Ausdehnung hatten folgende Druckereien erlangt: 
Die von Leopold Löwenfeld zu Lichtenstadt (gegT. 1814, 1845 an 400 
Arbeiter^), die von Leopold Dormitzer zu Holleschowitz (gegr. 1822*), die 
der Brüder Taussig zu Bubentsch bei Prag, die von Brandeis & Wehle und die 
von Schick, Lederer & Lippmann (1830 Landesbefugnis) in Prag^). 

Im Jahre 1837 wurden förmliche Fabriksbefugnisse verliehen: an Johann 
Wilhel